Lieber 'Rheingold1876',
vor etlichen Jahren hatte ich auf einer Schallplatten-Börse eine (wie ein Fotoalbum gebundene) Schallplattenkassette mit sechs Platten des Labels 'Urania' mit diesen „Meistersingern“ aus Dresden in der Hand. Ihr lag nicht nur ein deutsch-englisches Libretto, sondern auch ein englischsprachiger Zettel bei, aus dem - wie ich mir notierte - hervorging, dass diese Oper speziell für 'Urania Records' vom 2. bis 7. Mai 1951 von Fritz Tränkner und Erich Wendland unter technischer Aufsicht des Mitteldeutschen Rundfunks eingespielt wurde. Den Schnitt besorgten Calvin Lampley und Frank D. Laico von 'Columbia Records' und die Gesamtdauer beträgt 260,30 Minuten. Mit dieser Aufnahme sollte die 'Wiedereröffnung' der Bayreuther Festspiele 1951 gefeiert werden. (Die Platten kamen im September 1951 in den US-Handel, erst im Oktober folgte der Mitschnitt aus Bayreuth unter Karajan.)
Der Händler auf der Schallplatten-Börse hatte auch die 'Urania'-Aufnahme der (italienisch gesungenen) West-Berliner Aufnahme von Glucks „Orfeo ed Euridice“ mit Margarete Klose, Erna Berger und Rita Streich unter Artur Rother, die deshalb bemerkenswert ist, weil sie für den 'Seligen Geist' eine separate Sängerin namens Fia Fleig aufbietet. (Den Namen Erich Wendland notierte ich mir auch hier.) Ich habe beide Schallplatten-Kassetten nicht gekauft, weil sie mir trotz ihrer Seltenheit als überteuert erschienen; Szenen aus der "Meistersinger"-Aufnahme hatte ich bereits auf einem Doppelalbum der 'BASF'.
Ich kann mir nicht denken, dass am 29. April 1951 die „Meistersinger“ (als Generalprobe?) komplett auf Band aufgenommen wurden und man dann für die 'Urania' vom 2. bis 7. Mai 1951 die Oper noch einmal einspielte. Vermutlich sollte in den Unterlagen des MDR verschleiert werden, dass man in Dresden im Mai 1951 die „Meistersinger“, den „Rosenkavalier“ und den „Freischütz“ für den amerikanischen Schallplattenmarkt aufnahm – und so mit dem 'Klassenfeind' kooperierte!
Carlo
