Christian Gerhaher - Liedsänger par excellence

  • Obwohl sein Name hier im Forum schon oft genannt wurde, existiert meines Wissens keine eigener Thread über ihn.


    Christian Gerhaher ist ein deutscher Bariton und wurde am 24. Juli 1969 in Straubing geboren.
    Parallel zu seinem Medizinstudium nahm er Gesangsunterricht bei Paul Kuen und studierte an der Musikhochschule in München bei Raimund Grumbach. Er absolvierte Meisterkurse bei Dietrich Fischer-Dieskau, Inge Borgk und Elisabeth Schwarzkopf.
    Nach dem Abschluss seines Medizinstudiums widmete er sich ganz dem Gesang.
    1998 gab er sein erstes Solodebüt in der Carnegie Hall und bei der Schubertiade Feldkirch.
    Sein umfangreiches Liedrepertoire führte ihn in alle Liedzentren der Welt.
    Mit seinem langjährigen Klavierpartner Gerold Huber gewann er mehrere Auszeichnungen.


    Auch auf der Opernbühne ist er zu erleben u.a. in Frankfurt, Wien Madrid, London, Salzburger Festspiele usw.


    Christian Gerhaher hat eine Professur an der Münchner Musikhochschule.


    Kürzlich sang er in einer Fernsehübertragung aus dem Frankfurter Opernhaus den umjubelten Eisenstein.


    Es gibt zahlreiche CD-Einspielungen mit ihm.



    :hello:


    Jolanthe

  • Ich glaube, dass Christian Gerhaher einer der besten jüngeren Baritone ist - besonders als Liedsänger, da er ja im Opernfach bisher nur wenige Rollen interpretiert hat. Seine STimme ist in allen Lagen schön und ausdrucksvoll und er erliegt nicht der Versuchung, den Text zu "überinterpretieren ", wie es ja FiDi in seinen späteren Jahren gern getan hat und viele seine Schüler nach ihm auch.


    Ich habe ihn bisher nur in Aufnahmen hören können und hoffe, dass es bald mal eine Gelegenheit gibt, ihn live zu hören, vielleicht in Schwarzenberg.


  • Knapp 4 Monate ist Christian Gerhahers CD mit Mozart-Arien nun schon am Markt - und bisher wurde sie hier noch nicht vorgestellt, vielleicht auch, weil der Thread ja dem LIEDERSÄNGER Gerhaher gewidmet ist. (?)
    In der Tat ist ja Gerhaher inzwischen vermehrt als Mozartsänger in Erscheinung getreten, und diese im Jänner 2015 in Freiburg aufgenommene, und im September bei SONY 2015 veröffentlichte Aufnahme trägt dieser Tatsache Rechnung.

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Ein trauriger Thread für einen der besten Sänger der Gegenwart!


    Auf zu neuen Ufern.....


    Zitat


    Schumann-Liededition mit Christian Gerhaher und Gerold Huber


    In einem Studiokonzert im Bayerischen Rundfunk gaben Christian Gerhaher und Pianist Gerold Huber Einblicke in die Schumann-Lied-Edition, die sie für das Label Sony Classical erarbeiten und die an die 350 Titel umfassen wird. In Koproduktion mit demBR, dem Festival Heidelberger Frühlung entsteht eine auf 10 CDs geplante Edition, deren Abschluss für 2020 geplant ist. Das erste Album mit dem Titel „Frage“ ist am 16. November erschienen. In ihrem Studiokonzert trugen Christian Gerhaher und Gerold Huber ein ca. 40-minütiges Programm mit Auszügen aus dem Liedschaffen Schumanns vor und erläuterten ihre Sicht auf den Schumannschen Lieder-Kosmos.


    Vol.1


    6 Gesänge op. 107; Romanzen und Balladen op. 49; 3 Gesänge op. 83; 12 Gedichte op. 35; 4 Gesänge op. 142


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich habe Gerhaher in den letzten Jahren zweimal live gehört; im November 2015 und zuletzt vor zwei Wochen jeweils als Faust in Schumanns Faust-Szenen. Seine Leistung ausgezeichnet: kultivierte Stimmführung, höchste Textverständlichkeit. Und vorgestern habe ich Karten für Brittens War Requiem op.66 im Mai 2019 in der Elbphilharmonie ergattert, wo Gerhaher unter Daniel Harding den Baritonpart übernehmen wird :jubel:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Gibt es auch auf der CD......



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich habe mir jetzt die neue Königskinder-Box gekauft (neu ist gut, ich sehe gerade, dass sie von 2008 stammt) Die Sänger reichen an frühere Sänger nicht heran, also Banse (Gänsemagd), Vogt (Königssohn), Schnaut (Hexe) und Gerhaher (Spielmann). Alle vier singen seltsam passiv und neutral (Caruso moniert zu Recht, dass Hermann Prey z u sentimental ist, aber das ist mir dann doch lieber). Von den vier Aufnahmen, die ich kenne, ist allerdings hier das Orchester unter der Leitung von Ingo Metzmacher ( Deutsches Symphonie-Orchester Berlin ) mit Abstand das beste. Ich habe hier vieles gehört, was ich vorher noch nie gehört hatte. Die Aufnahme ist eine Live-Aufnahme. Besonders schön singt der Berliner Mädchenchor den Kinderchor-Part.

    Ich habe noch nicht alle Musik gehört. Aber sie steht auf meiner Liste (frei nach Susan Sontag)

  • Als Liedsänger halte ich ihn auch für einen der besten. Beim Opernsänger Gerhaher wäre ich da vielleicht etwas zurückhaltender.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Manche sagen so, manche sagen so...


    Ich muss dabei an das kürzlich gezeigte Interview mit Christa Ludwig denken, als der Interviewer in schon fast peinlicher Weise über Gerhaher zu schwärmen begann, und Christa Ludwig sich deswegen sehr erstaunt zeigte, da sie kurz zuvor heftige Kritik an seiner Art des Singens anbrachte. Dabei hätte sich der Interviewer eigentlich schon was denken müssen. Aber nein, das war ihm egal. Stattdessen konterte er mit Lobeshymnen. Was sich Frau Ludwig da wohl gedacht hat ... :pfeif:
    Ja ja, einer Christa Ludwig braucht man sicher nichts zu erzählen. Sie hat die Tatsachen hier ganz schön zurechtgerückt. :D


    Gregor

  • Ja ja, einer Christa Ludwig braucht man sicher nichts zu erzählen. Sie hat die Tatsachen hier ganz schön zurechtgerückt.

    Aber was genau sind denn diese Tatsachen?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Aber was genau sind denn diese Tatsachen?

    Tatsache ist meines Erachtens, dass jemand mit solchen gesangstechnischen Defiziten früher niemals zu einem Sänger der ersten Reihe aufgestiegen wäre. Damit meine ich nicht seine Interpretationen, die absolut diskussionswürdig sind, sondern Intonation, Atemtechnik (dementsprechend das Zeratmen der Phrasen statt sinnvoller Phrasierung etc.) und einfach ein SEHR freier Ugang mit dem Notentext, wie man jüngst bei den Übertragungen und Aufzeichnungen etwa des Münchner "Parsifal" (in der Rolle des Amfortas) wieder hören konnte.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • ...und ich dachte, ich bin der einzige, der mit Gerhaher nichts anfangen kann. Er gehört für mich, wie auch Thomas Quasthoff, die Reihen der künstlich hochgeschriebenen.

    Ich habe noch nicht alle Musik gehört. Aber sie steht auf meiner Liste (frei nach Susan Sontag)

  • Zwischen Quasthoff und Gerhaher besteht für mich ein himmelweiter Unterschied: Thomas Quasthoff war für mich wirklich ein Liedsänger "par excellence"! Zumindest war dies neben dem Konzertbereich sein absoluter Schwerpunkt. Ich habe Thomas Quasthoff einige sehr beglückende Liederabende zu verdanken.
    Als Quasthoff dann um 2010 die stimmlichen Kräfte verließen und er seine Karriere vorzeitig beendete, musste es ja einen neuen geben und da startete die Karriere von Gerhaher dann steil durch - sicher auch gar nicht Unrecht, weil es um die Konkurrenz gerade im Liedgesang auch nicht allzu rosig bestellt ist. Dennoch werde ich mit Grhaher nie so warm werden, wie ich es mit grandiosen Liedsängern wie Dietrich Fischer-Dieskau, Siegfried Lorenz und Thomas Quasthoff live und durch ihre Aufnahmen wurde.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Vergleiche sind sehr beliebt - auch bei mir - sie führen aber nicht immer zu neuen Erkenntnissen. Gerhaher beeindruckt mich nicht so, dass ich ständig seine Aufnahmen höre oder keinen Konzerttermin verpasse. Eine großen Sammelbox habe ich eben verschenkt. Sie nahm mir nur Platz weg. Mir ist er zu intensiv. Er macht zuviel Kunst. ;) Weniger wäre mehr. Als Wolfram in einer konzertanten Aufführung des "Tannhäuser" setzte er sich durch seinen Vortrag völlig ab vom Rest. Ich gaube nicht, dass Gerhaher der Ersatz für Quasthoff ist. Vielmehr beobachte ich mit großer Genugtuung, dass sich immer mehr junge Sänger dem Lied zuwenden und sehr interessante Editionen herauzsbringen. Die höre ich dann immer gern, weil sie mit Gefühlen oft viel freier umgehen als die Vorgänger, die auch verklemmt sein können. Auf meinem Tisch liegt eine ganz besondere "Dichterliebe", auf die auch schon Caruso bei den neuen Stimmen aufmerksam machte. Der Bariton Samuel Hasselhorn hat tatsächlich alle Gedichte dieses Zyklus in unterschiedlichsten Vertonungen herausgefunden und singt sie in der Reihenfolge wie bei Schumann. Dessen "Dichterliebe" rundet das Perogramm ab.

    Rheingold 1876

  • Auf Christian Gerhaher bin ich schon vor längerer Zeit aufmerksam geworden, aber erst jetzt habe ich mir, aus purer Neugier, eine CD von ihm zugelegt, und zwar diese:

    Zugegeben, eine schöne, prall gefüllte CD, aber Gerhahers Vortrag hat mich nicht so sehr überzeugt. Eine schöne Baritonstimme, aber zuviel Ausdruck. Da schließe ich mich Rheingold1876 an "Weniger wäre mehr". Am besten haben mir die Lieder op. 40 gefallen (nach Gedichten von Chamisso und Andersen). Was den berühmten Liederkreis op. 39 betrifft, so kann er meine Aufnahmen mit Fischer-Dieskau (EMI, mit Moore, und DGG, mit Eschenbach), Peter Schreier (Berlin Classics) und erst recht nicht mit Gérard Souzay (Philips) vergessen machen:



    Im übrigen frage ich mich, warum man für ein klassisches CD-Cover sich eine Frisur wie Urban Priol zulegen muß, oder sind Eichendorffs "Blitze rot" direkt vor ihm in den Boden geschlagen?


    LG Nemorino



    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich muss dabei an das kürzlich gezeigte Interview mit Christa Ludwig denken

    Also da muss ich ja zu Gerhaher nun auch mal was sagen ...

    Meine erste Begegnung mit im liegt nun fast zwei Jahrzehnte zurück, es war eine »Winterreise«, eine ARTE NOVA - Produktion von 2001 des Bayerischen Rundfunks. Mein spontanes Testurteil damals: Gute Aufnahme, der Mann kann singen. Für mich ein Grund alles daran zu setzen, diesen Sänger live erleben zu können. Großer Mühen bedurfte das dann nicht, denn er sang mehrmals bei den Schwetzinger Festspielen, ebenfalls beim HEIDELBERGER FRÜHLING, einmal fuhr ich auch nach Hamburg, um ihn zu hören.


    Natürlich ist mir auch das Interview, welches Christa Ludwig mit CRESCENO führte, nicht entgangen, wo Frau Ludwig über eine lange Strecke kein Liedsänger einfiel und sie dann - als der Moderator den Namen Christian Gerhaher einführte - die Atemführung des Baritons bei dem Mahler-Lied »Um Mitternacht« kritisierte. Sicher hat Christa Ludwig Großartiges geleistet und diese spezielle Kritik war ja auch begründet und konkretisiert, aber vielleicht verklärt die alte Dame auch einiges der guten alten Zeit, denn aus meiner Sicht gibt es auch heute gute und sogar hervorragende Liedsänger - und da gehört Christian Gerhaher mit seinem lebendigen Gesang immer noch dazu; als Beispiel fällt mir dazu Schumanns »Die Löwenbraut« ein.


    Seit vielen Jahren leisten Christoph Prégardien sowie Matthias Goerne - um nur zwei Beispiele zu nennen - auf dem Gebiet des Liedgesangs Hervorragendes und beim Nachwuchs sieht es bei den Tenören mit Peter Mauro und Julian Prégardien auch ganz hoffnungsvoll aus und etwas tiefer sollte man die Baritone Benjamin Appl und Konstantin Krimmel nicht vergessen ...

    Wenn man ab und an einen Meisterkurs besucht, kann man sich vor allem bei den Damen von einem hohen Qualitätsstandard im Liedgesang überzeugen.

  • Also da muss ich ja zu Gerhaher nun auch mal was sagen ...

    Danke, lieber hart!

    Ich verstehe diese einleitenden Worte Deines Beitrages so, dass Du nicht ganz einverstanden bist mit diesem Urteil von nemorino: " Gerhahers Vortrag hat mich nicht so sehr überzeugt. Eine schöne Baritonstimme, aber zuviel Ausdruck. Da schließe ich mich Rheingold1876 an "Weniger wäre mehr".


    Ich bin es auch nicht. Die gesangliche Liedinterpretation von Christian Gerhaher glaube ich ziemlich gut zu kennen und meine, ich könnte mir auch ein Urteil über sie erlauben.

    Gerade habe ich mir noch einmal seine Interpretation von Schumanns Opus 39 angehört. Ich würde sie in die Reihe der wirklich großen dieses Schumann-Werkes einreihen und -stufen.


    Von wegen "zu viel Ausdruck". Wenn man damit die wortbezogen-deklamatorische Akzentuierung der melodischen Linie meint, dann ist bei Gerhaher diesbezüglich weitaus weniger zu vernehmen als bei Dietrich Fischer-Dieskau.

    Zwei Mal habe ich mir die "Mondnacht" angehört, - weil ich so tief beeindruckt war: Wunderbarer, weit phrasierter und darin stimmlich voll durchgehaltener Legato-Gesang. Er wählt ein deutlich langsameres Tempo als bei diesem Lied gemeinhin üblich, und ich finde dessen - in den Worten "und meine Seele spannte" kulminierenden - Geist eben deshalb auf geradezu vollkommene Weise zum Ausdruck gebracht.

  • Mir ist er zu intensiv. Er macht zuviel Kunst. Weniger wäre mehr.

    Als ich bei YouTube nach einer Aufnahme des im Thread "Die schöne Müllerin" gerade vorgestellten Liedes "Des Müllers Blumen suchte" und nicht wieder zu dem in der Qualität seiner gesanglichen Interpretation außer Zweifel stehenden Dietrich Fischer-Dieskau greifen wollte, stieß ich auf diese von Christian Gerhaher.



    Sie überzeugte mich auf der Stelle. Ich fand in ihr all das ausgedrückt, was ich, gestützt auf den lyrischen Text und die ihn in Musik setzende Komposition Schuberts, einführend zu diesem Lied sagte:

    Dass hier wieder die existenziell wesenhaft monologische Situation des lyrischen Ichs zum Ausdruck kommt: In diesem „Wenn-Dann“, wie es sich sprachlich von Strophe zu Strophe immer wieder aufs Neue ereignet. Naturbilder, ja die Natur selbst in Gestalt von Blumen dienen als Grundlage für einen imaginierten, höchst ersehnten, aber nicht wirklich sich ereignenden Ausbruch aus der Einsamkeit des Zurückgeworfen-Seins auf sich selbst hin zu einem dialogischen Verkehr mit dem geliebten Du. Weil sie an seinem Freund, dem „Bach“ stehen, sind die „kleinen Blumen“ ebenfalls „des Müllers Freund“, und in ihrer Blüten-Bläue begegnet ihm „Liebchens Auge“.

    In der zweiten Hälfte der Strophen wird aus dem vorangehenden konditionalen „wenn“ ein handlungsorientiertes „dann“, das aber, weil im Raum reiner Metaphorik angesiedelt, gleichwohl ein imaginatives bleiben muss. Darin sind diese Verse bei all der Lieblichkeit ihrer lyrischen Bilder, und eigentlich gerade deshalb, im Grunde bedrückend. Schlägt sich in ihnen doch die Tatsache nieder, dass dieses lyrische Ich an dieser Station des narrativen Prozesses der Lied-Novelle immer noch nicht aus seiner existenziellen Einsamkeit herauszufinden vermochte. Das verdoppelte „Vergiß mein nicht“ und die „Tränen“, von denen die letzten Verse sprechen, sind diesbezüglich vielsagend.


    Und da kam mir diese Bemerkung von Rheingold1876 in den Sinn, Christian Gerhaher betreffend. Ist, so fragte ich mich, mich der kritischen Anmerkung "zuviel Kunst" eben das gemeint, was ich an dieser gesanglichen Interpretation so treffend und überzeugend fand: Dass sie in der Wiedergabe der Melodik dieses Liedes all das hörbar werden lässt, was sich in diesem lyrischen Ich abspielt, wenn es in der Einsamkeit des Zurückgeworfen-Seins auf sich selbst dem Gedanken nachhängt, unter dem Fenster der Geliebten Blumen einzupflanzen? Warum sollte der Sänger das nicht tun? Ist ein über die gleichsam neutrale Umsetzung der Noten in Gesang hinausgehender reflektierter Umgang mit der Melodik und der ganzen Liedmusik nicht geradezu seine zentrale Aufgabe?

    Soll er etwa so verfahren wie dieser Sänger hier?



    Das ist für mich, ich drücke es mal hart auf den Punkt gebracht aus, zwar stimmlich beeindruckender, aber der Liedmusik in ihrer Aussage nicht voll gerecht werdender Liedgesang. Wohlgemerkt: "für mich", aus meinem Verständnis von Liedgesang heraus!

  • Für mich ist Christian Gerhaher einer der überzeugendsten Liedsänger. In seine Stimme habe ich mich gleich mit den ersten Liedern verliebt, sie berührt mich vor allem mit den Schubertliedern. Mittlerweile habe ich von ihm sechs CDs, die mir alle ausgesprochen gut gefallen (Schubert: Müllerin, Abendbilder, Nachtviolen; Schumann, Mahler sowie die CD mit romantischen Arien).

    Ich glaube, dass die im Eingangspost angesprochene Fledermaus (Gerhaher als Eisenstein) aus Frankfurt vor Jahren im Fernsehen übertragen wurde und ich sie mir vor allem wegen des Sängers ansehen wollte. Aber wegen der fürchterlichen Inszenierung habe ich dort bald genervt den Fernseher ausgeschaltet. (Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, wurden die verschiedenen Szenen der Operette ohne erkennbaren Sinn umgestellt u.a.).


    Viele Grüße

    Ramona1956

  • Zitat von Ramona1956

    Aber wegen der fürchterlichen Inszenierung habe ich dort bald genervt den Fernseher ausgeschaltet.

    Ich habe mir diese, deiner Meinung nach fürchterliche Inszenierung, 8x angesehen und das mit Begeisterung!

    Zitat

    (Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, wurden die verschiedenen Szenen der Operette ohne erkennbaren Sinn umgestellt u.a.).

    Dem ist so, aber ohne erkennbaren Sinn ist völlig daneben, denn das ist nur deine bzw. den RTG ihre Meinung.

    Denn diese Inszenierung von Christof Loy war wohl durchdacht, denn es ging nicht um >hoppsa trallala<, aber du hast sie dir ja garnicht ganz angeschaut und deine vorgefasste Meinung schon vorher gefällt.


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Zitat von Ramona1956

    jedem nach seinem Geschmack

    Neee, mit Geschmack hat das nichts tun sondern mit.....:stumm:!


    LG Fiesco


    Aber davon abgesehen, Gerhaher finde ich auch grossartig! :!:

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)