Richard Wagner ( 1813 - 1883 )
Das Liebesverbot oder die Novize von Palermo
Komische Oper in zwei Akten
Libretto: Richard Wagner nach William Shakespeare
Originalsprache: Deutsch
Uraufführung. Magdeburg 1836
PERSONEN DER HANDLUNG
Friedrich, Statthalter von Sizilien in Abwesenheit des Königs, Bass
Brighella, Anführer der Sbirren (Polizeisoldaten), Bass
Luzio, junger Edelmann, Tenor
Antonio, junger Edelmann, Tenor
Claudio, junger Edelmann, Tenor
Angelo, junger Edelmann, Bass
Isabella, Claudios Schwester, Novizin, Sopran
Mariana, Friedrichs verstoßene Frau, Novizin, Sopran
Dorella, früher Kammermädchen bei Isabella, Sopran
Danieli, Wirt eines Weinhauses, Bass
Pontio Pilato, in seinen Diensten, Tenor
Sbirren, Gerichtsherren, Volk
Ort und Zeit der Handlung: Palermo, 16 Jahrhundert
ERSTER AKT
1. Bild: Platz in einer Vorstadt von Palermo mit Gaststätten und Raucherlokalen
Sbirren (Polizeisoldaten) sind damit beschäftigt, Aushängeschilder herunterzureißen und Möbel und Gefäße zu zerschlagen. Es kommt zu Schlägereien mit der Bevölkerung.
Die jungen Edelleute Luzio, Angelo und Antonio haben sich lachend aus dem Weinhaus herausgeschlagen. Dann bringt Brighella, der Anführer der Sbirren, mit einigen seiner Leute den Wirt Danieli, Pontio und Dorella als Gefangene aus dem Weinhaus. Luzio kommt Dorella zu Hilfe, wofür er von Ihr ein Eheversprechen erhält. ER hetzt das Volk gegen die unverschämten Sbirren auf. Auf die Frage, wessen Befehl sie ausführen, liest Brighella eine Anordnung des sittenstrengen Friedrich vor. der während der Abwesenheit des Königs Statthalter in Palermo ist: Der Karneval, Wirtschaften und sonstige Orte der Belustigung werden verboten. Jedes Vergehen des Trunkes und der Liebe wird künftig mit dem Tode bestraft.
Während sich das Volk empört wird der junge Edelmann Claudio gebracht, den man, weil er bei der Liebe ertappt wurde zum Tode am morgigen Tag verurteilt hat. Er fleht seinen Freund Luzio an, zu seiner Schwester Isabella, die Novizin im Kloster ist, zu eilen, damit diese den harten Mann umstimmen möge. Danach zerstreut sich das Volk und die Sbirren brechen mit ihren Gefangenen auf.
2. Bild: Im Klosterhof
Die Mitschwester Mariana vertraut der Schwester Claudios, Isabella, an, dass sie einst Gattin des arm von Deutschland eingereisten Friedrich war. Dieser habe sie aber verstoßen, als er Günstling des Königs wurde.
Mariana entfernt sich. Während Isabella zornig verharrt, trifft Luzio ein und berichtet ihr, dass ihr Bruder zum Tode verurteilt wurde und sie bitte, bei Friedrich für ihn einzuschreiten. Bei Anblick der schönen Schwester seines Freundes verliebt er sich sofort in sie und bittet sie, das Kloster zu verlassen und seine Frau zu werden. Sie weist dieses Ansinnen ab, gestattet ihm jedoch, sie zum Gericht zu begleiten.
3. Bild: Gerichtssaal
Da Friedrich sich verspätet hat, beginnt Brighella, der gerne auch einmal richten möchte, mit dem Verhör. Zunächst nimmt er sich Pontio vor, beschuldigt ihn, Ehen für eine Nacht geschlossen zu haben und verbannt ihn.
Dann ist Dorella dran, der er Verführung der Männer vorwirft. Doch im Laufe des Verhörs verliebt er sich heftig in sie und versucht, sich ihr zu nähern. Indessen erhebt sich draußen ein Tumult, die Tür wird aufgebrochen und Antonio, Pontio, Angelo, Danieli, andere Verhaftete und das Volk strömen herein und fordern, dass der Richter endlich erscheine.
Friedrich tritt ein und verweist Brighella in die Schranken. Antonio legt im Namen des Volkes eine Bittschrift vor, den Karneval wieder zuzulassen und wird vom Volke unterstützt. Doch Friedrich zerreißt diese und fordert strengste Einhaltung seines Gebotes. Claudio wird vorgeführt und mit seiner Geliebten Julia zum Tode verurteilt.
Isabella bricht sich Bahn und bittet Friedrich um eine Unterredung unter vier Augen. Dieser gibt schließlich nach und verweist alle anderen des Saales. Sie bittet ihn um Gnade für ihren Bruder und schildert ihm die Liebe in so rosigen Farben, so dass auch er weich wird und sich in sie verliebt. Er will Claudio freigeben, wenn sie ihm zeige, wie himmlisch die Liebe sei. Nun ruft Isabella das Volk herbei und versucht, Friedrich bloß zu stellen, doch dieser leugnet.
Da erinnert Isabella sich an Mariana und erfindet eine List. Sie verspricht Friedrich ein Abenteuer für die morgige Nacht. Das Nähere will sie ihm in einem Brief mitteilen. Der bereits lüsterne Statthalter verspricht, dann den Bruder frei zu lassen. Das Volk aber ist verwirrt, weil es ihre Hintergedanken nicht kennt.
ZWEITER AKT
1. Bild: Gefängnisgarten
Claudio erwartet Isabella, unsicher über sein Schicksal. Sie erscheint und eröffnet ihm, dass er um den Preis ihrer Entehrung freikommen solle. Zunächst regt er sich über den Frevler auf, doch seine Todesangst ist stärker und er fleht sie an ihn zu erretten. Sie ist enttäuscht, wie wenig ihr Bruder um ihre Ehre gibt und lässt ihn trotz anschließender Reue zunächst wieder abführen.
Dann entwickelt sie ihren Plan: Sie wird Friedrich maskiert zu einem Pavillon bestellen, aber statt ihrer Mariana dorthin senden. Den Bruder wird sie bestrafen, indem sie ihm zunächst das Begnadigungspatent vorenthält, er soll erst noch ein Weilchen in Todesangst schweben.
Dorella kommt hinzu. Ihr übergibt sie je einen Brief zur Übergabe an Friedrich und an Mariana. Auf die Frage nach Luzio erklärt Dorella, dass dieser auch sie angeblich liebe, aber ein Weiberheld und treulos sei.
Ohne Dorella zu bemerken, nähert sich Luzio mit schmachtenden Worten Isabella. Da zeigt sich Dorella und beide Frauen stellen ihn zur Rede. Er leugnet alles, obwohl Dorella einen Brief und einen Ring von ihm besitzt. Als dann Isabella noch erklärt, dass sie als Preis für die Freiheit ihres Bruders ein Stelldichein mit Friedrich vereinbart habe, wird er rasend vor Eifersucht und will mit seinem Leben für sie kämpfen.
Dorella eilt mit den Briefen davon und Pontio kommt. Isabella bittet ihn, das Begnadigungspatent für ihren Bruder abzufangen und ihr zu übergeben. Gegen eine Geldbörse, die sie ihm zuwirft, ist er dazu bereit.
Isabella verabschiedet sich. Und als Luzio Pontio befragt, wie er hierher komme, erklärt dieser, dass er nach Schließung aller Vergnügungsstätten nun eine Arbeit als Gefängnisschließer übernommen habe und zu den Sittenwärtern übergegangen sei. Als Luzio auf ihn losgehen will, ruft Pontio die Sbirren herbei und will ihn festnehmen lassen. Doch Luzio kann entfliehen.
2. Bild: Ein Zimmer in Friedrichs Palast.
Friedrich erwartet mit Sehnsucht die Nachricht Isabellas. Als Brighella endlich Dorella mit dem Brief hereinführt, kommt ist er mit sich ins Unreine, ob er gegen sein eigenes Gebot verstoßen darf. Aber seine Liebestollheit gewinnt die Oberhand. Dennoch unterschreibt er Claudios Todesurteil und ist bereit, für seinen eigenen Verstoß mit ihm zu sterben.
Als er gegangen ist, verdreht Dorella dem Anführer der Sbirren so sehr den Kopf, dass auch dieser das Gesetz Friedrichs verflucht. Sie vereinbaren, sich bei den Vergnügungsstätten als Pierrot und Colombine zu treffen.
3. Bild: Am Ausgang des Korso. Parkähnliche Anlage mit Vergnügungstätten und Lusthäuschen
Das Volk hat beschlossen, sich über das Verbot Friedrichs hinwegzusetzen. Danieli bringt Wein und Erfrischungen, Antonio, Angelo und Luzio beginnen, alles für die bevorstehende Prozession zu organisieren. Man tanzt und amüsiert sich. Brighella eilt mit Sbirren herbei. Antonio fordert das Volk auf, Brighella zu bekämpfen. Luzio aber mahnt, das vorläufig zu lassen, die Masken abzunehmen und sich zurückzuziehen. Da das Volk vermutet, dass Luzio einen besonderen Grund habe, zerstreuen sie sich in der näheren Umgebung und die Sbirren – außer Brighella – folgen ihnen. Allein geblieben wechselt Brighella schnell in die Maske des Pierrot, sucht ängstlich nach Dorella und versteckt sich im Gebüsch.
Isabella und Mariana erscheinen im gleichen Kostüm. Isabella bittet ihre Novizinnenschwester hier auf Friedrich zu warten und zieht sich zurück. Friedrich kommt maskiert. Luzio, der sich in der Nähe aufgehalten und ihn erkannt hat, schleicht ihm nach und fordert ihn auf, an der Narrenprozession teilzunehmen. Friedrich, als Narr ertappt aber – wie er glaubt – noch nicht erkannt, sagt schließlich zu, später dazu zu kommen. Luzio stellt sich so, als ob er sich entferne. Dann sieht Friedrich Mariana – die vermeintliche Isabella – und eilt auf ihr Zeichen mit ihr ab.
Luzio, der ihm nacheilen will, wird von Dorella aufgehalten, die sich ihm an den Hals wirft, was Isabella, die das aus ihrem Versteck sieht, eifersüchtig macht. Sie sieht aber ein, dass Dorella ihn zurückhalten muss, um Blutvergießen zu verhindern. Dann bemerkt sie aber auch, dass er die Lästige loswerden will. Auch Brighella beobachtet aus dem Gebüsch das Paar und rast vor Wut. Luzio kann sich schließlich losreißen, läuft aber in seiner Verwirrung in die falsche Richtung. Brighella springt wie wahnsinnig auf Dorella los, die entsetzt vor ihm davoneilt.
Pontio bringt Isabella, die ebenfalls hervorgetreten ist, das vermeintliche Begnadigungspatent für ihren Bruder, das er abgefangen hat. Verwirrt erblickt er Brighella, der ihn seinerseits bittet, die Bewachung Friedrichs zu übernehmen, und dann Dorella nachläuft.
Isabella hat das Siegel erbrochen und muss feststellen, dass es ein Todesurteil mit sofortiger Wirkung ist, ruft das Volk herbei und fordert es auf, zu den Waffen zu greifen. Auch Luzio kommt, rasend vor Wut, weil er in der mit Friedrich entschwundenen Mariana Isabella vermutet hat. Doch im rechten Moment erscheint Pontio mit dem ergriffenen Liebespaar, entreißt Friedrich die Maske, der nun entblößt vor dem Volke steht. Isabella klärt die Umstände ihrer List auf und eröffnet dem Volk auch, dass Friedrich statt der versprochenen Begnadigung ein Todesurteil gefällt hat. Nun bittet Friedrich, ihn selbst nach seinem Gesetz zu richten.
Doch das Volk will gnädiger sein als er und hebt das Gesetz auf. Mehrere Sbirren bringen den entlarvten Brighella und Dorella. Der befreite Claudio wird herbeigeführt.
Dorella erzählt Isabella, dass Brighella sie heiraten will und nun Luzio für Isabella frei sei.
Da wird angekündigt, dass der König gelandet ist. In einem Maskenzug zieht ihm das Volk entgegen - voran Friedrich mit der wieder mit ihm vereinigten Mariana und die weiteren Liebespaare.
© Copyright by Gerhard Wischniewski