Jean Sibelius: Symphonien – Welcher Zyklus ist der beste?

  • Auf Wikipedia in englischer Sprache ist eine ausführliche Aufstellung der Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Jean Sibelius abrufbar. Es sind 45 Stück samt derjenigen von Klaus Mäkelä und den Oslo Philharmonic.


    https://en.wikipedia.org/wiki/…_Sibelius_symphony_cycles

    .

    Früher war ich morgens froh, des Abends weint´ ich

    Jetzt da ich älter bin

    beginn ich zweifelnd meinen Tag

    doch heilig und heiter ist mir sein Ende.


    Friedrich Hölderlin

  • Auf Wikipedia in englischer Sprache ist eine ausführliche Aufstellung der Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Jean Sibelius abrufbar. Es sind 45 Stück samt derjenigen von Klaus Mäkelä und den Oslo Philharmonic.


    https://en.wikipedia.org/wiki/…_Sibelius_symphony_cycles

    .

    Die Seite habe ich auch vor einiger Zeit entdeckt.

    Ganz vollständig ist sie jedoch nicht, es fehlen die im Herbst letzten Jahres erschienene GA von Sachio Fujioka mit dem Kansai Philharmonic Orchestra sowie die kürzlich auf Bluray und DVD erschienene GA von Paavo Berglund mit dem Chamber Orchestra of Europe.

    Bei letzterer handelt es sich um eine andere als die schon lange veröffentlichte auf CD, die CD-Aufnahmen entstanden im September 1995 (Nr. 4, 6 & 7: Watford Colosseum London), Dezember 1996 (Nr 5: Nijmegen Town Hall) und Oktober 1997 (Nr. 1, 2 & 3: RFO Hall Hilversum). Die DVD/Bluray-GA wurde hingegen vom 23.-25. August 1998 beim Helsinki Festival aufgenommen.

    Insgesamt gibt es mittlerweile also 47 Gesamtaufnahmen.


    Ich habe leider keine Ahnung, wie man bei Wikipedia editiert, ansonsten würde ich die beiden fehlenden GA sowie die fehlenden Informationen der Otaka- und Mäkelä-GAs eintragen. Vielleicht passiert das aber noch in nächster Zeit, immerhin hat ja schon jemand erste Informationen zur Mäkelä-GA eingepflegt.


    Liebe Grüße

    Amdir

  • RE: Saraste (Finlandia)

    Für die neueren Aufnahme müsste ich mal interessieren, vielleicht Jukka-Pekka Saraste?


    Bei Saraste war ich der Meinung, dass der in seiner Kölner Zeit einen Sibelius-Zyklus aufgenommen hätte. Hat er aber nicht (es sei denn, der WDR würde die Mitschnitte veröffentlichen, denn als Saraste ging, hatte er fast das gesamte Sinfonische Schaffen Sibelius' im Konzert aufgeführt.

    Lieber Thomas,


    wenn Du von Barbirolli (EMI) als einen Deiner Favoriten-GA bereits geprägt bist, dann wird Dir Saraste (FINLANDIA, 80er-90er) absolut langweilig vorkommen.

    Seine GA ist dermaßen nüchtern, dass ich diese bereits vor vielen Jahren wieder aus meiner Sammlung entfernt habe. Ich schätze Barbirolli (EMI), Ashkenazy (Decca) und Bernstein (SONY + DG) bei Sibelius ... ;) die sind nun aus ganz anderem Holz geschnitzt.


    Ich bin mir auch sicher, dass Saraste seine Interpretation später in seiner Kölner Zeit stark zum Positiven verändert hat, denn was ich von dem späten und reifen Saraste mit dem Kölner RSO höre (Beethoven, Brahms - GA), das kann sich sehen und hören lassen.




    Berglund / Chamber Orchestra of Europe


    Lieber Amdir,


    :hello: Meinen Dank ebenfalls auch an Dich für seine präzisen Ausführungen zu der Sibelius-GA mit Mäkelä.

    Du erwähntest auch, das der frühe Saraste bei seinem Sibelius sehr nüchtern daherkommt ...



    Mir geht es auch bei Paavo Berglund so, dass seine 3 GA mir immer folgend mit dem Helsinki PO und COE immer weniger hörenswert erscheinen, als angefangen mit seiner spannenden GA mit dem Bournemouth PO (EMI).

    Deshalb meine Frage an Dich, wie Du die letzte Berglund - GA auf DVD / BluRay, die mit dem Chamber Orchestra of Europe im August 1998 beim Helsinki Festival gefilmt wurde, beurteilen würdest !??!

    Da habe ich teils begeisterte, teils weniger positive Kritiken gelesen ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Lieber teleton,

    Sarastes Finlandia-GA habe ich länger nicht mehr gehört, ich weiß aber noch, dass mir die RCA-GA insgesamt besser gefallen hat. Die RCA-GA wurde ja vor einiger Zeit zum ersten Mal wieder neu aufgelegt, nachdem sie lange nicht mehr erhältlich war (nur gebraucht in zahlreichen, teuren Einzel-CDs). Bei der RCA-GA ist der Preis-Leistungs-Faktor enorm; 8 CDs mit nahezu allen wichtigen Orchesterwerken von Sibelius (Kullervo und Pelleas und Melisande fehlen), für den geringen Preis ist schon ein tolles Angebot, gerade für den Einstieg.


    Zu der Berglund-COE-GA auf Bluray/DVD kann ich leider noch nicht viel sagen, ich habe bislang nur einmal ein wenig reingehört. Da ich von der Bildqualität enttäuscht war (im meinem Falle von der Bluray), habe ich die GA zunächst einmal ruhen lassen, da ich zum Erscheinungszeitpunkt ohnehin nicht so viel Zeit hatte. Die Bildqualität spiegelt nämlich deutlich das Alter der Aufnahmen (TV-Aufnahmen) wider, trotzdem wird auf der Rückseite der Bluray-Hülle mit HD geworben ("This material has been upscaled from its original standard-definition source for presentation at HD resolution (1920x1080).") Ich hatte mir aber ohnehin vorgenommen, mir die GA demnächst zu Gemüte zu führen, dann kann ich gerne mehr dazu sagen.


    Liebe Grüße

    Amdir

  • David Hurwitz hat die GA von Mäkelä mittlerweile auch gehört und...


    hasst sie ^^


    33 Minuten lässt sich Hurwitz in nachstehendem Video über die GA aus:



    Vieles, was ich in meinen ersten Eindrücken niedergeschrieben habe (die streicherzentierte Balance, die Temposchwankungen, die fehlende Dramatik der Höhepunkte), finde ich in dem Video wieder. Ebenso sieht Hurwitz aber auch vieles deutlich schlechter als ich (mir gefällt zum Beispiel der melancholische Ansatz der letzten CD mit der 7. Sinfonie, Tapiola und den drei Fragmenten). Einiges was er erwähnt (z.B. das Ende der 2. Sinfonie, den Mittelsatz der 5. Sinfonie, die 6. Sinfonie allgemein), habe ich beim ersten Hören sehr gegenteilig empfunden, da werde ich auf jeden Fall beim nächsten Hördurchgang drauf achten.


    Es war abzusehen, dass Hurwitz die GA verreißt, immerhin betont er in seinen Videos immer wieder die Wichtigkeit der Bläser in den Sinfonien und dass er kein Fan von "Micromanaging" ist.

    Ich kann jedoch auch viele der Kritikpunkte wie auch das spärlich gesäte Lob in Hurwitz Besprechung nachvollziehen und bin gespannt, wie ich die GA beim Zweithören empfinde (insbesondere bei den so harsch kritisierten Passagen, die ich anders empfunden habe).

    Ich kann auf jeden Fall trotzdem nur empfehlen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Immerhin kann jeder Mensch die Musik und die Interpretationen anders wahrnehmen als Hurwitz, ich oder irgendjemand anderes es tun. Dennoch kann dieses Video für den ein oder anderen hier sicher sehr interessant sein.


    Liebe Grüße

    Amdir

  • Herr Hurwitz ist ein A......... . Mit der drastischen Wortwahl im Titel seiner Kritik disqualifiziert er sich:


    "Mäkalä Makes Mincemeat Out Of Sibelius". übersetzt: Mäkalä macht Hackfleisch aus Sibelius.


    Dieser Kritiker ist Teil der grassierenden Aufregungskultur, die sich in Szene zu setzen weiss und leider zu viel Beachtung erhält.

    Früher war ich morgens froh, des Abends weint´ ich

    Jetzt da ich älter bin

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    doch heilig und heiter ist mir sein Ende.


    Friedrich Hölderlin

  • Ab und zu habe ich schon etwas von Hurwitz gelesen, einiges mehr über ihn. Es ist grenzwertig widerlich wie er sich in Szene setzt oder dorthin gesetzt wird, unsere Freunde bei Milwaukee lächeln bei (deutschen ?) Aufregungen über seine Beiträge, in Gesprächen über ihn geht es seltenst um sachliche Dinge, eher um das Wie und Wieviel. Wie hier inzwischen auch, sind die Amis schon lange, lange von der Idee besessen - sie mag ja durchdringend sein -, dass eine Meinung über irgendetwas eine "Marke" sein müsste oder zumindest eine solche "implementiert" sein sollte. Der Herr Hurwitz geht regelrecht in dieser an sich (einfachen) Idee auf, darf sich seines Beifalles oder Wohlwollens nahezu gewiss sein, bleibt aber auch manchmal darin stecken, verheddert auch verplappert sich, wobei die Erinnerung an eine solche Szene oft ins "ungefähr" Angenehme oder zumindest Affirmative mündet oder entsprechend verquaast/ verbabbelt wird, wenn die angestrebte Wirkung sich nicht sogleich einstellt. Von Musik ist dann schon längst keine Rede mehr... O je. ;(


    (der Schaden für allewelt ist wahrscheinlich ziemlich gering)

  • 33 Minuten lässt sich Hurwitz in nachstehendem Video über die GA aus

    Danke für den Hinweis darauf, lieber Amdir. Ich habe mir das Video letzte Nacht noch angesehen und will nicht verhehlen, dass es mich insgesamt amüsiert hat und hie und da auch zum Schmunzeln brachte. Über Hurwitz' Stil und Selbstinszenierung wurde schon viel gesagt. Es ist natürlich sehr amerikanisch, was uns hierzulande eher befremden mag. In der Sache hat Hurwitz hier allerdings schon seinen Punkt, auch wenn er m. E. (man möchte hinzufügen: wie üblich) überzieht. Er geht ja Symphonie für Symphonie im Detail durch und benennt seine Kritikpunkte. Meine persönlichen Höreindrücke waren zwar bisher deutlich positiver (ich hörte bislang Nr. 1-5), aber es ist zumindest interessant, dass auch mir die Vierte als das große Highlight dieses Zyklus erscheint, die sogar Hurwitz fast vollumfänglich lobt (abgesehen vom dritten Satz). Die Streicherlastigkeit in Mäkeläs Interpretation ist nicht zu leugnen. Ob man daraus dann zwangsläufig eine von Hurwitz unterstellte Unfähigkeit des Dirigenten hinsichtlich der Orchesterbalance ableiten muss, ist eine andere Sache. Was ich bislang so von diesem jungen Finnen hörte (man ist zumeist auf Live-Aufnahmen angewiesen), fand ich doch im Großen und Ganzen sehr vielversprechend. Kurzum: Mäkelä ist Hurwitz' Fall nicht. Dazu müsste er mindestens 45 sein, so sein Tenor. Allein Mäkeläs blitzartiger Aufstieg macht ihn dem Kritiker verdächtig. Dass aufgrund der Optik ein gewisser zusätzlicher Hype dahinterstecken mag, den Decca geschickt ausnutzt, will ich nicht mal in Abrede stellen. Spannend fand ich, dass Hurwitz bei Mäkelä stellenweise Anklänge an Karajan hören will, was in Sachen Sibelius andererseits nicht eben die übelste Feststellung wäre (der Komponist selbst lobte Karajan bekanntlich).

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • David Hurwitz dürfte frohlocken, wie wenig Resonanz der neue und von ihm fast durchweg verrissene Zyklus von Mäkelä zumindest hier im Forum hervorruft. Soviel ich hörte, soll er in Skandinavien trotzdem ein Beststeller sein (was andererseits nicht verwundert). Beim Werbepartner rangiert er derzeit auf CD-Verkaufsrang 131, was jetzt nicht nach übermäßig weit vorne klingt. Ich habe mir diese Gesamtaufnahme mittlerweile auch komplett angehört und finde, dass sie insgesamt schon ihre Meriten hat. Die ersten Symphonien gefallen mir durchweg; den Höhepunkt stellt für mich die Vierte dar. Danach geht es aber m. E. etwas bergab. Am wenigsten sagte mir die Siebte zu. Erstaunlicherweise überzeugte mich die Tondichtung "Tapiola" hingegen dann schon, die ja im Umfeld der Siebten einzuordnen ist.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid