Heller Strahl und Schein - die Sonne in der Musik

  • nun, an diesem wundervollen tag kam mir (auch wenn jetzt schon mondscheinzeit ist :D) die idee zu diesem thread ... die sonne in der musik ...
    ob sonnenaufgänge, -untergänge, hymnen an die sonne im allgmeinen, ob lieder, sinfonik, kantaten, oper: wo und wie wird die herrliche beschrieben, besungen, gepriesen? und welche sonnenkompostionen stehen für euch im hellsten licht?
    einen wunderbare nacht wünschend

  • Salut Klingsor,


    Mozart:


    1. Die Zauberflöte: "Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht..." [Sonnentempel]
    2. Thamos, König von Ägypten: "Schon weichet dir, Sonne, des Lichtes Feindin - die Nacht!"
    3. Maurerkantate: "Dir Seele des Weltalls, o Sonne..."


    Haydn:


    Die "Sonnenquartette" und "Schöpfung" [?]


    Schubert: "An die untergehende Sonne"


    ..und die Tonart G-Dur überhaupt... SOL


    ...und "O sole mio..."


    Liebe Grüße
    Ulli

  • hallo, ulli, ja, auf jeden fall die schöpfung (in vollem glanze steiget jetzt) und die jahreszeiten (die morgenröte bricht hervor; sie steiget herauf, die sonne; die mittagssonne brennet jetzt) ... und noch einiges anderes ....will aber noch nichts vorwegnehmen ... sonnige grüße


    hallo, pius, jetzt bist du mir aber gerade noch schnell zuvorgekommen .... =)
    ja, dieser hymnus ist wirklich grandios .... :jubel:


    ebenfalls sonnige grüße

  • Ein interessantes Thema, so mitten in der Nacht... :D


    Also dann will ich mal loslegen:


    - "Rheingold", 1. Szene ab "Lugt, Schwestern, die Weckerin lacht in den Grund." Absolut rauschhaftes Glänzen, strahlt besonders hell in Karajans DG-Aufnahme.


    - "Daphnis et Chloé", Anfang: Wenn ich das höre, stelle ich mich immer einen Sonnenaufgang über einem idealen, gebirgigen Arkadien vor, mit verstreuten Tempeln, bevölkert von Kentauren und anderen Fabelwesen.


    - "Akhnaten" (Oper von Philip Glass), "Hymn to the Sun": In der Glass-Oper über den Pharao Echnaton ist dies einer der Höhepunkte, ein Moment intensivster Schönheit (gesungen von einem Counter-Tenor).


    - "Gurrelieder", Schlußchor: Wenn die Chormassen samt Riesenorchester "Seht, die Sonne!" anstimmen, hört es sich an, als ob Schönberg nicht bloß einen Sonnenaufgang, sondern eine Supernova vertont hätte.


    - "Winterreise", "Nebensonnen": Nicht gerade eine Lobpreisung unseres Zentralgestirns, eher das Gegenteil.


    Das war´s erstmal.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Lieber Klingsor,


    wieder mal ein wunderbares Thema von Dir!
    Also, den für mich schönsten und ergreifendsten Sonnenaufgang überhaupt beschreibt der gigantische Schlußchor der 'Gurrelieder' von Arnold Schönberg. (Dürfte für Dich nicht gerade überraschend kommen, oder?) Aber auch die anderen unten genannten Ausschnitte zum Thema 'Die Sonne in der Musik' sind sicher nicht zu verachten:



    Arnold Schönberg (1874-1951):
    Gurrelieder - Oratorium in 3 Teilen 1900-11: III. Teil: Schlußchor: "Seht die Sonne!"


    Eugen d' Albert (1864-1932):
    Die toten Augen - Eine Bühnendichtung in 1 Vorspiel, 1 Akt und 1 Nachspiel 1912/13
    Myrtocle blendet ihre Augen in der Sonne: "O wär ich noch das unwissende blinde Kind..."
    Sie wendet sich ab, der scheidenden Sonne entgegen.
    Myrtocle: "So möge die Sonne wieder ausbrennen meiner Augen Licht!..."


    Maurice Ravel (1875-1937):
    Daphnis et Chloé - Ballett-Symphonie in 3 Teilen 1909-12: III. Teil (Beginn)


    Richard Strauss (1864-1949):
    - Eine Alpensymphonie - Symphonische Dichtung, opus 64 1911-15: 2. Sonnenaufgang
    - Also sprach Zarathustra - Symphonisches Gedicht, opus 30 1895/96 (Beginn)


    Sir Granville Bantock (1868-1946):
    Hebridean Symphony für Orchester 1913 (2. Sonnenaufgang)


    Béla Bartók (1881-1945):
    A Fából Faragott Királyfi (Der hölzerne Prinz) - Tanzspiel / Ballett in 1 Akt, opus 13; Sz 60 1914-17:
    Prelude: Sonnenaufgang (ein geheimnisvoller, ja unheimlicher Sonnenaufgang)


    Sergej Prokofiew (1891-1953):
    Skythische Suite für Orchester, opus 20 1915:
    4. Le Départ Glorieux de Lolly et le Cortège du Soleil - Tempestoso - Allegro - Andante sostenuto
    (einer der hellsten, blendendsten Sonnenaufgänge)


    Karol Szymanowski (1882-1937):
    Król Roger (König Roger) - Oper in 3 Akten, opus 46 1918-25: III. Akt (Ende):
    König Roger in der Morgensonne: "Sonne! Sonne! ... Und meiner tiefen Einsamkeit, dem Abgrund meiner Macht entreiß' ich mein kristallenes Herz und bring' s als Opfer dar der Sonne!"


    Emil Nikolaus von Reznicek (1860-1945):
    Ritter Blaubart - Musikdrama in 3 Akten 1915-17: III. Akt (Ende): Feuertod von Blaubart:
    "Und nun, Flamme, herbei! Verzehr' meinen Leib! Zerfriß die verfluchte Hülle! Verbrenn' mich zu Asche! Verbrenn' mich zu Asche, erlöse die Seele, trag sie empor aus Nacht zur Sonne. Wie ein blut'ger Schleier fällt 's von meinen Augen, ein Stern entfacht sich meiner Brust. Jauchzend schleudr' ich von mir dieses Lebens furchtbaren Alp voll Graus und Mord. An deine Brüste, Flamme, stürz' ich, sei du mir umfangen, loderndes Feuer, trag' mich empor aus Nacht zur Sonne! Sei du mir Braut, brenne mich rein, still' meine ewige Sehnsucht. Vernichtung! Erlösung! Zur Sonne! Zur Sonne! Zur Sonne!"



    Sonnige Grüße
    Johannes

  • Oh...da lese ich den Thread erst so spät und da sind doch erst 50% meiner spontanen Gedanken genannt worden!


    Die Schöpfung, welcher Ulli schon nannte...Und Klingsor genau meinen Ausschnitt. Danke.


    Bei zweiterem dachte ich, der ist auf alle Fälle schon genannt...denkste!


    E. Grieg Morgenstimmung



    Das waren meine spontanen zwei Gedanken. Einen schönen sonnigen Sonntag!
    Gruß, Maik

  • Telemann: Die Tageszeiten, 4 Kantaten zum Morgen, Mittag, Abend und Nacht
    Louis-Nicolas Clérambault: Le soleil, vainqueur des nuages, Solokantate
    Jean Sibelius: Nächtlicher Ritt und Sonnenaufgang, Sinfonische Dichtung op. 55
    Carl Philipp Emanuel Bach: Nun kommt sie nicht, die Sonne, Kantate


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Was kann mir schon außer Tristan und Isolde einfallen?


    Isolde noch im Reich der Sonne!
    ...
    O dieser Sonne sengender Strahl, wie brennt mir das Hirn seine glühende Qual! Für dieser Hitze heißes Verschmachten, ach, keines Schattens kühlend Umnachten!


    Ja doch noch eines: O sole mio - das höre ich auch sehr gerne.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Leider ist alles, was die Sonne direkt erwähnt, bereits genannt worden, so muss ich auf ein Stück zurückgreifen, das zwischen den Zeilen sicher auch von der Sonne singt.


    Es bezieht sich auf eine Bibeltextstelle, die da heißt:



    Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei gekommen.
    So laßt uns ablegen die Werke der Finsternis,
    und anlegen die Waffen des Lichts,
    und ergreifen die Waffen des Lichts. (Römer 13,12)



    Die Rede ist von niemand anderem als Felix Mendelssohn Bartholdy, das zugehörige Werk ist seine zweite Symphonie, die er zur 400-Jahresfeier der Buchdruckkunst in der Thomaskirche zu Leipzig uraufführen ließ. Chronologisch betrachtet ist sie seine vierte und doch nummerierte er sie mit der Zwei. Dies hängt damit zusammen, dass ihm diese Symphonie weitaus besser gefiel als die nun nachgestellte Reformationssymphonie (Nr. 5) und die "Italienische" (Nr. 4) vor der Drucklegung noch einer Revision bedurfte.
    Vergleichbar mit Beethovens Symphonie Nr. 9 sind der Symphonie in drei Sätzen Kantaten angefügt, die zumindest für mich den Hauptteil des Werkes ausmachen. Mendelssohn selbst war sich nicht sicher, ob seine Symphonie auch als solche zu bezeichnen ist oder man besser Symphonie-Kantate schreibt.



    Zurück zum Thema: Der Choral, den ich euch zum Thema Tag, Licht und im weitesten Sinne Sonne ans Herz legen möchte ist:



    Allegro maestoso e molto vivace: "Die Nacht ist vergangen"


    aus: Symphonie No. 2 in B-Dur, op. 52 "Lobgesang"



    Eine empfehlenswerte Aufnahme sei auch gleich genannt:



    Die 4-CD-Box enthält neben besagter Symphonie noch etliche weitere Werke des Komponisten, so z.B. sämtliche Overtüren.



    Gruß aus Wiesbaden
    Thomas

    "Noten haben einen zumindest ebenso bestimmten Sinn wie Wörter, wiewohl sie durch diese nicht zu übersetzen sind." (Felix Mendelssohn-Bartholdy)


  • Drei Sonnen sah ich am Himmel stehn,
    Hab' lang' und fest sie angesehn;
    Und sie auch standen da so stier,
    Als könnten sie nicht weg von mir.
    Ach, meine Sonnen seid ihr nicht!
    Schaut andern doch ins Angesicht!
    Ja, neulich hatt' ich auch wohl drei:
    Nun sind hinab die besten zwei.
    Ging' nur die dritt' erst hinterdrein!
    Im Dunkeln wird mir wohler sein.



    Textdichter und Komponist dürften bekannt sein :)

  • Hui schrieb:

    Zitat

    Leider ist alles, was die Sonne direkt erwähnt, bereits genannt worden, so muss ich auf ein Stück zurückgreifen, das zwischen den Zeilen sicher auch von der Sonne singt.


    So ganz stimmt das nicht. Mir fällt noch die Alpensinfonie ein, in der es sowohl Sonnenauf- als auch Sonnenuntergang gibt. Und mit Sicherheit gibt´s noch eine ganze Menge weiterer Beispiele.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo salisburgensis,


    stimmt!!
    Da habe ich bei meiner obigen Aufzählung den Sonnenaufgang in der Alpensymphonie genannt, aber doch glatt den Sonnenuntergang vergessen!
    Ist ja nicht zu glauben! :D


    Vielen Dank für den Hinweis!
    Schöne Grüße
    Johannes

  • Hallo,


    also so was. Da hat doch Giselher auf seinem ureigensten Gebiet etwas ausgelassen:


    Heil dir, Sonne!

    (Siegfried 3. Akt)


    Außerdem gibt es im 3. Akt Lohengrin beim Übergang vom 1. zum 2. Bild ein Zwischenspiel, das auch den anbrechenden Tag und im weiteren Sinn die aufgehende Sonne beschreibt.

  • Lieber Theophilus,


    man muß doch auch mal die anderen ranlassen... ;)


    Und da wir schon bei "Tricky Dick" sind, sollten wir auch Mimes kleine Horror-Einlage aus dem 1. Akt von "Siegfried" nicht vergessen:



    "MIME


    starrt grad vor sich aus in den sonnig beleuchteten Wald hinein und gerät zunehmend in heftiges Zittern


    Verfluchtes Licht!
    Was flammt dort die Luft?
    Was flackert und lackert,
    was flimmert und schwirrt,
    was schwebt dort und webt
    und wabert umher?
    Da glimmert's und glitzt's
    in der Sonne Glut!
    Was säuselt und summt
    und saust nun gar?
    Es brummt und braust
    und prasselt hieher!
    Dort bricht's durch den Wald,
    will auf mich zu!
    Er bäumt sich vor Entsetzen auf.
    Ein grässlicher Rachen reisst sich mir auf:
    der Wurm will mich fangen!
    Fafner! Fafner!


    Er sinkt laut schreiend hinter dem breiten Amboss zusammen.
    "


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Die Sonne war ein Lieblingsthema von Lully (was für ein Zufall :D )


    Le Ballet Royal de la Nuit 1653: Le Roi representant le Soleil levand


    Le Ballet des Sept Planetes (Hercule amoureux) 1660: Le Roi representant le Soleil


    Le Ballet Royal de Flore 1669: Premier Entrée - Le Roi representant le Soleil


    Les amants Magnifiques 1670: Entree d'Apollon - Le Roi representant le Soleil


    Le Triomphe de l'Amour 1681: Entrée d'Apollon


    Phaeton 1682: Le Soleil (die Sonne hat eine eigene Rolle)

    Acis et Galatée 1686:
    Entrée d'Apollon


    Es gibt z.B. noch ettliche kleine Airs die in Opern von Lully bis Rameau vorkommen in denen ( vor allem im Prolog) die Sonne besungen wird, wer damit gemeint ist brauche ich kaum zu betonen...

  • Zitat

    Original von salisburgensis
    So ganz stimmt das nicht. Mir fällt noch die Alpensinfonie ein, in der es sowohl Sonnenauf- als auch Sonnenuntergang gibt. Und mit Sicherheit gibt´s noch eine ganze Menge weiterer Beispiele.


    Thomas


    Pardon Thomas, ich wollte natürlich sagen: Leider ist alles, was mir bekannt ist und die Sonne direkt erwähnt [...]


    Ich würde mich niemals anmaßen, zu behaupten, dass mein Wissen alle Werke umfasst, sodass ich ein solches Urteil fällen kann.



    Gruß

    "Noten haben einen zumindest ebenso bestimmten Sinn wie Wörter, wiewohl sie durch diese nicht zu übersetzen sind." (Felix Mendelssohn-Bartholdy)

  • und da wären z.b. noch:


    liszt, sonnengesang des hl. franziskus


    delius: songs of sunset; a song before sunrise


    verdi: simon boccanegra (vorspiel 2. akt)


    rimsky-korsakoff: sadko, hymne an die sonne


    mascagni: iris


    und noch einiges anderes .... :hello:

  • Mendelssohn Elias


    Arie - Tenor


    Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich


    Chor


    Aber einer erwacht von Mitternacht, und er kommt vom Aufgang der Sonne.


    Schlusschor


    Alsdann wird euer Licht hervorbrechen wie die Morgenröte


    Gruß, Maik

  • Hab ich heute Morgen entdeckt und dann glatt vergessen.
    Aber eben kam mir der Paulus in den Sinn...



    Mendelssohn Paulus


    Chor


    Mache dich auf! Werde Licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir.


    Gruß, Maik

  • Hallo!
    Wenn ich nichts überlesen habe, dann fehlt noch:
    Debussy: La Mer: De l'aube á midi sur la mer
    Ich kann mit Debussy meist nicht so viel anfangen, aber diese Stelle mit der Mittagssonne ist schon toll!
    Stilistisch ähnlich ist das Aufgehen der Sonne am Schluß von
    Respighi: Pini di Roma: Il pini della Via Appia.
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Äußerst eindrucksvoll für mich:


    Richard Strauss, die Alpensinfonie. Und zwar ausdrücklich nicht der gesamte Sonnenauf- und Untergang, sondern lediglich dieser geniale Anfang mit den tiefen Pianissimo-Posaunen.
    Gruß
    Sascha

  • 8o Da ist ja wirklich schon sehr viel vertreten. Ich kann nur noch eine Stelle nennen, die zwar nicht explizit von Sonne handelt, aber auf mich dennoch wirkt, als würde man im Hochsommer aus einem kühlen, dunklen Raum hinaus mitten in die pralle Sonne gehen und die Hitze und Helligkeit mit dem ganzen Körper spüren:
    Béla Bártok, A kékszakállu herceg vára (Herzog Blaubarts Burg), 5. Tür, Beginn.

  • Zitat:
    Heil dir, Sonne




    Lieber Theophilus,


    Dein Zitat erinnert mich an folgende Begebenheit:


    Vor Jahren führte mich meine Italienrundreise auch nach Mailand.
    Wenn man in Mailand ist, geht man zumindest an der Scala vorbei,
    um sich im Aushang den aktuellen Spielplan anzuschauen.
    An jenem Tag stand " Sigfrido de Riccardo Wagner" auf dem
    Programm. Tatsächlich habe ich für den Abend eine Eintrittskarte
    erstehen können.


    Der Besuch der Mailänder Scala dürfte für jeden Fan ein außerordentliches Ergeignis sein. Zwei Hellebardieri in
    historischer Tracht bewachen den Eingang zum Zuschauerraum.
    Hat man passiert, sieht man nur noch rot und gold.


    Es war eine moderne Inszenierung. Wolfgang Sawallisch
    dirigierte. Im Hintergrund wurden auf einer Endlosrolle
    immerzu Bettlaken hochgezogen. Entweder gehörte das
    zur Inszenierung oder die Klimaanlage war ausgefallen und man
    wollte den Besuchern etwas Kühlung zukommen lassen. Ich
    habe bis heute noch behalten, daß die Erde in einem altrosa
    tapezierten Wohnzimmer hauste und Gemälde in Goldrahmen
    an den Wänden hingen. Gesungen wurde die Erda von Birgit Finnilä.


    Die Vorführung war erstaunlicherweise nur mäßig besucht. Nicht
    alle Abonnenten waren gekommen. Die Anwesenden langweilten
    sich unsäglich. Schließlich kam die dritte Szene des dritten Aktes.
    Während Siegfried, ich glaube es war Jess Thomas, seinen Monolog "Selige Öde auf sonniger Höh'" herunterspulte, ward ein Bett auf die Bühne geschoben, pompös ausgestattet mit weißer Spitzenbettwäsche. Vorher ein bisschen eingenickt, kam nun Leben in die Reihen. Jeder wollte wissen, wer in dem Bett liegt. Nun will ich auch die Taminoraner nicht länger auf die Folter spannen: Es war Ingrid Bjoner, die sich etwa fünf Minuten räkelte bevor sie ihren goldenen Mund öffnete. "Heil dir Sonne, heil dir Licht" Der Bann war gebrochen.


    An dieser Stelle möchte ich noch ausführen, daß die Franzosen
    ihren eigenen Richard Wagner haben. Ernest Reyer (1823-1909), der
    Tonsetzer aus Marseille, komponierte die Oper "Sigurd" , vermutlich
    als Hommage an Richard Wagner gedacht, was die damalige Zeit aber vollkomen anders sah. Die Arie der Walkyrie Brunehilde hat auch die Sonne zum Thema. Die Arie setzt ein mit "Salut! Splendeur du jour",
    in der Erato-Einspielung von Francoise Pollet unter vollem Einsatz ihres weitausladenden leuchtendem Soprans traumschön gesungen.
    Musikalisch ist die Oper - kurzweilig mit hohem Unterhaltungswert ohne philosophischen Ballast - keine Wagner-Kopie. Bedauerlicherweise hat sich der Enthusiast für seine herrliche Musik das falsche Libretto ausgesucht.


    Falls mein Thema bei Wagnerianern auf Interesse stößt und von den Taminoranern aufgegriffen wird oder Kontroversen auslöst, stelle ich den Text der Arie inclusive Übersetzung in einem Folgebeitrag vor


    :angel:

  • Hallo zusammen,


    dann werde ich euch mal einen gehörigen Schrecken einjagen :D:


    Carl Ruggles: Sun-Treader


    Der Titel bezieht sich auf Robert Browning: "Gigant, der die Sonne zertritt, Licht und Leben sollen ewig dein sein." Diese Worte sind eine Lobrede auf Shelley.
    C. Ruglles interessierte sich wohl kaum für Shelley; ihn faszinierte lediglich die Vorstellung marschierender Riesen.
    Und so klingt auch der Beginn dieses Stücks. Ein Beginn, den man, sofern einmal gehört, niemals vergessen wird. Unglaublich kraftvoll.
    Kann ich jedem empfehlen - selbst den SonnenFREUNDEN :D


    Erschienen bei DG
    Ltg: Michael Tilson Thomas
    (+ Ives: Three Places in New England; Piston: Symphonie No. 2)


    LG aus dem dunklen berlin
    Wulf.