Kirsten Flagstad - Mustergültige Isolde

  • Hat bisher noch keinen eigenen Thread (war zum 50. Todestag im Dezember vorgesehen) - nun schließe ich die Lücke schon heute:


    Kirsten Målfrid Flagstad (* 12. Juli 1895 in Hamar, Norwegen; † 7. Dezember 1962 in Oslo, Norwegen)
    norwegische Sängerin (hochdramatischer Sopran). Sie gilt als eine der größten Wagnerinterpretinnen überhaupt.


    Nicht, dass sie im Forum unbekannt wäre, sie wird vielfach erwähnt, z.B. hier: Mild und leise wie er lächelt – Wer war die beste Isolde?


    Und wer für wenig Geld ihre Stimme ausgiebig hören will, der greift zu dieser Box, die nächste Woche erscheint:



    Kirsten Flagstad
    - The Voice of a Century

    Wagner: Wesendonck-Lieder;Arien & Szenen aus Walküre, Lohengrin, Tannhäuser, Tristan, Götterdämmerung, Siegfried
    +Strauss: 4 letzte Liede
    r+Purcell: Dido & Aeneas (Ausz.)
    +Arien & Lieder von Grieg, Gluck, Bach, Händel, Weber, Beethoven

    Zitat

    „Ich brauche, namentlich zur Isolde, Stimme, Stimme, Stimme!“, hieß es in einem Brief, den Richard Wagner 1858 schrieb.
    Die norwegische Sopranistin Kirsten Flagstad hat diese Forderung mehr als erfüllt. Einer der vielen eindrücklichen Belege hierfür ist die als maßstäblich gerühmte Aufnahme von „Tristan und Isolde” unter Furtwängler aus dem Jahr 1952, in dieser Kompilation in Auszüge zu hören.
    Ausschnitte aus dem „Ring des Nibelungen” unter Furtwängler (1950 und 1952) und Solti von 1957 stellen die Flagstad als herausragende Brünnhilden-Interpretin vor. Die bedeutendste Wagnerinterpretin und Sopranistin allerersten Ranges ihrer Generation wird hier in Aufnahmen von Beginn ihrer internationalen Karriere an (1935) bis wenige Jahre vor ihrem Tod, porträtiert. Sie dürften nicht nur Wagner- Enthusiasten begeistern.
    Herausragende Tondokumente weisen sie auch als ebenso klangstarke wie feinfühlige Interpretin der Werke von Händel, Gluck, Purcell, von Weber oder Beethoven aus.
    Zu den wichtigen Zeugnissen ihrer Liedkunst zählen neben einer Reihe von Grieg-Liedern die Aufnahmen der „Wesendonck-Lieder“ mit Gerald Moore am Flügel.
    Nicht fehlen darf an dieser Stelle die berühmte Aufnahme der „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss von 1950.


    Documents 10 CD-Wallet-Box (€ 9,99)


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Kirsten Flagstad ist neben La Nilsson für mich die ideale Isolde. Es ist mir wirklich nicht möglich, mich hier zwischen den beiden zu entscheiden.
    Als Brünnhilde gewinnt mit geringem Vorsprung allerdings Kirsten Flagstad, da sie - meiner persönlichen Meinung nach - mit ihrer wärmer timbrierten, sinnlichen Stimme mehr von der leidenschaftlichen Wotanstochter hat.
    Zu empfehlen ist diese Aufnahme:

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Da trifft es sich ja gut, dass ich diese Aufnahme (unter Furtwängler 1952), jedenfalls scheint sie mir herausragend, dieser Tage bekommen habe. Da ich Birgit Nilsson als Partnerin von Wolfgang Windgassen schon seit vielen Jahren in meiner Sammlung habe, bin ich mal gespannt, wie sich die beiden vergleichen lassen.


    Liebe Grüße


    Willi ?(

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Meine Liebe zur Musik kann ich mir ohne Kirsten Flagstad überhaupt nicht vorstellen. Sie war immer dabei, eine der Säulen, auf denen alles steht, was mit Gesang zu tun hat bei mir. Sie hat hat in ganz entscheidendem Maße meine Maßstäbe gesetzt. Dabei lässt sich auch viel gegen sie sagen. Gestalterisch haben ihre wichtigen Rollen (Isolde, Brünnhilde, Fidelio-Leonore, Sieglinde, Alceste, Dido) durchaus Grenzen. Sie verausgabt sich nie, ist immer die Hohefrau. Ihr stimmliche Höhe war zu keiner Zeit optimal, ihre Tiefe zu flach. Die sich verströmende Mittellage aber, die hat nicht ihresgleichen. Flagstadt hat mich gelehrt, dass die entscheidene Wirkung beim Singen aus der Mitte kommt. Ihre Stimme, absulut unverkennbar, ist mir immer wie altes Gold vorgekommen, dessen Kostbarkeit auch nicht darin besteht, dass es keine Schrammen und Blessuren hat. Die Venus von Milo braucht schließlich auch keine Arme, um vollendet zu sein. Die Isolde in der berühmten Furtwängler-Aufnahme, in der ihr Elisabeth Schwarzkopf die C's bei der Begegenung mit Tristan im zweiten Aufzug geliehen hat, ist mehr zelebriert denn für die Bühne gesungen, denn nichts ist dem Zufall überlassen. Sie gibt (mir) eine Vorstellung davon, wie diese Partie stilistisch zu bewältigen ist. Ein Hauch von Vollendung schwebt darüber. So schön kann Wagner klingen. Die berühmten "Bühnentiere", die in diesem Werk um ihr Leben singen, was mir in Teilen auch sehr gut gefällt, haben dem Werk viel von seiner Exemplarität genommen. Sie machen gern Oper daraus, die Flagstad ist immer Kunst.


    Meine liebsten Aufnahmen von ihr sind die orchestertbegleitenen Lieder von Sibelius und Grieg. Darin funkelt es wie in kostbarsten Edelsteinen. Viele Einspielungen kamen spät, manches zu spät, will man sie nur nach gesangstechnischen Maßstäben beurteilen. Der Wirkung nach hat sie in ihre letzten Aufnahmen hinein, darunter die Norwegian Hymns mit Orgel aus einer Osloer Kirche nicht aufgehört, eine der begnadesten Sängerinnen zu sein. Sie hat außerordentliche viele Platten aufgenommen und Rundfunkaufnahmen hinterlassen, die mit sammlerischer Hartnäckigkeit auch alle noch zu ergattern sind. Lieder nehmen in diesem Erbe einen größeren Rang ein als die Oper.


    Besuch im Kirsten-Flagstad-Museum


    Kürzlich habe ich ihr Geburstaghaus in Hamar besucht. Es ist ein Museum. Wer List hat, kann sich mal den kleinen Bericht durchlesen, den ich für eine Zeitschrift geschrieben habe:


    "Nie war ich KIRSTEN FLAGSTAD so nahe wie in ihrem Geburtshaus in Hamer. Eineinhalb Eisenbahnstunden nördlich von Oslo gelegen, eine schlichte Stadt. Der stattliche Bahnhof, hier und da ein altes Haus, ein Grand Hotel, eine Terrasse unter einer Pergola lassen einstigen Wohlstand erahnen. Inzwischen hat sich eine gewisse Tristesse über Straßen und Plätze gelegt. Das Letzte, woran der Flaneur an diesem abgeschiedenen und uncharmanten Ort im Norden Europas denken würde, ist die Flagstad. Diese hohe Frau, durch und durch Dame wie es sie heute kaum mehr gibt, die nie ohne Perlenkette aus dem Haus ging, den kostbaren Pelz über die Schultern geworden. Wer sie noch persönlich erlebt hat, spricht zu allererst von der raumgreifenden Wirkung, das ihr Erscheinen hatte. Betrat sie einen Raum – von der Bühne gar nicht erst zu reden – stocke den Anwesenden der Atem. Dabei soll sie sehr herzlich ein einfach gewesen sein.

    Herzlich und einfach, das sind die Attribute, die sich hauptsächlich mit ihrem Geburtshaus verbinden, weniger Pelz und Perlenkette. Das einstöckige Holzhaus, etwas abschüssig mitten in der Stadt gelegen, ist keine Villa wie jenes komfortable Anwesen in Kristiansund an der Atlantikküste, das sie auf der Höhe ihres Ruhms bis zum Tod 1962 bewohnte und das den angemessenen großbürgerlichen Rahmen für das glanzvolle Leben dieses Weltstars abgab. In Hamer muss sich der Gast Kirsten als Kind einer Musikerfamilie denken – der Vater Dirigent, die Mutter Pianistin. Ölgemälde aus späteren Jahren zeigen die Mutter streng, den Vater versonnen und selbstbewusst. Obwohl dieses enge Haus der authentischsten aller Orte ist, das kleine Mädchen, das auf der engen Stiege zum oberen Geschoss herumhüpft, konnte ich mir nicht vorstellen. Dafür sind die Devotionalien, die allesamt aus jenen Jahren stammen, als die Flagstad an der Met, an der Scala, in London, Zürich, Paris oder Wien ihre größten Erfolge feierte, zu überwältigend. Sie haben nichts mit den einfachen und schlichten Jugendjahren in diesem Provinznest zu tun. Sie sind hier untergebracht, weil es sonst keinen anderen persönlichen Ort der Erinnerung gibt. Die Villa in Kristiansund ist verkauft, die Asche ins Meer gestreut. Es gibt kein Grab von Kirsten Flagstad.

    Das berühmte Kostüm der Brünnhilde mit Federhelm, Schild und Speer scheint einen der kleinen Räume fast zu sprengen. Zu sehen ist auch, was sie als Isolde, Elisabeth und Kundry trug. Hier wie da ist die allzu große Nähe der Wirkung der Modelle nicht zuträglich. Dies gilt nicht für den Schmuck, den die Flagstad als Purcellsche Dido 1951 im Londoner Mermaid Teatre trug, und der es wenig später auch auf das Plattencover der Studioproduktion von „Dido and Aeneas“ brachte. Diadem, Ohrgehänge und Kette scheinen aus purem Gold gearbeitet. In einer anderen Vitrine glänzt der Pokal, den sie bei der Verabschiedung in der Metropolitan Opera als Alceste mit beiden Armen als strahlende Siegerin hoch hält. Ein prunkvolles Bett, über das ein feiner Morgenmantel und ein Negligé aus feiner Spitze geworden sind, bildet einen grellen Kontrast zur Einfachheit des Standorts. Diskrete Besucher gehen schnell daran vorbei. Ich jedenfalls möchte nicht wissen, wie Kirsten Flagstad auf dieser Liegestatt geruht hat. Guten Geschmack verraten alle möglichen persönlichen Gebrauchsgegenstände wie Necessaires, Schminkkoffer, das grüne Reiseglas für den Cherry.

    Niemand kann die Fotos zählen, die die Wände fast aller Zimmer übersäen. Sie dokumentieren eine lange Karriere, an deren Anfang nicht Wagner stand sondern das ganz normale Repertoire eines jungen begabten Soprans – einschließlich Auftritte in Operetten wie „Vetter aus Dingsda“ oder „Fledermaus“. Zeit braucht es, sich in die vielen dicken Bände mit den gesammelten Kritiken, Besprechungen und anderen Veröffentlichungen zu vertiefen. Eine Diskographie, die in den USA als Dissertation angenommen worden war, leistet das akustische Erbe der Sängerin, das bekanntlich sehr umfangreich ist, in allen seinen Verzweigungen auf. Verfolgt wird die Veröffentlichungsgeschichte jede Arien, jedes Liedes, jeder Szene. Wann, wo, wie ist welche Aufnahme erschienen? Der Autor erbringt den Beweis, dass dies tatsächlich wissenschaftliche Forschungsarbeit ist und keine aberwitzige Sammlerwut. Die freundliche und kompetente Führung erklärt geduldig. Auf Wunsch werden Platten und CDs aufgelegt. Mild und leise wie er lächelt....

    Einmal das Geburtshaus von Kirsten Flagstad besuchen! Der lang gehegte Wunsch hat sich erfüllt. Ich bin zufrieden und tief bewegt. Bin ich auch der Sängerin näher gekommen? Nein. Ich bin ihr ja längst nahe, wenn ich mich in ihre Aufnahmen versenke. Das ist die Begegnung mit der Ewigkeit. Kostüme und Bettgestelle werden eines Tages nicht mehr da sein."


    Wer will, kann das Kirsten-Flagstad-Museum in Hamar auch im Internet besuchen, virtuell durch die Räume gehen, in Fotoalben blättern, Bücher und CDs bestellen: http://www.kirsten-flagstad.no


    Danke, Harald, dass Du dieser Thread eröffnet hast.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

    Einmal editiert, zuletzt von Rheingold1876 ()

  • Die sich verströmende Mittellage aber, die hat nicht ihresgleichen. Flagstadt hat mich gelehrt, dass die entscheidene Wirkung beim Singen aus der Mitte kommt.

    Das erinnert mich wieder an ihr wunderbares "Ruhe, ruhe, du Gott" in der Svanholm-Götterdämmerung.


    Mir aus der Seele gesprochen. Die Höhe kann man verschmerzen.


    Grüße aus Stockholm
    hami1799

  • Da trifft es sich ja gut, dass ich diese Aufnahme (unter Furtwängler 1952), jedenfalls scheint sie mir herausragend, dieser Tage bekommen habe. Da ich Birgit Nilsson als Partnerin von Wolfgang Windgassen schon seit vielen Jahren in meiner Sammlung habe, bin ich mal gespannt, wie sich die beiden vergleichen lassen.


    Liebe Grüße


    Willi ?(


    Die Umbenennung von Fi-Di in Josef finde ich schon recht originell. Ist er etwa konvertiert? Na ja ...


    Die grandiose Flagstad, und darauf muß nachdrücklich hingewiesen werden, hat auch herrliche "Tristan"-Aufnahmen mit dem Ausnahmetenor Lebrecht Hommel eingespielt, auf die ich nicht verzichten möchte!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Lieber Fritz,


    ich hatte schon in dem Thread "Frisch erstanden", darauf hingewiesen, dass es sich bei dem bei Amazon abgebildeten Cover um ein altes, fehlerhaftes handelt und dass bei dem meinigen wieder alles korrekt ist. Nicht nur FiDi ist wieder korrekt benannt, sondern auch Josef Greindel ist wieder komplett, sogar Rudolf Schock ist jetzt genannt.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Kirsten Flagstadt und Birgit Nilsson sind beide maßstabsetzende Hochdramatische von höchstem Rang. Ich frage mich manchmal warum wir immer vergleichend bewerten müssen? Genießen wir doch die Flagstadt mit ihrem warmen, strömenden, ergreifenden Herzenston genau so wie die Nilsson mit dem einmaligen Stahl in der Stimme, der sie befähigte, z. B. die Schwurszene oder den Schlussgesang der Brünnhilde in der "Götterdämmerung" so intensiv-faszinierend zu gestalten, dass es mir vor allem beim Bühnenerlebnis im Bayreuther-Festspielhaus Schauer über den Rücken jagte.
    Ein gewagter Vergleich: Kirsten Flagstadt ein herrlich leuchtend roter Rubin, Birgit Nilsson ein fast überirdisch hell strahlender Diamant.
    Beides unendlich schöne Schmuckstücke - nur jedes auf seine und in seiner Art.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Schöner kann man es nicht sagen - tausend Dank für Deine klugen Worte, lieber Hans!


    Mein Motto in der Musik: Hier darf es keine Monogamie geben!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Zitat

    operus: Ich frage mich manchmal, warum wir immer vergleichend bewerten müssen.

    Das fragst du dich sicher zu Recht, lieber operus. Wir müssen es nicht, aber wir tun es allzu oft. Ich hatte ja in diesem Zusammenhang auch nur gefragt, wie sich die beiden vergleichen lassen. "La Nilssson" habe ich ja außer in ihrer o.a. Rolle als Isolde auch als Brünnhilde in der Walküre, Siegfried und Götterdämmerung, alle unter Böhm, und als Leonore unter Maazel. Kirsten Flagstad habe ich zum ersten Mal in einer Opernproduktion, trotz Mono, und auch wegen Furtwängler, der fast in allen meinen nicht so häufigen Mono-Aufnahmen vertreten ist. Wenn mir das gut gefällt, werde ich sicherlich weitere Aufnahmen von ihr erwerben.


    Ansonsten schließe ich mich den Ausführungen Fritzens an.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • heute vor 50 Jahren ist sie in ihrter norwegischen Heimat gestorben:


    Kirsten Flagstad (* 12. Juli 1895 in Hamar, Norwegen; † 7. Dezember 1962 in Oslo, Norwegen) war eine norwegische Sängerin (hochdramatischer Sopran). Sie gilt als eine der größten Wagnerinterpretinnen überhaupt.

    Das tägliche Kalenderblatt im Deutschlandfunk ist heute der Sängerin zu ihrem Todestag gewidmet. Der link zum Nachlesen und -hören ist hier: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/1940393/

    Zitat

    Klarheit, Kraft und Dramatik: dafür war Kirsten Flagstads Stimme berühmt. 34jährig nahm sie mit der Elsa aus Lohengrin ihre erste Wagner-Rolle in Angriff. Von da ab führte ihr Weg über Oslo und Bayreuth 1935 nach New York, wo sie zum Kassenmagneten avancierte. Am 7. Dezember 1962 starb Kirsten Flagstad in Oslo.


    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Heute hat sie Geburtstag, dazu habe ich dies ausgesucht:



    Heute ist ihr 120. Geburtstag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Am 4. 6. 2019 schrieb ich im 'Elisabeth-Schwarzkopf-Thread' folgendes:


    In der posthum erschienenen Biographie "Gehörtes - Ungehörtes" (Originaltitel: On and off the record) von 1982 wird ein (undatierter) Aufsatz von Walter Legge veröffentlicht, in dem es u.a. heißt: "Es gäbe keinen Furtwängler-Flagstad-Tristan - für meinen Geschmack noch immer die überragende Aufnahme dieser Oper - hätte die Schwarzkopf nicht versprochen, die hohen Bs, Hs und Cs für ihre Freundin zu singen, wie sie es bereits bei früheren Duetten der Flagstad mit Set Svanholm getan hatte".


    Ich glaube, Walter Legge ging es nicht um den Plattenverkauf des „Tristan“, sondern darum, der verhassten Konkurrenz ('Decca') zu zeigen, dass er auch 'tricksen' konnte. Jetzt werde ich mir die Platten mit den genannten Duetten von Flagstad/Svanholm genauer anhören: „Die Walküre“ (Todesverkündung / Karl Böhm / 4. 6. 1949), „Tristan und Isolde“ (Liebesduett 2. Akt mit Constance Shacklock als Brangäne / Karl Böhm / 5. 6. 1949) und „Siegfried“ (Duett 3.Akt / George Sebastian / 12. - 13. 6. 1951). Vielleicht sind auch bei der Szene Isolde-Brangäne und vor allem bei Isoldes Fluch im „Tristan“ Schwarzkopf-Töne zu hören (mit Elisabeth Höngen /Issay Dobrowen / 31. 3. 1948)?

    Liebe Melomanen,


    es ist nicht meine Absicht, die Diskussion über den 'Freundschaftsdienst' von Elisabeth Schwarzkopf für ihre Kollegin Kirsten Flagstad wieder anzukurbeln, aber ich komme nun endlich dem Wunsch von 'nemorino' nach, die in meinem Beitrag Nr. 198 genannten Aufnahmen zu kommentieren.


    Ich habe mir nun also nach langer Zeit die Kirsten-Flagstad-Platte von 'Electrola/Dacapo' von 1971 (1 C 047-01 149 M) und das 'Electrola/Dacapo'-LP-Doppelalbum „Kirsten Flagstad – Dem Genius Richard Wagner verpflichtet“ von 1974 (1 C 147-01 491/92 M) wieder angehört. (Details siehe Zitat!)


    Bei den auf dem Doppelalbum enthaltenen Wagner-Aufnahmen von 1948 und 1949 kann ich nicht feststellen, dass hier 'Schwarzkopf'-Töne zu hören sind. Die Einzelplatte allerdings, die das Schlussduett aus „Siegfried“ mit Set Svanholm – aufgenommen am 12. und 13. 6. 1951 - und den Schlussgesang der Brünnhilde aus „Götterdämmerung“ enthält (vermutlich die zweite Aufnahme unter Furtwängler vom 23. 6. 1952; Aufnahmedaten werden auf der Hülle nicht genannt), klingt mir in einigen, wenigen Momenten – z. B. in den letzten Tönen des „Siegfried“-Duettes - etwas 'manipuliert'.


    Vorausgesetzt, es handelt sich bei Brünnhildes Schlussgesang auf dieser Platte um die Aufnahme von 1952 und nicht um die Version vom 26. 3. 1948, so können einzelne isolierte Spitzentöne 'eingefügt' worden sein. Diese sind aber so perfekt in das Klangbild integriert und dem Timbre Kirsten Flagstads angepasst, dass es wohl einer technischen Analyse – oder sehr scharfen Ohren, die ich nicht habe - bedarf, sie zu identifizieren.


    Ich habe mir zusätzlich die Flagstad-CD (EMI 5 62957 2) mit dem Schlussgesang von 1948 und den 3. Akt der „Götterdämmerung“ unter Furtwängler von der RAI (Rom, 31. 5. 1952 mit Kirsten Flagstad, Hilde Konetzni, Ludwig Suthaus, Josef Herrmann und Josef Greindl) auf den 2 LPs der 'Fonit Cetra' (Furtwängler-Edition FE 20) angehört und kann kaum nennenswerte Unterschiede in der Stimmproduktion der Flagstad finden. (Lediglich das Klangbild der 52er Studio-Aufnahme ist etwas weniger kompakt als 1948.)


    Letztendlich bleiben diese Aufnahmen – nicht zuletzt seitens der grandiosen Norwegerin - vor allem wertvolle, maßstabsetzende Dokumente großen Wagnergesangs und wir sollten auch Walter Legge dankbar sein, dass wir sie haben und immer hören können, ganz egal, ob mit oder ohne einigen Tönen von 'Her Master's Voice'!


    Viele Grüße!


    Carlo


    P. S.

    Weil auch dieser Beitrag mal wieder zwei Sängerinnen betrifft, werde ich ihn auch unter dem 'Kirsten-Flagstad-Thread' posten.