Schubert: Symphonie Nr. 4 c-Moll D 417 "Tragische" – Beiname verfehlt?

  • Ich habe, weil die Box noch vom Abhören der 2. Sinfonie in Griffnnähe lag, die vierte rausgeholt und gehört, einerseits zum blossen Hörvergnügen, andrerseits um zu Überprüfen inwieweit die Kritik am Titel gerechtfertig ist. Also keine analytische Rezension, lediglich ein flüchtiger Eindruck. Und hier sind wir schon beim ersten Satz. Ich empfand ihn ein wenig hemdsärmelig und tendenziell übersteuer, mehr Kraft als Musik (wir finden das im 4 Satz erneut) der 2. Satz ausgesprochen lieblich und innig, der dritte Satz ist von der Klangsprache stellenweise typisch schubertisch - unverkennbar. Im 4. Satz etwas mehr Zusammenhalt und Konzept als im ersten, beispielsweis der eher triumphierende als tragische Schluss, aber dennoch vom Kraftausdruck überzogen, ungestüm und nicht idel ausbalanciert. Inwieweit das dem Charakter der Komposition, inwieweit Blomstedts Dirigat anzulasten ist, kann man lediglich im Vergleich mit andern Aufnahmen ausloten.

    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Die vierte Sinfonie war die andere Wiederentdeckung meiner neuerlichen Auseinandersetzung mit Schuberts sinfonischen Werk.

    Ich finde sie nicht ganz so ein gelungenes Werk wie die zweite, jedoch ist Schuberts C-Moll Sinfonie ein gewagtes Werk mit vielen schönen Passagen und auch einer der Jugendsinfonien in der Schuberts Stil deutlich spürbar ist. Der Beiname „die Tragische“ ist vielleicht etwas weit hergeholt, denn an der Musik merkt man davon wenig und das Werk endet in Triumph. Sie ist, ähnlich wie Haydns späte Moll Werke, eher eine Moll-Dur Auseinandersetzung, bei der C-Dur den Sieg davonträgt.


    Auffallend ist die langsame Einleitung zum Kopfsatz, die zu der Zeit bei einem Werk in Moll eher unüblich war. Selbst Haydn, der in seinen späten Sinfonien die langsame Einleitung zum Standart gemacht hatte, beginnt seine C-Moll Sinfonie (Nr. 95) direkt mit dem Allegro. Das folgende Hauptthema erinnert mich etwas an Mendelssohn und wird immer wieder von Tutti Einwürfen unterbrochen. Ein etwas unruhiger Satz der dann schließlich in Dur endet.


    Das eigentliche Juwel der Sinfonie ist der folgende langsame Satz, wahrscheinlich der beste zweite Satz der Jugendsinfonien. Ein hymnen-artiger Abschnitt, der etwas an die Adagios der späten Haydn Sinfonien erinnert, wird einer unruhigen Minore gegenübergestellt. Diese kehrt ein zweites mal wieder und bildet einen effektiven Kontrast zu der Ruhe des ersten Abschnitts.


    Das rustikale Menuett (fast mehr ein Scherzo) in Es-Dur ist auch ein sehr gelungener Satz, der schon auf das Scherzo der großen C-Dur Sinfonie vorausblickt. Auch hier verwendet Schubert nicht das übliche C-Moll oder C-Dur, sondern eine kontrastierende Tonart.


    Das Finale beginnt in C-Moll, wendet sich aber bald zu Dur und der Satz schließt in einem triumphalen C-Dur (Anlehnung an Beethovens C-Moll Sinfonie?). Es ist ein sehr mitreisender Satz, der aber nicht voll überzeugt. Waren es bei der zweiten Sinfonie eher die Ecksätze die das Werk ausgemacht haben, so sind es hier die Binnensätze die mich am meisten überzeugen.


    Ich finde übrigens Blomstedts Dirigat bei diesem Werk sehr gut, auf jedem Fall besser als die Naxos CD mit der ich das Werk vorher hörte.

    LG aus Wien.:hello: