• Hier noch eine kuriose Ausgabe von Schuberts Neunter:

    takt1 - Josef Krips


    So ein grober Schnitzer kann ja mal im Text passieren, aber auf dem Titelcover :hahahaha::hahahaha::untertauch: - welcher Experte hat das wohl durchgehen lassen?


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Nach diesem Lacherfolg jetzt noch eine Rarität, die eigentlich jeden Verehrer des Dirigenten erfreuen dürfte:


    Mozarts REQUIEM in einer der allerersten LP-Aufnahmen aus dem Jahr 1950.


    Ich bin der Original-LP bei einem Freund in den späten 50ern begegnet, musikalisch ist sie ein Juwel, aber sie klingt recht bescheiden. In einigen Rezensionen, die ich leider nicht mehr finde, wurde diese alte Aufnahmen in den höchsten Tönen gepriesen. Ein Kritiker schrieb, daß er dafür seine sämtlichen Stereo-Platten dieses Werks hergeben würde. Es handelt sich um eine echte Wiener Besetzung aus der ersten Nachkriegszeit: Vom Dirigenten und den mitwirkenden Orchestern ist außer dem Tenor Walther Ludwig kein bekannter Name auf dem Cover zu entdecken: Die Sopran- und Altpartie wurde mit jeweils einem Wiener Sängerknaben besetzt, Werner Pech und Hans Breitschopf. Den Baßsänger Harald Pröglhöf kenne ich nur von dieser Aufnahme. Vielleicht kann Alfred da weiterhelfen?


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Es gibt noch zwei spätere Aufnahmen des Requiems von Mozart:



    Agnes Giebel, Sopran

    Marga Höffgen, Alt

    Hans-Ulrich Mielsch, Tenor

    Boris Carmeli, Bass


    Chœurs de l'ORTF

    Orchestre National de l'ORTF

    Josef Krips


    Aufnahme: Paris, 2. Dezember 1965


    Stereo-Mitschnitt des Französischen Rundfunks (ORTF)


    Lucia Popp, Sopran
    Margarita Lilowa, Alt
    Anton Dermota, Tenor
    Walter Berry, Bass


    Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
    Wiener Philharmoniker
    Josef Krips

    Aufnahme: Großer Musikvereinssaal, Wien, 8. Dezember 1973

    Stereo-Mitschnitt des Österreichischen Rundfunks (ORF)

    Es handelte sich um den letzten Auftritt des Dirigenten mit den Wiener Philharmonikern. Ein würdiger und passender Abschied. Josef Krips starb kein Jahr darauf im Alter von 72 Jahren an Lungenkrebs.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Lieber Nemorino,


    ich habe zu danken für all die wertvollen Informationen, die du hier beigesteuert hast! Zu Harald Pröglhöf gibt es zumindest einen Wikipedia -Artikel:


    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Harald_Pr%C3%B6glh%C3%B6f

  • Angeregt durch diesen Thread, lauschte ich gestern Abend dieser Aufnahme, die sich auf der dritten CD dieser Box des Labels Andante befindet. Es konnte auf die Originaltonbänder des ORF zurückgegriffen werden, die Veröffentlichung hat also offiziellen Charakter. Was fällt auf? Praktisch keine Publikumsgeräusche, über dem Goldenen Saal des Musikvereins scheint an diesem 8. Dezember 1973 eine düstere Stimmung zu liegen, als hätte das Publikum geahnt, dass es Josef Krips hier zum allerletzten Mal erleben würde. Kurz davor, im September 1973, spielte Krips seine letzte Studioaufnahme ein (Searles 2. Symphonie für Lyrita in London). Gesundheitlich dürfte der Dirigent bereits schwer angeschlagen gewesen sein. Ich hörte mal von einem Bericht aus seiner späten Zeit beim San Francisco Symphony, dem er bis 1970 vorstand, wo er jemanden nach einem Konzert in seiner Umkleidekabine empfing, bei ihm auch seine junge Frau Harrietta Procházka, die er 1969 geheiratet hatte. Es war seine dritte Ehe, sie war 31, er 67. Jedenfalls fiel demjenigen bereits da der schlechte Gesundheitszustand von Krips auf. Womöglich ist der ORF-Mitschnitt von diesem Dezembertag auch das letzte Tondokument, welches von diesem Dirigenten überhaupt existiert. Es ist keine energiegeladende Darbietung, vielmehr kontemplativ und insofern schon jenseitig. Das Solistenquartett ist allererste Klasse. Dermota, damals bereits 63, klingt alterslos. Berry fulminant wie eh und je, so auch die beiden Damen. Der Unterschied zur oben ebenfalls abgebildeten Pariser Aufnahme, die acht Jahre zuvor entstand, ist nach meiner Erinnerung ziemlich gewaltig. Damals stand Krips noch voll im Leben, die Interpretation war schroffer und vorwärtsdrängender. Dieser Eindruck stellt sich 1973 nicht mehr ein. Es ist wohl keine erste Empfehlung für das Werk, aber doch eine historisch bedeutsame. Der Abgang eines großen Dirigenten.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Der Harenberg Konzertführer

    lohnt sich m. E. immer - zum Schmökern in der Bibliothek, wg. mancher interessanter (u. seltener!) Fotos < - das sei fairerweise mal festgehalten !! Anschaffen würd' ich mir ihn allerdings in der Tat nie !! Aber zurück zu Krips . . .

    Außerdem ist zu bemerken, daß Krips von Glenn Gould sehr hoch geschätzt wurde -

    was gar auf Gegenseitigkeit beruhte, jedenfalls lt. dem (v. Michael Stegemann verfassten) Beiheft der unten erwähnten Doppel-CD. Zitat: nicht weniger enthusiastisch äußerte sich Krips über Gould: 'seine herrliche Musik fließt wie ein Goldstrom'.

    Dabei bezieht sich Gould explizit auf 'Krips' Mozart,

    und Stegemann bedauert ausdrücklich, dass es nie zu einer gemeinsamen Mozart-Produktion (weder LP noch Rundfunk oder Konzert) gekommen ist, denn ''(Krips) wäre vielleicht der einzige gewesen, der den Kanadier von seiner ewigen Mozart-Skepsis hätte heilen können''.


    Krips hat freilich mit Gould - zwischen dem 07.02.1958 und dem 08.11.1960 - alle fünf Beethovenkonzerte aufgeführt (4mal in London, dreimal in Buffalo); das letzte Konzert (Nr. 5 in Buffalo) ist dann erfreulicherweise mitgeschnitten und inzwischen wiederveröffentlicht worden (als Doppel-CD zusammen mit dem Schönberg - Konzert u. BWV.1052, beides unter Mitropoulos 1958):


    Unvernünftige Klugheit, unkluge Vernunft. Energie ohne Grundsäze, Grundsäze ohne Energie. Strenge ohne Menschlichkeit, Menschlichkeit ohne Strenge. Heuchlerische Gefälligkeit, schaamlose Unverschämtheit, altkluge Jungen, läppische Männer. Man könnte fortsezen von Sonnenaufgang bis Mitternacht und hätte kaum ein Tausendtheil des menschlichen Chaos genannt (Hölderlin, Brief an J. G. Ebel, 10.01.1797)

  • Als waschechter Wiener hat sich Josef Krips natürlich auch den "Walzerkönigen" gewidmet und die "Wiener Sträuße" mit einem bunten Strauß herrlichster Melodien aus ihrer Feder geehrt:



    Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1948 bis 1961 und sind auf dieser CD von der australischen DECCA-Dependance wieder vorgelegt worden. Es sind nicht nur "MEMORIES OF VIENNA", sondern gleichermaßen auch schöne Erinnerungen an Josef Krips. Die Klangqualität ist unterschiedlich, es handelt sich sowohl um Mono- als auch um frühe Stereo-Produktionen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Zu Harald Pröglhöf gibt es zumindest einen Wikipedia -Artikel

    Lieber Don_Gaiferos,


    vielen Dank für den Hinweis, den ich eben erst entdeckt habe. Sorry.


    Die GA "Le Nozze di Figaro" und "Rosenkavalier" mit Erich Kleiber sind in meiner Sammlung, aber Pröglhöf habe ich glatt übersehen, wahrscheinlich weil er nur Nebenrollen singt.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Das ist gar nicht schlimm, lieber Nemorino. Ich nutze die Gelegenheit, um auch ein Video einzustellen, das es erlaubt, die markante, samtige, volle Baritonstimme zu hören:

  • schon in Beitrag 10 wurde diese CD erwähnt und gelobt



    Franz Schubert (1797-1828 )


    Sinfonie Nr. 8 h-moll D 759 "Unvollendete"*

    Sinfonie Nr. 9 C-Dur D 944 "Die Große"


    Wiener Philharmoniker*

    London Symphony Orchestra

    Josef Krips


    Sie befindet sich seit einigen Tagen in meinem Besitz. Ich kann mich dem Jubel nur anschliessen. Nieman würde hinter der Aufnahm der Grossen C-Dur Sinfonie eine Analogaufnahme vermuten und schon gar keine aus dem Jahre 1958. Die Dynamk ist einfach umwerfend.der Klankg anspringen (Bei hohert Lautstärke gelegentlich tendentiell grell - aber gerade das verleiht der Aufnahme Naturnähe. Ein Jammer, daß die meisten Krips Aufnamen in den Archiven verstauben - es gibt nämlich eine ganze Menge davon, vor allem von Mozart....


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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  • Im Juni 2024 erschienen 2 Sammelboxen mit Dirigaten von Krips, von denen Folge 1 bereit gestrichen ist.

    Die Aufteilung:

    Vol 1:Aufnahmen von 1947-1955. Ergo Mono

    Vol 2: Aufnahmen von 1955-1973. daher meist in Stereo

    Jede Box über 20 CDs

    Man darf ierbei nicht ausser Acht lassen, dass Krips viele Werke mit unterschiedlichen Orchestern aufgenommen hat

    Eigentlich waren viele Aufnahmen von Philips, die heute unter DECCA firmieren.

    Mich haben seinerzeit (um ca 1975) seine Mozart Sinfonien mit dem Concertgebouv Orkeest Amsterdam beeindruckt, als echte Alternative zu Böhm. Gleicher schöner Ton, aber dezent strenger und bestimmter, etwa vorsichtig tendenziell in Richtung Szell.

    Es gab keine Gesamtaufnahme, aber immerhin sind uns die Sinfonien Nr 20-41 überliefert.

    Hier ein Coverbeispiel der LP (Vinyl) Version


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Angeblich wurde bei seiner ersten Aufnahme der "Entführung aus dem Serail" die so genannte "Baumeisterarie" mit Walther Ludwig zwar aufgenommen, aber nie veröffentlicht. Weiß jemand dazu mehr?

  • Ich würde sagen:Du hast recht.

    Hier noch ein weiterer Clip mit Krips.

    Es ist interessant den Unterschied zu Karl Böhm zu sehen. Fast militärisch, energiegeladen und unerbittlich, in der Tat ein Pultdiktator....

    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU




  • Eine für meine Begriffe sehr gelungene Live-Darbietung von Beethovens 5. Sinfonie von einem späten Gastspiel von Josef Krips beim Los Angeles Philharmonic Orchestra aus dem Jahre 1970. Seine Zeit in den USA (er erwähnt Amerika ja auch in dem interessanten Interview im vorigen Beitrag) geht bei uns häufig komplett unter. Zwischen 1954 und 1963 war er Chefdirigent in Buffalo (Bundesstaat New York) und von 1963 bis 1970 in San Francisco.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões


  • Die Ouvertüre zu Verdis Oper "La forza del destino". Ein seltenes Tondokument aus Krips' Zeit beim Buffalo Philharmonic Orchestra aus dem Jahre 1957, bereits in erstaunlich gutem Stereo. Die Amerikaner waren seinerzeit führend bei ersten Zweikanaltonaufnahmen im Konzertbetrieb. Das räumliche Klangbild übertrifft manche dumpfe Studioproduktion aus jenen Tagen. Ich meine, danach wurde Mahlers 1. Sinfonie gegeben. Zwei Werke, die Krips m.W. nicht kommerziell eingespielt hat.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Diese CD ist bereits unterwegs zu mir. Zwar habe ich "Die Große" Dß44 bereits in einer andern Aufname mit Krips, aber eben mit einem anderen Orchester. Grund des Kaufs war das 15 Minutenstück "Till Eulenspiegels lustige Sreiche" von Richard Strauss. Soweit die Samples eine Beurteilung zulassen - wieder in sehr guter Tonqualität.


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Die Witwe des Dirigenten, Harrietta Krips, geb. Baronin von Procházka, hat ihn übrigens um über 40 Jahre überlebt. Die Todesanzeige datiert auf den 12. Jänner 2015.


    "Josef Krips war dreimal verheiratet. Seine erste, aus Aussig stammende Ehefrau, Maria Heller, geborene Rotsch, ehelichte er 1925. Sie starb 1930 bei einem Verkehrsunfall. Im Jahr 1947 gab er Maria(nne) Weinlinger, geborene Willheim, das Ja-Wort. Sie starb 1969 an Krebs. In dritter Ehe, die 1969 geschlossen wurde, war Krips mit Harrietta von Procházka (1938–2015) verheiratet, die bereits für ihn, gleichsam als seine rechte Hand, gearbeitet hatte. Harrietta Krips hielt nach dem Tod ihres Mannes, der am 13. Oktober 1974 in Genf einer Lungenkrebserkrankung erlag, das Andenken an ihn hoch, hütete und vermehrte dessen Nachlass in einzigartiger Weise. Alle drei Verbindungen blieben kinderlos." (Wien Geschichte Wiki)

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

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  • Krips Aufnahme von Schuberts Großer C-Dur ist weiterhin meine Lieblingsaufnahme.


    Eine diskographische Kuriosität, nichtsdestoweniger sehr hörenswert ist seine Aufnahme der Beethoven-Sinfonien mit dem London Symphony Orchestra, die auf CD in einer berühmt-berüchtigten "Keksdose" veröffentlicht wurde - ich habe das gute Stück.


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    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Wenn auf einer CD das Label "Testament" prangt bin ich eher skeptisch: Alte abgespielte Masterbänder mit diffusem Stereo etc etc... Glücklicherweise hab ich meine Scheu abgelegt und hineingehört. Hier kommt ein weiterer Punkt hinzu, der meine Abneigung verstärkt: Komponistenmix. Im Fall von Krips hat man nicht viele Alternativen. Der Klang von 1962-64 entspricht der Zeit. Gutes durchhörbares Stereo mit eher hoher Dynamik.

    Meinen Ansprüchen genügt es allemal....

    Die Bestellung läuft.


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Eine diskographische Kuriosität, nichtsdestoweniger sehr hörenswert ist seine Aufnahme der Beethoven-Sinfonien mit dem London Symphony Orchestra, die auf CD in einer berühmt-berüchtigten "Keksdose" veröffentlicht wurde - ich habe das gute Stück.

    Lieber hasiewicz, danke für die Erinnerung an Kripsens Beethoven-Zyklus.

    Als er erstmals herauskam, war er - gemessen an der Entstehungszeit - eine HiFi-Produktion des US-Labels Everest (Aufnahme: Walthamstow Assembly Hall, London, 11.-13., 15.-16. & 18.-27. Jänner 1960). Die Einspielungen wurden auf 35-mm-Magnetfilm festgehalten. In Europa scheint dieser Zyklus aber nicht offiziell vertrieben worden zu sein, wodurch er nahezu unbemerkt blieb.


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    Auf CD war er in den 1990er Jahren in einer 5-Disc-Box zu erstehen.


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    Mittlerweile sind diese Einspielungen in Hi-Res 24-Bit/192 kHz bei diversen Anbietern (z.B. Qobuz) zu haben.


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    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Zu den unverzichtbaren Aufnahmen von Josef Krips zählen Beethovens fünf Klavierkonzerte mit Artur Rubinstein, die in wenigen Nachtsitzungen im zwischen dem 16. und 27. Dezember 1956 im New Yorker Manhattan Center entstanden. Sie wurden bereits in STEREO produziert und wurden gleich beim ersten Erscheinen im darauffolgenden Jahr von Kritik und Publikum hochgerühmt. Als Orchester stand das frühere NBC Symphony Orchestra, das nach Toscaninis Ausscheiden von der NBC entlassen und fortan unter dem obskuren Namen "Symphony of the Air" noch einige Jahre existierte, zur Verfügung. In Deutschland waren die Aufnahmen zunächst nur einzeln und kurzzeitig im Handel, aber im Herbst 1966 legte die Teldec/RCA die Konzerte gebündelt in einer Sonderauflage vor, zum damals sensationellen Preis von 49 DM. Ich habe mir die Kassette sofort gekauft. So sah sie aus:

    Die 5 Klavierkonzerte Beethovens [Vinyl Schallplatte] [5 LP Box-Set]

    Viel später habe ich die Aufnahmen dann auf CD erworben. Rubinstein hat in der Folge die Beethoven-Konzerte noch zweimal komplett eingespielt, zunächst in den 1960er Jahren mit Erich Leinsdorf und dem Boston SO, dann noch einmal mit Daniel Barenboim als Dirigent und dem London Philharmonic Orchesta. Beide Versionen mögen klangtechnisch der alten Krips-Ausgabe überlegen sein, aber künstlerisch reichen sie nicht an sie heran. Vor allem die letzte mit Barenboim zeugt, was Rubinstein angeht, von deutlich nachlassender Konzentration.

    Rubinstein hat übrigens sehr gerne mit Josef Krips zusammengearbeitet, es gibt noch einige Aufnahmen mit Klavierkonzerten von Mozart und Brahms (Nr. 2), die den Dirigenten von seiner besten Seite zeigen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Beide Versionen mögen klangtechnisch der alten Krips-Ausgabe überlegen sein, aber künstlerisch reichen sie nicht an sie heran. Vor allem die letzte mit Barenboim zeugt, was Rubinstein angeht, von deutlich nachlassender Konzentration.

    Rubinstein hat übrigens sehr gerne mit Josef Krips zusammengearbeitet, es gibt noch einige Aufnahmen mit Klavierkonzerten von Mozart und Brahms (Nr. 2), die den Dirigenten von seiner besten Seite zeigen.

    Lieber Nemorino,


    die Paarung Rubinstein/Krips finde ich auch wirklich außergewöhnlich. Eine große Frische des Musizierens. Ganz ausgezeichnet ist auch die Aufnahme des Schumann-Konzertes mit Rubinstein/Krips. Bei Gelegenheit werde ich da wieder mal reinhören - ich habe ja die große Rubinstein-Box. Interessant, was Rubinstein über Krips in seiner Autobiographie schreibt: Er sei gar kein richtiger Dirigent gewesen! ^^


    Schöne Grüße

    Holger

  • Ganz ausgezeichnet ist auch die Aufnahme des Schumann-Konzertes mit Rubinstein/Krips.

    Lieber Holger,


    an diese zu Recht gerühmte Aufnahme hatte ich gar nicht gedacht, sorry!

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    Die Aufnahme wurde 1958 produziert und zählt zu den besten mir bekannten, auch im direkten Vergleich zu der neueren Version Rubinstein/Giulini, die mir ein wenig blaß vorkommt. Auf alle Fälle war die Zusammenarbeit zwischen den beiden Künstlern sehr erfolgreich und, dem Vernehmen nach, auch harmonisch. Was Rubinstein zu dem Urteil gelangen ließ, Krips sei "gar kein richtiger Dirigent" gewesen, erschließt sich mir nicht. Doch Künstler sind mit ihren Urteilen über Kollegen oder "Begleiter" oft nicht recht ernstzunehmen. Da gibt es manche Kuriositäten.


    Das Schumann-Konzert gibt es übrigens auch in diversen Ausgaben auf CD, natürlich gebraucht.


    LG und schönen Sonntag

    Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Auf alle Fälle war die Zusammenarbeit zwischen den beiden Künstlern sehr erfolgreich und, dem Vernehmen nach, auch harmonisch. Was Rubinstein zu dem Urteil gelangen ließ, Krips sei "gar kein richtiger Dirigent" gewesen, erschließt sich mir nicht. Doch Künstler sind mit ihren Urteilen über Kollegen oder "Begleiter" oft nicht recht ernstzunehmen.

    Das hat mich nun auch interessiert. Leider kenne ich nur Rubinsteins erste Autobiograhie. Er hat wohl noch eine zweite geschrieben. Mangels eigener Kenntnisse habe ich google Gemini befragt und erhielt als Antwort auf die Frage:



    das scheint eine gewisse Plausibilität zu haben. Kontrollieren kann ich es leider nicht, da mir das Buch nicht zur Verfügung steht.

  • Das hat mich nun auch interessiert. Leider kenne ich nur Rubinsteins erste Autobiograhie. Er hat wohl noch eine zweite geschrieben. Mangels eigener Kenntnisse habe ich google Gemini befragt und erhielt als Antwort auf die Frage:

    Diese Antwort erhöht meine Skepsis gegenüber KI. Was KI behauptet, davon steht in Rubinsteins zweitem Teil seiner Biographie Mein glückliches Leben schlicht und einfach nichts! Das ist eine Erfindung von KI! Im Register ist nur eine Stelle verzeichnet zu Krips S. 718 und es gibt auch nur diese eine:


    "Etwa um diese Zeit spielte ich mehrere Aufnahmen ein, die ich auch jetzt noch gern höre. Mit dem Österreicher Josef Krips, keinem großen Dirigenten, aber einem fanatischen Musikliebhaber, was sich daran hören ließ, wie er diese herrlichen Werke begleitete, spielte ich das B-Dur-Konzert von Brahms und mein geliebtes c-moll-Konzert von Mozart. Als wir die Aufnahme abhörten, rief Krips hingerissen: >Das ist metaphysisch!<"

    Dichtung und Wahrheit!


    Sehr groß war Rubinsteins Verehrung für George Szell. S. 739:


    Nachdem er schreibt, dass alle die Dirigenten, mit denen er so gerne zusammengearbeitet hätte, nacheinander weggestorben seien in den Jahren, heißt es:


    "Gott sei Dank besitze ich hervorragende Schallplatten und kann in meinen intimen vier Wänden Sinfonien von Schumann, Brahms und Beethoven hören, dirigiert von dem großen, einen und einzigen George Szell."


    Schöne Grüße

    Holger

  • Diese Antwort erhöht meine Skepsis gegenüber KI. Was KI behauptet, davon steht in Rubinsteins zweitem Teil seiner Biographie Mein glückliches Leben schlicht und einfach nichts! Das ist eine Erfindung von KI! Im Register ist nur eine Stelle verzeichnet zu Krips S. 718 und es gibt auch nur diese eine:


    "Etwa um diese Zeit spielte ich mehrere Aufnahmen ein, die ich auch jetzt noch gern höre. Mit dem Österreicher Josef Krips, keinem großen Dirigenten, aber einem fanatischen Musikliebhaber, sich sich daran hören ließ, wie er diese herrlichen Werke begleitete, spielte ich das B-Dur-Konzert von Brahms und mein geliebtes c-moll-Konzert von Mozart. Als wir die Aufnahme abhörten, rief Krips hingerissen: >Das ist metaphysisch!<"

    Faszinierend ! ^^ Skepsis gegenüber Ergebnissen der KI ist immer angebracht.


    Man sollte nie etwas ungeprüft übernehmen oder wenn doch, zumindest als Ergebnis einer generativen KI kennzeichnen. Der Genauigkeit halber sollte man sagen, welches Modell eingesetzt wird. Ich kenne die Temperatur-Einstellungen dieses Gemini Modells nicht, aber 0 dürfte es kaum sein. ;) Da sage einer noch, KI könne nicht kreativ sein. :hello:

  • In meiner Familie wird seit längerem mir vorgeschwärmt, wie toll KI sei. Es ist ja auch oft erstaunlich, gerade im wissenschaftlichen Bereich, was KI kann. ^^ Das Beispiel werde ich natürlich servieren.


    Mir scheint hier KI über sich selbst zu stolpern. Erstaunlich ist, dass KI nicht nur standardisierte allgemeine Antworten gibt, sondern Benutzer orientiert ist. Es antwortet auf individuelle Bedürfnisse, um den Frager zufrieden zu stellen. Dann wandelt es die Antwort so ab, so dass das Fragebedürfnis befriedigt wird. Nur sind die Fragen oft nicht genau.


    In diesem Fall habe ich folgende Vermutung: Ich bin mir ziemlich sicher, tatsächlich gelesen zu haben, dass Rubinstein meinte, Krips sei kein richtiger oder wirklicher Dirigent gewesen. Nur ist die Quelle offenbar nicht Rubinsteins Autobiographie. Ich vermute, dass das in irgend einem Klappentext der älteren RCA-Ausgabe der Rubinstein/Krips Aufnahmen steht. Da gibt es dann einen Autor, der vielleicht eine andere Quelle zitiert hat, etwa eine Krips-Biographie. Daraus hat KI etwas gebastelt weil selbständig gedacht - und wir als Leser können diesen Prozess nicht nachvollziehen und so auch die Fehler nicht erkennen, die sich da eingeschlichen haben. Was aber das ganze Problem von KI zeigt.


    Ich werde nachher mal in den Klappentext der Schumann- Aufnahme schauen. 😄 :hello:

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