Regietheater - Was bezweckt es eigentlich ??

  • Wäre doch mal ein tolles Experiment, wenn ein Theater ein Stück als moderne und traditionelle Inszenierung im Repertoire hätte!

    Das Theater Erfurt hatte vor Jahren Hänsel und Gretel in einer Doppel-Inszenierung herausgebracht. Ich glaube, es war Giancarlo del Monaco. Eine recht klassische, die ich selbst gesehen und durchaus als angenehm empfunden habe. Sie war längere Zeit im Spielplan, vielleicht sogar noch heute. Und ein "Hänsel und Gretel" für Erwachsene, mit Sex und Vergewaltigung. Letzteres lief nur wenige Vorstellungen, dann ist keiner mehr hingegangen.


    Vor 4 Jahren brachte man in Gera und Braunschweig eine Uraufführung der Oper "Cosima" von Siegfries Matthus. Musik teilweise auch von Wagner, Handlung befaßte sich mit Nietzsche und seinem Aufenthalt in der Irrenanstalt Stadtroda/Jena. In Gera als klassische Inszenierung mit überaus freundlichem Applaus. In Braunschweig mit Urin und Blut und Ekel - durchgefallen. Beide Opern zur gleichen Zeit. Gut, jetzt kennt das auch keiner mehr. Aber die konventionelle Aufführung bekam Applaus, die andere fiel durch.


    Du hast recht, einige Erfurter Inszenierungen sind gemäßigtes Regietheater. Tosca vor etwa ca. 5 Jahren war sogar richtig gut inszeniert, direkt klassisch und werktreu. Leider hatten mir die Sänger nicht sonderlich zugesagt. Nicht nur lokalpatriotisch fand ich Gera gesanglich besser, mit Ricardo Tamura als Cavaradossi und Kammersänger Terohuki Komora als Scarpia. Ist aber Geschmackssache. Die Inszenierung in Erfurt war aber besser.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Zitat

    Auf Felsenstein beziehen sich Leute wie Kupfer, Friedrich und Konwitschny allerdings ausdrücklich bzw. waren sie Schüler von ihm! Wenn man nicht meint, das "Regietheater" sei in den 1970ern wie eine Art Pestilenz ausgebrochen, muss man offensichtlich in die 1950er und 1960er schauen, was da Leute wie Wieland Wagner und Felsenstein gemacht haben. Die "leere Bühne" Wagners in den 1950ern sorgte seinerzeit ebenfalls für Aufregung usw.

    Schüler von jemandem zu sein, das können viele behaupten. Unter den von dir genannten ist nur Friedrich wirklich Felsensteins Schüler gewesen. Ja, Wielands leere Wagner-Bühne sorgte für Aufsehen. Das war aber auch schon alles, denn das, was sich heutige "Opernregisseure" unter "Regie" vorstellen, hat auch mit Wieland Wagner nichts zu tun. Weder wurden alberne Aktualisierungen vorgenommen, noch wurden die Werke völlig umgekrempelt, so wie es heute der Fall ist. Der Hype, der dann um Wieland entstand, war trotzdem nicht gerechtfertigt, denn seine Inszenierungen waren eine Möglichkeit, sicherlich aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Trotzdem waren es "Inszenierungen", ein Prädikat, das man vielen heutigen Produktionen wohl kaum mehr verleihen kann.



    Zitat

    1. Es wird, in der Oper noch viel mehr als im Schauspiel, ein sehr eng begrenztes Repertoire gegeben. Um irgendwie hervorzutreten, liegt daher nahe, etwas anders zu machen bzw. zuzuspitzen.
    2. Seit den 1930ern ist man mehr und mehr auf politische, psychologische u.a. Aspekte an klassischen Stücken aufmerksam geworden.


    (Ich hätte gehofft, dass hier vielleicht jemand weiß, ob und wie die Stationen hier sich historisch in den letzten ca. 50-80 Jahren festmachen lassen. Das scheint aber nicht der Fall zu sein, weil wieder nur pauschale Urteile über einzelne, meist ziemlich neue Inszenierungen, entrüstet ausgebreitet werden. Zum Aufgeilen an der eigenen Entrüstung gibt es aber schon genügend threads.)

    Das halte ich hier für eine ziemlich freche Unterstellung. Ein Diskurs über die Art der Opernregie könnte hier sicherlich von vielen ganz leicht gegeben werden, das war aber nicht Thema des Threads. Es geht darum, festzustellen, was der Zweck der derzeitigen Inszenierungen ist.



    Zitat

    Komischerweise gestatten sich Forianer als Laien durchaus derbe über die (oft angebliche) Unlogik von Zauberflöte, Freischütz oder Fidelio herzuziehen, sobald aber jemand ernst mit dem Versuch macht, die Folgen aus solchen Widersprüchen auf dem Theater deutlich zu machen, fallen sie aus allen Wolken. So eine Haltung kann ich nicht ernst nehmen, sorry.

    Erstens ist es ein Unterschied, ob man sich mit möglichen Widersprüchen eines Werkes beschäftigt und darüber redet und schreibt oder ob man dies dann ohne Rücksicht auf Verluste auch in einer Inszenierung durchzieht. Zweitens wird hier etwas vergessen, was heute ja sowieso zum Fremdwort geworden ist: Respekt. Jawohl, Respekt vor einem Werk. Respekt ist keine blinde Verehrung, aber auch kein gewaltsames Beiseiteschieben klarer, schriftlich niedergelegter Anweisungen.



    Zitat

    Schließlich ist es naiv zu meinen, Operninszenierungen seien früher keine Kinder ihrer Zeit gewesen.
    Auch wenn ich selbst zB Bieitos Sex und Gewalt übertrieben finde (ich habe nur seine "Entführung" gesehen), so ist nachvollziehbar, dass man in einer Zeit, in der expliziter Sex und Gewalt die Medien dominieren, so etwas in einer Oper, in der es aus historischen Gründen nur in Worten oder implizit angedeutet wird, deutlicher herausbringt. (Eine "authentische" Inszenierung des Anfangs vom Tannhäuser wäre (zumindest grenzwertig) pornographisch.) Gewalt, Liebe, Sex sind nunmal seit Homer und König Salomo elementare Bestandteile beinahe jeglicher Dichtung. Im "klassischen" Griechenland handelten die Tragödien von Gewalt und die Satyrspiele waren pornographisch.

    Nein, das ist ganz und gar nicht nachvollziehbar. Eine Oper ist nun mal kein Satyrspiel. Eine geschmackvolle und zugleich authentische Inszenierung des Tannhäuser ist selbstverständlich ohne billige Pornographie möglich. Traurig, dass man das nicht nachvollziehen kann. Ganz sicher möchte die Mehrheit der Opernbesucher nicht auf der Bühne auch noch das sehen, was man tagtäglich im Fernsehen "bewundern" kann.
    Es ist sehr naiv zu meinen, dass Existenzen wie Bieito mit ihrem einseitigen Schmuddeltheater zum "Überleben" der Oper beitragen würden. Niemand kann mir erzählen, dass er wegen der Musik in eine solche Produktion geht. Wenn wir schon das Wort "aufgeilen" benutzen möchten, wäre es wohl hier am ehesten angebracht.
    Mal ein aktuelles Beispiel aus dem Fernsehen. Kennt jemand die neue Serie "Spartakus"? Ganz anders als der Film mit Kirk Douglas aus den ja sooo hyperspießigen, sooo verlogenen, soo frauenfeindlichen 50-iger Jahren, der inzwischen ein echter Klassiker geworden ist, wird diese Serie, die eigentlich nichts anderes als eine kontinuierliche Aneinanderreihung von Verstümmelungen, Pornos und schlechten schauspielerischen Leistungen ist, in ein paar Jahren garantiert wieder vergessen sein.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Ein durchgängiges Moment des Regisseurstheaters ist der pädagogische Zeigefinger: man will aufklären, erklären, den wahren "Subtext" des Librettos zeigen, den Komponisten und Textdichter besser verstehen als er sich selber, die Wichtigkeit des Werkes für heute zeigen. Und wenn man das auf der Bühne nicht so recht deutlich machen kann, schreibt man es ins Programmheft. Aber Kunst ist nicht didaktisch, und wir sind nicht blöd.

    Der Fanatismus ist die einzige "Willensstärke", zu der auch die Schwachen und Unsicheren gebracht werden können (Nietzsche)

  • La Boheme in der Gegenwart und der dritte Akt in einer Nachtbar.....? Und das stört Dich nicht, also findest es im Umkehrschluß wahrscheinlich akzeptabel?!?!

    Ich fand es in der Tat akzeptabel, wobei ich vielleicht präzisieren muss, dass der dritte Akt nicht in, sondern vielmehr vor der Nacht- (nicht Nackt-) bar spielte. Und daran war im Zuge der modernen Inszenierung nichts auszusetzen, schließlich macht Musettas Schenke im Libretto auch nicht gerade den Eindruck eines Sterne-Restaurants.



    Nichts für ungut, gestatte eine Frage, kann es sein, daß Du noch nie eine richtig gute und vor allem werkgetreue Boheme gesehen hast?

    Eine werkgetreue Boheme hab ich zwar nicht live, aber als Aufzeichnung gesehen und auch eine richtig gute sah ich schon: Nämlich die erwähnte in Erfurt. Sie machte durch die Verlagerung in unsere Zeit deutlich, dass es kaum zwingende Gründe gibt, das Geschehen im Paris des Jahres 1830 spielen zu lassen und ermöglichte m.E. durch die Aufhebung der historischen Distanz ein unmittelbareres Mitfühlen. (Das Publikum sah das wohl ähnlich, denn die Inszenierung wurde mit dem Zuschauerpreis ausgezeichnet!)
    Wie ich bereits in einem vorherigen Beitrag festhielt, kann auch Regietheater richtig gut sein, ebenso wie Werktreue richtig schlecht sein kann. Um ein anderes, opernfremdes Beispiel für überaus gelungene zeitliche Verlagerung zu nennen, möchte ich auf die britische Serie Sherlock verweisen, deren zweite Staffel jüngst ausgestrahlt wurde: Dieser Sherlock Holmes der Gegenwart wird zugleich dem Original gerecht und schlägt hinsichtlich intelligenter Unterhaltung so manchen Jahresausstoß aus Hollywood.



    Man kann aber kaum bestreiten, dass oft tatsächlich verborgene Aspekte aufgedeckt werden. [...] Und wenn nun jemand meint, die Widersprüche in einem Werk [...] auflösen zu müssen, dann muss er zwangsläufig manches "uminterpretieren".

    Da ist doch viel angesprochen, mit dem ich absolut konform gehe :yes: : verborgene Aspekte aufdecken, Widersprüche auflösen, manches uminterpretieren. Das Regietheater, das meinen Unmut weckt, deckt aber nicht verborgene Aspekte auf, sondern drängt (m.E.) nicht vorhandene ins Werk hinein oder betont einen (verborgenen) Aspekt unter Missachtung anderer oder legt soviele andere Aspekte offen, dass vom Ausgangsmaterial kaum etwas übrig bleibt. (Wie bei einem Puzzle, bei dem man alle Teile auf Rückseite dreht). Es löst nicht nur die Widersprüche auf, sondern den Rest auch gleich. Und es interpretiert nicht manches um, sondern alles Uminterpretierbare.
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    @ La Roche
    Danke für deine Hinweise zu meiner Überlegung. An den Trubel um die Hänsel und Gretel-Inszenierung kann ich mich noch erinnern (war damals aber noch kein Opernhörer), dass es aber nebenher auch eine klassische Inszenierung gab, wußte ich nicht. Du sprichst ja insgesamt recht positiv von Gera. Vielleicht werde ich mir in der nächsten Spielzeit mal selbst ein Bild machen.
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    Kennt jemand die neue Serie "Spartakus"? [...]nichts anderes als eine kontinuierliche Aneinanderreihung von Verstümmelungen, Pornos und schlechten schauspielerischen Leistungen[...]

    Du hast die entsetzlichen Dialoge vergessen, die so hölzern sind, dass man mit ihnen den Kamin füttern könnte. Unterhaltsam war's aber! :baeh01:

    "Geduld und Gelassenheit des Gemüts tragen mehr zur Heilung unserer Krankheiten bei, als alle Kunst der Medizin." (W.A. Mozart)

  • Du sprichst ja insgesamt recht positiv von Gera. Vielleicht werde ich mir in der nächsten Spielzeit mal selbst ein Bild machen.


    Lieber Lynkeus,


    ich will Dich nicht erschrecken. Gera als Stadt ist sicher besser als sein Ruf. Aber von einem Opernbesuch rate ich Dir ab, wenn Du nicht unbedingt ein Befürworter des Regietheaters sein solltest. Wir hatten einen Intendanten, der es geschafft hat, fast 4 Mio Minus zu machen, deshalb mußte er gehen. Aber wir hatten dadurch auch das Glück erstklassiger Sänger (für Gera jedenfalls). Aber auch er machte extremes Regietheater, deshalb habe ich vor 3 Jahren schweren Herzens mein Anrecht gekündigt.


    Nun hat Gera kein Geld. Die Sänger werden schlechter. Immerhin haben wir aber ein neu berufenens Thüringenballett, der Name verpflichtet, es ist damit eine Art Staatsballett. Aber auch da werden klassische Sachen weniger, die Ballettdirektorin kann mit der 20. Inszenierung von Giselle oder Dornröschen nicht punkten. Deshalb entwickelt sie ständig neue Ballette ohne Handlung. Wems gefällt?!


    In der Oper passieren komische Sachen. Das Theater hat kein Geld, bekommt einen Extrazuschuß vom Land, und die Mitarbeiter sollen einen neuen Haustarifvertrag abschließen. Seit Jahren machen die das schon, sie verzichten freiwillig auf Tarifentlohnung. Man sollte annehmen, daß man da auf das Publikum setzt. Weit gefehlt. Nächste Spielzeit gibt es in der Oper folgende Neuinszenierungen: Lady Macbeth von Mzensk (Wer geht da freiwillig hin außer einigen Experten), dann die Feursbrunst von Haydn (auch etwas für Spezialisten) und Werther. Sicher eine schöne Oper, aber in Gera kein Renner, das kann ich jetzt schon sagen. In der Operette nur eine Neuinszenierung von einem unbekannten kubanischen Komponisten. Kein Verdi im Verdi-Jahr, kein Wagner im Wagner-Jahr und kein Flotow im Flotow-Jahr. Traurig. Man lebt von alten Inszenierungen wie Frau Luna, Anatevka, Carmen. Die beiden ersteren kánn man ansehen, muß aber nicht.


    Wenn Du nach Gera kommen solltest, dann geh ins Konzert. Wir haben ein sehr gutes Orchester und einen der schönsten Konzertsäle Ostdeutschlands. Sonst warte auf bessere Zeiten. Aber das mache ich nun auch schon seit Jahren.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Eigentlich betrachte ich die Ausfälle im Forum gegen Regie ... was auch immer als "Stand up Commedy" und lese daher die "Tea Party Abteilung" des Forums mit den bekannten Ausfällen gegen alles was modern gerne ist mit Amüsement.
    Dabei regen die sich über weniger als 10% der üblichen Aufführungen auf und rubbeln sich dabei aber dermaßen einen ab, das es schon lustig ist.
    Als hätten sie die Kultur für sich gepachtet. Die Armen! Doch ist es nicht schön? Wenigstens nerven sie nicht in den Konzertsälen rum und sind still gestellt.
    Hier toben sie dafür umso dreister rum! Das sei ihnen gegönnt. Aufhalten werden sie die Welt ohnehin nicht.
    Wenn ich dann aber lesen darf,

    Zitat

    die mit der berühmten "Umwertung aller Werte" einhergeht, also dem Motto der mittlerweile fest in gesicherten Positionen sitzenden Achtundsechzigern und ihrer Nachgeburt. Der "lange Marsch durch die Institutionen" ist vortrefflich geglückt - Medien, Bildungswesen und natürlich der Kultursektor werden von diesem Ideologengeschmeiß bevölkert.

    wobei "Nachgeburt'" man bei Wikipedia mal nachschlagen sollte, um die gesamte Hinterhältigkeit und Menschenverachtung des Satzes zu ermitteln, dann, ja, dann schlägt einen der komplette Irrsinn blank ins Gesicht! Oder es anders zu sagen: "Hier sind Faschisten am Werk!" Oder Kleinstbürger, die die Welt nicht mehr verstehen (wollen oder können). Das wäre genauso schlimm!
    Pfuii!
    Kein Gruß aus Kiel

  • Zitat

    10%??? Schön wär´s!


    Mehr habt Ihr nicht zu sagen? Keine Belege, kein nix?! Wie armselig ist das denn!
    Das entspricht so in etwa dem intellektuellem Gehalt der Kritik!
    Eine frustrierte und armselig meckernde Bande! Wenn man schon keine Ahnung hat, darf man wenigstens rummeckern.
    Mehr nicht aber total reaktionär! Selbst die CSU ist dagegen modern!
    Fortuna Oscar,
    so heißt es wohl!

  • Dabei regen die sich über weniger als 10% der üblichen Aufführungen auf und rubbeln sich dabei aber dermaßen einen ab, das es schon lustig ist.
    Als hätten sie die Kultur für sich gepachtet. Die Armen! Doch ist es nicht schön? Wenigstens nerven sie nicht in den Konzertsälen rum und sind still gestellt.

    Hach, mein realitätsferner Freund S.Bummer ist auch wieder dabei. Wie schön! Weniger als 10 % ! Ist das köstlich. :hahahaha::hahahaha: Das ist nun wirklich echte Stand-up Comedy. Kompliment!
    Tja, "still gestellt " hätten manche wohl gern, aber sooo einfach wird das wohl kaum funktionieren.



    wobei "Nachgeburt'" man bei Wikipedia mal nachschlagen sollte, um die gesamte Hinterhältigkeit und Menschenverachtung des Satzes zu ermitteln, dann, ja, dann schlägt einen der komplette Irrsinn blank ins Gesicht! Oder es anders zu sagen: "Hier sind Faschisten am Werk!" Oder Kleinstbürger, die die Welt nicht mehr verstehen (wollen oder können). Das wäre genauso schlimm!

    Was habe ich gesagt? Jetzt haben wir den Faschisten und den Klein(st)bürger (wie groß darf der eigentlich sein, über 1,50 m doch nicht, oder?) versammelt, und nun fehlt noch der böse, böse, böse Stammtisch, an dem sich diese finsteren Gesellen dumpfe Parolen zusammenschustern und gemeine Pläne gegen die exquisite deutsche Kulturlandschaft schmieden.



    Zitat

    Mehr habt Ihr nicht zu sagen? Keine Belege, kein nix?! Wie armselig ist das denn!
    Das entspricht so in etwa dem intellektuellem Gehalt der Kritik!

    Also wirklich, ich finde, Sie haben komisches Talent. Jedenfalls sind Sie viel komischer als die meisten, die unter diesem Label auftreten. Ich würde versuchen, daraus Kapital zu schlagen. Mit aus der Luft gegriffenen Zahlen herumwedeln und dann von den anderen Belege fordern. Das muss man erstmal bringen.



    Zitat

    Mehr nicht aber total reaktionär! Selbst die CSU ist dagegen modern!

    Und Tooooor! Genau, der reaktionäre CSU-Jünger, der sich aber nur scheinbar einen modernen Anstrich gibt, fehlte noch am Stammtisch. So langsam gibt es aber keine Plätze mehr.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Mehr habt Ihr nicht zu sagen? Keine Belege, kein nix?! Wie armselig ist das denn!

    Kann ich genauso zurückgeben! Wo sind denn Deine Belege für die "weniger als 10%"?

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Zitat

    und nun fehlt noch der böse, böse, böse Stammtisch, an dem sich diese finsteren Gesellen dumpfe Parolen zusammenschustern und gemeine Pläne gegen die exquisite deutsche Kulturlandschaft schmieden.


    Ich weiß ja, das Lesen bildet, aber das hier in diesem Kontext? Sorry, etwas Sekundärinformation....würde helfen.


    Dabei würde ich doch gerne wissen, ob der Herr Strano immer noch von "Nachgeburt" so gerne redet?
    Oder ob er sich normaler Terminologie bedienen kann, dann kann ich sehr wohl und prima diskutieren.
    Dies als Angebot, denn so weit sind wir inhaltlich (wohl aber terminologisch) nicht entfernt.
    Gruß S.

  • In seinem Artikel zum 25. Todestag Gustav Gründgens' 1988 schreibt der Musikkritiker Georg Antosch in der DDR-Kulturzeitschrift "Theater der Zeit":


    "Sicher, die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze. Aber wenn von Mimen Bleibendes auf die Nachwelt kommt, dann sollte man ihrer in Dankbarkeit gedenken und ihr Erbe bewahren, gerade auch im Blick auf die Werktreue, von der junge Autoren aber auch Regisseure wie Matthias Poppe so wenig halten, daß jener auf der VI. Werkstatt des DDR-Schauspiels im April zu formulieren wagte: 'Werktreue ist faschistoid'. "


    Um auf den klar vorhandenen ideologischen Aspekt hinter den Auswüchsen des Regietheaters, und damit zum Thema, nämlich dem Zweck des Ganzen, zurückzukommen.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Zitat

    Um auf den klar vorhandenen ideologischen Aspekt hinter den Auswüchsen des Regietheaters, und damit zum Thema, nämlich dem Zweck des Ganzen, zurückzukommen.


    Nur kann man dem nicht mit denselben Methoden beikommen, oder? Und das passiert hier!
    S.

  • 2 Jahre jeden Tag FAZ und SZ. (Abo)
    Nix dergleichen bemerkt!


    1 Monat Welt.
    Ok! Du hättest Recht!


    Gruß aus Kiel

    Versuchs doch mal mit "Opernwelt" oder "Opernglas" und zähle aus!

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Oder es anders zu sagen: "Hier sind Faschisten am Werk!" Oder Kleinstbürger, die die Welt nicht mehr verstehen (wollen oder können). Das wäre genauso schlimm!
    Pfuii!


    Na ja, bester s.bummer,


    zu einem gewissen Grad kann ich Deine Indignation verstehen, nur, finde ich, schüttest Du das Kind mit dem Bade aus und übersiehst, dass es auch unter den Kritikern des sogenannten Regietheaters (unpassender Ausdruck übrigens) keine einheitlichen Ansichten gibt. Wir sind hier nicht auf regietheaterfeindlichem Quantenniveau, wo ein Elektron vom andern nicht zu unterscheiden ist. Wenn Du alle Beiträge gelesen hättest, wäre Dir sicher aufgefallen, dass nicht alle Gegner des Regietheaters in der gleichen Tonart spielen.


    Wenn Du den Anfall Deiner akuten Hypertonie überstanden hast, erkläre mir doch bitte, ob es Dein mathematisch geschultes Denkvermögen zulässt, zu glauben, dass Alles, was von modernen Regisseuren angeboten wird, a priori besser ist als sogenannte werkgetreue Regie und warum es undenkbar ist, dass ein Regisseur eher darauf aus ist, sich einen Namen zu machen, als dem Komponisten gerecht zu werden.


    MSchenk hat es doch deutlich gesagt und dem will ich mich gerne anschließen: es gibt Gutes und Schlechtes auf beiden Seiten. Ich möchte noch weiter gehen und behaupten, dass es manchmal unmöglich ist, die Linie zu bestimmen, die die vermeintlich konträren Gattungen trennt.


    Extreme Standpunkte zu vertreten ist ein wirksames Mittel, eine Debatte anzuregen und selbst der Gebrauch von Invektiven ist nicht immer kontraproduktiv, nur sollte man über allem nicht vergessen, dass ein Forum dem Meinungsaustausch dient. Wenn Du es nicht für nötig erachtest, Meinungen mit Argumenten zu begegnen, ist Deine Indignation verfehlt.


    Arroganz, finde ich, sollte als Waffe nur zum Einsatz kommen, wenn alle diskursiven Mittel wirkungslos geworden sind.


    Grüße trotz allem aus Stockholm ;)

  • Mag sein,
    aber ich halte mich lieber an die Zeitungen mit den führenden Feuilletons
    Das ist repräsentativer: Zumal die beiden Zeitungen nicht im Verdacht stehen, die eine eher links, die andere eher rechts.
    Gruß aus Kiel

  • Zitat

    Ein durchgängiges Moment des Regisseurstheaters ist der pädagogische Zeigefinger: man will aufklären, erklären, den wahren "Subtext" des Librettos zeigen, den Komponisten und Textdichter besser verstehen als er sich selber, die Wichtigkeit des Werkes für heute zeigen. Und wenn man das auf der Bühne nicht so recht deutlich machen kann, schreibt man es ins Programmheft. Aber Kunst ist nicht didaktisch, und wir sind nicht blöd.

    Ich kann mich dieser Meinung nicht ganz anschliessen. Denn jeder der sogenannten Inszenierungen ist anders, ein Konzept ist nur insofern zu erkennen, daß das Original möglichst zerstört wird - Die Zauberflöte im Zirkuszelt, die Zauberflöte im Badezimmer....... etc etc



    Zitat

    "Hier sind Faschisten am Werk!" Oder Kleinstbürger, die die Welt nicht mehr verstehen (wollen oder können). Das wäre genauso schlimm!

    Diese Floskel wird oft und gerne gebraucht, wenn man Kritiker ausschalten will. Sie funktioniert allerdings nicht mehr.
    Die meisten Teile der Bevölkerung wären froh, wenn sie noch als Bürger und nicht als Proleten gesehen würden - und das Wort "Faschist" hat angesichts der zunehmenden Kriminalität und sozialen Unsicherheit zunehmend an Schrecken verloren. Ob man das mag oder nicht - Es ist die Realität.


    Diejenigen, die das Regietheater eingeführt haben und das bürgerliche weitgehend zerstört haben, verkriechen sich gerne.
    Sie verkriechen sich hinter den Namen der Librettisten die sie verfälschen und verderben, Sie verkriechen sich hinter den Namen ihrer Leher. Sie verkriechen sich hinter den Schutz der staatlichen Subventionen. Sie verkriechen sich hinter der angeblichen Intellektualität ihres Wirkens, wobei das wohl ein Hohn sein soll.


    Die grösste Leistung der Regietheaterliga in Verbindung mit befreundeten Kritikern und Redakteuren besteht meiner Meinung darin diesen teilweise ekelerregenden Stumpfsinn als "intellektuell" zu "verkaufen" - und den Leuten weiszumachen, daß wer das Regietheater ablehne - intellektuell minderbemittelt, kleinkariert und gesellschaftlich unbedeutend sei.
    Und die Leute haben diesen Stumpfsinn jahrelang "gefressen".


    Und immer, wenn das Eis dünn wird, dann wollen diese Leute mit Sophismen - die durchschaubar sind wie eine Lesebrille-
    pseudointellektuelle Spitzfindigkeiten austauschen -und Zeit gewinnen. Aber die Zeit, wo wir mit diesen Leuten verhandeln ist vorbei. Wir wollen UNSERE Opernhäuser wieder für das Publikum zurückhaben für das sie einst gebaut wurden, nicht für jene, die mit historischem Material nichts anfangen können.


    Und in letzter Konsequenz werden wir nicht argumentieren - das wird sowieso negiert - sondern so agieren, daß unsere Wünsche durchgesetzt werden.


    Der Erfolg - wenngleich erste Anzeichen vorhanden sind - wird vielleicht noch ein paar Jahre auf sich warten lassen - aber er wird umso nachhaltiger und langlebiger sein.


    Regietheater hat an großen Häusern von Rang nichts zu suchen, es ist als ob man im Wiener Hotel Imperial Hamburger auf die Speisekarte setzte - "Regietheater" soll meinetwegen an Studentenbühnen dahinvegetieren - allerdings wäre mir ein konsequentes "Aus" persönlich lieber......


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Zitat

    Wenn Du den Anfall Deiner akuten Hypertonie überstanden hast, erkläre mir doch bitte, ob es Dein mathematisch geschultes Denkvermögen zulässt, zu glauben, dass Alles, was von modernen Regisseuren angeboten wird, a priori besser ist als sogenannte werkgetreue Regie und warum es undenkbar ist, dass ein Regisseur eher darauf aus ist, sich einen Namen zu machen, als dem Komponisten gerecht zu werden.


    Das ist mir ehrlich völlig wurscht!! Dazu ist es zu unwichtig!
    Mir geht es um den Umgang mit Menschen! Ich kann und will es nicht zulassen, das heute Regisseure ob sie Deppen oder Genies sind, von Leuten hier im Forum als NACHGEBURT bezeichnet werden. Das geht nicht und nimmer.
    Wir haben hier alle eine Würde! Und es gibt eine menschliche Grenze, die man nicht überschreiten sollte.
    Und deshalb ist das, was manche hier schreiben, menschlich grenzwertig, mehr habe ich nicht geschrieben. Und da das keine Deppen sind, die aus der Rolle fallen, würde es mich freuen, sie würden es erkennen.


    Gruß aus Kiel


    PS. Aber du hast Recht. Ich habe Medikamente gegen Hochdruck!

  • Herr Bummer hat doch 100% Recht. Es ist ein absoluter Skandal, wie wir ewig gestrigen Faschos uns benehmen!!!


    Welche Unverschämtheit, dass wir durch Tamino ein Forum haben, in welchem wir unsere (jahrzehntelang unterdrückte) Stimme laut werden lassen! Und (entsetzlich!) wir werden immer mehr!


    Aber unsere grösste Unverschämtheit ist doch diese: Wir wagen es, uns den mit unseren Steuergeldern subventionierten Regie-Theater-Inszenierungen zu verweigern! Weil wir keine Karten kaufen, sind Theater wie die Komische Oper Berlin die lausigst ausgelasteten in Deutschland. Pfui!! Geht endlich in die Oper statt in Sexclubs und geilt Euch an Bieito usw. auf, trotz der nicht dazu passenden Musik, von den Libretti ganz zu schweigen!


    Und bitte, freut Euch nicht darauf, wie Homoki in Zürich untergehen wird!!


    Mit freundlichen Grüssen!! ;)


  • Ja, das stimmt. Betreten senke ich mein errötendes Haupt. Aber als faschistoider Kleinstbürger, der sowieso keinen Überblick hat und dessen intellektuelles Niveau weit unter der Tischkante des Stammtischs ist, an dem er sich gerade beim dritten wohlgefüllten Humpen Hefeweizen ereifert, habe ich ja keine andere Chance. Ich gelobe aber Besserung! ;) Sind auch die Kräfte schwach, ist doch der Wille zu loben.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Zitat

    Diese Floskel wird oft und gerne gebraucht, wenn man Kritiker ausschalten will. Sie funktioniert allerdings nicht mehr.


    Ich bitte doch sehr darum, den Kontext zu beachten!
    Mit diesem Zitat gehe ich sehr sehr sparsam um! Hier zum 1. Mal seit 77X Beiträgen.
    Gruß aus Kiel


    OH Weh, wenn diese Typen was zu sagen hätten, dann wäre Deutschland das nächste Griechenland

  • Mag sein,
    aber ich halte mich lieber an die Zeitungen mit den führenden Feuilletons
    Das ist repräsentativer: Zumal die beiden Zeitungen nicht im Verdacht stehen, die eine eher links, die andere eher rechts.
    Gruß aus Kiel

    Die genannten Zeitungen berichten aber nur aus den "großen" Opernhäusern, während die Fachzeitschriften auch aus der sogenannten Provinz berichten. Nochmals: und dann zähle aus!

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Zitat

    faschistoider Kleinstbürger, der sowieso keinen Überblick


    Du hast endlich dich erkannt!
    Wunderbar!
    Mach weiter so!
    S.ö


  • Du hast endlich dich erkannt!
    Wunderbar!
    Mach weiter so!
    S.ö


    Damit ist der Samstagabend gerettet. :jubel::jubel: Ein Kompliment vom aufrechten und streitbaren Wahrer der Menschenrechte, der sich erst großspurig in ausgedachten Zahlen ergeht, um dann auf einmal das Thema des Threads als egal und unwichtig darzustellen. Echt niedlich!

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Bedanke Dich nicht bei mir, sondern bei Dir selbst.
    Jeder ersäuft in seinem eigenen Wortschwall.
    Viel Glück dabei.


    S.

  • Schon erschreckend, wie aggressiv manche Reaktionen der Regietheaterfraktion ausfallen.... :wacko:

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Bedanke Dich nicht bei mir, sondern bei Dir selbst.
    Jeder ersäuft in seinem eigenen Wortschwall.
    Viel Glück dabei.


    S.


    Keine Angst! Ich kann ziemlich gut schwimmen. Und zur Not habe ich mein Kajak dabei.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Zitat

    Nochmals: und dann zähle aus!


    Versprochen!: ich kümmere mich, auch wenn es ein paar Tage dauern wird.
    Nenn mit doch bitte ein paar relevante OPERN zur Orientierung.
    Was ich doch nur kritisieren wollte war der Stil des Umgangs!
    Und die Reaktionen waren Beleg genug, oder?? Der "Strano" hat reagiert wie es jedes Erstsemester erwarten würde, oder??
    Gruß aus Kiel