Legendäre Orchester unter legendären Dirigenten - Was ist geblieben?

  • Masur hat seinen eigenen Thread. Da kann man über seine Qualitäten, die ich hoch schätze, diskutieren.


    Hier ging es um den Rang von Orchestern. Dazu habe ich mich geäussert. Es ist schade, dass offenbar manche Kollegen die Beiträge anderer Taminos nicht wirklich genau lesen und ihnen dann gleichwohl vehement entgegnen, weil sie irgend eine Bemerkung erregt!! Zu solchen Debatten habe ich keine Lust!


    Erbärmlich finde ich es, wenn Menschen verboten wird, sich über etwas ein Urteil zu bilden und das mitzuteilen!
    Jeder und Jede hat das Recht, sich über die DDR und das System, das dort herrschte, zu äussern. Auch ich habe dieses Recht! Das lasse ich mir nicht verbieten, nur weil ich dort nicht gewohnt habe, die DDR also nur von Besuchen (es waren sehr viele im Laufe der Jahre), eine große Zahl persönlicher Kontakte und durch wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Quellen kenne!


    Schlichtweg absurd finde ich das Plädoyer, Politik draussen zu lassen, wenn über den Kulturbetrieb der DDR und seine Protagonisten gesprochen wird.
    Wer so argumentiert, hat die DDR-Wirklichkeit nicht verstanden - er mag dort gelebt haben oder sonstwo!


    Ich bin jetzt erst mal ein paar Tage auf Reisen. Ob ich mich danach noch mal in diesem Thread hier zu Worte melde, weiss ich nicht.
    Eher würde mir wünschen, dass ich bei meiner Rüßckkehr in dem Thread über Regine Crespin, über das Wunder der Heliane oder über Vergleichendes Hören Beiträge finde, die mich anregen, wieder etwas zu schreiben!


    Eine ernsthafte Diskussion über DDR-Orchester wäre natürlich wünschenswert. Ich selber war es ja, der versucht hat, sie anzustoßen: mit einem Beitrag über das Berliner Sinfonie Orchester, dessen Geschichte sehr genau zu der Frage passte, die in diesem Thread aufgeworfen war.
    Aber ich fürchte es wird nicht leicht, hier offen und sachlich zu debattieren. Dazu sind zu viele Animositäten im Spiel und zu viel unverarbeitete eigene Geschichte!


    Gute Nacht


    Caruso41

  • Es geht hier nicht um persönliche Meinungen hinsichtlich der Geschichte, sondern um Fakten.


    Vielleicht sollte der eine oder andere weniger vergleichend hören, sondern ab und an sich geschichtlich weiterbilden über eine noch nicht allzu lang vergangene Zeit, bevor man sich mit gefährlichem Halbwissen auf geschichtliches Glatteis begibt - oder, wenn man es selbst nicht richtig weiß, einfach mal die Finger stillhalten, bevor man sich blamiert, so bald man den musikalischen Sektor verlässt.



    :hello: LT

  • Zitat

    La Roche: Hier soll nicht über Politik geredet werden!!!!!

    Manchmal muss man es aber leider doch. Wenn hier gesagt wird, dass die DDR auf ihre Erfolge in Kunst, Kultur und Sport stolz sein konnte, dann reagiere ich, wenn neben der Musik meine zweite große Leidenschaft, der Sport, auf die DDR bezogen, hauptsächlich der Olympische Sport, betroffen ist, weil einfach diese Erfolge auf fragwürdigen Auswahl- und Fördermethoden sowie auf flächehndeckendem Staatsdoping beruhten.
    Des weiteren gab es zu allen Zeiten (Bach, Händel, Mozart), bis heute (Günter Wand, Christian Thielemann, um nur zwei zu nennen) Situationen, wo die Politik in die Musik hineinregierte und es kam zu nachteiligen Folgen für die Musiker. Nun hat dies für Günter Wand praktisch im Nachhinein nur positive Folgen gehabt, weil dies der Startschuss zu seiner "späten Weltkarriere" war (Bruckner- und Schubert-Zyklus mit dem WDR-Sinfonieorchester, Chef-Posten beim NDR-Sinfonie-Orchester, maßgeblicher Dirigent beim Schleswig-Holstein-Musikfestival) und, und, und. Und auch Thielemann hat ja keinen schlechten Tausch gemacht als neuer Chef-Dirigent der Staatskapelle Dresden mit verantwortlicher Gestaltung der Salzburger Osterfestspiele ab 2013. Aber zunächst einmal werden organisch gewachsene Strukturen zuerst schlagen. Doch nun genug davon!

    Zitat

    La Roche: Aber wehren wird man sich wohl dürfen.

    Wie wahr, wie wahr. Wenn man das (hier) nicht dürfte, wäre Tamino längst tot. Und das wäre schade.


    Liebe Grüße


    Willi ;)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Neumann hatte ich überhaupt nicht erwähnt. Ich habe einfach festgestellt, dass Masur lange Jahre Chef des Orchesters war, daher in den 1970ern bis 1990ern sein Name mit ihm verbunden, m.E. in stärkerem Maße als irgendein Dirigent mit Staatskapelle Dresden oder Wiener Phil verknüpft war. (Was die Anzahl von CDs betrifft, wäre vermutlich Bernstein der Dirigent, der Ende der 1970er bis Mitte/Ende der 1980er am engsten mit den Wienern verbunden war, selbst wenn das keine Studioproduktionen gewesen sind)


    Da ich davon, außer ca. zwei Mendelssohn-CDs fast nichts kenne, war das mit keiner präzisen Aussage über das Niveau des Orchesters verbunden.
    Wenn jemand das Orchester über Jahre häufig erlebt hat, kann ich diesem Urteil kaum widersprechen.
    Trivialerweise wird man vermutlich bei allen "legendären" Paarungen wie Wiener/Böhm oder Chicago/Solti Aufnahmen (erst Recht Konzerte) finden, die weniger gelungen sind. Ich hatte den thread nicht so verstanden, dass es um die Bewertung aller dieser Kollaborationen ging. (Müller-Brühl etc. spielen wohl kaum in derselben Liga wie Karajan/Berliner...)


    Noch eine Randbemerkung zum Sport (da leider die beinahe einzige Sportart, die mich interessiert, eine der dopinggeplagtesten ist):
    Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass spätestens ab Mitte der 1970er in der BRD ebenfalls Doping "verordnet" wurde, um mit dem Ostblock mithalten zu können. Wenn auch vermutlich nicht in dem außerordentlichen systematischen Umfang wie dort, ist davon auszugehen, dass die teils hervorragenden Leistungen von bundesdeutschen Leichtathleten der 1980er auch nicht alle "clean" erzielt worden sind.
    Wie die Armstrong-Affäre gezeigt hat, ist Doping keineswegs ein Alleinstellungsmerkmal sozialistischer Staaten gewesen. Von den absurdesten (und offensichtlich mit massivem Doping erzielten) Weltrekorden, stammen zwei (100m/200m) immer noch von Florence Griffith-Joyner und, obwohl es jeder weiß, sind sie "offiziell" anerkannt (der ähnlich absurde 400m Frauen Rekord stammt von einer DDR-Athletin). Oder ein beinahe 30 Jahre haltender Rekord wie 800m von Coe, obwohl das sicher ein Ausnahmeathlet gewesen ist. Im Grunde muss man fast alle Rekordleistungen seit 1970 oder so unter Generalverdacht stellen. Und in den letzten 20 Jahren ist es zwar schwieriger geworden, nicht erwischt zu werden, aber zu meinen, es würde überhaupt nicht mehr praktiziert, halte ich für naiv. Ich glaube allerdings, dass es doch deutlich zurückgegangen ist, was man an einigen uralten Rekorden, die oft nicht mehr annähernd erreicht werden, sieht.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Von den absurdesten (und offensichtlich mit massivem Doping erzielten) Weltrekorden, stammen zwei (100m/200m) immer noch von Florence Griffith-Joyner und, obwohl es jeder weiß, sind sie "offiziell" anerkannt (der ähnlich absurde 400m Frauen Rekord stammt von einer DDR-Athletin).


    Es muss präziser heißen: obwohl es jeder zu wissen glaubt, ...
    FGJ wurde natürlich nach allen Regeln der damaligen Doping-Entlarver-Kunst durchleuchtet, aber es konnte ihr nichts nachgewiesen werden. Offiziell ist sie blütenweiß. Allerdings scheint Die Sache Armstrong zu beweisen, dass man mit entsprechendem Können sogar über Jahre hinweg systematisch und trotz aller Anstrengungen unerkannt dopen kann bzw. konnte.


    :hello:

  • Aus aktuellem Anlass - dem Thread über George Szell - bzw Neuauflagen einiger seiner Einspielungen bringe ich hier das Cleveland Orchestra ins Spiel. Ich verbinde diese Orchester bis heute noch mit George Szell und bin der Überzeugung daß die Perode, wo er dem Orchester vorstand (1946-1970) die glänzendste war. Erreicht hat er die kompromisslose Qualität durch sein rücksichtsloses Streben nach Perfektion und seinen autokratischen Führungsstil ohne wenn und aber. Das macht ihn sicher nicht zu einem Sympathieträger - aber der Erfolg gibt ihm recht.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Nach einer vierjährigen Pause ist es IMO hoch an der Zeit das Thema wieder aufzugreifem und es von ZWEI Seiten zu beleuchten.

    1) Sind in der Zwischenzeit "legendäre" Orchester verblasst ? Soll heissen einerseits in der Erinnerung, der Stellenwert ihre Aufnahmen ist gesunken - andrerseits in der Gegenwart, das HEUTIGE Orchester wird nicht so signifikant wahrgenommen (häufiger Chefdirigentenwechsel - gutes Orchester aber ohne "Markenzeichen")


    2) Sind durch einen prägenden Chefdirigenten bestehende Orchester in den Vordergrund gerutscht, oder aber durch eine Reihe marktbeherrschender Aufnahmen ?


    Persönlich würde ich fürs erste mal die Frage Nr 2 verneinen. Durch andauernden Chefdirigentenwechsel , nochdazu wurden Leute so international ausgesucht, daß man sich nicht mal deren Namen merken kann (und will)- Alles ist anonymer geworden und austauschbarer - und die Prioritäten des Publikums andere.....


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Mein vor 2 Jahren gestarteter versuch diesen Thread zu beleben ist offensichtlich gescheitert - vermutlich durch die Abweichungen ins Politische und Sportliche weitere

    5 Jahre zuvor

    Neuer Anlauf - zahlreiche neue Mitglieder in der Zwischenzeit dazubekommen.


    Die eigentliche Frage richtete sich auf die legendären Äraes gewisser Orchester, wo der Name des Dirigenten quasi mit dem des Orchesters scheinbar untrennbar verbunden war

    Manche Orchester können auf mehrere solcher Epochen zurüclblicken. So zum Beispiel die Berliner Philhatmoniker auf die

    Ära Wilhelm Furtwängler und jene unter Karajan

    auf eine dritte (mutmaßliche) "Goldglanz Ära - unter Christian Thielemann hat das Orchester ja vor kurzem verzichtet......


    Die Wiener Philharmoniker wurde - auch wenn er nicht Chefdirigent war (weil es den Titel in Wien nicht gab)

    stets mit Karl Böhm in Zusammenhang gebracht und auch ein wenig mit Herbert von Karajan, der sehr gern mit den Wienern zusammenarbeitete

    bis umgekehrt bei Böhm mit den Berlinern auch der Fall war.


    Eine weitere prägenede Kombination war Eugene Ormany (eigtl Jenö Blau) mit dem Philadephia Orchester

    aber auch

    George Szell mit dem Cleveland Orchestra

    und

    Evgeny Mravinski


    nach all diesen Epochen blieben diese Orchester natürlch mit vorn - aber die Aura des Unverwechselbaren war dahin


    Wie sich der Tod von Harnocourt auf sein Orchster auswirken wird ist noch nicht wirklich abzusehen



    Ich erwähne an dieser Stelle einige kleinere Orchester, de ebenfalls mit speziellen Dirigenten verbunden waren, interessant auch Dirigenten die - nachdem sie "ihr" Orchester verließen viel von ihrer "Aura" verloren haben


    Und zu guter letzt bleibt nioch die Frage ob es HEUTE eine Kombination Dirigent-Orchester gibt, die (wie damals üblich) quasie "unzertrennbar" ersacheinen mag...


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Wie sich der Tod von Harnocourt auf sein Orchster auswirken wird ist noch nicht wirklich abzusehen

    Zumindest qualitativ gleichbleibend hohes Niveau, wie ich bereits live erleben durfte (Mozarts Requiem - eigentlich sollte Harnoncourt selbst Beethoven dirigieren, wozu es nicht mehr kam) und wie nun auch die erste offizielle Einspielung nach Harnoncourts Tod belegt:




    Mit Harnoncourts langjährigem Assistenten Stefan Gottfried hat der Concentus Musicus Wien einen Glücksfall zu verbuchen, da der Bruch interpretatorisch recht gelinde ausfällt.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • ES ist natürlich nicht nur eine Frage des tatsächlichen Niveaus - sondern der öffentlichen Akzeptanz.

    Im Fall des Concentus nusicus ist es vielleicht schon so, daß er zu einer "Wiener Institution geworden sit, die "unangreifbar" geworden ist

    Die Hauptarbeit dürfte vermutich ohnedies Stefan Gottfried gemacht haben. Dafür spricht , daß es anscheinend keinen Machtkampf um die Nachfolge gegeben ghaben dürfte (?)

    Daß man die Aufnahmetätigkeit mehr oder weniger nahtlos (auf kleinem aber feinem französiem Label) fortsetzen konnte, zeugt von der Bedeutung dieses Orchesters.


    Andere Orchester dier mit ganz bestimmten Dirigenten in Verbindung gebracht wurden, fielen bestenfalls in die bedeutungslosigkeit zurück oder kämpfen (ungerechterweise) ums Überleben. Vor allem "große" Label sind hier unbarmherzig - aber sie bekommen mittlerweile teilweise die Folgen zu spüren: Immer mehr Interpreten und Orchester schliessen Verträge mit "Independents" ab - eine erfreuliche Entwicklunng wie ich meine...




    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Die gleiche Frage stellt sich auch ben mittel berühmten Orchestern

    Am einfachsten ist die Frage bei den "London Classical Players" zu beantworten

    Sie existieren nicht mehr.


    Hier führt mein Weg direkt zu den "London Mozart Players", den ältesten Kammerorchester Englands.

    Seit Abgangn von Matthias Bamert ist das Orchester quasi aus meinem Blickfeld verschwunden, es existiert aber noch und mach auch Aufnahmen. Aber ich musste erst nachsehen OB es noch existiert und WER es DERZEIT dirigiert


    Auch das Kölner Kammerorchester hat seine Gallionsfigur verloren -und auch hier musste ich nach sehen wer dnn momentan der Chefdirigent ist. Jetzt weiß ich es:

    Wer von Euch weiß es OHNE zu googeln ?

    Auf jeden Fall gibt es unter seiner Ära - soweit ich es recherchieren konnte . keine Neuaufnahmen mehr.

    Mit seinen Vorgänger-Orchester hat er indes etliche gemacht.


    Die Heidelberger Sinfoniker leiden auch durch den Ausfall ihres Chefdirigenten. Irgendwo habe ich gelesen , ihr Label habe ihnen die Liebe aufgekündigt, als feststand, daß Fey nicht mehr ans Pult zurückkehren könne. Wir sehen hier die Schattenseiten, wenn der Ruf eines Orchesters allzu eng mit der Person ihres Chefdirigenten verbundn ist.

    Was einerseit ungerecht waäre - andrerseits war der ursprüngliche Fertigstellungrtermin für das Haydn Projekt das Jahr 2009 !!!!

    Wie dem auch sei - anscheinen geht das Projekt nundoch unter dem Konzertmeister Benjamin Spillner weiter - was zu begrpßen wäre und ih dem Orchester wünschen wurde-

    Ihn als Dirigenten am Cocer vorne nicht zu erwähnen sehe ich als strategisch ungünstig ........

    Über Haydn Sinfonien steht ja schon seit Menschengedenken ein unguter Stern. Die meisten geplanten Zyklen wurden nicht vollendet...

    Immerhin ist es dem Orchester gelungen, zahlreiche bekannte Dirigenten und Solisten zu engagieren - und somit seinen Ruf zu erhalten...


    Ein weiterer Fall das "Orchester Mozart", Bologna,dem Herr Brug schon 2014 das "aus" prophezeiht hat...

    ES ist mir bislang nicht gelungen herauiszufinden ob dieses Orchester nich real existiert ........


    Genug Themen - es gibt noch weitere.........



    mfg aus Wien


    Alfred

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  • Jetzt liegen natürlich ganz große Erwartungen auf dem neuen Chefdirigenten Ivan Fischer!
    Man darf wohl zu Recht sehr gespannt und zuversichtlich sein!
    Immerhin hat das Orchester genügend Qualität und eine wundervolle Spielstätte.
    Ein Mann vom Range Ivan Fischers sollte es wohl gelingen, eine große Ära zu begründen

    Caruso hatte in diesem Beitrag von 2012 große Erwartungen an Iván Fischer als neuen Chef des Berliner Konzerthausorchesters geknüpft. Nach fünf Jahren gab er diesen Posten wieder auf, und Christoph Eschenbach folgt ihn nach. Was bleibt? Ich weiß es nicht. War es eine große Ära? Nach meinem Andruck vergingen diese fünf Jahre ziemlich leise und unspektakulär, was wiederum zu Fischer passt. Wenn ich nichts übersehen habe, ist unter seiner Leistung keine CD mit dem Orchester entstanden. Das ist zwar nicht zwingend notwendig, sagt aber immerhin auch etwas aus.


    Ich habe den Eindruck, dass dieses Orchester nie an seine Tradition hat anknüpfen können. Schon die Umbenennung war ein Wagnis. Genauso wie die Abschaffung des alten Namens für das Haus selbst. Niemand, den ich kenne, spricht von Konzerthaus. Es ist das Schauspielhaus geblieben. Das Publikum unterscheidet sich immer noch von dem in der Philharmonie. Wer genau beobachten kann, wird feststellen, dass es nach wie vor aus den östlichen Stadtteilen zusammensetzt. An der Akustik wurde lange herumgebastelt. Die ist - wie ich finde - noch immer nicht optimal. In meinen Ohren klingt es nach wie vor ziemlich hart. Hart und unbequem sind auch die Stühle. Da die Sitzreihen nicht ansteigen, hat man immer jemanden direkt vor sich. Die Säle haben wie in vielen derartigen Neunbauten keine Patina angesetzt. Ich gehe nicht wahnsinnig gern hin, auch wenn ich dort noch bedeutende Interpreten erlebt habe (Bernstein, Celibidache, Muti mit dem Scala-Ensemble um nur einige Beispiele zu nennen).


    Jetzt hoffe ich auf Eschenbach. Mal sehen, ob der mehr Glück hat. Hoffentlich macht er den konzertanten "Freischütz" in der Bearbeitung von Berlioz wie seinerzeit in Paris. Das wäre eine schöne Hommage an den Ort der Uraufführung dieser Oper. :)


    Mein nächster Besuch gilt dieser Veranstaltung:


    Giacomo Puccini: EDGAR - semiszenische Opernaufführung

    CHOR DER BERLINER OPERNGRUPPEORCHESTER DER BERLINER OPERNGRUPPE

    ELENA ROSSI Sopran (Fidelia)

    PETER AUTY Tenor (Edgar)

    SILVIA BELTRAMI Mezzosopran (Tigrana)

    ARIS ARGIRIS Bariton (Frank)

    STEFFEN SCHUBERT Chorus master


    FELIX KRIEGER Conductor

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Hier kommt wieder etwas Sujektivität ins Spiel - und andere Parameter

    Ich gestehe, daß mir das genannte Orchester namentlich nicht wirklich geläufig ist. Das mag zum einen an den ewigen Umbenennungen liegen, dann an den alles Überstrahlenden Berliner Philharmonikern, aber auch einigen weiteren großen Berliner Orchestern - die notabene ebenfalls mehrfach die Namen gewechselt haben undt dazu noch alle paar Jahre einen neuen Chefdirigenten bekamen.

    Irgendwie zeigt ja dieser Thread - oder will es zunindest zeigen - wie wichtig das Zusammenspiel Chefdirigent als unveränderliche Gallionsfigur über Jahrzehnte hinweg ist um sich als überregionale MARKE zu verkaufen - Dazu gehört natürlich auch eine rege Aufnahmetätigkeit.


    Es war eben in der Vergangenheit so, daß es in der Tat gewisse Verbindungen gab, die in gewisser Hinsicht eine Einheit darstellten

    Als Beispiel seien hier : Berliner Philharmoniker- Herbert von Karajan - Deutsche Grammophon - Günter Hermanns genannt


    sie bildeten über jahre hindurch so etwas wie eine unzertrennliche Einheit und produzierten einen speziellen Klang.

    Als ich das erste mal Aufnahmen der Berliner auf einem Anderen Label hörte habe ich das Orchester fast nicht erkannt....


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Konzerthausorchester Berlin

    Ich habe den Eindruck, dass dieses Orchester nie an seine Tradition hat anknüpfen können. Schon die Umbenennung war ein Wagnis.

    So kommt mir das auch vor. Wenn ich ehrlich bin: Sogar ich vergesse oft auf dieses Orchester, wenn ich an Berlin denke.

    Umbenennungen von Orchestern sind nicht immer ohne Risiko. Nun brachte die Wiedervereinigung gerade in der Hinsicht ungeahnte Probleme mit sich, gab es in Berlin doch auf einmal drei Orchester, die einen mehr oder weniger ähnlichen Namen hatten: Aus der DDR neben dem Berliner Sinfonie-Orchester (dem späteren Konzerthausorchester) das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (das noch so heißt) sowie das West-Berliner Radio-Symphonie-Orchester Berlin (zuvor RIAS-Symphonie-Orchester, heutiges Deutsches Symphonie-Orchester Berlin). Im immer internationaler werdenden Musikbetrieb, wo Englisch die Leitsprache ist, führte das zu Verwechslungen. Schon 1993 benannte sich daher das Radio-Symphonie-Orchester Berlin in DSO Berlin, um nicht mit dem RSB verwechselt zu werden (im Englischen beides ja Berlin Radio Symphony Orchestra). Also sich auch das Berliner-Sinfonie-Orchester 2006 einen neuen Namen suchte, mag dies mit nach wie vor vorkommenden Verwechslungen mit dem RSB zu tun gehabt haben.


    Sieht man sich die Reihe der nicht unbedeutenden Chefdirigenten des Konzerthausorchesters bzw. BSO an, so sticht gleichwohl für mich eigentlich nur ein Name heraus, dessen Amtszeit auch die goldene Ära gewesen sein dürfte: Kurt Sanderling, Orchesterleiter zwischen 1960 und 1977. Die Kombination Berliner Sinfonie-Orchester/Sanderling war ein Begriff. Nach meinem Eindruck galt dies schon beim nachfolgenden Günther Herbig nicht mehr in diesem Maße. Und auch Claus Peter Flor, Michael Schønwandt, Eliahu Inbal, Lothar Zagrosek und der schon erwähnte Iván Fischer (alle tadellose Dirigenten) konnten wohl nicht so recht eine Marke daraus machen. Bezeichnend dafür auch die allesamt relativ kurzen Amtszeiten zwischen fünf und maximal acht Jahren.


    Ob Eschenbach, fast 80, das nun wirklich nachhaltig ändern kann? Der Vertrag geht zunächst bis 2022. Es ist ja schon fast fragwürdig, ob ein dann 82-Jähriger überhaupt nochmal verlängern wird.


    P.S. Das Thema könnte man eigentlich ins Orchesterforum verschieben, da passt es besser hin.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Sieht man sich die Reihe der nicht unbedeutenden Chefdirigenten des Konzerthausorchesters bzw. BSO an, so sticht gleichwohl für mich eigentlich nur ein Name heraus, dessen Amtszeit auch die goldene Ära gewesen sein dürfte: Kurt Sanderling, Orchesterleiter zwischen 1960 und 1977. Die Kombination Berliner Sinfonie-Orchester/Sanderling war ein Begriff. Nach meinem Eindruck galt dies schon beim nachfolgenden Günther Herbig nicht mehr in diesem Maße. Und auch Claus Peter Flor, Michael Schønwandt, Eliahu Inbal, Lothar Zagrosek und der schon erwähnte Iván Fischer (alle tadellose Dirigenten) konnten wohl nicht so recht eine Marke daraus machen. Bezeichnend dafür auch die allesamt relativ kurzen Amtszeiten zwischen fünf und maximal acht Jahren.

    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das Konzerthausorchester bzw. BSO überhaupt nicht kannte, bevor ich nach Berlin zog. Damals war gerade Lothar Zagrosek zum Chefdirigenten berufen worden, und ich habe mir einige Konzerte wegen der interessanten Programmzusammenstellungen angehört und weil ich Zagrosek sehr schätze. Leider war er zu kurz dort, um wirklich eine "Marke" etablieren zu können, und für seine Nachfolger gilt das gleiche. Innerhalb der Berliner Orchester-Szene mit den alles überstrahlenden Berliner Philharmonikern, dem ebenfalls recht sichtbaren DSO und der Staatskapelle mit ihrem gefühlt ewigen Chef Barenboim ist es natürlich auch schwer, sich überregional zu behaupten. Was die Konzerte betrifft, so war für mich die Spielstätte immer ein großer Nachteil, denn das Konzerthaus - Rheingold wies bereits darauf hin - ist akustisch problematisch, und sehen tut man auch nicht gut, wenn man im Parkett sitzt.

  • Ich verstehe das Problem nicht. Will sich denn das Konzerthausorchester überhaupt überregional positionieren? Oder wollen sie nicht vor allem ihre Abonnenten befriedigen, die sie nunmal (immer noch) haben? Ich weiß auch nicht, wer von denen, die jetzt hier Fischers Wirken beim Konzerthausorchester kritisiert haben, sich überhaupt mal ein Konzert des Orchesters unter seiner Leitung angehört haben? Ich habe mir immerhin Mahlers III. unter ihm gegönnt - und diese war wirklich ein Ereignis! Die kurzen Ägiden der Chefdirigenten in den letzten Jahren kann man natürlich kritisch sehen (Inbal war ja auch nur 5 Jahre da, was ich bedauert habe), aber offensichtlich scheint das kein wirkliches Problem zu sein, zumindest geht man diesen Weg weiter, sonst hätte man ja nicht den wirklich schon alten Eschenbach berufen. Gescheitert ist das Orchester mit dieser "Taktik" jedenfalls nicht, im Gegenteil! Natürlich trauere ich auch noch den Zeiten nach, als Michael Gielen dort regelmäßig als Erster Gastdirigient dirigiert hat - und Kurt Sanderling als Ehrendirigent. Aber so ist das nunmal, dass die nicht mehr dirigieren können.

    Im Übrigen ist mir persönlich dieser festliche Saal weit lieber als der sterile große Saal der Philharmonie - und Akustikprobleme gibt es überall, ich habe auch in der Philharmonie von vorne sitzend Solisten wie Ben Heppner im ersten Satz von Mahlers "Lied von der Erde" nur gesehen, aber nicht gehört. Und gerade bei Orchesterkonzerten mit Sängern hat man eigentlich keine Chance, wenn man nicht "in Front" sitzt, sondern seitlich oder hinter dem Orchester. Im doch recht intimen Rahmen des Komzerthauses sind dies nur wenige Plätze, die das betrifft (singt ein Chor, werden die Bänke des Chorbalkons ja gar nicht verkauft), während in der Berliner Philharmonie sehr viele (auch teure) Plätze nicht "in Front" sind. Also: meines Erachtens gibt es überhaupt keinen Grund, diesen Konzertsaal oder dieses Orchester schlecht zu reden!


    P.S.: Unabhängig von der "Abonnentenbefriedigung" hat eigentlich gerade das Konzerthausorchester die breiteste Spanne an Angeboten im Berliner Konzertleben, drei Spielstätten werden regelmäßig bespielt, der Große Saal, der Kleine Saal und der Musikclub. Ich habe da im Laufe der Jahre wirklich sehr viel Lohendes erlebt, eigentlich mehr als bei allen anderen Berliner Orchestern - die inzwischen megateuren Philharmoniker inklusive! Es ist sehr gut, dass es dieses Orchester gibt!

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Für einige hier habe ich höchstens noch ab und an einen Smiley übrig...

    Einmal editiert, zuletzt von Stimmenliebhaber ()

  • ch verstehe das Problem nicht. Will sich denn das Konzerthausorchester überhaupt überregional positionieren? Oder wollen sie nicht vor allem ihre Abonnenten befriedigen, die sie nunmal (immer noch) haben?

    DAs ist eine gute Frage, die natürlich viele andere Orchester auch betrifft. Und ebenso Interpreten. In Wien gbe und gibt es viele bejubelte Künstelr - die teilweise aus Reiseunlust, Bequemlichkeit oder famillären Gründen - auch volle Terminkalende aus dem Regionalen Bereich an "überregionaler Positionierung" überhgaupt nicht interessiert sind.

    Wir sind also - unbewuisst ein klein wenig vom Thema abgewichen - nämlich von Orchestern-Dirigent Konstellationen, die irgendwann beendet wurdem, bzw beendet werden MUSSTEN (Streit, Krankheit, Tod, Neuorientierung des Dirigenten etc etc)

    und um die Frage ob es gelungen ist, die "Aura" - die über "Berühmtheit" ja oft hinausgeht - auftrchtzuerhalten

    Das hat mit Qualität de facto nichts - oder zumindes nicht alles - zu tun. Wir haben hier in Wien zwei IMO gleichwertige Orchester, die aber international gesehen eine andere Strahlkraft haben, wobei das bekannter seinen hohen Bekanntheítsgrad in erster Linie einem jährlich stattfindenden Konzerert zum Jahreswechsel verdanken, das - unter "Puristen" und "Kennern" lange zeit eher kritisch gesehen wurde.


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Mein erster Beitrag in diesem ForumGeht auf die eingangs gestellte Frage ein: Es gäbe heute noch mindestens ein Beispiel einer gemeinsamen und gegenseitigen "Prägung" Dirigent/Orchester, wie das mal mit den Assoziationen Karajan/Berlin oder Solti/Chicago oder Munch/Paris gegeben war. Die Rede ist von Zubin Mehta und dem israelischen philharmonischen Orchester, die seit nunmehr mindestens 42 Jahren zusammenwirken.