Live aus Salzburg "La Traviata" - Eine Nachlese

  • Die DGG befindet sich in einem Dilemma. Man hat seit drei Jahren den zur Zeit zugkräftigsten Gesangsstar exklusiv unter Vertrag und was kann man vorweisen? Zwei Arien-CDs, eine DVD mit Videoclips und jetzt einen eingekauften und mitproduzierten Mitschnitt aus Salzburg. Dazu keine weiteren Studioaufnahmen in der Hinterhand.


    Kein Wunder, dass die DGG-Bosse um Erweiterung des Angebots ringen und es soll nach langen Verhandlungen mit WSO und ORF gelungen sein, den Liebestrank loszueisen. Es dürfte im nächsten Jahr eine DVD der Liebestrank-Vorstellungen vom April 2005 in der WSO zu erwarten sein. Das wird musikalisch noch besser als Salzburg. Die Inszenierung wird wohl unterschiedlich aufgenommen werden. Modernisten werden sich mit einem Gähnen abwenden, aber sie übersteht locker den Alfred-Test!


    ;)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Hallo liebe Forianer.


    Dies ist mein allererster Beitrag in diesem Forum, daher zuallererst ein berechtigtes Lob fuer die sehr vielen meistens lesenswerten und fachkundigen Analysen, etc...


    Ich habe diesen Thread, in dem ja schon einige Zeit nichts mehr geschrieben wurde, mit Interesse gelesen. Das Thema ist einerseits ja auch nicht sehr aktuell - die Salzburger Auffuehrung ist ja nun schon eine Weile her. Andererseits finde ich aber gerade diese Traviata-Interpretation sehr interessant, weil sie in mancherlei Hinsicht eine Art Brennpunkt darstellt. (Ergaenzend: Ich habe die aktuellere Manon leider nicht gesehen.)


    Ich kann vieles Gesagte, auch Kritisches, sehr gut nachempfinden.


    Allgemein:
    Saengerisch gefaellt mir Thomas Hampson sehr, sehr gut.
    Mir persoenlich liegt Villazons Stimme eigentlich nicht so, aber als Alfredo empfinde ich ihn als eine hervorragende Besetzung.
    Ueber AN ist ja sehr viel geschrieben. Ich selbst meine, dass Violetta und AN gut zusammen passen, m. a. W.: Ich hoere sie gerne als Violetta.


    Ich moechte mich aber wichtigstens zur Frage der Inszenierung, die ja sehr ausfuehrlich diskutiert wurde, aessern.
    Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Kritik an Decker teilen kann (da gibt es Fuers und Widers).
    Was aber IMO nur indirekt zur Sprache kam, ist, dass es es eigentlich hier nicht vordergruendig um das Zur-Darstellung-Bringen einer gewissen Oper geht, sondern eher um "branding".


    Dies scheint mir, wenn man sich die Vermarktung gerade dieser Inszenierung anschaut, sehr deutlich. Damit verschiebt sich IMO der Fokus in der Diskussion dieser Inszenierung weg von dem Fragenkomplex rund um Bedeutung/Aufgabe der Regie hin zu dem Fragenkomplex rund um "Kunst und Kommerz" - der ja bei AN ohnehin nicht unbedeutend ist. Ich wuerde sogar so weit gehen - das sei jedenfalls provokativ(?) zur Diskussion gestellt -, dass die Logik dieser Inszenierung sich erst aus diesem eher wirtschafts-, als musik- oder theaterwissenschaftlichen Blickwinkel erschliesst.

    Viele Gruesse.
    Holger.

  • Liebe Freunde der Salzburger Festspiele!


    3sat wiederholt am Ostersonntag die umstrittene "Traviata" aus Salzburg:


    Sonntag, den 23.03.2008 20:15 Uhr


    La Traviata


    Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi
    Es spielen die Wiener Philharmoniker unter der Leitung
    von Carlo Rizzi
    Aufzeichnung aus dem Großen Festspielhaus,
    Salzburg 2005
    (In italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln)


    Violetta Anna Netrebko
    Alfredo Rolando Villazón
    Giorgio Germont Thomas Hampson
    Flora Helene Schneidermann
    Annina Diane Pilcher
    u.a.


    Inszenierung: Willy Decker


    Zitat

    Die Geschichte der schönen, schwindsüchtigen "Kameliendame" rührt seit 150 Jahren die Herzen: Violetta verzichtet auf ihre leidenschaftliche Liebe zu Alfredo, weil dessen Vater durch die Verbindung mit der Pariser Halbweltdame die Ehre der Familie bedroht sieht. Als Alfredo, durch Violettas selbstlose Entsagung gerührt, seine Entscheidung bereut, ist es jedoch zu spät. Zwar ist eine Versöhnung der Liebenden noch möglich, doch weiteres Glück bleibt den beiden versagt. Violetta stirbt in den Armen des Geliebten.
    Giuseppe Verdis Oper "La Traviata" feierte bei den Salzburger Festspielen 2005 einen triumphalen Erfolg. Nicht nur das "Traumpaar der Oper", Anna Netrebko und Rolando Villazón, sowie Thomas Hampson wurden mit Standing Ovations bedacht, auch die Regie von Willy Decker wurde enthusiastischaufgenommen. Am Pult der Wiener Philharmoniker stand Carlo Rizzi. Anna Netrebko ist seit ihrem triumphalen Auftritt als Ludmila in Michail Glinkas "Ruslan und Ludmila" ein gern gesehener Gast auf den internationalen Opernbühnen. Den endgültigen Durchbruch zur Weltspitze feierte die russische Opernsängerin mit ihrer Interpretation der Donna Anna in Mozarts "Don Giovanni" bei den Salzburger Festspielen 2002. Der Mexikaner Rolando Villazón begann seine Karriere nach seinem Debüt als Des Grieux in Jules Massenets Oper "Manon" 1999. Im März 2005 sang er zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper. Mit dem Alfredo in Verdis Oper "La Traviata" gab Villazón sein Debüt bei den Salzburger Festspielen. Der Publikumsmagnet Thomas Hampson ist ein gefeierter Star auf allen Opernbühnen der Welt. Abseits des Musiktheaters setzte er Maßstäbe als Liedinterpret


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Danke Harald für die Warnung, aber ich werde mir diese Aufführung nicht noch einmal geben,
    einmal hat gereicht.


    Liebe Grüße aus dem kühlen Wien.

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  • Ansonsten liebe Phillene finde ich die Ideen ganz gut, aber Kerzen und die Leuchter,wo die Kerzen bis zum Abtreten des Giorgio Germont brennen? -


    Da komme ich mir ja vor wie in der Tosca bei Scarpia.


    Aber vielleicht ist die Idee besser als die Uhr in Salzburg und die Flora als Lesbe.


    Liebe Grüße Peter aus Wien

    Einmal editiert, zuletzt von oper337 ()

  • Lieber Peter,


    die Uhr in der Salzburg Inszenierung finde ich persönlich genial.


    Sie zeigt, das die Zeit für Violetta unweigerlich abläuft, ob sie die Uhr nun mit bunten Tüchern abdeckt oder nicht. Ich bin kein großer Freund von Regietheater, aber ich bin auch kein absoluter Gegner. Diese Inszenierung ist m.E. nach so schlecht nun wirklich nicht.


    LG


    Maggie


    PS: Philhellene ist ein junger Mann namens Martin. :D

  • Meine Lieben,


    Lange habe ich gezögert, ob ich mir die DVD der Salzburger "Traviata" zulegen soll, aber nach der neuerlichen Ausstrahlung gestern bin ich endgültig davon abgekommen. Nicht, weil die Inszenierung etwa ein Schund ist und die Sänger nicht befriedigen, sondern weil hier mit Niveau die Hauptsache verfehlt wird.
    Willy Decker kann etwas, kein Zweifel, aber ihm fehlt das Verständnis für die Oper und die Musik; er inszeniert eine expressionistisches Seelenspektakel (und entfernt sich deshalb mitunter auch deutlich vom Libretto); alle die historistischen Feinheiten, die gerade für die "Traviata" so wesentlich sind, bleiben meist auf der Strecke. Historistisch jetzt bitte als Epochenbegriff gemeint. Das Subtile und Sublime des 19.Jahrhunderts ist ganz anders als die exhibitionistische Kraßheit des Neoexpressionismus.
    Vermutlich ist manches, was man in einzelnen Punkten aussetzen kann, auf das Gesamtkonzept abgestimmt. Carlo Rizzi z.B. bietet für mich gutes Repertoireniveau, aber musiziert zu vordergründig. Das etwas Knallige paßt jedoch nahtlos zum übrigen Stil auf der Bühne.
    Die Netrebko ist von ihrer dunklen Stimme her nicht ideal für die Violetta geeignet. Aber sie hat mich eher positiv überrascht. Ihre Persönlichkeit ist so stark und ihre Gesangsleistung immerhin so gut, daß man sich der Wirkung nicht entziehen kann. Die Violetta, die sie darzustellen hat und die sie singt, ist nicht die meine, aber sie nötigt mir sehr viel Respekt ab. Sehr störend (wie auch beim Alfredo) sind natürlich die von ihr natürlich unverschuldeten Laufeinlagen und dergleichen. Villazón berührt wie immer durch schonungslose Attacke, was beim Alfredo aber natürlich problematisch ist. Er (bzw. Decker) könnte bei Cesare Valletti lernen, wie man die Rolle mit Einsatz und trotzdem nicht dickfäustig interpretieren muß. Villazón vermag das, er hat es ja anderswo bewiesen. So aber wirkt er in manchen Augenblicken überzogen.
    Ähnlich ist das mit Hampsons Vater Germont. Ein beeindruckendes Organ, aber zu veräußerlicht. In der großen Arie gefällt er mir schon, und sein Hineinleben in die Rollenauffassung ist sehenswert, aber zu oft erinnert er mich an eine Kreuzung zwischen Gangsterchef und Frankensteins Monster. Ich mache ihm das aber nicht persönlich zum Vorwurf. So wie bei Netrebko und Villazón bleibt seine Leistung bewundernswert.


    Ziehe ich Verdi und das Original ab - dann ist das Resultat ein beachtliches Kunstwerk, aber mir gefällt das authentische Werk besser, wenn es sich um die Salzburger Festspiele handelt..


    LG


    Waldi

  • Lieber Waldi,


    Zitat

    original Waldi


    Ähnlich ist das mit Hampsons Vater Germont. Ein beeindruckendes Organ, aber zu veräußerlicht. In der großen Arie gefällt er mir schon, und sein Hineinleben in die Rollenauffassung sehenswert, aber zu oft erinnert er mich an eine Kreuzung zwischen Gangsterchef und Frankensteins Monster. Ich mache ihm das aber nicht persönlich zum Vorwurf. So wie bei Netrebko und Villazón bleibt seine Leistung bewundernswert.



    Deine Empfindungen kann ich nachvollziehen.


    Gerade Hampson gefällt mir auch sehr gut, gerade weil er in die Rolle hineinsingt. Deinen Vorwurf, das er wie ein Gangsterchef daher kommt, ist m.E. nach der ganzen Inszenierung geschuldet, die für meinen Geschmack zu wenig von der Oper übrig lässt.
    Mir gefällt eigentlich besonders die Assoziation der ablaufenden Zeit mit der überdimenzionalen Uhr darzustellen.


    Ich besitze die Einspielung der Traviata unter Solti, die ich der Salzburger Inszenierung vorziehe.


    LG


    Maggie

  • Ich weiß nicht, was soll ich dazu sagen.

    In meiner opernbegeisterten Jugend habe ich die Traviata nie auf der Bühne gesehen, ich weiß nicht warum. Vielleicht meinte meine sittenstrenge Mama, das sei nichts für mich???
    Das Regietheater von gestern Abend und die Akteure, Sänger führten dazu, daß ich eigentlich nur auf die Musik gehört habe. Mein Gott - wie einfach (wohl wirkungsvoll) gestrickt ist diese. :untertauch:
    Das so heftig diskutierte Bühnenbild hat mich nicht gestört - vielleicht weil es mich vom genauen Zuhören nicht abgelenkt hat.
    Ich bin offensichtlich völlig verdorben, an solcher Musik Genuß zu haben , da muß ich wohl mal in mich gehen.
    Ich habe mich richtig gelangweilt, denn alles aus der Bühne kam mir maniriert vor, nie realistisch (vielleicht den Alfredo ausgenommen). Aber so stirbt man nicht. Daran ist aber sicher auch Verdi schuld , der Violetta bis zum Schluß allerhand Noten aufgeschrieben hat.


    Meine Lust auf Opern hat der gestrige Abend keinesfalls erhöht.


    Lieben Gruß aus Bonn :untertauch: :untertauch: :untertauch:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

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  • Liebe Stabia,


    Komm ruhig unter dem Sessel hervor. Einfach und wirkungsvoll (auch ohne das "und" :D ) ist ja nichts Schlechtes. Würde ich die "Traviata" nur von dieser Salzburger Mischung her kennen, wäre sie bestimmt nicht eine Haupt-Lieblingsoper von mir. Bei Decker hat sie Längen, die ich sonst nicht spüre. Ich kann Dein Empfinden also nachvollziehen.


    LG


    Waldi

  • Zitat

    Original von Stabia
    Aber so stirbt man nicht. Daran ist aber sicher auch Verdi schuld , der Violetta bis zum Schluß allerhand Noten aufgeschrieben hat.


    Dieses Statement finde ich lustig. Man stirbt auch nicht mit ätherischem Singsang wie Gilda, während ein Messer im Herzen wütet; oder wie Posa mit einer Kugel im Leib, was ihn nicht hindert, uns mit einer volltönenden Abschiedsarie zu beglücken; oder wie Otello, dessen Tod Verdi geradezu zelebriert. Von all den langwierigen Giftmorden ganz abgesehen. Die Beispiele ließen sich endlos fortsetzen, gerade bei Verdi und den Italienern überhaupt, die in der Oper dem Todeskampf eine neue Dimension gaben. Mord hin, Selbstmord her - in der Oper muß beim Sterben gemeinhin gesungen werden. So wills der Brauch. Stell Dir mal vor,was uns an musikalischen Beglückungen verloren gegangen wäre, wenn die Herren Kompositeure auf Realismus bestanden hätten. Da wären die Helden zu guter Letzt nur noch tot umgefallen, wie der finstere Hunding; ein müder Wink von Wotan, und schwupps - schon ist er hin und der Akt zu Ende. Wo bleibt hier die Romantik? Wo bleiben die Taschentücher im Publikum? Da lob ich mir Mimi, die sich mollgeschwängert gleich ihrer Schicksalsschwester Violetta zu Tode hustet. Nein, nein, die vielen Noten, die Verdi oder Puccini ihren moribunden Damen aufhalsen, haben schon ihre Richtigkeit.


    Florian

  • Es bleibt einem nichts erspart, jetzt diese Inszenierung am Ostersonntag in 3sat zu bringen.


    Anna Netrebko, die ja für alles gut ist, Vöslauer Mineralwasser oder PLötzlich Prinzessin 2, wäre vielleicht keine schlechte Violetta, nur wirkt sie in ihrem ganzen Auftreten, auch in anderen Opern, derart lasziv, dass man ihr zwar die "ehrbare Dirne" abkauft (aber die ist von Sartre),


    mir gefällt das Ganze überhaupt nicht, weil es meiner Meinung nach falsch gebracht wird.


    Zum Bühnenbild passt ja viel, aber Verdi keinesfalls, da ist mir der alte Zefrirelli Film, mit Teresa Stratas und Placido Domingo, ja bedeutend lieber.

    2 Mal editiert, zuletzt von oper337 ()

  • Ihr Lieben,


    da ich die Salzburger Traviata noch nicht kannte, habe ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen.
    Die Inszenierung hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen:


    Die ständige Symbolik der Uhr und des allegorisierten Todes war meiner Meinung nach etwas zu dick aufgetragen und hat mich eher gestört als beeindruckt.


    Anna Netrebko war in vieler Hinsicht für mich eine positive Überraschung.
    Ihr dunkles Timbre ist meiner Meinung nach schon mit der Violetta vereinbar (jedenfalls eher als mit der Amina, von der ich allerdings mit AN nur einige Ausschnitte auf CD kenne).
    Die Aggressivität, die sie der Erotik besonders im 1. Akt mitgab, gehört zwar auch meiner Meinung nach, auch wenn man die Figur in die heutige Zeit überträgt, nicht unbedingt zu der Rolle der Violetta.
    Im 2. und 3. Akt hat sie jedoch einige sehr starke und berührende Szenen gezeigt.


    Überrascht hat mich - angesichts der Pin-Up-Attitüde, die ihr ja so häufig zugeschrieben wird - dass sie zu Beginn des 2. Aktes (in der "Versteckspiel-Szene") eine gleichzeitig ausgelassene, spitzbübische und sehr natürlich wirkende Facette zeigte, die gerade vor den weiteren Ereignissen des Aktes sehr berührend wirkte.


    Rolando Villazóns Alfredo ist zum Glück kein schmachtender "Lover", sondern ein trotziger junger Mann, der um seine Liebe kämpft - wenn auch letzen Endes vergebens.
    Stimmlich ging er mir für den Alfredo manchmal etwas zu sehr "in die Vollen", und auch seine Gestik und Mimik wirkten auf mich teilweise etwas überzogen - wobei ich aber berücksichtige, dass meine Position auf dem Fernsehsessel (und nicht im Theater) diesen Eindruck vielleicht verstärkt hat - bei Fernsehaufzeichnungen wirkt manches übertrieben, was sich im großen Raum des Theaters "verliert".


    Thomas Hampson schätze ich eigentlich sehr - dieser Germont gehört meiner Meinung nach jedoch nicht zu seinen Glanzleistungen.
    Sein Aufzug war ja nicht ihm anzulasten - wahrscheinlich hatte der Ausstatter zu viele Boris-Karloff-Filme gesehen. Aber sein Auftreten insgesamt zeigte meiner Meinung nach trotz beeindruckenden Singens zu viele aufgesetzt äußerliche Operngesten.


    Die Szenen der "Zigeunerinnen" und der "Matadore" waren ja ziemlich verfremdet, was mich zunächst befremdet, dann aber doch beeindruckt hat.
    Gezeigt wird hier eine "Spaßgesellschaft", die in ihrer Oberflächlichkeit und Aufgedrehtheit auch gleichzeitig aggressiv und bedrohlich wirkt - die idealistische Liebe zwischen Alfredo und Violetta hat vor dieser Kulisse keine Chance.


    Liebe Grüße
    Petra

  • Ich habe diese Traviata schon seit eingier Zeit auf DVD, als CD wâre sie für mich nicht nur neben der Kleiber-Aufnahme vollkommen uninteressant gewesen.
    M.E. war das eher eine mittelmässige bis maximal durchschnittlich gute Traviata, wobei ich die Leistungen der Protagonisten nciht abwerten will.
    A.N. hat die Rolle der Violetta ordentlich gesungen, war nicht heillos überfordert (wie teilweise evoziert wurde) aber auch keine Offenbarung. Mir gefällt ihr Timbre und Stimmfach für diese Rolle ebensowenig wie Waldi (wenn auch besser als bei der Sonnambula, aber am besten eben als Tatjana oder Rusalka oder Mimi) Villazon finde ich in der Rolle dagegen traumbesetzt, während Hampson für mich als Typ überhaupt kein Germont ist sondern viel besser einen zweiten Alfredo abgeben würde. Seine jugendlichen-Liebhaber-Qualitäten (auch stimmlich) und die Unmöglichkeit, ihn seriös als Villazons moralapostelnden Vater zu sehen, machen aber neue Deutungen möglich. Stimmlich ist und bleibt er für mich eine wahre Wonne.
    Was die Inszenierung angeht, bin ich da sehr gespalten. Sie hat in extremer Weise von der Ausstrahlung und Persönlichkeit der Protagonistin gelebt und wäre ohne Anna Netrebko gar nciht denkbar. Ob das aber der Sinn einer Inszenierung sein kann????
    Ich fand es interessant, eine Frau unserer Zeit in dieser Rolle zu erleben, obschon die Travaita-Geschichte in unserer Zeit kaum noch glaubwürdig wirken kann.
    Ein Vater wie Germont würde heute nur noch müde belächelt......


    Ich habe mir die DVD einmal angesehen und weiss nciht so recht, was ich davon halten soll. Netrebko sah hinreissend aus, Villazon und Hampson haben hinreissend gesungen, das Liebespaar war glaubwürdig (wenn auch in dieser Kissenschlacht - Szene Netrebko ein bisschen zu arg manieriert spielte), aber so richtig mitgerissen oder gar begeistert hat mich da trotzdem ncihts.
    Meine Traviata war das wohl auch nciht....... :no:


    F.Q.

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  • FQ


    Meine Traviata war das auch nicht!Du hast mit Deinen Bemerkungen in allem Recht.
    Mit der Inszenierung habe ich auch so meine Schwierigkeiten.
    Es ist leider so,das heute sehr viel auf bestimmte Sänger/innen inszeniert wird,
    das Ergebnis sehen wir dann leider in den folgenden Vorstellungen.


    Rita

  • Ich finde diese Traviata auch überbewertet (sie wird mindestens einmal im Jahr im Fernseher gesendet) , wenn sie auch Aspekte hat, die mir durchaus sehr gut gefallen.


    Meine Ohren sind "infiziert" von der Callas, da kann die Netrebko gar nicht mithalten. Wesentlich besser gefallen mir aber auch Cotrubas, Gheorghiu, Caballe oder Freni. Renata Scotto hingegen, die ich im dramatischen Fach sehr liebe, mag ich in dieser Rolle nicht. Netrebko hat vor allem im ersten Akt Probleme mit der Atmung, technisch ist sie auch nur durchschnittlich und erlaubt sich allzu oft, Verdi's Tempi frei zu gestalten. Es bleiben ihre Stimme und Bühnenpräsenz die letztendlich ihren Erfolg ausmachen. Mich persönlich hat sie in keinem Aspekt wirklich überzeugt.


    Hampson hat mich beim ersten Hinhören entäuscht. Das klang irgendwie nicht sehr nach Verdi, nachdem ich die Rolle des Germont von Gobbi, Bruson und Herlea gesungen gehört hatte. Auch der Charakter, den er zu spielen hatte war etwas ungewohnt. Doch nach mehrmaligem Anschauen der DVD habe ich meine Meinung geändert. Ich mag Hampson sowieso sehr und finde, dass er auch hier seiner Rolle aus Willy Decker's Sichtweise gerecht geworden ist.


    Villazon ist auch einer meiner Lieblingssänger, doch als ich diese Traviata zuerst auf CD gehört habe, hat mich sein übertrieben engagiertes Singen irgendwie genervt. Erst als ich die Inszenierung sah, begriff ich, dass er sich auch stimmlich dem Charakter angepasst hat, den er darzustellen hatte. Für mich macht er den beeindruckendsten Charakter dieser Inszenierung. Stimmlich und interpretatorisch mag ich ihn mehr in der neueren Aufnahme an der Seite von Renee Fleming (übrigens meiner Meinung nach auch eine bessere Violeta als Netrebko, trotz einigen wirklich sonderbaren Eigenheiten in ihrer Interpretation).


    Die Regie hat mich anfangs etwas verblüfft, doch ich fand sie zunehmend interessanter, je mehr Details ich entdeckte. Ich finde, auch wenn sie manchmal sehr unkonventionell ist, schafft sie es, eine neue, durchaus plausible Sichtweise dieses Dramas zu skizzieren. Willy Decker ist ein intelligenter Regisseur, der nicht wie andere im modernen Regietheater darauf aus ist, zu schockiern, sondern verfolgt eine klare Linie, die er mit Hilfe von schlichten Bühnenmitteln, aber umso pregnanterer Personenregie in die Tat umsetzt. Auch sein Don Carlo aus Amsterdam hat mich sehr beeindruckt. Gleiches kann ich auch von seinem Onegin für die Pariser Oper sagen. Bald werde ich in Stuttgart eine Tosca in seiner Regie sehen und weiter ist es für mich zweitrangig, wer die Interpreten sein werden.


    Fazit: Für mich lohnt sich das Anschauen dieser Inszenierung vor allem wegen der Regie und Villazon.


    Fiordiligi

    Einmal editiert, zuletzt von Fiordiligi ()

  • Als letzten Beitrag zum Wettbewerb um die "schönste Oper aller Zeiten" läuft eben in 3sat diese "Traviata". Nach ein paar Jahren Abstand zur damaligen Salzburger Übertragung habe ich mal wieder zugesehen - die Bühne gefällt mit immer noch nicht, Hampson ist kein Verdi-Bariton, Villazon übertreibts wie immer - aber Hut ab vor Anna Netrebko! Sie macht die ganze Vorstellung überhaupt erst erträglich - eben liegt sie in ihren letzten Zügen!


    Das Fernsehen vertraut jedenfalls auf Anna Netrebko als Zugpferd für die gesamte Kategorie Oper!


    Am 9. Januar 2010 gibt es dann die Auflösung, wer wird wohl gewinnen - die Zuschauer können bis zuletzt mit abstimmen!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Gerade diese Aufführung 2005 aus Salzburg war es, die mich im selben Jahr zu Tamino gebracht hat. Ich schrieb in einem anderen Forum, daß mir die Aufführung gut gefallen hat, worauf mir ein Herr aus Wien ein heftiges Contra zurückschrieb. Neugierig, wie ich bin, habe ich mich dann mal bei Tamino eingeloggt und bin hängen geblieben.


    Wie das Leben so spielt...


    Alfred, sei gegrüßt! :hello: :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

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  • Lieber Harald :



    macht Anna Netrebko diese ( im Ganzen misslungene ) Aufführung der Traviat aus 2005 erst erträglich , weil sie in ihren letzten Zügen liegt ?


    Ich habe die zigte Wiederholung auch gesehen .


    Am besten bleiben die übergrosse Uhr als Hinweis auf das nahende
    Ende der Vioeletta Valéry und Dr. Grenvil , der eher als Sensenmann erscheint denn als Arzt .


    Und das "Schlussbild" ! Das ist auf jeder Messe verwendbar : Schuhe , Kunststoff usw. . Ein Besuch auf der Düsseldorfer Messe lohnt sich als Vergleich . Die Messe in Düsseldorf schneidet besser ab .


    Am lautesten ( sich ) beklatscht am Ende hat Anna Netrebko .


    Gab es dazu einen Grund ausser dass das Medienspektakel vorbei war ?


    Ganz allgemein , weil hier die belibten sortiven Vergleiche angestellt werden :


    Ich blicke ( mindestens ) dreimal auf Callas - Aufnahmen ( mit di Stefano ; Dem grossen Cesare Valletti und Gianni Raimondi ) , aif die hier auch erwähnte auch nicht überzeugende Kleinberaufnahme , Aufnahmen mit Anna Moff H53de Güden 5n W5en !o ( weit besser als Netrebko , gesanglich wie darstellerisch und Signora Moffo war auch undlich darstellerisch überzeugender ! ) . Die Liste wäre noch länger .


    Wenn jetzt Frau Netrebko der M a s s s t a b für d i e Oper aller Opern sein soll , dann kann man nur der bekannten Aussage über den Wert von Opernhäusern zustimmen .


    Nicht zu fassen .


    Warum denn keine weitaus aktuell bessere Traviata , etwa Natalie Dessay ( 2009 in den USA ) ?


    Es geht doch gar nicht um grosse Kunst !


    Es geht nur um Geld , dumme Vermarktung ( diese eist offenbar mit Netrebko am renditebesten ) .

    Welch eine Violetta war in den 1960er Jahren Hilde Güden ( mit di Stefano übrigens als Alfredo ) an der Wiener Staatsoper !!!



    Beste Grüsse Dir !



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Selbstverständlich geht es nur um Vermarktung und um das liebe Geld.
    Ich kann Frau Netrebko nicht mehr sehen.
    Erst diese dämliche Boheme,dann bei Arte am Sonntag Netrebko und Villazon,
    dazu die unsägliche Traviata.


    Es gibt bessere Interpreten als diese beiden Sänger.
    Bei dem "Opernwetbewerb" der beteiligten Sender wird (leider)
    entweder Traviata oder Boheme gewinnen.
    Der Markt spricht Bände!!


    L:G:
    Rita


  • Liebe Rita,


    Du hast es selbst mit in der Hand, wer den Opernwettbewerb gewinnen wird! Jeder kann mit abstimmen, auch noch am 9. Januar abends - mach mit!


    Näheres hier.


    Lieblingsopern - ZDF-Theaterkanal


    LG


    Harald :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald :



    ein Wettbewerb setzt eigentlich voraus , dass dann auch verschiedene Aufnahmen einer Oper miteinander verglichen werden können .


    Dies ist hier n i c h t der Fall !


    Der hier im Forum immer wieder so herausgehobene Georg Solti war ein beknnender Bewunderer der Kunst von Renata Scotoo , deren Violetta im Vergleich zu der der Anna Netrebko ist wie ein Porsche "Cayenne" gegenüber einem Trabbi Kombi .


    Und Netrebkos oft viel zu hartes Italienisch müsste schon deutliche Abzüge brongen ( gerade in der "Bohème" ) . So hörbar schwach hätten eine Renata Tebaldi oder Scotto oder Moffo oder Calls niemals singen können . Und dann gibt es noch eine GA mit Rosa Ponselle !!! Wettbewerb ???


    Und asu aktueller Zeit noch Angela Gheorghiu , die ich einmal ausschnittsweise live mit Domingo erleben konnte .



    Beste Grüsse



    Frank


    PS.: Du müsstest doch präsent haben , wer in Düsseldorf z. B. die Violetta im Laufe der Jahre gesungen hat , den Alfredo und Giorgio Germont ?

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Ich habe mir auf 3sat 5 oder 6 der vorgestellten Opern angesehen.
    Die Traviata habe ich 2005 gesehen und danach ein paar Mal aud CD gehört und jetzt wieder gesehen:
    Mir gefällt an der Aufführung alles. Gerade im Vergleich zu den anderen, zT wirklich hochklassig besetzten Opern finde ich, dass diese Traviata mitreissend und wunderschön dargeboten ist. Man kann darüber diskutieren, ob die Musik ein bisschen mehr hätte Gas geben können, ob der etwas scheu wirkende Rizzi mit dem Rummel nicht überfordert war. Davon abgesehen weiß ich nicht, was an der Aufführung auszusetzen ist.
    Ich finde, dass die Protagonisten sich wirklich ins Zeug legen, ich bekam Gänsehaut und hatte einen Kloß im Hals, so bewegt war ich. Ich finde, dass Netrebko und Villazon damals wirklich um ihr Leben und letztlich für die danach explodierende Karriere gesungen haben. Gerade bei Netrebko finde ich nach nochmaligem Sehen, dass sie unglaublich gut war und ich konnte bereits in der Kritikerrunde 2005 nicht ganz nachvollziehen, was eigentlich an ihr kritisiert wurde. Sie ist wunderschön, man nimmt ihr die Rolle ab, sie spielt gut, sie harmoniert wunderbar mit Villazon, sie rennt sich die Seele aus dem Leib, singt wunderbar. Dass man eine so hübsche und begabte Sängerin zum Popstar aufbaut und sie auf Teufel komm raus vermarktet, ist doch nachvollziehbar. Wo ist denn die Konkurrenz, die so ein Gesamtpaket bietet? Und kann man es ihr verdenken, dass sie ein paar Mio verdient?
    Villazon hat sich danach kaputt gesungen und der Pavarotti-Freni-Karajan-Aufguss im Spielfilmformat mit Netrebko/Villazon ist vielleicht nicht die beste Bohème. Aber wenn die Leute sich freuen, sie im Kino anschauen zu können, warum nicht? Wann kann man Klassik denn sonst im Kino sehen???
    Hampson ist als Vater Germont eine hervorragende Besetzung. Klar, man wird sicher noch jemanden finden, der besser ist. Aber der Germont sen., der neulich in der 1992er Aufführung in der Scala zu sehen war, war deutlich schwächer. Hampson stellt halt auf der Bühne, insbesondere auf einer so riesigen, weißen Bühne halt auch was dar.
    Überhaupt die Bühne: Endlich weder historienüberfrachtet noch zu kühl (wie bei Kusejs Don Giovanii oder der Zauberflöte). Die Schauspieler können wirken, die Idee mit der Uhr und dem Tod/Arzt ist sinnvoll, aber trägt nicht auf, die Sänger bestimmen die Szene, ich finde die Inszenierung sehr gut.


    Es hilft nichts, immer die Historienschublade aufzumachen. Es geht hier um die Opern der Jetzt-Zeit und darum - und das finde ich sehr wichtig - dass sich möglichst viele Menschen für Oper und Oper im Fernsehen interessieren. Da kann man nicht mit Furtwängler und Callas ankommen. Vielleicht ist das hier im Forum nicht so, aber viele der Opern-DVD-Käufer wollen eben schöne Bilder und keine knackenden Schallplatten.


    Und dann noch was Allgemeines: Wenn vor Netrebko nur Scotto und Callas stehen und in den 50 Jahren dazwischen nicht viel fehlt und man dann noch überlegt, dass live und Studio Vergleiche schwierig machen, dann schneidet Netrebko nicht schlecht ab.


    Ich möchte meine Stellungnahme nicht als absolutes Pro-Netrebko und Pro-Modern verstanden wissen. Spätestens, wenn sie mit Domingo Tristan singt, ist es mit meiner Liebe vorbei. Aber ich denke schon, dass man sie in der einen oder anderen Rolle durchaus zu den besten zählen kann.

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  • Das Thema heisst die schönsten Opern a l l e r Zeiten und nicht wie PR-trächtigsten der letzten paar Jahre .


    Wilhelm Furtwängler stand hier bei der "Traviata" nie zur Diskussion und die von mir erwähnte Angela GHEORGHIU hat mit Frank Lopardo , Leo Nucci , dem Chor und Orchester des Ryal Oper a Houses Cocent Garden unter der Leitung von Georg Solti die Oper 1994 ( also nicht vor 50 Jahren ) bei DECCA aufgenommen .


    Bei der Aufnahme mit Frau Gheirghiu gilt der Satz des britischen Musikrezensenten A. Porter , dass es sich hier um eine Aufführung gehandelt hat, in der man alle Vergleiche zu früher vergisst ( Booklet zu der GA ) .


    Im übrigen : sehr gute Besetzung der Nebenrollen .


    Und Solti dirigiert mit grösster Einfühlsamkeit . 37 Jahre zuvor war er Chef in "Covent Garden" und hatte das Hasu wieder zu Weltrum geführt !


    Viele Grüsse



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Ich weiß gar nicht, warum ihr euch alle so aufregt :no:...


    Natürlich ist Frau Netrebko keine zweite Callas. Sie ist eine ordentliche Sängerin, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dass sie gut aussieht, das wird ihr keiner absprechen und dafür kann sie nichts. Naheliegend, dass sie besser vermarktet werden kann.


    Zitat

    Original von Rita
    Selbstverständlich geht es nur um Vermarktung und um das liebe Geld.


    Überlegt doch mal, was Frau Netrebko von ihrer Plattenfirma zu hören bekäme, wenn sie sagen würde: "Eigentlich will ich ja nur in Ruhe singen, sonst verliere ich irgendwann den Spaß an der Sache!"


    Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    [...] Die von mir erwähnte Angela GHEORGHIU hat mit Frank Lopardo , Leo Nucci , dem Chor und Orchester des Ryal Oper a Houses Cocent Garden unter der Leitung von Georg Solti die Oper 1994 ( also nicht vor 50 Jahren ) bei DECCA aufgenommen .


    Bei der Aufnahme mit Frau Gheirghiu gilt der Satz des britischen Musikrezensenten A. Porter , dass es sich hier um eine Aufführung gehandelt hat, in der man alle Vergleiche zu früher vergisst ( Booklet zu der GA ) .


    Dass das im Booklet der Aufnahme steht, dürfte logisch sein. Ist dir schon mal eine CD oder DVD begegnet, in deren Booklet negativ über die vorliegende Scheibe geurteilt wurde? Wohl kaum.


    Letztendlich: Regt euch nicht so auf. Netrebko und Villazon haben ihren Spaß an der Oper- ist doch gut! Dass dabei so manche(r) auf der Strecke bleibt, dafür können die beiden nun nichts, das kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen. Natürlich gibt es bessere Sänger als die beiden- und dass diese nicht vorgeschickt werden, liegt nicht nur daran, dass man es nicht will, sondern auch daran, dass man es nicht kann. Kaum hat man das Publikum an Netrebko und Villazon gewöhnt, schon kommen die Nächsten... Die beiden haben wohl auch eine große Portion Glück gehabt.


    :hello:

  • @ Frank Georg Bechyna:


    Das mit Gheroghiu mag schon sein, aber wenn es davon kein Video gibt, kann man die Oper schlecht im TV zeigen.
    Der Titel der 3sat-Serie ist ja "Die schönsten Opern aller Zeiten". Die Zuschauer dürfen ihre Lieblingsoper, nicht die Lieblingsinterpretation wählen. Es geht also nicht um Netrebko vs. Callas, sondern um Wagner vs. Verdi. Das Fernsehen ist bei seinen Ausstrahlungen aber natürlich auf bestimmtes Bildmaterial beschränkt. Allein aus Kostengründen zeigt man natürlich lieber Eigenproduktionen als für teuer Geld Rechte zu kaufen. Aber bei der Endabstimmung (man kann im Internet noch mitstimmen) kann man sich ja gegen Netrebko und für Schäfer entscheiden.
    Sicherlich wäre der Aufschrei jedoch sehr groß, würde man die flackernden Schwarz-Weiß-Aufnahmen von anno dazumal zeigen, weil sich dann die Leute ärgern würden und fragen würden, ob es nichts in Farbe gibt.


    Davon abgesehen: Wenn ich eine Oper SEHE, dann muss das Gesamtpaket stimmen. So, wie ich keine schlechten Kulissen möchte (wie beim Münchner Lohengrin), will ich auch Sänger, die die Rollen schauspielerisch ausfüllen. Das ist ja übrigens eines der Hauptprobleme Kleibers, dass er zwar tolle Studioaufnahmen gemacht hat, die so aber nie zu sehen gewesen wären (zB sein Tristan oder sein Freischütz). Und keiner wird wohl ernsthaft bestreiten, dass Netrebko als Violetta ausnehmend gut besetzt ist.
    Studioaufnahmen bei Opern, bei denen man sich die besten Leute zusammensucht, sind aus Kostengründen vermutlich vorbei. Und deshalb muss man sich mit den Live-Aufnahmen auseinandersetzen.
    Und drehen wir die Sache doch mal um: Wo ist denn derzeit die große Netrebko-Konkurrenz? Und wäre es anders, wenn man Dasch, Damrau oder Harteros auf die Bühne stellen würde?
    Ähnliches gilt im Übrigen für Villazon. Der ist halt nunmal nett und freundlich, everybody's darling. Es gibt nicht viele, die eine ebensolche Ausstrahlung haben (ich meine das nicht künstlerisch, sondern rein typbezogen), und die würden ebenso kritisiert. Oder würde man über Florez oder Kaufmann anders urteilen?

  • @ Luis.Keuco



    Eine Oper ohne Bilder kann ich mir auch mittels meines Vorstellungsvermögens über Inszenierung , Bühnenbild , Kostüme sehr genau vorstellen . Gerade übrigens bei "La Traviata" schon wegen des bekanntlich realen Hintergrundes .


    Aber "schöne Opernbilder ohne Musik ? Wie soll denn das gehen ?


    Die Rundfunk- und Fernsehanstalten haben durch die unsinnigen Zwangsgebühren ( statt eines über Steuermittel finanzierten deutlich abzuspeckenden Überapparates ) ( noch ) soviel Geld , dass sie durchaus in der Lage wären , auch sehr gute Produktionen zu kaufen .


    Und schwarz - weisse Filme sind meist dehr viel eindringlicher als die vielen bunten Bildchen in "modernen" Inszenierungen . Eine herausragende Aufnahme in Schwarzweiss ist eine "Tosca" mit Franco Corelli von ca. 1960 . Dagegen ist die kürzlich gezeigte "Tosca" aus Bregenz doch in jeder Beziehung ein Armutszeugnis .


    Grüsse ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Ich will überhaupt nicht bestreiten, dass schwarz-weiß was hat. Aber nicht für die breite Masse und für die macht man ja Fernsehen (Opium fürs Volk?). Und blöd ist leider auch, dass die Audiotechnik 1960 nichts so gut war wie heute.


    Bregenz ist übrigens ein schönes Beispiel: Da baut man eine nette Seebühne und schwups rennen die Leute den Betrteibern die Türen ein, da spielt die musikalische Qualität keine Rolle. Das gilt ja durchaus auch für Verona, wenn da die Altersheime und Jugendgruppen busweise hingekarrt werden. Es geht eben um den Event.(oder das Event?)
    Man zeigt ja die Tosca aus Bregenz, weil dann Tausende, die dort waren, das Ganze nochmal ansehen und das die Quoten treibt.


    Die ÖR-Rundfunkanstalten haben außerdem gar nicht so viel Geld, weil das ja für UNmengen von überflüssigem Personal ausgegeben wird, weil man ja seinen Parteifreunden und Speichelleckern gut dotierte Posten besorgen muss und außerdem gut vernetzt sein muss (hat da jemand Spitzel und Informanten gesagt?), um etwaige Störer zur Raison (hat da jemand Rauswurf gesagt?) zu bringen.


    Ich kann mir eine Oper zu Hause anhören und kann mir trotzdem die Atmosphäre etc vorstellen. Aber das hat dann eben nichts mit Fernsehen zu tun. Dann müsste man statt der Opernsendungen auf 3sat so einen Programmschwerpunkt mal im Radio bringen. Da könnte man dann auch nochmal andere Aufnahmen verwenden, weil es dann nicht so um die Bilder geht. Da könnten BR und MDR mal richtig schön aus dem Vollen schöpfen und die herausragenden Aufnahmen mit BRSO und Staatskapelle und Gewandhaus etc rausholen.

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