Über den Umgang mit Künstlern an Opernhäusern

  • Auch wenn Hugo Portisch in untenstehendem Zitat die gesellschaftspolitische Entwicklung Österreichs meint, so ist es doch mehr als bedenkenswert:


    Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart beurteilen.


    Dies ins Stammbüchel aller Ignoranten, die auf Grund ihrer Unkenntnis (entweder zu jung oder erst spät zur Oper gestoßen) der Umtriebigkeit ausscherender Regiegurus in die Falle gegangen sind.


    Was für ein Glück, dass es hier im Forum solche "Ingnoranten" nicht gibt ... weder in die eine, noch in die andere Richtung :whistling:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Eine schöne Abwandlung des Zitates von Prof. Dr. Golo Mann, dem Sohn von Thomas Mann und berühmter Historiker:


    "Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen."

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Was für ein Glück, dass es hier im Forum solche "Ingnoranten" nicht gibt ... weder in die eine, noch in die andere Richtung


    Lieber MSchenk,


    schön, daß Du Deine Meinung so konsequent vertrittst. Man sollte immer zu seiner Meinung stehen, bis sie sich als falsch erweist. Dann kann man umschwenken, weil man dazugelernt hat.


    Bei Dir ist es noch nicht zu spät! Und die angesprochenen Regisseure werden bald vor leerem Zuschauerraum stehen (hoffe und wünsche ich!!). Meine Meinung zum Regietheater wird sich nie ändern. Sicher ist es Alterssturheit. Als junger Mann hätte mir vielleicht manches von dem, was ich zur Zeit und in Zukunft verabscheue, auch gefallen. Ich meine natürlich nur Operninszenierungen!


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Lieber La Roche,
    liebe Freunde,


    bei so unerschütterlich feststehenden Standpunkten - wobei klare Positionen auch eine Stärke beweisen - gibt es meines Erachtens nur zwei Lösungen:
    Entweder das Problem, weil nicht diskussionsfähig abschließen - oder nach einem Mindestmaß von Übereinstimmungen zu suchen und versuchen, diese zu erweitern, bis ein Kompromiss möglich wird.
    Diese Diskussionsspielregeln sind, weil unheimlich viel emotionales Herzblut mit im Spiel ist, bei uns Taminos offensichtlich nicht zu realisieren. Also werden uns Auseinandersetzungen bei dieser Thematik auch künftig nicht erspart bleiben. Solange diese sachlich und begründet geführt werden und die Diskussionen in konkrete Handlungen münden, ist dagegen nicht allzu viel einzuwenden. Gleiten Sie jedoch in persönliche Diffamierungen und Angriffe ab, dann vergiften sie das Klima, belasten Beziehungen und schaden letztlich der Qualität und dem Niveau unserer Diskussionen.


    Herzlichst
    Operus :hello:

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat von Operus

    Bei denjenigen, die Regiesauswüchse zulassen, gehören Intendanten, Regisseure, Dramaturgen, Medienvertreter usw. alle in einen Sack. Es ist das ganze System, das hier zusammenwirkt und solche Inzenierungen zuläßt. Das Publikum - die Mehrheit der Opernfreunde - müssen nach und nach dieses System aufsprengen und eine neue Realistik und Ästhetik des Opernschaffens verlangen, erstreiten und durchsetzen.

    Auch wenn keiner beurteilen kann, was die Mehrheit der Opernfreunde wollen, ist das Problem, dass die Freunde "schöner" Opern keine Lobby haben. Im Wirtschafts-, Politik- und auch im Sportteil werden immer Dinge hinterfragt. Gegenmeinungen oder Gegendarstellungen gibt es zu den meisten Themen. Nur in der Kultur werden stumpf Aussagen - z.B. von Intendanten - abgedruckt. Also liest man immer wieder, dass der neue Intendant in Bremen nur die besten und renommiertesten Regisseure nach Bremen geholt hat oder das die Schuld an sinkenden Zuschauerzahlen und Flops das Bremer Publikum (es ist zu konservativ) hat. Irgendwann glauben das alle.
    Was kann man denn tun?
    Ich gehe nicht ins Theater, aber solange die Vorstellungen zu 30 bis 50% ausgebucht sind, hat der Intendant genügend Ausreden.
    Ich schreibe Leserbriefe.
    Ich schreibe Emails an den Intendanten (er antwortet sogar).
    Ich kann die Kulturredakteure der Zeitung bitten Aussagen kritisch zu hinterfragen.


    Aber hilft das alles?


    Die nächsten beiden Premieren in Bremen sind:
    Cosi fan tutte von einem Regisseur (Laurent Chétouane), der mal sinngemäß gesagt hat: "Die Zuschauer haben bezahlt, können aber dafür nicht verlangen, dass sie etwas bekommen was sie haben wollen." Was soll man von dem erwarten?
    Danach kommt der Holländer von dem Biogasanlagen-Regisseur. Vielleicht spielt die Oper dann in einer Käserei. Das hätte dann zumindest einen Bezug zum Holländer.


    Liebe Grüße


    Serse

  • Zitat

    Zitat von Serse: Also liest man immer wieder, dass der neue Intendant in Bremen nur die besten und renommiertesten Regisseure nach Bremen geholt hat

    Renommee bedeutet ja einfach "Leumund" und das braucht ja nicht unbedingt ein guter zu sein. Man kann sich auch durch Skandale einen (schlechten) Leumund verschaffen.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Lieber Serse,


    nun auch Bremen. Bitte erhebe Deine Stimme, artikuliere Deine Meinung, tue die Dinge, die Du anführst - immer und immer wieder. Die Regieunsitten haben sich prozesshaft, langsam, nach und nach eingeschlichen und immer mehr gesteigert, bis zu den heutigen Exzessen. Nun muss der umgekehrte Weg gegangen werden, Unsitten ausgemerzt und wieder zu einer neuen Äthetik der Opernkunst hingeführt werden.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Zitat

    Serse: Dabach kommt der Holländer vom Biogasanlagen-Regisseur. Vielleicht spielt die Oper dann in einer Käserei. Das hätte dann zumindest einen Bezug zum Holländer.

    Und zum Biogas. Es gibt ja sogar einen Käse, der im Volksmund nur "Holländer" genannt wird. Gemeint ist damit der Gouda, und mit dem ist es wie mit dem Wein (oder dem Single Malt). Je älter und reifer er ist, desto besser schmeckt er, und, zumindest beim Käse, desto mehr hochedles Biogas verströmt er. Das ist beim "zu essenden" Holländer ein Qualitätszeichen. Ob das beim "Fliegenden" Holländer dann auch so ist, das wage ich bei diesem Regisseur zumindest zu bezweifeln.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Zitat

    Zitat von Operus:
    Bitte erhebe Deine Stimme, artikuliere Deine Meinung, tue die Dinge, die Du anführst - immer und immer wieder.

    Lieber Operus.


    Das werde ich auch tun! Allerdings gibt es zur Zeit eine kleine Pause mangels Begründung.
    Der provokante Sprechtheaterregisseur (Laurent Chétouane) hat anscheinend eine Operninszenierung abgeliefert, die ich zumindest ansehen muss, bevor ich Kritik üben kann. Also habe ich mich doch entschieden in dieser Saison eine Oper in Bremen zu sehen.
    Unabhängig davon gehe ich davon aus, dass ich wieder aktiv werde, wenn Herr Börgerding seine Saisonnachlese macht und wieder erklärt warum alle anderen bzw. alles andere an der mangelnden Zuschauerresonanz schuld hat.


    Liebe Grüße


    Serse