Jules Massenet
Don Quichotte
Oper in 5 Akten
Libretto: Henri Cain
Originalsprache: Französisch
Uraufführung: Monte Carlo 1910
PERSONEN DER HANDLUNG
Don Quichotte, Bass
Sancho Pansa, sein Diener, Bariton
Dulcinea, Alt
Pedro, Garcias, Juan, Rodriguez, vier Freier, Sopran, Sopran, Tenor, Tenor
Zwei Diener Dulcineas, Bariton
Räuberhauptmann Tenebrun, Bass
Volk, Räuber
Ort und Zeit der Handlung: Spanien, 15. Jahrhundert
INHALTSANGABE
ERSTER AKT
Öffentlicher Platz in einer spanischen Stadt
Schon vor Aufgehen des Vorhangs hört man die Volksmenge schreien. Es ist Fiesta. Alle preisen die schöne, aber verrufene Dulcinea. Vier Freier, Pedro, Garcias, Rodriguez und Juan bringen unter ihrem Balkon ein Ständchen. Sie möge ihren derzeitigen Liebhaber ein Weilchen allein lassen und sich auf dem Balkon zeigen. Sie erscheint kurz, bedankt sich bei der Menge und verschwindet wieder.
Während Rodriguez und Juan sich über die Liebe zu Dulcinea unterhalten, hört man bereits aus der Ferne ein Vivat für Don Quichotte. Das Gespräch kommt auf den Ritter, der ein großes Herz habe und Dulcinea die „Dame seiner Gedanken“ nenne, was Juan eifersüchtig werden lässt.
Don Quichotte erscheint auf seinem Klepper Rosinante und Sancho Pansa auf einem Esel, zwei seltsame Figuren. Die Menge jubelt, denn er lässt durch Sancho Pansa sein letztes Geld verteilen.
Nachdem sich der Platz langsam geleert hat, schickt Don Quichotte seinen durstigen Diener in eine Kneipe, packt seine Mandoline aus und bringt Dulcinea ein Ständchen.
Er wird von Juan unterbrochen, der sich mit ihm zu duellieren versucht. Doch Don Quichotte bricht das begonnene Duell ab, er wolle zuerst seine Serenade singen, ehe er den Rivalen töte. Er nimmt sein Lied wieder auf. Dulcinea wiederholt vom Balkon her die Verse.
Als Don Quichotte sein Schwert erneut zieht, steigt Dulcinea herab und tritt zwischen die beiden. Sie schickt den eifersüchtigen Juan weg, ihre Mantilla zu holen.
Sie tadelt Don Quichotte wegen seiner Heißblütigkeit und fordert von ihm, wenn er sie wirklich liebe, den Banditen Tenebrun zu verfolgen und ihr die von diesem gestohlene Halskette zurückzubringen. Er sagt zu.
Indessen treten die vier Freier wieder auf. Dulcinea verabschiedet sich von Don Quichotte und geht lachend mit den Vieren davon. Doch Don Quichotte singt von seiner Überzeugung, sie werde sich ihm zuwenden, wenn er mit der Halskette zurückkehre.
ZWEITER AKT
Morgendämmerung auf dem Lande. Nebel.
Don Quichotte sucht schon wieder nach Versen für ein neues Lied. Sancho Pansa ist überzeugt, dass Dulcinea sie mit der Suchaktion nur zum Narren halten will und dass sein Herr immer verrückter werde. Er singt ein Schmählied alle die Frauen.
Als sich der Nebel verzieht, sieht man im Hintergrund Windmühlen, die Don Quichotte für Riesen hält und bekämpfen will. Vergeblich versucht Sancho Pansa, ihn davon abzuhalten. Don Quichotte ergreift seine Lanze, schwingt sich auf sein Pferd und stürmt gegen die Windmühlen an, indem er den Namen Dulcineas ausruft.
Der Vorhang fällt schnell und öffnet sich dann wieder. Man sieht Don Quichotte hoch an einem Windmühlenflügel hängen und schreien.
DRITTER AKT
In der Sierra. Sonnenuntergang
Nach einem Zwischenspiel, das das Serenadenmotiv aufgreift, kriecht Don Quichotte auf allen Vieren herein und verfolgt die Spur der Banditen.
Sancho Pansa schlägt vor, erst einmal auszuruhen und dann die Rückkehr anzutreten. Doch Don Quichotte besteht darauf, Ritter müssten jederzeit der Gefahr ins Auge sehen.
Während Sancho Pansa sich hinlegt, schläft Don Quichotte stehend an seine Lanze gelehnt ein. Es wird dunkel.
Man hört die Fußtritte der Banditen. Don Quichotte schickt den ängstlichen Sancho Pansa fort, sich zu verstecken, und stellt sich dem Kampf. Er wird schnell überwältigt und gefesselt. Die Banditen verspotten, stoßen und schlagen ihn.
Als Don Quichotte ein Stoßgebet zum Himmel schickt, ist der Anführer der Banditen davon seltsam ergriffen. Er fragt Don Quichotte, wer er sei. Don Quichotte erklärt, dass er ein Ritter sei und erläutert seine ritterlichen Pflichten. Dann sprengt er seine Fesseln und verlangt die Rückgabe der Halskette. Gerührt händigt der Anführer sie aus. Don Quichotte äußert sein Verständnis für die Ausgestoßenen der Gesellschaft, woraufhin die Banditen ihn um seinen Segen bitten.
VIERTER AKT
In Dulcineas Garten.
Während ihre Gäste feiern, steht Dulcinea gedankenverloren in einer Ecke der Terrasse. Die vier Freier bedrängen sie und sie gibt ihnen zu verstehen, dass sie sie langweile. Sie denkt an künftige Zeiten, wenn die Tage der Liebe verflogen sein werden.
Als die Freier erneut in sie dringen, erklärt sie ihnen, dass sie eine andere Liebe anstrebe, als diese ihr bieten könnten und singt ein Loblied auf das flüchtige Vergnügen. Danach ziehen sich alle zum Essen ins Haus zurück.
Sancho Pansa erscheint an der Tür und fordert die beiden dort stehenden Diener auf, die Rückkehr Don Quichottes anzukündigen. Die Diener spötteln zwar, gehen dann aber ins Haus.
Don Quichotte kommt an. Er stellt seinem Diener in Aussicht, dass er bald in den Ruhestand gehen könne und verspricht ihm eine Insel oder ein Schloss, wenn er erst Dulcinea geheiratet habe.
Die Gäste kommen mit Dulcinea wieder und spotten erst einmal über die beiden seltsamen Gestalten. Da präsentiert Don Quichotte das Halsband und Dulcinea bedankt sich bei ihm mit einer Umarmung.
Don Quichotte trägt ihr die Ehe an und sie und die Gäste lachen laut auf. Doch dann schickt Dulcinea die Gäste fort und bittet ihn, davon Abstand zu nehmen, sie eigne sich nicht für die Ehe. Dadurch, dass sie sich weigere, zeige sie ihm ihre Zuneigung, denn ihr Lebensinhalt sei die freie Liebe und sie könne nicht ertragen, ihn zu täuschen. Don Quichotte segnet sie für diese Worte.
Als die Gäste wiederkehren und immer noch spotten, erklärt sie, dass er zwar ein Narr, aber einer mit großem Herzen sei.
Sancho Pansa beschimpft die Gäste wegen ihres mangelnden Gefühls, ehe er seinen enttäuschten Herrn fortführt.
FÜNFTER AKT
In einer Waldschlucht. Nacht.
Don Quichotte sitzt an einen Baum gelehnt. Sancho Pansa betreut ihn wie ein Kind.
Der Ritter erklärt, dass er sich sterbenskrank fühle. Er habe Sancho Pansa eine Insel versprochen, die einzige, die er schenken könne: die Insel der Träume.
Sterbend hat Don Quichotte noch einmal eine Vision von Dulcinea, dann sinkt er tot zusammen. Mit einem Aufschrei „Mein angebeteter Meister“ umarmt Sancho Pansa seinen alten Freund.
© Copyright by Gerhard Wischniewski
