"Wenn sie erschien, ging die Sonne auf!" - Adele Stolte - Eine der grossen Bach-Interpretinnen ihrer Generation

  • Der auf ADELE STOLTE bezogene Ausspruch KURT MASUR's: "Wenn sie erschien, ging die Sonne auf", bezog sich vermutlich nicht nur auf deren sängerische Qualitäten, sondern sicher auch auf den äußerst sympathischen, natürlichen und immer bescheiden gebliebenen Menschen von sehr einnehmendem, gewinnendem Wesen, und KURT MASUR fügte noch hinzu: "So oft ich sie hören konnte, waren alle ihre Interpretationen geprägt durch eine starke Persönlichkeit.


    Die Sopranistin ADELE STOLTE, die im Laufe ihrer Karriere große Erfolge als Oratorien- und Konzertsängerin verzeichnen konnte, und die als eine der bedeutendsten BACH-Interpretinnen und profiliertesten Konzert-Sängerinnen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt, deren große Liebe aber auch HÄNDEL und MOZART galt, und die Werke des Barocks bis hin zu zeitgenössischer Musik gleich überzeugend interpretierte, hatte es in ihrem Leben nicht leicht, und mußte viele Hindernisse überwinden und Einschränkungen hinnehmen, um sich am Ende auf breiterer Basis international durchzusetzen.


    ADELE STOLTE wurde am 12 .10. 1932 in Sperenberg geboren. Wegen Luftangriffen auf Lübeck, wo sie zur Schule ging, mußte sie 1942 nach Dresden übersiedeln. Nachdem es noch im gleichen Jahr auch zu Luftangriffen auf Dresden kam, mußte sie wiederum fliehen, diesmal nach Potsdam, wo sie bis 1952 die Schule weiter besuchte. Ihr Vater, dort zum Superintendenten ernannt, übernahme dort auch das Pfarramt an der Friedenskirche. Hierdurch kam sie dann auch erstmals mit Kirchenmusik in Berührung. Sie sang in verschiedenen Kirchenchören, und erhielt eine musikalische Förderung durch KARL LANDGREBE , der sie auch erstmals mit kleinen Solopartien betraute. 1952 begann sie ein richtiges Gesangsstudium bei ANNELIESE BUSCHMANN in Rostock. Ein Jahr später heiratete sie den Kirchenmusiker und Pianisten WOLFRAM IWER. Bereits ab 1955 trat sie als Solistin in verschiedenen Oratorionaufführungen in Dresden, Leipzig und Mannheim mit dem DRESDENER KREUZCHOR und dem LEIPZIGER THOMANERCHOR auf. 1958 wirkte sie bei der Premiere des TE DEUM von ERNST PEPPING in Dresden mit. Noch im gleichen Jahr fanden erste Rundfunkaufnahmen in Leipzig mit dem THOMANERCHOR statt, und in der Folge kam es zu zahlreichen bedeutenden Oratorienaufführungen in der DDR, wie auch in der BRD und im Ausland.


    In dieser Zeit erregte diese Sängerin in Rundfunkkonzerten auch meine besondere Aufmerksamkeit, und ich verfolgte von da an mit großem Interesse ihre weitere Karriere. Nach ihrem Auftritt 1959 beim BACH-Fest Mühlhausen galt sie bald als eine der großen BACH-Interpretinnen ihrer Zeit. 1960 konnte sie erste Schallplattenaufnahmen mit dem THOMANERCHOR LEIPZIG verzeichnen. 1962 kam es zu regelmäßigen Rundfunkproduktionen, die am Sonntag vormittag im DDR Rundfunk gesendet wurden, vor allem BACH-Kantaten unter ERHARD MAUERSBERGER. Auch gab sie Liederabende mit WOLFRAM IWER, ihrem Ehemann. Für ihre Leistungen wurde sie 1962 mit dem EDISON-Schallplattenpreis ausgezeichnet, wie auch mit verschiedenen anderen Preisen geehrt.
    Ihre internationale Karriere wurde immer wieder durch Reiseverbote bzw. -einschränkungen erschwert und beeinträchtigt.
    1963 wurden nach Lockerung der Reiseverbote für sie wieder Reisen ins westliche Ausland möglich.


    1964 gründete sie mit GERDA SCHRIEVER, Alt, HANS-JOACHIM ROTZSCH , Tenor, und HERRMANN CHRISTIAN POLSTER , Bass, das Quartett "LEIPZIGER BACHSOLISTEN". 1966 wurde sie Direktoriumsmitglied der NEUEN BACHGESELLSCHAFT LEIPZIG, gleichzeitig wurde ihr der KUNSTPREIS DER DDR verliehen, und es kam zu einem Exklusivvertrag mit dem VEB Deutsche Schallplatten Berlin. Dieses Jahr gestaltete sich für sie besonders erfolgreich. Mit der SOLISTENVEREINIGUNG DES DEUTSCHLANDSENDERS kam es zu einer Reise nach Italien unter HELMUT KOCH , ebenfalls mit HELMUT KOCH zu weiteren Schallplattenaufnahmen, und zu wichtigen Konzertauftritten mit der DRESDNER PHILHARMONIE unter HEINZ BONGARTZ. 1968 folgten Reisen mit dem BACHORCHESTER LEIPZIG nach Jugoslawien und in die CSSR, gab sie Konzerte im Rahmen der Wiener Festwochen, 1969 Konzerte in Zürich . Im gleichen Jahr kam es zu Konzerten und Aufnahmen mit KURT MASUR , auch mit Privatschülern. 1970 wirkte sie bei den 19. HÄNDEL-Festspielen in Halle mit, und wurde von der Fachpresse ihre Leistung als "IPHIS" in HÄNDEL's "JEPHTA" als "brillant" gepriesen.
    1970 und 1971 trat sie mit dem BACHORCHESTER LEIPZIG in Frankreich und der Sowjetunion auf und gab sie auch Liederabende mit ihrem Ehemann WOLFRAM IWER, Klavier. Noch bis 1980 gab sie Liederabende und wirkte in Oratorienaufführungen mit, wobei sie seit 1969 parallel auch immer mehr als Pädagogin und Stimmbildnerin von Chören wirkte.
    1995 wurde sie zur Honorarprofessorin der Universität der Künste ernannt und nahm noch verschiedene Ehrenämter ein.
    1999 war sie an der Gründung des NEUEN KAMMERCHORES POTSDAM beteiligt.
    2007 wurde ihr für hre musikalischen Leistungen und musikpädagogischen Verdienste als Botschafterin deutscher Hochkultur durch Matthias Platzeck im Auftrage Horst Köhlers das VERDIENSTKREUZ AM BANDE DES VERDIENSTORDENS DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND verliehen.


    Von den zahlreichen Schallplattenproduktionen auf Eterna und Eterna-DGG sind besonders die Aufnahmen "Bastien und Bastienne", viele BACH-Kantaten, die Matthäuspassion, und ihre "Echo"-Partie in "Ariade auf Naxos" herauszustellen. Ich besitze mit ADELE STOLTE noch viele andere mir sehr teure Aufnahmen, z. B. CDs von J.S. BACH's "Aus dem Klavierbüchlein für Anna Magdalena Bach", mit den BACH-Kantaten BWV 51, 199 und 202 mit dem GEWANDHAUSORCHESTER LEIPZIG unter KURT MASUR , ferner mit HÄNDEL's "Neun deutsche Arien" (mit KARL SUSKE!!), ferner HÄNDEL's "Italienische Solokantaten HWV 97, 170 und 230 mit dem HÄNDEL-FESTSPIELORCHESTER HALLE unter THOMAS SANDERLING, schließlich von HEINRICH SCHÜTZ "Kleine geistliche Konzerte" unter WILHELM EHMANN, und nicht zuletzt eine wunderbare CD mit "Bastien und Bastienne" mit dem KAMMERORCHESTER BERLIN unter HELMUT KOCH, u. a. mit PETER SCHREIER und THEO ADAM. Was mir noch fehlt ist die Aufnahme der Matthäuspassion mit ihr und HANS-JOACHIM ROTZSCH, ANNELIES BURMEISTER, PETER SCHREIER, THEO ADAM, GÜNTHER LEIB, dem DRESDNER KREUZCHOR, dem THOMANERCHOR LEIPZIG, und dem GEWANDHAUSORCHESTER LEIPZIG unter RUDOLF UND ERHARD MAUERSBERGER!


    ADELE STOLTE ist übrigens nach meinem Wissen auf der Bühne nicht in Erscheinung getreten.


    Es ist bewundernswert, zu welch großartiger Leistung und künstlerischem Ansehen es diese Sängerin trotz aller Widrigkeiten und der ihr auferlegten Hürden und Hindernisse gebracht hat. Ihre helle, reine, natürliche Stimme, wie auch ihre unprätentiöse, unmanierierte Interpretation nehmen für sich ein und prädestinieren sie ganz besonders für die Musik von BACH und HÄNDEL.


    ADELE STOLTE ist übrigens auch auf Youtube mit verschiedenen Aufnahmen zu hören.


    Es wäre dieser großartigen Künstlerin zu wünschen, daß ihrem beindruckenden Lebenswerk noch zu Lebzeiten die wohlverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird.



    Viele Grüße
    wok

  • Lieber wok, danke für Deinen schönen Beitrag. Die Erinnerung an die Stolte geht auch mir sehr nahe.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lieber, verehrter wok


    Dem Dank von Rheingold möchte ich mich von ganzem Herzen anschließen.
    Natürlich kenne ich Adele Stolte und sie ist mir ein Begriff. Aber mit Deinem ausführlichen Beitrag hast Du geholfen, mein Wissen bedeutend zu erweitern, nicht nur auf die Künstlerin, sondern auch ein wenig auf den Menschen. Es berührt mich immer ganz sehr, wenn jemand wie Du nicht nur Fakten wiedergibt, sondern auch Leidenschaft und Verehrung zum Ausdruck bringt. Ich möchte fast sagen, Dein Beitrag ist mit Herzblut geschrieben und erlaubt positive Rückschlüsse auf den Autor. Sehr gut auch in dem Zusammenhang die Aufzählung anderer großer Künstler, deren Hauptwirkungsfeld in der ehemaligen DDR war. Eine Tatsache, die hier in unserem Forum generell wenig Erwähnung oder Würdigung erfährt. Dafür nochmals meinen Dank. Auch Dein früherer überaus ausführlicher Beitrag über die Violinsolisten, löste bei mir Bewunderung ob der großen Fachkenntnis aus.


    Liebe und herzliche Grüße ins ferne Malaga
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Hallo, lieber Rheingold,


    Vielen Dank für Deine Würdigung meines Beitrags zu so früher Stunde!


    Da darf ich nun feststellen, daß es damit ja nun schon zwei Künstler gibt, die wir offenbar gemeinsam sehr schätzen, um nicht zu sagen verehren! Ich hatte mich damals sehr über Deinen Beitrag vom 25.10.2011 über einen meiner besonderen Lieblinge, nämlich JOSEF TRAXEL, gefreut!!


    Viele Grüße aus dem heißen Málaga!


    wok

  • Lieber chrissy!


    Ganz herzlichen Dank für Deine so anerkennenden Zeilen zu meinem thread über ADELE STOLTE!!!! Und dies von einem so guten Musikkenner! Ich habe mich darüber wirklich sehr gefreut!!


    Es ist schön, zu wissen, daß es noch Musikfreunde gibt, die nicht nur Musik zu analysieren wissen, sondern die sich auch mit Interpreten beschäftigen, die es aus oft widrigen Ursachen (z. B. Kriegsgeschehnisse - DDR - Mauer - Reiseverbot - ) nicht bis hin zu ganz großen internationalen Berühmtheiten geschafft haben.


    Deine so warmen Zeilen lassen auf einen sehr sensiblen, introvertierten Menschen und wirklichen Musikfreund schließen. Auch daß Du Dich noch an meine Beiträge zu verschiedenen Violinsolisten (z. B. BRONISLAW GIMPEL, REINHARD BARCHET), erinnerst, hat mich sehr gefreut! Nochmals vielen Dank! Der Tag ist mit einem so lieben, anerkennenden Beitrag schon gerettet!!


    Viele herzlichen Grüße aus Málaga!


    wok



  • Ich habe den Beitrag mit großem Interesse gelesen, denn ich kannte Adele Stolte zwar, aber nur von den Bach- und Schützaufnahmen aus dem WDR, dessen geistliche Musik immer auch von vielen Sängern aus der DDR bestritten wurde, z.B. Hans-Joachim Rotzsch. Ich habe nicht gewusst, wie vielseitig sie war. Danke!

    Ich kann gut Mitmenschen umgehen (Anon.)

  • In der Tat weckt der kenntnisreiche Bericht von wok nostalgische Erinnerungen in mir. Gehörte die Sängerin doch wirklich in die erste Reihe der Interpreten für die Musik Bachs und der anderen Meister dieser Epoche. So habe ich sie jedenfalls auf Platteneinspielungen kennengelernt. Diese Platten sind zwar längst nicht mehr vorhanden und bei Durchsicht meiner heutigen CD-Sammlung mußte ich feststellen, daß ich keine einzige Aufnahme von Adele Stolte mehr habe, aber dieser Thread bietet ja auch einige Beispiele für Neuanschaffungen bei unseren Werbepartnern. Insofern sage auch ich dem Thread-Starter meinen allerherzlichsten Dank für seine gelungenen Ausführungen.


    Liebe Grüße vom

    .


    MUSIKWANDERER

  • Da sich zu diesem Thread über ADELE STOLTE nicht viel getan hat, und sie in unserem Forum keine Lobby zu haben scheint, möchte ich mit einer kleinen Hörprobe aus der Peer Gynth Suite wieder einmal an diese Sängerin erinnern. Ich glaube, ihre so reine, natürliche, jungenhafte Stimme paßt sehr gut zu dieser Rolle.


    Am 17. 10. 1966 nahm VACLAV NEUMANN in der Heilandskirche in Leipzig mit dem GEWANDHAUSORCHESTER und ADELE STOLTE auch die gesamte Suite auf, und ich meine, daß dies eine wunderbare Einspielung ist, die die Stimmung dieses Werkes sehr gut trifft.


    youtube.com/watch?v=GR-d_jFNqR0
    youtube.com/watch?v=-g-KvHSptWg
    youtube.com/watch?v=pNAcjOEXiIc


    Viele Grüße
    wok

  • Da sich zu diesem Thread über ADELE STOLTE nicht viel getan hat, und sie in unserem Forum keine Lobby zu haben scheint, möchte ich mit einer kleinen Hörprobe aus der Peer Gynth Suite wieder einmal an diese Sängerin erinnern. Ich glaube, ihre so reine, natürliche, jungenhafte Stimme paßt sehr gut zu dieser Rolle.


    Lieber wok, es ist sehr gut, dass Du auf diese Sängerin zurück gekommen bist. Ihre Auftritte hatten immer etwas beglückendes. Und wir sind uns ja in der Wertschätzung für sie einig. Wahrscheinlich muss man manche Namen immer wieder ins Gespräch bringen. Wenn mal ein Thread vor sich hin dämmert, dann braucht das nach meiner festen Überzeugung noch kein Grund für Desinteresse oder eine nicht vorhandene Lobby sein.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Adele Stolte gehörte neben Gertraud Prenzlow, Günter Neumann und Siegfried Vogel zum Solisten-Quartett der ersten deutschen Live-Fernseh-Übertragung einer "Neunten Sinfonie" mit der Staatskapelle Berlin unter Kurt Masur im Beethoven-Jahr 1970 aus der Deutschen Staatsoper Berlin, und zwar aus dem kleinen Apollo-Saal!
    Da passten zwar Chor, Orchester und Solisten rein, aber dann kein Publikum mehr. Man sang also nicht vor Live-Publikum, sondern nur für die Fernsehzuschauer. Ich habe eine DVD davon.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Wenn ich hier getätigten politischen, kulturpolitischen oder sonstigen Aussagen nicht widerspreche, bedeuttet dies keine Zustimmung meinerseits zu diesem Aussagen. Für Meinungen bestimmter User habe ich bestenfalls noch einen Smiley übrig. Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.

  • Hallo Rheingold,


    Danke für Deinen Beitrag. Freut mich, zu vernehmen, daß ADELE STOLTE auch Deine Wertschätzung genießt.


    Ein Grund für das relativ geringe Interesse an diesem Thread mag auch sein, daß sie sich eben überwiegend aus Interpretin geistlicher Musik, insbesondere der Werke BACHs, einen Namen gemacht hat und auf der Bühne nicht in Erscheinung getreten ist, während sich die meisten Stimmenliebhaber unseres Forums ja wohl doch überwiegend für Opernaufführungen und -aufnahmen interessieren.
    Dazu kommt, daß ihre Entfaltungsmöglichkeiten in der DDR doch recht eingeengt waren, obwohl sie dann bei den Wiener Festwochen, in der Schweiz und in Italien als Konzertsolistin sehr erfolgreich auch international ins Rampenlicht trat.


    Viele Grüße
    wok

  • Hallo Stimmenliebhaber,


    Vielen Dank für diesen interessanten Hinweis. Allmählich bekomme ich ein sehr umfassendes Bild von dem Wirken ADELE STOLTEs. Ich werde versuchen, die von Dir erwähnte DVD der Neunten Sinfonie mit ihr zu bekommen!


    Viele Grüße


    wok

  • An anderer Stelle des Forums ist wok wieder auf Adele Stolte zu sprechen gekommen. :) Das hat mich auch sehr gefreut, zumal ich erst dieser Tage wieder die oben abgebildete CD mit den Händel-Kantaten gehört hatte. Die Stolte singt mit großer Sicherheit und Genauigkeit. Bei ihr kommen zuerst die Noten, danach die Ausdeutung. Ihre Stimme hat Sitz. Sie mogelt sich nicht über heikle Stellen hinweg. Eine gründliche Ausbildung und ihr Begabung bewahrten sie von Risiken jeglicher Art. Nie sang sie über ihre Verhältnisse. Um die Oper hat die Pfarrerstochter, die schon frühzeitig mit Musik in Berührung kam, stets einen Bogen gemacht. Es sind keine Bühnenauftritte bekannt. Lediglich für eine in der deutschen Originalsprache gesungene Einspielung von Mozarts "Bastien und Bastienne" für das Label Eterna unter der Leitung von Helmut Koch ist sie neben Peter Schreier und Theo Adam zu hören – auch in den gesprochenen Dialogen, wobei sich vor allem bei den männlichen Solisten ein leichter sächsischer Akzent bemerkbar machte, der irgendwie anrührt. Neben Bach-Kantaten im Rahmen der Archiv-Produktion der Deutschen Grammophon ist diese Einspielung auch in der Bundesrepublik erschienen und hat sie auch dort bekannt gemacht.



    Inzwischen ist die moderne Aufführungspraxis über Sängerinnen wie sie hinweggegangen. das Studium ihrer Stimme führt einem aber vor, wie vortrefflich und verantwoirtungsvoll gegüber dem Werk einst gesungen wurde.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Liebe Melomanen,

    mir ist diese Sängerin mit ihrem 'quellfrischen' Sopran seit den 60er Jahren ein Begriff, als sie im Kölner Rundfunk häufig mit Aufnahmen geistlicher Musik zu hören war, meistens begleitet vom Collegium Musicum des WDR und mit wechselnden Dirigenten.


    In meinem Plattenregal stehen folgende 'Eterna'-Aufnahmen mit Adele Stolte:


    Johann Sebastian Bach: Kantate „Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt, BWV 18“ - Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland, BWV 62“ / mit Gerda Schriever, Peter Schreier und Theo Adam / Der Thomanerchor Leipzig / Das Gewandhausorchester Leipzig / Chorltg. und Dirigent: Erhard Mauersberger (Stereo 8 25 989)


    dto.: Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen, BWV 51“ - Hochzeitskantate „Weichet nur, betrübte Schatten, BWV 202“ / Das Gewandhausorchester Leipzig / Dirigent: Kurt Masur (Stereo 8 26 203) Eine, wie ich finde, mustergültige Interpretation.


    dto.: Kantate „Mein Herze schwimmt im Blut, BWV 199“ - Kantate „Non sa che sia dolore, BWV 209“ / Das Bach-Orchester des Gewandhauses Leipzig / Dirigent: Gerhard Bosse (Stereo 8 25 755)


    dto.: Kantate „Schweiget stille, plaudert nicht, BWV 211“ - Kantate „Mer hahn en neue Oberkeet, BWV 212“ / mit Hans-Joachim Rotzsch und Theo Adam / Das Gewandhausorchester Leipzig / Dirigent: Kurt Thomas (Stereo 8 25 281)


    Ludwig van Beethoven: Liebeslieder – Besinnliche Lieder – Patriotische Gesänge / mit Peter Schreier und Günther Leib / Klavier: Walter Olbertz (Stereo 8 26 260)


    Georg Friedrich Händel: „Neun deutsche Arien“ / Instrumentalsolisten (Mono 8 20 713) Sehr schön - und vor allem textdeutlich - gesungen.


    dto. Kantate „Crudel tiranno Amor“ - Rezitativ und Arie „Ah! Che troppo inegali … O del ciel, Maria Regina“ - Kantate „Tra le fiamme tu scherzi per gioco“ / Mitglieder des Händel-Festspiel-Orchesters Halle / Dirigent: Thomas Sanderling (Stereo 8 26 193) Adele Stolte konnte auch 'virtuos'!


    dto.: Kantate „Pastorella vagha bella“ / Instrumentalsolisten (enthalten auf der Platte Stereo 8 25 721 – 'Ein Konzert im Händelhaus zu Halle')


    Joseph Haydn: „Die Jahreszeiten“ / mit Peter Schreier und Theo Adam / Der Rundfunk-Chor Leipzig (Chorltg.: Horst Neumann) / Das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig / Dirigent: Herbert Kegel (Stereo 8 26 370/72)


    Wolfgang Amadé Mozart: „Bastien und Bastienne“ / mit Peter Schreier und Theo Adam / Das Kammerorchester Berlin / Dirigent: Helmut Koch (Stereo 8 25 551)


    Georg Philipp Telemann: Kantate „Ino“ / Cembalo: Robert Köbler / Das Kammerorchester Berlin / Dirigent: Helmut Koch (Stereo 8 26 078) Eine Interpretation, die der Aufnahme mit Gundula Janowitz ebenbürtig ist.


    Einige der obengenannten Aufnahmen wurden auch auf Schallplatten der 'DGG' und 'eurodisc' veröffentlicht. Die TV-Aufzeichnung der "Neunten Symphonie" unter Kurt Masur wurde auch einmal im längst untergegangenen ARD-Kultursender 'Eins Festival' gesendet, als dieser noch vom MDR verantwortet wurde. Ich habe mir damals diese Sendung auf Video aufgenommen.


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Die TV-Aufzeichnung der "Neunten Symphonie" unter Kurt Masur wurde auch einmal im längst untergegangenen ARD-Kultursender 'Eins Festival' gesendet, als dieser noch vom MDR verantwortet wurde. Ich habe mir damals diese Sendung auf Video aufgenommen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Wenn ich hier getätigten politischen, kulturpolitischen oder sonstigen Aussagen nicht widerspreche, bedeuttet dies keine Zustimmung meinerseits zu diesem Aussagen. Für Meinungen bestimmter User habe ich bestenfalls noch einen Smiley übrig. Das Regietheater-Forum habe ich überdies bei mir abgeschaltet.

  • An anderer Stelle des Forums ist wok wieder auf Adele Stolte zu sprechen gekommen. :) Das hat mich auch sehr gefreut, zumal ich erst dieser Tage wieder die oben abgebildete CD mit den Händel-Kantaten gehört hatte. Die Stolte singt mit großer Sicherheit und Genauigkeit. Bei ihr kommen zuerst die Noten, danach die Ausdeutung. Ihre Stimme hat Sitz. Sie mogelt sich nicht über heikle Stellen hinweg. Eine gründliche Ausbildung und ihr Begabung bewahrten sie von Risiken jeglicher Art. Nie sang sie über ihre Verhältnisse.


    Inzwischen ist die moderne Aufführungspraxis über Sängerinnen wie sie hinweggegangen. das Studium ihrer Stimme führt einem aber vor, wie vortrefflich und verantwoirtungsvoll gegüber dem Werk einst gesungen wurde.

    Hallo lieber Rheingold,


    Ich freue mich meinerseits über die Wertschätzung von ADELE STOLTE auch durch Dich, und besser als Du hätte ich tatsächlich nicht die wesentlichen wertvollen Attribute ihres Gesangs beschreiben können. Es ist schon ein ungewöhnlicher Zufall, daß wir uns nach längerer Zeit gerade jetzt wieder über diese Sängerin unterhalten, wo sie doch heute ihren 87. Geburtstag feiert! Hoffentlich liest sie unsere Beiträge, damit sie sich überzeugen kann, daß sie noch lange nicht vergessen ist.


    Viele Grüße, und noch ein erholsames Wochenende!


    wok


  • Lieber Carlo,


    Wer hätte das gedacht, daß es in diesem Forum noch jemanden gibt, dem ADELE STOLTE nicht nur ein Begriff ist, sondern der auch so viele Aufnahmen von ihr besitzt! Ich freue mich darüber, denn ich interessiere mich für diese Sängerin schon seit Beginn der 60er Jahre. Die meisten der von Dir genannten Aufnahmen besitze auch ich, und wohl noch einige mehr. Sie hat ja auch eine ganze Reihe von Liedern aufgenommen, vor allem mit WALTER OLBERTZ und auch ihrem EHEMANN WOLFRAM IWER. Besonders interessant ist ja auch Ihre Mitwirkung in BEETHOVEN'is Neunter mit der STAATSKAPELLE DRESDEN unter KURT MASUR in der denkwürdigen ersten deutschen Live-Fernsehübertragung der 9. Sinfonie 1970 aus der DEUTSCHEN STAATSOPER BERLIN. Leider gibt es da ja nicht allzu viel zu singen, doch wie sie sang, geschah in beeindruckender Bravour.


    Gerade heute feiert sie ihren 87. Geburtstag. Möge sie unsere Beiträge über sie lesen und sich an unserem anhaltenden Interesse an ihrem Wirken erfreuen.


    Viele grüße

    wok

  • Lieber 'wok',


    es war mir nicht bewusst, dass Adele Stolte heute Geburtstag hat.


    Auf diesem Wege möchte ich ihr Danke sagen für die Freude, die sie mir mit ihrem Gesang (per Schallplatte) bereitet!


    Und Dank auch an 'Stimmenliebhaber' für das Einstellen des Videos.


    Carlo