Resteverwertung oder Meisterwerk ? - - - Bachs "Brandenburgische Konzerte"

  • Die Aufnahme, die Reinhard Goebel mit der Musica Antiqua Köln Mitte der 80er Jahre veröffentlicht hatte, kommt im Beitrag 2 von BigBerlinBear vor.

    Wie sagt der Dirigent und Nicht-mehr-Geiger (Er bekam wegen der Lähmung der linken Hand aufgrund einer neurologischen Erkrankung Probleme) die Leute fielen vom Sofa wegen der gewählten hohen Tempi.



    Reinhard Goebel hat zu allen sechs Brandenburgischen Konzerten auf SWR Kultur aus seinem reichen Erfahrungsschatz je eine Sendung konzipiert.


    https://www.swr.de/swrkultur/m…hes-konzert-nr-1-100.html


    https://www.swr.de/swrkultur/m…hes-konzert-nr-2-100.html


    https://www.swr.de/swrkultur/m…hes-konzert-nr-3-100.html


    https://www.swr.de/swrkultur/m…hes-konzert-nr-4-100.html


    https://www.swr.de/swrkultur/m…hes-konzert-nr-5-100.html


    https://www.swr.de/swrkultur/m…hes-konzert-nr-6-100.html


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    Ich bin soweit, in meinen Beiträgen Rechtschraibfehler stehen zu lassen als menschlicher Protest gegen die perfekte KI-Welt.



  • ohne durch HIP oder NON-HIP Diskussionen abgelenkt

    Bei Bach stört mich die HIP oder NON-HIP-Frage kaum bis gar nicht. Mir ist eine Matthäuspassion von Klemperer oder Karajan auf ihre andere Art genauso lieb wie eine von Gardiner oder Koopman auf deren andere Art. Manchmal brauche ich da geradezu die Wucht der älteren, romantisierenden Machart. Bach ist irgendwie "unkaputtbar".

    Bei anderen Barockkomponisten verhält sich das dann mitunter etwas anders. Karajan z.B. hat auch Vivaldi-Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern gemacht. Das empfinde ich mitunter als ziemlich schwergängig. Bei Vivaldi würde ich eher in Richtung HIP drängen; Neville Marriner würde ich als Ausnahme aber immer einen Platz einräumen. Der hatte immer ein Händchen für barocke Musik. Er hat sie verstanden.


    Grüße

    Garaguly

  • Hier eine Einlassung von Reinhard Goebel:


    Nonplusultra der Musikgeschichte


    Liest sich recht gut, naja ...


    Zitat

    Das Konzert hat nur zwei Sätze, die nur durch zwei Akkorde getrennt sind. Goebel vermutet, dass selbst Johann Sebastian Bach keinen befriedigenden Mittelsatz für neun Solostimmen schreiben konnte.

    Dein Ernst jetzt? :/


    Zitat

    Dafür kann man an diesem Konzert gut die unterschiedlichen Aufführungspraxen im 18. Jahrhundert im Vergleich zur Gegenwart betrachten: Heute braucht man für die kuriose Besetzung der Brandenburgischen Konzerte viele gute Solisten.

    Wäre das einer KI auch passiert? Praxen gab es sicher einige, gemeint sind aber wohl die Praktiken, denn zu Aufführungspraxis gibt es keinen Plural.


    :thumbup:

    You might very well think that. I couldn't possibly comment.“ (Francis Urquhart)

  • Oha Ulli,


    du kennst dich also besser aus als Goebel ? Allen Respekt. Ich hatte alle Folgen im Radio gehört. Mir erschien Goebel sehr positiv und launig. KI wäre also besser gewesen als Goebel ? Donnerwetter....

  • Moin,


    was die deutsche Sprache angeht, ganz offensichtlich: ja. So mache Formulierung ist für mich irritierend, z.B.

    Zitat

    Das Konzert Nr. 5 war das Einzige, was zum Spielen vorgesehen war.

    Die anderen für die Schublade zum Studium? Aber der Text stammt ja ganz offensichtlich nicht von Goebel selbst: zwar steht einleitend „Von Reinhard Goebel“, doch weiter unten: „Zwar wiederholen sich Motive doppelt im Zweiten Konzert, doch Goebel glaubt nicht an solche Scherze.“ - das widerspricht sich.


    Was Bach anlangt, bin ich sicher nicht besser als Goebel: ob die KI hinsichtlich der „Aufführungspraxen“ besser gewesen wäre, war ja gerade meine Frage ... :/


    Die Sache „Für die einen sind es zwei Akkorde, für die anderen der kürzeste langsame Satz der Welt“ wäre mal eine genauere Betrachtung wert. :S

    You might very well think that. I couldn't possibly comment.“ (Francis Urquhart)

  • Die Aufnahme, die Reinhard Goebel mit der Musica Antiqua Köln Mitte der 80er Jahre veröffentlicht hatte, kommt im Beitrag 2 von BigBerlinBear vor.

    Wir sollten sie hier noch einmal erwähnen. Leider bietet unser Werbepartner sie momentan nicht an



    aber diese spritzige Aufnahme hat es verdient, gehört zu werden. Hier das fünfte Brandenburgische Konzert aus dem Sendesaal des Deutschlandfunks in Köln. Andreas Staier spielt den Cembalopart, der anfangs fast schon etwas virtuos ist


  • Eine kurze scheinbare Themenabweichung - und eigentlich beim "wirklichen" Thema:

    Der von mir gewählte - scheinbar despektierliche - Titel kam auf Grund einer in einem der unzähligen Booklettexte enthaltenen Mitteilung zustande, wo erwähnt wurde, daß die dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt (1677–1734) gewidmeten Werke aus "alten Beständen stammten. Die Hoffnung auf einen wie immer gearteten Vorteil erfüllte sich indes nicht. der Markgraf bezahlte oder honorierte die ihm gewidmeten Werke (nach heutigem Wissensstand) nicht.


    Im Rahmen der Threadrestaurierung und der damit verbundenen Recherche, sowie Inventur meiner in der Sammlung enthaltenen Aufnahmen des Werks, bin ich draufgekommen, daß mir Die Konzerte 4-6 mit "The English Concert" unter Pinnock fehlen.

    Meine Trauer darüber schlug indes in Freud um, als ich folgende Aufnahme aus dem Jahre 2019 fand. Ein zweiter Aufguß ? -keineswegs

    Ein neu formiertes Orchester, ein wunderbarer Klang- gute Kritiken (schlechte werden ja meist nicht veröffentlicht).Fazit: Die Aufnahme ist an mich unterwegs: Ich werde bei Gelegenheit berichten.....



    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Gestern ist die hier gezeigte Aufnahme der Brandenburgischen Konzerte bei mir eingelangt. Es ist die zweite Aufnahme Trevor Pinnocks dieser Werke. Wenn man die englische Wikipedia anwählt bekommt man wesentlich mehr Informationen, als bei der Deutschen. Hier wird erstmals der Grund für sein Ausscheiden aus "The English Konzert genannt" - er wollte sich (so stehts zumendest dort geschrieben) wieder mehr dem Cembalospiel widmen. Die nun hier gezeigte aufnahme entstand mit dem "European Brandenburg Ensemble", einer Formation, die 2006, anlässlich des 60. Geburtstags von Pinnock gegründet wurde, ein Kurzzeitprojekt bestehend aus Musikern aller Herren Länder und Generationen, nicht für die Ewigkeit bestimmt, aber man wollte sich 2011 wieder treffen. Darüber ist nichts näheres bekannt, deshalb gehe ich davon aus, dass es nicht stattgefunden hat. Es gab einige Tourneen und das Orchester erzielte mit der gezeigten Aufnahme einen "Gramophone-Award"

    Ich habe die Aufnahme nun kritisch gehört - und sie har zweifellos ihre Meriten. Allerdings vermisse ich das, was ich an Pinnocks erster Aufnahme mit "The English Concert" so geliebt habe: den eleganten leicht geschönten Klang (was nicht jedermanns Geschmack ist, wie wir wissen) Hier wird wieder "naturbelassen" gespielt, nicht unbedingt wie Harnoncourt - aber doch ein wenig in die Richtung hin tendierend. Hier will ich nicht urteilen, denn "The English Concert" ist mein absoluter Favorit unter ALLEN "historisch informierten" Orchestern....


    Hier eine Kostprobe aus der gezeigten Aufnahme (Konzert Nr 6)



    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Hier eine Kostprobe aus der gezeigten Aufnahme (Konzert Nr 6)



    Es wundert mich ehrlich gesagt etwas, dass diese Kostprobe Dir so zusagt. Ich finde, dass hier die Balance zwischen themenführenden Instrumenten und Begleitung nicht ganz stimmt und man die polyphonen Strukturen recht schlecht hört (ich habe nur in den ersten Satz reingehört). Insgesamt wirkt das fast wie ein Streicher-Brei, klanglich ansprechend, aber ohne rechte Textur.


    Ich habe spontan mal mit einer anderen Aufnahme verglichen (vom FBO), in der ich die Durchhörbarkeit weitaus besser finde (bitte ggf. draufklicken, das sechste Konzert beginnt ca. bei 1:17):



    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

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  • Es wundert mich ehrlich gesagt etwas, dass diese Kostprobe Dir so zusagt.

    Eigentlich war mein Text eher neutral, wobei ich der Aufnahme des English Concert den Vorzug gab. Die "Kostprobe" wurde auch nicht positiv kommentiert, sondern als Hörprobe - passend zur gezeigten Aufnahme - verlinkt..

    LG

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU