Rezensionen im "online musik magazin"...

  • ... finde ich persönlich überwiegend verhauen. Wie bei der "opernwelt" so wird auch hier die Fahne "Regietheater - es lebe hoch, hoch, hoch" geschwenkt. Geradezu albern, was da bzgl. des neuen Kölner Rigoletto zu lesen ist: "Hübsch inszeniert" soll der also sein und "Hin und wieder tut es ja ganz gut, eine Operninszenierung zu sehen, die nichts anderes will als ganz einfach eine Geschichte erzählen." Oh, wie lieb, dass man unsereins das mal gönnt. Nur leider ist dieser Rgoletto weder "hübsch", noch erzählt die Regiesseuse "einfach" nur. Und sie ist bestimmt nicht für "ein Publikum, das den Rigoletto im Wesentlichen so erleben will, wie es im Textbuch steht". Steht im Textbuch was von Riesenpenis? Von Blümchentapeten? Von auf den Kopf gestellten Palastwänden? Von Revuenummern? Von Kostümen, die irgendwo zwischen dem Jetzt und vor 100 Jahren angesiedelt sind?


    "Ohne intellektuellen Anspruch" soll diese Inszenierung auch noch sein und damit soll sie bestens passen ins "Repertoire der ersten Häuser". What next??????

  • Klingt nach einem Schundblatt. Ab in die Tonne!


    Aber die versuchen heutzutage wirklich alles, um ihren Schrott schönzureden.


    Vermutlich ist dieses "online musik magazin" von der Regietheater-Mafia (ich liebe das Wort) finanziert.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Für die Kreation dieses Wortes bin ich von den Handlangern geschmäht und verbal bespuckt worden. Fand ich damals furchtbar. Heute muss ich drüber lachen.

  • Schön wäre es, wenn man herausbekommen könnte, von wem diese Schönfärberei gesteuert wird. Unabhängig sind sie ganz offensichtlich alle nicht.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • An der Rheinoper haben einige der Autoren des Online Musik Magazin Hausverbot, weil sie häufiger auch gegenüber von Sängern beleidigend geworden sind. Und mit einem von ihnen habe ich auch schon eine länger Mail Korrspondenz gehabt, da er grundsätzlich alle Premieren der Rheinoper " zerissen " hat, ganz egal wie gut sie waren. Daran kann man schon erkennen, wie unprofessionell diese "Autoren" sind. Als ich ihm geschrieben hatte, ob wir beide denn in der gleichen Premiere waren, da ich seine Sichtweise über die besuchte Premiere nicht teilen könne, schrieb er mir erbost zurück, wer von uns denn der Kritiker sei und ich hätte ja eh keine Ahnung , ich sei halt nur ein einfacher Opernbesucher .

  • Also, diese harsche Sicht von OMM kann ich nicht ganz teilen. Die Britten - Opern wie Billy Budd und Peter Grimes in Düsseldorf wurden gut besprochen, und auch die guten Inszenierungen in Gelsenkirchen wie Gloriana, Tote Stadt, Rheingold (konzertant) und Mefistofele wurden sachgerecht und gerecht gewürdigt. Das heißt aber nicht, dass in den hier besprochenen Fällen die Taminos nicht richtig liegen.

    "Das sieht ja sehr verlockend aus", denkt man sich, wenn man lauter fremde Herrschaften zu atonaler Musik tanzen sieht, "da geh ich, glaub ich, nicht hin!" (Harry Rowohlt)

  • Wobei es beim OMM auch immer nur ein gewisser Autor ist, der schlechte Kritiken über die Rheinoper schreibt. Und alle Premieren des Aalto Theaters in Essen . wobei die meisten sängerisch und szenisch weit unter dem Niveau der Rheinoper lagen, werden bejubelt.

  • Ich denke auch, dass die Kritken des OMM vollkommen unprofessionell sind. Aber es gibt kaum noch Kritiker, die klassische Inszenierungen ausreichend zu würdigen wissen. Besonders krass finde ich ja in letzter Zeit den "Opernfreund"! Da werden absolut gruselige, provinzielle Regietheater-inszenierungen übelster Sorte teilweise seitenlang in den Himmel gelobt (u.a. durch einen gewissen Herrn Steinbach). Wenn ich sowas lese, werde ich teilweise echt aggressiv!
    Ich finde es einfach nur schrecklich, wenn wie beim Kölner Rigoletto eine völlig entstellende, hässliche Aufführung geboten wird und dann zu lesen ist: Das war altbacken, nicht intellektuell genug, völlig konventionell......


    Umso lesenswerter und amüsanter finde ich die Arbeit von "Against Modern Opera Productions".


    http://www.facebook.com/pages/…oductions/146292958770872


    Auch wenn ich selbst nicht auf Facebook bin, ist es immer eine Freude das dort gepostete zu lesen, wobei die mit dem leidigen Thema Regietheater durchaus humorvoll umgehen!

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Auch wenn ich Herrn Ludwig Steinbach als kompetenten Gesprächspartner und zumindest bei Rezensionen von Bild- und Tondokumenten von Opern und Interpreten fairen und kenntnisreichen Kritiker kennenlernte, möchte ich nicht ins Thema einsteigen, weil ich die zitierten Zeitschriften und die Kritiken der besprochenen Aufführungen im Detail nicht kenne. Steinbach schreibt auch für die "Festspielnachrichten" der Bayreuther Festspiele und was ich ihm hoch anrechne, er bemüht sich sehr, junge Sängerinnen und Sänger journalistisch zu unterstützen und sie dadurch zu fördern.
    Warum ich dennoch schreibe ist, dass ich mich sehr, sehr freue, dass Knusperhexe wieder im Forum ist und in altbewährter Weise schreibt


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Auch wenn ich Herrn Ludwig Steinbach als kompetenten Gesprächspartner und zumindest bei Rezensionen von Bild- und Tondokumenten von Opern und Interpreten fairen und kenntnisreichen Kritiker kennenlernte, möchte ich nicht ins Thema einsteigen, weil ich die zitierten Zeitschriften und die Kritiken der besprochenen Aufführungen im Detail nicht kenne. Steinbach schreibt auch für die "Festspielnachrichten" der Bayreuther Festspiele und was ich ihm hoch anrechne, er bemüht sich sehr, junge Sängerinnen und Sänger journalistisch zu unterstützen und sie dadurch zu fördern.



    Herzlichst
    Operus


    Lieber Operus,
    auch wenn du nicht ins Thema einsteigst, würde ich gerne meine Meinung an einigen Beispielen erläutern...
    Der erwähnte Rezensent (Er ist beim Opernfreund aber nicht der Einzige, der diese Art von Bereichterstattung betreibt) hat z. B. eine Aufführung der historischen Münchner Bohème von Otto Schenk aus dem Jahr 1969 beschrieben, die letztes Jahr restauriert wurde und sich bei sämtlichen Publikumsschichten, gerade aber auch bei jungen Menschen nach wie vor größter Beliebtheit erfreut. Der betreffende Kritiker fand damals jedoch sinngemäß, das sei eine Aufführung die wie ein altes Gemälde wirke und deshalb sei das ganze nur was für ältere Leute, eine Tatsache, die schlicht und einfach falsch ist! Ich weiß selbst wie sehr gerade junge Menschen, diese Inszenierung lieben und verehren - ist sie doch eine der wenigen verbliebenen Möglichlichkeiten in München Oper völlig unverfälscht zu erleben. Ferner äußert Herr S. in seiner Kritik den Wunsch nach einer Neuproduktion und schlägt dabei Calixto Bieito als Regisseur vor. Entschuldigung - aber was soll das? Nichts gegen die persönlichen Vorlieben dieses Herrn, aber ich finde solche Äußerungen von Rezensenten äußerst bedenklich. Man stelle sich nur vor, in der Staatsoper wird das gelesen und am Ende passiert das, was ich hier nicht wage auszusprechen - ein solches Ergebnis wäre für Opernhaus UND Publikum ein einziges Desaster!
    Ferner wird im Opernfreund eine Aufführung von Madame Butterfly in Essen von mehreren Rezensenten seitenlang in den Himmel gelobt und gar als Aufführung des Jahres bezeichnet. Schön, wenn es den Herren gefallen hat - aber wenn ich mir die Bilder ansehe, kommt mir das Grausen - da würde ich gegen Bezahlung nicht reingehen und meine Tante aus Düsseldorf, die auch öfters in Essen in die Oper geht hat mir Ähnliches erzählt....
    Es fällt jedenfalls auf, das Herr S. & Co in ihren Berichten wirklich seitenweise über die Großartigkeit dieser Art von Inszenierung schwadronieren, die Gesangsleistungen der Sänger aber am Ende jedoch in einigen, wenigen Zeilen abgehandelt werden, was ich einfach nur noch traurig finde! Als Kritiker trägt man schließlich Verantwortung!


    Viele Grüße
    Figarooo

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Lieber Figaro,


    die Negierung und nicht genügende Würdigung der Sängerleistungen ist auch aus meiner Sicht ein Problem. "Moderne" Kritiker setzen die Schwerpunkte,
    bei Werk und Werkhintergründen, Regie und der Deutung einer eventuell vorhandenen Regiekonzeption sowie Ausstattung. Musikalische Intrpretation und vor allem Sängerleistungen kommen meist unter ferner liefen. Ich versuche, wenn ich noch schreibe, anders zu gewichten. Oft wird dann gerade bei den Ausführungen über Sänger gekürzt und gestrichen, eine Tendenz, die mich immer schreibunlustiger macht.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Diese sonderbare Schwerpunktsetzung läßt sich vermutlich ganz einfach dadurch erklären, daß ein musikalisches Grundwissen bzgl. Sänger- und Orchesterleistungen schlichtweg nicht vorhanden ist. Die wissen doch schlichtweg gar nicht, ob diese oder jene Gesangsleistung nun hervorragend, gut, mäßig oder desaströs war, ob der Dirigent und das Orchester einen Glanzpunkt darboten, mittelmäßige Durchschnittskost oder eine langweilige Pflichtübung mit einigen Schnitzern.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Es gibt jedoch auch positive Ausnahmen. Der "Neue Merker" Wien ist eine Sängerzeitung. Hier wird qualifiziert und kenntnisreich über Sänger und Gesangsleistungen geschrieben. Die Wiener sind halt zusammen mit den Italienern die Sängerfans schlechthin. Außerdem schön, dass eine ganze Reihe Taminos zu den ständigen Rezensenten dieser mit Liebe geamchten Zeitschrift gehören.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich denke auch, dass die Kritken des OMM vollkommen unprofessionell sind. Aber es gibt kaum noch Kritiker, die klassische Inszenierungen ausreichend zu würdigen wissen. Besonders krass finde ich ja in letzter Zeit den "Opernfreund"! Da werden absolut gruselige, provinzielle Regietheater-inszenierungen übelster Sorte teilweise seitenlang in den Himmel gelobt (u.a. durch einen gewissen Herrn Steinbach). Wenn ich sowas lese, werde ich teilweise echt aggressiv!
    Ich finde es einfach nur schrecklich, wenn wie beim Kölner Rigoletto eine völlig entstellende, hässliche Aufführung geboten wird und dann zu lesen ist: Das war altbacken, nicht intellektuell genug, völlig konventionell......

    Ja, die wollen einen echt für blöd verkaufen, damit der Rubel rollt. Ich konnte das auch in Bonn beobachten, da wurde auf einmal auch alles als Konverntionell und familientauglich bewertet, damit nur ja keiner zu Hause bleibt. Vielelicht schreibe ich auch hier einen Leserbrief! Das fuchst die nämlich tierisch:-)

  • Der von mir oben kritisierte Rezensent des Opernfreundes hat mit einem 26jährigen Regisseur vom Staatstheater Darmstadt, der zweimal bewusst relativ konventionell inszeniert hat, ein Interview geführt, in dem einige Passagen mir die Haare zu Berge stehen lassen. Darin wirft der Interviewer dem jungen Regisseur regelrecht vor, nicht werkentstellend inszeniert zu haben....
    Ich kopiere die entsprechenden Passagen hier her....


    OF: Bei Ihnen ist Oper noch Oper. Sie lassen die „Lucia“ in einem konventionellen Ambiente spielen und die einzelnen Figuren in ihrem ursprünglichen Kontext. Die Anforderungen an das moderne Musik- oder auch Regietheater sind indes etwas anders. Heutzutage präsentieren Regisseure permanent neue Sichtweisen auf die Werke, krempeln diese regelrecht um und verkehren die Charaktere oft in ihr Gegenteil. Dabei schrecken sie auch vor Provokationen nicht zurück. Wie stehen Sie zu diesem zeitgenössischen Trend?


    K: Grundsätzlich hat jeder Regisseur seine eigenen Sichtweisen auf die Werke. Und das ist auch notwendig, denn ansonsten würde die kulturelle Vielfalt, wie wir sie gerade in Deutschland haben, nicht mehr lange existieren. Produktionen in Berlin hätten dann dasselbe Erscheinungsbild wie in Bayreuth. Ich lasse mich, wenn ich Regie führe, immer von der Musik inspirieren und entwickle aus ihr heraus meine Interpretationen. Wenn das richtige Werk kommt, kann ich mir aber gut vorstellen, in Richtung Moderne zu inszenieren und die Opern auch einmal auf provokante Art und Weise umzukrempeln. Das könnte schon sehr spannend werden. Dietrich Hilsdorfs grandiose „Otello“-Produktion in Bonn und Stefan Herheims phantastische Bayreuther „Parsifal“-Inszenierung, die beide auf diesen Ansatzpunkten beruhten, waren für mich unglaublich starke Theatererlebnisse. Aus diesem Grund bin ich auch prinzipiell nicht abgeneigt, mich bei passender Gelegenheit an diesem Stil zu versuchen.


    OF: Jedenfalls ist es für heutige Regisseure unabdingbar, die Stücke zu modernisieren, wenn sie dem kulturpolitischen Auftrag aller Theater und Opernhäuser, einen Spiegel der Jetztzeit zu bilden, erfüllen wollen. Vielleicht ist es dafür nicht unbedingt erforderlich, den Inhalt einer Oper gänzlich in sein Gegenteil zu verkehren. Essentiell ist aber, dass Inszenierungen Probleme der Gegenwart reflektieren. Davon ist indes in Ihrer „Lucia“-Produktion nichts zu merken. Inszenieren Sie lieber gleichsam mit dem Reclam-Heft in der Hand und letztlich harmlos an dem Werk entlang, anstatt dessen Rezeptionsgeschichte um eine neue, bahnbrechende Sichtweise zu bereichern?


    K: Ich bin jetzt 26 Jahre alt und habe erst zwei Opern inszeniert. In diesem jugendlichen Alter kann mein ganzes Potential noch gar nicht ausgereift sein. Man entwickelt sich ja auch ständig weiter. Und das ist auch gut so. Ich habe nicht das Gefühl, dass meine „Lucia“ naiv oder unreflektiert ist. Es werden in der Produktion durchaus auch Probleme der Jetztzeit bebildert, wenn auch in einer abstrahierten Form. Das habe ich aber ganz bewusst so gemacht. Ich möchte noch viele neue Sachen ausprobieren und denke, dass sich mein Entwicklungsprozess stetig fortsetzen wird, wenn ich andere Werke, die nicht unbedingt aus dem Belcanto-Fach stammen müssen, auf die Bühne zu bringen habe.


    OF: Mit Ihrer Inszenierung haben Sie sicherlich dem erzkonservativen Darmstädter Auditorium einen großen Gefallen erwiesen. Wären Sie an einem anderen Operntheater anders an die „Lucia“ herangegangen? Hätte Ihre Interpretation des Stückes beispielsweise an den modern ausgerichteten Häusern von Stuttgart, Frankfurt, Freiburg oder Mainz anders ausgesehen?


    K: Unbedingt. Man erarbeitet eine Produktion ja stets auch für das betreffende Opernhaus und sein Publikum. Die Geschmäcker sind überall verschieden. An einem Ort mag man romantische Inszenierungen, an einem anderen bevorzugt man dagegen moderne Deutungen. Darmstadt steht für Werktreue. Deshalb muss man diese als Regisseur hier auch bedienen. Gerade im Rhein-Main-Gebiet, wo es sehr viele Operntheater in kurzer Distanz aufeinander gibt, muss jedes Haus sich ein ganz klares Profil schaffen. Und für Darmstadt bedeutet das, den konventionellen Weg zu gehen.


    OF: Für die Laufbahn eines jungen Regisseurs kann ein ausgesprochen kräftiges Buhkonzert, über das die Medien überregional und breit berichten, weitaus wichtiger sein, als eine lediglich schöne Aufführung, die von den Zuschauern zwar freundlich beklatscht, aber von der Fachpresse nicht sonderlich beachtet wird und schließlich mehr oder weniger unbemerkt wieder versiegt. Sind Sie sich dieser Tatsache bewusst? Inszenieren Sie für das Publikum oder für Ihre Karriere?


    K: Wenn ich lediglich für meine Laufbahn inszenieren würde, wäre das nicht richtig. Natürlich ist es wesentlich für mich, meine Karriere ordentlich voranzutreiben. Andererseits ist mir aber im Augenblick der Dialog mit dem Auditorium viel wichtiger. Denn es geht ja nicht nur darum, Kritik an der heutigen Zeit und unserer modernen Gesellschaft zu üben, sondern auch darum, das Publikum in andere, unbekannte Welten und fremde Gesellschaftskonstellationen zu entführen. Andererseits erschöpft sich der Zweck einer Regiearbeit nicht nur darin, den Zuschauern leicht verdaubare Kost zu präsentieren. Man muss die Menschen auch für das Theater begeistern, sonst bleiben die Besucher eines Tages aus. Und was wäre Oper ohne Publikum?


    Ich finde es abermals krass, wie Kritiker oftmals das Publikum einfach so ignorieren!

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Zitat

    "Die Anforderungen an das moderne Musik- oder auch Regietheater sind indes etwas anders. [...] Jedenfalls ist es für heutige Regisseure unabdingbar, die Stücke zu modernisieren, wenn sie dem kulturpolitischen Auftrag aller Theater und Opernhäuser, einen Spiegel der Jetztzeit zu bilden, erfüllen wollen."


    Sagt wer? Seit wann ist das eine Voraussetzung für Kunst? So ein Schwachsinn. :thumbdown:


    Das entlarvt diese Verunstalter geradezu:


    Zitat

    "Für die Laufbahn eines jungen Regisseurs kann ein ausgesprochen kräftiges Buhkonzert, über das die Medien überregional und breit berichten, weitaus wichtiger sein, als eine lediglich schöne Aufführung, die von den Zuschauern zwar freundlich beklatscht, aber von der Fachpresse nicht sonderlich beachtet wird und schließlich mehr oder weniger unbemerkt wieder versiegt. Sind Sie sich dieser Tatsache bewusst?"


    Es geht also nur um die ach so tollen Skandale, die die Klatschpresse freudig aufgreift. Hauptsache, schön oberflächlich. Na dann gute Nacht, Kultur! :no:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Was der betreffende Rezensent Herr S. im Opernfreund des weiteren über die vom Publikum einhellig abgelehnte Macbeth-Inszenierung von Martin Kusej in München schreibt ist einafch nur unglaublich:

    ...Insgesamt legt Kusej eine sehr frauenfeindliche Haltung an den Tag. Er begegnet dem weiblichen Geschlecht mit harscher Kritik. Aus der Erkenntnis heraus, dass sie es sind, die ihre Männer immer wieder zu dunklen Taten treiben, entlarvt er sie als moderne Hexen und als die wahre Ursache allen Übels. Das sei heute nicht anders als zu Zeiten Shakespeares und Verdis. Konsequenterweise werden sie von Werner Fritz in moderne Kostüme gesteckt. Lady Macbeth, die hier sowohl als Verführerin wie auch als Mörderin erscheint, ist ihr Prototyp. Anhand der Hexenszenen wurde nur allzu offenkundig, dass Kusej Massen ausgezeichnet zu führen versteht. Auf der anderen Seite wartete er hier auch mit dem krassesten Regieeinfall des Abends auf: Die Szene, in der einige der diabolischen Damen unvermittelt ihre Geschlechtsteile entblößten und begannen, auf den Boden zu pissen, löste einen regelrechten Tumult im Auditorium aus. Neben kräftigem Applaus gab es ungemein starke Buhrufe und erboste Zwischenrufe. „Aufhören“ und „Povero Verdi“ (in Deutsch: „Armer Verdi“) war da zu vernehmen. Einige Zuschauer verließen angewidert den Zuschauerraum und schlugen bewusst stark die Türen zu(....)An dieser Stelle ein Lob an die Chordamen, dass sie da so mutig mitmachten.Die später von der Decke herabhängenden nackten Kriegerleichen sowie eine Reihe barbusiger Hexen wurden dagegen vom Publikum immerhin widerspruchslos hingenommen. Aber nicht nur Frauen sind in dieser Produktion Hexen, sondern auch Kinder. Den historisch an vielen Orten Europas verfolgten Kinderhexen kommt hier eine zentrale Bedeutung zu....


    Die oben beschriebene Szene ist an Widerlichkeit kaum zu überbieten. Als ich die Aufführung gesehen hatte, saß neben mir eine Dame, die gestand, während dieser Szene kurz davor gewesen sei, sich übergeben zu müssen! Der Rezensent findet das jedoch scheinbar gut - die Dummen sind die Leute im Publikum, die das "Genie" Kusej verkennen! Auch wird die (vermeintlich) frauenfeindliche Haltung dieses Prolls einfach so gut geheißen. (Ich glaube sowieso nicht, dass diese Szenen so gemeint waren!)
    Langsam frage ich mich, ob der Steinbach das, was er schreibt, wirklich so meint oder ob der Herr seine Leser mit seinem schrägen Humor einfach nur vera.......!
    Weiterhin fällt auf, dass auch in dieser Rezension das Palaver über diesen inszenatorischen Dreck wieder mal kein Ende nimmt - die Sänger, die sich diesem Schrott aussetzen müssen und dennoch gezwungen sind alles zu geben, werden ihrer Leistung kaum gewürdigt. :cursing::cursing::cursing::cursing::cursing:

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Langsam frage ich mich, ob Herr Steinbach das, was er schreibt, wirklich so meint oder ob der Herr seine Leser mit seinem schrägen Humor einfach nur vera.......!


    Nein, ich glaube, der meint das wirklich ernst. Das ist ja das Schlimme. >Immer gerade so, wie man es braucht. Ein Kusej darf natürlich alle heiligen Kühe der political correctness ohne weiteres schlachten. :cursing::cursing::cursing::hello:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Die Szene, in der einige der diabolischen Damen unvermittelt ihre Geschlechtsteile entblößten und begannen, auf den Boden zu pissen, löste einen regelrechten Tumult im Auditorium aus. Neben kräftigem Applaus gab es ungemein starke Buhrufe und erboste Zwischenrufe. „Aufhören“ und „Povero Verdi“ (in Deutsch: „Armer Verdi“) war da zu vernehmen. Einige Zuschauer verließen angewidert den Zuschauerraum und schlugen bewusst stark die Türen zu(....)


    Hier ist das Wort "Kulturschande" wohl mal wirklich angebracht.


    Daß es bei so einer abartigen Perversität noch zu "kräftigem Applaus" kam, gibt einem zu denken, aus welchen proletischen Subjektiven sich das heutige Opernpublikum so zusammensetzt.


    Das ist völlig indiskutabel. Entzieht diesem Kušej die Lizenz!

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Es kam bei dieser Szene niemals zu irgendeiner Form von Applaus. Es herrschte Wut, Verständnislosigkeit, Ekel und vielleicht auch Resignation im Publikum. Aber Applaus? - Nope!!!!

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • OF: Jedenfalls ist es für heutige Regisseure unabdingbar, die Stücke zu modernisieren, wenn sie dem kulturpolitischen Auftrag aller Theater und Opernhäuser, einen Spiegel der Jetztzeit zu bilden, erfüllen wollen. Vielleicht ist es dafür nicht unbedingt erforderlich, den Inhalt einer Oper gänzlich in sein Gegenteil zu verkehren. Essentiell ist aber, dass Inszenierungen Probleme der Gegenwart reflektieren. Davon ist indes in Ihrer „Lucia“-Produktion nichts zu merken. Inszenieren Sie lieber gleichsam mit dem Reclam-Heft in der Hand und letztlich harmlos an dem Werk entlang, anstatt dessen Rezeptionsgeschichte um eine neue, bahnbrechende Sichtweise zu bereichern?


    Ich glaub`, ich muss mich jetzt übergeben! So viel arrogantes Schwachmaatentum stülpt mir den Magen um!

  • Auf der anderen Seite wartete er hier auch mit dem krassesten Regieeinfall des Abends auf: Die Szene, in der einige der diabolischen Damen unvermittelt ihre Geschlechtsteile entblößten und begannen, auf den Boden zu pissen, löste einen regelrechten Tumult im Auditorium aus. Neben kräftigem Applaus gab es ungemein starke Buhrufe und erboste Zwischenrufe. „Aufhören“ und „Povero Verdi“ (in Deutsch: „Armer Verdi“) war da zu vernehmen. Einige Zuschauer verließen angewidert den Zuschauerraum und schlugen bewusst stark die Türen zu(....) An dieser Stelle ein Lob an die Chordamen, dass sie da so mutig mitmachten. Die später von der Decke herabhängenden nackten Kriegerleichen sowie eine Reihe barbusiger Hexen wurden dagegen vom Publikum immerhin widerspruchslos hingenommen. Aber nicht nur Frauen sind in dieser Produktion Hexen, sondern auch Kinder. Den historisch an vielen Orten Europas verfolgten Kinderhexen kommt hier eine zentrale Bedeutung zu....


    Diese Sache scheint mir sogar strafrechtlich relevant zu sein, vor allem, wenn der Zugang zu dieser Oper nicht am Eingang streng kontrolliert wurde (18 Jahre). Vielleicht wäre hier mal eine Strafanzeige hilfreich, selbst wenn sie dann wegen Kunstvorbehalt abgeschmettert wird. Aber den kontrollierten Zugang wird die Oper nachweisen müssen, das gilt für Kinos und Discos auch.

    "Das sieht ja sehr verlockend aus", denkt man sich, wenn man lauter fremde Herrschaften zu atonaler Musik tanzen sieht, "da geh ich, glaub ich, nicht hin!" (Harry Rowohlt)

  • Nachtrag: ich meine zudem, dass die Chordamen solchen Exhibitionismus verweigern dürften. Ich sehe das parallel zu folgendem Tatbestand, den mir ein befreundeter Geiger erzählt hat. Die meisten Musiker haben einen Passus in ihren Verträgen, dass sie das Spielen bestimmter Stücke verweigern dürfen, wenn das unzumutbar ist, wenn sie z.B. zu körperlichen Schäden oder zur Beschädigung oder gar Zerstörung des Instrumentes führen.

    "Das sieht ja sehr verlockend aus", denkt man sich, wenn man lauter fremde Herrschaften zu atonaler Musik tanzen sieht, "da geh ich, glaub ich, nicht hin!" (Harry Rowohlt)

  • Wenn man das liest - ich möchte diesen seltsam gestrickten Herrn nicht ein weiters Mal zitieren, weil dieses unglaubliche Zitat viel zu widerwärtig ist - bleibt einem normalen Mensche einfach die Spucke weg. Und den Regisseur sollte man zu einigen Jahren Kloakenentleerung verurteilen!! :evil:


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Diese Sache scheint mir sogar strafrechtlich relevant zu sein, vor allem, wenn der Zugang zu dieser Oper nicht am Eingang streng kontrolliert wurde (18 Jahre). Vielleicht wäre hier mal eine Strafanzeige hilfreich, selbst wenn sie dann wegen Kunstvorbehalt abgeschmettert wird. Aber den kontrollierten Zugang wird die Oper nachweisen müssen, das gilt für Kinos und Discos auch.


    Das halte ich wirklich für eine sehr gute Idee, auch wenn, wie du sagst, die Chance auf Erfolg eher gering ist. Ich habe in der betreffenden Szene auch eine Dame gesehen, die ihrer geschätzt 11-jährigen Tochter die Augen zuhielt ^^

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Man sollte in der Tat mal schwerere Geschütze auffahren, damit dieser Schwachsinn ein Ende hat. Das hat doch mit Kunst und Oper rein gar nichts mehr zu tun. Da geht es lediglich noch um die kranken Ideen gewisser "Regisseure", die sie unters Volk bringen wollen, getarnt durch großartige Kompositionen, welche die Leute anlocken. Die Sänger, das Orchester, der Dirigent, alle werden unfreiwillig Marionetten des "Regisseurs", die am Ende oft noch den Unmut des Publikums aushalten dürfen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid