Johann Strauß (Sohn)

  • Hallo allerseits,


    in der Literatur über Musikgeschichte bin ich inzwischen bei den Herren Strauß und ihrem regen Treiben in Wien angelangt. Im Grunde nur der Vollständigkeit halber hätte ich gerne eine CD mit den bekannten und allseits beliebten ( :stumm: ) Werken des Herrn Johann Strauß (Sohn).


    Auf dem Markt kursieren ja unzählige Aufnahmen mit dem Titel „Walzer, Polkas, Ouvertüren“. Ist Eurer Meinung nach etwas Brauchbares darunter, was einen guten Querschnitt darstellt?


    „Die Fledermaus“ besitze ich bereits – es soll sich hier also wirklich nur um die ansonsten berühmten „Gassenhauer“ wie „An der schönen, blauen Donau“ :rolleyes: etc. handeln.


    Gruß, Cosima


    P.S.: Diese Anfrage ist wirklich ernst gemeint! :yes:

  • Hallo Cosima,


    bei Brilliant gibt es eine fünf Cd-Box mit allen Hits von Strauß, die heißt Strauß-Gala. Alle bekannten Walzer, Polkas, und zwei Operettenquerschnitte. Kann ich empfehlen, auch wenn ich diese Musik eher selten höre.


    Gruß, Flo

    "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"


    Wise Guys 2000

  • Hallo Cosima,


    ich denke, bei den Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker findest Du exakt das, was Du brauchst ;) .


    Von der Deutschen Grammophon müßte es eine entsprechende Zusammenstellung geben. Dort wären dann die Herren Maazel, Karajan und Abbado enthalten.


    Wenn noch erhältlich, würde ich unbedingt eine Zusammenstellung der Neujahrskonzerte unter Carlos Kleiber (dirigierte 1989 und 1992) kaufen (Sonymusic).

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Ach Himmel, Norbert! Dass ich da nicht selber drauf gekommen bin! Natürlich, der Herr Kleiber – das ist es.


    Beide Neujahrskonzerte sind auch noch erhältlich, das freut mich nun wirklich, weil ich denke, dass Carlos Kleiber sogar den Herrn Strauß jun. erträglich macht ;); die Rezensionen klingen auch sehr positiv.




    Beide Konzerte gibt es auch als DVD-Version. Da es bei Strauß ja doch nicht soooo sehr auf den reinen Musikgenuss ankommt, hätte ich darüber hinaus den visuellen Genuss, indem ich Kleiber bei der Arbeit zuschauen könnte. Ja, das ist wohl ein guter Gedanke.


    Gruß & herzlichen Dank,
    Cosima

  • Beide Aufnahmen sind wirllich zu empfehlen Cosima - ich höre sie seit Jahren besonders um den Jahreswechsel herum immer wieder gern :]


    Das Schöne: Es kommt etwas von der Live-Atmosphäre der Wiener Neujahrskonzerte mit rüber (Applaus etc.) und es sind auch einige seltener zu hörende Stücke dabei - auf der 1992er Aufnahme anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Wiener Philharmoniker sogar mal ganz aus dem Rahmen fallend die mitreißende Ouvertüre zur komischen Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" von Orchestergründer Otto Nicolai (hoffentlich stimmt das jetzt mit dem Orchestergründer...)!


    Ebenfalls sehr zu empfehlen: Aufnahmen der absoluten Walzer- und Polka-Klassiker mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung des legendären Willi Boskovsky, hauptsächlich aus den 60ern.
    Die Aufnahme gibts ebenfalls sehr günstig als Wiederveröffentlichung im Rahmen der Reihe "eloquence".

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo Cosima


    Ich verstehe nicht ganz was an Johann Strauß so unerträglich sein sollte, immerhin hat er eine Kunstgattung, den "Wiener Walzer" (und nicht nur den, man denke nur an die unzähligen Polonaisen, Mazurken, Quadrillen,) salonfähig und sogar hoffähig gemacht hat.Ob seine Werke der Klassikschen Musik zugerechnet werden sollen, darüber ist gelegentlich diskutiert worden - ich würde das aus meiner Sicht eindeutig bejahen (ebenso wie bei Offenbach und der Operette generell)


    Johann Strauß war schon zu Lebzeiten weltberühmt und hier meine ich nicht etwa nur "populär", sondern seine Konzertwalzer (die Versionen , die nicht eigentlich zum Tanzen bestimmt waren, sondern fürs Konzert- Konzertstücke eben- wurden bei Hof und nicht nur am Wiener, sondern auch in St. Petersburg aufgeführt. Etliche Werke entstanden in Pawlowsk (nahe St. Petersburg), und wurden erst nachträglich "eingewienert" -So hier zum Beispiel "Im Krapfnwaldl" das in der Urfassung "In Pawlowsks Walde" hieß.
    Strauß verbrachte den Sommer zwischen 1856 und 1865 regelmäßig in Pawlowsk....und war ein Liebling des russischen Adels


    Richard Wagner hat sich über Johann Strauß positiv geäussert (soweit erinnerlich, auch Verdi), bei Jaques Offenbach verwundert es kaum.
    Auch mit Brahms war Johann Strauß befreundet. Legendär jene Geschichte wo Brahms auf eine Speisekarte die ersten Takte des Donauwalzers schrieb, signierte und anfügte.." leider nicht von mir....."


    Die Tournee nach Amerika 1872(Strauß mußte dazu (wahrscheinlich mit viel Geld) überredet werden, er hatte Angst vor Eisenbahntunnels und vor er Eventualität von Indianern "massakriert" zu werden) gestaltete sich zu einem Triumph, mit Höhepunkt in Boston, sicher Amerikas kultiviertester und elegantester Stadt.


    Auch die elegante Welt von heute schätzt noch immer die Walzer von Johann Strauß - auch wenn die musikalische Substanz in den seltensten Fällen erkannt wird.


    Noch 2 Details: Johann Strauß war kein Autodidakt, er genoss eine Ausbildung in Komposition bei Joseph Drechsler in Wien (gegen den Willen seine Vaters). Höhepunkt seiner Karriere war aber wohl die Aufführung seiner Fledermaus 1899 an der kaiserlichen und königlichen Hofoper in Wien (heute Wiener Staatsoper). Diese Tatsache ist umso bemerkenswerter, als Johann Strauß nicht unbedingt die Gunst von Kaiser Franz Joseph genoss...


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ich verstehe nicht ganz was an Johann Strauß so unerträglich sein sollte, ...


    Hallo Alfred,


    nun, das war natürlich nicht so ernst gemeint, was auch das Augenzwinkern andeuten sollte. Oder meinst Du, ich würde hier eine Anfrage starten für Musik eines Komponisten, die ich für grundsätzlich unerträglich halte?


    Aber ich denke schon, dass eine gelungene Interpretation hier Wunder wirken kann. Groß ist die Gefahr, dass alles ins Kitschige und allzu Plüschige abdriftet – und dann fände ich es in der Tat nicht so leicht erträglich.


    Beste Grüße aus Göttingen,
    Cosima

  • Hallo Cosima,


    Einspruch! Es ist eines der unfassbaren Geheimnisse der Musik der Strauß-Dynastie und ihrer besten Mitstreiter, dass sie niemals ins Kitschige und allzu Plüschige abdriftet. Das schafft nicht einmal eine Kurkapelle, der Reiz und die Qualität dieser Musik bleibt immer hörbar.


    Für einen ersten Einstieg ist sicherlich das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker eine ideale Quelle, die mittlerweile auch recht umfangreich ist. Mit einem Stapel Neujahrskonzert-CDs kann man schon einen sehr großen Querschnitt der Musik der Strauss-Dynastie erwerben, und das auf sehr gutem Niveau.


    Will man darüber hinaus gehen, gibt es eigentlich nur eine einzige wirklich gute Möglichkeit: In den 60ern hat Robert Stolz unter dem Titel Wiener Musik eine umfangreiche Einspielung der Musik der Strauß-Dynastie und ihrer wichtigsten Zeitgenossen gemacht, die in vier dicken LP-Kassetten ca. 1970 bei Eurodisc erschien und auch auf 12 CDs wiederveröffentlicht wurde. Robert Stolz ist eine harte Konkurrenz für die Neujahrskonzert-Dirigenten und muss als einer der größten Dirigenten der Wiener Operette in der Geschichte der Schallplatte angesehen werden (uneingeschränkt empfehlenswert alle seine Operetten-Einspielungen bei Eurodisc - eigentlich die einzige Konkurrenz zu den oft aufwendigen EMI-Star-Aufnahmen aus dieser Zeit).


    Eine Pikanterie am Rande ist die Tatsache, dass ein guter Teil dieser Einspielungen mit den Berliner Symphonikern gemacht wurde. Es ist der einzige mir persönlich bekannte Fall, wo es ein österreichischer Dirigent geschafft hat, dass ein ausländisches Orchester diese Ur-Wienerische Musik so gespielt hat, dass man es für ein heimisches Ensemble halten konnte. Die Berliner Philharmoniker z.B. haben das nie so gut hingekriegt, weder unter Karajan und schon gar nicht unter Harnoncourt (man vergleiche einmal Harnoncourts Neujahrskonzert mit den Wienern und seine Strauß-Platte mit den Berlinern - gleicher Dirigent, gleiche Musik und zwischen den Ergebnissen liegen musikalische Welten).

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Theophilus
    Einspruch! Es ist eines der unfassbaren Geheimnisse der Musik der Strauß-Dynastie und ihrer besten Mitstreiter, dass sie niemals ins Kitschige und allzu Plüschige abdriftet. Das schafft nicht einmal eine Kurkapelle, der Reiz und die Qualität dieser Musik bleibt immer hörbar.


    Einspruch stattgegeben ;)...



    Hallo liebe Walzer- und Polka-Freunde :],


    dies habe ich nun gehört und gesehen:



    Ich gebe zu, dass mir die Aufnahmen ohne den Herrn Kleiber nur halb so viel Spaß gemacht hätten. Es ist einfach immer wieder beglückend, diesem Mann bei seiner Arbeit zuzuschauen – zudem er hier augenscheinlich mit einiger Freude bei der Sache war.


    Es muss herrlich gewesen sein, diesem Neujahrskonzert beizuwohnen! Überhaupt: Ist von Euch mal jemand irgendwann dabei gewesen? Ist es Normalsterblichen überhaupt möglich, eine Eintrittskarte zu ergattern?


    Gruß, Cosima

  • Also meiner Meinung nach ist Strauß klar der klassischen Musik zuzurechnen - wieso auch nicht?

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Das Label Naxos hat sämtliche Orchester-Werke von Johann Strauss Sohn (1825-1899) aufgenommen und in einer Mega-Box herausgegeben.


    Walzer, Märsche, Polkas, Polka-Mazurken, Quadrillen, Galoppe, Romanzen, Ouvertüren, Vorspiele und Werke für Männerchor


    Da kommt etwas zusammen. Es sind Orchester aus dem Gebiet des ehemaligen Habsburger Reiches vor dem 1. Weltkrieg beteiligt.


    Frage: Auf wie vielen CDs finden sie Platz?


    34 - 52 - 78



    Die Lösung findet man, wenn man auf das Cover des Werbepartners klickt.


    Da fehlen noch die Operetten Fledermaus, Zigeunerbaron, Nacht in Venedig und 12 weitere plus drei unvollendet gebliebene. Und die Oper Ritter Paman. Wenn man davon ausgeht, dass ein Bühnenwerk auf einer Doppel-CD Platz findet, kommt man locker auf die Zahl rechts (siehe oben).


    Dieser Komponist ist bienenfleissig gewesen.


    Die Diskussion, ob Johann Strauss Sohn der klassischen Musik zuzuordnen ist, finde ich müssig.

    .

    Früher war ich morgens froh, des Abends weint´ ich

    Jetzt da ich älter bin

    beginn ich zweifelnd meinen Tag

    doch heilig und heiter ist mir sein Ende.


    Friedrich Hölderlin

  • Wie der Titel dieser Box schon sagt, sind alle Orchesterwerke aufgenommen worden. Die Operetten fehlen unter diesem Gesichtspunkt natürlich. Dabei sind aber Klavierkompositionen, die von mir unbekannten Musikern orchestriert wurden. Eine Fülle von Werken, die Strauß in den USA komponiert hat und von denen ich bis dahin noch nie etwas gehört und gelesen habe, sind hier ebenfalls eingespielt worden.


    Ich teile die Meinung eines großen Kollegen von Strauß, nämlich Richard Wagner, der der Meinung war, dass der Herr Kollege "den größten musikalischen Schädel unserer Zeit " habe (so habe ich es jedenfalls mal in einer Biografie von Wagner gelesen). Und wer so fantastisch orchestrieren konnte, wie es der "Schani" fertig gebracht hat, darf zu den großen Meistern der Musikgeschichte gezählt werden.


    Strauß nicht zur klassischen Musik zu zählen, käme mir jedenfalls nicht in den Sinn.

    .


    MUSIKWANDERER