Sammelplatz für absurde und lächerliche Inszenierungsideen...

  • Über Oper kann man sich nicht ernsthaft unterhalten, wenn man sich nicht mit Ästhetik und den verschiedenen Konzeptionen von Theater beschäftigen will. Ich halte auch Zeffirelli nicht für "absurd und lächerlich". Was man sich hier vielmehr fragen kann und muss, ist, finde ich, ob eine solche Ästhetik der Gattung Oper als Kunstform gerecht wird. Diese Ästhetik geht in Richtung Musical: Da bekommt man einfach eine opulente Bühnen-Show geboten. Was ich da vermisse ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk sowohl von Seiten der Regie als auch des Publikums. Die bleibt einfach aus. Es geht nur noch im wesentlichen um den Show-Effekt. Dann ist Oper ist letztlich anspruchslose Unterhaltung und mehr nicht.

    Dieser Gedanke von Holger fiel mir wieder ein, als ich - auch ziemlich verspätet wie andere - in diesen "Trovatore" hineingeriet. Ich konnte nur noch rasch den Aufnahmeknopf drücke. Zwei Drittel blieben mir, den Rest habe ich zurückholen können. In einer Stunde war ich aber durch, weil ich mich über weite Strecken des Schnelldurchlaufs bediente. Warum? Die Aufführung fand ich inhaltsleer, langweilig und vollgepumpt mit Klischees. Sie kam mit höchsten drei unterschiedlichen Gesten für jeden Akteur, einschließlich Chor und Statisten, aus. Die Azucena ließ - man möge mir das verzeihen - an ein zerrupftes Sofakissen denken. So darf man Frauen nicht auf eine Bühne schicken. Die Story, die uns Gerhard an anderer Stelle als so einfach, klar und übersichtlich dargelegt hatte, blieb in diesem Bühnenwirrwar stecken. Sie wurde erst gar nicht erzählt. Mit dieser Aufführung wurde die Oper vom Bereich Kunst in die Abteilung Reiseveranstaltung verschoben. Nun achte ich aber auch den Geschmack anderer Leute. Ich bin kein Maßstab. Wenn es so gefällt und die Kasse stimmt, soll es so sein. Mit Oper hat das aber wenig zu tun. Ich wüsste also nicht, was ich noch schreiben könnte. Und ich finde auch, dass die Diskussion über die TV-Übertragung in diesem Thread ganz gut aufgehoben ist. :)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Bitte an die Moderatoren:


    Inzwischen gibt es einen eigenen Thread für den Trovatore aus Verona. Zwei Threads zum gleichen Theam sind nicht erforderlich.


    Herzlichst La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Bitte an die Moderatoren:

    Inzwischen gibt es einen eigenen Thread für den Trovatore aus Verona. Zwei Threads zum gleichen Theam sind nicht erforderlich.


    Und was soll jetzt geschehen? Aus 2 mach 1?

    Dann geht das Theater mit GW wieder von vorne los, besonders nachdem ich ihm einige Fehler in seinem Thread nachgewiesen habe. Man kann natürlich die Beiträge hier ab #1526 aus diesem Thread rauslösen und woanders unterbringen, aber dann sind es immer noch zwei Threads. Ob die erforderlich sind oder nicht entscheidet nicht ein einzelnes Mitglied.

    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


  • Bitte an die Moderatoren:


    Inzwischen gibt es einen eigenen Thread für den Trovatore aus Verona. Zwei Threads zum gleichen Theam sind nicht erforderlich.

    Lieber La Roche, ich habe ganz bewusst in diesem Thread geschrieben, weil ich die Vorführung in Verona als absurd empfand und der Richtung, die Gerhard im Eröffnungsbeitrag seines Threads eingeschlagen hat, nicht folgen kann. Sollte mein Beitrag hier stören, dann bitte ich Dich herzlich, die Moderation aufzufordern, ihn zu löschen - nicht aber zu verschieben! Ich hänge nicht daran. Gegebenenfalls lösche ich ihn selbst.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Inzwischen gibt es einen eigenen Thread für den Trovatore aus Verona. Zwei Threads zum gleichen Theam sind nicht erforderlich.

    Na ja, wie Alfred hier aufführt, gibt es über 20 Threads, die sich mit dem Phänomen Herbert von Karajan beschäftigen. Ist es dann wirklich ein Problem, dass wir uns mit dem Il trovatore aus Verona sowohl hier, als auch da beschäftigen? Das Ganze ist doch ein echtes Wochenendthema, welches in ein paar Tagen niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken wird. Für eine echte Kontroverse scheint die Inszenierung nach allem, was hier bislang zu lesen ist, einfach zu uninteressant zu sein. - Im übrigen bin auch ich ein großer Freund von Struktur und Ordnung, aber dbzgl. ist hier im Forum nun einmal Hopfen und Malz verloren. Soetwas geht nur, wenn man feste und eindeutige Regeln hat, die durchaus auch mal rigide durchgesetzt werden müssen (siehe z.B. Wikipedia). Dazu würde als erstes aber auch gehören, dass Threads nur noch von Moderatoren eröffnet werden dürften. Ich persönlich weiß nicht, ob das ein Ziel sein kann bzw. sein sollte ...

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • ... ein echtes Wochenendthema, welches in ein paar Tagen niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken wird.

    Ich seh das auch so, wahrscheinlich wird schon morgen restlos alles gesagt sein und das Thema erledigt sein.

    Wenn es wirklich im Thread stört, können von mir aus auch alle Beiträge ab #1526 komplett gelöscht werden. Interessant war ja eigentlich nur, dass selbst die überzeugten Zefirelli-Fans am Lack ihres Idols kratzten.

    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


  • Für eine echte Kontroverse scheint die Inszenierung nach allem, was hier bislang zu lesen ist, einfach zu uninteressant zu sein.

    Sie ist nicht besonders unter die Haut gehend (was dieses Stück schon sein kann) und erhebt auch gar nicht den Anspruch, besonders werkgerecht sein zu wollen, sie ist in der Raumwirkung vor Ort aber auch nicht "absurd" und "lächerlich". Wenn sich dieser dicke mittlere Turm plötzlich öffnet und zum Altar wird, war das beim Live-Erlebnis durchaus ein überraschender und eindrücklicher Moment, wie ich nicht viele dieser Art in der Arena erlebt habe.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Mein Bezug auf die "La Boheme" im Hochhaus bezog sich auf die Aufführung, die heute Morgen auf 3Sat zu sehen war. Prinzipiell habe ich gegen eine Verlegung in ein solches Ambiente nichts einzuwenden, obwohl Hochhäuser heutzutage über Zentralheizungen verfügen und man auch nicht mit Kerzen durch dunkle Treppenhäuser schleichen muss. [...]

    Nun, aber das nur am Rande, es ist inzwischen ja auch so, dass nicht nur Menschen, die in Hochhäusern leben, schnell in eine prekäre Situation geraten können und nicht mehr in der Lage sind, Strom- oder Heizungsrechnung zu begleichen. Die zuständigen Anbieter reagieren da wenig zimperlich ...

    [...] Als absurd und lächerlich empfand ich allerdings in der gezeigten Boheme schon den Anfang. Da steht Marcel in einem Vorgarten, der grünen Umgebung zufolge ist offenbar Hochsommer. Er geht dann ins Haus, trifft dort im Waschkeller auf Rodolfo, und die beiden frieren so sehr, dass sie ein Feuer in der Trommel einer Wäscheschleuder(!!!) entfachen. [...]

    Was ich wirklich nicht verstehe, ist diese offensichtliche Inkongruenz in der Bewertung, was als absurd und lächerlich empfunden wird: Niemand stört sich an der Lächerlichkeit, dass in der Oper die Geschichten singend und nicht redend erzählt werden, dass Menschenmassen in Form von Chören ebenfalls singend über die Bühne manövriert werden, dass zum Teil mehr oder weniger motivierte Balletteinlagen zum Besten gegeben werden. Auch die Absurdität so mancher Opernhandlung an sich ruft vergleichsweise wenig Irritation hervor, solange nur z.B. eine La Bohème im Winter spielt. Was für mein Empfinden tatsächlich absurd und lächerlich ist, dass die Kraft der Imagination, die mir gerade im Zusammenhang mit der "Herstellung" und Rezeption von Kunst sehr wichtig erscheint, hier auf dem Altar einer unbedingt gewünschten Rationalität und Logik geopfert werden soll.

    Zudem ist beim dem Projekt der La Bohème im Hochhaus doch vollkommen klar, dass es hier nicht in erster Linie um die (kritische) Interpretation geht, sondern darum, die Oper dorthin zu bringen, wo die Menschen tatsächlich leben. Ob damit nun Menschen dazu gebracht werden, künftig ein Opernhaus zu besuchen, halte ich dabei sogar für zweitrangig. Trotzdem scheinen alle Beteiligten und insbesondere die aus dem Quartier stammenden Statisten ihre Aufgabe sehr ernst zu nehmen und mit großer Freude dabei zu sein. Keiner von denen wird sich darüber "wundern", dass hier kein Schnee auf den Dächern liegt. - Bitte, man kann mit Blick auf eine "reguläre" Operninszenierung natürlich darüber diskutieren, inwieweit der Winter für die Handlung der La Bohème konstitutiv ist. Aber für die La Bohème im Hochhaus läßt sich diese Frage nicht ernsthaft stellen.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Was ich wirklich nicht verstehe, ist diese offensichtliche Inkongruenz in der Bewertung, was als absurd und lächerlich empfunden wird: Niemand stört sich an der Lächerlichkeit, dass in der Oper die Geschichten singend und nicht redend erzählt werden, dass Menschenmassen in Form von Chören ebenfalls singend über die Bühne manövriert werden, dass zum Teil mehr oder weniger motivierte Balletteinlagen zum Besten gegeben werden.

    Das alles stärkt mich in meiner Meinung, daß der Unterhaltungswert einer Oper höher einzuschätzen wäre als der Erziehungswert. Das ganze Projekt "Oper" ist, wie Du sagst inkongruent. Ihr deshalb belehrende Funktionen zuzuordnen, das halte ich für keinen guten Weg. Weil z.B. es unnormal ist, beim Sterben zu singen ist es für den User La Roche kein guter Weg, die Neudeutung einer Opernhandlung zu nutzen, der Menschheit neue Wege zur Lösung gesellschftlicher Probleme zu zeigen.

    Was hat es uns neues gegeben, daß in Salzburg Scarpia im 2. Akt wieder aufsteht, um im 3. Akt bewaffnet auf der Engelsburg zu erscheinen? Ein sichtbar ratloses und verärgertes Publikum, trotz phantastischer musikalischer Leistungen!


    La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Was ich wirklich nicht verstehe, ist diese offensichtliche Inkongruenz in der Bewertung, was als absurd und lächerlich empfunden wird: Niemand stört sich an der Lächerlichkeit, dass in der Oper die Geschichten singend und nicht redend erzählt werden, dass Menschenmassen in Form von Chören ebenfalls singend über die Bühne manövriert werden, dass zum Teil mehr oder weniger motivierte Balletteinlagen zum Besten gegeben werden.

    Lieber Michael

    das ist aber nun mal das Wesen der Oper. Wer das als absurd empfindet, sollte sich lieber auf das Sprechtheater beschränken.

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Das alles stärkt mich in meiner Meinung, daß der Unterhaltungswert einer Oper höher einzuschätzen wäre als der Erziehungswert. Das ganze Projekt "Oper" ist, wie Du sagst inkongruent. Ihr deshalb belehrende Funktionen zuzuordnen, das halte ich für keinen guten Weg. Weil z.B. es unnormal ist, beim Sterben zu singen ist es für den User La Roche kein guter Weg, die Neudeutung einer Opernhandlung zu nutzen, der Menschheit neue Wege zur Lösung gesellschftlicher Probleme zu zeigen.

    Ich befürchte, Du hast mich vollkommen falsch verstanden: Nicht das "Projekt Oper" ist inkongruent. Ganz im Gegenteil ist die "Lächerlichkeit des Singens" zur Darstellung der Handlung, die teilweise Absurdität der Handlung selber, der unverhältnismäßige Aufwand, all dies auf eine Bühne zu bringen und schließlich die emotionale Vehemenz, mit der die Diskussionen rund um das "Projekt Oper" geführt werden, in sich sogar hochgradig kongruent! - Inkongruent ist m.E. die Haltung derjenigen, die einerseits all dies praktisch unreflektiert akzeptieren, aber sofort auf die Barrikaden gehen, wenn das Bühnenbild einer Aida nicht erkennbar zwischen Pyramiden am Nil zu verorten ist.


    Den Unterhaltungswert der Kunsform Oper heutzutage höher einzuschätzen, als einen möglichen Erziehungswert ist natürlich zuersteinmal ein mehr oder weniger valider Standpunkt. Aber dann sollte man sich auch über die möglichen Konsequenzen im Klaren sein. Wenn ich das Ganze auf die Dimension der Unterhaltung reduziere, sehe ich persönlich tatsächlich keinen essentiellen Unterschied mehr zum Musical. Insbesondere entzieht sich damit die Oper jeglicher Berechtigung einer öffentlichen Förderung und geht vollständig in den Sektor der privaten Finanzierung über. Damit nehme ich insbesondere in Kauf, dass eine Opernlandschaft, wie wir sie in Deutschland haben, vermutlich ziemlich bald der Vergangenheit angehören wird. Opernhäuser wird es nur noch in den großen Metropolen geben. Es werden Preise aufgerufen, die einen einigermaßen regelmäßigen Besuch einer Vorstellung für die meisten von und unerschwinglich machen wird. Ich bekomme also vielleicht meine Aida am Nil, werde sie aber vielleicht nur zweimal im Jahr sehen können. Überhaupt werde ich nur noch die Stücke sehen können, die ein entsprechendes Publikum in die Häuser locken: Mozart, Wagner, Puccini, Verdi - selbst ein Richard Strauss wird es schon schwer haben, ein Britten zumindest in Deutschland wohl nicht mehr aufgeführt werden und modernes Musiktheater eine brotlose Kunst sein. Wer jetzt einwirft, dass es in den USA doch auch funktioniert, übersieht, dass in Deutschland gänzlich andere Mechanismus greifen werden. Ein ausgeprägtes Mäzenentum gibt es hier schlicht nicht. - Wie gesagt: Man kann dies alles wollen oder auch nur hinnehmen. Man sollte aber auch so ehrlich sein, und hinterher dazu stehen!


    Schließlich zur Nutzung einer Opernhandlung zum Aufzeigen neuer Wege bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme per Neudeutung: Ich glaube, die allerwenigsten Opern- oder auch Theaterinszenierungen, und auch andere Kunstformen, wie z.B. die Literatur oder die bildende Kunst wollen dies oder sehen dies als ihre originäre Aufgabe. Vielmehr geht es darum, bestehende Probleme der heutigen Zeit in irgendeiner Form zu spiegeln. Beispielsweise kann ich die Handlung der La Bohème durchaus mit der zunehmenden Armutsproblematik deutscher Großstädte heute in eine Verbindung bringen. Aber natürlich kann angesichts der Komplexität dieses Problems auch eine Operninszenierung hierfür keine Lösung liefern. Sie kann aber das Problem - und sei es nur für einen Moment - in das Bewußtsein eines zumeist durchaus gutsituierten Publikums rücken.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Lieber Michael

    das ist aber nun mal das Wesen der Oper. Wer das als absurd empfindet, sollte sich lieber auf das Sprechtheater beschränken.

    Nein, nein, es ist ja nicht gesagt, dass diese offenbare Absurdität als negativ empfunden werden muss. Es erscheint mir nur sinnvoll, sich ihrer bewußt zu sein um irgendwie damit umgehen zu können. Man lese beispielsweise bei Camus nach, der in Le Mythe de Sisyphe ja ganz explizit auf die Absurdität des Seins an sich hinweist eben genau ohne daraus zu schließen, dass das Sein sinnlos wäre.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Nein, nein, es ist ja nicht gesagt, dass diese offenbare Absurdität als negativ empfunden werden muss. Es erscheint mir nur sinnvoll, sich ihrer bewußt zu sein um irgendwie damit umgehen zu können. Man lese beispielsweise bei Camus nach, der in Le Mythe de Sisyphe ja ganz explizit auf die Absurdität des Seins an sich hinweist eben genau ohne daraus zu schließen, dass das Sein sinnlos wäre.

    Der Hinweis auf Camus ist sehr treffend, finde ich, lieber Michael. Das Absurde entdeckt hat Sören Kierkegaard - auf den Camus in seinem Buch ja auch eingeht. Von Kierkegaard gibt es das rätselhafte Buch über die Wiederholung. Da sagt er: Etwas wiederholen zu wollen, ist im Grunde absurd, so wie eine verlorene Liebe wiederzugewinnen oder Hiob, der von Gott verlangt, er solle das, was er ihm genommen hat, wiedergeben. Wiederholung ist die Wiederholung eines im Grunde Unmöglichen. Das passt sehr gut auf den Versuch, ein Theaterstück oder eine Oper aus den vergangenen Jahrhunderten heute wieder aufzuführen. Im Grunde ist ein solcher Versuch absurd, eine Unmöglichkeit und deshalb ein mehr oder weniger bewältigtes Scheitern. Wenn man das einmal eingesehen hat, wird man auch gegenüber manchem Misslungenen, was das sogenannte Regietheater zu bieten hat, gelassener, bzw. aufmerksam darauf, vor welchen im Grunde unlösbaren Schwierigkeiten ein Regisseur steht, der so einem Stück gerecht werden will. Aufgegangen ist mir das wieder einmal zuletzt in der Inszenierung von Eine Entführung aus dem Serail hier in Münster. Wenn man Oper dagegen nur als Unterhaltungskunst versteht, ist das der Tod der Gattung. Unterhalten mit Showeffekten können das Kino und das Musical eindeutig besser. Da kann die Oper auf lange Sicht nur den Kürzeren ziehen. Nicht zuletzt war es Wagners (Opern kritischer!) Versuch, die Oper als ein Drama zu verstehen, was von gleichbedeutender Qualität ist wie ein Schauspiel von Shakespeare oder Goethe. Davon sollte man so leichtfertig nicht abrücken. Die Antithese von Belehrung und Unterhaltung ist letztlich oberflächlich. Eine Tragödie oder ein Drama hat die existenziellen Grundkonflikte des Menschen - der nun mal gesellschaftlich existiert - zum Thema. Wer davon nichts wissen will, der nimmt für meinen Begriff die Oper als Kunstform nicht mehr Ernst, sondern konsumiert Oper nur noch und sucht sie als touristisches Event - einen Zirkusabend, wo die Darsteller nur nicht Hochseilartisten, sondern Gesangsakrobaten sind, die irgendwelche Kunststückchen vorführen. Das hat mit dem humanistischen Anspruch, der auch zu unserer mitteleuropäischen Operntradition gehört, dann nichts mehr gemein.


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Holger, dem, was Du schreibst ist eigentlich wenig hinzuzufügen. Die Diskussion um den Begriff des Absurden hatten wir meiner Erinnerung nach vor einer Weile ja schon - war es nicht sogar genau in diesem Thread? Das Ergebnis oder besser das nicht-Ergebnis dürfte bekannt sein. Trotzdem wäre es vielleicht einfach klug, das Absurde aus dem Thread-Titel zu streichen, da dieser Begriff in seiner Komplexität dasjenige, was hier "verhandelt" werden soll doch deutlich übersteigt. Meinethalben mag man von angeblich lächerlichen Inszenierungsideen sprechen. Jedoch, was ich lächerlich finde, entscheide ich selber! Und so werde ich mir auch weiterhin für eine eventuell notwendige Gegenrede nicht zu schade sein.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Zitat vom 28.Oktober 2014, als dieses Thema nach Sperrung des ursprünglichen, total zerschossenen Themas wieder freigegeben wurde und das jetzt wieder total zerschossen wird.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Verdi: Rigoletto. Bregenzer "Fest"spiele, Regie Philipp Stölzl

    [youtube]

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    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Wagner: Tannhäuser, Bayreuther "Fest"spiele 2019. Regie Tobias Kratzer

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    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Regie Philipp Stölzel

    Ist es wirklich zuviel verlangt, den Namen eines Regisseurs richtig zu schreiben?

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Auf politische und kulturpolitische Diskussionen lasse ich mich hier nicht mehr ein. Kein Widerspruch meinerseits bedeutet dann also nicht, dass ich den getätigten Aussagen zustimme! (Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.)

  • Wagner: Tannhäuser, Bayreuther "Fest"spiele 2019. Regie Tobias Kratzer

    53494_default_1th3BM_FixZZo.jpg

    Ich bin immer noch nicht dazu gekommen, mir die Inszenierung anzuschauen, aber dieses Bild finde ich einfach herrlich - vor allem, wenn ich mir dazu jetzt noch vorstelle, dass die beiden dazu singen :jubel::jubel::jubel: Man achte auch auf die kleinen Details, wie etwa den "Stinkefinger", der auch einen geeigneten Kommentar zu diesem Thread abliefern könnte ... :untertauch:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Ich bin immer noch nicht dazu gekommen, mir die Inszenierung anzuschauen, aber dieses Bild finde ich einfach herrlich - vor allem, wenn ich mir dazu jetzt noch vorstelle, dass die beiden dazu singen

    Damit Du nicht enttäuscht bist, lieber Michael, gesungen wird erst, wenn sie ausgestiegen sind. :( Die Autofahrt ist als Film der Ouvertüre untergelegt.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."