Rauschen der Mono-Schellack-Platte gegen 5.1 High-Tech-Surround-Klang

  • Wie haltet ihr es mit der Aufnahmequalität der Musikaufnahmen?


    Da steht auf der einen Seite das Rauschen und Knacken der Mono-Schellack-Platte dem 5.1 Surroundsound-Klang im modernsten Aufnahmeformat mit High-Tech-Equipement gegenüber. Nehmt ihr die technischen Unzulänglichkeiten der Schallplattenrille in Kauf, wenn ihr dafür dafür eine einmalige Referenzaufnahme bekommt oder soll der Musikgenuss durch kein Nebengeräusch beeinträchtigt werden?


    Die wenigsten werden sich die Schellack-Aufnahmen vom Schalltrichter-Grammophon anhören, sondern technisch aufbereitete CD-Überspielungen benutzen.


    Bei mir stellt sich der Effekt ein, dass ich die unzulängliche Aufnahmequalität aus der Schellack-Zeit nach einigen Minuten nicht mehr bemerke und die Qualität der Interpretation im Zentrum steht. Ich besitze eine 5.1 Surround-Anlage. Das Raumerlebnis möchte ich auch nicht missen, wenn mir die heutige Technik dies bietet.
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    Humor und Geduld sind die beiden Kamele, mit denen man durch jede Wüste kommt.


    marokkanisches Sprichwort

  • Ich habe mir zu meiner neuen Anlage auch wieder einen Schallplattenspieler gekauft, den ich gut zwanzig Jahre nicht entbehrte, wiewohl ich eigentlich nicht der Typ bin, der sorgsam den Staub von der Platte pustet und das Cover andächtig zwischen den Fingern hält. Aber ich freue mich auf die Beethovensinfonien mit Herbert Kegel, die uralten Dvoraksinfonien und die skurrilen Einsteiger-Boxen "Klassik Top 100" (10 LPs) oder "Famous Concertos" (5 LPs), die ich auf dem Dachboden wiederentdeckt habe. Ich habe nur bis heute nicht begriffen, warum einige Highendexperten die LP der CD vorziehen; vielleicht kann mir jemand die technischen Details erklären, dass ein Laie wie ich das versteht.





    P.S. Ups, sehe gerade; es geht ja um Schellack! Bitte verschieben!

  • Lieber Yorick


    Das Knacksen einer Vinyl-LP kann den einen oder anderen Hörer auch nerven. Deshalb kann man diese Aufnahme-Qualität hier einbeziehen.


    Eine ganze Sänger-Generation ist heute nur mit ihren Schellack-Aufnahmen erlebbar. Diese Dokumente wird man nicht missen wollen.
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    Humor und Geduld sind die beiden Kamele, mit denen man durch jede Wüste kommt.


    marokkanisches Sprichwort

  • In meiner Jugend war ich ein Fanatiker des HIFI-Stereoklanges, der fanatisch versuchte, den (von der Werbung versprochenen) Konzertsaal im eigenen Heim zu realisieren. Das Knacken einer Schallplatte konnte mich beinahe in den Irrsinn treiben, ebenso wie das Knacken von statischen Aufladungen. Das Berühren meine Vinylsammlung war niemandem ausser mir gestattet - und wenn ich - was selten vorkam- einen Kratzer auf einer Schallpatte selbst verschuldete - so hasste ich mich selbst dafür - in ärgeren Fällen wurde die Platte neu angeschafft. Aber selbst bei Verpackungen war ich heikel - so liess ich dereinst die Kartonhülle einer Operngesamtaufnahme aus Holland importieren - weil die Originalhülle einen optischen Fehler aufwies.


    Ungeachtet dessen interessierten mich dennoch Aufnahmen aus der Schellackära. Eher aus historischem , denn aus musikalischen Interesse. Es gibt in meine Sammlung kaum Monoaufnahmen von Orchestern - denn ich fand sie unerträglich. Heute kaufe ich gelegentlich solche Einspielungen, sie sind jedoch unter "Quarantäne" oder im "Ghetto" - soll heissen sie haben einen eigenen Platz in der Sammlung.


    Eigenartigerweise habe ich in Sachen STIMMEN ganz anders reagiert. Einerseits gab es nun mal in der Vergangenheit zahlreiche Stimmen, die einfach unersetzlich sind. Andrerseits konnte man - zumindest Männerstimmen und Frauenstimmen vom Mezzosopran abwärts einigermaßen unverfärbt aufnehmen. Wenn man je Original Schellack-Aufnahmen über ein Trichtergrammophon gehört hat, dann wird einem klar was man diesen Platten durch Entfernen des Grundrauschens angetan hat.
    Ungeachtet dessen höre ich gerne Stimmportraits der Vergangenheit - die Nebengeräusche und Verfärbungen nehme ich in diesem Segment in Kauf.....


    Das Alter fordert indes auch seinen Tribut. Die Möglichkeit die höchsten Töne zu hören lässt nach - man ist nicht mehr in der Lage eine Aufnahme so kritisch zu beurteilen wie einst - wenngleich ich versuche alle Möglichkeiten der Medizin auszunutzen um wenigstens stundenweise die Qualität meiner einstigen "Fledermausohren" annähernd wieder herzustellen....


    mfg aus Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Durch die moderne Technik kann man ja nicht nur einen gegenüber früheren Aufnahmen/Anlagen realistischeren Musikgenuss haben, sondern auch feinste kammermusikalische Ausdrucksdetails wahrnehmen.
    Zudem wirkt eine räumliche, gut aufgenommene Einspielung entweder über eine High-End-Kopfhöreranlage oder über ein hochwertiges 5.1. Set im akustisch optimierten Raum natürlich viel besser, als das früher möglich war. Gerade bei Alter Musik/Kirchenmusik wird ja der Raum in das Musizieren miteinbezogen, weshalb die heutige Klangtechnik für mich auch das Erlebnis künstlerischer Ebenen verstärken kann.


    Wenn man nun wirklich aktuell an einer Orchester- oder Klavierinterpretation arbeitet und sich entsprechend Aufnahmen dazu anhört, dann ist zur Erfassung wesentlicher musikalischer Parameter natürlich auch eine einfache Anlage oder eine alte, historische Aufnahme ausreichend.
    Ich klangtechnische schlechte Einspielungen als privater Hörer jedoch meistens, ausser bei Furtwängler, oder bestimmten musikalischen sehr guten aber technisch sehr schlechten Livemitschnitten.


    Nun habe ich mir im Sommer ein neues 5.1. Set von Nubert gekauft (mit der NuVero 4), das gegenüber den alten NuLine 120 doch schon wieder sauberer und mehr in Richtung Wirklichkeit/High-End zum noch bezahlbaren Preis geht.
    Bestimme ältere Aufnahmen, wie z.B. Schuberts grosse C-Dur Symphonie mit Böhm werden darüber jedoch gnadenlos als eben "von früher" dargestellt. Das Bandrauschen hört man permanent und der Orchesterklang ist etwas gepresst, spitz und lässt Wärme aus den unteren Registern vermissen. Lege ich nun eine neuere Aufnahme der Symphonie auf (z.B. Wand mit BPO), dann klingt es schon viel wärmer und natürlicher.
    Die Unterschiede waren auch mit den vorherigen Lautsprechern hörbar, aber nicht so deutlich.


    Um also ältere Aufnahmen nicht "genervt" hören zu müssen, bräuchte ich also noch eine kleine, milde und vergebende Anlage. Darüber könnte man dann auch wirklich Historisches, wie z.B. Furtwängler klanglich besser ertragen. Da ich in meinem aktuellen Wagen nur eine Standardanlage vom Hersteller habe, passt es eigentlich ganz gut, alte Aufnahmen mit technischen Einschränkungen darüber zu hören. Der "billige" Klang und das Fahrgeräusch sind dann vergebend.


    Nur zur Ergänzung: Nicht alle neuen Aufnahmen sind auch gut - da kann man auch sehr enttäuscht werden, aber eben auch sehr positiv überrascht.


    Gruss
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Lieber Glockenton, wie sich die Bilder gleichen! :) Schon meine "alte" Anlage hatte ihre Probleme mit richtig alten Aufnahmen; meine neue Anlage gar liebt nur noch die brandneuen hochwertigen Aufnahmen; für all die anderen habe ich in drei anderen Zimmern noch drei andere kleinere Anlagen (so 80-Euro-Teile mit zwei Boxen), im Auto höre ich Klassik nur über Radio oder ipod.

  • Um also ältere Aufnahmen nicht "genervt" hören zu müssen, bräuchte ich also noch eine kleine, milde und vergebende Anlage. Darüber könnte man dann auch wirklich Historisches, wie z.B. Furtwängler klanglich besser ertragen.


    Das deckt sich nicht mit meinen Eindrücken. Je besser eine Anlage, desto mehr holt sie auch aus alten Aufnahmen an musikalischer Information heraus. Die häufig gehörte Aussage "eine hochwertige Anlage, die aber Fehler vor allem bei älteren Aufnahmen gnadenlos aufdeckt" lässt bei mir immer die Alarmglocken schrillen.
    Sicherlich gibt es unbestreitbare Negativbeispiele der Aufnahmetechnik. Die gab es und die gibt es. Aber im Großen und Ganzen beherrschten die Tontechniker zu jeder Zeit ihr Metier und konnten mit der ihnen zur Verfügung stehenden Technik gut umgehen. Es gibt keinen Grund, dass ältere, solide gemachte Aufnahmen "nerven" sollen. Wenn also eine Anlage bei hochwertigen modernen Aufnahmen erfreut aber bei alten generell nervt, dann liegt das an der Anlage und nicht den Aufnahmen. In Wirklichkeit nervt sie dann nämlich auch bei den modernen Aufnahmen, allerdings unter der Wahrnehmungsgrenze, so dass es nicht unmittelbar auffällt. Da läuft die Akzeptanz unterbewusst ab. Denn auch bei sehr teuren Anlagen gibt es große subjektive Unterschiede. Das geht von technisch herausragend ohne aber emotional zu berühren bis zu technisch ähnlich gut aber so verführerisch, dass man gar nicht aufhören will zu hören. Und letztere werden einem das Alter einer Aufnahme auch jederzeit wissen lassen - aber ohne zu nerven!


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ich muß hier mal eine Lanze für die Schellackplatten brechen. Abgesehen davon, daß man diese wohl nicht mit modernem High-Tech-Surround-Klang vergleichen kann, gibt es doch noch Liebhaber wie mich. Ich verfüge locker über 600 Schellacks und höre diese noch mit Genuß. Natürlich mit entsprechenden Plattenspielern (Audiotechnica, Thorens, Dual) und Spezialnadeln. Kein Vergleich mit herkömmlichen Grammophonen, da man hier wirklich noch von Klang sprechen kann, natürlich abhängig von Aufnahmedatum und Aufnahmetechnik. Vor Kurzem erfreuten mich noch Aufnahmen mit Franz Völker und Maria Müller mit Aufnahmen der Festspiele Bayreuth 1936.


    Also macht mir die Schellacks nicht so schlecht! :cursing:

    W.S.

  • Zitat

    Wenn also eine Anlage bei hochwertigen modernen Aufnahmen erfreut aber bei alten generell nervt, dann liegt das an der Anlage und nicht den Aufnahmen. In Wirklichkeit nervt sie dann nämlich auch bei den modernen Aufnahmen, allerdings unter der Wahrnehmungsgrenze, so dass es nicht unmittelbar auffällt.


    Diese Aussage kann ich nur 100%ig unterschreiben.
    Viele der heutigen Anlagen rühmen sich "ehrlich" oder "analytisch" zu sein - in Wahrheit eine Umschreibung für "unangenehmen Klang" Man muß sich die Frage stellen, was denn die Aufgabe einer "guten Anlage" sein soll.


    Hierauf gibt es zwei Antworten:
    "Das vorhandene Signal möglichst ohne Abweichung von der Quelle bis zum Ohr des Hörers gelangen zu lassen"


    die alternative - und oft mit Antwort 1 nicht in Einklang zu bringende Antwort wäre:


    "Musik zu machen"


    Beides sind idealisierte Wunschvorstellungen - aber man kann ihnen zumindest nahe kommen.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Ein "High-Ender" (auch wenn er sich gegen die Bezeichnung wehren würde), den ich kenne, sieht das so ähnlich wie von Theophilus dargestellt. Meiner Erinnerung nach hat er lange als eine "Testplatte" (unter anderen) eine Mono-Aufnahme mit Schwarzkopf verwendet.


    Ich selbst bin nicht sehr empfindlich gegen ältere Aufnahmen. Man muss sich ein bißchen dran gewöhnen, aber ich finde die Präsenz und Transparenz oft erstaunlich, wenn man die fehlende Stereo-Breite und eine gewisse klangliche Enge akzeptieren kann. Bei gut restaurierten Aufnahmen halten sich die groben Verzerrung selbst bei solchen aus den 1930ern oft in erträglichen Grenzen.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

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  • Zitat

    Das Knacksen einer Vinyl-LP kann den einen oder anderen Hörer auch nerven. Deshalb kann man diese Aufnahme-Qualität hier einbeziehen.


    Das Knacksen einer verkratzten CD ebenfalls, wenn sie dann überhaupt noch läuft!


    Da es hier um Schellackaufnahmen ging, habe ich mich was Vinyl betrifft zurückgehalten. Nur soviel: Natürlich müssen LP´s staubfrei und ohne Kratzer sein um gut zu klingen. Dafür gehe ich persönlich sorgsam damit um und reinige diese vorher sorgfältig. Auch sind es bei mir Plattenspieler der Referenz-Klasse und keine durchschnittlichen Player. Da gehört schon ein Minimal-Einstiegspreis von 400 Euro dazu und dann weiter aufwärts. Soviel kostet schon ein gutes System bei mir. Aber der Klang kann sich dann auch hörenlassen. Da ich zu über 80% Vinyl höre, kann ich das im Vergleich zu CD bestimmt gut beurteilen. Selbstverständlich müssen die weiteren Komponenten mit diesen Playern mithalten, bzw. dazu leistungsmäßig passen.

    W.S.

  • Schade finde ich es immer, wenn jemand seine neue Anlage vorführt und sie schon bei der geringsten Belastung anfängt zu dröhnen oder klirren, besonders wenn es ein guter Freund ist.


    ich bin froh


    das das Gefummel mit den Hüllen, das Staubfangen der Platten und "Sauberhalten müssen" ein Ende hat.Man bekommt heute völlig problemlos jede gewünschte Musik über den Computer, herrlich.


    Wer aber glaubt, seine ideale Interpretation nur in der Vergangenheit finden zu können, kommt um alte Technik wohl nicht herum, sei es bei der Aufnahme oder Abspielung. Somit hat alles seine Berechtigung, also warum gegen?

  • Bei mir ist alles digitalisiert, kommt eigens aus einem nur für Audio vorgesehenen Notebook nebst eigens dafür eingesetzter Soundkarte und ist nach jahrelanger Verbesserung für mich perfekt fernbedienbar. Die Sammlung ist großartig und konsistent getaggt; das alles ist mir schon eine große Freude.


    Ich bleibe bei Stereo; die Komponenten sind alles nicht sonderlich teuer und im EUR 500-1000 Rahmen. Hier zu investieren würde nicht lohnen; denn ich bin zufrieden und lasse mich ohnehin von Werken wenn es geht so einsaugen, dass ich die technische Wiedergabe-Welt dann nicht mehr wahrnehme.
    Investitionen würden sich auch kaum lohnen, denn ich weiß um die größte Schwäche: Der Raum, in dem ich höre. Ein großes Wohnzimmer mit anschließendem Esszimmer, alles offen; Parkettboden; ein großes Fenster im Wohnzimmer (5m). Da hatten meine diversen Studentenmietwohnungen bessere Akkustik.
    Ich kann damit aber leben. Ich bin froh, dass wir heute leben. Ganz ehrlich: Für die Möglichkeiten, die wir heute in der Audiowiedergabe haben, hätte vor 100 Jahren doch jeder Audio-Techniker seine Frau und Kinder verkauft.


    Ja, der Effekt greift bei mir auch, dass wenn ich richtig in ein Werk eintauche, ich die Technik drumherum bzw. technische Schwächen des Trägers nicht mehr bemerke. Das ist der optimale Fall. Ich muss aber auch sagen, dass bloß weil nun viele Furtwängler hochjubeln, mir noch lange kein FW auf den Plattenteller kommt. Dafür bin ich Realist und informiert genug um zu wissen, dass die Zeit danach andere hervorragende Interpretationen hervorgebracht hat.

  • Bei mir ist alles digitalisiert, kommt eigens aus einem nur für Audio vorgesehenen Notebook nebst eigens dafür eingesetzter Soundkarte und ist nach jahrelanger Verbesserung für mich perfekt fernbedienbar. Die Sammlung ist großartig und konsistent getaggt; das alles ist mir schon eine große Freude.


    Ich bleibe bei Stereo; die Komponenten sind alles nicht sonderlich teuer und im EUR 500-1000 Rahmen. Hier zu investieren würde nicht lohnen; denn ich bin zufrieden und lasse mich ohnehin von Werken wenn es geht so einsaugen, dass ich die technische Wiedergabe-Welt dann nicht mehr wahrnehme.
    Investitionen würden sich auch kaum lohnen, denn ich weiß um die größte Schwäche: Der Raum, in dem ich höre. Ein großes Wohnzimmer mit anschließendem Esszimmer, alles offen; Parkettboden; ein großes Fenster im Wohnzimmer (5m). Da hatten meine diversen Studentenmietwohnungen bessere Akkustik.
    Ich kann damit aber leben. Ich bin froh, dass wir heute leben. Ganz ehrlich: Für die Möglichkeiten, die wir heute in der Audiowiedergabe haben, hätte vor 100 Jahren doch jeder Audio-Techniker seine Frau und Kinder verkauft.


    Ja, der Effekt greift bei mir auch, dass wenn ich richtig in ein Werk eintauche, ich die Technik drumherum bzw. technische Schwächen des Trägers nicht mehr bemerke. Das ist der optimale Fall. Ich muss aber auch sagen, dass bloß weil nun viele Furtwängler hochjubeln, mir noch lange kein FW auf den Plattenteller kommt. Dafür bin ich Realist und informiert genug um zu wissen, dass die Zeit danach andere hervorragende Interpretationen hervorgebracht hat.


    Hallo Tapio,


    schöner Beitrag!


    Die Erkenntnis, was man im Leben wirklich für sich selber braucht, ist sicher einer der Schlüssel zu einem erfüllten und zufriedenen Dasein.


    Auch ich bin mit meinem Akustikraum nicht zufrieden, lasse mich aber nicht irritieren, das ist ein Umstand, den ich nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand ändern könnte.


    Während ich die Lautstärke mit einem Dreh runter reguliere :pfeif:

  • ich bin froh,
    das das Gefummel mit den Hüllen, das Staubfangen der Platten und "Sauberhalten müssen" ein Ende hat.Man bekommt heute völlig problemlos jede gewünschte Musik über den Computer, herrlich.


    Gerade das ist vielen ein Grund, sich nicht von der Schellack-Platte zu trennen. Die Haptik, der Zauber des physisch vorhandenen, die Aura von Wertigkeit, die so einen komplizierten, empfindlichen Tonträger umgibt. (Ich höre selbst nur CDs, spüre aber immer eine gewisse Begeisterung, wenn ich zugegen bin, wenn Musik von einer Schellackplatte erklingt)
    Letztlich ist es mit rein digital vorhandener Musik ähnlich, wenn auch bei weitem nicht so extrem wie mit den sogenannten e-books.
    Mir erscheint die Vorstellung, dass das Buch, das über die Information, die es trägt, hinaus ein mit allen Sinnen wahrnehmbarer Gegenstand ist, durch nichtssagende, uniforme Datenträger und Wiedergabemedien ersetzt werden könnte, reichlich dystopisch.

    'Architektur ist gefrorene Musik'
    (Arthur Schopenhauer)

  • Zitat

    Gerade das ist vielen ein Grund, sich nicht von der Schellack-Platte zu trennen. Die Haptik, der Zauber des physisch vorhandenen, die Aura von Wertigkeit, die so einen komplizierten, empfindlichen Tonträger umgibt. (Ich höre selbst nur CDs, spüre aber immer eine gewisse Begeisterung, wenn ich zugegen bin, wenn Musik von einer Schellackplatte erklingt)


    Mir macht es auch Spaß, Caruso-Aufnahmen im Original auf Schellack zu hören. Seine Duette z. Bsp. mit Scotti sind da etwas Besonderes. Die späteren Schellacks, die schon elektrisch aufgenommen wurden, klingen schon recht gut. Auch möchte ich eine Lanze für Mono-Aufnahmen in Vinyl brechen. Da ich davon auch eine ganze Reihe besitze, kann ich sagen, daß es wirklich schlechtere Stereo-Aufnahmen gibt. Auch auf CD.Gerade das ist vielen ein Grund, sich nicht von der Schellack-Platte zu trennen. Die Haptik, der Zauber des physisch vorhandenen, die Aura von Wertigkeit, die so einen komplizierten, empfindlichen Tonträger umgibt. (Ich höre selbst nur CDs, spüre aber immer eine gewisse Begeisterung, wenn ich zugegen bin, wenn Musik von einer Schellackplatte erklingt)

    W.S.


  • Gerade das ist vielen ein Grund, sich nicht von der Schellack-Platte zu trennen. Die Haptik, der Zauber des physisch vorhandenen, die Aura von Wertigkeit, die so einen komplizierten, empfindlichen Tonträger umgibt. (Ich höre selbst nur CDs, spüre aber immer eine gewisse Begeisterung, wenn ich zugegen bin, wenn Musik von einer Schellackplatte erklingt)
    Letztlich ist es mit rein digital vorhandener Musik ähnlich, wenn auch bei weitem nicht so extrem wie mit den sogenannten e-books.
    Mir erscheint die Vorstellung, dass das Buch, das über die Information, die es trägt, hinaus ein mit allen Sinnen wahrnehmbarer Gegenstand ist, durch nichtssagende, uniforme Datenträger und Wiedergabemedien ersetzt werden könnte, reichlich dystopisch.


    Ein Buch ist in seiner Informationsdarstellung immer schon mit der Haptik der stückweisen Informantion so konzipiert. Daran ändern auch E-books nichts, das Verbinden von Buchstaben in eine sinnvolle Wortkombination ist die Grundlage.


    Musik doch wohl nicht.


    Es dürfte immer im Sinne eines Ausführenden liegen, das seine Musik unverfälscht und sauber an den Hörer gelangt.


    Das alte Datenträger wie Schellack oder Vinyl ihren eigenen Reiz ausüben ist unumstritten. Das der Reiz aber nichts mit der aufgenommenen Musik gemeinsam hat sollte jedem klar sein. Knacken und Knistern bleiben Störgeräusche, auch wenn manche sie noch so toll finden.

  • Zitat

    Das der Reiz aber nichts mit der aufgenommenen Musik gemeinsam hat sollte jedem klar sein. Knacken und Knistern bleiben Störgeräusche, auch wenn manche sie noch so toll finden.


    Hallo, Thomas!


    Das ist eben der Irrtum! Bei mir knackt und knistert nichts! Von dem Klang meiner Vinyl-Platten und deren Frequenzgang können viele CD-Hörer nur träumen! Da habe ich fast einen Konzertsaal zu Hause. Ausnahmen sind natürlich billige, auf dem Flohmarkt erworbene Platten. Aber das gibt es bei CD auch. Da besteht kein Unterschied.

    W.S.

  • Die Haptik, der Zauber des physisch vorhandenen, die Aura von Wertigkeit, die so einen komplizierten, empfindlichen Tonträger umgibt.


    Hallo Wolfgang,


    genau diese "Haptik" (welch ein blödes Wort dafür) habe ich bei der CD oder SACD mit dem bewustsein klanglich etwas ordentliches und absolut knackfreies aufzulegen.
    :no: Ich würde niemals die unpersönlichen kalten digitalen Daten auf einem Computer zum regelmässigen Musikhören verwenden wollen.
    :yes: Zu jeder CD will ich auch optisch einen Bezug aufbauen können ! So wie Du zu den Schellackplatten, was ich gut verstehen kann.


    Wenn ich mal digitale Daten einer CD (durch Download oder sonstiges) bekomme, dann brenne ich mir daraus eine CD mit den entsprechenden Coverausdrucken (wenn vorhanden).
    *** Oder bei MP3-CD´s verwende ich meinen Mulitiformat-Player um die CD abzuhören. Da habe ich dann wenigstens noch die id3tag-Angaben auf dem Display + Monitor. (Bei Klassik kommt das bei mir aber gar nicht vor.)


    Zitat

    zum Unterschied Schelllack vs CD:
    Aber das gibt es bei CD auch. Da besteht kein Unterschied.

    Doch - der Unterschied ist immens:
    Wenn bei einer CD ein Defekt auf der Spur vorhanden ist, habe ich gleich Aussetzer oder die CD springt oder hört ganz auf ( ;) aber das kommt ja so gut wie nie bei der CD vor !). Zweimal habe ich einen Defekt "gerettet" indem ich die CD einfach neu eingelesen und gebrannt habe - dann war der Fehler durch die gute Fehlerkorrektur des PC-Einlesens weg !
    Mach das mal mit der Schelllackplatte ... da bleibt das Knistern.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ein Buch ist in seiner Informationsdarstellung immer schon mit der Haptik der stückweisen Informantion so konzipiert. Daran ändern auch E-books nichts, das Verbinden von Buchstaben in eine sinnvolle Wortkombination ist die Grundlage.


    Auch wenn's eigentlich nicht zum Thema gehört:


    Was ist denn die "Haptik der stückweisen Information"?

    'Architektur ist gefrorene Musik'
    (Arthur Schopenhauer)

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  • Hallo, Thomas!


    Das ist eben der Irrtum! Bei mir knackt und knistert nichts! Von dem Klang meiner Vinyl-Platten und deren Frequenzgang können viele CD-Hörer nur träumen! Da habe ich fast einen Konzertsaal zu Hause. Ausnahmen sind natürlich billige, auf dem Flohmarkt erworbene Platten. Aber das gibt es bei CD auch. Da besteht kein Unterschied.


    Bei jeder mechanischen Tonabnahme entstehen Störgeräusche. Das ist physikalischer Fakt.


    Du magst sie vielleicht nicht hören und es gibt hochwertige Aufnahmen, die es durch die Aufnahmetechnik vermögen, sie zu unterdrücken, trotzdem sind sie da!


    Ganz zu Schweigen vom Verschleiss des Trägers...


    Natürlich kann man durch sorgsamen Umgang mit dem Träger die Abnutzung so gering wie möglich halten, da gab es die tollsten Mechaniken, aber das wiederum nichts mit dem Grundsatz zu tun, das es sich um eine mechanische Abnutzung handelt.


  • Auch wenn's eigentlich nicht zum Thema gehört:


    Was ist denn die "Haptik der stückweisen Information"?


    Ich habe das vielleicht etwas kompliziert ausgedrückt ;)


    Man liest immer noch Wort für Wort, zusammengesetzt aus den paar Buchstaben des Alphabets. Das Erfassen des gedruckten Wortes und das Zusammensetzen in einen Sinn beruht immer auf der gleichen Grundinformation, beeinflusst höchstens durch das Sehvermögen des Lesers.

  • Wenn eben möglich, bevorzuge ich die bestaufgenommene SACD.


    CDs, insbesondere sorgfältig aufgenommene neuere (z.B. alles von Melody Gardot, hier eher off topic, da Blues, aber auch Mozarts Requiem, Harnoncourt, King´s Singers, einige CDs der Cambridge Singers), kommen sehr nahe, sind detailreich (Hochton), voluminös (also sehr präsenter, aber nicht fetter Baß) und präzise (natürliche Stimme und gute Ortbarkeit),


    normal aufgenommene CDs sind ok, Brot und Butter beim Hören, man strengt sich aber nicht besonders an, zusätzliche Details zu erhaschen,


    ältere CDs mit deutlichen Rauschanteilen versuche ich zu vermeiden,


    CDs mit Musik aus den 60ern nur, wenn es sich um wichtige Werke handelt, die heute noch Referenzcharakter haben (du Pré mit Elgars Cellokonzert, die erste Aufnahmen von Martha Argerich, Oscar Peterson: We get requests),


    Platten aus den 60ern habe ich viele, aber die sind oft noch besser als die daraus erstellten CDs,


    Mono höre ich zur Zeit fast gar nicht (Ausnahme: Gould, Goldberg I, paar CDs von Walcha)


    und bei Schellack ist endgültig Schluß, ich habe auch gar keinen Spieler, der 77 rpm kann.


    Also: Klangqualität finde ich wichtig, emotional gute Stücke der SACDs speichere ich inzwischen via audacity mit 24 bit und 96000 Abtastungen pro Sekunde, auch wenn das ziemlich gewaltige Dateien gibt; an Klangqualität kann ich mich berauschen, und wenn dann Supermusiker mit hoher Klangqualität kombiniert werden, bin ich richtiggehend glücklich.

  • Also: Klangqualität finde ich wichtig, emotional gute Stücke der SACDs speichere ich inzwischen via audacity mit 24 bit und 96000 Abtastungen pro Sekunde, auch wenn das ziemlich gewaltige Dateien gibt;


    Das überrascht mich jetzt aber. Ein SACD-Player darf so ein Format definitionsgemäß ja eigentlich gar nicht ausspucken!?


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstanden habe, denn meine Antwort geht etwas in eine andere Richtung als die anderen:
    Ich brauche beim Hören auf jeden Fall ein ERlebnis, dass die Musik im Vordergrund hält. Ich habe z.B. einmal eine ganze Box mit Glenn Gould gekauft, zweimal kurz reingehört und sie dann für immer weggetan, weil ich es nicht schaffte, nicht auf die Tonqualität zu achten. Die Nebengeräusche blieben die Hauptsache, ich konnte mich nciht auf die Musik konzentrieren. Noch schlimmer eine historische Beethovenaufnahme auf CD, nach 20 Minuten wirklich weggeworfen.
    Es gibt aber auch einen ganz anderen Fall. Es geht um Arvo Pärt, . (Immer noch eine meiner Lieblingsmusiken)
    Ich hörte die Musik als Schallplatte bei einem Freund, war begeistert und der Freund brannte mir von der Platte eine CD mit all den Knacksern, die dabeiwaren und auch dem STühlerücken, das deutlich zu hören war. Irgendwann beschloss ich, mir die Original-CD zu kaufen wegen Booklet, Cover und haptischem Genuss. Die aber war bearbeitet, ohne Knacken und ohne das Stühlescharren. Ich finde bis heute, jahre später, dass die gebrannte CD einen viel größeren Zauber besitzt. Sie hat so etwas lebendiges, originales, sie hat einfach mehr "Aufführungscharakter".
    Ich denke aber, dass die Publikumsgeräusche hierbei einen größeren Part haben als das Knacken.
    Ich spreche hier also eigentlich gegen eine zu starke Bearbeitung, für einen Erhalt des eigentlichen "Events", und ein Ereignis ist sicherlich auch die Aufnahme in einem Studio.
    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Zitat Thomas Sternberg:

    Zitat

    Bei jeder mechanischen Tonabnahme entstehen Störgeräusche. Das ist physikalischer Fakt. Du magst sie vielleicht nicht hören und es gibt hochwertige Aufnahmen, die es durch die Aufnahmetechnik vermögen, sie zu unterdrücken, trotzdem sind sie da! Ganz zu Schweigen vom Verschleiss des Trägers...


    Du Glücklicher! Du hast CD´s ganz ohne Neben- Störgeräusche und Kratzer? Vielleicht sind sie aus unzerstörbarem Material. An einigen CD von mir gibt es schon Kratzer, anders als bei Dir. Jedenfalls besitze ich LP´s, die über 50 Jahre alt sind und noch hervorragend in Schuss sind. Mal sehen, wie Deine CD in 50 Jahren noch klingen. ?(




    MfG

    W.S.


  • Das überrascht mich jetzt aber. Ein SACD-Player darf so ein Format definitionsgemäß ja eigentlich gar nicht ausspucken!?


    :hello:


    Das spuckt auch nicht der SACD-Player aus, der wandelt eifrig und gibt brav ein analoges Signal auf die Cinch-Leitung; die geht in einen externen DA-Wandler, der dann digital auf den Computer weiterschiebt. Einen Qualitätsunterschied zwischen Original und zweimal gewandelter Kopie kann ich nicht erkennen, obwohl ja SACD´s PCM-Analogon eher bei 176000 Hz und 24 bit liegt.

  • Was hat es mit einem SACD-Spieler auf sich?


    Bringt er gewöhnliche CDs auch besser und wie groß ist das Angebot an SACDs?

  • Was hat es mit einem SACD-Spieler auf sich?
    Bringt er gewöhnliche CDs auch besser und wie groß ist das Angebot an SACDs?


    Ich habe einen sogenannten Multiplayer in meine Stereoanlage integriert.Der Multiplayer (Sony für ca.200 Euro)) ist eigentlich ein DVD-Player,der DVD,CDs und SACDs abspielen kann,bei SACDs selbstverständlich die CD-Spur und die SACD-Spur.Dieser Multiplayer spielt innerhalb meiner Stereoanlage nur Audio-Material ab,eine TV-Verbindung besteht nicht.
    Obwohl SACDs oft auch eine Multichannel-Spur haben,genügen mir die Stereospuren vollauf.Es gibt Menschen,die -nach ihren eigenen Angaben- keinen Unterschied zwischen CD und SACD hören,sie benötigen daher keinen SACD-Spieler.
    Ich höre allerdings Unterschiede und gebe SACDs den Vorzug gegenüber CDs.
    SACDs empfehle ich für den Klassik und Jazz-Bereich.Das Klangbild einer SACD empfinde ich allgemein als angenehmer als das einer CD.Sicherlich gibt es auch einige sehr gut gemasterte CDs,die diesem Klangbild nahe kommen.Die SACD vermittelt mir gegenüber der CD den Eindruck.als wären Vorhänge von den Lautsprecherboxen weggezogen,der Klang ist freier,klarer und die Instrumente sind einzeln genauer ortbar.Wer auf diese Klangverbesserung Wert legt,kommt kaum an einen SACD-Player bzw. Multiplayer vorbei.
    Letzlich verschafft mir der SACD-Spieler eine preiswerte Klangverbesserung,die ich andernfalls nur mit wesentlich teureren Lautsprechern (als meine Revox-Boxen) erreichen könnte.
    Aufgrund meiner langjährigen Hörerfahrung mit SACDs finde ich es schade,daß nicht jeder Klassik-Hörer auf den SACD-Zug aufgesprungen ist.Zwar ist die SACD ein Nischenprodukt,deren Tod voreilig vorausgesagt wurde,jedoch im Klassik- und Jazzbereich finden sich offenbar genügend Käufer.Das führte dazu,daß in letzter Zeit vermehrt SACDs auf den Markt kommen.Insbesonders der japanische Markt scheint unerschöpflich zu sein.Aber auch Labels wie BIS,Chandos,PentaTone u.a. produzieren überwiegend SACDs.
    Meistens kommen SACDs als Hybrid-SACDs daher,d.h. man kann die CD-Spur auf einem CD-Spieler und die SACD-Spur auf einem CD-Spieler oder einem SACD-Spieler (oder Multiplayer) abspielen.Es gibt auch einige wenige "reine" SACDs,die sich nur auf einem SACD-Spieler(oder Multiplayer) abspielen lassen.
    Einen Überblick,was an SACDs erhältlich ist,bietet die Seite http://www.sa-cd.net

    mfG
    Michael

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