Sammelplatz für absurde und lächerliche Inszenierungsideen...

  • Und das soll dann wohl Salomé sein? Und der Nackte ist dann wohl der Regisseur selbst als Statist, denn ein ernst zu nehmender Schauspieler gibt sich doch für so etwas nicht her!!! Oder???

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Traurig, was aus Zürichs Oper geworden ist:



    Obwohl wir natürlich alle von selbst drauf gekommen wäre: Es handelt sich um Rossinis Mosé.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ist doch klar das Bild von Harald ist die Festwiese aus dem letzten AKt der Meistersänger. Und vorne auf dem Bild das sind Eva und Stolzing und im Hintergrund erkennt man auch schon einige Zünfte und zwar Koch und Krankenschwestern. :)

  • Zitat von Joseph II: Obwohl wir natürlich alle von selbst drauf gekommen wäre: Es handelt sich um Rossinis Mosé.

    Ach ja. Die haben gerade ihre Koffer gepackt und fliegen in biblischer Zeit mit dem Flugzeug (so was hatte man ja da schon), damit sie nicht durchs Rote Meer müssen. Scheußlich interessant und hübsch hässlich!!!


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Echt ... komisch. Gähn.


    Das grenzt ja beinahe an Erregung öffentlichen Ärgernisses.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Iphigenie in Unterhosen....äh Tauris....Komische Oper Berlin ( Wo sonst???)

    Da fehlen einem die Worte, da ist man doch wirklich sprachlos.
    Wenn es nicht Figarooo oder ein anderes geschätztes Mitglied unseres Forums wäre... einem anderen würde ich das nicht glauben!
    Da ist es mir doch gleich ein herzliches Bedürfnis "Hochachtungsvolle Grüße" an einen gewissen Herrn des dortigen Hauses zu senden. Vielleicht äußert er sich mal zu diesem ästhetischen, hochgeistigen Erguß. Er ist ja wohl ein fleißiger und intensiver Gastleser in unserem Forum.


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Das Foto hat Figaroo vergessen zu posten:



    Lohengrin, Stefan Herheim, Berlin....

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Seit der Pöbel die Deutungshoheit über die Operninszenierungen erlangt hat, wird es einfach von Jahr zu Jahr schlimmer. Wo früher Intellektuelle mit einem Gespür für Stil zeitlose Produktionen schufen, regieren heute ewiggestrige Weltverbesserer, für die Ästhetik und Werktreue ein Fremdwort ist. Aber ich denke, mithilfe von Tamino und anderen Plattformen (hier ist durchaus auch die Facebook-Gruppe "Against Modern Opera Productions" mit mittlerweile über 3.000 Anhängern löblich zu erwähnen), wo dieser Schund öffentlich vorgeführt wird, werden wir die Wende schaffen, auch wenn es viel Schweiß und Kraft kostet.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Die Einträge von heute reichen aus für einen ganzen Monat Kotzen! Man kann bei diesen Inszenierungen wirklich nur noch von krankhaften Gehirnen sprechen. Von der Komischen Oper Berlin ist man zwar ohnehin nichts anderes als Scheußliches gewöhnt, aber die anderen gezeigten Inszenierungen stehen dem an Widerwärtigkeiten ja auch nicht nach. Wie erbärmlich!!!
    Da sind wir ja mal gespannt, was für einen Grin wir wohl am Freitag aus Mailand bekommen. Ob wir wohl nach Klassengrin, Baustellengrin, Rattengrin und dem unter 399 gezeigten Grin, für den es schon keine Worte mehr gibt, jetzt endlich mal wieder einen Lohengrin bekommen??


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)


  • Da sind wir ja mal gespannt, was für einen Grin wir wohl am Freitag aus Mailand bekommen. Ob wir wohl nach Klassengrin, Baustellengrin, Rattengrin und dem unter 399 gezeigten Grin, für den es schon keine Worte mehr gibt, jetzt endlich mal wieder einen Lohengrin bekommen??


    Liebe Grüße
    Gerhard


    In Mailand gibt es den Küchenpsychologiegrin. Das ist jedenfalls vom Verantwortlichen Regisseur zu erwarten!

    Liebe Grüße,
    Figarooo

  • Cavalleria Rusticana, Hannover...Bieito...*seufz*

    seufz? Nein, nicht seufz, sondern kotz !!!
    Wenn man solchen Dreck, solch geistige Diarrhoe angeboten bekommt... Und dafür soll man noch vielleicht Geld bezahlen...
    Da wird mir erst recht wieder bewußt und bekräftigt, wie dankbar und ins Nachhinein glücklich bin ich doch, wenn ich an die vielen Vorstellungen mit einer hervorragend werkgetreu inszenierten "Cavalleria" seinerzeit an der Deutschen Staatsoper denke, die ich dort erlebt habe. Abgesehen davon, daß es damals noch keine Typen mit solchen bedenklichen psychischen Auffälligkeiten gab, bin ich 100 % -ig davon überzeugt, das wäre mit einem Ruggiero Orofino als Turiddu und auch mit den anderen Ensemblemitgliedern nicht zu machen gewesen. Keiner hätte sich für solch einen kranken Schwachsinn hergegeben.


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Zitat

    Zitat von Figarooo: In Mailand gibt es den Küchenpsychologiegrin. Das ist jedenfalls vom Verantwortlichen Regisseur zu erwarten!

    Aber selbst einen solchen Frass wird uns Frau Gerlach dann am Schluss wohl mit vorgefertigter abgelesener Kritik schmackhaft machen wollen, um die Buh-rufe zu übertönen.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Der italienische Ministerpräsident wird nicht zur Lohengrin Premiere kommen. Er findet es unverschämt ,das trotz Verdi Jahr die Scala mit einer deutschen Oper eröffnet wird. Stattdessen geht er lieber nach Rom , wo angeblich politische Gespräche stattfinden sollen. Auch an der Rheinoper gibt es eine sehr schöne Cavalleria Rusticana und Bajazzo Inszenierung . Unübertroffen ist natürlch die Zeffirelli Inszenierung aus der Met.

  • Seit der Pöbel die Deutungshoheit über die Operninszenierungen erlangt hat, wird es einfach von Jahr zu Jahr schlimmer. Wo früher Intellektuelle mit einem Gespür für Stil zeitlose Produktionen schufen, regieren heute ewiggestrige Weltverbesserer, für die Ästhetik und Werktreue ein Fremdwort ist. Aber ich denke, mithilfe von Tamino und anderen Plattformen (hier ist durchaus auch die Facebook-Gruppe "Against Modern Opera Productions" mit mittlerweile über 3.000 Anhängern löblich zu erwähnen), wo dieser Schund öffentlich vorgeführt wird, werden wir die Wende schaffen, auch wenn es viel Schweiß und Kraft kostet.

    Man kann eigentlich nur eines tun: Nicht hingehen! Ohne Kundschaft kein Markt! Aber wie es scheint, braucht man uns ohnehin nicht mehr! Pöbel heißt Masse und die ist, scheint es, vorhanden ...

  • Zitat

    Zitat von Yorick: Man kann eigentlich nur eines tun: Nicht hingehen! Ohne Kundschaft kein Markt! Aber wie es scheint, braucht man uns ohnehin nicht mehr! Pöbel heißt Masse und die ist, scheint es, vorhanden ...

    Viele echte Opernfreunde gehen ohnehin nicht mehr hin. Was die Masse betrifft: Noch ist sie da! Noch!! Zumindest was die Voyeure, die Subventionen und möglicherweise auch die Sponsoren betrifft. Voyeure wird es zwar immer geben. Was aber die beiden anderen Massen betrifft, könnte es bald schlechter aussehen. Vielleicht braucht man uns dann wieder als Kundschaft und besinnt sich wieder auf Werte.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Wie sagte schon mein Namensvetter: "Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk." Genauso wie es bereits vor der Französischen Revolution stimmte, stimmt es heute umso mehr. Das Volk will bei Laune gehalten werden, aber man sollte es tunlichst vermeiden, alle Verantwortung in seine Hände zu legen. Pöbel alias Masse ist in den Opernhäusern demzufolge auch noch vorhanden. Da die Dummen aber immer in der Mehrheit waren, ist das kein Qualitätskriterium. Der Plebs wird heute letztlich auch in der Oper durch qualitativ minderwertige Produktionen "bespaßt", so wie das im Radio und Fernsehen seit Jahren der Fall ist. Und in allen Fällen merkt er es gar nicht, sondern findet diese Entwicklung sogar noch toll und "fortschrittlich".


    Da kann man nur einen anderen großen Mann zu Wort kommen lassen, der sicher nicht als Undemokrat in die Geschichte einging und diese ganze Misere schon vor über 200 Jahren treffend zusammenfasste:


    "Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn;
    Verstand ist stets bei Wen'gen nur gewesen.
    Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
    Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
    Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
    Um Brot und Stiefel seine Stimm' verkaufen.
    Man soll die Stimmen wägen, und nicht zählen;
    Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
    Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet."


    — Friedrich von Schiller

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Wie sagte schon mein Namensvetter: "Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk." Genauso wie es bereits vor der Französischen Revolution stimmte, stimmt es heute umso mehr. Das Volk will bei Laune gehalten werden, aber man sollte es tunlichst vermeiden, alle Verantwortung in seine Hände zu legen. Pöbel alias Masse ist in den Opernhäusern demzufolge auch noch vorhanden. Da die Dummen aber immer in der Mehrheit waren, ist das kein Qualitätskriterium. Der Plebs wird heute letztlich auch in der Oper durch qualitativ minderwertige Produktionen "bespaßt", so wie das im Radio und Fernsehen seit Jahren der Fall ist. Und in allen Fällen merkt er es gar nicht, sondern findet diese Entwicklung sogar noch toll und "fortschrittlich".

    Mit diesen gesunden "konservativen" Ansichten wird man dennoch schnell als Antidemokrat abgestempelt. Dabei gilt panem et circenses nirgendwo mehr als in der freien Welt: Wären heute Arenen erlaubt, man sähe auch geifernd und johlend Gladiatorenkämpfen zu; ich weiß das, bin schließlich auch auf den Fußballrängen zu Hause und die Wiener hier haben sicher schon Austria gegen Rapid erlebt, das muss man nur hochrechnen. 8-) Natürlich war Kunst und besonders die Musik früher elitär, nur dem Adel und dem gehobeneren Bürgertum zugänglich; und ich will die Hinwendung zur Kunst für alle nicht kriminalisieren, das ist schon in Ordnung so. Nur muss man eben dann auch die Folgen einkalkulieren: Kunst an sich und ihrem Wesen nach ist nicht demokratisch, kann sie ja gar nicht sein; der Konsum von Kunst dagegen ist für jeden möglich, der den Marktwert zahlen kann. Also auch der Opernbetrieb ist heute Teil der marktwirtschaftlichen Maschinerie und eines so moral- wie kunstfernen Mediengeschäfts. Hieran wird sich nichts ändern, es sei denn, die gesellschaftlichen Umstände wandelten sich.

  • Das mit dem "Volk" kann ich jetzt nicht nachvollziehen.


    Das "Volk" in den Opernhäusern hat sicher nicht das Regietheater herbeigesehnt - und bleibt wegen des Regietheaters heute auch eher zu Hause.


    Und das "Volk" in seiner Gesamtheit interessiert sich weder für Oper noch für Regietheater.


    Ratlose Grüße,
    KSM

  • In Hannover haben doch viele ihre Abos gekündigt, in der Zeit wo Bieto so häufig dort inszeniert hat. Gelernt hat man wohl nichts daraus. Am Wochenende habe ich in der Pause bei der Premiere von Hochzeit des Figaros ein Gespräch belauschen können, wo es hieß: Ist das langweilig, da passiert ja nichts auf der Bühne. Hoffentlich wird das nach der Pause besser. Als ich den beiden Herrschaften dann versucht habe zu erklären, das sie doch froh sein sollten, endlich mal einer handwerklich gut gemachten Inszenierung beizuwohnen, bekam ich dann die tolle Antwort, das ihnen eine schlecht gemachte Inszenierung, in der "Action" auf der Bühne ist, lieber ist, als eine langweilige gut gemachte Inszenierung. Dazu konnte ich dann nichts mehr erwidern. Nur leider vermute ich mal, dass genau so das " Volk " denkt.

  • Und das "Volk" in seiner Gesamtheit interessiert sich weder für Oper noch für Regietheater.

    Genauso ist es.



    Als ich den beiden Herrschaften dann versucht habe zu erklären, das sie doch froh sein sollten , endlich mal einer handwerklich gut gemachten Inszenierung beizuwohen, bekam ich dann die tolle Antwort, das ihnen eine schlecht gemachte Inszenierung in der " Action " auf der Bühne ist lieber ist, als eine langweilige gut gemachte Inszenierung. Dazu konnte ich dann nichts mehr erwiedern. Nur leider vermute ich mal das genau so das " Volk " denkt.

    Das glaube ich nicht. Ich halte eine solche Schwachsinnsaussage für das Extrem, das genau von denjenigen verkörpert wird, die wegen allem Möglichen in die Oper gehen, außer wegen der Oper selber. Typisches Komische-Oper-Publikum halt. Aber bestimmt nicht die Mehrheit und schon gar nicht das "Volk".
    Du hast ja selber erwähnt, dass sich die Abokündigungen in Hannover proportional zu Bieito-Inszenierungen verhielten. Wenn also die Mehrheit auf "Action" (also Sex and Crime) in der Oper aus ist, dann hätten sich die Abos doch verdoppeln müssen, oder?

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)


  • Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich nicht zu den kategorischen Gegnern des Regietheaters gehöre. Im Gegenteil, erheitere ich mich gelegentlich ganz gern ob deren Engstirnigkeit und gewissen geistigen Bequemlichkeit. ;)


    Völlig übeinstimmen kann ich aber mit Joseph II. in seiner Kritik an der Urteilsfähigkeit der breiten Masse.
    Ich fürchte, dass es einfach erst einer nicht zu bewältigenden universalen kulturellen Bildungsunternehmung bedürfte, ehe man tatsächlich dieser breiten Masse wahrhaft die Kompetenzen zugestehen kann, die traditionell eher immer in den Händen bestimmter Eliten lagen. Nur eine Masse, die auf einem durchgängig hohen Bildungsnivaeu wäre, das jenem der Eliten nahesteht, wäre zu solchen Urteilen in der Lage. Doch nicht nur die Bildung alleine, auch die individuelle Urteilskraft des einzelnen - also in letzter Konsequenz die Auflösung der Masse - wäre vonnöten.
    Hier sei auf den französischen Theoretiker Gustave LeBon verwiesen, dessen »Psychologie der Massen« ein großartiges Werk zum Verständnis vieler Misstände der allermeisten Gesellschaften darstellt.


    (Ehe hier auf dessen Rezeption durch die Nationalsozialisten verwiesen wird, sei schon im Vorfeld erwähnt, dass dies eine eklatante Fehlrezeption war, die zahlreiche zentrale Theoreme LeBons negierte. Letztlich gründete die Macht der NS-Diktatur sogar - wohl eher unbewusst - gerade auf der konstatierten Unfähigkeit der Masse zum freien Urteil. Folgende zwei Zitate seien als hinreichender Beleg beigegeben:


    Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären versucht, ihr Opfer.
    und
    Die großen Führer aller Zeiten, die der Revolution hauptsächlich, waren sehr beschränkt und haben deshalb den größten Einfluss ausgeübt.


    Gottfried Semper etwa forderte eine umfassende ästhetische Erziehung aller ein, die ihm als Grundlage für eine Verbreitung wahrhaft schöner, qualitätvoller Architektur galt. So müsste es in jedem Teilbereich dessen erfolgen, was unsere Kultur darstellt.
    Allein, daraus wurde nichts: Wohl noch nie war das Bauen in der breiten Masse von so miserabler Qualität wie heute. Auch wenn manche Konzepte der klassischen Moderne, wie sie bis in die 1970er Jahre verfolgt wurden, mitunter ziemlich danebengingen, sowohl in sozialer wie auch gestalterischer Sicht, so waren doch Ambitionen und geistige Konzepte dahinter. Heute hingegen bedient eine rein kommerzielle Immobilienindustrie, die von Leuten ohne Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrer gebauten Umwelt, gegenüber dem öffentlichen Raum geführt wird, die unreflektierten Wünsche einer sich aus der Masse rekrutierenden Kundenklientel ohne legitimierten Anspruch und ohne die dafür notwendige spezifische Bildung. Die völlige ungestaltete Belanglosigkeit, die unsere Städte und Landschsaften verunstaltet, ist die traurige Folge.
    Und auch von einer Identitätsstiftenden Elite entfernen wir uns immer weiter. Die Abkehr von der universitären Ausbildung im Wortsinne ist nur der letzte Schritt zur Schaffung jenes akademischen Prekariats, das zwar über ein tiefes, eng umgrenztes Fachwissen verfügt, aber jeder breiten, kulturellen Bildung entbehrt. Da sich aus diesen Leuten aber die ökonomische Oberschicht rekrutiert, mithin ein Großteil jener Privatleute, die Kultur finanzieren könnten, drastisch gesprochen, ein Haufen reicher Proleten ist (man betrachte - wieder Architektur - was heutzutage so in Sachen "Villen" verbrochen wird), sind schöpferische kulturelle Impulse heute kaum noch in ausreichendem Maße zu erwarten.


    In dem die Masse nun auch noch, durch ein immer gravierenders Elitenproblem, ihre geistige Führung verliert (die wahre geistige Elite unserer Tage wird kaum mehr wahrgenommen; viele von jenen, die heute als Vorbilder erachtet werden, mithin die wahrgenommene Elite darstellen, sind der Masse hingegen in ihrem kulturellen Unvermögen nahezu ebenbürtig), verschlimmert sich natürlich die allgemeine kulturelle Verwahlosung umso mehr.


    Natürlich, es gibt immer wieder ein hoffnungsvolles Streben auch vieler jüngerer Leute, aber deren Zahl wird kaum ausreichen, die anderweitige flächige Erosion von Kultur zu kompensieren. Zumal der 'Output' (dieser scheußliche Anglizismus beschreibt treffend die renditetauglichen, geistig ungefestigten Absolventen heutiger verschulter Studiengänge, in denen der Blick über den Telllerrand irgendwo zwischen Faulheit und untragbarem Revoluzzertum angesiedelt wird) unserer 'Universitäten' kaum Besserung erwarten lässt. Anstatt jungen Menschen eigene Wege zu eröffnen, wie dies die Universitäten des Abendlandes jahrhundertellang taten, werden diese schon von Anfang an in Richtung standartisiertes Mittelmaß gelenkt, abgesehen von jenem winzigen Anteil an Wissen, der dem jeweiligen Studiengang noch zugestanden wird. Und so unterscheidet sich Akademiker außer durch sein eng umgrenzetes Fachwissen heute in seiner Persönlichkeit mitunter überhaupt nicht mehr von einem Hauptschüler. In Sachen klassischen bildungsbürgerlichen Kulturguts ist sicher in mancher Vorstandsetage nicht mehr zu finden als bei den einfachen Arbeitern in der Produktionshalle.


    Wir leben somit wohl in einer Zeit, in der sich die Masse immer mehr vergrößert, indem sich die einstige Elite ihr angleicht. Umso wichtiger ist es, der Mehrheit, so diese den Unverstand repräsentiert, den Sieg zu verweigern. Auch das antike Athen konnte nur zur Wiege der Demokratie werden, weil die Mehrzahl seiner Bewohner einer guten Bildung anteilig werden konnte und die Gesellschaft damit zu einer Summe mündiger Individuen wurde. Ein Haufen Ungebildeter mit unreflektierten, uniformen Ansichten würde niemals zu einer Demokratie führen sondern stets nur zu einer ephemeren Diktatur der Masse, die sich doch sogleich wieder blind ihrem Führer anvertrauen will.


    So, das passte nun gar nicht zum eigentlichen Thema, doch Josephs Schiller-Zeilen brachten mich einfach spontan dazu, meine diesbezügliche Meinung kundzutun.

    'Architektur ist gefrorene Musik'
    (Arthur Schopenhauer)

  • Sosehr ich novecentos An- und Einsichten in großen Teilen zustimmend folge, ist das Auseinanderklauben von Elite versus Masse im Bereich der Musik sehr gefährlich, hieße dies doch, der "Masse" (das Proletariat), das, wie richtig gesagt, in großen Teilen rattenfängerische, geistig schlichte Despoten adoriert, nicht über emotional-sensitive Eigenschaften verfügen würde, die Fähigkeiten, von musikalischer Klangrede überwältigt zu werden, rigoros abzusprechen.


    Man sollte sich hüten, zwei völlig unterschiedliche Komponenten in einen Einheitsbrei zu vermanschen!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • [...] nicht über emotional-sensitive Eigenschaften verfügen würde [...]


    Das habe ich keineswegs gemeint. Eine Unterstellung solcher Determination ginge schnell in eine Richtung, die sehr gefährlich ist und von der ich mich in voller Überzeugung distanziere.
    Allerdings sind diese sensitiven Eigenschaften, die zweifelsohne IMMER als Anlage vorhanden sind, immer im Zusammenhang mit äußeren Einflüssen zu sehen. Wenn jemand nie in Kontakt mit klassischer Musik kommt und stattdessen in einem Umfeld lebt, in dem diese negativ konnotiert ist, so werden die sensitiven Eigenschaften dieses Jemands natürlich auf völlig andere Eindrücke konditioniert.
    Kultur bedarf eben auch einer gewissen Anerziehung. Und ist wer erst einmal verdorben, so wird es sehr schwierig...

    'Architektur ist gefrorene Musik'
    (Arthur Schopenhauer)

  • Lieber Novecento,


    da gebe ich dir vollkommen recht und es passt nach meiner Ansicht durchaus zum Thema. Denn heutzutage werden auch in der Oper von den meisten Regisseuren, die auch nur die von dir angesprochene Bildung genossen haben, nur die billigen Bedürfnisse der Masse befriedigt. Die Masse will, wie Rodolfo in folgendem Zitat schildert

    Zitat

    Zitat von Rodolfo:Als ich den beiden Herrschaften dann versucht habe zu erklären, das sie doch froh sein sollten , endlich mal einer handwerklich gut gemachten Inszenierung beizuwohen, bekam ich dann die tolle Antwort, das ihnen eine schlecht gemachte Inszenierung in der " Action " auf der Bühne ist lieber ist, als eine langweilige gut gemachte Inszenierung.

    nur "Action" und interessiert sich nicht für geistige Genüsse. Das dämliche, aus dem Englischen übernommene Modewort ist dabei nicht gleichbedeutend mit Handlung sondern mit möglichst viel hektischem Herumspringen auf der Bühne. Bildwechsel von Sekunde zu Sekunde, so dass man möglichst gar nicht erst zur Besinnung kommt. Dazu möglichst viel "sex and crime", damit auch die niederen Triebe befriedigt werden.
    Dabei gibt - auch in ersten Akt - doch Handlung genug. Die zitierten Aussagen zeugen doch davon, dass diese Leute von Oper nur wenig oder gar nichts verstehen. Wenn ich in die Oper gehen, will ich hier nicht auch noch die Hektik und den Schmutz des Alltags, den ich täglich um mich herum habe, erleben, sondern mich im gegenteil von diesem erholen und abschalten. Aber das zu begreifen sind dieser Herren Massenbefriediger aufgrund ihrer Bildung wohl kaum noch in der Lage.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Denn heutzutage werden auch in der Oper von den meisten Regisseuren, die auch nur die von dir angesprochene Bildung genossen haben, nur die billigen Bedürfnisse der Masse befriedigt. Die Masse will, [...]
    nur "Action" und interessiert sich nicht für geistige Genüsse.


    Das glaube ich allerdings nicht.


    Zuerst einmal geht 'die Masse' ohnehin nicht in die Oper.


    Das dortige Publikum ist meiner Ansicht nach letztlich eine Mischung aus jenen Leuten, die sich ernsthaft für die Oper interessieren und solchen, die aus Gründen gesellschaftlicher Repräsentanz meinen dort auftauchen zu müssen. Letztere kann man getrost vergessen, sie sind weder der eigentlichen Elite noch der Masse zuzurechnen.
    Insofern dürften die Regissuere kaum auf Massenwirksamkeit aussein, denn egal, was sie machen, es findet in einem Opernhaus statt, welches jene Leute, die Du als potenzielle Zielgruppe ausmachtest, ohnehin nicht betreten.
    Dass eine Inszenierung von 2000 etwas freizügiger oder auch frivoler sein kann als eine von 1800 hat nicht unbedingt etwas mit einer expliziten, pornographischen Zurschaustellung von sex zu tun, sondern einfach mit dem freieren Umgang, den unsere heutige Gesellschaft bei dem Thema Körperlichkeit pflegt.
    Und dass man in Sachen crime mitunter drastischer vorgeht als vor hundert Jahren, hat veilleicht auch mit der allgemeinen Präsenz von Gewalt, etwa in den Medien, zu tun. Es braucht wohl einfach heute mehr, um zu schockieren, so traurig da auch ist.


    Das hat nichts mit billigen Erwartungen einer Masse zu tun, sondern eher mit einer mal mehr, mal weniger subtilen Dosierung von Emotion, die der jeweilige Regisseur seiner Inszenierung beigiebt.
    Und dass er die Ausdrucksformen unserer Zeit wählt, ist nur legitim.
    Denn während die Musik in den meisten Fällen aufgrund ihrer vornehmlich ästhetischen Konzeption die Zeiten überdauerte, sind die Themen der Opern oft in ihrer Brisanz, in ihrer Aktualität von der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung überholt worden.
    Hier muss der Regisseur dann ansetzen, will man nicht den szenischen Teil des Musiktheaters auf einen netten Hintergrund reduzieren, der letztlich entbehrlich wird.

    'Architektur ist gefrorene Musik'
    (Arthur Schopenhauer)

  • Denn während die Musik in den meisten Fällen aufgrund ihrer vornehmlich ästhetischen Konzeption die Zeiten überdauerte, sind die Themen der Opern oft in ihrer Brisanz, in ihrer Aktualität von der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung überholt worden.
    Hier muss der Regisseur dann ansetzen, will man nicht den szenischen Teil des Musiktheaters auf einen netten Hintergrund reduzieren, der letztlich entbehrlich wird.


    Oder man sieht Text und Musik als Einheit, an der auch der Regisseur nichts zu "verbessern" hat. Sonst verkommt nämlich die Musik zum netten Hintergrund für das aktuelle und womöglich verstörende Bühnengeschehen. Schließlich verliert die Musik auch an "Brisanz", ist in der Regel bekannt, geliebt, und somit auch durchaus "nett". Wenn man das "nette" Gewohnte nicht will, muss man sich auf Uraufführungen neuer Werke beschränken.
    :hello:

  • sondern eher mit einer mal mehr, mal weniger subtilen Dosierung von Emotion, die der jeweilige Regisseur seiner Inszenierung beigiebt. Und dass er die Ausdrucksformen unserer Zeit wählt, ist nur legitim.

    ... und vor allem in unsere Zeit transponiert, das hat doch was, das macht doch Sinn.
    Was gibt es Schöneres "AIDA im 2. Weltkrieg". Radames im Schützengraben in Uniform, Stahlhelm und Maschinenpistole. :jubel: Das paßt schon, das ist doch "Action". Endlich mal weg von dem ollen Ägypten mit riesigen Kulissen, den Pharaonen, Tempeln, dem Nil...Was sich der Verdi da bloß ausgedacht hat...
    Oder Boheme mit einer Mimi, tätowiert, Zigarette rauchend mit einem Outfit und Auftreten als billige Straßennutte... Genauso hat sich das doch der Puccini vorgestellt.
    Rigoletto als verkommener Penner und Säufer ausstaffiert, aus einem Flachmann saufend...
    Da kommt doch beim Opernbesucher Freude auf, endlich mal was Modernes, Vernünftiges, genau wie Komponist und Librettist sich das ausgedacht und vorgestellt haben.


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...