In memoriam Dietrich Fischer-Dieskau — Seine größten Aufnahmen

  • Heute ist der weltberühmte Bariton Dietrich Fischer-Dieskau, geboren als Albert Dietrich Fischer von Dieskau, kurz vor Vollendung seines 87. Lebensjahres völlig unerwartet verstorben. Er sei "sanft entschlafen" (Zitat "Zeit Online"), ließ seine Frau Julia Várady verlautbaren. Dass mit ihm ein Jahrhundertsänger geht, dürfte unbestritten sein, egal wie man zu ihm im einzelnen stehen mag. Er hat mit den bedeutendsten Dirigenten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammengearbeitet und hinterlässt über 400 Schallplatten, was bis heute Rekord ist.


    Dieser Thread soll sich mit den eures Erachtens größten Aufnahmen des Sängers beschäftigen. Vom Liedgesang bis zur Oper darf alles genannt werden.


    P.S.: Bitte darum, den Kondolenzthread Dietrich Fischer-Dieskau ist tot für die etwaige Abschiednahme zu verwenden. Danke.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Fangen wir mit den frühen Aufnahmen an:
    Im Jahr 1948 wurde er an die Städtische Oper Berlin verpflichtet, wo er u. a. den Marquis Posa in Don Carlos und den Wolfram im Tannhäuser sang.
    Hier ist Verdis "Don Carlos" - in deutscher Sprache:



    Aufnahme: 18.11.1948, live, Berlin
    Dirigent: Ferenc Fricsay
    Orchester der Städtischen Oper Berlin
    Chor der Städtischen Oper Berlin


    Don Carlo: Boris Greverus
    Elizabetta di Valois: Irma Demuth
    Filippo II.: Josef Greindl
    Il Conte di Lerma: Georg Gerhardt
    Il Grande Inquisitore: Josef Hermann
    La Principessa Eboli: Johanna Blatter
    Rodrigo, Marquis de Posa: Dietrich Fischer-Dieskau
    Tebaldo (Thibault): Elisabeth Hufnagel
    Stimme vom Himmel: Elfriede Hingst


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Vielleicht ist dies nichtmals seine beste Aufnahme des Lieds von der Erde ... aber in dem Zusammentreffen mit Wunderlich ist diese "Ausgrabung" doch die für mich ergreifendste, persönlichste Äußerung, die FiDi zu diesem Werk hinterlässt - persönlicher als unter Kletzki, wenn auch dort vielleicht besser gesungen, gestalterisch reicher als unter Bernstein. Mit diesem Mahler wird er mir in Erinnerung bleiben.

  • Fischer-Dieskau sang etliche Wagner-Partien. Als besonders überzeugend gilt sein Amfortas, wobei ich die frühe Live-Aufnahme aus Bayreuth unter Knappertsbusch noch vor der berühmten Studio-Aufnahme aus Wien unter Solti anführen möchte:



    Wagner: Parsifal


    Amfortas: Dietrich Fischer-Dieskau
    Titurel: Hans Hotter
    Gurnemanz: Josef Greindl
    Parsifal: Rámon Vinay
    Klingsor: Toni Blankenheim
    Kundry: Martha Mödl
    Erster Gralsritter: Josef Traxel
    Zweiter Gralsritter: Alfons Herwig
    Vie Knappen: Paula Lenchner, Elisabeth Schärtel, Alfred Pfeifle, Gerhard Stolze
    Altsolo: Martha Mödl
    Klingsors Zaubermädchen: Ilse Hollweg, Friedel Pöltinger, Paula Lenchner, Dorothea Siebert, Jutta Vulpius, Elisabeth Schärtel


    Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele
    Chorleitung: Wilhelm Pitz
    Musikalische Leitung: Hans Knappertsbusch


    19. August 1956

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Bereits ein Jahr davor glänzte Fi-Di als Wolfram in einer der insgesamt besten Aufnahmen des "Tannhäuser":



    Tannhauser: Wolfgang Windgassen
    Elisabeth: Gré Brouwenstijn
    Wolfram von Eschenbach: Dietrich Fischer-Dieskau
    Venus: Hertha Wilfert
    Hermann, Landgraf von Thuringen: Josef Greindl
    Walther von der Vogelweide: Josef Traxel
    Biterolf: Toni Blankenheim
    Heinrich der Schreiber: Gerhard Stolze
    Reinmar von Zweter: Alfons Herwig
    Hirt: Volker Horn


    Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele
    Chorleitung: Wilhelm Pitz
    Musikalische Leitung: André Cluytens


    9. August 1955

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Wie oft Fischer-Dieskau die Winterreise aufgenommen hat, weiß ich nicht. Dies sind die ersten:



    Franz Schubert (1797–1828)
    Winterreise D.911

    Dietrich Fischer-Dieskau, Klaus Billing
    Label: Archipel , ADD/m, 48


    und das ist meine liebste Aufnahme:



    Dietrich Fischer-Dieskau, Herman Reutter
    WDR Köln 1952


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Eine Annäherung an diesen großen Künstler von der anderen Seite ermöglicht sein Mitwirken an einigen bedeutenden Uraufführungen des 20.Jahrhunderts:





    Insbesondere zum Lear ist zu hoffen, dass DGG zum traurigen Anlaß endlich die Wiederveröffentlichung "wagt" ...

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Bei allen sonstigen Leistungen - für mich war er immer "der" ideale Schubert- Liedinterpret .





    In Gerald Moore fand er einen kongenialen Partner, aber auch mit anderen Liedbegleitern der ersten Garde hat er Aufnahmen gemacht.Für den Liederfreund und den Stimmenliebhaber ist es ein Glücksfall, daß Fischer Dieskau sich oft ins Aufnahmestudio begab, aber auch von Liveauftritten gibt es zahlreiche Mitschnitte in teilweise hervorragender Tonqualität.. Sein Schaffen wurde hinreichend dokumentiert - er wird über Jahrzehnte der Meilenstein in Sachen Liedervortrag bleiben - jeder Schubertinterpret wird sich mit ihm messen müssen.....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Im Wagner-Gesang habe ich nie die größten Stärken Fischer-Dieskaus gesehen. Seine Stimme hatte für mich nie das Format, um einen Wotan, einen Holländer oder einen Sachs adäquat auszufüllen.


    Eine Ausnahme gibt es: Als Telramund hat er, gerade im Zusammenspiel mit seiner kongenialen Partnerin Christa Ludwig, einen Maßstab gesetzt, der wohl nicht zu übertreffen sein wird:



    Der "Don Carlos" wurde schon erwähnt. Auch später als in der von Harald genannten Einspielung hat er den Rodrigo glutvoll dargeboten:



    An seiner "Rigoletto"-Deutung schieden sich immer die Geister. Hier präsentierte er sich in bester stimmlicher Verfassung:



    Schließlich und endlich eine Aufnahme, in der er in einem jungen Ensemble pure Sangeslust und "Spielfreude" (so weit über CD hörbar) mit repräsentierte:


    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Die für mich stimmigste, in sich geschlossenste und ausdrucksstärkste Aufnahme von Brahms' Requiem aus der Zeit der "großen Alten" ist nicht etwa die unter Klemperer, in der FiDi Elisabeth Schwarzkopf zur Seite hat. Es ist diejenige unter Rudolf Kempe vom Juni 1955 mit Elisabeth Grümmer, dem Chor der St.-Hedwigs-Kathedrale und den Berliner Philharmonikern. FiDi kommt hier zu einer Freiheit und Großartigkeit der Gestaltung, wie er sie unter Klemperer nicht erreicht. Absolut hinreißend.

  • Immer wieder höre ich (neben den hier genannten Aufnahmen) Fischer-Dieskau als Kardinal Borromeo in Pfitzners "Palestrina" und als Mathis in "Mathis der Maler", perfekte Gestaltung in perfekten Aufnahmen von Rafael Kubelik.

    Dürfen Vegetarier/Veganer eigentlich Hunde und Katzen halten?

  • Hallo,


    anläßlich des Todes von Dietrich Fischer-Dieskau, möchte ich eine Lanze für seine Gesamtaufnahme des Fliegenden Holländers unter Franz Konwitschny brechen. Der Verstorbene war nie ein Heldenbariton, keine genuine Stimme für Holländer, Telramund, Kurwenal, Sachs, Wotan und Amfortas. Aber auf der Einspielung unter Konwitschny bewältigt er, meiner Meinung nach, den verfluchten Untoten bravourös. Er brennt buchstäblich wie Feuer und absolviert seine Aufgabe auch noch in einem Ensemble zum Niederknien:


    Holländer: Dietrich Fischer-Dieskau


    Daland: Gottlob Frick


    Senta: Marianne Schech


    Erik: Rudolf Schock


    Steuermann: Fritz Wunderlich


    Mary: Sieglinde Wagner


    Gruß,


    Antalwin

  • Hallo,


    ich habe von Fischer-Dieskau die Schallplatten-Kassette Die schöne Müllerin mit Gerald Moor vom Dezember 1961. Ich habe noch keine bessere Interpretation gehört, und kann mir auch nicht vorstellen, dass es jemals für mich eine bessere geben könnte. Genau so geht es mir mit seinem Falstaff.


    Das sind natürlich ganz persönliche Ansichten, aber diese Stimme hat mich seit meiner frühenJugend beeindruckt und war immer mein Maßstab.


    Gruß Helene


  • Insgesamt sind mir diese 10 Winterreisen auf Tonträgern von Dietrich Fischer-Dieskau bekannt:


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Klaus Billing, Klavier; 1948 Archipel


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Hermann Reutter, Klavier; 1952 WDR, audite


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Hertha Klust, Klavier, 1953 opd


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Gerald Moore, Klavier; 1954 DGG


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Gerald Moore, Klavier; 1963 EMI


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Jörg Demus, Klavier; 1966 DGG


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Gerald Moore, Klavier; 1971 DGG


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Daniel Barenboim, Klavier; 1980


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Alfred Brendel, Klavier; 1985 Philips


    Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton; Murray Perahia, Klavier; 1990 Sony


    Die letzte Aufnahme zeichnet sich durch einen hohen Reifegrad aus, sie läuft für mich außer Konkurrenz zu den anderen Aufnahmen. Interessant ist die Wandlung von Stimmfärbung und Diktion in den 42 Jahren. Ansonsten gehe ich mit Harald konform: Die Reutter-Aufnahme ist so natürlich-frisch, sie trifft m.E. den Kern des Werkes am besten. Doch hörenswert sind sie alle.

    Freundliche Grüße Siegfried


  • Ich möchte mich Antalwins Ausführungen (Posting Nr. 12) über die nebenstehende Aufnahme anschließen. Das ist eine ganz großartige Einspielung mit dem seltenen Nebeneffekt, dass außer Fischer-Dieskau und Frick noch zwei der größten deutschen Tenöre des 20. Jahrhunderts mitwirkten. Über meine weiteren favorisierten Aufnahmen aus dem Opernrepertoire werde ich noch posten. Über seinen Schubert etwas hervorzuheben hießen beinahe Eulen nach Athen tragen.

    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • In meinem ersten Beitrag möchte ich die folgenden fünf Aufnahmen nennen:



    Ich meine, den Don Carlo damals auch im Fernsehen gesehen zu haben, jedenfalls war ich damals durch die Protagonisten Dietrich Fischer-Dieskau, Carlo Bergonzi und Nicolai Ghiaurov im Besonderen, aber auch durch den imposanten Martti Talvela als Großinquisitor, und die beiden Damen Renata Tebaldi und Grace Bumbry sofort für diese Oper eingenommen.
    Desgleichen haben mich die Beethoven-Aufnahmen unter Fricsay, der dämonische Don Pizarro und das souveräne Solo in der Neunten begeistert. In beiden Paritein gehört er für mich zur Spitze. Was mich wundert (oder auch nicht), ist, dass ich bis auf den Don Carlo noch keine der m.E. größten Aufnahmen FiDis in meiner Sammlung hier entdeckt.
    In meinen nächsten Postings werde ich die Mozart-Aufnahmen nennen, die ich habe und auch meinen Wagner durchforsten.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • In meiner Mozart-Sammlung überzeugt Fischer-Dieskau in der Referenz-Zauberflöte, zusammen mit Wunderlich, und im Figaro, zusammen mit Prey, sowie in der Zauberflöte unter Solti, wo er sch nicht zu schade ist, den Sprecher zu singen:



    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hallo!


    Norbert und William B. A. haben mir schon die Antwort vorweggenommen. Sein POSA unter Solt in "Don Carlos" gehört neben der WINTERREISE zu dem Besten, was ich je an diesen Interpretationen gehört habe. Unvergleichlich und daher auch unvergessen!

    W.S.

  • Aus dem Reigen unzähliger Aufnahmen, die - wie etwa der Figaro-Conte oder sein Wolfram Referenzcharakter haben, ganz zu schweigen von seinen beeindruckenden Lied-Aufnahmen, möchte ich eine ganz besonders hervorheben: Dover Beach für Bariton und Streichquartett von Samuel Barber mit dem Juilliard String Quartet. Eine alles in allem großartige Aufnahme, in der Fischer-Dieskau alle Facetten seiner farbigen Interpretation wunderbar zur Geltung bringt.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Der WDR ändert sein heutiges Opern-Progamm (Delius) und bringt dafür die legendäre Cardillac-Aufnahme (Fassung von 1926) die Keilberth mit FiDi als Goldschmied eingespielt hat:


    WDR 3 - Sonntag, 20.05.12 um 20:05 Uhr (Programmänderung)


    Cardillac
    Von Paul Hindemith

    (Fassung von 1926)
    Der Goldschmied Cardillac: Dietrich Fischer-Dieskau
    Die Tochter: Leonore Kirschstein
    Der Offizier: Donald Grobe
    Der Goldhändler: Karl Christian Kohn
    Der Kavalier: Eberhard Katz
    Die Dame: Elisabeth Söderström
    Der Führer der Prévôté: Willi Nett


    WDR Rundfunkchor Köln
    WDR Sinfonieorchester Köln
    Leitung: Joseph Keilberth



    Zitat

    Anlässlich des Todes von Dietrich Fischer-Dieskau sendet WDR 3 eine WDR-Aufnahme der Oper „Cardillac“ von Paul Hindemith mit Dietrich Fischer-Dieskau in der Hauptrolle. Der Stoff von „Cardillac" geht auf die Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ von E.T.A. Hoffmann zurück, die von Ferdinand Lion unter Mitwirkung von Hindemith selbst zum einem Opernlibretto umgeformt wurde. „Cardillac“ wurde 1926 in Dresden unter Fitz Busch uraufgeführt.


    Mit 90 Minuten Spieldauer handelt es sich immer noch eine sehr kurze Oper, aber um Hindemiths erstes abendfüllendes Bühnenwerk, nachdem er zuvor einige Einakter geschrieben hatte. Die Musik von Hindemith steht in denkbaren Gegensatz zum der Tonsprache eines Richard Strauss oder gar eines Richard Wagner. Hindemith kehrt zur Nummernoper zurück und macht bewusste Anleihen an barocken und vorromantischen Formtypen. In der Verweigerung von Aussage, Emotion und Ausdruck ist „Cardillac“ eine antiromantische Oper schlechthin.


    Das Thema der Oper des menschenfremden Künstlers als einem gottähnlichen Schöpfer, wird von Hindemith mit fast analytisch betrachtender Distanz behandelt. Die Erfahrungen des Dritten Reiches brachten ihn dazu, die Oper zu überarbeiten und die handelnden Personen mit menschlichen Zügen auszustatten, anstatt sie gewisser Wesie als Objekte vorzuführen. In der letzten Zeit findet aber die Erstfassung wieder größeres Interesses, so auch einer Neuinszenierung des Werkes an der Wiener Staatsoper 2010.


    Die WDR-Aufnahme von Hindemiths „Cardillac“ ist 1968 im Kölner WDR Funkhaus entstanden.
    Produziert wurde ebenfalls die Erstfassung der Oper von 1926.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Der junge Dietrich Fischer Dieskau hat 1954 beim WDR in Köln Schuberts "Schwanengesang" gesungen, begleitet von Günther Weissenborn. Diese - jugendlich frische - Aufnahme schlummerte bis jetzt in den WDR-Archiven und ist seltsamerweise nie veröffentlicht worden.
    In einer Gedenksendung zum Tode des Sängers wurde der Zyklus jetzt gesendet.
    Ein Mitschnitt ist bei OperaShare und TodOpera zum Download vorhanden (flac-Datei):


    Schwanengesang D. 957
    Lieder nach Rellstab, Heine und Seidl
    Dietrich Fischer Dieskau, Bariton
    Günther Weißenborn, Klavier

    Aufnahme: WDR, 1954


    Liebesbotschaft (Ludwig Rellstab)
    Kriegers Ahnung (Ludwig Rellstab)
    Frühlingssehnsucht (Ludwig Rellstab)
    [Ständchen (Ludwig Rellstab)- fehlt]
    Aufenthalt (Ludwig Rellstab)
    In der Ferne (Ludwig Rellstab)
    Abschied (Ludwig Rellstab)
    Der Atlas (Heinrich Heine)
    Ihr Bild (Heinrich Heine)
    Das Fischermädchen (Heinrich Heine)
    Die Stadt (Heinrich Heine)
    Am Meer (Heinrich Heine)
    Der Doppelgänger (Heinrich Heine)
    Die Taubenpost (alternativ: D 965a) (Johann Gabriel Seidl)


    Merkwürdigerweise fehlt Nr. 4 Ständchen.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • sagitt meint:


    zwei Aufnahmen möchte ich nennen: die Dichterliebe mit Demus, wohl von 1958, und die Bassarien in der Matthäus-Passion unter Richter, 1959.


    Das sind Referenzaufnahmen für alle Zeiten.

  • Als Basis für eine Sammlung empfiehlt sich diese 10-CD-Box von Membran:



    Neben der weiter oben gezeigten 1948er "Winterreise" ist auch die "schöne Müllerin" mit Moore sowie eine ganze Reihe historischer Lied- und Arienaufnahmen enthalten, die gesamte Titelliste ist hier zu finden.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Habe gestern diese Lieder geladen und gehört. Wahrlich sehr beindruckend.
    Dann heute die Winterreise mit Gerald Moore am Klafünf.
    Parallel dazu Lutz Görne mit Eschenbach. Görne habe ich tapfer ertragen, mehr erduldet, mehr erlitten; dieser gaumige Klang, diese undeutliche Artikulation. FurchtBAR!!!
    Fidi habe ich dagegen genossen!
    Da weiß man dann, was verloren ist.
    Immerhin gibt es Konserven!
    (Wobei: die beste "Gute Nacht" habe ich immer noch von Franz Hohler sich selbst auf dem Cello begleitend gehört. Aber das war wohl mehr Crossover)


    Gruß aus Kiel


  • Eine meiner liebsten Liedplatten:


    Robert Schumann: Liederkreis nach Eichendorff op. 39


    Dietrich Fischer-Dieskau
    Gerald Moore
    Salzburg live 29. Juli 1959


    Der Sänger erreicht hier Dimensionen des Ausdrucks, die ich ihm aufgrund seiner Studio-Aufnahmen nicht zugetraut hätte. Unglaublich. Eine Sternstunde.


    :hello:

  • Der Sänger erreicht hier Dimensionen des Ausdrucks, die ich ihm aufgrund seiner Studio-Aufnahmen nicht zugetraut hätte. Unglaublich. Eine Sternstunde.


    :yes: Diese Aussage entspicht exakt meiner Wahrnehmung, wenn ich FiDi im Konzert zusammen mit Horowitz mit Schumanns Dichterliebe höre, zwar 1976 mit um 17 Jahre gealterter Stimme, aber einem Erfindungsreichtum, einer Ausdrucksstärke und einer "Lockerheit", die ihresgleichen suchen - und hochspannend gestaltet. (So sehr ich Wunderlich/Giesen Salzburg 1965 bewundere, dieses FiDi Konzert ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer.) Übrigens: Hubert Giesen in allen Ehren, aber was Vladimir Horowitz hier aus der Gestaltung herauszaubert, gehört zu den raren Sternstunden der Liedbegleitung (vergleichbar vielleicht mit Richter oder Brendel).

    Hier der Link zur CD, bitte zielen: ->()


    Robert Schumann: Dichterliebe op. 48


    Dietrich Fischer-Dieskau
    Vladimir Horowitz
    NewYork live 18. Mai 1976

  • Sagitt meint:


    In der Variante bei audite fehlen noch mehr Lieder aus dem Schwanengesang (sehr schade!!)


    Beim Liederkreis finde ich die Version von 1955 ( Moore) auch sehr zur Herzen gehend!

  • Der Verstorbene war nie ein Heldenbariton, keine genuine Stimme für Holländer, Telramund, Kurwenal, Sachs, Wotan und Amfortas.


    Nein, ein klassischer Heldenbariton war FiDi sicher nicht, viel eher ein wunderbarer lyrischer Bariton, allerdings auch mit heldischem Potential.


    Amfortas und Sachs hat er ja (im Gegensatz zu Holländer und Telramund) live gesungen, und ich kenne einige Leute, die SEHR angetan davon waren.


    Den Amfortas sang er sogar noch einmal im seiner Spätphase, und das höchst eindrucksvoll - Herr Mösch berichtete darüber in einem lesenswerten Nachruf in der "Opernwelt".


    Ich mag auch seine Holländer- und eine Telramund-Einspielung (Konwitschny bzw. Kempe), auch sein Sachs unter Jochum ist hörenswert, das "Kümmert dich das?!" zu David ist hinreißend, das singt ihm so keiner nach,


    aber seine eindrucksvollsten Wagner-Aufnahmen sind sicher die als Wolfram (Bayreuth 54 und unter Keilberth Studio 1960 unter Konwitschny) und Amfortas (Bayreuth und im Studio mit den Wienern unter Solti), aber auch sein früher Kurwenal 1952 unter Furtwängler.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Amfortas und Sachs hat er ja (im Gegensatz zu Holländer und Telramund) live gesungen, und ich kenne einige Leute, die SEHR angetan davon waren.


    Kann ich verstehen. Es gibt sogar einen Mitschnitt von einer Meistersinger-Vorstellung von 1979 aus dem Nationaltheater München:



    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid