Charles Koechlin, der unbekannte Franzose

  • Hallo Robert,


    Zitat

    Sagt mal, geht es Euch auch so? Ich habe den Eindruck, als ob die Koechlin-CDs immer schnell ausverkauft sind...


    für meinen Fall kann ich diese Aussage nicht bestätigen. Als ich mir vor ein / zwei Wochen die Doppel-CD mit Koechlins Vokalwerken mit Orchester bestellte (allerdings bei jpc), war sie vorrätig auf Lager und wurde mir innerhalb von zwei Tagen zugesandt.
    Und ich muß sagen, ich bin vollkommen begeistert von der anrührenden Schönheit dieser Orchesterlieder wie des Chorwerks 'Chant Funèbre' aus der frühen Schaffensperiode des Komponisten bis ca. 1910.
    Bleibt nur zu hoffen, daß Hänssler diese hoch verdienstvolle Reihe mit Koechlins Werken konsequent weiterführt.


    Schöne Grüße
    Johannes

  • Die Hänssler-Reihe ist in der Tat erstklassig. Wenigstens sind sie bei cduniverse für unter US-$15.00 zu haben...


    Ich muß wohl einfach Geduld haben :yes:

  • ... und ein wahres Wunderwerk der Instrumantationskunst, der Akkorde und der Farben ist auch die wundervolle Sinfonische Dichtung "Le Docteur Fabricius", die Charles Koechlin während des Zweiten Weltkriegs komponierte. Den Titel übernahm er von der Novelle eines Onkels, des Philosophen Charles Dollfus.


    Die Erzähler der Geschichte sieht sich mit den Zweifeln des in der Einsiedelei lebenden Docteur Fabricius am Sinn des Lebens konfrontiert: "Das Leben ist nichts als Betrug, die Natur ist gleichgültig ohne Ende, sie benutzt uns, um das Leben in Bewegung zu halten, und tut nichts, um unser Leiden zu mindern..." (hier zitiert nach dem Booklet der Aufnahme). Doch beim Anblick der nächtlichen Gestirne findet der Gast des Einsiedlers Frieden, neue Hoffnung und den Glauben an eine höhere Ordnung.


  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Charles Koechlin schätzte aufgrund seiner spezifischen Klangeigenschaften das Violoncello sehr. Doch finden sich in seinem umfangreichen Werk nur sehr wenige Kompositionen für dieses Instrument.
    Der Cellist Peter Bruns, der übrigens eine bemerkenswerte Einspielung der Cellosuiten von Johann Sebastian Bach vorgestellt hat, und die Pianistin Roglit Ishay haben zwei Werke für Violoncello und Klavier auf CD heraus gebracht.



    Die „Chansons bretonnes“ sind 1931 entstanden und enthalten zwanzig Lieder, der dritte Teil blieb bis anhin unveröffentlicht. Zu dieser Zeit zeigte Koechlin Interesse für Volksmusik und modale Skalen. Als Basis nahm Koechlin die 1839 publizierte Sammlung „Barzaz Breiz“ (Poetische Schatzkammer der Bretagne) mit denen er sehr behutsam umgegangen ist. Die Texte der Lieder sind relativ düster und beschreiben das Mittelalter mit ihren Kreuzzügen, König Artus oder den Druiden. Es sind Lieder ohne Worte zu dessen Atmosphäre das Cello ganz gut passt und melodisch oft im Vordergrund steht aber das Klavier nicht zum untergeordneten Begleiter verkommt. Oft ist von der Dramatik der Texte in der Musik nichts zu spüren, sondern entstanden sind einfühlsame und schlicht wirkende Miniaturen. An den Volksliedern aus der Bretagne übte Koechlin wohl den Umgang mit der kleinsten musikalischen Einheit. Die Lieder sind kurz, meisten keine zwei Minuten und doch entstehen ganz unterschiedliche Stimmungen.
    Das zweite Werk auf der CD von Koechlin ist die bereits 1917 komponierte „Sonate pour violoncello et piano op. 66“. Diese sehr viel kürzer gefasste Sonate ist vor allem im Mittelsatz ausserordentlich schwierig. Die Sonate besteht aus drei Sätzen, die thematisch miteinander verwoben sind.
    Bruns spielt exakt, technisch versiert und mit Insbrunst und passt sein Spiel an die Einfachheit der Melodien an mit modulationsfähigem Vibrato. Der Klavierpart von Ishay unterstützt den Cellisten bestens.


    Herzliche Grüsse


    romeo&julia

  • Hallo,


    Charles Koechlin ist ein Komponist, der auch mir einige Freude bereitet hat. Ich schätze an den mir bekannten Werken, dass sie gut überlegt und dennoch gleichsam unterhaltend wirken. Eine gewisse Leichtigkeit, im Sinne von "frischer Brise", durchzieht die Musik ziemlich wohltuend.


    Da sie noch nicht genannt wurde, möchte ich auf meine folgende CD hinweisen, die ich interessant finde und besonders mag:



    Sie beinhaltet u.a. die beiden Sonatinen für Oboe d´amore mit Begleitung von Flöte, Klarinette, Harfe und Streichsextett (also eine ziemlich französischklingende Besetzung) sowie die Sonate für Oboe und Klavier op. 58. Sowohl die Sonatinen als auch in Teilen die Sonate klingen etwas träumerisch und romantisch, erinnern manchmal etwas an Kodalys "Sommerabend".


    Die Oboensonate ist faszinierend, ein gewichtiges Werk. Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde, sie nimmt bereits etwas, ganz besonders im langsamen Satz, die Gefühlssphären des modernen Jazz á la Keith Jarrett / Jan Garbarek vorweg, und dies mehrere Jahrzehnte vorher. Ich beziehe dies nicht auf die Rhytmik, sondern die Atmosphäre und vielleicht auch Melodieführung. Wäre es nicht die Oboe, sondern das Sopransaxophon, und würde die Musik etwas swingen, so wäre das Werk ein Kandidat für das ECM-Label.


    Meines Erachtens ist Koechlin gemessen an der Qualität seiner Musik in Deutschland zu unbekannt.


    Gruß,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Ich erinnere mich gerade, einmal bei einem Recital ein Koechlin Lied mit dem Titel: "Si tu le veux" (oder so ähnlich) gehört zu haben, das mir sehr gut gefiel-es war ein wenig im Reynaldo-Hahn Stil komponiert und sehr französisch. Den Komponisten Koechlin kannte und kenne ich aber bis dato gar nciht.
    Klingsor erwähnt oben Lied-Cds. Kann jemand die vielleicht hier bitte näher vorstellen oder benennen und die Cover evtl reinstellen? Wie heissen die Lieder, die Du, lieber Klingsor, so himmlisch findest? Wer singt das? ?(


    Merci
    Fairy Queen

  • Liebe Fairy Queen,


    die Lieder die Klingsor meinte, stammen aus der vorbildlichen Hänssler-Veröffentlichung mit einer Auswahl von erlesenen Orchesterliedern Koechlins (unter Leitung von Heinz Holliger und mit der hervorragenden Juliane Banse als Solistin),


    Charles Koechlin (1867-1950): Vokalwerke mit Orchester
    Quatre Poèmes d' Edmond Haraucourt, opus 7; Deux Poèmes Symphoniques für Orchester, opus 43 Nr. 2; Poèmes d' Automne, opus 13; Deux Poèmes d' André Chénier, opus 23 Nr. 1; Trois Mélodies, opus 17 Nr. 2 & 3; Études Antiques für Orchester, opus 46 Nr. 2-4; Six Mélodies sur des Poésies d' Albert Samain, opus 31 Nr. 1; Chant Funèbre à la Mémoire des Jeunes Femmes Défuntes für gemischten Doppelchor, Orgel und Orchester, opus 37 1902-08
    Juliane Banse, Sopran; SWR Vokalensemble Stuttgart; RSO Stuttgart des SWR, Heinz Holliger
    Hänssler, 2004, 2 CD



    die ich in diesem Posting bereits wärmstens empfohlen habe:


    Charles Koechlin, der unbekannte Franzose


    :hello:
    Johannes

  • Danke! Kommt sofort auf die Liste!!!!! :angel:
    Ich habe Juliane Banse mit einer sehr interessanten Cd aus Mozart und Debussy-Liedern in Begleitung von Andras Schiff und schätze besonders ihre grosse Musikalität.
    Es muss aber auch Klavierfassungen der Lieder geben, denn ich habe das Lied in einem Recital mit Klavier gehört. Wisst ihr ob es davon auch Aufnahmen gibt oder sind diese Fassungen nur als posthuime Vereinfachung entstanden?
    F.Q.

  • Hallo.


    Ich denke, dass man jede Gelegenheit nutzen sollte, für Koechlin die Werbetrommel zu rühren. Denn im vergangenen Jahr habe ich wenig an Musik erworben, das mich so beeindruckt hat wie Koechlin. Und - um mich all den Vorrednern anzuschließen - es ist wirklich eine Schande, wie selten er hierzulande aufgeführt wird. Ich würde mir wünschen, dass beispielsweise Rattle mit den Berlinern oder Nagano sich einigen dieser Werke annehmen würde.
    Bis dahin schätze ich die Arbeit, die das SWR-Radiosinfonieorchester unter Heinz Holliger leistet, außerordentlich.


    Meine Koechlin-Entdeckungsreise wurde initiiert vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk (da weiß man doch, wofür man Gebühren entrichtet), bei dem ich Streichquartette von Koechlin hörte, die mich in ihrer ruhigen, aber dabei sehr intensiven Art so beeindrucken, dass ich mir die Aufnahme wenig später holte. Und seitdem in unregelmäßigen Abständen die kleine Koechlin.Sammlung ausbaue. Derzeit sind es der Docteur Farbicius und die Heures Persanes, die ich immer wieder mit großem Gewinn höre.


    Gruß, Ekkehard.

  • Hallo Uwe


    Vielen Dank für Deinen CD-Hinweis. Diese Aufnahme kennen wir nicht, obwohl wir schon einige Aufnahmen mit Musik Koechlins besitzen. Besonders das Label Hänssler classics muss hier positiv erwähnt werden und natürlich im gleichen Atemzug auch Heinz Holliger, der sich unermüdlich für das Werk Koechlins einsetzt.


    Noch eine Frage zu der Aufnahme von audite, wann wurde diese Aufnahme eingespielt und welche Stücke sind auf der CD enthalten?


    Beim deutschen Label cpo wurde bereits eine Koechlin-CD mit dem Oboisten Lencsés veröffentlicht, enthalten sind die Stücke;
    Deux Monodies pour Hautbois op. 213
    Le Repos du Tityre pour Hautbois d'amour op. 216
    Monodie pour Cor anglais op. 216
    Quatorze Pièce op. 179


    Gruss


    romeo&julia

  • Hallo romeo&julia,


    die Stücke der Oboen-CD wurden im November 1989 aufgenommen Es handelt sich hierbei um:


    - Sonatine für Oboe d´amore mit Begleitung von Flöte, Klarinette, Harfe und Streichsextett op. 194 Nr. 1 (1942-43)
    - desgl. op 194 Nr. 2 (1942-43)
    - Sonate für Oboe und Klavier op. 58 (1911-1916)
    - Monodie für Englischhorn op. 216 Nr. 11 (1947)


    Schöne Grüße,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Ich muss gestehen, gelesen hatte ich den Namen "Koechlin" insbesondere hier im Forum schon öfters, aber die Spur dann irgendwie nie so richtig weiterverfolgt, bis vor rund zwei Wochen: Da las ich hier irgendwo eine Besprechung der ersten Folge der Klavierwerke Koechlins, gespielt von Michael Korstick, der ja eben nicht "nur" Beethoven kann, sondern sich offenbar auch im französischen Repertoire recht wohl fühlt, wenn man an seine Aufnahme der Konzerte Darius Milhauds erinnert. Jedenfalls habe ich mir diese CD daraufhin bestellt:



    Was ist drauf- auf der CD? Fast satte 80 Minuten, im Einzelnen:


    Andante quasi adagio, op. 20,11
    Sonatine, op. 87,1
    L´Album de Lilian, op. 139
    Sonatine, op. 87,2
    Paysages et marines, op. 63
    Sonatine, op. 87, 3
    L´Album de Lilian (zweite Fassung), op. 149 (Auszüge)
    Sonatine, op. 87, 4


    Die Kompositionen stammen aus den Jahren 1895 - 1935.


    Und nach dem ersten Hören war ich so fasziniert, dass ich die Aufnahme gleich ein zweites Mal hören musste. Korstick schrieb im Beiheft über die technischen Schwierigkeiten, die einem Pianisten bei Koechlins Musik erwarten: Technisch sehr fordernd, aber man dürfe diese Schwierigkeiten nie hören, so Korstick- und das gelingt ihm: Das klingt alles so schwere- und mühelos, nie muskulös.


    Woran oder an wen mich die Musik Koechlins erinnert? Ich weiß es nicht. Debussy? Der scheint für mein Empfinden in jedem Fall gelegentlich einmal durch. Aber doch hat Koechlin eine ganz eigene Tonsprache, auch wenn ich das noch nicht so in Worte zu fassen vermag.


    Herzliche Grüße,


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Hallo,
    ich höre gerade eine CD aus Bibliotheksbeständen, die neben einer Aufnahme der Offrande musicale sur le nom de BACH op.187 als Dokument der Vorbereitung der UA am 19.5.1973 in Frnakfurt am Main noch einen Hörfunktext enthält, in welchem sich der achtzigjährige Komponist 1947 über seine Komposiotionstätigkeit äußert. Allerdings nimmt ein Großteil der knapp achtminütigen Erzählung eine Schelte über die Kritikerzunft ein. Ein Zeichen dafür, dass KOECHLIN Zeit seines Lebens darunter litt, so wenig Anerkennung zu erfahren(?). So schließt er auch seinen Beitrag mit den Worten: "Lassen si mich hoffen das man trotzdem darauf kommt, und daß ich, wenn ich noch ein paar Jahre lebe, meine Zweite Symphonie, die "Offrande musicale sur le nom de BACH" und meine symphonische Dichtung "Le Buisson Ardent"" hören kann..." Dieser Wunsch wurde ihm nicht erfüllt.
    Im Anschluss an seine Erläuterungen spielte er noch zwei Stücke aus seinem Werk L'ancienne masion de campagne op.124 (Nr. 3 & 12), die ebenfalls auf der CD enthalten sind.
    Das Begleitheft der CD, welche 1991 in der Edition Michael Frauenlob Bauer erschien, enthält auch die deutsche Übersetzung seines Hörfunktextzes von 1947.


    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Lieber pt_concours,
    offenbar existiert die Edition MFBauer nichtn mehr, zumindest habe ich im Web nichts mehr gefunden. Schade, ich hätte gerne das Interview gehört. Spricht Koechlin deutsch oder französisch?


    Die Rezeption Koechlins ist eine Schande - und ist es bis heute geblieben. Dieser Komponist gehört zu den besten seiner Generation, seine Instrumentierungstechnik ist epochal, jeder Kompositionsschüler sollte vergattert werden, Koechlins "Traité" zu studieren, um wirklich etwas über Klang zu erfahren.


    Abgesehen davon hat Koechlin einige Werke geschrieben, die schlicht zum vollendetsten gehören, was die Konzertliteratur dieser Epoche besitzt.


    Ich habe mich oft gefragt, woher die Mißachtung kommt. Sicher hängt sie damit zusammen, daß Koechlin sich nie für sich selbst eingesetzt hat, sondern stets nur für andere, die oft weit weniger begabte Komponisten waren als er selbst. Es kann auch mit dem Schwierigkeitsgrad seiner Musik zusammenhängen. Vielleicht auch mit seinem Platz zwischen allen Stühlen. Ich glaube aber, die Mißachtung hängt auch mit etwas Anderem zusammen: Koechlin ist ästhetisch kaum zu fassen. Führen wir uns vor Augen, daß viele seiner Werke scheinbar Programmmusik sind, und zwar so konkret, daß verbal in den Partituren steht, was gerade vorgeht. Programmmusik zu Lebzeiten Koechlins war jedoch eher "out", zumal in Frankreich, wo man selbst über dÌndy bereits die Nase rümpfte und Dukas' (freilich genialen) "Zauberlehrling" als Höhepunkt und Abschluß der Angelegenheit betrachtete.


    Wenn Koechlin also Programmmusik schreibt, so würde man annehmen, einen Konservativen zu hören, der kaum, wenn überhaupt, über Dukas hinausgeht. Aber in Koechlins Werk treten neben die polytonalen Schichtungen auch Dreiklangsoasen, weitgespannte Monodien und zwölftönige Bildungen - und zwar mitunter im selben Werk. Zuhörer, die ihre eigene fest geformte Ästhetik mitbringen (und dazu gehören auch viele Kritiker), sind mit Koechlins Vielgestaltigkeit völlig überfordert.


    Nun merkt man zwar, daß Koechlin immer nach Koechlin klingt, ob es nun ein tonales Werk ist oder ein zwölftöniger Abschnitt, aber diese Wendigkeit nimmt man Strawinskij ab, der seine neoklassizistischen Werke aus quasi-objektiver Perspektive schreibt, aber nicht dem subjektiven Ernst Koechlins, der die Mystik des Urwalds zu einer Zeit beschwört, da der Konzertbesucher fast nur noch die Profanität der Städte begreifen kann.


    Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit, denn der Filmfanatiker Koechlin ließ sich von Leinwandstars zu einigen seiner besten Werke inspirieren - doch abermals oh weh: Wer nun eine üppige Filmmusik erwartet oder zumindest deren Parodie, wird abermals bitter enttäuscht, denn Koechlin nimmt sein Thema ernst. Und denkt gar nicht daran, etwa in seiner "Seven Stars Symphony", den musikalischen Anspruch tiefer anzusetzen als beispielsweise im "Dschungelbuch".


    Die Kritiker sind heute mit Koechlin immer noch überfordert (oft kennen sie ihn nicht einmal dem Namen nach) - was Wunder, daß sie zu Lebzeiten Koechlins noch weniger mit seiner Musik anfangen konnten.


    Daß sich der große alte Mann über die Mißachtung kränkte, ist verständlich - und zutiefst erschütternd, wenn man auch von anderen Menschen, die ihn kannten, gehört hat, wie verbittert er war, daß man sich um ihn keinen Deut scherte. Andererseits ist es bewundernswert, wie konsequent er seinen Weg gegangen ist und welch herrliches Oeuvre er uns hinterlassen hat. Vielleicht kann wirklich nur der Einsame solche Gipfel erklimmen.


    :hello:

    ...

  • Ich interessiere mich besonders für die Klavierlieder Koechlins, habe inzwischen auch einige Noten, aber keine Aufnahme.
    Sie sind nur ganz vereinzelt auf Lied-Sampler mit Melodies françaises versteckt.
    Weiss da jemand Abhilfe?


    Die Kammermusik steht auch auf meiner WarteListe, denn wer solche herrlichen Lieder schreiben kann, muss ein Meister der kleinen Form sein.


    Sein Liedschaffen spricht unmittelbar an, auch Leute, die weder den Text verstehen, noch etwas vom frz. Lied wissen- das ist einfach eine zauberhafte Musik und trotz "modernem" Klangteppich nicht schwierig zu vermitteln. Vielleciht war es das, was ihn verdächtig machte und ins Abseits stellte?
    So wie ja auch Reynaldo Hahn....... :(


    F.Q.

  • Liebe Fairy Queen,
    da schaffe ich doch gerne Abhilfe. Was hieltest Du von dieser CD:
    http://www.hyperion-records.co…sp?al=CDA66243&f=koechlin
    Sehr sauber und idiomatisch richtig gesungen, kann ich sehr empfehlen als Orientierungshilfe.


    A propos:

    Auf diese Weise lernte ich Reynaldo Hahn kennen und lieben. Mittlerweile verehre ich auch "Ciboulette" - das ist Charme pur. Und wie elegant er seine wirklich frische Harmonik einsetzt! Vielleicht sollte man aus ihm auch einmal einen Thread machen...


    :hello:

    ...

  • Lieber Edwin, dein Link ist eine potentielle Schatz-Cd und ich danke von Herzen!!! :lips:
    Es gibt ja sogar ein Feenlied... "Aux temps de fées"


    Allerdings sind die Hörbeispiele ein bisschen seltsam von Echos und Hintergrund"chören" durchsetzt, trotzdem hört man , dass es sich um serh gute Interpretationen handeln muss.Die Cd steht nun ganz oben auf der Liste!!!!


    Der Reynaldo Hahn Thread harrt schon lange seiner Geburt und ist eigentlich fast ausgetragen , aber ich kann mir im Moment kein Wochenbett leisten.
    Was sich bis Ende Februar eher verschlimmern wird. Aber er kommt!!! E ist schliesslich noch kein Baby im Bauch geblieben :D
    Hebammen bzw Ammen sind serh erwünscht.
    Und wie ich mich freue, dass nun sogar du diesem so oft als zu léger und ekklektisch geschmähten Komponisten etwas abgewinnen kannst, muss ich wohl kaum betonen. :]
    Für mich ist er die Inkarnation der besten Seite des französischen Charmes und der intelligenten Eleganz der Belle Epoque.
    Es gibt viele unbekannte, nciht verlegte/eingespielte Werke, die ich dank Jacques Rideamus Findigkeit udn seiner Radiomitschnitte nun hören konnte.
    Ausserdem hat Peter P. mir zwei tolle Raritäten-Cds besorgt auf denen Hahn selbst dirigiert, spricht und singt.
    Was wäre ich ohne Tamino????? :angel:
    Aber all das und das und noch mehr kommt in den passenden Thread.
    Die derzeit beste Einspielung der Hahn Lieder ist m.E. Susan Grahams CD


    Sie gehört wirklich zu meinen Unverzichtbaren.


    Salut de la douce (froide....)France à Vienne :hello:

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Lieber pt_concours,
    offenbar existiert die Edition MFBauer nichtn mehr, zumindest habe ich im Web nichts mehr gefunden. Schade, ich hätte gerne das Interview gehört. Spricht Koechlin deutsch oder französisch?


    Daß sich der große alte Mann über die Mißachtung kränkte, ist verständlich - und zutiefst erschütternd, wenn man auch von anderen Menschen, die ihn kannten, gehört hat, wie verbittert er war, daß man sich um ihn keinen Deut scherte. Andererseits ist es bewundernswert, wie konsequent er seinen Weg gegangen ist und welch herrliches Oeuvre er uns hinterlassen hat. Vielleicht kann wirklich nur der Einsame solche Gipfel erklimmen.


    Lieber Edwin,


    es handelt sich nicht um ein Interview, sondern um ein Monolog, KOECHLIN spricht auf französisch zu den Zuhörern.
    Zur Edition MFB (CD 019) konnte ich leider auch nichts im Web finden, zufällig aber hier eine ältere Auflistung zu Einpeilung von KOECHLINs Werken.


    "http://www.musikmph.de/rare_music/composers/f_l/koechlin_charles/1.html"


    Übrigends hast Du den Charakter von KOECHLINs Ausführungen mit Deinen letzen Sätzen bereits sehr gut "vorausgeahnt", denn in der Tat spricht der Komponist vom Leben eines Wolfes, dass er trotz aller Kargheit um der Freiheit Willen, dem eines (Hof)Hundes vorgezogen hat- und immer wieder vorziehen würde...
    (die Übersetzung des Textes im Booklett der CD stammt übrigends -wie ich gerade bemerke- von Herbert Henck.)


    Dessen Einspielung des Werkes "Les Heures Persanes" op.65 wurde ja bereits erwähnt. Vor eingien Jahren hat die Pianistin Kathryn Stott auch eine Einspielung diese Zyklus vorgelegt.



    Gibt es hier schon Erfahrung damit?



    Auch das Klavierdou Tal & Groethuysen hat KOECHLIN bereits eine CD gewidmet:



    - Suite op. 19
    - Le Portrait De Daisy Hamilton op. 140 (89 Skizzen zu einem Imaginären Film) (Auszug)
    - 4 Sonatines Francaises op. 60 (Auszug?)
    - Danses Pour Ginger op. 163
    - Suite op. 6


    Ich werde wohl bei Gelegenheit mal einen Thread zur Klaviermusik von KOECHLIN eröffnen (müssen)...


    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Charles Louis Eugène Koechlin (* 27. November 1867 in Paris; † 31. Dezember 1950 in Rayol-Canadel-sur-Mer, Département Var) war ein französischer Komponist und entstammte einer weit verzweigten Familie von Erfindern, Ingenieuren, Industriellen und Künstlern, die über Jahrhunderte im elsässischen Mülhausen ansässig war. Schon sehr früh kam er mit Musik in Berührung. Erste Kompositionsversuche unternahm er schon als Fünfzehnjähriger.


    Koechlins Kompositionen stoßen seit etwa zehn Jahren auf ein zunehmendes Interesse der musikalischen Öffentlichkeit, dies nicht zuletzt durch die – in Kooperation von SWR und dessen Radio-Sinfonieorchester Stuttgart mit dem Dirigenten Heinz Holliger sowie mit Hänssler Classic und dem Archiv Charles Koechlin (Kassel) – produzierte Reihe von CD-Veröffentlichungen.

    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Fünf Jahre ist hier nichts mehr gepostet worden, dabei hat Koechlin dieses Jahr seinen 150. Geburtstag. Der Werbepartner listet inzwischen eine ganze Reihe CDs, aber das ist offensichtlich noch immer nur ein kleiner Ausschnitt aus seinem umfangreichen Oeuvre. So habe ich gerade auf youtube eine Aufnahme seiner ersten 45-minütigen Symphonie entdeckt, von dessen Existenz ich bis heute nichts wusste, eine zweite gibt es auch, dazu noch die berühmte Seven-Stars-Symphonie. Die erste ist von 1916 oder von 1926. Da gehen die Angaben bei youtube und wikipedia auseinander. Ein sehr französisch klingendes Werk, das geradezu nach einer modernen Aufnahme schreit (die bei youtube ist unbekannter Provinienz und in mäßigem Mono). Ach, es gibt noch so viel zu entdecken.


  • Wer keine Zeit hat, die dreiviertelstündige Erste Symphonie Koechlins zu hören (oder Zeit hat, aber fürchtet, sie könnte zu lange werden), den möchte ich auf die "Hymne an die Sonne" hinweisen.
    Im Grunde ist auch das ein Satz aus einer Symphonie, nämlich aus der "Symphonie d'hymnes", bestehend aus "Hymne au soleil" (Sonne), Hymne au jour (Tag), Hymne à la nuit (Nacht), Hymne à la jeunesse (Jugend) und Hymne à la vie (Leben); die letzte braucht zusätzlich einen Chor.
    Wie im "Dschungelbuch" sind die einzelnen Teile getrennt voneinander entstanden, Koechlin hat sie erst später zur Symphonie zusammengefügt. Und nun ist etwas Interessantes zu beobachten: Obwohl die "Nacht" früh entstanden ist und "Jugend" eher spät, und obwohl "Nacht" eindeutig aus der Romantik kommt und die anderen Stücke eindeutig spätere Erfahrungen verarbeiten, geht durch das Werk kein Bruch, denn trotz stilistischer Unterschiede dominiert eine Einheit des Denkens, eine Einheit der Persönlichkeit.
    Nach wie vor halte ich Koechlin für eine der bedeutendsten schöpferischen Kräfte im Frankreich des 20. Jahrhunderts - und dementsprechend bin ich unverändert der Meinung, es wäre an der Zeit, ihn in die Konzertsäle zurückzuholen.


    ...

  • Hallo


    Es ist vielleicht Zeit, Charles Koechlin hier im Forum mal wieder aus der Versenkung zu holen.


    Ich besitze seit Kurzem die in Post 37 vorgestellte Aufnahme früher Orchesterlieder mit Juliane Banse.

    Ich bin überwältigt und überrascht. Überrascht darüber, dass ich ihn bislang nicht auf dem Schirm hatte.


    Seine Orchesterlieder haben jetzt jedenfalls einen Platz neben denen von Maurice Ravel, Claude Debussy und Gabriel Fauré.


    Es gibt seltsamerweise wenige CDs mit Liedern mit Klavierbegleitung.


    Bestellt habe ich aktuell diese Scheibe:



    Gruß Wolfgang

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo