Prokofjew: Toccata op. 11

  • Hallo, liebe Musikfreunde,


    dieses Stück von Prokofjew nimmt sicher in der Klavierliteratur einen Sonderplatz ein. Es hat keine Themen oder Motive, besteht aus reiner Motorik, und das wird jetzt vielleicht jeden abschrecken, der bisher schlechte Erfahrungen mit der Musik des 20. Jahrhunderts gemacht hat. Das Gegenteil ist der Fall! Das Stück wirkt bis heute so frisch wie kaum ein anderes Werk für Klavier. Für mich ist es ein echtes Pendant zum Bolero von Ravel. Lange vor den Einflüssen des Jazz nimmt es bereits alles vorweg, was dann in den 1970er Jahren in den anspruchsvolleren Werken des Rockjazz wieder aufgenommen wurde.


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    (Natalia Gontscharowa: Pfau in heller Sonne, 1911)


    Prokofjew (1891 – 1953) hat es 1912 am Ende seiner 10-jährigen Studienzeit in St. Petersburg komponiert. In diese Zeit fällt die Revolution 1905 und in ihrem Umfeld eine der spannendsten Aufbruchphasen, die die Kunst je erlebt hat. Davon ist in diesem Stück viel zu spüren. Es wurde erstmals 1916 öffentlich aufgeführt (von Prokofjew selbst, der ein hervorragender Pianist war) und war von Beginn an eins seiner erfolgreichsten Stücke.


    Eine Übersicht verschiedener Einspielungen: Link


    Viele Grüße,


    Walter

  • Zu dem Thema kann ich noch was beitragen:


    Jean Guillou hat eine Transkription für Orgel geschaffen, schön eingespielt von Latry: [Nachtrag: vielleicht doch etwas zahm. Sollte nicht unbedingt als Kaufempfehlung verstanden werden.]


    (was man allerdings von der insgesamten Zusammenstellung der Stückchen dieser SACD halten soll, ist eine andere Frage...)

  • 8o
    Die Toccata auf der Orgel??
    Kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen,wie jemand auf die Idee kommt, dieses percussive, hämmernde Stück auf der Orgel zu spielen, "zahm" kann ich mir denken... :D
    Also, ja, die Toccata ist ein geniales Stück und ich tendiere auch dazu, daß die beste Einspielung die von Martha Argerich ist.
    Das was ihre Einspielung (neben ihren andere wohlbekannten Tugenden wie den unglaublichen Vorwärtsdrang, die große Linie nicht zu vergessen usf.) so besonders macht, ist vor allem das Tempo, sie spielt es von allen, die ich bis jetzt kenne (Argerich; Horowitz; Gilels; Prokofiev auf einer Piano Roll in leider so schlechter Qualität, daß man die Interpretation nicht vergleichen darf; Frederic Chiu (Prokofiev Piano-Gesamtwerk!!)) am schnellsten und vor allem hält sie es durch, ich glaube, Horowitz beginnt sogar schneller, kriegt es aber technisch nicht auf die Reihe, das Tempo zu halten (ab da, wo diese beliebten Bass-Sprünge beginnen :D), wodurch es etwas lahm wirkt.


    Also, meine Empfehlung für dieses Stück und aber vor allem auch für Prokofiev allgemein. (JA, es ist JETZT der richtige Augenblick den 1-4-5-1-Quartvorhalt-Triller-1 - Mozart auszuschalten, die Provinz zu verlassen und sich zumindest eine CD mit Prokofiev zu kaufen :P :D :yes: )


    Viele Grüße

    Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

  • Lieber Peter ,
    Martha Argerichs Interpretation als sie den Busoni - Wettbewerb gewann bleibt für mich der Massstab ..
    Dieses 2. (!) Debut-Recital fällt gegenüber der Argerichaufnahmen bei EMI doch ab . Aber das am Rande .
    Beste Grüsse
    F r a n k

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

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  • Zitat

    Original von bubba
    8o
    Die Toccata auf der Orgel??
    Kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen,wie jemand auf die Idee kommt, dieses percussive, hämmernde Stück auf der Orgel zu spielen, "zahm" kann ich mir denken... :D


    So abwegig finde ich die Idee überhaupt nicht! Der Begriff "Toccata" wird ja heute mehr der Orgel assoziiert als früher: es gibt mittlerweile mehr bekannte "Orgeltoccaten" als "Klaviertoccaten". Von daher ist es doch naheliegend, eine der berühmtesten KLAVIERtoccaten zu einer ORGELtoccata umzuarbeiten. Umgekehrt ist's ja auch der Fall (Liszt, Busoni...).
    Ich habe Latrys Einspielung der Guillou-Orgelfassung ebenfalls. "Zahm" würde ich nicht unbedingt sagen - jeder, der schon mal ein bisschen in die verschiedenen Orgelstile hineingeschnuppert hat, weiß dass eine Kirchenorgel sehr wohl überaus "percussiv" und "hämmernd" klingen kann (auch die Orgel von Notre-Dame de Paris).
    Man muß zugeben, dass aufgrund des Instrumentes und vor allem der Akustik einige "Abstriche" gemacht werden müssen, sei es im Tempo oder in der "hämmernden" Klangfarbe. Latry hat das meines Erachtens sehr gut gelöst. Ich kenne sonst nur die EInspielung von Winfried Bönig im Dom zu Köln (die Registrierung ist dort "agressiver", allerdings braucht er eine ganze Minute länger als Latry). Guilous eignee Einspielung kenne ich (noch) nicht...


    Gruß
    Karsten

  • Hm, ja, du hast schon recht, bei Reger ist eine Orgel auch nicht unbedingt zahm (Fantasie über "Wachet auf" ?? :D ). Doch Toccata bedeutet ursprünglich nur soviel wie "flüchtig die Tasten berühren", kurz, es handel sich wohl um was schnelles. Dass es viel mehr Orgeltoccaten gibt, liegt doch vermutlich daran, daß Bach derart viele schrieb und er formprägend war (ist nur eine Vermutung), sodaß die Nachfolgenden "Orgelkomponisten" eben Toccata eher mit Orgel als mit Klavier assoziierten.
    Aber eine Orgel ist doch einfach kein Schlaginstrument, hat keine Hämmer, deswegen habe ich mich gewundert, doch ist vielleicht auch alles was ich schreibe Stuss, und ich sollte es mir einfach mal anhören :D


    Viele Grüße

    Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

  • Hallo,


    ich habe am Mittwoch Möglichkeit gehabt, in die Noten zu schauen und diese mit der Aufnahme der Argerich mitzuverfolgen.
    Beim Anfangsmotiv, den motorischen Oktavachteln und der Melodie, die darin zu schweben scheint, war es auch noch kein Problem.
    Als es dann jedoch in die Zwischenteile überging, war es fast nicht mehr zu machen, dort mitzukommen. Ich habe dann drauf gewartet, dass wieder das Anfagsthema kommt.
    Ein Wahnsinnsstück, wenn man so will. :yes:



    Gruß, Peter.

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    Lieber Peter ,
    Martha Argerichs Interpretation als sie den Busoni - Wettbewerb gewann bleibt für mich der Massstab ..
    Dieses 2. (!) Debut-Recital fällt gegenüber der Argerichaufnahmen bei EMI doch ab . Aber das am Rande .
    Beste Grüsse
    F r a n k


    das ist die einzige Aufnahme, die ich habe - also ein Glückstreffer.


    Als ich Samstagmorgen, ich schätze so gegen halb 1 uhr durchs Fernsehen gezappt habe bin ich auf einem Französischen Sender hängen geblieben: Lise de la Salle hat dort ein Stück von Liszt und eben diese Toccata gespielt. Ich hab mich dann sofort noch mal dessen vergewissert, aber sie spielt den Schluss ziemlich im gleichen Tempo wie Martha. Es scheint zwar leider noch keine Einspielung zu geben - aber falls jemand wüsste wie ich an einen Videomitschnitt davon rankäme wäre ich sehr dankbar. Von Liszt gibt es ja schon eine CD von ihr:



    Dies hab ich noch gefunden (je w w w .):


    abeilleinfo.com/forum/read.php?f=2&i=3887&t=3887


    lotusrecords.at/fileadmin/lotus/downloads/KL-06-05.pdf (auf Seite 9 eine Kritik)


  • hallo,


    prokofievs toccata hat eine ähnliche stimmungslage, wie einige andere seiner werke (sarkasmen, suggestions diaboliques). martha argerichs interpretation aus jungen jahren ist sicherlich die rascheste und dabei temperamentvollste darstellung. wie sollte es auch anders sein. mich stört aber etwas die nervosität und unregelmäßigkeiten in den akzenten. ich bevorzuge die einspielung des jungen vladimir ovchinikov bei EMI. obwohl er die toccata etwa 40 sek. langsamer spielt als argerich, ist es immer noch ein rasches sprich adäquates tempo. durch die gleichmäßigkeit des anschlages und die brutal gesetzten akzente gelingt eine art hommage an das superlativ-industrielle, was einzug im stalinistischen system gehalten hatte. vielleicht etwas weit hergeholt :rolleyes:



    gruß, siamak

    Siamak

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  • Bestimmt wurde die hier schon besprochen... Bei einem Zufallsfund konnte ich wieder meinem Hobby "aus Mono nach Stereo" frönen - deutlicher,Gewinn imho. Ohne schon gesucht und in den Noten nachgeschaut zu haben, frage ich mich gerade, von wann die Aufnahme ist und ob nicht am Ende mindestens ein halber Takt fehlt. Ansonsten gefällt mir die Interpretation gut -. auch, wenn es ein motorisches Stück ist, wird ansonsten manchmal auch etwas übertrieben mit dem Tempo, finde ich, gerade heutzutage, wo der Tonmeister stark "mitinterpretiert". Habe da irgendwie im Hinterkopf, dass Prokofiev das selber als verflucht schwierig und an seine Spielgrenzen gehend ansah. Auf der Orgel kann man damit auch gut Krach machen, habe auf meinem Kanal einen Livemitschnitt von Jean Guillou vor über 25 Jahren, der die ja für Orgel eingerichtet hat.


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    Dieses Video ist privat

  • Ich kann mir nicht helfen. Obwohl dieses Stück eine gerne (?) gegebene Zugabe bei Konzerten ist und dieser Form genre auch mal ein wenig zu forsch gehämmert wird, finde ich die alten Einspielungen von Martha Argerich mit Abstand die besten Interpretationen. Absolute Überlegenheit über das Material!. Die Toccata ist eine Art Etüde. Sie entfaltet nur dann ihre musikalische Kraft, wenn technischen Herausforderungen erkennbar aber eben auch souverän gemeistert werden.


    Bei Gilels finde ich den Anfang uninteressant.


    Hier eine Aufnahme mit Argerich vom WDR: Ich würde sie Anfang der 60-er verorten. Sie kommt meinen persönlichen Idealvorstellungen schon sehr nahe.


    Leider nicht innerhalb der Forensoftware abspielbar. Dieselbe Aufnahme in leider deutlich schlechterer Klangqualität. Argerich vierliert bei den kompliziertesten Stelle nicht einen Hauch von Kontrolle. Alle Stimmen sind jederzeit durchhörbar. So häufiug kann man mich nicht beeindrucken. Hier bin ich es.

  • Ich kann mir nicht helfen. Obwohl dieses Stück eine gerne (?) gegebene Zugabe bei Konzerten ist und dieser Form genre auch mal ein wenig zu forsch gehämmert wird, finde ich die alten Einspielungen von Martha Argerich mit Abstand die besten Interpretationen. Absolute Überlegenheit über das Material!. Die Toccata ist eine Art Etüde. Sie entfaltet nur dann ihre musikalische Kraft, wenn technischen Herausforderungen erkennbar aber eben auch souverän gemeistert werden.

    Die Toccata von Prokofieff ist natürlich nicht nur eine Gelegenheitskomposition und ein Zugabenstück, sondern hat einen klassischen Vorläufer. Das ist die Toccata von Robert Schumann, die Prokofieff, der selber Pianist war, selbstverständlich kannte. ;) Die Schumann-Toccata ist klaviertechnisch übrigens nicht unerheblich anspruchsvoller als die Prokofieff-Toccata. Martha Argerich spielt die Prokofieff-Toccata nicht anders als die Schumann-Toccata: suggestiv, als eine Art Rausch von Motorik. Sie hämmert beide Stücke von Anfang bis Ende durch. Bei der Schumann-Toccata entgeht ihr, dass diese Komposition einen formalen Aufbau hat, was Emil Gilels aufzeigen kann. Ihr Vortrag der Prokofieff-Toccata ist wegen der suggestiven Wirkung des Sogs sicher mitreißend, aber auch eindimensional. Dass ihr da doch die wesentliche Aussage entgeht, zeigt wiederum Emil Gilels.

    Bei Gilels finde ich den Anfang uninteressant.

    Ich finde gerade den Anfang bei Gilels ungemein spannend. Bei ihm ist - im ganz bewusst langsameren Tempo genommen (Gilels kann selbstverständlich jedes Tempo spielen, was er will!) - die Prokofieff-Toccata nicht eine Art von postwagnerianischer, also postromantischer, Rauschmusik, sondern eiskalte Mechanik, was nicht zuletzt durch das gemäßigtere Tempo herauskommt. Prokofieff hat Emil Gilels seine 8. Klaviersonate gewidmet, die Gilels auch uraufgeführt hat. Es gibt einen Konzertmitschnitt von Gilels, wo es im ersten Satz dieser Kriegssonate regelrechte akkordische Bombeneinschläge gibt. Und diese hört man als irritierende und verstörende Einschläge auch zu Beginn der Toccata, worüber Martha Argerich verharmlosend hinwegspielt. Bei Gilels hat die Toccata von Prokofieff den dramatischen Zug eines ambivalenten fascinosum et tremendum. Gerade in dem langsamen Tempo wirkt die Motorik dramatisch verdichtend, steigert sich zum Monströsen und Bedrohlichen. Bei Martha Argerich dagegen ist alles im Grunde eindimensional, ein sensualistischer Vitualismus, diese irritierende Doppelbödigkeit einfach nicht da. Im Kontext der russischen Musik sollte man auch nicht Strawinskys Petruschka vergessen, also die Problematik einer toten Mechanik, die eine Art Pseudo-Leben entfaltet: Totes, was nur den Schein von Leben erweckt, aber letztlich kein wirkliches Leben ist, sondern nur eine illusionäre Verzauberung. Bei Gilels spürt man in jedem Moment dieses Schillern zwischen mechanischer unerbittlicher Härte und und Anflügen von Rauschhaftigkeit, die aber gerade deshalb, weil sie "gemacht" wirken, dem Hörer bedrohlich über den Kopf wachsen, so dass ihm jegliche romantische Rausch-Begeisterung letztlich vergeht, die Illusion, wo sie aufkommt, gleich wieder verfliegt, indem die pseudoromantisch-naiven Rauschhaftigkeit ins destruktive Gegenteil des monströs Alptraumhaften dämonisch kippt. Ich kenne keine andere Aufnahme, welche diese Dimension von Prokofieffs Toccata erschließt und Gilels daher einen interpretationsgeschichtlichen Meilenstein.


    Schöne Grüße

    Holger

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  • Ich liebe dies Toccata. Und es gab mal Zeiten,da gab es op.7 (Schumann) und op.11 als Single, die sich dem Vernehmen nach auch gut verkauft hat:


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    Und hier zum Anhören:



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Meine erste Begegnung mit dem Werk war allerdings eine Transkription für Orgel, wahrscheinlich die von Jean Gillou. Dass die Toccata ein Klavierwerk ist musste ich in späteren Jahren erstmal verdauen. Hier ist diese Transkription, es spielt Vincent Dubois, einer der drei Organisten von Notre Dam a Paris:



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Das ist die Toccata von Robert Schumann, die Prokofieff, der selber Pianist war, selbstverständlich kannte. ;) Die Schumann-Toccata ist klaviertechnisch übrigens nicht unerheblich anspruchsvoller als die Prokofieff-Toccata.

    Das wird von allen Pianisten, die ich kenne, eher umgekehrt eingeschätzt. Das mag aber auch an physischen Voraussetzungen liegen, die natürlich von Pianist zu Pianist unterschiedlich sind. Über die Schumann Toccata habe ich gar nichts gesagt. Da müsste ich mir die Interpretationen erst anhören, bevor ich dazu etwas sagen kann.


    Ich finde gerade den Anfang bei Gilels ungemein spannend. Bei ihm ist - im ganz bewusst langsameren Tempo genommen (Gilels kann selbstverständlich jedes Tempo spielen, was er will!) - die Prokofieff-Toccata nicht eine Art von postwagnerianischer, also postromantischer, Rauschmusik, sondern eiskalte Mechanik, was nicht zuletzt durch das gemäßigtere Tempo herauskommt.

    Ja, die Mechanik ist hörbar. Da habe ich aber bei Argerich auch keine Probleme. Ich find aber Argerichs Interpretation an keiner Stelle postwagnerisch :). Ich finde nur, bei allem Respekt vor Gilels Leistungen, zum Beispiel bei seiner Einspielung der Beethoven Sonaten, sein Spiel bei Prokofieffs Toccata etwas uninspiriert. Prokofieff oben spielt das Werk nun auch nicht wesentlich schneller, für mich aber deutlich interessanter.

    Wenn der werte Kollege MartinH mit seiner Stereophonie nicht die komplette Akustik auf der Tastatur durcheinandergebracht hätte, würde mir diese Interpretation auch sehr gefallen. ;)^^


    Argerichs Interpretation ist natürlich noch einmal völlig anders, aber doch hochspannend.

  • Ich liebe dies Toccata. Und es gab mal Zeiten,da gab es op.7 (Schumann) und op.11 als Single, die sich dem Vernehmen nach auch gut verkauft hat:

    Samson Francois gefällt mir wirklich sehr gut, wie er - der Rhetoriker - bei der Prokofieff-Toccata die Phrasen und Frage-Antwort-Dialektik herausarbeitet.

    Das wird von allen Pianisten, die ich kenne, eher umgekehrt eingeschätzt. Das mag aber auch an physischen Voraussetzungen liegen, die natürlich von Pianist zu Pianist unterschiedlich sind. Über die Schumann Toccata habe ich gar nichts gesagt. Da müsste ich mir die Interpretationen erst anhören, bevor ich dazu etwas sagen kann.

    Mein Lehrer sagt das, der Konzertpianist... ^^ Wie dem auch sei: Wie schwer die Schumann-Toccata ist, kann man hier auch visuell beim Übervirtuosen Cziffra nachvollziehen:



    Was Gilels aus dem Stück herausholt in späteren Jahren, ist phänomenal. Das kann man nachvollziehen, wenn man den jungen Gilels von 1935 (da war er 21 Jahre alt) mit seinem Zugang von 1976 vergleicht - das ist 41 Jahre später und er ist 2:30 Minuten langsamer.



    Ich finde nur, bei allem Respekt vor Gilels Leistungen, zum Beispiel bei seiner Einspielung der Beethoven Sonaten, sein Spiel bei Prokofieffs Toccata etwas uninspiriert. Prokofieff oben spielt das Werk nun auch nicht wesentlich schneller, für mich aber deutlich interessanter.

    Ich glaube kaum, dass "Inspiriertheit" bei diesem Stück ein Kriterium ist - genauso wenig wie bei einer Bruckner-Symphonie. ^^ Unten kann man Gilels mit Notentext verfolgen. Er spielt einfach wie gefordert "marcato" - was im schnelleren Tempo nicht herauskommt und nicht herauskommen kann. Bei Gilels sind auch ganz schöne "Pfunde" im Spiel. Seine ungeheure dynamische Wucht kann man in so einer Aufzeichnung letztlich nur erahnen. Der Notentext wird dabei vorbildlich umgesetzt. Genauer geht es kaum:


    Argerichs Interpretation ist natürlich noch einmal völlig anders, aber doch hochspannend.

    Spannend ist das ohne Frage - die typische Argerich-Art. Sie hat natürlich ein Vorbild: Horowitz. Der ist in dieser Aufnahme von 1935 circa 1 Minute schneller als Gilels. Man merkt, was sich in diesem Tempo nicht realisieren lässt, wenn man es so stromlinienförmig motorisch spielt: die "Wellendynamik" des mehrfachen Bewegungsansatzes und Anlaufs zu einem Höhepunkt, die Gilels vorbildlich herausarbeitet.



    Schöne Grüße

    Holger

  • Das wird von allen Pianisten, die ich kenne, eher umgekehrt eingeschätzt. Das mag aber auch an physischen Voraussetzungen liegen, die natürlich von Pianist zu Pianist unterschiedlich sind. Über die Schumann Toccata habe ich gar nichts gesagt. Da müsste ich mir die Interpretationen erst anhören, bevor ich dazu etwas sagen kann.


    Ja, die Mechanik ist hörbar. Da habe ich aber bei Argerich auch keine Probleme. Ich find aber Argerichs Interpretation an keiner Stelle postwagnerisch :). Ich finde nur, bei allem Respekt vor Gilels Leistungen, zum Beispiel bei seiner Einspielung der Beethoven Sonaten, sein Spiel bei Prokofieffs Toccata etwas uninspiriert. Prokofieff oben spielt das Werk nun auch nicht wesentlich schneller, für mich aber deutlich interessanter.

    Wenn der werte Kollege MartinH mit seiner Stereophonie nicht die komplette Akustik auf der Tastatur durcheinandergebracht hätte, würde mir diese Interpretation auch sehr gefallen. ;)^^


    Argerichs Interpretation ist natürlich noch einmal völlig anders, aber doch hochspannend.

    ..dann hör' sie Dir Mono an. :) Die richtige Position der Töne auf der Stereobasis hinzubekommen, ist so tatsächlich unmöglich. Zufrieden war ich aber auch nicht, hier eine neue Version, etwas besser imho, aber bei diesem File tu ich mich irgendwie schwer. Schon am Anfang wird stark gepannt im Pingpong-Stil, ohne dass ich wirklich was dafür kann. Immerhin kann man per Aufteilung in Frequenzbänder das "Phasige" etwas mindern und eine bessere Mitte hinbekommen - hier ist aber trotzdem "noch ein Vorhang drüber" bzw. dazwischen.

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  • Die richtige Position der Töne auf der Stereobasis hinzubekommen, ist so tatsächlich unmöglich.

    Das glaube ich gerne.



    Wie schwer die Schumann-Toccata ist, kann man hier auch visuell beim Übervirtuosen Cziffra nachvollziehen:

    Ein wahre Fingerhakelei. Da muss ich an Schumann mit seinem Werkzeug zum Training der Unabhängigkeit der Finger denken. Ich könnte mir vorstellen, dass Schumann das Werk selbst nicht wirklich spielen konnte. Was die Dynamik und die Schlagtechnik angeht wirkt es auf mich als Laien aber noch ziemlich romantisch verhaftet.


    Die Toccata Prokofieffs scheint da dynamisch noch einmal weitere Ansprüche zu stellen, auch an die Sprungtechnik. Man kann bei Argerich eigentlich recht gut die unterschiedliche Anschlagstechnik heraushören.


    Wer auch etwas für das Auge haben will, kann hier (wenigstens zum Teil) auch sehr gut sehen



    Ligetis l'escalier du diable setzt dann wohl in Bezug auf Fingerunabhängigkeit, Sprungtechnik und dynamische Schichten noch einmal neue Maßstäbe


    Auch hier kann Yuja Wang videotechnisch dienen.



    Was Gilels aus dem Stück herausholt in späteren Jahren, ist phänomenal. Das kann man nachvollziehen, wenn man den jungen Gilels von 1935 (da war er 21 Jahre alt) mit seinem Zugang von 1976 vergleicht - das ist 41 Jahre später und er ist 2:30 Minuten langsamer.


    BTW Bei Schumanns Toccata finde ich Gilels schon 1935 sehr überzeugend.

  • Wer auch etwas für das Auge haben will, kann hier (wenigstens zum Teil) auch sehr gut sehen

    ^^ Bei Yuja Wang ist das leider nur Tastensport und sie fährt mit der Planierraupe durch die Hügellandschaft der Partitur. Eine Fingergeläufigkeitsetüde.

  • Bei Yuja Wang ist das leider nur Tastensport und sie fährt mit der Planierraupe durch die Hügellandschaft der Partitur

    Das mit dem Sport ist bei Yuja Wang nicht von der Hand zu weisen. Aber sie glättet nicht, sie spielt schon so ziemlich alles mit respektabler Geschwindigkeit. Ob es nun meine Lieblingsinterpretation ist, habe ich eigentlich schon beantwortet. Man kann aber recht gut die Technik sehen, die benötigt wird.....

  • Das mit dem Sport ist bei Yuja Wang nicht von der Hand zu weisen. Aber sie glättet nicht, sie spielt schon so ziemlich alles mit respektabler Geschwindigkeit. Ob es nun meine Lieblingsinterpretation ist, habe ich eigentlich schon beantwortet. Man kann aber recht gut die Technik gut sehen, die benötigt wird.....

    Die dynamischen Abstufungen sind bei Yuja Wang fast komplett egalisiert und man hört das Schwungrad nicht, das immer wieder sich steigernd in Gang kommt - wie etwa auch sehr gut bei Samson François. Statt dessen planes Gehämmere, was auf mich doch alles ziemlich flach wirkt. 😄

  • RE: Yuja Wang

    Die dynamischen Abstufungen sind bei Yuja Wang fast komplett egalisiert und man hört das Schwungrad nicht, das immer wieder sich steigernd in Gang kommt - wie etwa auch sehr gut bei Samson François. Statt dessen planes Gehämmere, was auf mich doch alles ziemlich flach wirkt. 😄

    Hallo Holger,


    es ist aber schon atemberaubend hier alleine ihre Technik zu bewundern ... sie hat es drauf ! Für mich immer wieder ein Wahnsinn, wie man so ein schweres Stück überhaupt so perfekt im Kopf behalten kann.

    Ich hatte kürzlich ihr Konzert mit Lahav Shani mit dem Prokofieff - KK Nr. 3 auf dem Odeonsplatz in München gesehen (und mitgeschnitten) --- schon genial was diese aktuelle Pianistin für ein Temprament und eine Energie hat -- ich fand wieder einmal mit ihr absolut toll !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

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