Macbeth - die besten Inszenierungen

  • Ich habe keine Ahnung, liebe Knusperhexe. Ich habe noch nie eine Inszenierung des Macbeth gesehen, kenne noch nicht einmal die Musik (nur ausschnittweise).

    Diese Aussage hat mich inspiriert, einen neuen Thread zu eröffnen, da ich im betreffenden Thread kein dermaßen gravierendes offtopic starten wollte. Aber dieser Umstand ruft doch nach Abhilfe, wie ich meine.
    Mein Vorschlag ist also diese Produktion:



    Musikalisch gibt es IMHO dazu nicht viel zu sagen, Cappuccilli und Verrett sind sowohl stimmlich als auch darstellerisch exquisit. Ein finsterer, entschlossener, aber gleichzeitig von Selbstzweifeln geplagter Macbeth und eine faszinierende, megärengleiche Lady, die sich ihrer Sache so sicher zu sein scheint und es dann doch ganz und gar nicht ist. Man beachte die Schlafwandelszene :love:
    Regielich ist Strehlers Interpretation für mich ein sehr gute Ausgangsbasis. Stellenweise vergibt er in dieser puristischen Sichtweise, die sich ganz auf die beiden Protagonisten konzentriert, einige dramatische Effekte, wie etwa in der Prophezeiungssszene. Aber man merkt, dass er dem Werk vertraut, was als Grundlage ganz bestimmt nicht verkehrt ist.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Hallo, Strano Sognator!


    Ich besitze mehrere hervorragende Einspielungen bzw. Inszenierungen auf Video und DVD. Hier meine Lieblings-DVD. Es ist eine wunderbar zeitgemäße Inszenierung, die auf historischen Stätten spielt und gedreht wurde in der legendären Burg des Gottfried von Bouillon. Einzigartig!


    W.S.

  • Ja, die ist auch klasse. Ich nenne sie immer "Shirley reloaded". Mit Nucci agiert sie wieder anders, irgendwie noch hinterhältiger. Der Film kommt dem Ganzen natürlich auch zu Gute. Man merkt aber, dass Verrett auch dabei viel von Strehlers ursprünglicher Rollenanlage übernommen hat.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Diese Aussage hat mich inspiriert, einen neuen Thread zu eröffnen, da ich im betreffenden Thread kein dermaßen gravierendes offtopic starten wollte. Aber dieser Umstand ruft doch nach Abhilfe, wie ich meine.
    Mein Vorschlag ist also diese Produktion:



    Musikalisch gibt es IMHO dazu nicht viel zu sagen, Cappuccilli und Verrett sind sowohl stimmlich als auch darstellerisch exquisit. Ein finsterer, entschlossener, aber gleichzeitig von Selbstzweifeln geplagter Macbeth und eine faszinierende, megärengleiche Lady, die sich ihrer Sache so sicher zu sein scheint und es dann doch ganz und gar nicht ist. Man beachte die Schlafwandelszene :love:
    Regielich ist Strehlers Interpretation für mich ein sehr gute Ausgangsbasis. Stellenweise vergibt er in dieser puristischen Sichtweise, die sich ganz auf die beiden Protagonisten konzentriert, einige dramatische Effekte, wie etwa in der Prophezeiungssszene. Aber man merkt, dass er dem Werk vertraut, was als Grundlage ganz bestimmt nicht verkehrt ist.


    Meine liebe Strana!


    Ich kann es nicht in Worte fassen, wie mich diese großartige Produktion beeindruckt. Zwar läßt die Bildqualität einiges zu wünschen übrig, aber DIESE meisterhafte, ganz dem Werk verpflichtete Regie, das großartige Dirigat Abbados und vor allem DIESE herrlichen Stimmen vermitteln das stimmige Resultat, wie meisterhaft realisierte Oper zu sein hat!


    Als ich a.a.O. schrieb, dass der eine Sänger in einem Eck, der andere im anderen stand, traf ich wahrscheinlich auf einiges Unverständnis unter den zeitgeistigen Regieadoranten. Aber wenn man hier in der ersten Szene Macbetto in der einen und Banquo in der anderen Bühnenecke sieht, muß man dankbar erkennen, dass das Faszinosum, das von diesen überragenden Sing-Schauspielern ausgeht, keinen Wunsch offenläßt. Ein Zuviel an schauspielerischer Agilität hätte der Szene nur geschadet. Dies sollte den zeitgeistigen Regisseuren, die meinen, mit Gewusel eine Szene aufpeppen zu müssen, ins Stammbuch geschrieben werden!


    Mit unendlichem Dank für dieses Meisterwerk
    fühle ich mich Dir zutiefst verbunden!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Meine Antwort könnte ich ebenso in einem Thread "Gute traditionelle Inszenierungen" unterbringen, und ich meine die Macbeth-Produktion, die - ich glaube, es war 1993 - beim Opernfestival im finnischen Savonlinna herauskam und die es auch auf DVD gibt bzw. gab. Rolf Langbacka, eigentlich ein vom Schauspiel her kommender Regisseur, und die Ausstatterin Anneli Qveflander hatten eine Inszenierung geschaffen, die in meinen Augen ideal ist. Sie passt sich großartig dem Ambiente der Burg Olavinlinna an, wo traditionellerweise die Festspiele stattfinden, und stellt sich niemals zwischen Werk und Zuschauer. Der Operntourist (die Mehrheit der Zuschauer in Savonlinna besteht aus Touristen) kommt ebenso auf seine Kosten wie der Enthusiast, der dieses Werk schon mehrfach gesehen hat. Nur eine Gruppe geht leer aus : diejenigen nämlich, die auf Provokation warten.


    Auch musikalisch ist diese Aufführung vom Feinsten. Geleitet wird sie von Leif Segerstam, eine mit dunklen Farben gezeichnete Interpretation voller Italianità. Der aus jungen Sängern bestehende Chor des Festival ist Extra-Klasse, meiner Meinung nach nur dem Bayreuther Festspielchor vergleichbar - das höchste Kompliment, das ich aussprechen kann. Jorma Hynninen in der Titelrolle und der leider inzwischen verstorbene Peter Lindroos (Macduff) zeigen exemplarisch, dass auch "Nordlichter" Belcanto beherrschen. Hätten sie sonst auch international Karriere gemacht? Lady Macbeth von Cynthia Makris ist Geschmackssache. Eine persönlichkeits- und ausdrucksstarke Interpretation, mit einer Stimme, die zwar alle Klippen ihrer Partie gekonnt umschifft, mir aber zu wenige Farben aufweist. Jaakko Ryhänen - ein sehr guter Banquo.


    Fazit : Eine Aufnahme, die vom Visuellen ideal zum Einstieg in dieses Werk dienen kann, aber auch den anspruchsvolleren Fan befriedigt - musikalisch jedem Vergleich standhaltend. Zum Glück wird diese Produktion im Verdi-Jahr 2013 wieder in Savonlinna zu sehen sein. Da es daneben als Premieren La Traviata und Samson und Dalila geben wird, als Wiederaufnahme Lohengrin sowie als Gastspiel vom St. Petersburger Mikhailovsky-Theater Ballo in machera und Eugen Onegin, werde ich 2013 wohl häufiger in Savonlinna zu finden sein.

  • Lieber Milletre,


    das finde ich aber schön, dass ich dir auch mal eine Freude machen konnte. Ja, dies sind die großartigen Stimmen, die ich meinte, die auch mit einer entsprechenden Künstlerpersönlichkeit verbunden sind und eine Aufführung zu einem Erlebnis machen. Du hast - wenn nicht diese, dann doch andere hervorragende Aufführungen - mehrfach erlebt und bist daher jemandem wie mir uneinholbar weit voraus. Umso wichtiger finde ich es , dass man diesen atemberaubenden Preziosenschrein, der auch unter dem schlichten Namen "youtube" bekannt ist, unbedingt in die Beweisführung miteinbeziehen muss, sonst wäre das Prädikat "verstaubt" wohl wirklich nicht von der Hand zu weisen.


    @Peter:
    Danke für die Beschreibung dieser interessanten Macbeth- Produktion. Ich habe nach der DVD gesucht, konnte sie aber leider nirgends im Angebot entdecken. Habe ich da was übersehen? Den Namen Savonlinna hatte ich mal im Zusammenhang mit Opernfestspielen gehört, wusste aber nicht, dass es dort ein so reichhaltiges Programm gibt, wie du es für 2013 beschreibst. Das klingt ja alles wirklich sehr erfreulich und so gar nicht nach "toter Oper", wie einige Besserwisser so gern tönen.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Hallo, Strano Sognator!


    Das gehört zwar nicht in diesen Thread, aber es ist eine Empfehlung von mir zu dem Festival.




    Gruß Wolfgang

    W.S.


  • Eine sehr schöne Inszenierung gibt es auch bei dieser Aufnahme von den Festspielen in Glyndebourne. Und Josephine Barstow ist eine exzellente Lady Macbeth.




    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Den Namen Savonlinna hatte ich mal im Zusammenhang mit Opernfestspielen gehört, wusste aber nicht, dass es dort ein so reichhaltiges Programm gibt, wie du es für 2013 beschreibst. Das klingt ja alles wirklich sehr erfreulich und so gar nicht nach "toter Oper", wie einige Besserwisser so gern tönen.


    Savonlinna ist tatsächlich eine Reise wert, aber diesmal zieht es mich nur 2x dorthin, zum Fliegenden Holländer, der (fast) auf demselben Niveau ist wie der von mir beschriebene Macbeth, und zum Finalkonzert des Internationalen Gesangswettbewerbs. Dazu muss man wissen, dass Savonlinna in diesem Jahr Jubiläum feiert, ist dieses Festival doch vor genau 100 Jahren von der damals sehr berühmten finnischen Sopranistin Aino Ackté gegründet worden. Um die Uraufführung einer finnischen Oper in diesem Jahr (La Fenice von Kimmo Hakala) sowie die einer "Internet-Oper" finanzieren zu können, hat man auf drei Publikumsrenner zurückgegriffen, auf die Zauberflöte (von August Everding 1973 inszeniert, in finnischer Sprache), auf den Fliegenden Holländer (1981) und auf Aida (1986). Man muss ja schließlich Geld verdienen, um sich Ungewöhnliches leisten zu können. Der Zuschauerraum der Burg Olavinlinna fasst 2500 Plätze. So viele Opernliebhaber gibt es nicht in Finnland, die dieses Volumen jeden Abend füllen könnten. Da muss man schon solche "ollen Kamellen" wie Taikahuilu (=Zauberflöte), Holländer und Aida aufbieten.


    Typisch für finnische Opernhäuser (eigentlich nur Helsinki) und Festivals, werden diese von Künstlern, z.T. von noch aktiven, und nicht von Managern geleitet. Der Berühmteste (in Savonlinna) war wohl Martti Talvela. Im nächsten Jahr folgt auf den in Deutschland von seinen Aktivitäten in Braunschweig und Pforzheim her bekannten Dirigenten Jari Hämälainen der Tenor Jorma Silvasti.


    Das Savonlinna-Opernfestival bietet für aus dem Ausland kommende Gäste noch einen weiteren Vorteil : Man kann es ideal mit dem nur 106 km entfernten Mikkeli (wo ich wohne) verbinden, in dem Valery Gergiev mit seinem St. Petersburger Mariinsky-Theater regelmäßig zu Beginn des Monats Juli gastiert. Obzwar vorwiegend ein Festival mit Sinfoniekonzerten, gibt es diesmal zum ersten Mal seit einigen Jahren wieder Oper : Verdis Attila, zwar "nur" in einer konzertanten Aufführung, dafür mit einer Weltklassebesetzung, u.a. mit Ildar Abdrazakov in der Titelrolle. Also : Auf nach Savonlinna und Mikkeli!

  • Auch von mir herzlichen Dank an sognatrice! Ich hatte dieses Video zwar, aber in viel schlechterer Qualität. Jetzt werde ich ein wenig "basteln"', um diese auch für mich nie mehr übertroffene Produktion lippensynchron hinzubekommen! (Wenn es heute noch Vergleichbares gäbe, müssten wir uns mit den Wolframs nicht mehr rumstreiten und wären ganz zufrieden...)

  • @Peter: Danke für die Beschreibung dieser interessanten Macbeth- Produktion. Ich habe nach der DVD gesucht, konnte sie aber leider nirgends im Angebot entdecken. Habe ich da was übersehen?

    Ich weiß nur, dass diese Produktion im finnischen Fernsehen zu sehen war und auf einer DVD erschienen war, die es zumindest in Savonlinna zu kaufen gab. Aber meine Internetrecherchen führten leider auch zu diesbezüglichen Fehlanzeigen. Schade! Ich werde weiter suchen.

  • Meine beste Erinnerung hab ich den MACBETH an der Wiener Staatsoper mit Zamperi, Bruson, Ghiaurov, Dvorsky. Sinopoli dirigierte.
    Peter Wood hatte die Regie.


    Auch die Aufführung bei Salzburger Festspielen ist mir in guter Erinnerung!
    Bumbry, Fischer-Dieskau ! Sawallisch dirigierte! 1964 und 1965 Felsenreitschule.
    Regie Oskar Fritz Schuh.


    :jubel:

    mucaxel

  • Auf nach Savonlinna und Mikkeli!

    Nun, da hast du mir mit deiner ausführlichen Beschreibung jetzt wirklich einen saftigen Knochen hingeworfen. Ich nehme mal an, dass dieses Festival nicht auch von der unmittelbaren Schließung bedroht ist und dass mir genügend Zeit bleibt, auf einen Besuch zu sparen.


    9079wolfgang: Vielen Dank für deine Hinweise! Josephine Barstow kann ich mir als Lady Macbeth sehr gut vorstellen. Eine beeindruckende Sopranistin. :hello:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Nun, da hast du mir mit deiner ausführlichen Beschreibung jetzt wirklich einen saftigen Knochen hingeworfen. Ich nehme mal an, dass dieses Festival nicht auch von der unmittelbaren Schließung bedroht ist und dass mir genügend Zeit bleibt, auf einen Besuch zu sparen.

    Nun, liebe Strano Sognator, Savonlinna ist mit Sicherheit nicht von Schließung bedroht. Bei Mikkeli kann man nicht sicher sein, ob Valery Gergiev weiterhin daran interessiert ist, für "peanuts" nach Mikkeli zu kommen (er bekommt hier nur einen Bruchteil seiner Gage). Aber da er an Mikkeli zu hängen scheint und es genießt, hier mit seiner Familie Urlaub machen zu können, gehe ich einmal davon aus, dass es auch 2013 ein Gergiev Festival Mikkeli geben wird.


    Savonlinnas Spielplan für 2013 ist noch nicht online. Aus einem Grund würde ich Dir jedoch raten (natürlich erst, wenn Du den Spielplan kennst), mit einer Festlegung auf bestimmte Termine nicht zu lange zu warten. In Anbetracht des großen Zuschauerinteresses (jeden Tag maximal 2500 Zuschauer) muss man sich rechtzeitig um ein Hotel bemühen. Und während in ganz Finnland die Hotelpreise niedriger werden (wegen des Ausbleibens der Geschäftsreisenden), gehen sie in Savonlinna in die Höhe. Also : rechtzeitiges Buchen ist empfehlenswert. Die Kartenpreise in Savonlinna bewegen sich zwischen 40 und ca. 150 €, in Mikkeli (für die Gergiev-Konzerte) max. 75 €. Lediglich für den diesjährigen Attila muss man 85 € hinlegen.


    Übrigens : Mikkeli beginnt heute. Wegen der Übertragung des Endspiels der Fussball-EM hat man den Konzertbeginn auf 18 Uhr festgesetzt, damit Gergiev danach das Spiel sehen und im Anschluss seinem "Lieblingsevent" frönen kann : der traditionellen finnischen Rauch-Sauna.


    Für die nächste Woche werde ich mich also aus den anregenden und manchmal aufregenden Diskussionen im Tamino-Forum ausklinken. Jeden Tag bis zu 3 Konzerte; da bleibt keine Zeit für Tamino. Also dann!


    Peter

  • Dieses "Zuckerl" habe ich noch gefunden: Kostas Paskalis und Josephine Barstow in Glyndebourne 1972.




    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Auch musikalisch ist diese Aufführung vom Feinsten.


    Fazit : Eine Aufnahme, die vom Visuellen ideal zum Einstieg in dieses Werk dienen kann, aber auch den anspruchsvolleren Fan befriedigt

    Danke für die Beschreibung dieser interessanten Macbeth- Produktion. Ich habe nach der DVD gesucht, konnte sie aber leider nirgends im Angebot entdecken. Habe ich da was übersehen?


    Aber wenn man richtig sucht, findet man die Aufzeichnung noch immer im Internet.


    Giuseppe Verdi: Macbeth - Savonlinna Opera Festival 1993 Jorma Hynninen, Cynthia Makris, Peter Lindroos, Jaakko Ryhänen, Savonlinna Opera Festival Choir and - Orchestra. Conductor Leif Segerstam


    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt