Prokofieff Sergej - Die Violinkonzerte

  • Hallo Taminoaner,


    mit ist gestern Abend aufgefallen, daß es gar keinen Thread zu den beiden Violinkonzerten von S. Prokofiev in unserem Forum haben.


    Beide Konzerte zeichnen sich für mich durch eine unglaublichen Ideenreichtum aus und in beiden steckt sehr viel "Humor" wie ich finde und Lyrik.
    Desweiteren bieten beide extreme Möglichkeiten für den Solisten seine Fähigkeiten darzustellen! Wobei die Konzerte aber nicht zu reinem Solistenkornzert verkommen.


    Eine der wohl größten, vielleicht die größte Aufnahme, des zweiten Violinkonzerts ist sicherlich die Aufnahme mit Jascha Heifetz.



    Insgesamt gibt es wohl mehr Aufnahmen des zweiten VC als vom ersten. Sehr gerne "gekoppelt" mit den ersten VC von D. Schostakovitsch.


    Mir gefallen diese beiden Konzerte, wobei ich zugeben muß, daß es einige Zeit gedauert hat bis ich den "richtigen" Zugang zu den Werken hatte.

  • Zitat

    Original von Richard
    .... wobei ich zugeben muß, daß es einige Zeit gedauert hat bis ich den "richtigen" Zugang zu den Werken hatte.


    Ich denke, dass ist das größte Problem, das bei uns liegt:
    Mozart zB ist "sehr einfach zu versehen" und würde ich Anfängern als Einstieg in die E Musik anbieten und sich dann mehr und mehr hocharbeiten. In der letzten Stufe liegen dann Bernstein und Schönberg (u.a) Kompositionen.


    Es ist also genau wie beim Klavierspielen. Man beginnt bei einton-Tonleitern und endet bei der h moll Sonate

  • Hallo Richard,


    ich kenne das erste nur von Julia Fischer gespielt, das zweite nur mit Jascha Heifetz. Eigentlich sind das zu wenig Vergleichsmöglichkeiten, um wirklich eine vernünftige Aussage machen zu können, aber dennoch möchte ich auf Nathan Milstein hinweisen, von dem ich beide Konzerte kenne. Ich habe die Konzerte nicht so häufig gehört, aber eben, als ich meine Höreindrucke etwas auffrischte, dachte ich, dass mir einfach gefällt, was ich da höre (auch die Orchesterbegleitung übrigens), ohne dies weiter analysieren zu wollen:



    Violinkonzerte Nr. 1 & 2
    +Violinsonate Nr. 2
    Nathan Milstein (Violine), Artur Balsam (Klavier),
    Philharmonia Orchestra, Carlo Maria Giulini,
    Rafael Frühbeck de Burgos


    Gruß, Cosima


  • Cosima,
    die Milstein Aufnahme steht recht weit oben auf meinem Wunschzettel!

  • Hallo,


    Meine Aufnahmen sind ebenfalls die von Julia Fischer und Jascha Heifetz. Zudem habe ich die beiden Violinkonzerte mit Ruggiero Ricci.
    Aber Zugang habe ich zu den Konzerten noch nicht gefunden.
    Ich habe sowieso einige Zugangsprobleme zu Prokofieff, weiß aber auch nicht, warum. Ausnahme ist das 3. Klavierkonzert, das war vom ersten Hören an klar.
    Mal sehen, wann ich Zugang zu den Violinkonzerten kriege. Ich arbeite dran - im Player liegt gerade die Julia-Fischer-CD. ;)



    Gruß, Peter.

  • Um auch mal diesen Thread aus der Versenkung zu holen....


    Ich habe das zweite von Kopatchinskaja. Der Einstieg ist wundervoll. Das ganze VC ist lyrisch, verspielt, lebendig und mit trotzdem moderatem Tempo. Mir gefällt besonders der erste Satz, weil er so melodisch ist. Der Schluss des zweiten Satz, weil er für mich etwas trotzig trauriges ausstrahlt. Und natürlich das erste Thema des dritten Satzes. Ich weiß nicht wieso, aber es kommt mir bekannt vor, und es spricht mich direkt an, mit seiner drängenden Melodie.


    Tatsächlich war dieser dritte Satz, dass was mich auf Prokofjev aufmerksam gemacht hat. Wer so einen tollen und eingängigen Satz schreiben kann, von dem wollte ich noch mehr hören. :hail::hail:



    Das Erste VC habe ich bis jetzt "nur" von Vilde Frang. Aber da kommt die Tage noch die hier häufiger erwähnte Einspielung von Julia Fischer bei mir an. Von daher warte ich noch, bis ich mich dazu äußere.

  • Ich habe mir jetzt - zum Kennenlernen - die günstige Mintz/Abbado /CSO bestellt ........

    Gruss aus Bruchsal


    Karl-Heinz

  • :evil: Verdammt, ich komme wegen Tamino heute nicht ins Bett ! :D


    Aber hier kurz meine Lieblingsaufnahmen der Prokofieff-Violinkonzerte:
    Das VC Nr.2 finde ich mit Heifetz/Münch (RCA) unübertroffen ... eine Aufnahme die mich bereits früher auf LP geprägt hatte. Besser habe ich das VC 2 nie mehr gehört ...


    Aber beide VC zusammen sind auch mit Stern/Metha ganz grosse Interpretationen, die allen Stimmungen und bei Bedarf auch an Virtuosität an nichts zu wünschen übrig lassen. (Die beiden Bartok-Rhapsodien mit Stern/Bernstein als famose Beigabe !):



    SONY, 1982 (VC), 1962 (Rh), DDD/ADD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Es gibt übrigens schon einen etwas längeren Thread zum 1. Konzert.
    (Auch wenn ich mich in diesem alten Thread etwas distanziert geäußert habe, halte ich das 1. Konzert für das bessere und sicher eines der wichtigen Violinkonzerte des 20. Jhds.)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

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  • Das ist gut, daß darauf hingewiesen wird, ich habe gestern das erste in zwei Interpretationen gehört, und werde mich dort anschließen.
    Für hier möchte ich lediglich anmerken, daß ich durch Frieses wiederbeleben DIESES Threads angeregt wurde, die Prokofieff-Violinkonzerte hervorzuholen und (nach ca 20 Jahren Pause)wieder zu hören. Meine Eindrücke waren ganz anders als damals als heute, ich werde ein paar Zeilen über das 1. im Spezialthread schreiben - und dem 2. so nicht schon vorhanden - ebenfalls einen eigenen Thread spendieren.....


    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Auch wenn ich mich in diesem alten Thread etwas distanziert geäußert habe, halte ich das 1. Konzert für das bessere und sicher eines der wichtigen Violinkonzerte des 20. Jhds.


    Hallo Johannes,


    ich möchte nun nicht das VC Nr.1 gegen Nr.2 ausspielen. Ich schätze Beide ... aber, dass es das Bessere ist, mit der Meinung stehst Du glaube ich relativ alleine da.


    Wenn Du Dirdie Discographie ansiehst, wirst Du feststellen, wie zahlreich man das VC Nr.2 alleine auf CD vorfindet und wie oft es auch gegenüber dem VC Nr.1 auch in Konzerten aufgeführt wird. Grosse Geigensolisten, wie Heifetz, Kogan, Mullowa, Jansen findest Du nur mit dem VC Nr.2.
    :!: Nein, das VC Nr.2 ist eindeutig das Beliebtere und wie ich auch finde - das Bessere. Es ist auch für den Solisten dankbarer und hat viel virtuosere Passagen zu bieten und einen umfangreicheren und komplexeren musikalischen Aufbau.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Viele Jahre bin ich mit dieser gut klingenden Decca-Aufnahme beider VC ausgekommen ... das war mein erster Kauf auf CD.
    Heifetz/Münch des VC Nr.2 hatte ich vorher und zunächst nur auf LP (RCA).


    Gleich war mir bewusst geworden, das Chung nicht das Einfühlungsvermögen mitbringt; schon gar nicht so exemplarisch, wie die Heifetz/Münch-Aufnahme (RCA) es mustergültig vormacht.
    Das gilt auch für die Orchesterbegleitung unter Previn; denn mehr als das höre ich hier nicht. Beileibe keine schlechte Aufnahme, die die junge Geigerin hier vorlegt, aber hört man Vergleiche, so erkennt man, dass die wirkliche Grösse aus bleibt.



    Decca, 1977, ADD


    Die CD blieb bis heute wegen des Strawinsky-VC in meiner Sammlung.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ich habe mir jetzt auch noch das 2. Violinenkonzert von Janine Jansen mit dem LPO unter Jurowsky geholt. Unter anderem weil ich auch das Brahms und Bartok Konzert von ihr habe und die gefallen mir sehrgut.


    Und auch diese CD gefälltmir direkt. Besonders das Zusammenspiel von Solistin und Orchester ist klasse und klingt in meinen Ohren klangschön modern spannend. und tatsächlich gerade wegen dem Zusammenspiel gefällt es mir noch besser als Kopatchinskaya mit dem gleichen Orchester und Dirigenten. Die beiden Zugaben auf der CD. Die Sonate für 2 violinen Op.56 und die Sonate für Violine und klavier Op. 80 Nr.1, kannte ich beide vorher gar nicht, habe ich mir aber mit Genuss angehört. Nicht zuletzt wegen der guten Aufnahme, bei der man wirklich alles hört.

  • Die Prokofieff _ VC habe bisher keine grosse Resonaz bei TAMINO gefunden - schade.


    Durch meine Neuanschaffung mit Gergiev habe ich ja alle Konzerte und Sinfonien in exemplarischen Aufnahmen vorliegen.


    91kNrqUVvKL._SY445_.jpg

    ARTHAUS, 2016, DTS 5.1


    Das VC 1 wird von Leonidas Kavakos gespielt. Die Aufführung findet hier in der Tschaikowsky Concert Hall Moskau statt. Das Konzert mit dem Mariinsky Theater Orchester hat mich mehr überzeugt, als alle meine CD - Aufnahmen von beiden VC (Stern/Bernstein (SONY), Chung/Previn (Decca), Sitovetzky/Davis (Virgin).

    Hier könnte man fast der Meinung von Johannes Roehl (Beitrag von 2017) zustimmen, der das VC 1 für das Bessere hält.


    Das VC 2 ist mir definitiv vom Solisten Kristof Barati zu langsam interpretiert; Gergievs Begleitung gelingt perfekt und voller Detailreichtum fabelhaft ausgehört, aber ohne das ich den rhythmischen Zugang erfüllt sehe. Es mag am langsamen Tempo liegen.

    Sicher ist auch hier wieder meine Prägung entscheidend, denn besser und rhythmischer als die packende Aufnahme mit Heifetz/Münch (RCA) habe ich das Konzert nie wieder hören können ... und mit dieser Heifetz-Aufnahme steht das VC 2 bei mir wieder an erster Stelle !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang


  • Ganz großes Können, welches Prokofieffs Werken in ihrer stilistischen Vielfältigkeit voll gerecht wird. Für mich eine Referenzaufnahme, welche ich Mintz/Abbado an die Seite stellen würde: Lisa Batiashvili mit Yannik Nezet-Seguin.



    clck 9000

  • Längst vergriffen ist diese Aufnahme der beiden Violinkonzerte D-Dur Op. 19 und g-Moll Op. 63 von Sergei Prokofieff und seiner Violinsonate D-Dur Op. 115.


    Gil Shaham spielt die Geige. Das London Symphony Orchestra und André Previn begleiten ihn.


    Meine Präferenz gilt dem ersten Konzert.




  • Obwohl ich ja seinerzeit - eigenartigerweise - schon im Thread über das Violinkonzert Nr 1 einige Zeilen geschrieben habe, will ich es hier wiederholen. Zum einen, weil viel Zeit vergangen ist, zum andern weil ich mich kaum erinnern kann. Hier werde ich -innerhalb weniger Tage auch was zum Violinkonzert Nr 2 schreiben, welches von einigen hier als das schwächere bezeichnet wurde. Mal sehen.

    zum dritten, um diesen Thread hier zu beleben und weitere Mitschreiber anzulocken.

    Es ist ja wohl klar, daß ich als eingefleischer Anhänger der Wiener Klassik nicht unbedingt geeignet bin Violinkonzertze von Prokofieff zu "rezensieren"

    Immerhin habe ich heute wieder die Nr 1 gehört. Nicht mein Beuteschema, aber auch nicht verstörend und ablehnend dem Werk gegenüber.

    Es ist aber wohl klar, daß es sich hier um ein bedeutendes Violinkonzert des 20. Jahrhunderts handel.

    Das war indes bei der Uraufführung anders. Hubermann und andere Violinvirtuosen lehnten es ab das Werk einzustudieren,sodaß bei der Premier, 1923 in Paris, der Konzertmeister des Orchesters den Solopart übernehmen mußte (lt Überlieferung war er der Aufgabe durchaus gewachsen) Das Publikum reagierte eher kühl bis durchwachsen. Ein Pariser Kritiker meinte "Mendelssohnismen" herauszuhören, was bestimmt nicht als Kompliment gedacht war.

    Ich kam zu dieser Aufnahme weil ich - speziell in jüngeren Jahren ein Bewunderer Perlmans war, ohn zu wissen inwieweit Prokoffieff zu ihm passt. Hier dürfte ich eine gute Hand gehabt haben, heute, 46 Jahre nach ihrem Erscheinen ist die Aufnahme noch immer im Programm

    Die Kritik schrieb dereinst:

    Zitat

    »Perlman spielt mit außerordentlicher Virtuosität,mit kaum zu überbietender rhythmischer Brillanz. Gennadi Rozhdestvensky ist am Pult des BBC Symphony Orchestra, dessen Chef er über einige Jahre war,der ideale Sekundant. Von der vorliegenden Aufnahme jedenfalls geht der Reiz des Außerordentlichen aus.« (FONO FORUM)



    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Banner Strizzi
  • Längst vergriffen ist diese Aufnahme der beiden Violinkonzerte D-Dur Op. 19 und g-Moll Op. 63 von Sergei Prokofieff und seiner Violinsonate D-Dur Op. 115.


    Gil Shaham spielt die Geige. Das London Symphony Orchestra und André Previn begleiten ihn.


    Meine Präferenz gilt dem ersten Konzert.

    Diese ist auch meine bevorzugte Aufnahme der Konzerte! Meine Präferenz gilt hingegen eher dem zweiten Konzert Op. 63, was auch an dem sehr reizvollen Andante assai liegt.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Da meine Lieblingsaufnahme wahrscheinlich etwas ausgefallen ist, möchte ich sie doch hier vorstellen. Es handelt sich um die vielleicht nicht ganz so bekannte, nichtsdestotrotz nicht weniger ausgezeichnete Geigerin Franziska Pietsch, die mit ihren Prokofieff Einspielungen einen emotional mitnehmen kann.



    Ich schwanke immer wieder ein wenig, ob mir das erste oder zweite besser gefällt. Momentan wieder das erste!