Ich halte es allerdings für eine ziemliche Übertreibung, dass ein erheblicher Teil von Böhms (DG) Aufnahmen längere Zeit ernsthaft vergriffen gewesen sei.
Nein, es ist keine Übertreibung. Man muss allerdings differenzieren. Böhms Opernschaffen (und sein Mozart-Requiem) waren eigentlich immer recht gut bis sehr gut repräsentiert. Ganz anders jedoch sein Katalog symphonischer Einspielungen. Die Beethoven-Misere ist ja bekannt, wo ist sein Brahms-Zyklus, seine Tschaikowsky-Symphonien und seine Haydn-Symphonien? Unsere Werbepartner schweigen sich darüber aus, für eine Haydn-Platte muss man wieder Japan bemühen. Und ganz allgemein: dass in Japan eh fast alles immer zu bekommen war und ist, bleibt für viele Musikliebhaber auch heute noch nur ein schwacher Trost. Selbst sein Rennommee-Stück - die Mozart-Symphonien - gibt es erst seit einigen Jahren wieder leicht und vollständig zu erwerben. Über viele Jahre gab es nur die Doppel-CD mit den letzten Symphonien und gelegentliche Billig-CDs mit früheren Werken. Auch sein Schubert brauchte lange, bis er wieder vollständig suf CD erhältlich war.
Dann gibt es eine Reihe ganz hochkarätiger Konzerteinspielungen mit ihm als Begleiter, die auch eher sporadisch als konstant erhältlich waren (das hat sich dann mit den Originals deutlich gebessert). Schließlich war einer der bedeutendsten Strauss-Dirigenten seiner Zeit am Opernsektor immer mit einigen Aufnahmen präsent (wenngleich z.B. Universal zur Zeit darüber nachzudenken scheint, unter welchem Label seine Ersteinspielung der Frau ohne Schatten wiederveröffentlicht werden könnte), aber seine Aufnahmen der Strauss-Orchesterwerke vergammelten lange mehr oder weniger in den Archiven, bis die DG eine 3-CD-Box auflegte.
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