Oper live auf deutsch

  • Ich verrmisse bei den Befürwortern der deutschen Übersetzung die Begründung (ist lustiger ... ist mir zu vage). Ich habe etwas dagegen, einfach Behauptungen ohne jede Begründung in den Raum zu stellen. Deshalb versuchte ich zu analysieren, warum der eine Oper auf Deutsch präferiert (Hörgewohnheit, groß geworden mit inzwischen vertrauten deutschen Texten ...), der andere aus anderen Gründen jedoch die Originalsprache vorzieht. Hier darf man offenbar gebetsmühlenartig posten, dass man lieber die deutsche Übersetzung hat, aber wehe, man versucht die Gegenposition nicht nur als solche zu vertreten, sondern auch zu sagen, warum. Dann ist man gleich der Robespierrschen oder Metternichschen Maßregelung ausgesetzt.


    Wenn ich daher vorschlug, im ersten Haus einer Großstadt die Originalsprache und im kleineren eine deutsche Übersetzung aufzuführen, ist dies denn auch zuviel des Guten???


    Merkwürd'ger Fall ...

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Ich verrmisse bei den Befürwortern der deutschen Übersetzung die Begründung


    In Berlin habe ich eine Aida gesehen mit Kindern, die sich beim Triumphmarsch Torten ins Gesicht schmissen. Gesungen wurde der originale Text bzw. das, was man dafür hielt. Auf dem Laufbahn wurde eine sehr frei deutsche Übersetzung eingespielt, die offenbar sicherstellen sollte, dass der Widerspruch zwischen dem, was sich tatsächlich in der Oper abspielt und dem, was auf der Bühne zu sehen war, nicht ganz so offenkundig wurde. Es soll ja inzwischen auch Zuschauer geben, die denken, die Torten müssten sein. Will sagen, ich haben den Eindruck, Regisseure verstecken sich heute gern hinter der Originalsprache, um Dinge in Szene zu setzen, die mit der Vorlage nicht das Geringste mehr zu tun haben. Frei nach dem Motto, das verstehe ja sowie keiner. Aida ist nur ein Beispiel. Es gibt auch Waschmaschinen in Liebesduetten oder einen Pizzaboten und eine verbrannte Weihnachtsgans im Don Carlos. Ich habe alles mögliche erlebt. Und, wem, bitte schön nützt es zum Zweiten, wenn sich - bei allem Respekt vor ihrer Lernleistung - Russen, Letten oder Chinesen französische Texte phonetisch einpauken, idiomatisch aber nichts übrig bleibt. Ich habe Troyens von Berlioz gehört und weiß ich heute nicht, in welcher Sprache da überhaupt gesungen wurde. Drittens nun müsste ich Italienisch können für Verdi und Puccini, Französisch für Gounod, Russisch für Tschaikowsky, Ungarisch für Hary Janos, Tschechisch für Janacek, Smetana oder Dvorak, Englisch für Britten, Polnisch für Halka oder König Roger - vorausgesetzt, es würde exakt in diesen Sprachen gesungen. Alle diese Komponisten liebe ich sehr. Mein Problem ist nur, ich kann keine sieben Sprachen in Wort und Schrift, so gut also, dass ich den Feinheiten der Handlung folgen kann. Was soll ich nun tun? Nicht mehr in die Oper gehen? So schlecht ist der Gedanke nicht. Aber sicher war es eine Offenbarung, nach so viel Rudi Schock endlich Corelli oder di Stefano zu hören. Nur kannten wir inzwischen die Texte in- und auswendig, auch dank Schock. Denn so daneben sind die deutschen Übersetzungen nun auch wieder nicht.
    Im umgekehrten Falle denke ich voller Mitgefühl - und das wäre mein vierter Punkt einer Begründung - an die armen Franzosen, Russen oder Engländer, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, sich aber tapfer durch ungekürzte Meistersinger oder ganze Ringe sitzen.


    Mir ist klar, dass das keine richtige Antwort auf die aufgeworfenen Frage ist. Vielleicht gibt es gar keine richtige Antwort - nur ganz persönliche Auffassungen.


    Du aber, lieber Fritz, bleibe bei uns, kämpfe und gehe bitte nicht freiwillig auf die die Guillotine. :thumbsup:


    Lieben Gruß aus Berlin von Rüdiger

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Ich weiß mal wieder nicht, ob ich über die hier geposteten Meinungen lachen oder weinen soll.


    Ich habe weder mit der Originalsprache eines Bühnenwerkes ein Problem, noch mit einer dafür angefertigten deutschen Übersetzung. Wobei ich allerdings einschränken möchte, daß mir die slawischen Sprachen ein Graus sind. Aber selbst da stehen mittlerweile auch schon einige Opernaufnahmen im Regal...


    Ich sehe es nicht so verkniffen und nehme es so, wie es kommt.


    Einerseits ist die deutsche Sprache auch bei Opern mit Jugenderinnerungen verbunden - weil es damals nichts anderes gab - andererseits muß man bedenken, daß auch deutsche Übersetzungen, zumal im Ensemble oder bei Frauenstimmen, nicht immer verständlich sind. Da ist es ja egal, ob ich kein deutsch oder kein italienisch (als Beispiel) verstehe.


    Irgendwer hat mir vor vielen Jahren mal erzählt, es sei in den USA oder auch in England üblich, Opern in der Landessprache aufzuführen. Das war wohl keine Frage des Geschmacks, sondern des Verständnisses. Heute, auch hier gilt ja schon lange die Globalisierung, muß mal wohl das fremdsprachliche hinnehmen.


    Da ich kein Opernhaus mehr besuche, nur noch Platten höre, bin ich längst an die Originalsprache gewöhnt...


    Allen ein schönes Wochenende vom

    .


    MUSIKWANDERER

  • nun müsste ich Italienisch können für Verdi und Puccini

    Meine besondere Liebe gehört der ital. Oper und ich will gerne gestehen, auch ich kann, bis auf einige Vokabeln, auch kein italienisch. Aber ich habe mich intensiv mit den Inhalten befaßt und ich weiß, was da handlungsmäßig gerade passiert. Auch wenn es vielleicht nicht gerade wörtlich ist. Diese Möglichkeit der Vorinformation sind jedem gegeben, sei es durch Opernführer oder persönlichen Gesprächen mit erfahrenen Kennern.


    Vielleicht gibt es gar keine richtige Antwort - nur ganz persönliche Auffassungen.

    Da hast Du recht, lieber Rüdiger. Es ist wohl, wie fast alles im Leben, immer eine persönliche Empfindung und Geschmackssache. Für mich klingt in der Oper italienisch phonetisch angenehmer, als die oft holprigen deutschen Texte. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt dürfte auch eine gewisse Logistik sein. Internationale Künstler aus verschiedenen Ländern gastieren z. B. in Wien. Da ist es doch einfacher, wenn jeder seine Partie in der Originalsprache drauf hat. Ich habe seinerzeit an der Staatsoper Berlin mitunter vier Nationen auf der Bühne im Rigoletto erlebt. Der Herzog- ein Italiener, Gilda- eine Polin, Rigoletto- ein Bulgare und der Rest der Akteure waren Deutsche. Da ist es schon gut und auch einfacher, wenn alle die Originalsprache singen. Wie sollte das auch anders funktionieren?
    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Hallo, liebe Forianer,


    auch ich bin der Meinung, dass dies eine Sache der persönlichen Einstellung ist. Ich habe noch die Zeit erlebt, als alles deutsch gesungen wurde. Erst als man später zu der Einstellung überging, die Opern in den Opernhäusern in der Originalsprache singen zu lassen und im Rundfunk zu senden, habe ich mich mehr der Originalsprache zugewendet. Zwar verstehe ich nicht alles Gesungene in den romanischen Sprachen, mit denen ich mich ein wenig beschäftigt habe (Französisch aus der Schulzeit, Italienisch und Spanisch später). Ich muß sagen, das auch ich lieber die Originalsprache höre. Viele der Opern hat man ja mehrfach gesehen oder gehört - ich konnte früher die deutschen Texte sogar oft von vorne bis hinten auswendig - und da greife ich auf jeden Fall zu originalsprachlichen Ausgaben. Aber auch die slawischen Originale habe ich inzwischen liebgewonnen. Einzig die Originalsprache Englisch, die ich intensiver (weil früher als Französisch) gelernt habe, gefällt mir als Opernsprache weniger. Hier würde ich eine deutsche Ausgabe vorziehen. Aber auch das ist wieder eine rein persönliche Empfindung. Wenn ich also Opern - oder auch andere musikalische Werke (z.B. von Händel) - aufführen sollte, die ich lieber in deutscher Sprache hören würde, so wären es Werke in der Originalsprache Englisch.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Ich möchte mich hier nur kurz dazu äußern. Ich höre alle Opern lieber in Originalsprache. Es klingt für mich einfach besser. Vielleicht liegt es auch daran, daß ich von den meisten Opern die Inhalte und auch die Libretti kenne. Allerdings habe ich garnichts dagegen, diese auch in deutscher Sprache zu hören. Mit englischen Opern habe ich dagegen nichts am "berühmten Hut", da ich diese Sprache in der klassischen Musik ablehne. (Oberon mit Kaufmann)?



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Sind jemand die Unterschiede in Franz Werfels Übersetzungen der Verdi-Opern geläufig? Bin ein großer Werfel-Fan und kenne nur dessen Übersetzungen, nicht aber die alten.

  • Opern auf deutsch?


    Im Thread "Was hört ihr gerade jetzt" hatte ich kürzlich von einer deutsch gesungenen "Don-Giovanni-Aufnahme" berichtet, die bei den Ludwigsburger Festspielen 1978 entstand.


    Der Dirigent war Wolfgang Gönnenwein,
    die Titelrolle sang Franz Grundheber,
    den Komtur Matthias Hölle,
    Leporello war Hans Georg Ahrens,
    Donna Anna Urszula Koszut,
    Donna Elvira Jil Gomez,
    Don Ottavio Lutz Michael Harder,
    Zerlina war Inga Nielsen
    und Masetto Roland Bracht.


    Leider besaß ich diese Oper nur in einer von der LP-Version auf CD's überspielten Aufnahme und da war das Knistern und Knacken doch sehr störend. Jetzt habe ich mit der Hilfe eines Tamino-Mitglieds eine "richtgige CD-Version" und das hört sich doch ganz anders an.


    Hier muß ich nun sagen, daß sich diese deutsche Version von Ernst Poettgen, der sich der bekannten Fassung von Hermann Levi als Grundlage bediente und diese nur sehr behutsam geändert hat, gut verträglich anhören läßt. Klar sind Ensembles nicht immer wortverständlich, aber zumindest die Solopassagen haben eindeutigen Wiedererkennungswert - für denjenigen, der damit aufgewachsen ist.


    Ich höre alle Opern lieber in Originalsprache. Es klingt für mich einfach besser. Vielleicht liegt es auch daran, daß ich von den meisten Opern die Inhalte und auch die Libretti kenne. Allerdings habe ich garnichts dagegen, diese auch in deutscher Sprache zu hören.


    Lieber Wolfgang - der von mir erwähnte Don Giovanni ist so eine Aufnahme, die auch mit dem deutschen Text ins Ohr geht, selbst dann, wenn man, wie ich es erleben mußte, manchmal automatisch das italienische Original "übersetzt". Wie aber von mir schon weiter oben betont, es ist weder das eine noch das andere ein Evangelium, ich kann beides ertragen - Original und Übersetzung...


    LG vom


    LG vom

    .


    MUSIKWANDERER

  • Hallo muikwanderer,


    leider fehlt in dieser Aufnahme die 2. Don-Ottavio-Arie. Schade, soviel Mozart gibt es leider mit dem ehemals hervorragenden Lutz-Michael Harder nicht.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"


    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Lieber Bernward,


    nicht nur die von Dir erwähnte Ottavio-Arie fehlt, sondern auch die für Wien nachkomponierte Elvira-Szene - weil die Fassung der Prager Uraufführung aufgenommen wurde...


    Herzliche Grüße gen Burgdorf vom

    .


    MUSIKWANDERER

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  • Da ich der älteren Generation hier angehöre, habe ich meine ersten Opernjahre ausschließlich mit den deutschen Textfassungen erlebt. Ich habe heute noch die deutschen Texte im Ohr, wenn ich im Theater oder im Rundfunk/CD usw. die Oper in Originalsprache höre. Auch ich besitze eine Menge Opernquerschnitte (wie Operus) in deutscher Sprache und höre sie hin und wieder (da auf LP) gern. Seit ich aber die Möglichkeit hatte, in größeren Häusern wie München, Berlin, Wien, Hamburg oder in Verona die "Italiener und Franzosen" im Original zu hören, musste ich eingestehen, dass diese Fassungen besser klingen. Außerdem geht es mir da wie "Milletre" - die grossen Italiener und Franzosen hätte man ja nie gehört, wenn es keine Originalsprache gegeben hätte. Dazu kommt, dass es ja kaum noch feste Ensembles gibt und auch fast alle Partien von Gästen (d.h. Gäste sind sie ja dann nicht mehr - sondern für einzelne Rollen eingekauft) gesungen werden. Kein Opernhaus kann es sich da noch leisten, fremdsprachige Opern in deutscher Sprache aufzuführen. Nur selten wird in den von mir problemlos zu erreichenden Opernhäusern noch Deutsch gesungen - bei fremdsprachlichen Texten natürlich. Die Freunde, die in Wien, München oder Berlin leben, haben dann ja doch noch die Auswahl !


    Bis heute höre ich aber - wie viele andere hier - die Russen, Tschechen und auch Britten sehr gerne in deutschen Übersetzungen und ich bin auch kein Freund von Über- oder Untertitelung, da das doch oft sehr ablengt. Leider ist es ja heute oft so, dass auch die deutsch(mutter)sprachlichen Werke unverständlich sind, da die Sänger als Ausländer die Sprache nicht einwandfrei beherrschen - und auch oft die deutschen Sänger (leider) - so wird ja oft Wagner und Strauss mit Übertiteln versehen.