Raphael Arié, Stimme vom Schwarzen Meer

  • Hallo!


    Raphael Arié, bulgar. Baß; geb. 22.8.1922 in Sofia, gest. 16.2.1988 in St. Moritz. Nachdem er in Sofia 1939 als Konzert- und 1945 als Opernsänger debutiert hatte, nahm er in Italien Unterricht bei Stracciari, Granforte und Tagliabue. Seit seinem Scala-Debut 1947 (Die Liebe zu den drei Orangen) war er einer der führenden Bässe an nahezu allen italienischen Bühnen; machte auch internationale Karriere. 1951 UA "The rake´s progress" (Venedig), Festspiele in Aix-en-Provence, Salzburg und Florenz.


    Als Liebhaber der Bässe "Vom Schwarzen Meer" darf dieser excellente Sänger natürlich nicht fehlen.


  • In meiner Sammlung von Bass-Recitals findet sich die folgende CD, die 1989, ein Jahr nach dem Tod von Raffaele Arie, aus privaten Tonbandaufnahmen aus seinem Nachlass von seiner Witwe, Frau Elsa Arie, zusammengestellt wurde:



    Die Zusammenstellung enthält neben den üblichen Bassarien, wie den Philipp aus "Don Carlos", Mephisto aus "Faust", Boris, Konchak oder Don Giovanni, auch einen Ausschnitt aus Mendelssohns "Elias", gesungen auf hebräisch (er war ja Professor in Tel Aviv) sowie Beethovens Kantate WoO 87: Zum Tod von Kaiser Joseph II.
    Das informative Booklet enthält auch einen Beitrag seines Sängerkollegen und Freundes Enzo Dara.


    Ein echtes Juwel in meiner Sammlung!


    LG


    :hello:

  • Hallo, Harald!


    Um Deine Juwelen kann man Dich nur beneiden. In meinem Hinterkopf schweben mir auch noch Aufnahmen von Arié vor, die irgendwo bei mir lagern. In einer Zusammenstellung der National-Oper Sofia. Ich werde in nächster Zeit noch danach fahnden.



    Gruß Wolfgang

  • Aus seiner Frühzeit in Bulgarien habe ich keine Tonaufnahmen. Erst nach seinem Debut an der Mailänder Scala 1947 - der er für 40 Jahre treu blieb - sind mir Aufnahmen bekannt, die aber alle ausserhalb seiner bulgarischen Heimat stattfanden. Dem kommunistischen Regime in Bulgarien war er nicht zugetan, und so zögerte er keinen Moment, als ihm der italienische Staatspräsident die italienische Staatsbürgerschaft anbot. So wurde aus dem Raphael der Raffaele, der ohne große Visum-Probleme als EG-Bürger weltweit gastieren konnte.


    Zu den Dirigenten, die ihn schätzten und immer wieder einluden, gehörte auch Hans Rosbaud. Dieser verpflichtete ihn jedes Jahr zu den Festspielen in Aix-en-Provence, wovon uns etliche Tonaufnahmen erhalten sind.


    Hier ist z. B. sein "Osmin" in Mozarts "Entführung" von 1954:



    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Die Entführung aus dem Serail

    Künstler: Stich-Randall, Gedda, Senechal, Prietto, Arie,
    Conservatoire Orchester,
    Rosbaud
    Label: Walhall , ADD/m, 1954


    Zuvor hatte er bereits seit 1950 alljährlich dort den Komtur im "Don Giovanni" gesungen, z. B.:



    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Don Giovanni

    Künstler: Rehfuss, Cortis, Rysanek, Martinis, Simoneau, Alarie, Arie
    Conservatoire Orchestra,
    Rosbaud
    Label: Walhall , ADD/m, 1952


    Leider sind diese Aufnahmen aus Aix durchweg von bescheidener Tonqualität.


    LG


    :hello:

  • Als Raffaele Arie erstmals in New York war, um an der MET den Mephisto zu singen, war er - ohne Englischkenntnisse - ziemlich einsam und verloren in der Großstadt. Als er im Hotel Hunger auf heimatliches Essen bekam, ließ er sich von einem Taxifahrer zu einem kleinen griechischen Lokal bringen. Bei der Essensbestellung gab es Probleme - der Keller verstand ihn nicht, weder auf italienisch oder bulgarisch oder russisch.Am Nebentisch saß ein kleiner, bebrillter Mann, zusammen mit einem großen, glatzköpfigen, der das mitbekommen hatte, und bot ihm auf russisch seine Hilfe an. So fungierte er als Dolmetscher, Raffael bekam sein Essen. Anschließen unterhielten sich die beiden Männer mit ihm - es waren sonst keine Gäste im Lokal - und erfuhren so die Geschichte des bevorstehenden Mephisto-Debuts an der MET.
    Sie stellten sich vor: Der Lange war Maestro Mitropoulus, der Kleine mit der Brille war Igor Strawinsky. Man unterhielt sich bestens, der Abend war ein voller Erfolg, ebenso wie das MET-Gastspiel des Sängers. Die Herren hatten sich die Vorestellungen angesehen und waren von dem unbekannten bulgarischen Sänger sehr angetan.


    Und später dann erhielt Raffaele Arie die Einladung an das Fenice in Venedig, an der Welt-Uraufführung der Oper "The Rake's Progress" mitzuwirken, die jener kleine bebrillte Mann geschrieben hatte, der ihm die Speisekarte in dem kleinen griechischen Lokal an der 57. Straße in New York übersetzt hatte:



    LG

  • Heute wäre der Sänger 90 geworden.


    Arié, Raphael (Raffaele), bulgarischer Bass, * 22.8.1922 Sofia, † 16.2.1988 Sankt Moritz.


    Seit seinem Scala-Debüt vor 65 Jahren, Mailand 1947 (Die Liebe zu den drei Orangen), war er einer der führenden Bässe an nahezu allen ital. Bühnen; machte auch international Karriere.



    hier singt er den Mephisto.


    LG


    :hello:

  • Mein lieber Harald!


    Auch ich höre Raffael Arié sehr gerne. Dieser "Faust" wäre sehr interessant, würde nicht Gianni Poggi die Tenorrolle singen. Seine blecherne Stimme sagt mit garnicht zu. Schade um diese interessante Aufnahme.

  • Als meine erste Frau und ich 1967 erstmalig in Wien waren, war der Hauptanlass unserer Reise der Bassist Nicolai Ghiaurov, der an der Wiener Staatsoper in Don Carlo und Faust auftreten sollte. Meine Frau vergoss viele Tränen, weil Ghiaurov den Filippo abgesagt hatte. Für ihn sang Raffaele Arie, und auch wenn die Enttäuschung über Ghiaurovs Absage überwog, mussten wir uns doch eingestehen, dass Arie sehr, sehr gut war - wenn ich mich noch richtig erinnere, mit einer typisch slawischen, etwas knorrigen Stimme. Heute wären wir mit Sicherheit über solche Besetzungen sehr froh (Jurinac, Ludwig, Zampieri, Paskalis/Wächter, Arie, Hotter, Franc - Dirigent : Varviso). Damals, im jugendlichen Überschwang, erlaubte man sich auch kritische Bemerkungen.


    Gruß, Peter

  • Anläßlich des 90. Geburtstags von Raffaele Arié höre ich diesen "Ernani" von 1967. Beeindruckend sein De Silva. Die Aufnahme wurde Life aufgenommen und im 20-Bit-Verfahren restauriert. Erstaunlich nur, wieviel dabei gehustet wird.


  • Heute vor 25 Jahren ist er gestorben:


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    Arié, Raphael (Raffaele), bulgar. Bass, * 22.8.1922 Sofia, † 16.2.1988 Sankt Moritz.
    Nachdem er in Sofia 1939 als Konzert- und 1945 als Opernsänger debütiert hatte, nahm er in Italien Unterricht bei Stracciari, Granforte und Tagliabue. Seit seinem Scala-Debüt, Mailand 1947 (Die Liebe zu den drei Orangen), war er einer der führenden Bässe an nahezu allen ital. Bühnen; machte auch international Karriere: 1951 Uraufführung The Rake's Progress (Venedig), Festspiele in Aix-en-Provence, Salzburg und Florenz, Wien (1960–68), Hamburg, Stuttgart, Paris, USA.

    [Quelle: Reclams Opernlexikon, S. 3910 (c) 2001 Philipp Reclam jun.]


    LG

  • Heute ist wieder Raphael Aries Geburtstag. Dazu habe ich diese Aufnahme ausgesucht:



    Heute wäre er 95 Jahre alt geworden.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).