Stimmen von heute -Vol 001 - Rolando Villazon

  • Zitat

    Original von Liebestraum
    Hallo Forianer,


    wenn der Zustand des Gesangs so ist, wie es viele beschrieben haben und das nach einer halbjährigen Pause, dann weiß ich nicht, was sich jetzt noch verbessern sollte!


    Es ist sehr schade um ihn!
    Herzliche Grüße
    von LT :hello:


    Also das aus deinem Munde verblüfft mich jetzt wirklich! 8o Vor noch nicht allzu langer Zeit hast du dich über mich lustig gemacht, weil ich einen "hoffnungslos überschätzten, gepushten Sänger" dem göttlichen X, Y oder Z vorziehe. Du weißt schon, dass Villazon noch lebt? ;)
    lg Severina :angel:

  • Hallo Servina,


    zugegeben ich ziehe ihn anderen Tenören vor, aber trotzdem kann ich doch wohl mit einem Sänger Miitleid bekunden, der sich in den letzten Jahren zu viel zugemutet hat.



    Herzöliche Grüße
    von LT :hello:

  • Ich habe Severinas Bericht nochmal aufmerksamst gelesen und erinnere mich an ein Live-Konzert mit Nathalie Dessay vor drei Jahren, wo man von beinahe denselben Symptomen sprechen konnte.
    Wunderschöne Stimme, aber klein, fast wie vorsichtig markiert, und die Höhen sehr" zart attackiert" , fast morendo à la Traviata.
    Sie hatte ja ebenfalls erhebliche Stimmprobleme , Ops wegen Knötchen auf den Stimmbändern und lange Zwangspausen.
    Nachdem sie nun ihr Repertoire angepasst hat und nciht mehr die halsbrecherischen Koloraturollen wie Königin der Nacht, Olympia etc singt, sondern ins stimmenstreichelnde Belcanto-Fach gewechselt hat, ist sie dem Himmel seis gedankt, neu aufgeblüht. Der Stimmtod war ihr zuvor schon mehrfach vorhergesagt worden!
    Ich würde daher im Falle Vilazon eher optimistisch sein, liebe Severina!
    Er hat Dir ja nun selbst bewiesen, dass A): die Qualität der Stimme als solche nicht gelitten hat, sondern ihre Schönheit erhalten bleibt und er B) offenbar endlich die notwendige Vorsicht walten lässt und seinen Problemen Rechnung trägt.
    Punkt A ist eigentilich das Allesentscheidene. :yes:
    Der Kern der Stimme ist unverletzt, er klingt nciht rauh, nciht heiser, hat keine Löcher, keine Registerbrüche. Das was du beschreibst klingt aus der Ferne eher nach Kraft-und Konditionsproblemen verbunden mit verständlicher Unsicherheit. Nicht verzweifeln also! :no: :hello:
    Und selbst wenn er nciht mehr im fünften Gang singt, aber weiter seine Rollen so mit Haut und Haaren verkörpert und das Timbre der Stimme erhalten bleibt, bleibt er für mich einer der ganz Grossen und ich würde ihm weiter zujubeln wie das Wiener Publikum.
    Ich bin da vielleciht ein bisschen nachsichtiger und callasgeprägt: wer so wunderbar vermittelt und ist, was er singt, darf sich bei mir durchaus einige stimmliche Defizite erlauben, ohne vom Thron zu stürzen.
    Das Mitzittern ist zwar auf Dauer ein bisschen anstrengend, wenn man eigentlich nur geniessen will, aber letztlcih steigert es doch die Liebe, oder?


    F.Q.

  • Liebe Severina,


    war nach Deinem, wieder so mit Herzblut geschriebenen Bericht ziemlich durcheinander... traurig und glücklich in einem. Hoffe aber auch, dass unser "Liebling" wieder zu stimmlichen Kräften kommt. Emotional hat ihm das Wiener Publikum bestimmt unglaublich geholfen, dass das auch klappt, denn dieses "Bühnentier" hat sicher auch deshalb noch unsäglich gelitten, weil er die Rollen, die in ihm brannten, nicht mehr hat ausleben dürfen und der Applaus fehlte.

    Wir hatten Frau Koch ja auch als Charlotte in München und waren sofort der Meinung, dass Rolando der genau richtige Partner in dieser Rolle für sie wäre. Mit welchem Genuss würde er immer den Affenfelsen erklimmen :untertauch: und später seinen Freitod so glaubhaft machen, wie Du ihn beschrieben hast... ganz anders als Macho Alvarez. Piotr Beczala kam diesem sensiblen Werther wohl auch etwas näher (in dieser Rolle sah ich ihn noch nicht).


    Liebe Fairy, Dein Beitrag hat mich auf jeden Fall wieder sehr gestärkt, denn nach Deiner fachlichen Einschätzung besteht ja wohl wirklich Grund zur Hoffnung, dass er wieder zu alter Form zurückfindet und, durch diese durchlittene Erfahrung dann "vielleicht" schonender mit sich und dem Gold in seiner Kehle umgeht und nicht mehr auf jeder Hochzeit tanzt.


    Warte schon gespannt auf den nächsten Bericht.


    Liebe Grüße
    Ingrid

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  • Danke, ihr Lieben, für eure optimistische Einschätzung!
    Ich hoffe ja auch, dass es wieder wird, denn wie Fairy sagt, die Qualität der Stimme hat nicht gelitten, in dieser Beziehung gab es berückend schöne Phasen wie einst im Mai. Die Kritiken sind übrigens sehr unterschiedlich, von vorsichtig kritisch bis hymnisch, aber der KANN einfach nicht drinnen gewesen sein, denn bei aller Liebe: Rolando eine "strahlende Höhe" zu attestieren grenzt nach diesem Abend an Veräppelung! Bezeichnend war ja auch der Beitrag in der ZiB (unsere Nachrichtensendung) zum Comeback von RV: Ein kurzer Schwenk über die Bühne (obwohl die ganze Zeit zwei TV-Kameras in den Gassen positioniert waren) und dann ausführlichst der Jubel am Schluss und der glückstrahlende Rolando. Also, wenn ich das glorreiche Comeback eines Sängers vorführen will, dann doch wohl zumindest mit einem Ausschnitt aus einer Arie!
    Aber ich bin jetzt zumindest vorsichtig optimistisch, was die morgige Aufführung betrifft. Wir werden ihn schon sicher ins Ziel tragen! Und vom Spiel her wird's sowieso wieder grandios, daran besteht nicht der geringste Zweifel. Ich glaube, mit solchen Figuren zwischen Himmelhoch-jauchzend und "Zu-Tode-betrübt" kann er sich sehr gut identifizieren....
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von Theophilus


    ...Das ist eigentlich eine interessante Parallele zu José Carreras ...


    Nicht die einzige: Carreras Stimme wurde ja nicht nur durch seine schwere Krankheit ruiniert, sondern auch durch die Übernahme von Partien und Pensen, die sein Material schlicht überforderten; auch hier sehe ich eine weitere Parallele zu Villazon.

    Zitat

    Und vom Spiel her wird's sowieso wieder grandios,


    Die vernichtenste aller Kritiken......

    Zitat

    Wunderschöne Stimme, aber klein, fast wie vorsichtig markiert, und die Höhen sehr" zart attackiert"


    Seien wir doch mal ehrlich: Hätte da nicht V. gesungen wäre ein solchermassen charakterisierter Tenor an der WSO gnadenlos ausgebuht worden: Gewogen und zu leicht befunden.
    Aber offensichtlich schützt der Status als Sympathieträger und "Popstar" der Oper vor sachlicher Kritik. Na ja, RV bleiben ja evtl noch das Musical oder die leichte Muse. Vielleicht ist das etwas bissig, aber der Stil der Kommentare einiger weiblicher RV Fans hier im Forum ist schon arg schwer zu ertragen.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Lieber Misha,
    wir wollen doch nicht so pessimistisch sein. Es gibt kaum eine Opernsängerin, oder einen Opernsänger der nicht einmal eine Krise hatte, aber Krisen sind da, um sie zu überwinden. Bei Villazon bin ich mir sicher, daß er sie überwindet.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Die Stimmkrise und der erste, verhalten absolvierte Bühnenauftritt an der WSO zeigen aber wohl eines: so offen, auf Risiko und mit künstlich vergrößertem Stimmvolumen wird RV wohl so bald nicht mehr singen. Ich glaube, dass er eingesehen hat, dass seine Stimme mit der Zeit organisch wachsen muss und er nicht einfach das singen kann, wozu er gerade Lust hat. Der Überdruck, mit dem er seine Spitzentöne emphatisch herausgehauen hat, hatte seiner Stimme erkennbar geschadet und das Timbre matt und stumpf werden lassen. Dass seine Stimme jetzt wieder die alten Farbvaleurs zeigt, halte ich für ein physiologisch gutes Zeichen. Die Fans müssen ihm halt Zeit geben, damit er seine Stimme wieder vollständig aufbauen kann, auch wenn sie den alten "Draufgänger" vermissen. R.V. ist ein lyrischer Tenor und ob er je ins lirico-spinto-Fach hineinwachsen wird, das bleibt abzuwarten.

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo GiselherHH,


    deine Beschreibung erinnert mich an die Diskussion über Giuseppe di Stefano, die wir in den letzten Tagen hatten; es bestehen auffallende Parallelen hinsichtlich der Gründe für die Stimmkrisen der beiden.
    Es wäre zu wünschen, dass Villazon, der so intelligent und nuanciert phrasieren kann, sich auf seine lyrischen Qualitäten besinnt und den "Draufgänger" anderen überlässt.


    :hello: Petra

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  • Lieber Misha,


    in diesem Punkt gebe ich dir sogar Recht (Ehrlich gesagt, hatte ich Buhs befürchtet....), nur ist es ein gravierender Unterschied, ob ein Sänger eben von vornherein technisch überfordert ist, ein uninteressantes Stimmmaterial besitzt und besser einen anderen Beruf gewählt hätte, oder ob es sich wie im Falle von RV um einen Spitzensänger handelt (und über diesen Punkt waren sich vor 2007 ALLE Fachleute einig, zumindest ist mir persönlich keine einzige schlechte Kritik bekannt), der in eine ernste Krise geschlittert ist (Wenn auch nicht schuldlos!) und sich nun langsam wieder zurücktastet. In diesem Fall verdient und gebührt einem Künstler jede nur denkbare Unterstützung des Publikums, die natürlich nicht ewig dauern kann. Irgendwann muss er sich die Vorschusslorbeeren wieder ehrlich verdienen, aber bis dahin - und gottlob denkt man in Wien halt so - denken wir an die vielen Sternstunden, die uns Rolando schon beschert hat, und hoffen auf viele weitere in der Zukunft.
    Ich denke, dass meine Kritik durchaus sachlich war, auf jeden Fall ehrlicher als die vielen offiziellen, die man heute nachlesen kann (Wobei ich als Berufskritiker sicher auch sehr schonend geschrieben hätte, aber ich gehe einmal davon aus, dass RV kein stiller Mitleser bei Tamino ist ;) ) und zu meiner Sympathie für ihn stehe ich. Warum auch nicht?? Für mich ist ein Sänger oder eine Sängerin nicht nur "Töneproduzent", sondern darüber hinaus auch ein Mensch, mit dem ich genauso mitleide und mich mitfreue wie mit jedem anderen auch. Wenn dir das also jetzt als "pubertäre Schwärmerei" oder sonstiger Unsinn erscheinen mag, kann ich gut damit leben.
    Übrigens erfreut sich Rolando der Sympathie beider Geschlechter und sämtlicher Altersklassen, ich kenne eigentlich niemanden, der ihn nicht mag, und das erklärt wohl auch die erstaunlich positiven Kritiken. Niemand will ihm offensichtlich weh tun, und das ist in diesem Fall auch völlig richtig!
    lg Severina :hello:

  • Nun muss ich aber auch etwas dazu sagen
    er hat hier in Berlin sehr viel gesungen,unteranderem im Macbeth, Traviata.Boheme.
    Liebestrank. Bis es zu der Verbindung mit Anna kam,war er ein gute Tenor,nicht in
    allen Rollen überzeugend.
    Der Stern blühte erst auf als das "Traumpaar" entstand und die Presse tat das übrige hinzu.
    Einem Opernkenner ist damals schon aufgefallen ,das das alles zu viel wurde.
    So, nun könnt Ihr mit mir schimpfen.


    Rita

  • Liebe Severina,


    nachdem ich nun sämtliche verfügbaren Kritiken im Netz und über theoperacritic gelesen habe, kam ich zu dem Schluss, dass Deine Beurteilung überraschend mit fast allen Kritikern übereinstimmt (ausgenommen einige wenige, die strahlende Töne gehört haben wollen). Ich hoffe nur, dass Du uns morgen spät abends noch Positives berichten wirst.


    Die Äußerungen, dass Villazon nur weibliche Fans habe, sind m.E. nicht richtig. Dieser kleine dünne Mann hat nun einmal eine unglaubliche Bühnenpräsenz, man kann es vielleicht sogar Charisma nennen. Das spricht uns Frauen und Männer gleichermaßen an.


    LG :hello:


    Emotione

  • Zitat

    Original von rita
    Der Stern blühte erst auf als das "Traumpaar" entstand und die Presse tat das übrige hinzu.
    Rita


    In München liebte man ihn schon vor der Zeit mit Anna und ich sah sie bei uns nie zusammen.


    LG Ingrid

  • Lieber Misha, darf ich daran erinnern, das die in deinen Augen"vernichtendste aller Kritiken" sich auf Natalie Dessays Zustand vor einigen Jahren in einem Live-Konzert bezog?
    Da ich Rolando Villazon nur einmal live mit Monteverdi und zwar in Topform erlebt habe, hatte ich das lediglch als Vergleich einer Sängerfigur in Krise herangezogen.


    Fällt dein Urteil uber die Callas mit eingeschränkten stimmlichen Mitteln eigentlcih genauso brutal aus wie das über Villazon? ?(


    Ich glaube auch nciht, dass das etwas mit dem Geschlecht zu tun hat. Villazon ist alles andere als ein Womanizer. Ich finde ihn fast hässlich und er würde eher Mutterinstinkte wecken.
    Aber seine totale vielleciht ruinöse Hingabe an die Rolle und die Musik sind so mitreissend ,weil er das tut, was nur noch ganz Wenige wagen.
    Und offenbar tut er es auch mit eingeschränkten stimmlichen Mittel: eine Rolle mit aller innewohnenden Energie verkörpern und verseelen
    Dass das Publikum ihn dafür liebt und auch in Krisen weiterträgt, hat er wahrlich verdient!


    F.Q.

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  • Zitat

    Original von GiselherHH
    Die Stimmkrise und der erste, verhalten absolvierte Bühnenauftritt an der WSO zeigen aber wohl eines: so offen, auf Risiko und mit künstlich vergrößertem Stimmvolumen wird RV wohl so bald nicht mehr singen. Ich glaube, dass er eingesehen hat, dass seine Stimme mit der Zeit organisch wachsen muss und er nicht einfach das singen kann, wozu er gerade Lust hat. Der Überdruck, mit dem er seine Spitzentöne emphatisch herausgehauen hat, hatte seiner Stimme erkennbar geschadet und das Timbre matt und stumpf werden lassen. Dass seine Stimme jetzt wieder die alten Farbvaleurs zeigt, halte ich für ein physiologisch gutes Zeichen. Die Fans müssen ihm halt Zeit geben, damit er seine Stimme wieder vollständig aufbauen kann, auch wenn sie den alten "Draufgänger" vermissen. R.V. ist ein lyrischer Tenor und ob er je ins lirico-spinto-Fach hineinwachsen wird, das bleibt abzuwarten.


    Lieber GiselherHH,
    danke, das endlich mal einer auf die stimmlichen Ursachen der Krise eingeht. Die Vehemenz, mit der Villanzon an fast jeden Ton, insbesondere die Spitzentöne herangeht, konnte im Zusammenhang mit der Masse an Vorstellungen nicht gut gehen. Bei aller Begeisterung für den Enthusiasmus, der dadurch auf der Bühne vermittelt wird - eine Stimme muss reifen und sie muss eine solide Technik besitzen. Anscheinend hat Villazon erkannt, dass man das empfindliche Instrument Stimme nicht jeden Abend zwingen kann Höchstleistungen zu bringen. Insofern ist es durchaus verständlich, wenn er jetzt erstmal langsam macht. Ich halte ihn für einen intelligenten Sänger mit großem Potential, wenn er sich ein wenig Zeit lässt und den "Schreckschuss" der letzten Monaten berücksichtigt. Darstellerisch ist er großartig und dieses Urteil hat überhaupt nichts mit Aussehen oder Schwärmerei zu tun!


    LG
    Rosenkavalier

  • Liebe Petra, liebe(r) Rosenkavalier,


    ich hoffe auch, dass diese Stimmkrise ein "Schuss vor den Bug" zur rechten Zeit war und er noch mal die Kurve gekriegt hat. Denn er ist ohne Zweifel ein Sänger mit großem darstellerischem Talent und er besitzt zudem eine schön timbrierte Stimme mit hohem Wiedererkennungswert. Da er aufgrund der Timbreähnlichkeit ja immer mit seinem Förderer Domingo verglichen wird, der im gleichen Alter bei uns hier in Hamburg schon seinen ersten Otello gesungen hatte, hat er seine Stimme vielleicht deshalb künstlich vergrößert und abgedunkelt. Allerdings hat(te) Domingo wohl einen robusteren und belastbareren Stimmapparat. Dafür hat Villazon die bessere Höhe. Hoffen wir also das Beste und rufen ihm aus der Ferne wie Susanna im "Figaro" zu: "E tu, cervello!"


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von Rosenkavalier


    Lieber GiselherHH,
    danke, das endlich mal einer auf die stimmlichen Ursachen der Krise eingeht. Die Vehemenz, mit der Villanzon an fast jeden Ton, insbesondere die Spitzentöne herangeht, konnte im Zusammenhang mit der Masse an Vorstellungen nicht gut gehen. Bei aller Begeisterung für den Enthusiasmus, der dadurch auf der Bühne vermittelt wird - eine Stimme muss reifen und sie muss eine solide Technik besitzen. Anscheinend hat Villazon erkannt, dass man das empfindliche Instrument Stimme nicht jeden Abend zwingen kann Höchstleistungen zu bringen. Insofern ist es durchaus verständlich, wenn er jetzt erstmal langsam macht. Ich halte ihn für einen intelligenten Sänger mit großem Potential, wenn er sich ein wenig Zeit lässt und den "Schreckschuss" der letzten Monaten berücksichtigt. Darstellerisch ist er großartig und dieses Urteil hat überhaupt nichts mit Aussehen oder Schwärmerei zu tun!


    LG
    Rosenkavalier


    Hallo Rosenkavalier, hallo Giselher,


    ihr habt beide hundertprozentig recht, und niemand, der Villazon schon öfter auf einer Bühne erlebt hat, war über den Zusammenbruch wirklich überrascht. Das musste einfach kommen. Nur fürchte ich, dass das bei ihm eine Temperamentssache ist, er KANN einfach nicht anders als sich 1000%ig zu verausgaben, und ob es ihm jetzt endlich gelingt, das Hirn vor den Bauch zu schalten, wird sich erst zeigen. Ich habe noch nie einen Sänger erlebt, der mit einer derartigen Hingabe an seine Aufgaben herangeht (Der Ausdruck "verseelen" von Fairy trifft es perfekt!) und eine derart unbändige Freude am Singen ausstrahlt wie er. Man meint oft, dass er im nächsten Augenblick explodiert vor lauter Energie und Begeisterung. Ich glaube auch nicht, dass er nur um des schnöden Mammons willen seinen Terminkalender so verrückt vollgepackt hat (Zumindest in diesem Punkt dürfte er vernünftiger geworden sein!), der Mann will einfach SINGEN,SINGEN,SINGEN, auf der Bühne stehen, und die letzten 7 MOnate müssen die Hölle für ihn gewesen sein.
    lg SEverina :hello:


    PS: Auch was die "Mutterinstinkte" betrifft, die er angeblich weckt, hat Fairy völlig recht. Er ist wie ein großes, hyperaktives Kind, um das man sich ständig Sorgen machen muss - andere Gefühle evoziert er zumindest in mir nicht.

  • Hallo Forianer,


    ich glaube nicht daran, dass sich seine Stimme wieder richtig erholen wird, immerhin hat er ja 7 Monate pausiert und das von Severina berichtete Gesangserlebnis unterstreicht das leider.


    Aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben..., in diesem Sinne



    herzliche Grüße
    von LT :hello:

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  • Hallo LT,


    warum musst Du eigentlich auf alles immer so negativ reagieren?


    Warte doch erst einmal den Bericht von Severina ab oder hast Du selbst auch die erste Vorstellung von Werther gesehen. Andere Sängerinnen und Sänger hatten auch schon Stimmkrisen und erreichten wieder ihre alte Klasse.


    :hello:


    Emotione

  • Vorsichtiger Optimismus :D- RV war heute in der zweiten Vorstellung deutlich besser, wenn auch noch ein ganzes Stück von seiner alten Form entfernt. Aber zumindest hat er sich heute getraut, die meisten Höhen auch auszusingen, bis auf den Spitzenton im 2. Akt, den er wie schon am Samstag hinunter gesungen hat. Aber das ist kein Malheur. Offensichtlich hat unsere "Mutinjektion" vom Samstag gewirkt! Da ich in der Proszeniumsloge saß, also in größtmöglicher Nähe zur Bühne, argwöhnte ich erst ja, es lag daran, dass RV viel kraftvoller klang, aber als dann nach "Pourquoi me reveiller" der Galeriestehplatz in Bravorufe ausbrach, wusste ich, dass ich keiner Sinnestäuschung erlegen war, denn in der ersten Vorstellung hatte es nach dieser Arie nur einen kurzen und äußerst matten Höflichkeitsapplaus gegeben (Kein Wunder, Rolando hatte eigentlich nur eine Pantomime geboten!)
    Ansonsten ging mir Fairys Wort nicht aus dem Kopf, RV würde seine Rollen verkörpern und "verseelen". Ich glaube, der Werther ist die Rolle seines Lebens. Diese Intensität der Gestaltung muss man wirklich erlebt haben, das kann man nicht beschreiben, zumindest ist meine Sprache zu arm dazu. Im 2. Akt bot er das perfekte Psychogramm eines immer mehr den Boden unter den Füßen verlierenden Verzweifelten, der schließlich nur mehr kopflos davonlaufen kann. Nicht nur die Mimik, auch die Körpersprache bis hin zum nervösen Spiel der Finger war einfach beklemmend wirklich. Ja, und die Sterbeszene .... Er ist mein erster Werther, dem ich glaube, dass er eine Kugel in der Brust hat. Und wenn 2200 Leute trotz Hochsaison für Husten und Schnupfen so mucksmäuschenstill sind, dass man die berühmte Stecknadel fallen hören kann, sagt das wohl genug.
    Aber auch Sophie Koch war heute von Anfang an eine überzeugende Charlotte und spielte ungemein intensiv. Ich glaube, Rolando hat am Samstag mit seiner Panik alle verrückt gemacht, sodass eigentlich jeder quasi nur am Sicherheitsseil gegangen ist. Heute war der Druck sichtlich weg, sodass alle zur Höchstform aufliefen und RV immerhin auf halber Bergeshöhe angekommen ist.
    Diesmal war der Jubel zu einem Großteil verdient und ich blicke jetzt dem Freitag optimisch entgegen! :] :] :]
    lg Severina :hello:


    PS: Ich hoffe nur, er wird jetzt nicht übermütig und verfällt gleich wieder in seine alten Fehler, nämlich mit viel zu viel Druck zu singen.

  • Hallo Emotione,


    1.) Ich reagiere nicht auf alles negativ, habe z.B. vorhin beide Chorfantasie-Einspielungen Beethovens durch Weil und Kegel gelobt!


    2.) Warum sollte ich eine teure Karte kaufen? Erstmal abwarten!


    3.) Kein Sänger erreicht nach einer Stimmkrise seine alte Klasse wieder!



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Liebe Severina,
    danke, dass Du gleich Deine Eindrücke vom heutigen Abend eingestellt hast. Dann kann man ja weiter hoffen. Zu meinem Erschrecken habe ich gelesen, dass er jetzt schon wieder zwei Konzerte in Deutschland im März in seinen Kalender eingeschoben hat. Zusätzlich zu dem Liederabend mit Barenboim.


    LG :hello:


    Emotione

  • Zitat

    Original von Emotione
    Liebe Severina,
    danke, dass Du gleich Deine Eindrücke vom heutigen Abend eingestellt hast. Dann kann man ja weiter hoffen. Zu meinem Erschrecken habe ich gelesen, dass er jetzt schon wieder zwei Konzerte in Deutschland im März in seinen Kalender eingeschoben hat. Zusätzlich zu dem Liederabend mit Barenboim.


    LG :hello:


    Emotione


    Ja, wie ich oben schon angedeutet habe: Ich fürchte, er ist einfach nicht lernfähig....... ;(
    lg Severina :hello:

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  • Liebe Severina,


    Wie wunderbar, das zu lesen!!!!! Danke für den prompten Bericht. :angel:
    Weisst Du, ich habe mir wirklich nach dem letzten Bericht gedacht, dass er sich einfach aus Unsicherheit geschont hat, weil nach sieben Monaten Zwangs-Pause Kraft und Konditon in einer solchen Rolle unwägbare Faktoren sind und ehe man am Ende gar keinen Pieps mehr rausbekommt, vielleicht der Schongang instinktiv das Beste erscheint.
    Für mcih war und ist das überzeugendste Argument, dass die Stimme als solche NICHT an Schönheit und Farbenreichtum verloren hat.
    Wenn das stimmt(und das kann man gerade Dir blind glauben!), ist Alles Weitere mit Vernunft und Geduld zu reparieren.
    Ich sehe das absolut anders als Liebestraum, der oben behauptet, dass kein Sänger nach einer Krise wieder seine Form erreicht.
    Diesen Satz finde ich ziemlich überheblich.
    Und natürlich falsch.
    Das trifft nur bei bereits manifestierten organischen Schäden(die man aber hören würde) und/oder fortgesetztem Raubbau zu.
    Ersteres scheint ja in Villazons Fall definitiv nicht so zu sein zu, da der Glanz der Stimme ("splendeur" trifft es evtl noch besser) geblieben ist. Letzteres steht nun in seiner eigenen Macht und gottseidank nciht in der von Liebestraum........


    Gegenbeispiel ist auch Nathalie Dessay.
    Ihre Stimmkrisen waren viel eklatanter als die von Villazon. Sie hat Ops hinter scih und war wirklich organisch geschädigt. Dennoch hat sie es geschafft, diese Krisen zu überwinden und nciht nur nach meiner unmassgeblichen Meinung eine neue und gereiftere Stufe des Gesangs zu erreichen.
    Sie hat sich von der in schwindelnden Höhen zwitschernden Nachtigall zur seelenvollen Belcanto-Heroine entwickelt und genau darin liegt auch Sinn und Zweck einer Krise( und das wahrlcih nciht nur im Gesang):


    durch Leid und Schmerz hindurch eine andere Entwicklungsstufe zu erreichen


    Menschen die mit Krisen produktiv umgehen, werden viel beeindruckendere Persönlichkeiten, als Solche, die immer nur unter der strahlenden Sonne des Erfolgs leben.
    Warum sollte das bei Sängern anders sein?


    Eine "teure Karte zu kaufen" würde sich im Übrigen bei Villazon auch dann noch lohnen, wenn er so reduziert gesungen hätte wie am Samstag. Denn dargestellt hat der den Werther ja auch da offensichtlich wie ein junger Gott und allein das war wohl ein Erlebnis der besonderen Art.
    Wenn man allerdings einen Künstler auf rein technische Perfektion reduziert, kann man so etwas natürlich nciht nachvollziehen........
    Menschen die Andere in einer Krise fallenlassen wie eine heisse Kartoffel,(zumal solche liebenswerten und uns reich beschenkenden Exemplare wie R.V.) statt zu versuchen, sie mit hindurch zu tragen........ pardon, aber dafür habe ich nciht das geringste Verständnis! :no:
    Dem Wiener Publikum und seiner "Liebesfähigkeit" mein "Chapeau" :jubel:


    Fairy Queen, die sich freut sonambulierend DAS hier gelesen zu haben!

  • Hallo Fairy Queen,


    deine Aussagen bezüglich Nathalie Dessay, die ich übrigens sehr schätze, sind nicht ganz korrekt. Auch wenn sich ihre Stimme wieder erholte, die Königin der Nacht singt sie aber nicht mehr. Sie ist vorsichtiger geworden und sucht sich ihre Partien genau aus!



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Lieber Liebestraum, zunächst mal bedanke ich mich für deine zurückhaltende Sachlichkeit nach meinem letzten Posting.


    Was Nathalie Dessay angeht:ich habe ja oben selbst von ihrer Entwicklung von der "in schwindelnden Höhen zwitschernden Nachtigall zur seelenvollen Belcanto-Heroine" gesprochen.
    Zur der Nachtigall gehörten Zerbinetta, Königin der Nacht, Olympia usw -also die reinen Koloraturpartien. Ihre Entwicklung auf eine andere Stufe besteht ja nun gerade darin, dass sie diese Rollen nicht mehr singt sondern sich dem Belcanto-Repertoire (Amina, Violetta, Gilda, Manon, Lucia etc) zugewandt hat. Das heisst aber keinesfalls, dass sie nun schlechter singen würde als vorher, sondern dass die Krise ihr eine Stimmmetamorphose geschenkt hat, die ihr erlaubt, in ein anderes Repertoire einzusteigen, das ihr vorher in dieser Form nicht zugänglich war.
    Eine Pariser Gesangsprofessorin hat mir mal erzählt, dass Dessay vor etlcihen Jahren nach einem Arienabend lautstark vom Publikum aufgefordert wurde, als Zugabe nochmal die Glöckchenarie der Lakmé zu singen. Sie hat sich geweigert und trotzig verkündet, sie habe es gründlich leid, immer nur der Koloraturautomat zu sein.


    Sie hat auch in Zeitschrifteninterviews immer wieder betont, wieviel lieber sie ein lyrischer Sopran wäre, weil das Repertoire um so Vieles interessanter sei.
    Für sie selbst ist die Wandlung nach überstandener Krise also eindeutig ein Fortschritt. Und wenn ich ihre Manon oder ihre neueste CD mit italienischen Opernarien höre , kann ich das als Fan nur genauso sehen. :jubel: :jubel: :jubel:
    Ich möchte weder ihre einzigartige Zerbinetta noch ihre erste Mozart-Konzert-Arien-Cd missen, aber ich betrachte die jetzige Entwicklung keinesfalls als Reduktion sondern als sehr erfreulichen Prozess, den im übrigen sehr viele Soprane ab einem bestimmten Alter durchleben.


    Ich hoffe nur inständig , dass sich Villazon (mit den ihm eigenen Stimmproblemen , die ganz andere Natur sind als bei Dessay) ein gutes Beispiel an seiner Kollegin nimmt und einen genauso guten Instinkt für das Richtige beweist wie sie.
    Da er noch nicht organisch geschädigt ist und keine Stimmband-Op durchlitten hat, sind die Voraussetzungen sogar noch besser.
    Villazon und Dessay sind für mich DAS derzeitige Traumpaar der Oper und die Beiden als Violetta und Alfredo möchte ich wirklich noch erleben! :angel:



    F.Q.

  • Ich hoffe auch, daß sich Villazon mehr schont, wenn dies seinem Naturell nicht entgegensteht. Er sagte ja in Interviews mehrmals, er müsse einfach alles geben, was für uns schön ist, für seine Stimme wohl, leider, leider nicht immer vielleicht.


    :hello:

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