Joseph Haydn: Die Jahreszeiten

  • Hallo zusammen,


    ich habe die beiden Aufnahmen mit Nikolaus Harnoncourt und diejenige mit René Jacobs. Böhm steht auf der nach unten immer offenen Wunschliste.


    Mit der späteren Harnoncourt-Aufnahme habe ich das Stück schätzen gelernt. Mittlerweile meine ich, dass es die bessere "Schöpfung" ist. Haydn erreicht hier den Gipfel seines Schaffens. Das für unsere Ohren gewöhnungsbedürftige Libretto ändert daran nichts. Ich gebe zu bedenken: Die Texte mancher Arien der Matthäus-Passion von J. S. Bach sind mindestens genauso gewöhnungsbedürftig, ohne, dass dies der Größe des Werkes irgendeinen Abbruch täte. Und wie lange hat man das Libretto von "Cosi fan tutte" völlig verworfen ...


    Das bösartige Gerede von einem schlechten zweiten Aufguss der "Schöpfung" ist jedenfalls völlig abwegig.


    Die erste Harnoncourt-Aufnahme ist gut, verblasst jedoch gegenüber der Neuaufnahme und der Aufnahme mit Jacobs. Die beiden letzteren ergänzen sich gut. Jacobs ist erwartungsgemäß lustvoller, extrovertierter, knalliger einschließlich eines Gewehrschusses. Harnoncourt ist deutlich intimer, kammermusikalischer, differenzierter und weniger plakativ zugunsten einer weitaus größeren Zahl von Valeurs. Nochmal: Ich mag beide Aufnahmen.


    Trotzdem bin ich an der Böhm-Einspielung interessiert. Kennt jemand noch die Einspielung mit Marriner?

  • Wie es der Zufall will ... gestern kam bei mir das neue Merkheft von 2001 an. Jahreszeiten mit Böhm für €10,- - zugreifen!


    Auch die Schöpfung mit McCreesh ist unschlagbar günstig für €20,- zu haben. Wem's gefällt "The creation" in großer Besetzung zu hören ... ich poste auch nochmal bei "Sonderangebote".

  • @ Wolfram:


    Die Marriner-Aufnahme ist :kotz:


    Wobei du mit Harnoncourt vollkommen Recht hast...
    Ich habe die Aufnahme vom Stefaniensaal (Graz) 2004, die mir ziemlich gut gefällt...
    Jacobs kenn ich noch nicht... ;( ;( ;(
    Was ist das für eine Aufnahme?


    PS: übrigens: das für mich beste Lied in den Jahreszeiten ist das "Oh wie lieblich ist der Anblick", der Schlusschor des Frühlings, weil dieses Lied den Nagel des Stücks auf den Kopf trifft. Haydn erklärt hier, warum dieses (im Vergleich) ungewöhnliche Werk ein Oratorium ist: Alles lebt, und Gott hat es erschaffen... ;)
    :jubel:


    Gruß :hello:

    Komponiert ist schon alles - aber geschrieben noch nicht. (W.A. Mozart)

  • Ich kann mir irgendwie kaum vorstellen, daß die Böhm-Aufnahme zu toppen ist. Bei der stimmt einfach alles, da sind sich selbst die Böhm-Kritiker einig.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Hallo Hammel,


    danke für die Info zu Jahreszeiten mit Sir Neville Marriner!


    Die Aufnahme mit Jacobs findet man z. B. bei jpc durch Eingabe von "Jahreszeiten Jacobs" in der Suchmaske. Petersen, Güra, Henschel, RIAS Kammerchor, Freiburger Barockorchester, René Jacobs am Pult.


    Gibt es sowohl als SACD-Hybrid (teuer) und als "nur" CD

  • Die Aufnahme mit Böhm ist angekommen, ich habe sie zweimal gehört. Fantastisch Janowitz und Schreier, gewöhnungsbedürftig für meine Ohren ist Talvela, für meinen Geschmack ist die Stimme zu schwer, mehr König Marke, Amfortas oder Großinquisitor denn als Simon. (Wer den Messias mit Pinnock kennt: Hier habe ich mit der Wotan-Stimme von John Tomlinson dasselbe Problem.)


    Erfrischend und zupackend ist Böhms Dirigat. Keine Spur von Betulichkeit. Es wird schon nach ein paar Takten klar, warum diese Aufnahme lange Zeit DIE Aufnahme des Werkes schlechthin war.


    Über die anderen "konventionellen" Aufnahmen des Werkes (Karajan, Marriner u. a.) haben meine Vorredner schon genug gesagt. Ich meine daher, dass man mit Böhm und einer HIP-Einspielung (Gardiner, Jacobs, Harnoncourt II) sicher sehr gut in Sachen "Jahreszeiten" bedient ist.

  • Zitat

    Original von Wolfram
    ...gewöhnungsbedürftig für meine Ohren ist Talvela, für meinen Geschmack ist die Stimme zu schwer


    So habe ich damals die Jahreszeiten kennen gelernt. 1967 oder 1968. Und schon damals fand ich das. Inzwischen ist die LP-Box ersetzt durch eine CD-Box. Und noch immer empfinde ich es auch so... :untertauch:


    LG, Paul

  • Hallo, liebe Oratorienfreunde,


    ich habe heute die Jahreszeiten in der Essener Philharmonie erlebt. Der Tölzer Knabenchor hat sich wacker geschlagen, kam aber gegen die stärker besetzte Capella Coloniensis unter Bruno Weil nicht wirklich an. Nur an einigen Stellen, wo aber mindestens ein ff verlangt war, konnte der Chor mithalten. Ansonsten war die Intonation erstklassig, und der Chor folgte den Intentionen des Dirigenten Bruno Weil mühelos, der wie immer sehr extrovertiert Chor und Orchester antrieb, ebenso wie im Mai 2009, als er mit der gleichen Besetzung die Schöpfung gab. Auch da war der Chor etwas schwach besetzt gegenüber dem Orchester.
    Dies mag auch der Grund sein, dass er am 6. Juni, wenn er die Missa Solemnis gibt, statt des Tölzer Knabenchors die Rheinische Kantorei einsetzt.
    Die Solisten waren wie schon in der Schöpfung Sibylla Rubens als Hanne, Jan Kobow als Lukas und Hanno Müller-Brachmann als Simon. Wie schon in der Schöpfung trat Sibylla Rubens mit einem auch hier der Rolle angemessenen schlanken und biegsamen Stimme hervor und brillierte Hanno Müller-Brachmann an vorderster Stelle, hatte jedoch wieder Jan Kobow kaum eine Chance, sich in den zahlreichen Ensemblestellen gegen seine Mitstreiter zu behaupten.
    Die schon an anderer Stelle zitierte Bemerkung Haydns, er schätze die Jahreszeiten nicht so hoch ein wie die Schöpfung, weil hier Bauern und dort Engel im Mittelpunkt stünden, war sicher von Haydn selbst nicht ganz ernst gemeint, denn eir wissen ja alle, welch ein großartiges Werk die Jahreszeiten sind mit einer meisterhaften Orchesterführung, großen Chören und kunstvollen Ensemblestellen (Soli und Soli-Chor) und dass die Oratorien, die ja zu seinem Spätwerk zu zählen sind, wie auch die sechs späten Messen, nicht von Werk zu Werk schwächer wurden, denken wir nur an seine letzte Messe, die Harmoniemesse, die ja 1802, also noch nach den Jahreszeiten und der Schöpfungsmesse (je 1801) entstand.


    Liebe Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Dann natürlich diese, von mir bereits oben genannte Aufnahme,
    die eine sehr gute Einspielung ist, die an vielen Stellen eine schöne Alternative zur Böhm-Einspielung ist:



    NH in Höchstform!!


    :jubel: :jubel:


    Gruß :hello:

    Komponiert ist schon alles - aber geschrieben noch nicht. (W.A. Mozart)