12.02.2012 (Staatsoper Hamburg) R.Wagners "Siegfried"

MSchenk · 5 Beiträge · letzte Antwort von Joseph II.

  • Zweiter Tag des Bühnenfestspiele Der Ring des Nibelungen


    Siegfried - Christian Franz
    Mime - Jürgen Sacher
    Der Wanderer - Falk Struckmann
    Alberich - John Wegner
    Fafner - Wilhelm Schwinghammer
    Erda - Deborah Humble
    Brünnhilde - Catherine Foster
    Waldvogel - Gabriele Rossmanith


    Philharmoniker Hamburg unter der musikalischen Leitung von Simone Young


    Inszenierung Claus Guth, Bühnenbild und Kostüme Christian Schmidt.


    (9.Vorstellung seit der Premiere am 18.10.2009)


    Nach Das Rheingold und Die Walküre in der Saison 2010/11 nun meine Fortsetzung des Hamburger Ringes im 3.Zyklus mit Siegfried. Ein guter Überblick zur Inszenierung findet sich in JLs Artikel, so dass sich eine nochmalige Beschreibung im Detail erübrigt und ich mich auf meine ganz persönlichen Eindrücke beschränken kann:


    Erster Aufzug. Mimes Höhle ist zu einer Art Garage, Werkhalle o.ä. geworden. In zwei besseren Feldbetten die Protagonisten einer unheilvollen - und für das schwächere Mitglied im 2.Aufzug schließlich katastrophal-finalen - Junggesellen-WG. Nun, trotz des verhängnisvollen Endes strotzte Jürgen Sachers Mime vor Spielwitz und sanglicher Qualität. Sein "Widerpart", der von Christian Franz gesungene Titelheld, zeichnete sich vorrangig durch pubertierendes Gehabe und eine mindestens sehenswerte Frisur aus. Stimmlich würde ich sagen, wurde da im Schmiedelied noch etwas gespart, was Angesichts der noch kommenden drei Stunden zumindest verständlich ist. Die Stimme des Wanderer (Falk Struckmann), beim "quizen" mit Mime noch etwas näselnd, kam hingegen relativ schnell auf den Punkt. Und auch, wenn Struckmanns Stimmfärbung (metallisch?) in mir nichts zum klingen bringt, gab es - anders, als noch in der Walküre - keine Aussetzer und keinen merkbaren Abbau.


    Zweiter Aufzug. Ein schwer zu definierender Raum mit einem übergroßen, zerbrochenen Panoramafenster. Vielleicht das Schwimmbad des Hauses mit Blick in den inzwischen verwahrlost-überwucherten Garten - denn alle bisherigen Tableaus zusammengenommen scheint mir dieser Ring tatsächlich in einem riesigen Haus zu spielen (Ein Dachboden im Rheingold, eine Küche und ein Atelier in der Walküre, eine Garage und später eine Bibliothek im Siegfried). Sind wir vielleicht nach dem Einzug in Walhall nie wieder dort herausgekommen? - Sollte dies wirklich in dieser Inszenierung stecken, wäre es eine fast geniale Idee, wenn sie denn klar herausgearbeitet würde ...
    Dem zwar in Deutschland geborenen John Wegner, an diesem Abend in der Rolle des Alberich, hörte man den australischen Akzent ziemlich an. Vom Stimmvolumen her wurde jedoch schnell deutlich, dass dieser Mann nicht nur als böser Zwerg, sondern auch als Wotan/Wanderer höhrenswert sein dürfte.


    Dritter Aufzug. Erda, die Urmutter als Sachwalterin des Wissens, mithin als Bibliothekarin des Hauses darzustellen ist sicherlich nicht originell, aber auch nicht dumm. Gesanglich jedoch hat Deborah Humble mich auch hier - wie schon im Rheingold - nicht überzeugt: Die Diktion verwaschen, die Stimme mal schrill, mal stumpf. Dafür konnte Falk "Der Wanderer" Struckmann seine Abendform im Wesentlichen beibehalten.
    Mein Highlight des Abends dann schließlich Catherine Fosters Brünnhilde, die trotz der sängerisch guten Leistung ihres "Retters" Siegfried einen klaren "Sieg nach Punkten" einfahren konnte! Eine klare, verständliche und vor allem kraftvolle Interpretation auch über das Orchster hinweg.


    Last, but not least die Philharmoniker samt Generalmusikdirektorin auch an diesem Abend wieder gut in Form mit einem durchweg transparenten Klangbild.

  • Lieber MSchenk,


    ehe die Meute darübe herfällt - vielen Dank für diesen instruktiven und anregenden Bericht, der, ohne einseitig und unkritsich zu verfahren, Interesse an einer Aufführung und ihren träumerischen Tableaux weckt. Man wäre gerne dabei gewesen.


    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Hallo farinelli,


    vielen Dank für das Lob! - In knapp vier Stunden geht es dann der Götterdämmerung entgegen; "Wisst ihr, wie das ward?" :)

  • Lieber farinelli,


    die "Meute" wird sicherlich über diese Schilderung nicht mehr herfallen, denn die Inszenierung ist der "Meute" längst bekannt und das Urteil der "Meute" steht bereits in einem anderen Thema. Auf youtube gibt es hinreichend Material, um sich ein Urteil zu bilden.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Zitat

    Inszenierung Claus Guth


    Na ja, spätestens hier weiß man, woran man ist.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven