NICOLAI; Otto: DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR

  • Otto Nicolai
    Die lustigen Weiber von Windsor


    Komisch-phantastische Oper in drei Akten
    Libretto: Hermann S. Mosenthal nach Shakespeare
    Originalsprache: Deutsch


    Uraufführung: Berlin 1849


    PERSONEN DER HANDLUNG


    Sir John Falstaff, Bass
    Herr Fluth, Bariton
    Frau Fluth, Sopran
    Herr Reich, Bariton
    Frau Reich, Mezzosopran
    Anna, ihre Tochter, Sopran
    Fenton, Tenor
    Junker Spärlich, Tenor
    Dr. Cajus, ein Franzose, Bass
    Wirt im Gasthaus zum Hosenbande, Sprechrolle
    Kellner im Gasthaus zum Hosenbande, Sprechrolle
    Bürger von Windsor


    Ort und Zeit der Handlung: Windsor, 17. Jahrhundert


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    1. Bild: Hofraum vor den Häusern der Familien Fluth und Reich.
    Halb belustigt, halb zornig liest Frau Fluth eine Liebesbrief vor, den sie von dem dicken Ritter Falstaff erhalten hat. Frau Reich kommt dazu und berichtet, dass sie einen gleichlautenden Brief erhalten habe.
    Sie beschließen, mit List sich eine Falle auszudenken, ohne es ihren Männern zu sagen, damit diese nicht den Spaß verderben und eilen ins Haus.
    Herr Fluth und Herr Reich kommen mit Junker Spärlich und dem Franzosen Dr. Cajus. Die beiden letzteren sind Rivalen bei Anna, der Tochter Reichs. Außerdem erfahren wir, dass Herr Fluth sehr eifersüchtig ist.
    Anna liebt jedoch Fenton, der nun kommt und Herrn Reich allein sprechen möchte.
    Als alle anderen gegangen sind, hält er um die Hand Annas an, wird jedoch von Reich als Habenichts abgewiesen.


    2. Bild: Zimmer im Hause Fluth
    Frau Fluth macht sich über die Männer lustig („Nun eilt herbei, Witz, heitere Laune“), drückt aber zugleich auch ihren Zorn über sie aus. Sie hat Falstaff zu einem Stelldichein eingeladen.
    Frau Reich tritt ein und erzählt, sie habe alles vorbereitet, einen gewaltigen Waschkorb besorgt und Träger bestellt. Außerdem habe sie Herrn Fluth eine Nachricht geschickt, dass er heute Abend seine Frau mit einem Liebhaber vorfinden werde. Dann versteckt sie sich, um alles zu belauschen.
    Falstaff kommt und geht sofort aufs Ganze. Frau Fluth stellt sich erst schüchtern und spricht ihn auf Frau Reich an, die er doch ebenfalls liebe. Er leugnet. Dann geht sie zum Schein auf sein Werben ein. Da stürzt Frau Reich aufgeregt herein und kündigt an, dass Herr Fluth wütend mit einer Menge Leute anrücke. Sie verstecken Falstaff in dem Waschkorb und rufen Träger, die ihn in die Themse schütten sollen.
    In dem Augenblick, in dem Herr Fluth mit der Meute hereinstürmt, bringen die Träger den Waschkorb hinaus. Während Fluth das ganze Haus durchsuchen lässt, amüsieren sich die beiden Frauen über den gelungenen Scherz.
    Als Herr Fluth nichts gefunden hat, stellt sich Frau Fluth verzagt über den Verdacht und die Wut ihres Mannes und droht ihm an, sich scheiden zu lassen. Frau Reich schilt ihn und alle beschimpfen ihn als Tyrannen.


    ZWEITER AKT
    1. Bild: Gästezimmer des Gasthauses zum Hosenbande am nächsten Morgen
    Falstaff kommt aus seinem Zimmer und flucht erst einmal gehörig auf die Frauen und sein gestriges Abenteuer. Dann verlangt er Sekt, den ihm der Kellner zunächst nicht geben will, weil er hohe Schulden hat. Als er mit Prügeln droht, bringt der Kellner schließlich den Sekt.
    Einige Bürger kommen und er trinkt mit ihnen um die Wette. Dabei stimmt er ein Loblied auf sein Lieblingsgetränk an („Als Büblein klein…“).
    Als die Bürger gegangen sind, bringt der Kellner eine Flasche Madeira, die ein Herr Bach spendiert hat, und zwei Gläser. Dieser – der verkleidete Herr Fluth – erscheint sogleich und bietet ihn Geld für eine Gefälligkeit an. Er sei verliebt in eine Frau Fluth, die ihn aber verschmähe. Falstaff solle als „erfahrener Kavalier“ sein Glück bei ihr versuchen. Mit dieser Entdeckung habe dann er – Bach – eventuell bei ihr eine bessere Chance.
    Falstaff ist begeistert, denn er hat bereits eine neue Einladung von Frau Fluth erhalten, und berichtet auch von seinem gestrigen Abenteuer, was Herrn Fluth immer wütender macht. Er lässt sich jedoch nichts anmerken und beide schließen einen Pakt, wobei Fluth sich freut, den Dickwanst bald durchprügeln zu können.


    2. Bild: Garten hinter Reichs Haus
    Spärlich singt ein Lied auf die „süße Anna“. Dann versteckt er sich.
    Cajus kommt und übt, mit welchen Worten er Anna gegenübertreten will. Als er Fenton in der Ferne singen hört, versteckt auch er sich schnell.
    Fenton tritt mit einer Romanze auf („Horch, die Lerche…“). Anna eilt herbei und berichtet, dass ihr Vater sie mit Spärlich, ihre Mutter aber mit Cajus verheiraten will. Beide hoffen, dass das Glück sich wenden möge.
    Als die beiden gegangen sind, treffen Cajus und Spärlich zusammen. Cajus bedroht Spärlich. Dieser entflieht und Cajus rennt ihm nach.


    3. Bild: Zimmer im Hause Fluth
    Frau Fluth tritt mit Falstaff ein und täuscht Bedauern über das vor, was ihm gestern passiert ist. Als er zärtlich werden will, trommelt Frau Reich an die Tür und berichtet, dass Herr Fluth unterwegs sei, das Haus zu durchsuchen. Sie schieben Falstaff in ein Nebenzimmer, wo Frau Reich ihm helfen soll, die Kleider der dicken alten Tante ihrer Magd anzuziehen.
    Herr Fluth stürmt mit gezogenem Degen herein. Als er in das Nebenzimmer will, stellt sich ihm Frau Fluth in den Weg. Da kommen zwei Knechte mit einem Waschkorb aus einem anderen Zimmer. Herr Fluth befiehlt, den Waschkorb abzustellen und schickt die Knechte fort. Dann stürzt er sich auf den Waschkorb und durchsticht ihn mehrfach vergeblich mit dem Degen. Wieder versucht er, in das Nebenzimmer zu gelangen. Es klopft und Herr Reich, Cajus und Spärlich, die er bestellt hatte, eilen zu Hilfe.
    Da ruft Frau Fluth in das Nebenzimmer, ihre Nachbarin möge doch mit der alten Frau herauskommen. Der verkleidete Falstaff verstellt die Stimme und tut schwerhörig. Doch der wütende Herr Fluth prügelt die vermeintliche Alte aus dem Haus. Dann setzen die Männer ihre Suche fort.


    DRITTER AKT
    1. Szene: Zimmer im Hause Reich
    Die Eheleute Reich und Fluth sowie Anna sitzen vereint beim Essen. Die Frauen haben ihre Männer über die Geschehnisse aufgeklärt. Herr Fluth hat seine Lektion gelernt, bittet um Verzeihung und verspricht, nie wieder eifersüchtig zu sein.
    Gemeinsam hecken sie eine weitere Lektion für Falstaff aus: Die beiden Frauen sollen ihn um Mitternacht in den Wald locken. Dort soll ihm dann ein Heer von Elfen und Kobolden Furcht einjagen.
    Frau Reich singt die Ballade vom Jäger Herne. Dann laden die Frauen Falstaff ein, sich als Jäger verkleidet beim Jagdpavillon mit ihnen zu treffen.
    Frau Reich, die mit Anna zurückbleibt, wünscht von Ihrer Tochter, dass sie Dr. Cajus heirate. Die Trauung soll noch in der Nacht in der Waldkapelle stattfinden. Als Erkennungszeichen solle Anna als rote Elfe auftreten.
    Nachdem Frau Reich gegangen ist, tritt Herr Reich ein und verlangt das Gleiche für Junker Spärlich. Anna solle dazu als grüne Elfe auftreten.
    Anna sieht ihre Chance für eine Vereinigung mit Fenton. Sie schickt das rote Gewand an Spärlich, das grüne an Dr. Cajus. An Fenton schreibt sie, dass sie in Weiß auftreten werde.


    2. Szene: Wald bei Windsor mit Jagd-Pavillon
    Die Herren Fluth und Reich kommen mit Spärlich als roter Elfe und verstecken sich. Danach finden sich die beiden Frauen mit Dr. Cajus als grüner Elfe ein und verbergen sich ebenfalls. Der unsichtbare Chor der „Geister“ singt eine Romanze ("O süßer Mond…“). Dann schlägt es zwölf Uhr.
    Falstaff tritt als Jäger mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf auf. Die beiden Frauen schleichen heran und heucheln Liebe, so dass er Vertrauen gewinnt. Doch kaum will er sie fortführen, bricht hinter der Szene Geschrei los. Die Frauen laufen fort und Falstaff versteckt sich.
    Elfen und Geister brechen hervor und tanzen auf der Lichtung. Anna tritt in Weiß als Titania, danach Fenton als Oberon auf. Beide gehen Hand in Hand davon.
    Dann findet man Falstaff. Mücken. Wespen und Fliegen schwärmen auf ihn zu und zwicken ihn von allen Seiten. Während des Mummenschanzes finden sich auch Spärlich und Dr. Cajus, die beide den jeweils anderen für Anna halten. Sie begeben sich Hand in Hand in Richtung Kapelle.
    Herr Reich als Jäger Herne hetzt noch einmal alle Geister auf Falstaff, bis dieser um Barmherzigkeit fleht. Nun geben sich die Frauen und Herr Fluth – in der Verkleidung von Herrn Bach – zu erkennen und Falstaff merkt endlich, dass man ihn zum Narren gemacht hat.
    Spärlich und Dr. Cajus kommen Hand in Hand zurück. Als Reich erstaunt nach Anna fragt, erscheint diese mit Fenton. Sie bekennen, dass sie soeben in der Waldkapelle getraut wurden. Herr und Frau Reich müssen sich geschlagen geben und erteilen dem Paar ihren Segen. Falstaff wird von Frau Fluth zur Hochzeit Annas und zu einer Flut von Sekt eingeladen.
    So endet die Oper versöhnlich und zum Publikum gewandt bitten alle, auch es möge den kleinen Spaß verzeihen.


    © Copyright by Gerhard Wischniewski

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

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