Zweiter Tag des Bühnenfestspiele Der Ring des Nibelungen
Siegfried - Christian Franz
Mime - Jürgen Sacher
Der Wanderer - Falk Struckmann
Alberich - John Wegner
Fafner - Wilhelm Schwinghammer
Erda - Deborah Humble
Brünnhilde - Catherine Foster
Waldvogel - Gabriele Rossmanith
Philharmoniker Hamburg unter der musikalischen Leitung von Simone Young
Inszenierung Claus Guth, Bühnenbild und Kostüme Christian Schmidt.
(9.Vorstellung seit der Premiere am 18.10.2009)
Nach Das Rheingold und Die Walküre in der Saison 2010/11 nun meine Fortsetzung des Hamburger Ringes im 3.Zyklus mit Siegfried. Ein guter Überblick zur Inszenierung findet sich in JLs Artikel, so dass sich eine nochmalige Beschreibung im Detail erübrigt und ich mich auf meine ganz persönlichen Eindrücke beschränken kann:
Erster Aufzug. Mimes Höhle ist zu einer Art Garage, Werkhalle o.ä. geworden. In zwei besseren Feldbetten die Protagonisten einer unheilvollen - und für das schwächere Mitglied im 2.Aufzug schließlich katastrophal-finalen - Junggesellen-WG. Nun, trotz des verhängnisvollen Endes strotzte Jürgen Sachers Mime vor Spielwitz und sanglicher Qualität. Sein "Widerpart", der von Christian Franz gesungene Titelheld, zeichnete sich vorrangig durch pubertierendes Gehabe und eine mindestens sehenswerte Frisur aus. Stimmlich würde ich sagen, wurde da im Schmiedelied noch etwas gespart, was Angesichts der noch kommenden drei Stunden zumindest verständlich ist. Die Stimme des Wanderer (Falk Struckmann), beim "quizen" mit Mime noch etwas näselnd, kam hingegen relativ schnell auf den Punkt. Und auch, wenn Struckmanns Stimmfärbung (metallisch?) in mir nichts zum klingen bringt, gab es - anders, als noch in der Walküre - keine Aussetzer und keinen merkbaren Abbau.
Zweiter Aufzug. Ein schwer zu definierender Raum mit einem übergroßen, zerbrochenen Panoramafenster. Vielleicht das Schwimmbad des Hauses mit Blick in den inzwischen verwahrlost-überwucherten Garten - denn alle bisherigen Tableaus zusammengenommen scheint mir dieser Ring tatsächlich in einem riesigen Haus zu spielen (Ein Dachboden im Rheingold, eine Küche und ein Atelier in der Walküre, eine Garage und später eine Bibliothek im Siegfried). Sind wir vielleicht nach dem Einzug in Walhall nie wieder dort herausgekommen? - Sollte dies wirklich in dieser Inszenierung stecken, wäre es eine fast geniale Idee, wenn sie denn klar herausgearbeitet würde ...
Dem zwar in Deutschland geborenen John Wegner, an diesem Abend in der Rolle des Alberich, hörte man den australischen Akzent ziemlich an. Vom Stimmvolumen her wurde jedoch schnell deutlich, dass dieser Mann nicht nur als böser Zwerg, sondern auch als Wotan/Wanderer höhrenswert sein dürfte.
Dritter Aufzug. Erda, die Urmutter als Sachwalterin des Wissens, mithin als Bibliothekarin des Hauses darzustellen ist sicherlich nicht originell, aber auch nicht dumm. Gesanglich jedoch hat Deborah Humble mich auch hier - wie schon im Rheingold - nicht überzeugt: Die Diktion verwaschen, die Stimme mal schrill, mal stumpf. Dafür konnte Falk "Der Wanderer" Struckmann seine Abendform im Wesentlichen beibehalten.
Mein Highlight des Abends dann schließlich Catherine Fosters Brünnhilde, die trotz der sängerisch guten Leistung ihres "Retters" Siegfried einen klaren "Sieg nach Punkten" einfahren konnte! Eine klare, verständliche und vor allem kraftvolle Interpretation auch über das Orchster hinweg.
Last, but not least die Philharmoniker samt Generalmusikdirektorin auch an diesem Abend wieder gut in Form mit einem durchweg transparenten Klangbild.