Anita Välkki ( 25.10.1926 - 27.04.2011 )

  • Anita Välkki


    Die Sopranistin wurde am 25.10.1926 in Sääksmäki geboren und studierte bei Tyyne Haase, Jorma Hurrunen und Lea Piltti in Helsinki.
    Sie gab 1954 ihr Konzert- und 1955 ihr Bühnendedüt in Helsinki.
    Sie zählte zu den großen Hochdramtischen Sängerinnen ihrer Zeit wovon zum Beispiel eine
    Aida neben Set Svanholm und eine Walküre zeugnis ablegen.
    Ferner gibt es mit ihr von Leeni Annti Madetoja die Oper Juha, von Aulis Heikki Sallinen Der Reitersmann und auf DVD Richard Wagners Der fliegende Holländer von 1989 unter Leif Segerstam
    Ich bemerkte leider erst heute das die Sopranistin bereits am 27.04.2011 in Helsinki verstarb.

  • Sie zählte zu den großen Hochdramtischen Sängerinnen ihrer Zeit


    Ob Anita Välkki wirklich zu den großen hochdramatischen Sängerinnen in ihrer Zeit gezählt werden kann, kann man vielleicht bezweifeln.


    Sie hatte eine sehr gut sitzende und klangschöne Stimme. Immerhin hat sie 1963 und 1964 in Bayreuth die Brünnhilde in der Walküre und die dritte Norn gesungen.
    Beim Publikum hat sie damals eher keine Begeisterung wecken können. Sie sang verlässlich und schön. Aber den Sinn der Worte zu erhellen, gar auszuloten und zu deuten, war ihre Sache nicht. Und hinzu kam, dass sie die Ausstrahlung einer liebenswürdigen Hausfrau hatte. In ihr Wotans Wunschmaid zu sehen, fiel schwer! Ich war nicht der Einzige, der damals sehr unzufrieden mit dieser Besetzung der Brünnhilde war.


    Später habe Anita Välkki mal in Lahti in einem Konzert erlebt, in dem sie Kinderlieder aus verschiedenen Ländern sang. Das war wunderschön und anrührend zugleich.
    Also: nichts gegen Frau Välkki, aber war sie wirklich eine große Hochdramatische??


    Caruso41

  • Es scheint ein Zeichen unserer Zeit zu sein, dass alles gleich groß sein muss - sonst zählt es nicht. Anita Välkki verfügte über eine in allen Lagen gut entwickelte, tonschöne, strahlkräftige Stimme mit einer besonders sicher sitzenden Höhe. Alles Voraussetzungen, um im hochdramatischen Fach ausgezeichnete Leistungen zu bringen. Diese brachte Frau Välkii auch. Ihre Walküren-Brünnhilden in Bayreuth waren sehr solide, beachtliche Gesangslistungen. Natürlich waren ihr die damals ebenfalls in Wolfgang Wagners legendärer Ringinszenierung eingesetzten Sopranistinnen Birgit Nilsson stimmlich und Astrid Varnay darstellerisch überlegen. Dennoch wird und sollte Frau Välkki der Opernwelt als grundsolide, verlässliche Sängerin in Erinnerung bleiben. Ich glaube wir wären froh, wenn wir heute einige Hochdramatische mit ihren Fähigkeiten hätten.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Dennoch wird und sollte Frau Välkki der Opernwelt als grundsolide, verlässliche Sängerin in Erinnerung bleiben.

    Danke, lieber Operus, dass Du meine Einschätzung stützt!


    Es scheint ein Zeichen unserer Zeit zu sein, dass alles gleich groß sein muss - sonst zählt es nicht.


    Ja, die Superlativgeilheit ist schon ein Problem. Ein verlässlicher Tenor wird zum Grössten ausgerufen und eine junge Sopranistin, die einstweilen noch nicht viel mehr als eine nette Stimme bieten kann, zum rising star! Kaum jemand mag noch differenzieren. Das scheint zuviel Mühe. Dabei wäre es doch der Verständigung sehr förderlich.


    Aber noch ein Wort zu Välkki:
    Auf Youtube gibt es von ihr Isoldes Liebestod - einmal gesungen im Konzert unter unter Jussi Jalas (Schwarz-Weiß-Video) und einmal aus einem Konzert unter Barbirolli von 1965!
    Beide Aufnahmen sind sehr interessant, weil man hier hören kann, wie mühelos die Stimme sich entfalten konnte und wie schön so klang. Es gibt heute wohl keine Isolde, die vergleichbar üppig in der Mittellage klingt und in der oberen Lage so wundervoll aufblüht.
    Leider aber wird auch deutlich, dass Välkki wirklich nicht viel mit den Worten anzufangen weiss und dass weder das Rauschhafte dieses Gesanges noch die Verklärung wirklich ihre Sache war. Immerhin klingt sie unter Barbirolli deutlich engagierter als unter Jalas.



    Trotzdem rate ich, beide Aufnahmen mal anzuhören! In Zeiten von Behrens und Meier, Watson und Theorin, Herlitzius und Brewer sind die Aufnahmen schon ein Ausflug in eine andere Welt!




    :angel:

  • Lieber Caruco,


    Völlige Übereinstimmung bei Deiner Beurteilung der Heroinen - sofern man diese überhaupt so bezeichnen darf - die gegenwärtig aktuell sind und das Fach dominieren.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!