Wolfgang Amadeus Mozart - Serenaden und Divertimenti

  • Durch Hörerlebnisse und Zukäufe neuerer Zeit habe ich deas Bedürfnis, Mozarts Serenaden und Divertimenti wieder ein wenig in den Focus des Interesses zu holen. Es gab zwar bereits einen Thread über die kleine Nachtmusik und einen allgemeinen, jedoch scheint mit vor allem der "Allgemeine" schon ein wenig unübersichtlich und "abgenutzt, so daß ich versuchen möchte, das Thema mit der derzeitigen Tamino-Crew neu aufzurollen. Mozartrs Serenaden - so ist zumindest mein Eindruck - bedürfen besonders engagierte Interpretation , um beim heutigen Hörer Satisfaction zu erzielen. -/Nein das ist nicht bei jedem Werk Mozarts der Fall !!)
    Wie nun beginnen ? Ich schlage mal vor, einige besonders markante Stücke zu charakterisieren - oder auch zu "rezensieren", vielleicht mit kurzer "Biographie" des jeweiligen Werkes. Dann der persönliche Eindruck - und allenfalls noch Bemerkungen zu bekannten oder im eigenen Besitz befindlichen Aufnahmen.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Vielleicht starten wir auch mit einem kurzen und groben Überblick über die doch recht unübersichtliche Werkgruppe der Divertimenti und Sonaten. Mozart deckt ja einen großen Bereich mit seinem Schaffen in dieser(diesen) Gattung(en) ab, von einer dediziert kammermusikalischen Faktur bis hin zum großorchestralen Format


    Eindeutig kammermusikalisches Format in der Ausdehnung der Komposition und auch in der Besetzung haben z.B. die Divertimenti KV 439b für 3 Bassethörner. Damit ist aber keineAussage hinsichtlich des kompositorischen Gehaltes der Werke getroffen


    Eine Mittelposition nehmen die Werke für Bläserensemblesein. Hier hat Mozart etwas maßstäbliche Werke für die Harmoniemusik, also das typische Ensemble aus jeweils 2 Oboen, Klarinetten, Fagotten und Hörnern geschaffen. Dabei führte er diese noch relativ junge Gattung (explizite Harmoniemusik gibt es seit den Bach-Söhnen und der Mannheimer-Schule) zu einer bisher nicht gekannten Höhe. Hinsichtlich der Besetzung zeigte sich Mozart dabei aber experimentierfreudig bis hin zur in jeder Hinsicht großformatigen Gran Partita KV 361.
    In dieser Mittlerposition zwischen Kammermusik und Orchestermusik würde ich auch z.B. die Kleine Nachtmusik oder die Divertimenti KV 136-138 verorten. Es wurde bei diesen Werken lange diskutiert, ob sie kammermusikalisch (also solistisch in jeder Stimme) oder orchestral aufzuführen seien. Gemeinsam mit der Bläserkammermusik haben diese Stücke dieses Changieren zwischen einem kammermusikalischen Ansatz und z.T. orchestraler Klangentfaltung.


    Schließlich bleibt noch die Gruppe der dediziert orchestralen Serenaden und Divertimenti. Diese sind in der Regel für akademische oder private Feiern enstanden. In der Besetzung pendeln sie zwischen eher kammermusikalischer Faktur, was für ein kleines Ensemble (Kammerorchester) spricht, bis hin zu sinfonisch zu nennender Orchesterarbeit wie in der Haffner- od. der Posthorn-Serenade.
    Interessant, aber keineswegs nur bei Mozart anzutreffen, ist dabei die Verknüpfung zwischen sinfonischen und konzertanten Ansätzen wie z.B. in der Haffner-Serenade, die ja bekanntermaßen ein ausgewachsenes Beinahe-Violinkonzert enthält.


    Schließlich wäre noch zu hinterfragen, wo die Gattung ihre Grenzen hat bzw. wohin sie überall ausstrahlt: Die Hornduos, das Quintett für Klavier und Bläser, die Bearbeitung von Mozart-Opern für Harmoniemusik, die Tafelmusik im Don Giovanni.
    Und wenn es ganz anspruchsvoll werden soll: inwiefern sichverschiedene Gattungen wie Sinfonike, Konzerte und Kammermusik in Wecheselwirkung mit den Divertimenti und Serenaden befruchtet haben.
    Dieser Absatz nur als Ausblick und Denkanstoß!

  • Ein weites Feld - um mit Theodor Fontane zu sprechen. Als Liebhaber der Musik Mozarts sind die Kompositionen dieser speziell süddeutsch-österreichischen Tradition auch in meinem Regal vertreten. Ich kann jedoch, trotz meiner Liebe zur Musik Mozarts, nicht behaupten, daß mir diese Werke durch die Bank gefallen. Manches Divertimento läßt mich doch eher unberührt.


    Unter den Orchesterserenaden sind die Serenata notturna, die Haffner- und Posthorn-Serenade, die Kleine Nachtmusik sowieso, ganz oben auf der persönlichen Beliebtheitsskala, was nicht verwundern dürfte. Bei den Bläser-Serenaden ist es die Gran Partita, die den Spitzenplatz belegt - auch nicht verwunderlich.


    Bei den Orchesterserenaden hat mich aber immer KV 131 in D-Dur fasziniert - wegen der vier Hörner! Was ja schon immer die Frage aufkommen ließ, ob zur Zeit der Entstehung tatsächlich vier befähigte Hornisten in Salzburg angestellt waren? Zumal Anfang der 1770er Jahre die vier Hörner in "La finta giardiniera" und in "Il re pastore" ebenfalls gefordert werden, ansonsten wohl nicht mehr. Jedenfalls: dieses auffällige Merkmal macht den besonderen Reiz für mich aus; Hörnerklang fand ich schon immer und finde es noch heute faszinierend.


    Ich kann nur mit einer einzigen Einspielung der Serenadenwerke aufwarten: diejenige mit Neville Marriner und der Academy of St. Martin in the Fields, innerhalb der Mozart-Edition von Philips erschienen. Vergleiche mit anderen Aufnahmen sind mir also nicht möglich. Genügsam wie ich bin, reicht mir diese eine Aufnahme und macht mir jedenfalls deutlich, welche grandiose Unterhaltungsmusik hier vorliegt...


    Liebe Grüße vom

    .


    MUSIKWANDERER

  • Flutedevoix hat ja schon einiges sehr Wissenswerte zum teils ziemlich unterschiedlichen Charakter der Werke gesagt. Alle dürften ausnahmslos für konkrete Gelegenheiten komponiert worden sein (selbst wenn wir diese heute nicht alle kennen) und fast alle als Serenaden bezeichneten Stücke sind aus der Salzburger Zeit (bis auf die letzten 4, also die drei Bläserserenaden und EKN). Das gibt auch die wahrscheinlichste Antwort auf die Frage nach den 4 Hörnern: Wenn Mozart für 4 Hörner schrieb, standen die auch zur Verfügung. Bei einem Stück wie einer Serenade ist kaum denkbar, dass sie nicht für die tatsächlichen Verhältnisse ihrer Aufführung komponiert worden wären. Aber offensichtlich (daher so wenige Werke für 4 Hörner) standen eben nicht immer 4 Hornisten zur Verfügungen (vgl. einige Haydn-Sinfonien wie 31 und 39).


    Ein kurzer Überblick über schon bestehende threads (aus meiner Sicht wäre eigentlich kein neuer notwendig):


    Bläserserenaden
    Mozarts "Unterhaltungsmusik"
    Eine Kleine Nachtmusik
    Serenaden für Streicher und Bläser

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Ich kann jedoch, trotz meiner Liebe zur Musik Mozarts, nicht behaupten, daß mir diese Werke durch die Bank gefallen. Manches Divertimento läßt mich doch eher unberührt.


    Ich glaube, das geht anfangs vielen Musikfreunden so. Vielleicht weil man im Hinterkopf hat, daß es ja "nur" "Gelegenheitsmusik" sei...
    Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Aufnahme mit Neville Marriner eine gute Wahl ist, Sandor Vegh und die Camerata Academica des Mozarteums Salzburg dürften hier eventuell vorzuziehen sein. Deutsche Hörer indes werden vermutlich nach Aufnahmen mit "mehr Biß" suchen. Es ist ein wenig schwierig Ordnung in diesem Thread zu halten, so schlage ich vor, vorerst mal allgemeines einzubringen, und dann allmählich einzelne Werke herauszupicken und zu besprechen - unter Vernachlässigung einer strengen systematischen oder chronologischen Reihenfolge. Es ware natürlich auch möglich, die einzelnen Werke auszugliedern und in einzelnen Threads unterzubringen - aber ich fürchte, dazu ist das Interesse an dieser Gattung (derzeit ??) leider zu gering.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Ich bin mir nicht sicher, daß die Apostrophierung "Gelegenheitswerke" daran schuld ist. Meine Bezeichnung "durch die Bank" sollte ich vielleicht auf einzelne Sätze reduzieren - es bleibt dann immer noch reichlich Substanz übrig, die mir zusagt. Steht es doch für mich außer Frage, daß Mozart auch in diesen Gelegenheitswerken seine Meisterschaft bewiesen hat.


    Wenn hier nach grundsätzlichen Erwägungen gefragt wird, kann ich, auf Wolf-Dieter Seiffert zurückgreifend, nur sagen, daß im 18. Jahrhundert solcherlei Kompositionen nicht nur SERENADE, sondern auch DIVERTIMENTO, KASSATION, PARTITA oder NOTTURNO genannt wurden. Die Austauschbarkeit der Bezeichnungen mag uns heute verwirren, damals spielte das wohl keine Rolle - es ging nicht um genaue Gattungsbegriffe, sondern alles wurde der im Freien stattfindenden Unterhaltung zugeordnet.


    Bei Mozart - das hat schon Alfred Einstein festgestellt - ist zumindest auffällig, daß DIVERTIMENTI etwas schwächer (oft sogar nur solistisch) besetzt sind, während die SERENADEN doch (auch wegen eines oftmals repräsentativen Hintergrunds) größere, fast schon sinfonische Orchester (nach damaligem Standard) verlangen. Bei den Bezeichnungen SERENADE oder DIVERTIMENTO kann man sich allerdings nicht auf den Komponisten berufen: die Titelüberschriften stammen in den meisten Fällen der Salzburger Werke von Leopold. Aber auch der ist sich auch nicht immer sicher, denn in der Familienkorrespondenz werden alle Bezeichnungen verwendet - NACHTMUSIK oder auch FINALMUSIK wurden bisher nicht aufgeführt, kommen in den Briefen aber auch vor.


    Robert Levin schrieb im "Moazrt-Kompendium", daß seine Salzburger Serenaden zwar fest in der Tradition der Zeit und des Ortes standen, sich aber ebenso unbestreitbar von den anderen Unterhaltungsstücken seiner Zeitgenossen wie Michael Haydn oder Cajetan Adlgasser deutlich abheben...

    .


    MUSIKWANDERER

  • Ursprünglich hatte ich daran gedacht allen voran, die eher unbekannten Werke dieser Sparte zur Sprache zu bringen, allein, ich bin nach einigem Nachdenken zur Überzeugung gekommen, daß die einzige Chance, diesen Thread am Leben zu halten, die Besprechung der "prominenten" und bekannten Stücke ist. Der Rest mag im Sog der Faszination dieser Werke auch zu seinem Recht kommen....


    So beginne ich mit einem meiner Lieblingswerke, der Serenade Nr 6 "Serenata notturna", KV 239.
    Wir wissen hier zwar das Entstehungsjahr (1776), jedoch nicht den Anlass, Man geht jedoch allegmein davon aus, daß es einen solchen gegeben habe, und es sich nicht um ein eine Komposition ohne Auftrag oder aktuellen Hintergrund gehandelt habe. Die Serenade hat - völlig unüblich - lediglich drei Sätze.
    Bemerkenswert ist schon der Beginn, welcher durch ein signifikantes Paukenthema geprägt ist.
    Ebenso wird immer wieder festgehalten, daß der besondere Reiz der Komposition durch den Einsatz von 2 räumlich voneinander getrennten Orchestergruppen (im Freien) entsteht.
    Auf den mir bekannten Einspielungen konnte ich dies indes nicht verifizieren.
    Persönlich gebe ich der Serenata notturna gegenüber der kleinen Nachtmusik den Vorzug, sie klingt in meinen Ohen noch "mozärtlicher" als das "Mozart-Vorzeigestück". Ich finde, trotz seiner relativen Kürze handelt es sich hier um einen Geniestreich mit eingängiger Melodik und einigen originellen Effekten, was natürlich auch auf die Instrumentierung zurückzuführen ist. So wird beispielsweise das übliche Violoncello durch einen Kontrabaß ersetzt...
    Erstmals hörte ich eine Aufnahme dieser Serenade als Teenager, und zwar mit den Zagreber Solisten unter Janigro (wer kennt den heute noch ?)für das österreichische Label "AMADEO"...
    Ich habe für diesen Thread einige Aufnahmen des Werkes "abgehört" und fand immer wieder Interessantes, ohne jedoch das "Urerlebnis" mit Janigro völlig nachempfinden zu können.


    Das ist indes vermutlich auf jenes Phänomen zurückzuführen, welches wir Prägung nennen, und nicht auf die mangelnde Qualität der Vergleichseinspielungen. Gehört habe ich heute:
    Sandor Vegh mit der Camerata academica Salzburg (einst:Camerata Academica des Mozarteums Salzburg)
    (derzeit nur in der 10 CD Vegh Kassette mit Mozart Divertimentis und Serenaden - allerdings etwa zum Preis einer Vollpreis CD )

    die Berliner Philharmoniker unter Karl Böhm

    das Kölner Kammerorchester unter Helmut Müller Brühl.

    Ich möchte keiner der Aufnahmen die Siegespalme zusprechen, jede hat einen anderen Bonuspunkt bzw Schwerkunkt


    Die Müller-Brühl Aufnahme ist sehr durchsichtig mit sehr trockenen, pointierten Pauken.
    Was meiner meinung nach fehlt, ist der Liebreiz, das Leichte dieser Musik, es wird eher das rhymische betont -
    was vermutlich aber so mancher begrüssen wird.


    Karl Böhm hat das grösste Orchchester (wenn hier vielleicht auch nur eine Auswahl am Werke ist)
    was einen "großorchestralen" Klang hervorbringt, bei allen Versuchen möglichst intim zu klingen.
    Die Pauken sind hier im Orchesterklang eingebettet, was nicht unbedingt meinem personlichen Geschmack entspricht.
    Zudem - ich wollte es anfangs nicht recht glauben - ist es eine der wenigen Böhm-Aufnahmen, wo die Balace zwischen
    laut uns leise, beschwingt und kontemplativ nicht optimal gelungen ist. All das natürlich auf höchstem Niveau....


    Sandor Vegh - welch ein Glücksfall war er doch für die Camerata Academica - bringt die tänzerische Komponente des Werkes optimal zur Geltung.
    Die Pauken sind nicht so präsent wie bei Müller-Brühl, aber dafür entschädigt der wunderbare "Salzburger Klang" und die subtil abgetönte Dynamik. Während Böhm für meinen Geschmack oft zu schnell dirigiert, nimmt Vegh stellenweise fast unmerklich das Tempo zurück - und erreicht damit ein perfekt abgerundetes spielerisches Gesamtbild.....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • hallo alfred,


    danke für den tip - ich habe mir gleich eine gebraucht cd bestellt - böhm habe ich schon :



    gruss aus bruchsal


    kalli

  • Ich hatte mir neulich als der thread gestartet worden war, zwei der orchestralen vielsätzigen Salzburger Serenaden angehört, KV 203 und 204. Obwohl das durchaus unterhaltsame, wenngleich nicht allzu einprägsame Musik ist, brachte ich dann doch nicht die Energie auf, mich dazu zu äußern. Sie sind vom Typ sehr ähnlich der etwas späteren "Haffner"-Serenade KV 250, ebenfalls mit einige konzertanten Soli. Allerdings scheint mir die "Haffner"-Serenade ein erheblich reiferes und gewichtigeres Werk. Die beiden o.g. sind eher etwas für den Komplettisten, dem Normalhörer dürften m.E. die "Haffner" und die "Posthorn" KV 320 als reifste und beste Exemplare der Orchesterserenaden ausreichen.


    Nun also KV 239 mit dem doppelt gemoppelten Titel Serenata notturna. Von der eigentümlichen Besetzung ein Unikat in Mozarts Schaffen. Man weiß leider nicht, zu welcher Gelegenheit es komponiert wurde, damit ließe sich vielleicht die Besetzung und auch die Kürze des Werks erklären. Es besteht ja nur aus dem Marsch (bei den anderen Serenaden haben die zugeordneten "Einzugsmärsche" eine eigene KöchelNr., sind auch meist kürzer), einem Menuett und einem Rondo mit einem langsamen Mittelteil.

    Ich weiß nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Vielleicht auch eine Art "musikalischer Spaß". Marsch und Menuett kommen recht pompös daher, was durch die Besetzung ohne Bläser freilich irgendwie konterkariert wird.
    Außer der schon gezeigten Vegh-Einspielung habe ich noch Harnoncourts (mit altem Cover). Harnoncourt ist sehr kontrastreich, aber nicht allzu exzentrisch, außer dass man ab und an ein Cembalo dazwischenklimpern hört und im Rondo zwei oder drei kleine Soli/"Eingänge" eingefügt werden, u.a. für den Kontrabass. Von diesen spaßigen Details abgesehen, wird das Stück relativ ernst genommen.
    Vegh gefällt mir auch gut. Beide holen wohl schon heraus, was herauszuholen ist, aber das Werk selbst bleibt für mich ziemlich seltsam.


    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    .....aber das Werk selbst bleibt für mich ziemlich seltsam......


    Da ich es zu einer Zeit kennengelernt habe, als man Sinn und Unsinn klassiscer Werke - notabene jene von Mozart, Haydn, Beethoven und Schubert (noch) nicht hinterfragte, ist es für mich Bestandteil meines "Klassikschatzes" und zudem eines meiner liebsten. Der Wiedererkennungswert der Themen ist geradezu beispielhaft, er "Ohrwurm-" und "Ohrenschmeichlereffekt" desgleichen. Es gibt Aber in der Tat (ich habe ein wenig recherchiert) ein paar Ungereimtheiten. So vermutet man in einem der Artikel zu diesem Stück, daß das Cello durch einen Kontrabaß ersetzt wurde, da man ein Cello nur suitzend spielen könne, was im Freien (und es handelt sich um "Freilichtmusik") damals kaum möglich gewesen wäre.
    Andrerseits gibt es wieder Hinweise darauf, daß diese Musik gar nicht fürs Freie konzipiert wurde.
    Das Werk hat statt der bei Serenaden üblichen 5 Sätze nur drei. Eine Aufführung ist nirgens wirklich dokumentiert.
    Was wäre, wenn es sich hiebei um einen Torso, ein unvollendetes, experimentelles Werk Mozarts gehandelt hätte, daß zu Lebzeiten Mozarts gar nie aufgeführt worden sei ?? - Nur eine Hypothese......


    mfg aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Ein kurzer Überblick über schon bestehende threads (aus meiner Sicht wäre eigentlich kein neuer notwendig):


    Bläserserenaden
    Mozarts "Unterhaltungsmusik"
    Eine Kleine Nachtmusik
    Serenaden für Streicher und Bläser


    Hallo,
    darauf gab es keine Antwort?


    Wo macht es nun eigentlich Sinn, zu posten, die vorhandenen Threads weiterführen oder mit dem neuen Thread die Zersplitterung erweitern?


    Viele Grüße
    zweiterbass


    Diese "Zersplitterung" gehört zur "Politik" des Administrators. Ich habe nach 5 oder mehr Jahren aufgegeben, das ändern zu wollen.


    JR

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Im Orchester spielen Celli, nur bei den Solostreichern ein Kontrabass. Dazu wurde lt. einem Beiheft das Werk im Januar komponiert/aufgeführt. Es war wahrscheinlich keine Freiluftmusik. Ich vermute prosaischere Gründe. Irgendein Karnevalsfest oder sonstwas, wo eben Streicher und zufällig Pauken zur Hand waren.


    Mit "Sinn" meinte ich nicht metaphysisches Tiefgreifendes. Es ist eh ein Stück "Unterhaltungsmusik", keine Totenmesse. Ich finde diese Serenade als "Unterhaltungsmusik" nicht besonders attraktiv, eher kurios und zwar unterhaltend, aber nicht in der Weise wie andere Serenaden. (Mich wundert, dass es so beliebt ist, von der kuriosen Besetzung abgesehen finde ich es kein sehr einprägsames Werk, musikalisch griffig nur das Rondo.) Und da langsame Sätze ganz fehlen, fehlen damit auch die für mich meist ausdrucksvollsten und bemerkenswertesten Stellen dieser frühen Serenaden. Daher meine nicht ketzerisch gemeinte Vermutung, es könne sich um eine Art musikalischen Spaß handeln, oder wahrscheinlicher ein Stück für einen sehr konkrete Gelegenheit, die wir aber nicht kennen.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Beim wahllosen Kreuz- und Querhören in diesem wundervollen Füllhorn, das Brilliant-Classics dem Musikfreund zur Verfügung stellt, bin ich auf oben genanntes Divertimento gestossen, das Mozart im August 1776 für seiner Schwester Nannerl komponiert hat, als er 20 Jahre alt war. Er hat seine Schwester und ihre Klavierkünste wohl sehr geschätzt und schickte ihr öfter Kompositionen. Die Hintergründe zu dieser Komposition -man kann sie auch zu den Klaviertrios zählen- lassen sich hier nachlesen:


    http://www.kammermusikfuehrer.de/werke/1252


    Ich darf aus besagter Quelle zitieren:


    "Auch Besucher von außerhalb gerieten ins Staunen, wenn ihnen Maria Anna Werke ihres Bruders vortrug. Im Januar 1778 erhielt man Besuch aus Wallerstein: Zwei Hofmusiker des musikliebenden Fürsten Kraft Ernst suchten das Tanzmeisterhaus am Salzburger Hannibalplatz auf, um dort Werke von Wolfgang, von seiner Schwester gespielt, zu hören. Darunter war auch das B-Dur-Divertimento, KV 254, wie Leopold Mozart seinem Sohn nach Mannheim berichtete:


    “Die 2 Herren von Wallerstein wollten absolute die Nannerl spielen hören … Sie spielte Deine Sonate von Manheim recht treflich mit aller Expression. Sie waren über ihr Spielen und über die Composition sehr verwundert, sagten, sie hätten niemals etwas von dir gehört, Sie sagten es wären lauter neue und besondere Gedanken … Sie accompagnierten dann der Nannerl dein Trio fürs Clavier ex B und recht recht vortreflich.” Der Brief zeigt, wie sehr Klaviertrios damals noch Musik zum geselligen Vom-Blatt-Spielen waren. Die Pianisten, in den vornehmen Haushalten schon damals meist die höheren Töchter, hatten ihren Part geübt und spielten ihn “mit aller Expression”. Die Streicher dagegen musizierten “prima vista”, denn im Verständnis der Zeit waren sie lediglich die Begleiter im Trio. "


    Die vorliegende Aufnahme, CD 55 der Sammelbox, hat mir hervorragend gefallen. Die drei Sätze mit den Bezeichnungen


    1. Allegro assai


    2. Adagio


    3. Rondo. Tempo di Menuetto


    werden von drei herausragenden Musikern gestaltet, der Holländer Bart van Ort spielt das fortepiano, ein Walter-Nachbau von Chris Maene, die australische Barock-Spezialistin Elizabeth Wallfisch spielt die Violine, Jaap ter Linden aus Rotterdam spielt das Cello. Hier werden durchweg historische Instrumente verwendet, und gerade in dieser kammermusikalischen Besetzung kommt der Klangcharakter der Instrumente besonders gut zum Tragen. Die Musiker spielen famos zusammen, sowohl die lebhaften als auch die langsamen Sätze blühen regelrecht auf. Das beseelte, schwungvolle Allegro assai ist mitreißend, das Adagio ist traumhaft schön, es ist nachdenklich, verhalten, jedoch auch lieblich-sanglich. Das Menuett beschließt schwungvoll und graziös die Komposition. Eine sehr hörenswerte Einspielung eines wunderschönen Werkes.


    Zu Mozarts Klaviertrios siehe auch:


    Mozart im kleinen Kreis: Die Klaviertrios

  • Ich habe mit vor einer guten Stunde - oder mehr - Mottarts Serenad Nr 6 "Serenata nooturna" in der vielgelobten Aufnahme unter Sandor Vegh angehört. Mag sein, dass meiner Erinnerung mich trügt, mag sein, daß es einse Frage der Prägung ist - aber die Alte Aufnahem unter Antonio Janigro mit den Zagreber Solidten (Amadeo) ausne späten 60igern auf Vinyl. hat mir doch entscheidend besser gefallan. Die Pauken auf dieser Augnahme waren zwar eher dezent - aber bestens härbar mit einem "delikaten" Beiklan. Das alles klingt so voller Widersprüche - daß ich schon ein wenig an meinem Erinnerungsvermögen zweifle - aber ich erinnere mich , daß imm wenn an einer Stelle die Pauken einsetzten ich eine Gänsehaut bekam. Das passiert mir bei manchen heutigen Aufnahmen auch - aber leider aus einem Andern Grund.....


    So begann für mich eine Odysse quer durch yutube Videoclips - wo ich euch an drei Stationen teilhaben lassen möchte.

    Ich beginne mit -:stumm:Karl Böhm:stumm:

    Nein - nicht was Ihr denkt - keine Lobhudelei - ich habe - Ehrenwort - die Aufnahme eher zufällig beim duchzappen gefunden - und mein Urteil ist eher durchwachsen.



    Musikalisch perfekt mit eiserner Strenge exekutuiert - fast wie eine Strafübung. Die Pauken sien - wie fast überall verwaschen - aber soweit in Orsnung.

    Böhm lässt Mozart wenigstes seine Würde und einen superben Klang. die Leichtigkeit eines Janigro mit seinen Zagreber Solisten erreicht er indes nicht.

    Böhms Ausnahmerang wird allerdins dadurch bestätigt, wenn man die zahlreichen anderen Aufnahmen hört


    Hier nun : Kontrastprogram:

    "Ein Hinrichtung" - das war mein erster Gedanke nach den ersten Takten - welch ein unterscied wie Savall durch das Stück hetz. Nach einiger Weile habe ich mich daran gewöhnt, da die Aufnahme durchaus ihre Meriten hat - ich höre heut zum ersten mal, daß man hier auch "kadenzen" einlegen kann...

    Eine Aufnahme mit "Charakter"


    Und nun die Überraschung - für mich.


    Gideon Kremer u nd seine Camerata Baltica - Eine Interpretation vol Extavaganen und Spässchen...

    Das war übrigens die allererste Aufnahme, wo ich "Scherze gesehen habe - bei Böhm wäre das IMO undenkbar...

    Auffallen IMO der teilweise "schroffe" Rhythmus, was spetiel durch die Optik gut rauskommt.

    Die Abweichungen mögen nicht jedermanns Geschmack sein - beeindruckend sind sie allemal

    Da man Mozarts Vorliebe für Späße kenn, wird man zustimmend lächeln....



    Ich bin sehr froh, daß ich den Serenaden in meiner Jugend nr oberflächliche Aufmerksamkeit geschenkt habe - da git es noch viel kennenzulernen -*) wennich es erlebe


    mfg aus Wien

    Alfred


    *) ein geflügeltes Wort von 'Karl Böhm. als er etwa in meinem Alter war

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Ich klinke mich hier einmal aus Interesse ein. Obwohl ich sehr gerne Mozart höre, kenne ich seine Serenaden nicht, auch die oben erwähnten wichtigen nur vom Namen nach. Ich bin also sozusagen völlig unbelastet und höre mit meinem heutigen Ohr.


    Kurzer sehr individueller Eindruck.


    1. Karl Böhm: militärisch ist der treffende Ausdruck. Das Stück wird absolut reizlos durchexerziert. Der unterhaltende Aspekt bei Mozart, den ich in der Serenade verstärkt zu hören vermeine wird einfach ignoriert. Das Orchester spielt natürlich fantastisch, aber gefühlt nicht Mozart :)


    2. Jordi Savall. Ein etwas differenzierteres Klangbild . Man meint, etwas mehr Humor zu verspüren, als bei Böhm, leider wird der Anfang der Serenade zertrommelt. Obwohl ich ein großer Fan des Schlagwerkes bin, finde ich das in der Lautstärke für die Musik unpassend und es vernichtet auch den Mozartschen Charme.


    3. Gidon Kremer und die Kremerata. Da geht mir zumindest das Herz auf. Kein künstlicher Tiefsinn, sondern Spielfreude und Humor und am Ende noch ein kleines passendes Schlagzeug solo (:jubel:). Und plötzlich gewinnen die einzelnen Sätze ein echten Zusammenhang. Ich werde schauen, ob die Kollegen der Kremerata die Serenaden nicht auch auf CD gebannt haben.....



    PS: nachgeschaut, grundsätzlich erschienen, aber gerade nicht erhältlich ;(