Bayreuth 2013 - Ring des Nibelungen

  • Bayreuth
    Castorf soll "Ring" 2013 in Bayreuth inszenieren
    Der Intendant der Berliner Volksbühne, Frank Castorf, wird voraussichtlich den "Ring des Nibelungen" im Jahr 2013 in Bayreuth inszenieren. Festspielleiterin Katharina Wagner bestätigte in Bayreuth Medienberichte, wonach sie in Verhandlungen mit dem 60-jährigen Theatermacher stehe. "Das ist aber noch keine definitive Zusage", sagte sie. Als Bühnenbildner ist der Serbe Aleksandar Denic im Gespräch.


    "Das Team für den neuen Ring muss noch gefunden werden, solange können wir noch nicht sagen, dass das Ding perfekt ist", erklärte Wagner beim Empfang wenige Stunden vor Beginn der 100. Richard-Wagner-Festspiele.

  • An der Gerüchtebörse wurde der Name Christof Loy hoch gehandelt. Er inszeniert heuer zur Salzburger Festspiel-Eröffnung die „Frau ohne Schatten“. Ausserdem Florian Henckel zu Donnersmarck, der den „Ring“ in Baden-Baden nicht machen wollte.

  • Weiss jemand, ob Castorf schon mal Oper gemacht hat ? Wenn nicht, ist die Zeit bis 2013 sicherlich viel zu kurz. Das wird dann ähnlich wie bei Tankret Dorst sein, der beim letzten Ring ebenfalls kurzfristig einspringen musste und einfach "nicht fertig" geworden ist.


    Loy ist sicherlich versierter, ich glaube, wenn Thielemann mit ihm die "Frau ohne Schatten" macht, dann kann er nicht ganz u schlecht sein.


    Dass Henkel zu Donnersmarkt abgesagt hat, finde ich gut, er soll erstmal sehen, dass er nach seinem bisher einzigen guten Film weiterkommt.

  • Loy ist sicherlich versierter, ich glaube, wenn Thielemann mit ihm die "Frau ohne Schatten" macht, dann kann er nicht ganz u schlecht sein.


    Das hat sich leider als Irrtum erwiesen. Im schlimmsten Falle hätte er den neuen Ring auch in den Sophiensälen spielen lassen. Der unter Solti ist auch dort aufgenommen worden. :D Dass Thielemann ein Garant ist für gute Inszenierungen, gehört indessen leider ins Reich der Legende.


    Dass Henkel zu Donnersmarkt abgesagt hat, finde ich gut, er soll erstmal sehen, dass er nach seinem bisher einzigen guten Film weiterkommt.


    Welcher Film sollte das gewesen sein? ;)


    Gruß Rheingold

  • Danke, lieber Chrissy! Ich hatte es mehr ironisch gemeint, was aber nicht rüberkam. :(
    Ich fand dem Film töricht, schlicht und in nichts stimmig. Allenfalls gut gemeint. Er bekam nur deshalb einen Oscar, weil sich die Amerikaner die DDR so wie in diesem Film vorstellen.


    Dir einen schönen Gruß von Rheingold

  • Danke für die schnelle info, lieber mucaxel.


    Jetzt ist es also amtlich:


    Der Berliner Theatermacher Frank Castorf soll 2013 in Bayreuth den "Ring des Nibelungen" inszenieren. Das gab die Leiterin der Wagner-Festspiele, Katharina Wagner, bekannt. Der ursprünglich vorgesehene Filmregisseur Wim Wenders war bereits im Frühjahr abgesprungen. Frank Castorf ist Intendant der Berliner Volksbühne und hat wenig Opern-Erfahrung. Im Jahr 2013 wird der 200. Geburtstag von Komponist Richard Wagner gefeiert.

    (Quelle: WDR)


    LG

  • Ach ja: Irgendwann von vor 2 Wochen stand (!) bei einer Carmen in München, die blonde Käthe nur wenige Stehplätze von mir entfernt in der Gallerie des Nationaltheaters. Es sah ganz so aus, als würde sie die Münchner Uralt-Insznerung nach Lina Wertmüller geniessen.... :D

  • Auch ich erwarte mir von Castorff bestimmt keine RING-Deutung, die in sich stimmig und klar ist. Aber sowas bekommt man ja ohnehin nicht eben ofr. Nicht in Bayreuth und auch anderswo nur selten. In den letzten 20 Jahren haben mich am ehesten noch die Aufführungen des RING an kleineren Häusern begeistert. Meiningen etwa oder Lübeck!


    Und doch ist Bayreuth und bleibt Bayreuth für mich ein zentraler Ort! Auch das Nichtgelingen von Inszenierungen kann daran nichts ändern. Mit Blick auf den Tristan hat Wagner selbst mal gesagt, er hoffe auf mittelmäßige Aufführungen, da die voll gelingenden das Publikum nicht aushalten könnte.


    Immerhin ist mit Kyrill Petrenko ein ganz großer Wagner-Interpret am Pult des RING! Darauf darf man sich denn doch freuen. Wer seinen Ring in Meiningen gehört hat, hat erlebt, was er mit einer wackeren aber sicher nicht hochklassigen Kapelle aus der Partitur herauszuholen vermag. In Bayreuth aber hat er nun ein phantastisches Orchester. Freut Euch einfach darauf und lasst Euch auch durch die Ankündigung der Inszenierung durch Castorff nicht davon abhalten!
    Und wer keine Karten bekommt, wird eh nur die Übertragung am Radio verfolgen! Dem kann Castroff gleich völlig schnuppe sein!


    Look always on the bright side! (Google-Übersetzung: Schauen Sie immer auf das Positive! Meine Übersetzung: Hören Sie einfach mit den Ohren und nicht mit den Augen!)



    Caruso41

  • Ich wäre dafür gewesen das Hape Kerkeling den Ring inszeniert, wäre bestimmt lustig geworden. Jetzt bin ich nur noch auf die Sänger gespannt. Vielleicht singt Endrik Wottrich ja den Siegfried . Schlimmer als dieses Jahr kann es nicht mehr werden. Wie hieß der Spruch eines Kabarretisten : Erwarten sie nix.

  • Weiss jemand, ob Castorf schon mal Oper gemacht hat ? Wenn nicht, ist die Zeit bis 2013 sicherlich viel zu kurz.


    Finde ich nicht. Denn je weniger einer von Musik versteht, um so eher muß er doch bei den heutigen Regie-Usancen ein hochqualifizierter Opernregisseur sein!

  • Aber ist es nicht so das bisher viele Regisseure die vom Schauspiel kamen und versucht haben Oper zu inszenieren daran gescheitert sind ? Denn ich denke mal das eine Operninszenierung wesentlich komplexer ist als ein Sprechtheater zu inszenieren .

  • Hoffen wir einfach, dass nach einem erneuten (zu erwartenden) Flop , 2014 der Schwesternspuk endlich ein Ende findet und dass wir, wenn Katharina nicht mehr Ihre Berlinerclique nach Bayreuth verpflichten kann, uns endlich wieder auf die Festspiele freuen können!!

  • Tja, Schwachsinn hat Konjunktur!


    Die eigentliche Provokation liegt ja gar nicht mal darin, dass jemand den "Ring" inszenieren wird, der nur wenig Opernerfahrung hat.


    Die viel größere Verhohnepiepelung des Publikums und ein weiterer Beweis für den unaufhaltbaren Abstieg von Bayreuth ist doch, dass da ein fünfzehnstündiges Werk gezeigt wird, das jemand komponiert hat, der vorher nie unter Beweis gestellt hat, dass er ein fünfzehnstündiges Werk komponieren kann!


    Solange man dort weiter immer nur auf Anfänger setzt, wird das nichts mehr werden. Schade. Was waren das für Zeiten, als nur bewährte Kräfte auf die Öffentlichkeit losgelassen wurden!



  • Na ja, über Castorfs Ring wird hier gerichtet, bevor er geliefert hat. Das ist soziologisch nachvollziehbar, birgt aber das Risiko, dass alle, die ihn schon jetzt verdammen, schlecht dastehen, wenn der Ring gut wird.


    Aber vielleicht wird der Prozess - wie üblich - ja selbstverstärkend: Da man die Inszenierung jetzt schon aufs Scheitern festgelegt hat, wird man nach der Premiere kein gutes Haar daran lassen und stattdessen Petrenko über den grünen Klee loben.


    Mir fällt ein, wie Chéreau 1976 von denen verrissen wurde, die den "französischen Ring" schon vorher für gescheitert erklärt hatten. Jedenfalls war das sicher einer den besten Ringe nach der Wieland-Wagner-Ära.

  • Na ja, über Castorfs Ring wird hier gerichtet, bevor er geliefert hat. Das ist soziologisch nachvollziehbar, birgt aber das Risiko, dass alle, die ihn schon jetzt verdammen, schlecht dastehen, wenn der Ring gut wird.


    Lieber Wolfram,
    es stimmt nicht, dass über Castorfs Ring gerichtet wird. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass wiederum ein Fremdarbeiter ein musikalisches Werk gestalten soll. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß du deinen Blinddarm von einem Friseur operieren läßt, nur weil der sein Rasiermesser perfekt beherrscht.

  • Aber ist es nicht so das bisher viele Regisseure die vom Schauspiel kamen und versucht haben Oper zu inszenieren daran gescheitert sind ? Denn ich denke mal das eine Operninszenierung wesentlich komplexer ist als ein Sprechtheater zu inszenieren .


    Seit nicht mehr aus dem Geiste oder nach der Musik inzeniert wird, ist es nach meiner Beobachtung völlig egal, wer was auf die Bühnen stellt. Die Musik ist doch in vielen Opernhäusern längst zur Nebendsache geworden. Dirigenten und Sänger, so es die überhaupt noch gibt für Wagner, können für sich und das Publikum aus einer absurden Inzsnierung keinen Ruhm gewinnen. Ich möchte auch schauen im Theater und nicht nur hören. Deshalb gehe ich ins Theater. Die Wirkung einer Aufführung ergebt sich doch erst aus der Summer aller Aspekte. Über Thielemanns Bayreuther Ring, der gut dirigiert war, wird in zehn Jahren auch niemand mehr reden wie über Knappertsbusch oder Keilberth oder den legendären Triller der Schwarzkopf in den Meistersingern. Das Verfallsdatum von Mitschnitten wird heutzutage immer kürzer.


    Dass Castorff jetzt nach Bayreuth geht, wundert mich nicht. Er passt ins jetzige Bild. In Berlin ist er 2012 das zwanzigste (!!!) Jahr Intendant der Volksbühne. Damit ist er länger der Boss als jeder alte Knacker in der Politik, was gerade in der Volksbühne immer scharf auf die Schippe genommen wurden. Ich halte ihn künstlerische für völlig ausgebrannt und meide sein Haus seit ich dort den von ihm inzenierten Lear gesehen habe, der nichts aber auch gar nicht mehr mit Shakespeare zu tun hatte. Ich glaubte, den Lear gut zu kennen, wusste aber von Anfang an nicht, in welchem Stück ich mich befand. Es wurden zum Teil völlig unbekannte Texte geschrienen. Auf der Bühne wälzten sich irgendwelche Typen, die der Handlkung nicht zuzuordnen waren, herum, die Fleischbatzen durch die Gegend schmissen und lautstark in Zinkeimer urinierten.


    Aber es gibt ja auch Kreide, die man verzehren kann. ;)


    Viel Spaß in Bayreuth 2013 wünscht Rheingold

  • Lieber Wolfram,
    es stimmt nicht, dass über Castorfs Ring gerichtet wird. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass wiederum ein Fremdarbeiter ein musikalisches Werk gestalten soll. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß du deinen Blinddarm von einem Friseur operieren läßt, nur weil der sein Rasiermesser perfekt beherrscht.


    Na, lieber Milletre, Dein Beitrag führt sich schon alleine ad absurdum.


    Castorf hat, wenn ich richtig informiert bin, den "Otello" (Verdi) inszeniert und eine Umgestaltung der Meistersinger.


    Chéreau hatte vor seinem Ring wohl nicht viel mehr als "Hoffmanns Erzählungen" inszeniert - wenn jemand mehr weiß, wäre ich dankbar.

  • Volksbühnenintendant Frank Castorf (60) fand Berlin zu DDR-Zeiten spannender als jetzt. „Vor dem Mauerfall war die Stadt heiß und cool. Der Westen hatte zwar Eberhard Diepgen, aber auch David Bowie. Und im Osten waren es Erich Honecker und Heiner Müller“, sagte der in Ost-Berlin geborene Theatermacher in einem Interview der „Bild“-Zeitung. „Jetzt aber ist die Stadt durch ihre Verschwäbelung lau geworden.“ Dennoch sei es nach wie vor eine besondere Stadt.


    Foto: picture-alliance/ dpa/dpa
    Schwabenfeindliches Plakat im Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg


    Auf die Frage, ob ihm immer noch die "bioernährten Kritikerinnen in Birkenstock-Sandalen" aufstießen, antwortete der Theatermacher: "Ich liebe halt Frauen in Pumps. Ich bin fetischistisch veranlagt, was soll ich da tun?" Ist doch klar: 2013 in Bayreuth den Ring inszenieren, die Rheintöchter bitte in Pumps...



    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Auf die Frage, ob ihm immer noch die "bioernährten Kritikerinnen in Birkenstock-Sandalen" aufstießen, antwortete der Theatermacher: "Ich liebe halt Frauen in Pumps. Ich bin fetischistisch veranlagt, was soll ich da tun?" Ist doch klar: 2013 in Bayreuth den Ring inszenieren, die Rheintöchter bitte in Pumps...

    Das wäre nicht Castorffs Ding, weil ja in den letzten Ring-Inszenierungen landauf landab schon Rheintöchter im Pumps zu erleben waren!

  • Frank Castorf sieht sich nicht als Teil der deutschen Gesellschaft. Wie er der "Süddeutschen Zeitung" sagte, habe er "einen großen Abstand zur Gesellschaft, die ich durch und durch verlogen finde". Er könne dafür auch das Wort "Hass" benutzen. Weiter: "Unsere anglo-amerikanisierte Gesellschaft ist langweilig, dumm und bevormundend, unerträglich kleinbürgerlich". Das findet er beleidigend für jede Form von Intellektualität.


    Ich sehe voraus, dass er noch scharfe Diskussionen auslösen wird, wenn man ihn in Bayreuth machen lässt.


    Schönen Abend noch...
    Portator

  • Zitat

    Zitat von Portator: Frank Castorf sieht sich nicht als Teil der deutschen Gesellschaft. Wie er der "Süddeutschen Zeitung" sagte, habe er "einen großen Abstand zur Gesellschaft, die ich durch und durch verlogen finde". Er könne dafür auch das Wort "Hass" benutzen. Weiter: "Unsere anglo-amerikanisierte Gesellschaft ist langweilig, dumm und bevormundend, unerträglich kleinbürgerlich". Das findet er beleidigend für jede Form von Intellektualität.

    Da frage ich mich, warum er nicht schon längst ausgewandert ist, wenn er unsere Gesellschaft für langweilig, dumm, kleinbürgerlich hält. Weiterhin frage ich mich, ob es dann noch - außer den beiden Frauen von Bayreuth - in unserer Gesellschaft Leute gibt, die noch dahin pilgern. So zu unserer Gesellschaft zu stehen und trotzdem deren Vorteile genießen wollen, ist doch die größte Verlogenheit in sich.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Da frage ich mich, warum er nicht schon längst ausgewandert ist, wenn er unsere Gesellschaft für langweilig, dumm, kleinbürgerlich hält.


    Tja. Flucht ist immer die einfachere Lösung. Er gibt der Gesellschaft eben eine Chance zur Veränderung. :D


    Weiterhin frage ich mich, ob es dann
    noch - außer den beiden Frauen von Bayreuth - in unserer Gesellschaft Leute gibt, die noch dahin pilgern.


    Darüber würde ich mir keine Sorgen machen - jedenfalls nicht, solange es Opernfreunde gibt, die nicht "langweilig, dumm und kleinbürgerlich" sind. Die haben ja offenbar eine Chance, Castorfs Arbeiten zu mögen. :hello:


    Das Thema mit "Langweiligkeit", "intellektuellem Anspruch" und "Bedienung bourgeoiser Bedürfnisse" in gewissen altmodischen Inszenierungen hatten wir schon, oder?

  • so schnell kann man im "sozialistischen Realismus" landen, auch wenn es sich hier nicht um eine Brecht-Lehrstunde handelt.


    Haben wir alles schon gehabt: Hitler und seine Verbrecher-Gesellen haben bekanntlich "entartete" oder "verjudete" Komponisten, Schriftsteller und deren Werke auf den Index verbannt, sein Bruder im Geiste, Stalin, verfuhr mit den ihm Mißliebigen ähnlich (siehe Schostakowitsch und andere) - also immer, wenn soziale Ideologien zuschlugen, wurde die Kunst tödlich verwundet.