Der ideale, individuell zusammengestellte Brahms-Symphonien-Zyklus

  • Ein Symphonien-Ranking von Brahms hatten wir schon. Diesmal soll es aber darum gehen, jeweils die eures Erachtens besten Aufnahmen der vier Symphonien zu benennen. Das können komplette Zyklen unter einem Dirigenten sein, aber — und das ist wohl deutlich interessanter — können auch vier völlig verschiedene Aufnahmen sein. Bei Brahms ist das recht übersichtlich, es gibt ja nur vier Symphonien.


    Bei mir sieht das so aus, je drei Alternativen:


    Nr. 1: Chicago Symphony Orchestra/Wand (1989); Wiener Philharmoniker/Bernstein (DG); Berliner Philharmoniker/Karajan (DG)


    Nr. 2: Staatskapelle Dresden/Knappertsbusch (1959); Wiener Philharmoniker/Bernstein (DG); Berliner Philharmoniker/Karajan (DG)


    Nr. 3: Südfunk-Sinfonieorchester (RSO Stuttgart)/Knappertsbusch (1963); Wiener Philharmoniker/Bernstein (DG); Berliner Philharmoniker/Karajan (DG)


    Nr. 4: Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester/Knappertsbusch (1953); Wiener Philharmoniker/Bernstein (DG); Berliner Philharmoniker/Karajan (DG)

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Brahms 1. mit Wand aus Chicago gerade bestellt - danke für die Erinnerung!


    Bernsteins Wiener Brahms-Zyklus finde ich grauslich. Die Vierte geht gerade noch, der Rest ist Brahms zum Abgewöhnen. Das war meine erste Begegnung mit den Brahms-Sinfonien (anno 1989?), erst mit C. Kleibers 4. habe ich gemerkt, was das für tolle Musik ist ... dann kam Wand. (Die Konzerte mit Zimerman, Kremer und Maisky sind allerdings hervorragend im Wiener Zyklus!)


    Brahms 1.:
    - Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker, 1963 (!!)
    - Günter Wand, NDR SO, 1982
    - Sir Roger Norrington, London Classical Players


    Brahms 2.:
    - Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker, 1977
    - Claudio Abbado, Berliner Philharmoniker, 1988


    Brahms 3.:
    - Furtwängler, Berliner Philharmoniker, 08. Dezember 1949
    - Otto Klemperer, Philharmonia Orchestra, 1957


    Brahms 4.:
    - Furtwängler, Berliner Phlharmoniker, 24. Oktober 1948
    - C. Kleiber, Wiener Philharmoniker


    ... aber das alles müsste ich nochmal hörend bestätigen ...


    :hello:

  • Es ist interessant, wie kontrovers Bernsteins Wiener Brahms bewertet wird. Aber ich stimme dir zu, dass ich die 1. etwa von Wand besser finde (alle Wand-Aufnahmen davon sind toll, aber Chicago toppt alles).


    Bei Karajan tendiere ich sehr stark zum ganz späten Zyklus aus den späten 80ern. Im Ganzen wesentlich gelungener als sein später Beethoven.


    Furtwängler und Klemperer müssten bei mir auch genannt werden. Allein ich müsste das alles erst mal wieder hören, bevor ich konkrete Aufnahmen vorschlage. Grad bei Klemperer scheinen die Live-Mitschnitte die Studio-Aufnahmen noch zu übertreffen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Hallo,
    ich lasse mal die üblichen Verdächtigen Karajan, Böhm, Solti, Bernstein, ggf. Levine und auch Szell, Wand und Dohnanyi außer acht.
    Was die in Sachen Brahms vollbracht haben, ist schon erheblich.
    Kna mag ich bei Brahms nicht, er ignoriert zu sehr die Feinstrukturen bei Brahms. Vieles ist imposant, aber eben nur das.


    Also die 1. wenn schon nicht von Fu aus HH, dann Toscanini mit dem NBC als Antithese oder Bruno Walter aus den frühen 50igern.
    2 geht ganz klar an Fritz Busch oder an Carlos Kleiber oder CMG (Giulini)
    3, ich habe ihn oben nicht erwähnt, geht an die Icon Aufnahme von Klemp von 1957. Besser geht es nimmer!
    4 ist für mich Kleiber Land oder CMG Gebiet, aber es gibt auch Toscanini und vor allem Guido Cantelli.


    Gruß aus Kiel

  • Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 68
    Wand - Chicago Symphony Orchestra
    Dohnanyi - Cleveland Orchestra


    Sinfonie Nr. 2 D-dur op. 73
    Masur - Gewandhausorchester Leipzig


    Sinfonie Nr. 3 F-dur op. 93
    Reiner - Chicago Symphony Orchestra
    Szell - Cleveland Orchestra


    Sinfonie Nr. 4 e-moll op. 98
    C. Kleiber - Wiener Philharmoniker



    :hello: LT

  • Meine Wertung der ersten Kandidaten sieht folgendermassen aus:


    Sinfonie 1: C.M Giulini - Wiener Philharmoniker


    Sinfonie 2: F. Fricsay - Wiener Philharmoniker


    Sinfonie 3: J. Levine - Wiener Philharmoniker


    Sinfonie 4: C. Kleiber - Wiener Philharmoniker


    Viele Grüße aus Hamburg


    Uwe :hello:

  • ...verantworten (und damit klar empfehlen) könnte ich auch folgende Gesamtaufnahmen:



    Abbado mit den Berliner Philharmonikern...



    ...Giulini mit den Wiener Philhamonikern...



    ...und Levine ebenfalls mit den Wienern


    Alle spielen einen Brahms nach meinem Geschmack: druckvoll, kräftig, trotzdem immer durchhörbar. Und jede GA jeweils auf konstant hohem Niveau ohne Ausfälle.


    Gruß aus Hamburg :hello:
    Uwe

  • Während es für BRAHMS' Sinfonien 1 - 3 m. E. eine besonders große Anzahl gleichwertiger Interpretationen gibt, bzw. Einspielungen, für die man sich aus dem einen oder anderen Grund erwärmen kann - darunter sicher mit an vorderster Stelle die mit CARLO MARIA GIULINI und die WIENER PHILHARMONIKER, so gibt es für die Vierte für mich nach zahlreichen früheren Vergleichen eigentlich nur eine Favoritin, die mich in jeder Beziehung überzeugt, und die ich heute allein noch anhöre, wenn mir nach der Vierten von Brahms ist. Es ist die Aufnahme durch SIR JOHN BARBIROLLI und seinem von ihm zu einem der besten Orchester in England, ja in Europa gemachten, und von ihm besonders geliebten HALLÉ ORCHESTRA in Manchester.


    Bis zu seinem Lebensende widerstand BARBIROLLI allen Anträgen von anderer Seite und blieb an der Spitze dieses Orchesters, das zum Grundpfeiler der EDINBURGER FESTSPIELE wurde. Auch mit den BERLINER PHILHARMONIKERN musizierte er hier1949.


    Der spezifisch warme Klang dieses Orchesters macht es prädestiniert für dieses Werk. SIR JOHN BARBIROLLI , der Engländer mit dem romanischen Temperament und mit eher italienischen Eigenschaften, gelingt mit dieser Einspielung in besonderem eine höchst klare, natürliche und unprätentiöse, gefühlvolle und zugleich kraftvolle Realisiation der Vierten, in seltener Verschmelzung von Expression und Form, für die er auch mit seinen Interpretationen anderer Werke, wie z. B. die von MAHLER, VERDI, STRAUSS, oder GRIEG, weltweit Bewunderung fand. SIR JOHN BARBIROLLI war ein Musiker des Herzens und des Gefühls, was wohl kaum in einem anderen von ihm interpretierten Werk so deutlich wird wie in BRAHMS' vierter Sinfonie!


    Viele Grüße


    wok

  • Bernstein ist bei Brahms mit Sicherheit nicht der Idealdirigent, da er eigenwilliger und eigenständiger eigene Vorstellungen einfliessen lässt, als alle Anderen (Wdh-zeichen interessieren ihn nicht --- ;) mich aber auch nicht, da ds für mich keine Qualitätkriterium ist !). Es gibt bei Bernstein wesentlich mehr Punkte zum Mäkeln, als bei vielen referenzwürdigen Aufnahmen.
    Szell mit seinen Cleveländern ist da wesentlich genauer und eine TOP-Wahl, die trotz des nahen Aufnahmedatums beider Zyklen schlechter klingt.
    :thumbsup: Aber welch eine Emotion, welch eine Spannung Bernstein bei seinem New Yorker Zyklus einfliessen lässt ist wohl eimalig. Das Ganze präsentiert Bernstein in einen swhr angemessen flotten vorwärsschreitendem Tempo. Packend bis zum "geht nicht mehr". Dagegen mutet der viel zu sehr auszelebrierete langatmige Wiener Zyklus eher langweilig an (mit Ausnahme der Sinfonie Nr.4, die ihm ebenfalls glänzend gelingt - und das trotz der längeren Spielzeiten).


    Chicago SO - ja, aber auch mit Solti fabelhaft ! Er hat meinen ersten (klanglich viel zu quäkig klingnenden) Klemperer-Zyklus (EMI) auf ewig abgelöst ! :!: Aber nur wegen dem Klang - ansonsten war Klemperer für mich ein fabelhafter idealer Einstieg.


    Zu Karajan habe ich erst sehr spät gefunden - bei Brahms. Aber seine beiden DG-GA mit den Berlinern sind ganz grosse Klasse. Und als Ergänzung die Erste mit den Wienern !



    Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 68
    Bernstein / New Yorker PH (SONY, ADD)
    Szell / Cleveland Orchestra (SONY, 1964, ADD)
    Solti / Chicago Symphony Orchestra (Decca, ADD)
    Karajan / Wiener PH (Decca, 1960, ADD)
    Karajan / Berliner PH (DG, 1977, ADD)


    Sinfonie Nr. 2 D-dur op. 73
    Bernstein / New Yorker PH (SONY, ADD)
    Karajan / Berliner PH (DG, 80er, DDD)
    Szell / Cleveland Orchestra (SONY, 1964, ADD)
    Solti /Chicago SO (Decca, ADD)
    Dorati / London SO (Newton, 1960, ADD)


    Sinfonie Nr. 3 F-dur op. 93
    Bernstein / New Yorker PH (SONY, ADD)
    Szell / Cleveland Orchestra (SONY, 1967, ADD)
    Solti /Chicago SO (Decca, ADD)



    Sinfonie Nr. 4 e-moll op. 98
    Bernstein / New Yorker PH (SONY, ADD)
    Karajan / Berliner PH (DG, 80er, DDD)
    Solti / Chicago SO (Decca, ADD)
    Bernstein / Wiener PH (DG, 80er, DDD)

    Gruß aus Bonn, Wolfgang


  • Lieber Uwe,


    die Brahms-Giulini-Aufnahmen gibt es inzwischen preiswert bei Newton Classics:



    Bei Abbado und ibs. Levine stimme ich Dir voll und ganz zu; bei Giulini bedauere ich es, daß er mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra nur die ersten beiden Sinfonien aufgenommen hat. NIcht nur, daß er im Gegensatz zu dem früheren Aufnahmen aus London (EMI) und den späteren aus Wien, die Wiederholungen im ersten Satz beachtet, sondern vielmehr, weil er mit dem LAPO ein Vorwärtsstreben (bei relativ gemäßigten Tempi) offenbart, daß ich bei den Wienern stellenweise schmerzlich vermisse. Bei den Wienern wirkt Brahms hier und dort schwerfällig und lähmend langsam.


    Aber wie so häufig ist das Geschmackssache...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Es gibt noch einen Zyklus der Wiener Philharmoniker:



    Sir John Barbirolli, 1966/67.


    Teilweise sehr getragene, majestätische Tempi. Eine extreme, aber sehr gelungene Interpretation.


    Scheint derzeit nur schwer komplett erhältlich zu sein.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber Norbert,


    Bei Abbado und ibs. Levine stimme ich Dir voll und ganz zu; bei Giulini bedauere ich es, daß er mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra nur die ersten beiden Sinfonien aufgenommen hat. NIcht nur, daß er im Gegensatz zu dem früheren Aufnahmen aus London (EMI) und den späteren aus Wien, die Wiederholungen im ersten Satz beachtet, sondern vielmehr, weil er mit dem LAPO ein Vorwärtsstreben (bei relativ gemäßigten Tempi) offenbart, daß ich bei den Wienern stellenweise schmerzlich vermisse. Bei den Wienern wirkt Brahms hier und dort schwerfällig und lähmend langsam.


    Aber wie so häufig ist das Geschmackssache...


    ...ja, allgemein werden ja hier und dort die LA-Aufnahmen höher bewertet. Ich habe ja auch mehrmals versucht, das zu verifizieren, aber für mich klingt die Wiener Aufnahme einfach spannender - ungeachtet der Wdh. Oder gerade deshalb? :pfeif: Nein, war natürlich nicht ernst gemeint.



    Und zu den Wienern, lieber Joseph:



    es gibt natürlich noch den Zyklus mit Böhm


    ebenfalls nicht schlecht, reicht aber für mich nicht an o.g. heran und einen mit Kertesz (leider immer wieder sehr vernachlässigt hier - auch von mir):



    der wäre schon eine Empfehlung wert. Den Barbirolli muß ich noch mal durchhören, habe ich lange nicht mehr in der Hand gehabt.



    Viele Grüße aus Hamburg :hello:
    Uwe

  • Sagitt meint:


    Ich scheine ein ziemlicher Außenseiter zu sein. Gardiner wird bisher von niemand erwähnt. Ich finde alle vier Sinfonien von ihm interessant, teilweise etwas kantiger als Norrington ( eine Aufnahme, die ich ebenfalls schätze), dazu immer grossartige Vokalmusik - der monteverdi choir ist einfach immer noch ein Spitzenchor.


    Im übrigen höre ich bei Nr. 2 und 4 kaum eine Alternative zu Carlos Kleiber. Eine andere Liga.

  • Lieber Norbert,



    ...ja, allgemein werden ja hier und dort die LA-Aufnahmen höher bewertet. Ich habe ja auch mehrmals versucht, das zu verifizieren, aber für mich klingt die Wiener Aufnahme einfach spannender - ungeachtet der Wdh. Oder gerade deshalb? :pfeif: Nein, war natürlich nicht ernst gemeint.


    Lieber Uwe,


    vielleicht ist das mit den Wiederholungen ja gar nicht so abwegig, denn 22 1/2 Minuten im Kopfsatz der 2. Satz mit dem LAPO wollen erst einmal gehört und verdaut werden.



    Zitat

    Und zu den Wienern, lieber Joseph:



    es gibt natürlich noch den Zyklus mit Böhm


    ebenfalls nicht schlecht, reicht aber für mich nicht an o.g. heran...


    Aus der Erinnerung heraus ist Böhms Zyklus einer der schlüssigsten und zupackendsten überhaupt.
    Aber bei Brahms ist derzeit so gut wie alles "aus der Erinnerung heraus", denn ich hatte mich lange nicht mehr intensiv mit ihm beschäftigt (deshalb habe ich mich auch noch nicht mit Aufnahmen verewigt).


    Derzeit würde ich gar keinen Zyklus zusammen bekommen, denn z.B. Chailly, Janowski, Dorati, Gielen, Haitink (Boston) oder Ansermet sind noch gar nicht erwähnt worden und sicherlich zur Spitze zählend.


    Fest stehen nur bei der 1. Sinfonie:


    -Eduard van Beinum, Concertgebouw Orchester
    -Roger Norrington, London Classical Players


    und bei der 2.:


    -Claudio Abbado, Berliner Philharmoniker, allerdings die frühere aus 1970
    -James Levine, Wiener Philharmoniker


    to be continued...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Lieber Norbert,


    es wird hier viel über empfehlenswerte Brahms-Interpretationen geschrieben. Das "Warum" fehlt aber meistens!?!


    :?: Was macht gerade Levine / WPO für die Sinfonie Nr.2 so empfehlenswert?
    Legt er dort auch so eine knallharte Sicht hin wie bei den Schumann - Sinfonien mit den Berliner PH (DG)?


    Ich hatte die Sinfonie Nr.2 zuerst immer als eher gemässigtes abgeklärtes Werk in Erinnerung. Nr.1 4 und 3 liegen mir im Prinzip näher.
    :!: Aber die Aufnahmen mit Bernstein (SONY), Szell (SONY), Solti (Decca) und ganz exqusit auch die Karajan - Aufnahmen (DG, 1977 und 1987) holen das Werk aus seinem Dornröschenschlaf und sind packender als so manches serenadenhaftes Rumgefipse, das man oftmals hört. Auch Dorati (Newton), den Du zu recht als Empfehlung herausstellst, ist da eine Bank!



    Ich muss es nochmal erwähnen.
    Leonard Bernstein ist aus fachlicher Sicht mit Sicherheit nicht perfekt. Aber seine Emotion lässt mich darüber hinwegsehen und mir macht sein Brahms ungeheueren Hörspass - aber wohlgemerkt = nur die Aufnahmen mit den New Yorker PH (SONY). Wer kennt diese Bernstein-Aufnahmen und kann meine hohe Begeisterung nachvollziehen?
    Die Sinfonie Nr.1 mit Lenny ist genau so ein Wahnsinn auf dem Niveau, wie seine Dvorak 9, Berlioz op.14 und Hindemith Sinfonie in Es.


    Genauso die perfekt und packend klingenden Solti-Aufnahmen mit dem CSO (Decca). Auch dazu liesst man bei Tamino wenig???
    :!: Solti beachtet, wie bei den Beethoven-Sinfonien, auch hier alle Wdh-Zeichen und wird damit die Wdh-Fetuischisten ebenfalls genau so ansprechen, wie die Klangfetischisten (zu denen ich mehr gehöre).



    Hier auch die ABB, damit diese beiden Zyklen hier auch zu ihrer angemessenen Geltung kommen:



    Decca, 1978-79, ADD



    = :D als Einzel-CD-Ausgaben ungleich preiswerter


    SONY, 1960 -1966, ADD -- Nr.1 = 1960, Nr.2 + 4 = 1962, Nr.3 = 1964


    Die Tragische und Akademische Ouvertüre mit Bernstein sind erste Wahl und machen ungeheueren Spass. Diese Beiden allerdings auch in den Bernstein-Aufnahmen mit den WPO (DG)!
    IOn de Einzel-CD-Ausgabe ist die Serenade Nr.2 mit der Sinfonie Nr.1 gekoppelt. (Leider nicht die Serenade Nr.1, die mir besser gefällt.)

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Lieber Wolfgang,


    ich hatte ursprünglich vor, meine Empfehlungen etwas mehr zu konkretisieren, wenn ich denn zu allen Sinfonien welche habe, aber im Prinzip hast Du recht: Nur Namen nennen ohne Begründung ist langweilig. ;)


    An Levine gefällt mir der für mich ideale Spagat aus Lyrik und Dramatik und aus Vorwärtsstreben und Aufzeigen wunderschöner Details.
    Zum Glück (für mich) dirigiert er Brahms anders als Schumann, nämlich viel feinsinnig-differenzierter und viel weniger auf "Knalleffekte" ausgelegt (jeweils bezogen auf die DGG-Aufnahmen. Bei den früheren Aufnahmen der RCA gefällt mit Schumann besser, dafür Brahms weniger gut).


    Levine ist eine Spur weniger schwelgerisch-romantisch als Abbado, etwas klassizistischer, aber mit viel Gespür für warme Klangfarben ausgelegt (darin ähnelt er Abbado).


    Soltis Brahms habe ich lange nicht mehr gehört. Seine Interpretation der 1. Sinfonie habe ich als sehr gut in Erinnerung, bei der 2. ist er mir ein wenig zu massiv in der Streichersektion und vernachlässigt die Holzbläser ein bißchen.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Nachdem ich mir diese Box angehört hatte, konkretisieren sich allmählich die Favoriten.


    Entstanden sind die Aufnahmen zwischen 1957 (die 2. mit dem Minneapolis Orchestra) und 1963 (Sinfonien 3 und 4) und beinhalten eine faszinierende, subjektive Sichtweise auf das sinfonische Schaffen Brahms'.
    Dorati schafft einen wunderschönen Spagat zwischen Temperament (z.B. Finale der 1. Sinfonie) und traumhaft "sanglichen" langsamen Sätzen (ibs. bei der 3. und 4. Sinfonie). Geschmackvolle Ritardandi (z.B. Ende des Finales der 1. Sinfonie) und gute Detailarbeit (z.B. die Pizzicati im 1. Satz der 4. Sinfonie) runden das Bild ab.


    Die Box sollte imo in keine Sammlung eines Brahms-Liebhabers fehlen.


    Somit ergibt sich folgender "Zwischenstand":


    1. Sinfonie
    -Eduard van Beinum, Concertgebouw Orchester
    -Roger Norrington, London Classical Players


    2. Sinfonie
    -Claudio Abbado, Berliner Philharmoniker, allerdings die frühere aus 1970
    -James Levine, Wiener Philharmoniker


    3. Sinfonie:
    -Antal Dorati, London Symphony Orchestra


    4. Sinfonie
    -Antal Dorati, London Symphony Orchestra



    ...wird weiter fortgesetzt...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler