Jules Massenet ( 1842 - 1912 )
Le Cid
(Der Cid)
Oper in vier Akten
Libretto: Adolphe d'Ennery, Louis Gallet und Edouard Blau
Originalsprache: Französisch
Uraufführung: Paris 1885
PERSONEN DER HANDLUNG
König, Bariton
Infantin, Sopran
Graf von Gormas, Bass
Chimène, seine Tochter, Sopran
Don Diego de Vivar, Bass
Rodrigo, sein Sohn, Tenor
Don Arias, Bariton
Don Alonso, Bariton
Der maurische Gesandte, Bass
St. Jakob, Bass
Hofstaat, Edle, Ritter, Soldaten, Priester, Volk
Ort und Zeit der Handlung: Spanien 11. Jahrhundert
ERSTER AKT
1. Szene: Salon im Hause des Grafen Gormas in Burgos
Don Gormas, Don Arias, Don Alonso und einige Noble haben sich versammelt. Trompeten künden an, das der König sie erwartet, weil er den jungen, siegreichen Rodrigo zum Ritter des heiligen Jakob schlagen will. Es wird auch darüber gesprochen, dass der König einen Erzieher für den Infanten wählen wird. Gormas erhofft sich diese Ehre.
Chimène, die Rodrigo liebt, tritt ein und bittet ihren Vater, Rodrigo heiraten zu dürfen. Gormas stimmt dem gerne zu.
Als die Herren gegangen sind, drückt Chimène ihre Freude über die Entscheidung ihres Vaters aus. Die Infantin kommt und gibt zu erkennen, dass auch sie Rodrigo liebe, aber sie beruhigt Chimène, dass sie selbst verzichten müsse, weil er nicht aus königlichem Blute sei.
2. Szene: Platz vor Palast und Dom
Das Volk und der König preisen den Sieg über die Mauren und danken dem heiligen Jakob. Dann lässt der König Rodrigo bringen. Don Diego, seinen Vater, der vor dem König niederknien will, hebt der König zu sich empor.
Rodrigo erscheint in der Kirchentür. Er kniet nieder und der Bischof nimmt ihm den Eid als Ritter ab. Rodrigo verweist auf seinen Vater, der ihm ein Vorbild war. Nachdem er geschworen hat, immer für Spanien und dessen Freiheit zu kämpfen, sieht er Chimène und verliebt sich in sie. Alle – außer dem König, Diego und Gormas mit seinen Freunden – gehen in die Kirche.
Nun ernennt der König Diego zum Erzieher des Infanten und geht ab.
Gormas ist wütend, sucht mit Diego Streit und schlägt ihm ins Gesicht. Diego zieht sein Schwert, wird aber von Gormas entwaffnet. Spottend verlässt dieser mit seinen Freunden den Platz.
Diego bleibt, überwältigt von der Schande, zurück. Als sein Sohn auf der Kirchenschwelle erscheint, berichtet er ihm von der Erniedrigung. Rodrigo erklärt, er werde den Täter fordern. Als er den Namen erfährt, erkennt er, dass er auf seine Liebe verzichten muss.
ZWEITER AKT
1. Szene: Eine Straße in Burgos. Nacht.
Rodrigo beklagt sein Schicksal. Dann begibt er sich zum Palast von Don Gormas, der in diesem Augenblick aus dem Hause tritt. Er fordert ihn zum Kampf. Gormas, der sich überlegen fühlt, lehnt zunächst ab und will Rodrigo fortschicken. Doch Rodrigo zwingt ihn, indem er sein Schwert zieht und auf ihn eindringt. Es kommt zu einem kurzen Kampf, in dem Rodrigo den Grafen tödlich verletzt.
Das Volk und Diener von Gormas strömen zusammen. Don Diego umarmt seinen Sohn, der seine Ehre gerettet hat, doch dieser trauert um den Preis, den er dafür zahlen muss.
Die Diener tragen den Toten fort. Chimène erscheint und fragt wütend nach dem Attentäter. Als sie erkennt, dass es Rodrigo ist, bricht sie mit einem Schrei zusammen.
2. Szene: Der große Platz in Burgos
Mönche und Volk feiern den Sieg über die Mauren. Die Infantin kommt, singt ein Freudenlied und verteilt Almosen. Zwei Brautpaare nähern sich ihr und sie wünscht ihnen Glück. Es folgt ein Ballett, und dann treten der König und die Noblen auf.
Chimène stürzt aufgeregt herbei und fleht den König um Gerechtigkeit und Verurteilung des Mörders an. Don Diego klärt auf, dass Rodrigo damit nur die Beleidigung seines Vaters gerächt habe, was auf geteilte Meinungen stößt. In einem großen Ensemble gehen alle Anwesenden ihren verschiedenen Gedanken nach.
Auf ein Trompetensignal erscheint ein maurischer Gesandter mit einigen Soldaten. Er verkündet, dass ihr Anführer sich neu aufgestellt habe und die Spanier zum Kampf herausfordere.
Der König ernennt Rodrigo zum Feldherrn. Die Infantin bittet Chimène, das Gericht Gott und dem König zu überlassen. Rodrigo selbst sehnt sich danach, für Spanien zu sterben.
DRITTER AKT
1. Szene: In Chimènes Zimmer
Chimène weint über den Tod des Vaters und ihre verlorene Liebe.
Rodrigo kommt, um sie vor seinem Abschied noch einmal zu sehen. Chimène gesteht, dass sie ihn nicht hassen könne, aber die Pflicht gegenüber ihrem Vater erfüllen müsse, und bittet ihn zu gehen. Als er sich für immer verabschieden will, weil er den Tod auf dem Schlachtfeld suchen werde, erschrickt sie und versichert ihm, dass sein Vergehen gesühnt sein werde, wenn er Spanien rette. Erschrocken über ihre eigenen Worte läuft sie davon. Doch Rodrigo ist erleichtert, jetzt kann ihn kein Feind mehr schrecken, denn die Liebe vertreibt die Furcht.
2. Szene: Im Feldlager
Offiziere und Soldaten trinken und singen. Sie fordern die Gefangenen auf, von maurischen Musikern begleitet zu tanzen.
Als Rodrigo kommt, drängen einige Soldaten darauf, sich zurückzuziehen, weil der Feind in der Übermacht sei. Rodrigo sagt ihnen freien Abzug zu; möge Gott ihr Richter sein. Die meisten bleiben und bereiten sich auf den Kampf vor.
3. Szene: In Rodrigos Zelt
Rodrigo spricht traurig ein Gebet. Der Himmel möge ihn als Opfer annehmen und Chimène segnen. Da hat er eine Vision des heiligen Jakob von Compostella, die ihm den Sieg voraussagt.
4. Szene: Im Feldlager
Die Soldaten stellen sich zum Kampf auf. Rodrigo zieht sein Schwert und spricht ihnen Mut zu. Die Mauren greifen an. Schlachtgetümmel.
VIERTER AKT
1. Szene: Ein Zimmer im königlichen Palast in Granada
Die geflohenen Soldaten berichten Don Diego, dass sein Sohn tot sei. Dieser sieht ihn schon unter den Helden, deren Name von der Nachwelt besungen wird. Zugleich beschimpft er die Soldaten als Feiglinge.
Bei den letzten Worten treten die Infantin und Chimène mit einem Aufschrei ein. Die Infantin versucht, Chimène zu trösten.
Als Chimène sich beruhigt hat, fühlt sie, dass sie dadurch von ihrer Rache enthoben ist. Gleichzeitig ist es ihr ein Trost, dass Rodrigo vor seinem Fortgang erfahren hat, dass sie ihn dennoch liebe.
Da erklingen fröhliche Trompetenklänge und Jubelgeschrei verkündet, dass Rodrigo noch lebt.
2. Szene: Ein Gerichtssaal im Palast
Eine große Menge hat sich versammelt, preist den Sieger und gibt ihm den Ehrennamen, den die Mauren für ihn geprägt haben: El Cid
Rodrigo gibt, wie versprochen, sein Schwert zurück und unterwirft sich dem königlichen Gericht. Doch der König will ihn nicht verurteilen und überlässt das Urteil Chimène. Diese erklärt, sie könne ihm zwar nicht vergeben, aber es wäre ihres Vaters unwürdig, den Helden zu verurteilen. Als Rodrigo seinen Dolch ergreift und sich töten will, weil er nicht leben kann, wenn sie ihn weiterhin verachtet, hält sie ihn davon ab. Er möge leben und ihre Liebe soll künftig sein Schild sein. Alle brechen in Jubel aus.
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