Mauersberger:"Wie liegt die Stadt so wüst" Ein erschütterndes Werk.

  • Rudolf Mauersberger (1889-1971)


    Motette à 6 voci "Wie liegt die Stadt so wüst"


    Wie liegt die Stadt so wüst, die voll Volks war.
    Alle ihre Tore stehen öde.
    Wie liegen die Steine des Heiligtums vorn auf allen Gassen zerstreut.
    Er hat ein Feuer aus der Höhe in meine Gebeine gesandt und es lassen walten.
    Ist das die Stadt, von der man sagt, sie sei die allerschönste,
    der sich das ganze Land freuet?
    Sie hätte nicht gedacht, dass es ihr zuletzt so gehen würde:
    Sie ist ja zu gräulich herunter gestoßen und hat dazu niemand, der sie tröstet.
    Darum ist unser Herz betrübt und unsere Augen sind finster geworden.
    Warum willst du unser so gar vergessen und uns lebenslang so gar verlassen!
    Bringe uns, Herr, wieder zu dir, dass wir wieder heimkommen.
    Erneue unsre Tage wie vor alters.
    Herr, siehe an mein Elend.
    Siehe an mein Elend.

  • Dieses Werk wurde von Mauersberger am Karsamstag des Jahres 1945 komponiert, einen Tag nachdem seine geliebte Stadt Dresden von den alliierten Luftkräften vollständig zerbombt wurde.


    Letzten Sonntag hörte ich es wieder in einem Chorkonzert des Vokalensembles St. Dionysius in Krefeld. Nachdem der letzte Takt verklungen war, verließ ich mit Tränen in den Augen und tief erschüttert das Konzert.


    Bei Youtube gibt es eine ergreifende Interpretation des Dresdner Kreuzchores.

  • Hallo,


    ja das Werk ist wirklich eine sehr emotionale Komposition. Ich habe es oft selbst im Konzert gesungen, und auch wenn sich dadurch nicht mehr jedesmal eine tiefe Betroffenheit ob der Geschichte einstellen kann, so ist die Musik doch derart dich und der Inhalt derart intensiv in Töne gegossen, dass doch jedesmal eine Gänsehaut zurückbleibt.


    Ich kenne nur eine gute Einspielung der Motette: vom Dresdner kkammerchor unter Rademann:



    Liebe Grüße, der Thomas.

  • In Anbetracht des historischen Zusammenhangs sollte erwähnt werden, dass der Text dem Propheten Jeremia entnommen ist, also ein paar tausend Jahre älter als die Komposition: Klagelieder Jeremias 1,1.4.9.13; 2,15; 5,17.20-21

  • Hallo zusammen,


    ich möchte zu diesem phantastischen Stück auf den unten bei "Ähnliche Themen" genannten Thread "Das lebste a cappelle Chorwerk der TaminesInnen" verweisen, in dem schon einiges dazu geschrieben wurde. Angesichts der anscheinend sehr wenigen greifbaren Aufnahmen des Stücks erhebt sich für mich die Frage, ob es sich lohnt, dazu einen eigenen Thread aufzumachen; es sei denn, man will sich über das Werk als solches austauschen - dann natürlich ja!!


    Viele Grüße aus dem schönen Odenwald,
    harry

  • Lieber MosesKR1,


    das kam für mich nicht so deutlich rüber, zumal hier im Forum doch zum weitaus größten Teil über Aufnahmen eines Werkes und nur in einigen wenigen Spezial-Threads (z.B. Kunstlied) über die Werke selbst geschrieben wird.


    Über dieses eindringliche Stück, das auch ohne Kenntnis des Hintergrunds, nämlich der Bombardierung von Dresden, einen tiefen Eindruck hinterlässt, würde ich gerne etwas mehr schreiben, habe aber zu meinem Schrecken festgestellt, dass mir die Partitur abhanden gekommen ist (vermutlich ausgeliehen und nicht mehr zurückbekommen). Deshalb, und auch aus zeitlichen Gründen, muss ich das etwas hinausschieben. Weiß irgendjemand der Mitleser, wo die Partitur erhältlich ist? Ich habe in den aktuellen Katalogen verschiedener Verlage nachgesucht, bin aber nicht fündig geworden. – Es ist einfach müßig, über ein Werk zu schreiben, wenn man seine Eindrücke und Empfindungen nicht an konkreten Stellen der Partitur festmachen kann. Über den Eindruck, den das Stück insgesamt hinterlässt, muss wohl nichts mehr gesagt werden.


    Viele Grüße aus dem schönen Odenwald,
    harry