Veriano Luchetti - im Schatten der 3 Tenöre

  • Wie ich soeben erfahren habe ist heute der italienische Tenor Veriano Luchetti im Alter von 73 Jahren verstorben.
    R.I.P.



    Jolanthe

  • Hallo Jolanthe,


    ich erlebte Veriano Luchetti vor Jahren einmal in der Arena von Verona in Verdis "Attila".



    Eine sehr schöne Einspielung gibt es von Verdis "Requiem" unter seiner Mitwirkung (Dirigent: Riccardo Muti).


    Luchetti war ein tüchtiger Tenor, der oft im Schatten der führenden "Startenöre" stand, zudem auf Tonträgern (leider) hoffnungslos unterrepräsentiert.


    Gruß
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Veriano Lucchetti war bei den Opernfans und Melomanen meiner Meinung nach immer sträftlich unterschätzt!


    Ich habe ihn mehrmals im Requiem von Verdi und einmal als Arrigo in der Sizilianischen Vesper gehört. Er war ein Sänger mit einer sehr schönen und gut geführten Stimme, der mit stilistischer Sorgfalt und mit feinem Geschmack sang. Er war nicht so sehr auf Wirkung und Effekt aus sondern gestaltete seinen Part immer sehr musikalisch. Auf der von Jolanthe erwähnten Nabucco-Aufnahme kann man hören, dass er selbst eine Rolle wie dem Ismaele Profil geben konnte. Gleiches ist ihm auf der Macbeth-Aufnahme unter der Leitung von Chailly mit den Maxduff gelungen.



    Die wohl beste Aufnahme, die er hinterlassen hat, ist meiner Meinung nach sein Vasco:



    Da hat man dann auch noch die ganz junge Norman in einer grandiosen Interpretation der Selica! Eine must-hear-Aufnahme!


    Wer die völlig überforderte Sylvia Sass ertragen kann, wird sich auch an Veriano Lucchetti als Jason in der Medea von Cherubini erfreuen können:




    Ziemlich spät in seiner Karriere war wohl die Aufführung der FORZA, aus der man auf YouTube das Duett mit Wixell hören kann.
    Immerhin hört man da, wie er auch in hochdramatischen Partien kontrolliert und auf Linie zu singen wusste und diesen Linien eine klare Profilierung gab!
    Es lohnt sich, das mal anzuhören:



    http://www.youtube.com/watch?v=E1X9ylX1jQw



    Ich werde Lucchetti sicher nicht vergessen!


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Es gab auch einmal einen Attila im Fernsehen mit Nesterenko. Da wirkte auch Luchetti mit. Es war meine Erstbegegnung mit ihm und dadurch wurde ich auf ihn aufmerksam.
    Auch seinen Vasco da Gama kenne ich, da ich auch die von Caruso41 genannte Aufnahme besitze.


    Hier noch die sizilianische Vesper als DVD mit ihm:


    :hello:
    Jolanthe

  • Liebe Jolanthe!


    Den Hinweis auf die DVD mit der Vespri Siciliani find ich ganz wichtig!
    Lucchetti kommt mit der gefährlich hoch liegenden Tessitura der Partie entschieden besser zurecht als die meisten anderen Tenöre, von denen es Gesamtaufnahmen gibt. Allerdings singt er hier nicht ganz so differnziert wie in seinen anderen genannten Aufnahmen sondern lässt sich - zumal in den Duetten - von Nucci zu plakativem stentorian-con-belto-Wettsingen verführen!


    In der Partie des Arrigo würde ich auf jeden Fall Gedda (neben Caballé) vorziehen, zumal er in der Gefängnisszene einfach so unbeschreiblich schön singt!
    Die von Jolanthe vorgestellte Aufzeichnung der Vespri lohnt dennoch ganz besonders, weil man hier eine der wenigen Aufnahmen von der großartigen Susan Dunn hat, deren Karriere leider so früh zu Ende ging! Da Lucchetti gut mit der Partie klar kommt, die Dunn so großartig singt und Chailly das Werk vorzüglich interpretiert, wird man denn auch Nucci ertragen (was mir allerdings nicht so ganz leicht fällt)! Er singt hier noch monochromer als sonst und ohne jede Differenzierung, ohne Distinktion oder vokale Autorität.
    Die Inszenierung wird wohl die eingefleischten Gegner des Regietheaters freuen.
    Ich verzichte lieber auf das Bild und genieße nur den Ton!


    Es gibt übrigens noch eine weitere Aufnahme der Vespri mit Lucchetti.




    Da gefällt mir Lucchetti entschieden besser. Und man hat auch in den übrigen Partien hervorragende Sänger.
    Allerdings ist Scotto hier keine Konkurrenz für die Dunn!
    Mutis rigides Dirigat ist zwar für mich nicht so überzeugend wie Chaillys. Auch die Klangtechnik ist nicht gerade optimal.
    Dennoch: eine lohnende Aufnahme für alle, die Erinnerungen an Veriano Lucchetti aufleben lassen oder ihn überhaupt erst mal näher kennenlernen wollen.


    Allerdings habe ich den Eindruck, dass es hier im Forum kein so besonderes Interesse für diesen Tenor gibt. Sonderbar! Sehr sonderbar!
    Wenn man liest, wie eingehend im Forum über Tenöre unserer Tage gestritten wird, dann sollte man eigentlich erwarten, dass auch ein Interesse für diesen Tenor da sein müsste, der seinerzeit zwar im Schatten der so spektakulär vermarkteten DREI TENÖRE stand, ganz sicher aber alle Tenöre, die heute in dem Fach singen, ausstechen könnte.



    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Soeben habe ich im Regal einen "Live-Don Carlos" aus Venedig (1973) entdeckt. Neben Veriano Luchetti singen die junge Katia Ricciarelli, Piero Cappuccilli, Fiorenza Cossotto und Nicolai Ghiaurov. Georges Pretre dirigiert.

    Ich muss gestehen, dass ich diesen Mitschnitt - obwohl schon seit längerer Zeit in meinem Besitz - noch nie gehört habe. Das werde ich umgehend nachholen. Kennt jemand von Euch diese Aufnahme?


    Gruß
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Ich muss gestehen, dass ich diesen Mitschnitt - obwohl schon seit längerer Zeit in meinem Besitz - noch nie gehört habe. Das werde ich umgehend nachholen. Kennt jemand von Euch diese Aufnahme?


    Lieber Manfred!


    Ich stelle manchmal auch fest, dass ich einige Aufnahmen besitze, die ich nie gehört habe. Soetwas passiert!


    Die von Dir genannte Aufnahme kenne ich bisher nicht. Ich hatte von ihr auch noch nie gehört!


    Bin gespannt zu erfahren, wie Du sie findest!



    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Caruso41


    "Live-Don Carlos" mit Veriano Luchetti


    Die von Dir genannte Aufnahme kenne ich bisher nicht. Ich hatte von ihr auch noch nie gehört!


    Bin gespannt zu erfahren, wie Du sie findest!

    Na ja, dieser "Don Carlos" zählt jetzt nicht unbedingt zu den ganz großen Einspielungen. Dennoch: Veriano Luchetti wird der Titelrolle durchaus gerecht, er war ohnehin ein guter Verdi-Interpret. Ansonsten gefällt mir nur noch Piero Cappuccilli, Katia Ricciarelli geht stimmlich schon an ihre (jungen) Grenzen und ist überfordert ...


    Gruß
    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


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    Giuseppe di Stefano

  • Na ja, dieser "Don Carlos" zählt jetzt nicht unbedingt zu den ganz großen Einspielungen. Dennoch: Veriano Luchetti wird der Titelrolle durchaus gerecht, er war ohnehin ein guter Verdi-Interpret. Ansonsten gefällt mir nur noch Piero Cappuccilli, Katia Ricciarelli geht stimmlich schon an ihre (jungen) Grenzen und ist überfordert ...


    Danke, lieber Manfred, für die kurze Einschätzung!
    Ich denke, dass ich denn eerstt mal darauf verzichte, mir diesen Carlos auch noch zu besorgen.
    Cossotto und Ghiaurov hat man ja eh schon in verschiedenen anderen Aufnahmen, Cappuccilli natürlich auch, aber dessen Posa überzeugt mich ohnehin nicht.
    Es wäre deshalb für mich eigentlich wohl nur wegen Luchetti interessant. Dafür aber werde ich mir jetztnicht noch einen Carlos ins Regal stllen. Es sind sowieso schon mehr als man wirklich braucht!


    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Wenn wir uns hier über Veriano Luchetti unterhalten wollen, sollte man eventuell den Thread-Titel ändern.


    Auf jeden Fall hätte es dieser Tenor mit dem ihm so eigenen Timbre (hoher Wiedererkennungswert) verdient, dass wir nach achteinhalb Jahren wieder über ihn schreiben.


    Ich möchte zwei Punkte in die Diskussion einbringen.


    1.) Es gibt zwei Aufnahmen, die ich sehr schätze, die hier noch nicht genannt wurden:


    Puccini: Edgar


    1973 Bogo Leskovich; Chor & Orchester der RAI Roma
    1. Strelitze: Teodoro Rovetta
    2. Strelitze: Carlo del Bosco
    Andrej Chowanski: Veriano Luchetti
    Dosifei: Cesare Siepi
    Emma: Mietta Sighele
    Ivan Chowanski: Nicolai Ghiaurov
    Kujska: Angelo Marchiandi
    Marfa: Fiorenza Cossotto
    Schaklowitzky: Siegmund Nimsgern
    Schreiber: Herbert Handt
    Susanna: Elena Souliotis
    Warsonofjew: Ubaldo Carosi
    Wassilij Golizyn: Ludovico Spiess
    Fassung von D. Schostakovich: HRE 367 (4 LP), Bella Voce BLV 107.402 (2 CD) (live)


    2.) Für meine Ohren gehört Luchetti leider zu den Sängern, die schon recht früh an Stimmschönheit Einbußen erlitten haben. In den 80er-Jahren (das waren weitestgehend seine 40er-Jahre) glaube ich bereits ziemliche Gebrauchsspuren zu entdecken und ich mag ihn da gar nicht mehr so gern hören. Wie rein und voll klang die Stimme dagegen zuvor! Andere Beispiele: Del Monaco, Di Stefano, Carreras, Alagna, Cura ...

    Bezeichnenderweise sind die beiden von mir eingestellten Aufnahmen verhältnismäßig früh eingespielt worden.

  • Du meinst bestimmt diese Aufnahme ;)!


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    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Wenn wir uns hier über Veriano Luchetti unterhalten wollen, sollte man eventuell den Thread-Titel ändern.

    Das möchte ich nachdrücklich unterstützen!!!


    Der Titel ist ganz ungeeignet, sich etliche Jahre nach seinem Tode noch über Veriano Lucchetti auszutauschen. An einem Austausch über diesen eminenten Tenor haben ja vielleicht doch einige Melomanen ein Interesse


    Es gibt verschiedene Aufnahmen der Requiems von Verdi, in denen er den Tenorpart singt.

    Ich stelle hier erst mal die ein, die meiner Meinung nach am eindrucksvollsten zeigen, dass er unbedingt zu den hervorragendsten Interpreten der Partie gezählt werden muss.


    500x500.jpg



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    Er singt nicht nur mit bemerkenswerter Kultur und vortrefflichem Geschmack sondern auch einer Hingabe, die um die spirituelle Dimension des Werkes weiß!


    Caruso41








    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Das möchte ich nachdrücklich unterstützen!!!


    Der Titel ist ganz ungeeignet, sich etliche Jahre nach seinem Tode noch über Veriano Lucchetti auszutauschen. An einem Austausch über diesen eminenten Tenor haben ja vielleicht doch einige Melomanen ein Interesse

    Genau das hatte ich bereits zeitnah in einer Meldung unterstützt und sogar einen Ersatztitel vorgeschlagen - keinerlei Reaktion!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber!


    Was war denn Dein Vorschlag für den Titel?

    Ich kann Deinen Beitrag in dem Thread nicht finden.

    Meiner Meinung nach genügt eigentlich als Titel "Veriano Lucchetti - Italienischer Tenor"


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber Stimmenliebhaber!


    Was war denn Dein Vorschlag für den Titel?

    Ich kann Deinen Beitrag in dem Thread nicht finden.

    Meiner Meinung nach genügt eigentlich als Titel "Veriano Lucchetti - Italienischer Tenor"

    Lieber "Caruso41",


    ich hatte ja geschrieben, dass ich das über die Meldefunktion gemacht habe, weil solche Diskussionen in der Öffentlichkeit immer ein etwas merkwürdiges Licht auf das Forum werfen.


    Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich, damit es nicht nur Standard ist, vorgeschlagen: "Veriano Luchetti - Jessye Normans Vasco". Schließlich hast du diese Rolle von ihm ja selbst hervorgehoben.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber!

    Lieber "Caruso41",


    ich hatte ja geschrieben, dass ich das über die Meldefunktion gemacht habe, weil solche Diskussionen in der Öffentlichkeit immer ein etwas merkwürdiges Licht auf das Forum werfen.

    Das habe ich noch nicht wahrgenommen, dass solche Meldungen ein probates Mittel sind.

    Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich, damit es nicht nur Standard ist, vorgeschlagen: "Veriano Luchetti - Jessye Normans Vasco". Schließlich hast du diese Rolle von ihm ja selbst hervorgehoben.

    Den von Dir vorgeschlagenen Titel finde ich nicht so passend: Ich habe zwar seinen Vasco als die beste Aufnahme Lucchettis bezeichnet. Typisch für ihn ist sie aber nicht. Er war vor allem Verdi-Tenor. Und dass es mehrere Studioaufnahmen und Mitschnitte vom Verdi-Requiem gibt, auf denen er den Tenorpart sehr eindrucksvoll singt (Übrigens immer mit dem Triller, den Verdi vorschreibt und den Lucchetti beispielhaft präzise aufführt.), verweist eigentlich deutlicher auf seine Stärken.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Lieber "Caruso41",


    Das habe ich noch nicht wahrgenommen, dass solche Meldungen ein probates Mittel sind.

    Das hat schon häufig geklappt, zumal schon mehrere Moderatoten explizit darauf hingewiesen haben, dass Meldungen probate Mittelsind, um Änderungen z.B. auch an seinen eigenen Beiträgen durchführen zu lassen.

    Den von Dir vorgeschlagenen Titel finde ich nicht so passend: Ich habe zwar seinen Vasco als die beste Aufnahme Lucchettis bezeichnet. Typisch für ihn ist sie aber nicht. Er war vor allem Verdi-Tenor. Und dass es mehrere Studioaufnahmen und Mitschnitte vom Verdi-Requiem gibt, auf denen er den Tenorpart sehr eindrucksvoll singt (Übrigens immer mit dem Triller, den Verdi vorschreibt und den Lucchetti beispielhaft präzise aufführt.), verweist eigentlich deutlicher auf seine Stärken.

    Was ist an diesen Rubriktiteln schon "passend"? Es wurde ja schon mehrfach darauf hingewiesen, dass man reißerische Threadtitel wünscht und keine neutralen. Natürlich ist der Vasco für Luchetti nicht "typisch", ebensowenig wie die Selica für die Norman, aber sie hat sie nunmal gesungen und er sang an ihrer Seite - und das ist das Besondere, "Reißerische", Aufmerksamkeitserheischende, was ich durch dieses Titelvorschlag zu erfüllen versucht habe. Ich persönlich bräuchte solche reißerischen Titel nicht, sondern mir würden ganz neutrale Titel reichen, aber das ist nicht Forenlinie.


    Du kannst gerne einen besseren Threadtitelvorschlag machen, aber besser als den aktuell immer noch aufscheinenden Threadtitel finde ich meinen Vorschlag allemal!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber!


    Was würdest Du halten von einer Überschrift à la "Veriano Lucchetti - Italienische Tenor im Schatten der 3 Tenöre" ?


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Was würdest Du halten von einer Überschrift " Veriano Lucchetti - Italienische Tenor im Schatten der 3 Tenöre" ?

    Fände ich gut!. Nur bitte endlich umbenennen!

    Ich wäre dann durchaus interessiert an einem Gedankenaustausch!

  • Nicht schlecht, aber n bisserl lang! ^^


    Vielleicht einfach "Veriano Luchetti - im Schatten der 3 Tenöre"?


    Und bitte unbedingt ohne Doppel-c, er schreibt sich nälich nur mit einem "c", also Luchetti! :yes::hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber!


    Mit beidem einverstanden!!!

    Meldest Du das dem Moderatoren?


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


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  • Schon vernommen. Schön, daß Ihr Euch einig seid.

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Reinhard

    Hat den Titel des Themas von „Der Tenor Veriano Luchetti ist gestorben.“ zu „Veriano Luchetti - im Schatten der 3 Tenöre“ geändert.
  • "Veriano Luchetti - im Schatten der 3 Tenöre?"

    Keine Frage. Nach meiner Überzeugung gehört er da auch hin. Den Dreien - weiß nach dreißig Jahren überhaupt noch jeder, wer damit gemeint ist? ;) - konnte er nie das Wasser reichen. In diesen Tagen hört ich mich nochmals durch beide "Carlo"-Mitschnitte aus München (1976 und 1980) und stelle für mich fest, dass er die Titelpartie stimmlich zwar ganz ordentlich bewältigte, die Figur selbst aber nicht glaubhaft machen konnte. Stimme allein reicht mir nicht für diese Rolle.


    Ich bin froh, dass die Überschrift endlich geändert wurde. Nur erfährt man biographisch nicht viele über Luchetti. Außer, dass er 2012 gestorben ist.

    Es grüßt Rheingold1876

  • Lieber Rheingold!

    Keine Frage. Nach meiner Überzeugung gehört er da auch hin. Den Dreien - weiß nach dreißig Jahren überhaupt noch jeder, wer damit gemeint ist? ;) - konnte er nie das Wasser reichen.

    Ja, die Threadüberschrift habe ich nach reichlicher Überlegung vorgeschlagen. Luchetti stand im Schatten der "Drei Tenöre" und das war auch nicht unberechtigt.

    Ob er ihnen nicht das Wasser hätte reichen können, ist allerdings eine andere Frage. In einer so hoch liegenden Partie wie dem Arrigo (bzw. Henri) sehe ich ihn eigentlich vorn. Haben Carreras und Pavarotti die Partie überhaupt gesungen? Und für die Tenorpartie im REQUIEM von Verdi haben ihn Solti und Muti wahrlich nicht ohne Grund für ihre Aufnahmen genommen. Ich habe ihn live im Requiem gehört und die drei Tenöre ebenfalls. Da wäre es nicht gerechtfertigt, zu behaupten, er hätte ihnen das Wasser nicht reichen können.


    Beste Grüße

    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Inzwischen glaube ich, dass wir alle schon mal Veriano Luchetti erlebt haben.

    Ich habe ihn sogar mal auf der Bühne erlebt, habe aber absolut keine Erinnerung mehr an ihn. Ich kann mich zwar gut erinnern an die Carmen von Marilyn Horne, an den Escamillo von Justino Diaz und vor allem an die Micaela von Mietta Sighele. Als ich las, dass Sighele und Luchetti verheiratet waren, habe ich meine Unterlagen gewälzt, und, siehe da .... Veriano Lucehtti hat den Don José gesungen. Ich erinnere mich aber weder an die Stimme noch an sein Aussehen.


    Das gleiche gilt für die beiden Macbeth-Iszenierungen mit folgender Besetzung, die ich beide im TV gesehen habe

    Macbeth - Leo Nucci
    Lady Macbeth - Shirley Verrett
    Banco - Samuel Ramey
    Macduff - Veriano Luchetti
    Malcolm - Antonio Barasorda
    Dama - Anna Caterina Antonacci
    Medico - Sergio Fontana

    Conductor - Riccardo Chailly
    Orchestra - Teatro Comunale di Bologna
    Chorus - Teatro Comunale di Bologna


    Das Video gibt es bei YT


    https://www.youtube.com/watch?v=curVq0MBtcc


    dito noch ein Macbeth aus der Scala


    https://www.youtube.com/watch?v=Y7D2ElFMR_M

    mit

    Piero Cappuccilli (Macbeth)
    Shirley Verrett (Lady Macbeth)
    Nicolai Ghiaurov (Banco)
    Veriano Luchetti (Macduff)
    Antonio Savastano (Malcolm)
    Stefania Malagù (Dama di Lady Macbeth)
    Giovanni Foiani (Medico)
    Carlo Meliciani (Domestico di Macbeth)
    Giuseppe Morresi (Sicario)
    Alfredo Giacomotti (Prima apparizione)
    Milena Pauli (Seconda apparizione)
    Enrico Mazzola (Terza apparizione)

    Orchestra e Coro del Teatro alla Scala
    Claudio Abbado

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Lieber Orfeo,


    wann war diese Carmen-Aufführung, die du gesehen hast? Ganz bestimmt nach 1980, oder? Ich habe da nämlich eine Theorie.

    Ich denke, du tust zumindest dem jüngeren Luchetti unrecht, wenn du ihn als derartig blass und unscheinbar hinstellst. Selbstverständlich respektiere ich deinen persönlichen (Nicht-)Eindruck, aber ich habe - zumindest über den Luchetti bis 40 - schon viel Gutes gehört.

    Meines Erachtens hat er aber seinen tenoralen Glanz ab den frühen 80er-Jahren verloren.

    Hier ein Beispiel, in dem er als junger Mann eine lässige und sympathische Erscheinung bietet und wunderbar singt:

    Veriano Luchetti : Mattinata / Tu ca nun chiagne - YouTube

  • wann war diese Carmen-Aufführung, die du gesehen hast? Ganz bestimmt nach 1980, oder?

    Das war im September 1988, aslo ähnlich spät wie der Macbeth aus Bologna

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • In Werner Herzogs Film Fitzcarraldo singen Veriano Luchetti (gespielt von Costante Moret) und seine Ehefrau Mietta Sighele in der im Opernhaus Manaus gezeigten Vostellung von "Ernani" die Rollen von Ernani und Elvira.


    Fitzcarraldo - Wikipedia

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Nach langem Suchen habe ich nun endlich vernünftige Quellen zu Veriano Luchetti gefunden. Die Wikipedia-Artikel auf Italienisch, Deutsch und Englisch geben ja biografisch kaum etwas her, außerdem haben sich viele Fehler eingeschlichen. Zumindest eine Liste seines Repertoires und eine (unvollständige – das habe ich bereits beim oberflächlichen Durchsehen bemerkt!) Discografie gibt es hier (Orfeo hat anderswo bereits darauf hingewiesen): Veriano Luchetti - Wikipedia


    Auf seinen Spuren wandeln kann man natürlich selbst, indem man seinen Namen an den großen Häusern sucht – er hat ja fast an allen gesungen.


    Bei Kutsch/Riemens ist – wie leider meistens – die Fehlerquote hoch. Ich selbst ziehe diese Quelle daher nicht gerne heran.


    Hauptquelle für mich ist ein italienisches Interview, das 1980 mit Luchetti in seinem Haus geführt wurde. Der Journalist hatte sich anlässlich Luchettis Tod 2013 daran erinnert und Teile wieder veröffentlicht.


    Veriano Luchetti (aus ungeklärten Gründen manchmal Valeriano genannt) wurde am 12. März 1939 geboren. Seine Geburtsstadt ist Viterbo in der Region Latium, 80 Kilometer von Rom entfernt. Gewohnt hat er später mit seiner Familie in einer Villa in Riano, einer Vorstadt von Rom.


    Verianos Vater war ein alteingesessener Müller und Wirtschaftstreibender, an den der Sohn liebevoller Erinnerungen hat. Veriano wuchs mit vier Geschwistern auf und hatte bereits als Kind eine Tendenz zum Molligen.


    Schon früh begann er zu singen und schloss sich dazu im Badezimmer ein, um den Schwingungen seiner Stimme besser zuhören zu können. Zunächst studierte er aber Landwirtschaft, wohl um die Getreide- und Ölmühlen seines Vaters übernehmen zu können. Bald jedoch setzte sich die Liebe zur Musik durch. Er hatte Kontakt zum Direktor des Konservatoriums von Pesaro, einem Freund der Familie, der ihm zum Musikstudium riet. Bald nahm Veriano dann auch Unterricht bei verschiedenen Lehrerinnen. Zunächst war er als Bariton eingestuft, was sich aber schnell änderte. Der Studienabschluss erfolgte in Rom.


    Da es in Italien in den 60er-Jahren eine Wehrpflicht gab, musste auch Veriano einrücken. Mitnichten wurde er allerdings Pilot bei der italienischen Luftwaffe (siehe Kutsch/Riemens), er leistete lediglich seinen rund einjährigen Präsenzdienst – möglicherweise in einem Luftwaffenbataillon. Bereits mit 24 Jahren hatte er sein Gesangsstudium beendet (da wäre wohl kaum daneben eine Pilotenausbildung möglich gewesen, zumal er zuvor noch an der Landwirtschaftsschule war) und gewann den bekannten Sängerwettbewerb in Spoleto. Wie üblich durfte der Gewinner dort dann auch gleich sein Debüt feiern: Das war der Loris in „Fedora“, 1963. Als Gewinner dieses renommierten Bewerbs stand einer internationalen Karriere nichts mehr im Weg.


    Bald lernte er in einem Theater im ehemaligen Jugoslawien die Sopranistin Mietta Sighele kennen. Laut dem Interview kämpften sie beide mit der modernen Oper, die sie zu singen hatten und freundeten sich so in den Pausen der mühsamen Arbeit an. Gesprächsstoff gab es genug, denn die etwa gleichaltrige Mietta hatte im Jahr 1959 ebenfalls in Spoleto gewonnen. Die beiden heirateten und bekamen zwei Kinder: Francesco und Laura.


    Es gibt viele Zusammenarbeiten der beiden Sänger, sowohl discografisch als auch auf der Bühne.


    Die Stimme von Veriano Luchetti ist sehr eigen, hat einen leicht blechernen, aber auch anziehenden Klang und auf jeden Fall einen hohen Wiedererkennungswert. Sein Vortragsstil ist kultiviert (Italiener attestieren ihm auch eine hohe Wortverständlichkeit) und durchaus emotional. Der besagte Journalist beschreibt die Stimme in etwa so: Seine Höhe war nie metallisch, sondern eher warm und kam direkt aus den Stimmbändern. Der größte Vorzug seiner Stimme, zumindest in frühen Tagen, war der fließende, bruchlose Übergang der Töne.


    Luchettis Karriere begann im lyrischen Bereich. Nach dem eigentlichen Debüt beim Festival von Wexford in Irland 1965 (Alfredo) taucht er bereits 1966 in Brüssel im La Monnaie auf (Pinkerton). Diesem Haus blieb er in den ersten Jahren sehr verbunden, indem er vier Saisonen hintereinander auftrat. Andere Rollen an diesem Haus waren Alfredo und Edgardo. Über 15 Jahre später kehrte er dann für das Verdi-Requiem, das bis dahin eine Art Markenzeichen für ihn geworden war, zurück.


    In der Zwischenzeit war er an fast allen großen Häusern aufgetreten. In Paris schon ab 1967, Wien, Mailand, London, Rom usw. folgten bis 1980.


    Eine Art Stammhaus war das La Fenice in Venedig. Hier sang er erstmals bereits 1965 in Konzerten, 1966 in Traviata und 1968 in Butterfly. Die Rollen wiederholen sich anfangs also häufig. Doch später kamen in Venedig interessante Rollen wie etwa Romeo in der Bellini-Vertonung, Don Carlos oder Amenofi in Rossinis „Moses in Ägypten“ hinzu. Beim Maggio Musicale in Florenz sang er in den 70er-Jahren in „Die Afrikanerin“, „Agnes von Hohenstaufen“ (mit dem ebenfalls noch jungen Nicola Martinucci in Tenor-Duetten) und in „Die sizilianische Vesper“. Interessant auch sein Jason in „Medea“ in Aix-en-Provence oder sein Faust in „Mefistofele“ und sein Romeo in der Gounod-Oper in Verona. An internationalen Opernhäusern waren seine bevorzugten Rollen in dieser Zeit die Tenor-Partien in „Simon Boccanegra“, „Jerusalem“ und „Die Lombarden“, zu denen später jene in „Attila“, „Macbeth“ und im „Requiem“ hinzukamen, Luchetti wurde also ausgewiesener Verdi-Spezialist. Dafür wurde er an Häuser rund um den Globus engagiert.


    Seine große Zeit dauerte bis Anfang der 80er-Jahre (also bis Anfang 40). Danach forderte die unentwegte Reisetätigkeit (bisher unerwähnt blieben Gastspiele in den USA und in Südamerika) ihren Tribut. Die Stimme verlor an Elastizität. Sie wurde eng, bekam einen schneidenden, beinahe unangenehmen Klang. Die Höhe war nicht mehr bruchlos. Dennoch war er im Opernbetrieb noch eine Zeit lang gefragt, wenn ihn auch viele große Häuser deutlich seltener engagierten. Dafür debütierte er noch spät an der Metropolitan Opera (1988, Don Jose) und in Salzburg (1985, Macduff)


    Ab ca. 1990 verliert sich die Spur von Luchetti im internationalen Opernbetrieb. Einer der letzten – für mich schwer verdaulichen – dokumentierten Auftritte ist eine „La Rondine“ aus dem San Carlo in Neapel (1989). Seine Partnerin ist wieder einmal seine Frau Mietta Sighele. Luchetti zog sich also schon mit 50 Jahren weitgehend zurück. Es heißt, er hat dann unterrichtet.


    1994 gründete er mit seiner Frau in Riva am Gardasee ein Musikfestival für junge Stimmen. Sie nannten es „Riccardo Zandonai“ nach dem bekannten Komponisten, der – genau wie Sighele selbst (und übrigens auch Franco Bonisolli) – aus dem benachbarten Rovereto stammt. Dieses Festival existiert bis heute und ist ein international anerkannter Wettbewerb geworden (2019 saß Dominique Meyer von der Wiener Staatsoper in der Jury).



    Nach übereinstimmenden Berichten muss Veriano Luchetti ein bescheidener Typ gewesen sein, der nicht gern im Rampenlicht stand. Seine Frau, die ihre eigene Karriere zugunsten der Familie und der Karriere ihres Mannes hintanstellte, musste ihn öfter ein wenig anschubsen. Es gibt unzählige Fotos auf den diversen Homepages der großen Opernhäuser. Luchetti ist darauf abgebildet – mit Bart, manchmal auch ohne – immer freundlich lächelnd, aber oft im Hintergrund. Es gibt auch Bilder mit Carreras oder Domingo. In den 70er-Jahren stand er nach meinem Dafürhalten nicht im Schatten dieser anderen Tenöre. Vom alten Problem, dass nur ganz wenige Künstler exklusive Plattenverträge erhielten, einmal abgesehen, entwickelte sich seine Karriere wunderbar parallel zu jenen der drei Tenöre. Alle sangen sie an den großen Häusern die Partien, die zu ihnen passten. Luchetti trat im Fernsehen und sogar im Kino auf. Es entstand zwar kein solcher Hype um ihn, dafür war er aber auch gar nicht der Typ. Als die Sache mit den „drei Tenören“ in den 80er-Jahren so richtig begann, war Luchetti keine Konkurrenz mehr, weil er seinen Zenit bereits überschritten hatte.


    Luchetti starb mit 73 Jahren, die Todesursache konnte ich nicht herausfinden. Im Jahr 2018 wurde das Theater in Tuscani in seiner Geburtsprovinz Viterbo nach ihm benannt. Hier ein italienischer Artikel dazu, mit schönen Bildern seiner Frau Mietta Sighele: Il teatro Rivellino intitolato al tenore Veriano Luchetti - Tusciaweb.eu



    Zum Abschluss eine Kuriosität: Der berühmte Film „Fitzcarraldo“ von Werner Herzog beginnt mit einer Szene, in der Klaus Kinski in der Rolle der Titelfigur unbedingt Enrico Caruso im Opernhaus von Manaus sehen möchte. Es wird „Ernani“ gespielt. In relativ langen Sequenzen ist ein verkleideter südamerikanischer Statist als Caruso zu sehen. Doch wer kann glaubhaft die Faszination von Carusos Stimme vermitteln, die dafür sorgt, dass Fitzcarraldo im restlichen Film mitten im Urwald ein Opernhaus für seinen Lieblingssänger bauen möchte? Der Zeitgenosse, dem man das zutraute, war Veriano Luchetti, der die Szenen – natürlich mit seiner Frau Sighele an seiner Seite – extra in Italien unter Giorgio Croci eingesungen hat. Er klingt hier, ganz am Beginn der 80er-Jahre in Studioqualität, übrigens wirklich exzellent.



    So weit etwas zu Biografie und Karriere von Veriano Luchetti. Reaktionen gern gesehen.