Willkommen im Mainstream - Nachhaltige Wiederentdeckungen einst unbekannter Komponisten

  • Ohne den Verdacht erwecken zu wollen, daß mir die Ergebnisse nicht zusagten, erlaube ich mir den Hinweis, daß ein repräsentativer Teil der Klassikhörer - nicht nur im fortgeschrittenen Alter - computer- und internetfeindlich eingestellt ist.
    Daß der Geschmack von Internetbenutzern anders ist, als jener von Internetvermeidern habe ich schon in der Form vor Augen geführt bekommen, daß die Schallplattengeschäfte die meisten im Forum als "Referenz" empfohlenen Aufnahmen gar nicht auf Lager haben.
    Das wäre EINE Möglichkeit der Interpretation.
    Eine andere wäre vielleicht, daß speziell jene Dinge im Internet gesucht werden, die man im Tonträgerhandel - auch im auf Klassik spezialisierten - üblicherweise schwer bekommt. Reger beliebt ? Nie und nimmer !! Faure ? Da lachen ja die Hühner :hahahaha::stumm:


    Jahrhundertwende:


    Puccini - Mahler - Debussy* - Strauss - Rachmaninov - Ravel


    Wer wäre vor 60 Jahren nicht dabei gewesen ? - Vielleicht sogar Mahler ???


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Du meinst, dass amazon das Angebot an den Geschmack der internetaffinen und somit untypischen Klassikhörer anpasst?
    Aber ich stimme zu, dass Bruch wohl deutlich beliebter ist als Reger, dennoch weniger bei der amazon-Suche herauskommt - weil es eben nur ein Stück ist, das immer wieder aufgeführt/eingespielt wird.

  • Klar hat Reger nichts geschrieben, was nur annähernd so beliebt wäre wie Bruchs Violinkonzert Nr. 1 oder dem Kol Nidrei. Auch einen Hit wie das Fauré-Requiem hat er nicht geschrieben. Im großen und ganzen glaube ich aber schon, dass die Amazon-hits repräsentativ sind. Sicher ist Fauré in Mitteleuropa kein Renner (außer vielleicht sein Requiem) aber Frankreich ist halt auch größenmäßig kein Furz, und dort ist er durchaus beliebt, nicht zuletzt seiner Lieder wegen. Auch die Briten schätzen französische Liedkunst durchaus. Bei uns kommt das nicht so gut an.

  • Wie angedeutet, ist es relativ schwer den Komponisten eines der 5-10 beliebtesten Violinkonzerte, von dem sonst kaum etwas einigermaßen bekannt ist, mit einem der 5-10 beliebtesten Requieme, von dem sonst eine Handvoll Kammermusikwerke einigermaßen bekannt sind (aber natürlich nicht so populär wie besagtes Violinkonzert) und mit einem zu vergleichen, der in zwei Nischen, die in der Musizierpraxis weit relevanter sind als auf dem Tonträgermarkt, sehr bedeutsam ist.
    Für deutsche Organisten ist Reger vermutlich nach Bach der wichtigste Komponist, für Chormusik der Romantik/Spätromantik kommt er bald nach Mendelssohn und Brahms. Das mag eine "andere Welt" sein als die Abonnementkonzerte der Wiener Philharmoniker, aber nichtsdestoweniger klassische Musik, die weit verbreitet musiziert und rezipiert wird. Und zumindest die Mozartvariationen und die Böcklin-Suite sind m.E. bekannter als irgendwas Orchestrales von Pfitzner, das Klavierkonzert hat einige prominente Fürsprecher (Rudolf und Peter Serkin, Oppitz) usw. Die Kammermusik ist exotischer, aber allein aufgrund der Seltenheit von Sachen für Violine und Cello solo hat Reger hier eine weitere Nische.


    Auf jemanden wie Raff trifft aber nichts von alledem zu. Weder hat er einen einzelnen Hit noch eine zentrale Stellung in einem Nischengebiet wie Kirchenmusik. Seine anscheinend wichtigste Musik ist Orchestermusik und deren Präsenz ist meines Wissens weitestgehend auf Tonträger beschränkt. Und ich sehe nicht so recht, wie er sich im Livekonzert zwischen Berlioz, Mendelssohn, Schumann, Brahms usw. auf Dauer Geltung verschaffen können soll.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Du meinst, dass amazon das Angebot an den Geschmack der internetaffinen und somit untypischen Klassikhörer anpasst?


    Nein, so meine ich das nicht. Ein Versandhändler braucht ja prinzipiell das Angebotene nicht auf Lager zu haben. Es ist somit völlig risikofrei. Ein Versandhändler kann prinzipiell ALLES anbieten. Und wenn nur zehn Stück eines ausgefallenen Werkes, das sich des hohen Risikos wegen niemand auf Lager legt, verkauft werden - dann wird das vermutlich der Internethändler verkaufen....


    Eine Randbemerkung: Persönlich halte ich die ERFOLGREICHE Präsenz eines Werkes (und auch Künstlers) auf Tonträger für wichtiger als im Konzert. (In Bezug auf Künstler starte ich zudiesem Thema binnen 24 Stunden einen eigenen Thread...)
    Dem wird sich vermutlich nicht jeder anschliessen....


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Eine Randbemerkung: Persönlich halte ich die ERFOLGREICHE Präsenz eines Werkes (und auch Künstlers) auf Tonträger für wichtiger als im Konzert.


    Ich stimme zwar zu, dass es von hohem dokumentarischen Wert ist, ein Werk überhaupt mal auf Tonträger zu haben. Sehr vielen Werken würde man sonst nie begegnen, auch solchen berühmter Komponisten. Aber was ist "erfolgreiche Präsenz"? Doch wohl mehr als eine einzige halbwegs zufriedenstellende Aufnahme. Bibers Mysteriensonaten sind sicher erfolgreich präsent und hier kommt eben eine besondere aufführungstechnische Schwierigkeit dazu.
    Aber ich halte es schon für einen großen Unterschied, ob ein Werk in einer Aufnahme vorliegt oder ob es einigermaßen häufig gespielt/inszeniert und auch häufiger eingespielt wird. Man würde Händels "Flavio" kaum als etabliert betrachten, weil es eine oder zwei Aufnahmen der Oper gibt. Bei "Giulio Cesare" oder "Alcina" ist das anders. Die sind im Repertoire etabliert

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  • Wie schaut das im Barock aus?
    Ich tippe mal auf:
    Monteverdi, Schütz, Cavalli, Lully, Buxtehude, Charpentier, Biber, Corelli, Pachelbel, Purcell, A. Scarlatti, F. Couperin, Albinoni, Vivaldi, Telemann, Rameau, Händel, JS Bach, D. Scarlatti, Pergolesi, CPE Bach, Gluck
    Hierbei haben Cavalli und Biber wohl deutliches Popularitäts-Plus erlebt. Aber sonst hat sich nicht viel getan, oder? Oder ist die Liste überhaupt viel zu lang?


    In der Liste müßten ein paar Namen ausgetauscht werden (ich rechne jetzt mal Renaissance zum Barock) : Cavalli, Charpentier, Biber und CPE (noch Barock ?) sowie Gluck raus und Tallis und Dowland rein. Eventuell auch di Lasso und Palestrina rein, obwohl die beiden schon immer bekannt waren. Aber sie sind m.E. nach in den letzten Jahren noch mainstreamiger geworden.

  • Monteverdi, Schütz, Cavalli, Lully, Buxtehude, Charpentier, Biber, Corelli, Pachelbel, Purcell, A. Scarlatti, F. Couperin, Albinoni, Vivaldi, Telemann, Rameau, Händel, JS Bach, D. Scarlatti, Pergolesi, CPE Bach, Gluck


    Prinzipiell gäbe es an der Liste nur wenig auszusetzen, vielleicht sollte man CPE Bach und Gluck herausnehmen - ich würde sie eher der Vor- oder Frühklassik zuordnen.


    Im Gegenzug dafür würde ich Graupner, Fasch und Heinichen hinzunehmen. Vom Mainstream sind sie vermutlich meilenweit entfernt - aber auf jeden Fall "nachhaltige Wiederentdeckungen" die man jetzt zumindest dem Namen nach kennt.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Zwei Gedanken zum Thema:


    - Entgegen einer geschriebenen Meinung finde ich, dass Arriaga mit seinen Quartetten schön langsam in den Mainstream einsickert. Zumindest finden sich diese Quartette relativ häufig in den Konzertprogrammen. Auch die Diskographie ist für derart wenige Werke bemerkenswert umfangreich.


    - Ein anderer Name, der vor 50 Jahren nur Spezialisten geläufig war, ist John Field. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich dessen Bekanntheitsgrad stark gesteigert und eine umfangreiche Diskographie ist entstanden (sie übertrifft in der Wertung von Felix Meritis sogar Pfitzner und Raff!)

  • Wir haben Glück, dass heutzutage die Frage, ob etwas "Mainstream" ist oder nicht, nicht mehr dieselbe folgenreiche Bedeutung hat wie früher. Kleine Labels wie cpo, MDG oder Hyperion, aber auch Riesen wie Naxos, nehmen von allen möglichen Komponisten gerne zahlreiche Werke auf. Ich besitze z.B. die meisten Clementiklaviersonaten mindestens dreifach - vor 25 Jahren wäre das vollkommen unmöglich gewesen. Auch mit Field kann man sich gut eindecken. Trotzdem bleibt eine große Lücke zwischen dem Repertoire, das die Stars oft und gerne aufnehmen, und dem, welchem sich Spezialisten widmen. Sowohl Arriaga als auch Clementi, z.B., können jeweils nur eine Einspielung von Interpreten von Weltrang vorweisen: Arriagas Streichquartette gespielt vom Guarneri Quartett und Clementisonaten gespielt von Horowitz (Clementi konnte immerhin auch noch Andreas Staier zu einer Anthologie verleiten). Field und Raff kommen nicht einmal auf eine einzige solche. Burgmüller detto. Ich denke schon, dass ein Komponist, der nicht von den "Mainstream"-Interpreten gespielt wird, nicht "Mainstream" sein kann. Das hat natürlich nicht unbedingt etwas mit Qualität zu tun, denn Arriagas Quartette und Burgmüllers Symphonien, z.B., sind oberste Kategorie.

  • Die Arriaga-Quartette sind "Insidern" allerdings schon viele Jahrzehnte bekannt; es gab in den 1950ern mindestens zwei davon auf LP mit dem Guilet-Quartett (der Geiger, der dann auch im BeauxArts-Trio spielte), haben mithin einen gewissen "Vorsprung", da ich nicht glaube, dass Ries oder Wölfl vor 50 Jahren mehr als Namen aus Beethovens Biographie gewesen sind.
    Der weitere "Vorteil" Arriagas ist sein früher Tod, "spanischer Mozart" usw. und die Tatsache, dass die Interpreten nicht groß auswählen müssen, da es außer einer Sinfonie und den drei Quartetten nicht viel gibt.


    Horowitz ist gewiss der berühmteste Clementi-Apologet, aber es gab auch einige Einspielungen von Maria Tipo und in neuerer Zeit zB Demidenkos Auswahl bei Hyperion, dann noch Immerseel, wie Staier einer der bekannteren HIP-Spieler. Natürlich ist das Klavierrepertoire auch schon "voll", aber zB Clementi ist wenigstens namentlich immer bekannt gewesen und ich glaube auch, dass bei Klaviermusik das Repertoire etwas flexibler ist. Es müssen nur ein paar Pianisten Interesse haben und die Sachen spielen. Orchestermusik ist gleich sehr viel aufwendiger wegen solcher Dinge wie Stimmensätze usw. Und bei Klaviermusik hat man oft andere Ansprüche; eine gelungene Miniatur oder ein Virtuosenfeuerwerk kann hier ein Stück, sei es nur als Zugabe, im Repertoire verankern, während bei Sinfonien eben immer die Riesen wie Beethoven, Brahms usw. mitmarschieren. Man nehme auch das in den letzten ca. 20 Jahren zunehmende Interesse an späteren Komponisten wie Alkan oder Medtner.

    Aber wie gesagt, wenn ich sehe, dass die Klavierwerke Webers, eines sehr berühmten Komponisten, ein ziemliches Schattendasein fristen, dann kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Fields und die Kalkbrenners u.ä. ein ernsthaftes Comeback schaffen werden. Clementi ist m.E. sowohl historisch als auch musikalisch bedeutender und bietet heute noch mehr, weil er sozusagen in eine Nische zwischen Mozart und Beethoven fällt. Die Virtuosen der (Früh)romantik eine (Weber, Hummel, Field usw.) oder zwei Generationen (z.B. Thalberg) später sind dagegen musikalisch zu deutlich im Schatten von Beethoven, Schubert, Schumann, Lizt und Chopin und werden besonders von den letzten beiden eben auch in der Nutzung der klavieristischen und virtuosen Möglichkeiten ausgestochen. (Und von Liszt Riesenwerk sind vermutlich nicht mal 10% einigermaßen bekannt.)

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  • Und bei Klaviermusik hat man oft andere Ansprüche; eine gelungene Miniatur oder ein Virtuosenfeuerwerk kann hier ein Stück, sei es nur als Zugabe, im Repertoire verankern, während bei Sinfonien eben immer die Riesen wie Beethoven, Brahms usw. mitmarschieren. Man nehme auch das in den letzten ca. 20 Jahren zunehmende Interesse an späteren Komponisten wie Alkan oder Medtner.


    Wie meinst Du "später"? Alkan ist älter als Brahms.
    :hello:

  • Wie meinst Du "später"? Alkan ist älter als Brahms.
    :hello:


    später als die weiter oben angesprochenen Clementi, Weber, Field... bis ungefähr Liszt. Der Einschub mit den sinfonischen Riesen war sozusagen nicht historisch eingeordnet ;)

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  • Ich fürchte auch, dass es im Bereich des Klavierkonzerts zwischen Beethoven und Schumann sehr wenige freie "slots" gibt. Der frühromantische Stil ist mehr oder weniger mit Chopins Konzerten und Mendelssohns g-Moll im Konzertleben abgedeckt. Bereits Mendelssohns d-Moll Konzert, welches keineswegs schlechter als das in g-Moll ist, hört man nicht mehr. Weiters muss ich hier KSM recht geben: das Repertoire schrumpft. Noch vor 50-60 Jahren war Webers Instrumentalmusik häufig zu hören. Auch das g-moll Konzert von Mendelssohn war durchaus Mainstream ist aber heute vergleichsweise selten zu hören (d.h. im Vergleich mit Chopin und Schumann).


    Bei den Aufnahmen kann man dafür einen gewissen "Füher Mendelssohn-Hype" konstatieren, denn vom Doppelkonzert für Violine und Klavier erscheinen dauernd neue Aufnahmen. Leider kann selbst ich, als Mendelssohnenthusiast, nicht ganz nachvollziehen, weshalb dieses Juvenilium, das keineswegs besser ist als Konzerte von Hummel oder Field, so "gepusht" wird. Im Gegenteil: ich halte besagtes Konzert für maximal mittelmäßig. Meisterwerke wie Burgmüllers Erste Symphonie hingegen bekommt man in keiner einzigen Einspielung von einem prestigeträchtigen Orchester. Schade, denn dieses Werk ist mMn auf Brahmsniveau.

  • Auf Platten sind die beiden "richtigen" Mendelssohnkonzerte eigentlich ganz gut vertreten, nach meinem Dafürhalten sogar Webers, wobei dessen Bläserkonzerte sicher weit häufiger im Konzert gespielt werden.
    Selbst wenn ich wenigen der Werke große Chancen einräume, zeigt eine Reihe wie Hyperions wie erstaunlich eingeschränkt gerade das Repertoire bei Konzerten ist. Das betrifft ja sogar die Komponisten, deren Werke zu den paar ausgewählten gehören. Schumanns Konzertstücke, Tschaikowskys 2. Klavierkonzert, Rachmaninoffs 1. und 4. sind alles ziemliche "Außenseiter".

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  • Auf Platten sind die beiden "richtigen" Mendelssohnkonzerte eigentlich ganz gut vertreten, nach meinem Dafürhalten sogar Webers, wobei dessen Bläserkonzerte sicher weit häufiger im Konzert gespielt werden.
    Selbst wenn ich wenigen der Werke große Chancen einräume, zeigt eine Reihe wie Hyperions wie erstaunlich eingeschränkt gerade das Repertoire bei Konzerten ist. Das betrifft ja sogar die Komponisten, deren Werke zu den paar ausgewählten gehören. Schumanns Konzertstücke, Tschaikowskys 2. Klavierkonzert, Rachmaninoffs 1. und 4. sind alles ziemliche "Außenseiter".


    Auf Platte ist Mendelssohns d-Moll Konzert tatsächlich recht gut vertreten. Irgendwie scheint Mendelssohn das unbewusste Talent gehabt zu haben, in jedem erdenklichen Genre genau die Anzahl von Werken zu schreiben, die gut auf eine CD passt. Deshalb gibt es unzählige "Complete xyz" Aufnahmen bei Mendelssohn (z.B. Klaviertrios, Cellosonaten, Klavierkonzerte...). In den Konzertprogrammen scheint das d-Moll Konzert hingegen nie auf. Wie gesagt, qualitativ steht es dem g-Moll Konzert nicht nach, hat aber eventuell weniger jugendlichen Schwung. Gerade mit diesem füllt das g-Moll wahrscheinlich eine Repertoirelücke.


    Bei den anderen von Dir genannten Beispielen glaube ich aber schon sagen zu können, dass es die intrinsische Qualität der Werke ist, die zu ihrer Zurücksetzung gegenüber den beliebteren Schwesterwerken geführt haben. Bei Tschaikowsky und Rachmaninoff besteht für mich kein Zweifel, dass das Erste (PIT) bzw. Zweite Klavierkonzert (SWR) eindeutig die stärksten Beiträge sind. Wobei das ein Repertoire ist, das ich eher meide, weshalb mein Eindruck von nicht allzu oftem Hören erhärtet wurde.....

  • Na klar kann man verstehen, warum diese Werke nicht so beliebt sind wie die Schlachtrösser. Aber die Diskrepanz ist ja nicht so wie Beethovens 2. vs. Beethovens 5. KK. Sondern PITs G-Dur-Konzert ist ungefähr so "beliebt" wie etwas von Medtner, selbst wenn es natürlich ein paar Aufnahmen, auch mit recht bekannten Pianisten gibt.
    Bei Rachmaninoff scheint mir das 3. und die Paganini-Rhapsodie beinahe so populär wie das 2.; 1 und 4 kenne ich auch zu schlecht, aber so riesig scheinen mir die Unterschiede da auch nicht zu sein, dass das Beliebtheitsgefälle berechtigt wäre.

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  • Nun - da ist ja einiges zusammengekommen, das ich für sehr interessant halte - wenngleich ich nicht mit allem einverstanden bin.
    Da wäre zum Beispiel die Aussage von Felix Meritis:


    Zitat

    Trotzdem bleibt eine große Lücke zwischen dem Repertoire, das die Stars oft und gerne aufnehmen, und dem, welchem sich Spezialisten widmen. Sowohl Arriaga als auch Clementi, z.B., können jeweils nur eine Einspielung von Interpreten von Weltrang vorweisen: Arriagas Streichquartette gespielt vom Guarneri Quartett und Clementisonaten gespielt von Horowitz


    An sich ist das, was er hier schreibt sachlich richtig - indes halte ICH die Betrachtungsweise für falsch.....
    Ich würde nämlich davon ausgehen, daß die SPEZIALISTEN , durchaus WELTRANG haben - natürlich auf ihrem Gebiet.


    Alfred Brendels Weltrang wird vermutlich kaum von jemand in Zweifel gezogen werden - er war Spezialist für Wiener Klassik und frühe Romantik, kein Tastendonnerer von Virtuosenkonzerten a la Tschaikowski.
    Trotz des eingeschränkten Repertoires geniesst er Weltruf.


    Jorge Bolet hat seinen Ruhm mit der Interpretation von Liszts Klavierkompositionen begründet - obwohl er laut eigener Aussage (in einem Interview) von Liszt gar nicht so begeistert war.


    Hätten die beiden genannten Clementi oder Dussek gespielt - sie wären vermutlich auch berühmt - allerdings in einem eingeschränkten Kreis.


    Das Problem ist leider die Gleichgültigkeit des Publikums. "Berühmte" Interpreten weichen vermeintlich zweitklassigen (damit sind meist unbekannte gemeint) Komponisten aus wie der Teufel dem Weihwasser, weil sie (vermutlich zu recht) befürchten, daß durch Interpretaton von Werken unbekannter Komponisten ihre eigenes Image Schaden nehmen können
    (Ich erinnere nur an den bösen Satz vom "erstklassigen Interpreten zweiklassiger Komponisten")


    Persönlich würde ich den Field Aufnahmen unter Bamert mit dem Irischen Pianisten Micael O Rourke durchaus auch "Weltrang" zugestehen - es gibt derzeit nichts Besseres.


    Das Quarteto Casals (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Casal Quartett) hat sich mutig die Arriaga Streichquartette für ihre Debüt CD- bei Harmonia mundi ausgesucht. Sie hat nicht nur mir ausgezeichnet gefallen - sondern auch der Kritik.
    Indes - was nützt das alles, wenn die Mehrheit des Klassikpublikums desinteressiert ist - vermutlich weil viele (auch wenn das für uns unvorstellbar scheint) gar nicht wissen wer Arriaga war. Hier sind Versäumnisse der Tonträgerindustrie die Ursache, die jaahrelang auf Tauchstation gegangen ist bei der Präsentation unbekannten Repertoires. Die ausgezeichnete und gut kritisierte Aufnahme wird heute um knapp 7 Euro verschleudert .


    ABER
    Dieser Thread hat ja einen "Doppeltitel"
    Oftmals reicht es nicht zum "Mainstream" (der letztlich ja auch sehr schwammig definiert ist)
    aber oft dennoch für eine "nachhaltige Wiederentdeckung" und sei es nur für die Leser des Tamino Klassikforum......


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Lieber Alfred,


    natürlich gibt es unter den weniger bekannten Musikern, die sich eher unbekanntem Repertoire widmen, auch Kapazunder. Und selbstverständlich sind die auch innerhalb ihrer "Nische" bekannt. Mit "Stars" meinte ich aber jene Künstler, die bei den großen Labels unter Vertrag stehen und die einer größeren Öffentlichkeit aus den Medien bekannt sind. Wie bereits gesagt, geht es hier ja nicht um Qualität sondern um Bekanntheitsgrad. Wir haben doch von Markus Schirmer erfahren, wie er mit seinen Plänen, Schubert einzuspielen, bei seinem Label abgeblitzt ist. Glaubst Du, dass er dann mit Field oder Clementi auf offene Ohren stoßen würde? Nein, ich fürchte, was nicht in den Mainstream passt, wird nicht gefördert. Am Ende ihrer Karriere können sich manche Stars schon mal "Exoten" des Repertoires widmen - wie eben Horowitz mit Clementi - vorher nicht. Viele, wie z.B. Brendel oder Buchbinder, haben aber dazu überhaupt keine Lust.

  • Lieber Felix


    So gesehen hast Du natürlich recht.
    Ich bemühe mich hier (bis jetzt eher mit bescheidenem Erfolg) die Spezialisten bekannter zu machen, in dem ich Threads über sie starte und ihre oft vorzüglichen Aufnahmen vorstelle. Dabei beschränke ich mich (vorerst) auf "Berühmtheiten" innerhalb ihres Genres. Aber selbst hier ist das Echo - in einem Forum das sich die klassische Musik auf die Fahnen geheftet hat - eher mau - bis kaum vorhanden. Dennoch - ich gebe nicht auf.
    Angewiesen bin ich in diesem Bereich vor allem auf die unabhängigen "Kleinlabels" von denen ja einige bereits alles andere als klein sind.
    Wenn schon nicht "Mainstream" so doch "nachhaltig wiederentdeckt"
    Da würde ich (aus dem Bauch heraus) folgende Komponisten nennen


    Vivaldi - Graupner - Heinichen - Boccherini - Franz Xaver Mozart - Pleyel - Rosetti - Field - Ries- Raff - Rott


    Einige werden sicher noch fehlen
    Diese Komponisten haben in den letzten 40-50 Jahren einen enormen Zuwachs an Bekanntheit bekommen - dank einiger Plattenfirmen.


    Manche Namen stehen meiner Meinung noch in Warteposition


    Dittersdorf - Rubinstein - Franz Lachner - Ignaz Lachner - Vinzenz Lachner - Gernsheim


    auch hier fehlt sicher noch einiges.


    Aber man muß sich darüber im Klaren sein, daß natürlich nicht alle "ganz oben" stehen können - und es ist beileibe nicht jede Ausgrabung ein "Meisterwerk


    Spohr, Onslow, Pfitzner, Bruch, Reger - alles (mehr oder weniger) bekannte Namen
    Ob sie es je erreichen werden in der Publikumsgunst weit vorne zu stehen - da hab ich so meine Zweifel.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Ich bemühe mich hier (bis jetzt eher mit bescheidenem Erfolg) die Spezialisten bekannter zu machen, in dem ich Threads über sie starte und ihre oft vorzüglichen Aufnahmen vorstelle. Dabei beschränke ich mich (vorerst) auf "Berühmtheiten" innerhalb ihres Genres. Aber selbst hier ist das Echo - in einem Forum das sich die klassische Musik auf die Fahnen geheftet hat - eher mau - bis kaum vorhanden. Dennoch - ich gebe nicht auf.

    Ich glaube Du siehst das etwas zu negativ, denn ich z.B. habe durchaus durch Tamino motiviert einiges, oder besser gesagt gar nicht weniges an "Nischenmusik" gekauft, das ich mir sonst nicht zugelegt hätte. Spontan fallen mir Pleyel, Kozeluch, Ries und Spohr ein. Ich denke, dass das bei vielen anderen ähnlich ist - denke nur einmal an den "Molique-Boom" hier!

  • Am Ende ihrer Karriere können sich manche Stars schon mal "Exoten" des Repertoires widmen - wie eben Horowitz mit Clementi - vorher nicht. Viele, wie z.B. Brendel oder Buchbinder, haben aber dazu überhaupt keine Lust.


    Horowitz hat Clementi in den 1950ern und 60ern gespielt, das war nicht am Ende seiner Karriere. Buchbinder hat meines Wissens als erster (Demus hatte um dieselbe Zeit eine Auswahl) die nicht von Beethoven stammenden Diabelli-Variationen und eine der ersten Gesamtaufnahmen von Haydn-Sonaten vorgelegt, und zwar als relativ junger Pianist, Anfang 30. Brendel hat zwar, was mich immer etwas gewundert hat, von frühen Schubert-Sonaten und Fragmenten einiges weggelassen, aber z.B. relativ Randständigen späten Liszt aufgenommen. Und das Schönberg-Konzert zwei oder dreimal eingespielt. Klar, das sind keine unbekannten Komponisten, aber auch nicht totaler Mainstream.
    Nicht wenige Pianisten haben ein paar etwas abseitigere Stücke und Komponisten, für die sich einsetzen, aber natürlich dominiert das nicht ihr Repertoire. z.B. Reger bei beiden Serkins, Händel-Suiten oder frühe Haydn-Sonaten bei Richter u.ä.


    Man kann mit abseitigem Repertoire Karriere machen, aber es ist eine große Ausnahme. Das prominenteste Beispiel ist für mich Hamelin, der zuerst mit Supervirtuosenliteratur (wie Godowsky usw.) auf sich aufmerksam gemacht hat, inzwischen natürlich aber auch Schumann, Chopin, Haydn aufgenommen hat. Beim selben Label hat auch Demidenko neben Standardwerken Clementi, Medtner usw. aufgenommen. Und die anderen Hauspianisten der englischen Labels wie Hough oder Shelley sind in England wohl auch nicht weniger berühmt als zB Buchbinder oder Schirmer in Österreich und haben sehr viel Nischenrepertoire eingespielt, weil das freilich auch zum Programm dieser Label gehört.
    Aber normalerweise muss ein junger Pianist (oder eine Geigerin) natürlich sowohl auf Wettbewerben als auch Konzerten oder Aufnahmen sich mit bekannten Werken präsentieren und damit auch dem "Vergleich" mit anderen Größen stellen. Die Fortschreibung eines recht engen Standardrepertoires ist eben auch ein Effekt des interpretenzentrierten Musikbetriebs.

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  • Horowitz hat Clementi in den 1950ern und 60ern gespielt, das war nicht am Ende seiner Karriere.

    Schon, aber da war er ja auch nicht gerade frisch vom Konservatorium. Horowitz ist eben sehr alt geworden, deswegen dauerte seine Karriere besonders lange. In den 50ern und 60ern war er jedenfalls schon ein Grandseigneur. Die letzte Clementiaufnahme (Op. 33/3) stammt übrigens aus 1980 oder so.



    Die Fortschreibung eines recht engen Standardrepertoires ist eben auch ein Effekt des interpretenzentrierten Musikbetriebs.

    Richtig, so sehe ich das auch. Deswegen ist die Veröffentlichungspolitik der großen Labels eben so langweilig geworden.



    Hough oder Shelley sind in England wohl auch nicht weniger berühmt als zB Buchbinder oder Schirmer in Österreich

    Die beiden sind jene Ausnahmen, die auch mir als erste eingefallen wären.

  • Nach all den Theoretischen Überlegungen ist es wieder Zeit einen meiner "Kandidaten" vorzustellen.
    Es ist Ferdinand RIES. Vor knapp 20 Jahren so gut wie unbekannt, finden sich nun gut an die zwanzig Titel im Katalog eines Werbepartners - aufgeteilt auf mindestens 3 Plattenlabel, so kann man - zumindest was das Angebot betrifft schon von einem Durchbruch sprechen. Es war ja so, daß die Neuerscheinungen im Laufe der Jahre - nach und nach - hinzukamen. Daraus sollte man zumindest THEORETISCH schliessen können, daß sich die Aufnahmen auch verkauft haben.


    Felix Meritis schrieb im Beitrag Nr 42:

    Zitat

    Wir haben Glück, dass heutzutage die Frage, ob etwas "Mainstream" ist oder nicht, nicht mehr dieselbe folgenreiche Bedeutung hat wie früher.


    Von mir umformuliert könnte man auch sagen, daß es keine so "monolithischen" Erscheinungen gibt, daß die Grenzen zwischen "Mainstream" und "bekannterem Spezialrepertoire" allmählich verschwimmen - von den wenigen "Flaggschiffen" mal abgesehen.



    Den "Durchbruch" hat Ries vielleicht noch nicht geschafft - aber ist auf dem besten Wege dahin. Seine Werke - speziell die Sinfonien - sind stark an Beethoven orientiert - und dennoch eigenständig. Immerhin wurde er von seinem Lehrer aufgefordert ihm eine seiner Kompositionen zu widmen, was Ries schliesslich auch machte. Ein paar Live Aufführungen dur eines der führenden Orchester - und Ries wäre ganz vorne mit dabei. Leider scheint es eine gewisse Abneigung berühmter Orchester zu geben, auch mal eher Unbekanntes aufzuführen - man bleibt verbissen am BISHERIGEN Mainstraem kleben und scheint sich vor dem Satz zu fürchten: "Ein erstklassiges Orchester für zweitklassige Komponisten....."


    Ich habe oben die Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Ries verlinkt - und eine Einzelveröffentlichung daraus (es gibt nicht mehr alle Sinfonien EINZELN). Die Hörbeispiele der Sinfonien 3 und 5 sind typischer, als jene der Gesamtaufnahmen.
    Ansonsten verweise ich auf die Ries Spezialthreads:


    RIES Ferdinand: Sinfonie Nr 5 in d-moll op 112 - epigonales Meisterwerk ?
    RIES Ferdinand: Sinfonie WoO 30 in Es-Dur - die "Achte" mit Vorbehalt
    RIES Ferdinand: Klavierkonzerte (Doch kein Schüler Beethovens ?]
    RIES Ferdinand: Die Streichquartette - Aus dem Schatten Beethovens
    RIES Ferdinand - Wer kennt den schon ? - Ferdinand Ries - ein Beethoven Epigone


    Ob Ries derzeit schon zum "Mainstream" gehört - darüber kann man sicher diskutieren, darüber, daß er eine NACHHALTIGE Wiederentdeckung ist - jedoch mit Sicherheit nicht....


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    Alfred

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  • Ich kann nur hoffen, dass Du recht hast, Alfred! Alles was bei Naxos erschienen ist, kannst Du als sichere Bank verbuchen, d.h. Klaviermusik und Klavierkonzerte, denn Naxos hat noch nie etwas aus dem Katalog genommen. Aber alles, was von cpo kommt, ist auf Sand gebaut. Und das betrifft alle Symphonien, die meiste Kammermusik und die Vokalwerke. Da ich mich in den letzten Wochen mehr mit Robert Volkmann beschäftigt habe, weiß ich, dass von ihm einst viel mehr bei cpo erhältlich war. Inzwischen gestrichen, der Rest folgt wohl bald. Da es keine Zweiteinspielungen dieser Werke gibt, außer dem Cellokonzert, das aus irgendeinem Grund halbwegs populär zu sein scheint, wird Volkmann bald weitgehend vom Angesicht dieser Erde getilgt sein. Und das bei einem Komponisten, den ich wirklich als sehr, sehr gut einschätze. Bei Kuhlau sieht es ähnlich aus. Ursprünglich gab es zahlreiche Kammermusiken zu kaufen, jetzt fast nichts mehr außer den Flötensachen. Überhaupt Flöte: wenn man im Katalog irgendwo vorne Flöte entdeckt, dann ist das das Mal der Finsternis und des Untergangs. Bei Ries beginnt es bei jpc auf Seite 2 zu flöten. Man kann hier also nur auf Brilliant oder Chandos hoffen. Raff ist inzwischen - auch Dank der Schweizer - tatsächlich über den Berg.

  • Immerhin wurde von Kuhlaus Klavierkonzert op 7 vergangenes Jahr eine Alternativaufnahme herausgebracht. Kuhlau hatte ja - was ich nicht wusste - den Spitznamen "Beethoven der Flöte" Es waren Gelegenheitarbeiten die Geld hereinbringen sollte , denn Kuhlauf spielte weder Flöte - noch mochte er sie besonders. Zudem waren seine Flütenkompositionen schon zu seinen Lebzeiten von der Musikkritik vernichtend beurteilt worden.
    Gernsheim - seine Sinfonien werden nun - nachdem sie arte aus dem Katalog genommen hat - bei jpc neu aufgelegt - eine Galgenfrist von 5-10 Jahren.
    Ries - es kommt demnächst wieder etwas raus - das dürfte ein Renner sein.
    Volkmann - das ist in der Tat ein schwerer Fall - Er ist nicht mal in jedem Konzertführer erwähnt.
    Aus dem "kollektiven Bewusstsein wird er vermutlich nicht verschwinden - denn ich glaube, daß im Rahmen des Kampfes der Indepent Labels gegen die verbliebenen "Majors" zahlreiches "Nischenrepertoire" wiederbelebt werden wird.....


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • "Panta rhei" - Alles fliesst. Ich habe mir die Zeit genommen diesen Thread einigermaßen genau zu lesen. Da habe ich festgestellt, daß vermutlich jeder unter "Mainstream" etwas anderes versteht. Besonders deutlich ist das bei der Liste der Barock-Komponisten zu sehen. Ich selbst habe vor über einem Jahr geschrieben, ich wäre mit den vorgeschlegenen Komponisten einverstanden - aber das ist nur aus einer gewissen Sicht der Fall, dann nämlich wenn man diese Auswahl - überspitzt gesagt als "Mainstream für Barockkomponisten" bezeichnet. Aus der Sicht von "Otto Normalverbraucher" genügen Bach, Händel, Vivaldi und (vielleicht noch ?) Purcell.
    Zudem ist die Einschätzung, was denn "Mainstream" ist nicht nur sehr individuell - sondern auch sehr zeitabhängig. Ein oder zwei "Jubilare" binnen 5 oder 10 Jahren können schon eine ganze Menge bewirken. Inwieweit Tamino hier einen Einfluß hat entzieht sich meiner Kenntnis - aber ich glaube er ist (unter Insidern) größer als wir vermuten.
    Das heisst, gewisse Werke werden einer Schar von Klassikhörern näher gebracht und rücken auf diese Weise vor - die "breite Masse" liest "Tamino" vermutlich nicht.....


    Luigi Boccherini wurde indes weiter oben mal kurz als "Aufsteiger" vorgeschlagen - Dem schliesse ich mich an - Boccherini hat alle Voraussetzungen für einen Komponisten des Mainstream...


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Auf die Suchabfrage "Boccherini" retourniert die Homepage des Musikvereins:
    "Es wurden leider keine Konzerte in der aktuellen Saison gefunden."
    Das Konzerthaus findet 5!
    1x Armin Egger mit einem Gitarrenprogramm.
    2x das Cuarteto Casals mit einem rein spanischen Programm (Boccherini, Arriaga, Granados, Ravel).
    2x das Wiener KammerOrchester mit einem gemischten Programm (Barber, Boccherini, Dvorak).


    Das ist jetzt mehr, als ich erwartet hätte.


    Reger kommt in Summe auf ein wenig weniger (dafür darf er auch im Musikverein erklingen).
    Fauré schlägt beide.