"Singbare" Chormusik des 20./21. Jahrunderts?

  • Lieber moderato, bei Elder möchte ich Dir folgen (wobei ich bei "365" einige Abstriche machen würde), bei Zi-Xiao He kann ich nicht mehr folgen - für meinen Geschmack ist es zu unharmonisch, auch wenn das Ende beinahe versöhnt.


    Aber für einen Laienchor z.B. ist das Stück m.E. unsingbar, weil es auf schmalem Grat immer gerade an der Katastrophe vorbei schrammt.

    Lieber m-mueller


    Wo endet der Laien-Chor und wo beginnt das Profi-Ensemble? Ich singe seit über 40 Jahren in Chören und Chorprojekten und wenn es vertrackter, unharmonischer und anspruchsvoller wird, schätze ich dies. Singbar war alles, was ich bisher an Noten vor mir hatte. Ich bin ein Laien-Snger ohne Stimmausbildung, der aber als geschulter Bläser über Atemtechnik verfügt.


    Eine reine Intonation kann schon in harmonisch gesetzten Chor-Sätzen zur Herausforderung werden und aus dem Ruder laufen.


    Elder hat "365" nach den Amokläufen in amerikanischen Schulen komponiert. Es wird oft in amerikanischen Chören gesungen. Die sparsam gesetzte Perkussion und die Reduktion auf Männerstimmen sind der Reiz.


    Der Choral von Kevin Zi-Xiao He sehe ich als singbar an. Welche Chorwerke ein Chorleiter aussucht, misst sich an den Möglichkeiten der Sänger. Spass sollen die Proben machen.


    LG moderato

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Stephen Paulus (1949 - 2014), The road home - Voces8


    Modernes aber sehr singbares Stück, wie üblich von Voces8 makellos interpretiert


  • Der von mir an sich nicht sehr bevorzugte Komponist John Rutter (häufig zu süßlich, als Dirigent leitet er die großartigen Cambridge Singers) hat auch schöne Stücke geschrieben, z.B. dieses hier:


    , Cambridge Singers

  • Urmas Sisask, geboren 1960, mit einem schönen Stück: Oremus - S:t Jacobs Vocal Ensemble, Stockholm. Chorisch atmen wird wohl nicht immer durchgehalten, es scheinen ein paar kleine Löcher in der Aufführung zu sein, ansonsten aber gut


  • Ein schlichtes, vor allem für Laien-Kirchenchöre sehr singbares, dabei sehr eindringliches kleines Werk ( Dauer ca. 20 Minuten) ist die "Missa pro Patria" (1940) des schweizer Komponisten Johann Baptist Hilber. Das "Ensemble Corund" hat eine schöne CD davon produziert (kann sie leider nicht verlinken).


    Die zu den "Kleinen Festmessen" der Katholischen Kirche zu rechnende Missa gehört inzwischen vor allem im süddeutsch-österreichisch und natürlich schweizerischen Raum dem Kanon an. Ihre äußerliche Schlichtheit darf aber nicht über ihre große Wirkung hinwegtäuschen (Fassung für 9 Bläser und Orgel). Die Verbindung von fast gregorianisch anmutender Schlichtheit und äußerster Verknappung der Stilmittel mit eindringlicher, ergreifender Melodik ist für mich eine besondere Leistung Hilbers'

    VG
    Otello50

  • Zitat von Otello50

    (kann sie leider nicht verlinken

    Hier eine Aufnahme, ob es deine ist lieber Otello?



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ja, lieber Fiesco, das ist die Aufnahme. Herzlichen Dank fürs Verlinken Seltsamer Weise fehlt das Credo.


    LG

    Otello50