Sammelplatz für absurde und lächerliche Inszenierungsideen...

  • Würdest Du mich armen Unwissenden aufklären, welches diese "einige Kantone" sind, denn diese Behauptung scheint mir eine bewusste Verunglimpfung.
    Meine Meinung: "Herr Beckmesser irrt, wie dort, so hier...."


    Darüber wurde im Fernsehen ausführlich berichtet - das ist vielleicht 1 oder 2 Jahre her. Ich bin kein Schweizer, da müßte man mal einen Eingesessenen fragen. Auf Landesebene sieht es vielleicht anders aus als in einigen Gemeinden, wo Männer offenbar unter sich bleiben wollen. Dazu müßte man Näheres über den Schweizer Föderalismus wissen. Selbst wenn das Verfassungsgericht das 1990 endgültig beendet haben sollte, ist das für ein zivilisiertes, modernes Land immer noch reichlich spät. Direkte Demokratie sichert wie man sieht nicht immer den Fortschritt - kann im Gegenteil dazu führen, daß längst überlebte Bräauche und Vorurteile länger leben, als sie eigentlich dürften.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Nur zwei Fragen: Für wen wird die Oper überhaupt gemacht, für den Konsumenten oder nur zum Selbstzweck des Regisseurs? Und wer hat hier den "berechtigten Anspruch", der Produzent oder der, der das Produkt bezahlt?

    Meine Antwort: Für keinen von beiden! :)


    Man darf wohl davon ausgehen, daß eine Oper erst einmal für ein zeitgenössisches Publikum und seine Bedürfnisse, Weltanschaungen, Konfikte usw. geschaffen wurde. Wenn dieses Publikum nicht mehr existiert, entsteht ein ganz neues Problem, daß es zur Zeit der Uraufführung des Werks so überhaupt nicht gab. Die Aufgabe des Regisseurs ist es deshalb, die Vermittlung zwischen Werk, Komponist und dem zeitgenössischen Publikum zu leisten. Das ist eine heikle Angelegenheit und verantwortungsvolle künstlerische Verantwortung, die der Konsument überhaupt nicht übernehmen muß, aber der trägt, der sich diese Vermittlungsaufgabe zumutet. Von daher finde ich es ein bisschen sehr beqeum, von Konsumentenseite immer nur auf den Regisseur zu schimpfen. Soll er doch mal diese Aufgabe selber übernehmen und sehen, wie weit er kommt! Das Publikum ist sich ja auch in den seltensten Fällen wirklich einig, ob der Regisseur es richtig oder falsch gemacht hat. Welche Konsumentenmeinung soll denn die maßgebliche sein? Das gäbe doch nur Streit ohne Ende!


    Schöne Grüße
    Holger

  • Interessant ist nur, das es bis zum Beginn des sogenannten "Regietheaters" diesen Meinungsstreit nicht gab. Da wurde das Produkt noch für den Konsumenten gestaltet. Wenn aber heute die überwiegende Mehrheit - ich kenne keinen, der über diesen Unsinn nicht schimpft, auch wenn er selbst an diesem Protest nicht teilnimmt - gegen dieses Produkt ist, dann muss doch an dem Produkt etwas falsch sein. Und dass der Konsument die Produktion nun selbst übernehmen soll, ist eine lächerliche Forderung. Wofür bezahlt er denn die gelernten Kräfte? Wen wundert es, wenn heute viele von dem Pfusch Abstand nehmen.


    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Zitat von »m.joho«




    Würdest Du mich armen Unwissenden aufklären, welches diese "einige Kantone" sind, denn diese Behauptung scheint mir eine bewusste Verunglimpfung.
    Meine Meinung: "Herr Beckmesser irrt, wie dort, so hier...."


    Darüber wurde im Fernsehen ausführlich berichtet - das ist vielleicht 1 oder 2 Jahre her. Ich bin kein Schweizer, da müßte man mal einen Eingesessenen fragen. Auf Landesebene sieht es vielleicht anders aus als in einigen Gemeinden, wo Männer offenbar unter sich bleiben wollen. Dazu müßte man Näheres über den Schweizer Föderalismus wissen. Selbst wenn das Verfassungsgericht das 1990 endgültig beendet haben sollte, ist das für ein zivilisiertes, modernes Land immer noch reichlich spät. Direkte Demokratie sichert wie man sieht nicht immer den Fortschritt - kann im Gegenteil dazu führen, daß längst überlebte Bräauche und Vorurteile länger leben, als sie eigentlich dürften.

    Siehst Du Holger, dieses Statement ist für mich ein symptomatischer Grund, weshalb die ganze Diskussion hier sich mit Dir im Kreis dreht:
    1. Ich bin ein "Eingesessner".
    2. Es gibt keine Kantone, die das Frauenstimmrecht nicht eintgeführt haben.
    3. Es existieren genauso wenig Gemeinden, bei denen die "Männer unter sich bleiben".
    Aber anstatt zuzugeben, dass Deine Äusserung falsch war kommst Du, basierend auf irgendeiner Fernsehsendung, von Kantonen auf Gemeinden, um damit abzuschliessen, dass das Jahr 1990 reichlich spät war, wobei Du doch ursprünglich behauptest hast, es sei in der Schweiz noch heute so. dass die Frauen kein Stimmrecht hätten.
    Für mich sind nun auch Deine Beiträge zum Regietheater auf gleicher Ebene, indem Du immer wieder Nebengebiete aufnimmst, hinkende Vergleiche aufnimmst ("Diktatur des Publikums usw.), aber nie fähig bist, einen Irrrttum einzugestehen, wenn Du darauf hingewiesen wirst, sondern höchstens, wie es gerade in diesem (unwichtigen) Beispiel deutlich wird, Deinen Irrtum relativierst. So ist eine Diskussion wirklich unmöglich. :no:

  • Zitat

    Für mich sind nun auch Deine Beiträge zum Regietheater auf gleicher Ebene, indem Du immer wieder Nebengebiete aufnimmst, hinkende Vergleiche aufnimmst ("Diktatur des Publikums usw.), aber nie fähig bist, einen Irrrttum einzugestehen, wenn Du darauf hingewiesen wirst, sondern höchstens, wie es gerade in diesem (unwichtigen) Beispiel deutlich wird, Deinen Irrtum relativierst. So ist eine Diskussion wirklich unmöglich. :no:


    Lieber Marcel!


    Diese Feststellung hält mich auch schön länger vor weiteren Kommentaren Zurück!



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Aber anstatt zuzugeben, dass Deine Äusserung falsch war kommst Du, basierend auf irgendeiner Fernsehsendung, von Kantonen auf Gemeinden, um damit abzuschliessen, dass das Jahr 1990 reichlich spät war, wobei Du doch ursprünglich behauptest hast, es sei in der Schweiz noch heute so. dass die Frauen kein Stimmrecht hätten.


    Das ist schlicht ein völlig überflüssiges Posting. Ich glaube, ich bin noch nicht verrückt, so daß ich weiß, daß es solche Berichte gegeben hat. Ich kann mich natürlich irren in dem genauen Zeitpunkt. Na und? Hier ging es doch um etwas ganz anderes. Nämlich darum, daß ein "imperatives Mandat", also direkte Demokratie, eine durchaus problematische Angelegenheit ist, die vermeintlich mehr Demokratie verspricht und von vielen deshalb als Heilmittel ersehnt wird, in der Praxis aber oft gerade auf weniger Demokratie hinausläuft. Dafür ist die Schweiz halt ein sehr schönes Beispiel.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Es wird hier ja immer wieder verlangt, konkrete Beispiele zu nennen. Konkrete Beispiele sind hier zuhauf genannt worden, aber darauf gehen die Verteidiger dieses Unsinns nicht ein (vielleicht sind sie dazu auch garnicht in der Lage).


    Da haben Sie sogar Recht, dass man nicht in der Lage ist, zu wissen, was ein Regisseur gemeint hat. Die Erklärungen kennen bzw. wissen nur die Menschen, die unmittelbar mit dem Regisseur gearbeitet haben. Alle anderen müssen sich mit Vermutungen und Assoziationen zufriedengeben.
    Letzteres scheint mir oft viel einfacher zu sein, als man befürchtet. Die Hässlichkeit spricht etwas in einem an und man reagiert zunächst unbewusst darauf. Wenn man versucht die Wahrnehmungsebene zu überschreiten und beginnt, sich (!) die Frage nach dem Sinn bzw. dem Hintergrund zu stellen, kann man oft den einfachsten Erklärungen vertrauen.


    Das Beispiel der auf allen Vieren kriechenden Sieglinde oder dem nackten ausgestossenen Max ist ein Anfang.


    Wieso hat z.B: Tannhäuser im ersten Akt nicht die Wahl, alleine zu bleiben, wieso zwingen ihn die "Freunde" mitzukommen? Dieselben Freunde, die kurz darauf bereit sind, die begangene Ungeheuerlichkeit mit dem Schwert zu rächen? Welche Ungeheuerlichkeit - ach ja, das muss ich mir historisch erklären... was sind das für Freunde? wie soll ich das verstehen? Dass es Dinge gibt, wo sich "damals" jede menschenwürdige Behandlung aufgehört hat.... hier habe ich bereits eine Parallele...


    Zu den dunklen Geschehnisse des 2.Weltkriegs gibt es ja zahlreiche Möglichkeiten einer Reaktion: manche verdrängen, manche bohren gerade erst nach, manche finden eine Kollektivschuld plausibel, manche finden alles bereits überholt und ohne Zusammenhang zur Gegenwart... Dass eine Inszenierung nicht deshalb im KZ spielt, um ehemalige Insassen zu demütigen oder kränken, setze ich hier voraus... die Anzahl derer, die heute eine solche Inszenierung besuchen könnten, ist schon gering geworden.


    Wie kann man am Beispiel einer Zürcher Inszenierung erwarten, dass Zimmermanns Soldaten ein hübsches, stimmungsvolles Bühnenbild hat? Die Musik erzählt ja auch nicht gerade von einem Kaffeekränzchen.


    So kann (!) jeder, der sich auch mit Provokationen beschäftigt, zu einer persönlichen Lösung kommen, wenn er will. Man kann über Provokationen ja auch hinwegsehen und wesentlichere Aspekte betrachten.
    Nur auf eine offizielle Erklärung zu warten, finde ich zu kurz gedacht... ob Chefdramaturgen diese Aufgabe im persönlichen Briefverkehr bewältigen könnten, bezweifle ich sehr.


    Ein weiteres Beispiel wäre für mich die Aufstellung moderner Plastiken im öffentlichen Raum - jedenfalls in Österreich gibt es manchmal ebenso heftige Diskussionen darüber... und diese Gegenstände stehen oft Jahre oder Jahrzehntelang...


    Nebenbei: die Berufsbezeichnung heisst Bühnenbildner, nicht Dekorateur - selbst in jenem Beruf oder in der Werbung finden sich manchmal erfolgreiche Provokationen. (Benetton...) Oder bei politischen Gruppierungen ist die Verwendung von Reizworten die beste Propaganda geworden... warum nur reagieren Menschen darauf?

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Wenn ich in die Oper gehe, erwarte ich das Originalwerk des Komponisten zu sehen, nicht das durch einen Dienstleister als selbsternanntem "Künstler" verunstaltete Werk, das er mir aufschwatzen will.

    Damit wir uns nicht ständig im Kreis drehen und dieselben Argumente nur in modifizierter Form wiederholen, möchte ich die Fragestellung an einem entscheidenden Punkt doch etwas vertiefen. Was ist denn eigentlich das "Originalwerk des Komponisten"? Wenn man das Werk von den Bedingungen seiner konkreten Aufführung abzieht, dann wird es ziemlich abstrakt. Was ist der Sinn eines Werkes, das nie aufgeführt wird? Es ist nun mal so - und das hat die Rezeptionsästhetik längst erkannt - daß der Komponist wie jeder Redner das auch tut den "Adressaten" mit in Rechnung stellt, also das Publikum seiner Zeit mit seiner Rezeptionshaltung ganz gezielt anspricht. Das gehört also durchaus mit zur Verfassung des "Originalwerks". Rezeptionshaltungen sind aber sehr veränderlich und zudem schwer auszuweisen. Woher wissen wir so ganz genau, in welcher Einstellung das Publikum 17., 18. oder 19. Jahrhunderts jeweils die Ereignisse auf der Opernbühne wahrgenommen hat, um dem Werk wirklich gerecht zu werden? Immer dann, wenn ich das Werk in einer anderen Rezeptionshaltung interpretiere, wahrnehme als sie ursprünglich intendiert war, verändere ich das Werk.


    Ich habe mal zwei literarische Quellen herausgesucht, die zeigen, wie unterschiedlich die Rezeptionshaltungen in Bezug auf die Oper sein können. Ich sage bewußt nicht, von wem sie stammen. Nur die Zeit. Die erste Quelle (I) stammt vom Beginn des 20. Jhd., die Quelle (II) aus der Mitte des 19. Jhd.


    Quelle 1:


    "Es sollte die Oper des Übernatürlichen oder des Unnatürlichen (....) eine Scheinwelt schaffen, die das Leben entweder in einen Zauberspiegel oder einen Lachspiegel reflektiert; die bewußt das geben will, was in dem wirklichen Leben nicht zu finden ist. (...) So wie der Künstler, wo er rühren will, nicht selber gerührt werden darf (...), so darf auch der Zuschauer, will er die theatralische Wirkung kosten, diese niemals für Wirklichkeit ansehen, soll nicht der künstlerische Genuß zur menschlichen Teilnahme herabsinken. Der Darsteller spiele - er erlebe nicht. Der Zuschauer bleibe ungläubig und dadurch ungehindert im geistigen Empfangen und Feinschmecken."


    Quelle 2:


    Auch hier geht es um das Theatererlebnis - den "Helden" auf der Bühne als einer "machtvollen Erscheinung":


    "Tritt diese machtvolle Erscheinung aus der Außenwelt aber an uns heran, die ihn entweder so feindselig fremd berührt, daß er (der Mensch bzw. Zuschauer, H.K.) seine volle Individualität zu ihrem Abstoße von sich zusammenballt, oder mit solcher Unwiderstehlichkeit anzieht, daß er sich mit seiner ganzen Individualität in sie aufzugeben sehnt, - so wird auch sein Interesse bei vollster Bestimmtheit ein so umfangreiches, daß es alle seine sonstigen, zersplitterten, unkräftigen Interessen in sich aufnimmt und vollständig verzehrt."


    Gegensätzlicher könnten diese beiden Theatererlebnisse nicht sein. Quelle (1) betont die ästhetische Distanz - das Geschehen auf der Bühne soll etwas ganz und gar Fiktives bleiben, was keine Verbindung zum wirklichen Leben hat, denn nur so können wir in der Oper ästhetisch genießen. Die "menschliche Teilnahme" - also das "Mitfühlen" und dgl. wird als etwas Unästhetisches abqualifiziert, weil es eben die Distanz nicht wahrt, die ästhetische Illusion einer "unnatürlichen" Handlung nicht aufrecht erhält.


    Ich glaube, die "Konservativen" hier werden sich mit dieser Rezeptionshaltung sehr gut identifizieren können. Ich erinnere mich an die Diskussion um La Traviata. Der Nachttopf wurde als störend empfunden und auch, daß Violetta in einer modernen Inszenierung nicht mehr im Bett stirbt, sondern in einem Krankenhaus. Das wird nun sehr schön klar, warum: Damit wird die Illusion der Opernhandlung als einer fiktiven zerstört, die sich fern von der Lebenswirklichkeit abspielt. Damit verschwindet die ästhetische Distanz, das, was der alte Kant das "interesselose Wohlgefallen" am Schönen genannt hat und an die Stelle setzt sich gewöhnliche "menschliche Teilnahme".


    Genau diese "menschliche Teilnahme", die Quelle 1 als unästhetisch und nicht Opern gerecht verwirft, will ausdrücklich Quelle 2: Der Zuschauer identifiziert sich mit dem Helden sogar so weit, daß es bis zur Selbstpreisgabe geht (er sehnt sich, seine Individualität aufzugeben!), er will leidenschaftlich angezogen und abgestoßen werden von dem, was er auf der Bühne sieht, lieben, sich ekeln usw. Da geht es um sehr "realistische" absolute Nähe und gerade nicht um die Wahrung von Distanz, einer ästhetischen Fiktion.


    Interessant ist nun, daß es sich bei Quelle 1 um die ältere Quelle handelt. 1850, das war die Zeit, aus der viele Opern stammen, die hier besprochen werden. Die "Konservativen" vertreten hier also eine Rezeptionshaltung, die letztlich sehr "modern" ist und durchaus nicht dem Zeitgeist entspricht, dem viele Opern entstammen. Umgekehrt kommen dagegen die Inszenierungsideen des Regietheaters diesem Realismus "menschlicher Teilnahme" sehr viel näher.


    Ich will damit einfach einmal aufzeigen, wie schwierig es eigentlich zu begründen ist, welche Inszenierung näher am "Originalwerk der Komposition" ist. Was in der Partitur und im Libretto steht kann man leicht erkennen, sehr viel weniger einfach aber die Rezeptionshaltungen, welche die "Original"-Inszenierung letztlich bedient hat. Die bleiben nahezu unergründlich und sind ziemlich vergänglich obendrein. Damit bleibt für den Regisseur von heute ein großer Spielraum offen. :angel: :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Die "Konservativen" vertreten hier also eine Rezeptionshaltung, die letztlich sehr "modern" ist und durchaus nicht dem Zeitgeist entspricht, dem viele Opern entstammen. Umgekehrt kommen dagegen die Inszenierungsideen des Regietheaters diesem Realismus "menschlicher Teilnahme" sehr viel näher.



    Nein, denn Wagners Ideen gelten für Wagners Werke. Was bei ihnen (natürlich in gewissen Grenzen) möglich ist, muss für andere Opern noch lange nicht so sein. Es ist unseriös, Wagners Ideen auf alle Opern anwenden zu wollen.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Nein, denn Wagners Ideen gelten für Wagners Werke. Was bei ihnen (natürlich in gewissen Grenzen) möglich ist, muss für andere Opern noch lange nicht so sein. Es ist unseriös, Wagners Ideen auf alle Opern anwenden zu wollen.

    Woher weißt Du, daß es sich bei dieser Quelle um Wagner handelt? Und wenn ich mir die Beiträge hier anschaue (einschließlich Deiner, ich erinnere Dich an das letzte Bild einer Inszenierung aus Hamburg (?)) spricht daraus doch, daß man generell eine bestimmte Haltung einnimmt, was "ästhetisch" im Sinne einer Operninszenierung ist und was nicht, egal um welchen Komponisten es sich handelt. Ich habe hier noch keinen Beitrag gelesen der einen Unterschied macht nach dem Motto: Bei Wagner oder Puccini darf es durchaus Regietheater sein, bei Dvorak oder Verdi aber nicht. Wenn die Regietheater-Gegner zu diesem Zugeständnis bereit wären, würde mich das sehr wundern. Die Frage an sich ist natürlich berechtigt, ob bestimmte Opern mehr zu der einen oder anderen Rezeptionshaltung/Inszenierungsmöglichkeit tendieren. Aber dann sind die starren Fronten schon in Bewegung... ;)


    Schöne Grüße
    Holger

  • Liebe Strana,
    Ich - und wie ich aus den Beiträgen herauslesen kann, auch die meisten anderen - halten sowieso das ganze Geschwafel zur Verteidigung des sogenannten "Regietheaters" für unseriös und deshalb ist es witzlos, auf dieses Gerede weiterhin einzugehen, denn hier werden auch weiterhin weit entfernte, für die Oper und ihre Konsumenten unrelevante Dinge, an den Haaren herbeigezogen werden, um diesen Unrat zu verteidigen. Wir sollten lieber weiterhin das verfolgen, wofür dieses Thema gedacht ist: Aufzeigen und Anprangern dieser absurden und lächerlichen Inszenierungsideen.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Ich - und wie ich aus den Beiträgen herauslesen kann, auch die meisten anderen - halten sowieso das ganze Geschwafel zur Verteidigung des sogenannten "Regietheaters" für unseriös und deshalb ist es witzlos, auf dieses Gerede weiterhin einzugehen, denn hier werden auch weiterhin weit entfernte, für die Oper und ihre Konsumenten unrelevante Dinge, an den Haaren herbeigezogen werden, um diesen Unrat zu verteidigen. Wir sollten lieber weiterhin das verfolgen, wofür dieses Thema gedacht ist: Aufzeigen und Anprangern dieser absurden und lächerlichen Inszenierungsideen.


    Das finde ich absolut enttäuschend - die Verweigerung einer vernünftigen Diskussion. Offenbar sind den vehementen Gegnern des Regietheaters die Argumente ausgegangen, so daß sie sich nur noch aufs wechselseitige Schulterklopfen, aufs affirmative Anprangern und Polemisieren untereinander verständigen können. Ein Armutszeugnis, finde ich, und konstatiere einen selbstbewußt sektiererischen Geist. Mit den "Anderen" redet man erst gar nicht mehr. Wenn das der Weg sein soll, wie man heutzutage in der Gesellschaft mit Konflikten umgeht, dann Prost Mahlzeit!


    Schöne Grüße
    Holger

  • Da hast du recht, Gerhard, und demnächst ist es auch wieder Zeit für ein Fotoschmankerl. Aber nur soviel:


    Bei Wagner oder Puccini darf es durchaus Regietheater sein, bei Dvorak oder Verdi aber nicht.


    Nein, "Regietheater" in seiner heutigen, mehrheitlichen Ausprägung, d.h. in der Verachtung, Lächerlichmachung, Verhunzung und Verschandelung von Opern darf und sollte es nie sein, egal ob es sich nun um Wagner, Strauss, Verdi oder andere Komponisten handelt. "Regietheater", so wie es Wieland Wagner praktiziert hat, kann mit Wagners Opern funktionieren. Bei Puccini oder Verdi oder gar den Belcantisten sieht es allerdings ganz anders aus. Im übrigen sage ich auch hier absolut nicht neues. All das ist schon zigfach mit anderen Worten von anderen Diskutanten erwähnt worden. Ohne Erfolg, wie man sieht, aber das war zu erwarten.


    Ausgerechnet Wagner oder - wie auch schon mehrfach in anderen Threads erfolgt - Schiller als Advokaten für die heutigen Trash-Produktionen zu bemühen, ist dreist, ungerecht und - ich sagte es schon - unseriös an sich. Beide hatten als Ideal den menschlich ergriffenen, "mitleidenden", "mitgehenden" Zuschauer. Er sollte von Lady Macbeth und ihrer Kaltblütigkeit abgestoßen sein , er sollte Siegfried in seiner Naivität kopfschüttelnd betrachten, er sollte fassungslos über Hagens Bosheit, zornig über Gunters Verschlagenheit und berührt von Brunhildes bedingungsloser Treue das Theater verlassen. Das durchkomponierte und eben nicht mehr nahezu ausschließlich auf den Gesang fixierte Gesamtkunstwerk sollte dabei behilflich sein. Kein schlechter Ansatz, wie ich meine.
    So wie Ekel aber heute verstanden wird - nämlich als Schock durch eklige, unnötige und so seichte Requisiten wie Nachttöpfe, Pissoirs oder Autoscooter, als Abgestoßenheit von kindischen, lächerlichen Personenregien, als Kopfschütteln über Regisseure, die Pornographie als Standardausdrucksmittel betrachten - so war es ganz bestimmt nicht gemeint.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Dass - wenn man keine überzeugenden Argumente mehr hat - weit hergeholte unpassende Argumente keine vernünftige Diskussion mehr zulassen, habe ich denke ich in meinem Beitrag ausreichend begründet. Dabei kommt nun einmal nichts Gescheites, sondern nur noch Lächerliches heraus, deswegen ist es mir zu dumm, mich weiterhin daran zu beteiligen. Man mag das meinetwegen als Armutszeugnis betrachten, aber ich habe mich lange genug auf solche fadenscheinigen Beiträge eingelassen, ich will mich nicht länger von diesen provozieren lassen.


    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Ausgerechnet Wagner oder - wie auch schon mehrfach in anderen Threads erfolgt - Schiller als Advokaten für die heutigen Trash-Produktionen zu bemühen, ist dreist, ungerecht und - ich sagte es schon - unseriös an sich. Beide hatten als Ideal den menschlich ergriffenen, "mitleidenden", "mitgehenden" Zuschauer. Er sollte von Lady Macbeth und ihrer Kaltblütigkeit abgestoßen sein , er sollte Siegfried in seiner Naivität kopfschüttelnd betrachten, er sollte fassungslos über Hagens Bosheit, zornig über Gunters Verschlagenheit und berührt von Brunhildes bedingungsloser Treue das Theater verlassen. Das durchkomponierte und eben nicht mehr rein auf den Gesang fixierte Bühnenwerk sollte dazu dienen.
    So wie Ekel aber heute verstanden wird - nämlich als Schock durch eklige, unnötige und so seichte Requisiten wie Nachttöpfe oder Pissoirs, als Abgestoßenheit von kindischen, lächerlichen Personenregien, als Kopfschütteln über Regisseure, die Pornographie als Standardausdrucksmittel betrachten - so war es ganz bestimmt nicht gemeint.

    Wenn man eine ernsthafte Diskussion führt, die nicht alibihaft ist und eigentlich nur das Verständnis verweigert, sollte man doch genau zuhören, was der andere sagt. Ich habe mich überhaupt nicht als Apologet des Regietheaters gebärdert. Ich habe nur aufgezeigt, wie ich meine, daß die Rechtfertigungsstrategie der Anhänger der "konservativen" Inszenierung, diese alllein werde der "Originalgestalt" des Werkes gerecht, rezeptionsästhetisch auf tönernden Füßen steht. Die Anhänger des Regietheaters können sich natürlich genauso wenig auf das "Original" berufen wie ihre Gegenspieler. Die Frage die sich stellt ist deshalb letztlich, ob diese Reklamierung von historischer "Werktreue" hier wirklich der richtige Diskurs ist. Meine Meinung ist eine andere: Eine Inszenierung von Heute muß sich ästhetisch auch im Heute rechtfertigen. Es ist wohl klar, daß manche Inszenierung bewußt provozieren will, und mit der "ästhetischen" Einstellung zur Oper brechen - ganz bewußt unästhetisch ist. (Deine Reaktion und die Vokabeln, die Du benutzt, zeigt sehr schön, daß sie bei Dir als ästhetischem Opernhörer damit absolut ins Schwarze getroffen hat!) Damit verbindet sie dann eine "aufklärerische" Funktion, den Anspruch einer Reform des Operntheaters. Ob das sinnvoll und gewinnbringend oder ein Irrweg ist, beantwortet sich letztlich überhaupt nicht durch eine "historische" Rechtfertigung mit Blick auf den Komponisten, sondern ob diese Inszenierung wirklich neue ästhetische Erfahrungen zu bieten hat, welche von diesem Opernwerk eine ganz neue Perspektive zeigen können. Es ist schwer einzusehen, warum der Gewinn von etwas Neuem, was unseren Erfahrungsschatz bereichert und einen Zugang bietet, generell abzulehnen ist. Über Einzelfälle kann und muß man natürlich diskutieren. Jede Inszenierungsidee ist in ihrer konkreten Realisierung fehlbar.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Meine Antwort: Für keinen von beiden! :)


    Schöne Grüße
    Holger


    Oper wird grosso modo weder für den Konsumenten noch für den Selbstzweck des Regisseurs gemacht - die meisten bedeutenden Komponisten schufen ihre Werke aus einer getriebenen Notwendigkeit heraus, das in Töne zu kleiden, was ihnen innerstes Bedürfnis war, allerdings, ohne jemand anderen in diesen Prozeß einzubeziehen. Hatte ein Werk dann Erfolg, um so erfreulicher für seinen Schöpfer.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Damit verbindet sie dann eine "aufklärerische" Funktion, den Anspruch einer Reform des Operntheaters. Ob das sinnvoll und gewinnbringend oder ein Irrweg ist, beantwortet sich letztlich überhaupt nicht durch eine "historische" Rechtfertigung mit Blick auf den Komponisten, sondern ob diese Inszenierung wirklich neue ästhetische Erfahrungen zu bieten hat, welche von diesem Opernwerk eine ganz neue Perspektive zeigen können.


    Na dann machen wir doch mal weiter mit der "Aufklärung" :hahahaha: Hiermal eine gaaaaaanz neue super-ästhetische Erfahrung, die mit Sicherheit unglaublich neue Perspektiven bieten wird - so "spannend" "inszeniert" man in München den ach so öden Simon Boccanegra. Also in meinen Augen ist das Aufklärung pur. Oder?



    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)


  • Lieber Wolfgang


    in einem anonymen Zitat wird hier wiederum ein "Marcel" angesprochen, so dass kein Mensch einen roten Faden erkennen kann - oder bin ich einfach zu dumm?

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)


  • Jaja, das Murmeltier grüßt täglich. Stimmt auffallend. Schick doch dieses nette Bild mal an die Opernhäuser. Wobei du bei denen wahrscheinlich schon eine Erklärung hinzufügen musst. Vor lauter Aufklären und Innovativ-Sein fehlt denen manchmal der Durchblick.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • aja, das Murmeltier grüßt täglich. Stimmt auffallend. Schick doch dieses nette Bild mal an die Opernhäuser.


    Besser nicht, sonst trägt der nächste Fliegende Holländer ein Murmeltierkostüm. Und das will hier keiner (vielleicht nicht einmal Holger) ;) .....

  • Ich zitierte ausnahmsweise mal nach Wikipedia, weil siech der Bestand an zoologischer Literatur in meinem Haus in Grenzen hält:


    "Das Sozialverhalten der Murmeltiere unterscheidet sich erheblich von Art zu Art. Das Waldmurmeltier ist ein Einzelgänger, das seinen Bau gegen Artgenossen verteidigt. Beim Gelbbauchmurmeltier (M. flaviventris) lebt ein einzelnes Männchen mit einem Harem aus verwandten Weibchen zusammen; auch hier sind die Männchen aggressiv gegen Geschlechtsgenossen, die sie nicht in die Nähe des Baus gelangen lassen.


    Die Mehrzahl der Murmeltiere lebt aber wie das Alpenmurmeltier (M. marmota) in Kolonien, die aus einem dominanten Paar sowie deren jüngeren Verwandten bestehen. Murmeltiere begrüßen sich, indem sie die Nasen aneinander reiben und die Köpfe zusammenstecken. Nach etwa zwei Jahren verlassen die ausgewachsenen Murmeltiere die Kolonie; danach können sie versuchen, die Führung einer fremden Kolonie zu gewinnen, wofür sie das dortige dominante Männchen vertreiben und dessen Nachwuchs töten. Murmeltiere verständigen sich untereinander durch im Kehlkopf erzeugte Schreie, die vom Menschen als Pfeiftöne wahrgenommen und leicht mit Vogelstimmen verwechselt werden können. Die Schreie werden auch zur Ankündigung von Gefahr ausgestoßen, wobei je nach sozialem Rang des Rufers Flucht bis Reaktionslosigkeit die Folge sind."


    Irgendwie scheint mir da einiges zum Thema zu passen.


    :)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Eine Inszenierung von Heute muß sich ästhetisch auch im Heute rechtfertigen.


    Schöne Grüße
    Holger


    Da ja in der Kombination Musik/Text alles angelegt ist, muß sich bitteschön eine Inszenierung, egal ob von heute oder aus vergangener Zeit, an diese vorgegebenen Komponenten halten. Man ignoriere doch nicht, daß doch in besagter Kombination alles enthalten ist. Der mitfühlende Zuhörer sollte dadurch in der Lage sein, sich die beschriebenen Vorgänge selbst zu imaginieren, ohne von einem holzhammerschwingenden Regisseur eine aufs Haupt zu kriegen.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Zitat

    Zitat von MIlletre: Oper wird grosso modo weder für den Konsumenten noch für den Selbstzweck des Regisseurs gemacht - die meisten bedeutenden Komponisten schufen ihre Werke aus einer getriebenen Notwendigkeit heraus, das in Töne zu kleiden, was ihnen innerstes Bedürfnis war, allerdings, ohne jemand anderen in diesen Prozeß einzubeziehen. Hatte ein Werk dann Erfolg, um so erfreulicher für seinen Schöpfer.

    Lieber Milletre,


    das was du sagst, ist bezogen auf den Komponisten vollkommen richtig. Aber meine Frage zielte nicht auf den Komponisten, sondern diejenigen, die die Oper inszenieren. Inszenieren sie diese zum Selbstzweck oder für ein Publikum, das die Vorstellung bezahlt?


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Zitat

    Lieber Wolfgang


    in einem anonymen Zitat wird hier wiederum ein "Marcel" angesprochen, so dass kein Mensch einen roten Faden erkennen kann - oder bin ich einfach zu dumm?


    Mein lieber Fritz!


    Nein, du bist nicht zu dumm! Ich bin z. Zt. leider etwas im Stress und habe die Namen verwechselt. Das sollte nicht vorkommen, aber es ist passiert! :evil: m.joho ist der Schweizer Marcel und La Roche ist der deutsche Uli. Ich hoffe, man verzeiht mir?



    Herzliche Grüße nach Wien


    Wolfgang

    W.S.

  • sonst trägt der nächste Fliegende Holländer ein Murmeltierkostüm. Und das will hier keiner (vielleicht nicht einmal Holger)


    Der würde das vermutlich auch noch gut finden und uns einen philosophisch wissenschaftlich fundierten Vortrag halten.

    Jegliches hat seine Zeit...


  • Besser nicht, sonst trägt der nächste Fliegende Holländer ein Murmeltierkostüm. Und das will hier keiner (vielleicht nicht einmal Holger) ;) .....



    Wer weiß? :D Also hier trägt Kundry zwar kein Murmeltierkostüm, aber für ein Krokodil hat es immerhin gereicht!


    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)