Sammelplatz für absurde und lächerliche Inszenierungsideen...

  • Wenn du die schon die Erläuterungen des Dr. Pingel zur Gnostik aus der Religion heraus verurteilst, dann müsstest du in erster Linie die vielen und unendlich langen philosophischen Ausschweifungen, die hier stattfinden, verurteilen, die vor allem diesen "Sammelplatz....", der anderen Zwecken dienen sollte, wieder einmal total verwässern.

    Nein, müsste ich überhaupt nicht! - Tatsächlich halte ich die Philosophie für eine weitaus sinnvollere und bzgl. des Verständnissen anderer Dinge ergiebigere Wissenschaft, als es Politik und Religion je gewesen sind. - Ist aber natürlich nur meine ganz persönliche Ansicht.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Ich bin erstaunt, dass jetzt historische Zusammenhänge in das Schubfach "Religion" gesteckt werden. "Keine Religion" bezieht sich ja wohl nur auf aktuelle theologische und religiöse Debatten. Das hat mit historischen Geschehnissen überhaupt nichts zu tun. Da viele Religionen auch Staatsreligionen waren, etwa in ganz Asien und Ägypten, haben sie die Geschichte mitgeschrieben. Das bedeutet, dass ich deine Beiträge daraufhin durchsehen werde, ob die Wörter China, Buddha, Moslem, Mohammed, Hindu usw. vorkommen. Da werde ich dann "Alarm! Religion!" brüllen.

    P.S. Werde ich natürlich nicht machen, denn für so einen Unsinn sind vielleicht andere zuständig. Kandidaten gibt es hier im Tortenschlacht-thread ja einige.

    1.11. ist Allerheiligen, also auch der Heilige aller Lehrer, der St. Sisyphus muss da geehrt werden, aber nicht in der Schule, da geht die Ehrung im Lärm unter.

  • Tatsächlich halte ich die Philosophie für eine weitaus sinnvollere und bzgl. des Verständnissen anderer Dinge ergiebigere Wissenschaft, als es Politik und Religion je gewesen sind. - Ist aber natürlich nur meine ganz persönliche Ansicht.

    Lieber M. Schenk,


    Da fällt mir Helmut Schmidt ein, der sagte: "Wer Visionen hat sollte sich auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen." So viel zum Pragmatismus der Philosophie. Ich besuchte selbst wenige Philosophie-Vorlesungen und fand diese geistig hochstehend und bereichernd.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Dieses Problem haben die Gnostiker zu Jesu Zeiten doch sehr viel eleganter gelöst. Die Gnosis geht aus vom Dualismus Seele (der berühmte gnostische Funke) und Leib. Der Leib ist böse, schlecht, verdorben. Das Geschlecht, das immer wieder neue Leiber hervorbringt, wird gesucht und verachtet: die Frau. Die Seele ist vom Himmel, sie darf alles. Wenn der Leib schlecht ist, gibt es zwei Lösungen: Askese, die den Leib unter die Seele zwingt, oder Ausschweifung und Laster, weil der Leib nicht zählt. Die Ausschweifung ist Programm, nicht nur Urlaub von der Askese.

    Das ist aber im Vergleich mit Kierkegaard harmlos, lieber Dr. Pingel. Kierkegaard ist Protestant. Im radikalen Protestantismus gibt es den Gednaken, dass der Mensch durch seine Werke gottgefällig sein soll und zwar unter der ständigen Beobachtung von Gott - er darf sich der Gottgefälligkeit keine Sekunde entziehen, er muss Gott ständig beweisen, dass er auch wirklich gottgefällig ist. Das durchschaut Kierkegaard als inhuman und dagegen richtet sich seine Satire - das ist wenn man so will ein totalitärer Anspruch von Religion. Die Antwort von ihm ist interessant, weil sie ein Zeichen für die Absurdität des Glaubens als solchen ist. Gott verlangt einerseits eine unbedingte Verpflichtung (vom ganzen, ungeteilten Menschen, nicht nur von einem Teil von ihm) - die ist aber andererseits für den Menschen zugleich verpflichtend und nicht verpflichtend. Das ist die Absurdität. Bei Kierkegaard geht es was den Glauben angeht immer um Absurditäten. So auch in seinem rätselhaften Buch über die Wiederholung. Die Wiederholung ist stets die Wiederholung eines im Grunde Unmöglichen - seine Beispiele sind Hiob und der Versuch, eine verlorene Liebe zurück zu gewinnen. Genauso unmöglich ist die Wiederholung der Aufführung einer Oper - womit wir wieder beim Thema wären. Wenn man das nur begreifen würde, dass Regisseure etwas Unmögliches ("Absurdes") versuchen (und deshalb eigentlich auch immer irgendwie scheitern) müssen, dann wäre die einzig richtige Konsequenz, einen solchen unsinnigen Thread wie diesen zu schließen. Aber wer hat schon das geistige Niveau von Kierkegaard... ^^


    Schöne Grüße

    Holger

  • Da werde ich dann "Alarm! Religion!" brüllen.

    Bei aller Wertschätzung, aber gebrüllt hat hier bis jetzt noch niemand!?

    Der Leib ist böse, schlecht, verdorben. Das Geschlecht, das immer wieder neue Leiber [gemeint ist wohl Leiden?] hervorbringt, wird gesucht und verachtet: die Frau. Die Seele ist vom Himmel, sie darf alles. Wenn der Leib schlecht ist, gibt es zwei Lösungen: Askese, die den Leib unter die Seele zwingt, oder Ausschweifung und Laster, weil der Leib nicht zählt.

    Es mag sein, dass ich da etwas zu aversiv reagiere, aber wenn ich das lese, dann handelt es sich hier in meinen Augen um rein religiös motivierte Ideen, die ich für - man erlaube mir, dies zu sagen - vollkommen absurd halte. Mir ist dabei natürlich klar, dass es sich nicht, oder zumindest vermutlich nicht um Deine persönliche Ansicht handelt, sondern Du lediglich die gnostische Lehre wiedergibst.

    Ich bin erstaunt, dass jetzt historische Zusammenhänge in das Schubfach "Religion" gesteckt werden.

    Warum sollten auch historische Zusammenhänge nichts mit Religion zu tun haben? Sie entstehen ja wohl kaum aus sich selbst heraus.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Danke, lieber Holger, für diese Aufklärung. Ich denke, die Sorte Protestantismus, die du beschreibst, ist der Calvinismus, dessen ethische und praktische Grundzüge ja nicht nur absurd, sondern sogar terroristisch waren (Im Gegensatz zu Luther erschien mir Calvin immer als Monster: fiat iustitia, pereat mundus). Von da ist natürlich die Auffassung Kierkegaards mehr als kühn, und im Altertum hätten sie ihn gesteinigt. Eine ähnliche formale Kühnheit, die aber thematisch mit unserem Thema nichts zu tun hat, war Swifts "A Modest Proposal"

    1.11. ist Allerheiligen, also auch der Heilige aller Lehrer, der St. Sisyphus muss da geehrt werden, aber nicht in der Schule, da geht die Ehrung im Lärm unter.

  • Danke, lieber Holger, für diese Aufklärung. Ich denke, die Sorte Protestantismus, die du beschreibst, ist der Calvinismus, dessen ethische und praktische Grundzüge ja nicht nur absurd, sondern sogar terroristisch waren (Im Gegensatz zu Luther erschien mir Calvin immer als Monster: fiat iustitia, pereat mundus). Von da ist natürlich die Auffassung Kierkegaards mehr als kühn, und im Altertum hätten sie ihn gesteinigt. Eine ähnliche formale Kühnheit, die aber thematisch mit unserem Thema nichts zu tun hat, war Swifts "A Modest Proposal"

    Da müssten wir jetzt, lieber Dr. Pingel, in ine tiefere Diskussion einsteigen. Die Problematik taucht nämlich auch beim Lutheraner Immanuel Kant auf, in dem, was er "Eudämonismus" nennt. Man darf eine lustvolle Erfahrung nicht um ihrer selbst willen erstreben, das ist dann ein "böser Wille". Der Protestantismus - und die protestantische Arbeits- und Leistungsethik - sagt, dass Einzige, was man um seiner selbst willen tun darf, ist gottgefällige Werke zu vollbringen. Der Kapitalismus sagt dann: Du musst immer leistungsbereit sein und Müßiggang ist verboten etc. Man sieht, wie aktuell Kierkegaard ist!


    Schöne Grüße

    Holger

  • Beim Lesen der Kritik im Bonner General-Anzeiger über die Oper "Roméo et Juliette" in der Düsseldorfer Rheinoper fallen mir gerade folgende Sätze auf: "Hallo, was ist da los? Vor dem Exitus klettert Julia wieder auf ihren Stuhl. Julia stirbt nicht. Sie stirbt nicht und wird gleich diesen Mann heiraten, den sie nicht liebt. Wir rudern in unserer Einschätzung zurück: Wer das Alles nicht mag, kann sich immer noch an die Musik halten." Na, denn!

  • Lieber Wolfgang,


    ich habe von dieser völligen Verdrehung des Meisterwerks von Gounod auch gelesen. Ich wollte das nicht hier einstellen, weil dieses Thema durch allerhand ablenkende Texte schon wieder hoffnungslos zerschossen ist. Als normalem Opernbesucher "bleibt einem da einfach nur die Spucke weg".


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Lieber Rodolfo,

    das möchte ich keinesfalls behaupten. Aber wer möchte denn schon als dumm dastehen, weil er den erhabenen Ideen des Regisseurs nicht zu folgen in der Lage ist? Lies doch sicherheitshalber nochmal bei Hans Chrisitian Andersen (des Kaisers neue Kleider) nach!

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Lies doch sicherheitshalber nochmal bei Hans Chrisitian Andersen (des Kaisers neue Kleider) nach!

    Ist das nicht dieses Märchen, wo alle das nachplappern, was ihnen einige wenige vorgeben, ohne überhaupt selbst hinzuschauen?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Zitat von Mme Cortese

    Lies doch sicherheitshalber nochmal bei Hans Chrisitian Andersen (des Kaisers neue Kleider) nach!Mme Cortes

    Liebe Mme Cortese,


    sehr richtig. Gut dass nicht alle des Kaisers "neuen Kleidern" nachrennen, sondern erkannt haben, dass er nackt ist!


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Die Geschichte, die Stimmenliebhaber durch seine pointierte Frage gut auf den Punkt bringt und die sich nach meinem Verständnis nicht dazu eignet, das überwiegend zufriedene Publikum einer Opernvorstellungen, die nicht in den von Gerhard vorgegebenen Bahnen verläuft, als dumm hinzustellen, geht aber noch ein bisschen weiter - und das ist entscheidend für mich. Ich zitiere den Schluss:


    "Aber er hat ja nichts an!" sagte endlich ein kleines Kind. "Herr Gott, hört des Unschuldigen Stimme!" sagte der Vater; und der Eine flüsterte dem Andern zu, was das Kind gesagt hatte. "Aber er hat ja nichts an!" rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn es schien ihm, sie hätten Recht; aber er dachte bei sich: "Nun muss ich es wohl aushalten."* Und die Kammerherren gingen noch straffer und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.


    * Fettung von mir.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • und jetzt müssen alle diese diskussion aushalten

    Ich hatte in Erinnerung, dass der Forenbetreiber vorgegeben hatte, dass in dieser Rubrik gerade NICHT diskutiert werden sollte - oder irre ich mich da?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Schlimmer gehts nimmer: Im Rahmen der jährlichen Opernfestspiele der Berliner Staatsoper gab es die Premiere von "Die Verlobung im Kloster" , eine lyrisch-komische Oper von Sergej Prokofjew. Es ist ein reichhaltiges Verwechslungsspiel, 1946 in Leningrad uraufgeführt, fiel das Werk schnell der stalinschen Formalismus-Keule zum Opfer. Ich fand es gut, dass man es aus der Versenkung hervorgeholt hat. Aber was hat die Staatsoper daraus gemacht? Nach meinem Opernführer spielt das Ganze in Sevilla im 18.Jahrhundert. Aber das ist Regisseur Tcherniakov völlig egel. Die Bühne erschöpft sich in einer Ansammlung von Stuhlreihen. (Ein Boulevardblatt lobt die Staatsoper dafür wegen der Sparsamkeit!) Ein Opernfindungsseminar (!) wird veranstaltet. Alle Mitwirkenden sind von Anfang bis zum Ende auf der Bühne, es gibt keinen Auftritt, keinen Abgang. Der Fischhändler im Businessdress usw.

    Für mich ist das Ganze ein Witz und das bei Preisen von 25 (Hörplatz) bis 275 EUR. Ein selten gespieltes Stück und dann macht man so so eine Verballhornung.

    https://www.tagesspiegel.de/ku…deine-rolle/24219164.html

    Aber solange Leute dazu noch applaudieren, wird es weiter solche Verrücktheiten geben. Das ist absurd und lächerlich.

    :hello: