Operettenhaus Hamburg, Rocky

  • Ich war bereits im Dezember 2012 da.


    Das Operettenhaus ist ein Theater am Beginn der Reeperbahn (von Hamburg aus gesehen), oder besser am Spielbudenplatz. Es hat 1.300 Sitzplätze und hat von jedem Platz eine ausgezeichnete Sicht auf die Bühne. Seit Cats ist es die traditionellste Musicalbühne Hamburgs, aber auch schon vorher war es eines der Musicalzentren Deutschlands.


    Nun wird also "Rocky" gegeben und wir waren da.


    Zunächst haben wir uns geärgert, denn wenn die gesamte Marketingkampagne auf Drew Sarich ausgerichtet ist, dann ärgert man sich über die Zweitbesetzung. Geschenkt bekommt man die Karten nämlich nicht. Aber Detlef Leistenschneider war ausgezeichnet, viel besser kann es Drew Sarich auch nicht machen, so dass es nach der frustrierenden Lektüre des Besetzungszettels, es spielte nur eine Erstbesetzung, nämlich Terence Archie als Apollo Creed, doch ein netter Theaterabend.


    Zunächst fällt die unglaubliche Bühnentechnik mit flüssigen, zügigen Umbauten auf (Ich denke noch mit grausen an die unerträgliche Bühnenversion von Dirty Dancing, in der eine Szenen fertig umgebaut wenn sie eigentlich schon vorbei war). Wohnungen in kleinen Fahrkästen, Boxringe und Rinderhälften im Schnürboden, Fahrtreppen und Fahrtribünen und natürlcih der Boxring mitten im Zuschauerraum. Großartig und vor lauter Technik habe ich das Musical ein wenig verpasst. Muß ich wohl nochmal hin.


    Rocky ist ein ganz großartiger Film, gerade weil Rocky am Schluß eben doch den Boxkampf verliert und trotzdem kein Looser ist. Diese unbeholfene und doch sanfte und führsorgliche Eckigkeit und ein Liebespaar fernab von Schönheit und Glanz, ist eine Geschichte die man lieben muß.Und die im Musical so nicht vermittelt wird: Der Zauber des Films liegt in der Tristess des Lebens von Rocky. Er ist ein Looser aber er hält sich noch aufrecht. Zu stark wird der Widerstandswille und die Ideale Rockys im Musical betont. Er ist eben - obwohl es gesagt wird - nicht fast am Ende um sich wieder aufzurappeln. Das ist ein Manko am Konzept. Zu einfach auch das Werben um Adrian. Zu wenig differenziert die Figur des Pauly. Ohne Bedrohlichkeit der Gangster Gazzo und Mickey der alternde Trainer - viel zu jung gespielt.


    Und trotzdem ist es kein verlorener Abend. Auch wenn das Musical nie die Klasse des Films erreicht, so ist es doch ein tolle Story und eine gute Show. Nach der Pause startet die Show endlich durch: Die Trainigsszene alleine lohnt den Besuch und der Kampf ist großartig: 15 Runden im Zeitraffer mit Zeitlupensequenzen mit den Nummerngirls: Auch das unbedingt sehenswert.


    Und die Musik? Neben den bekannten Hits (Rockyfanfare und - nicht zu diesem Film gehörend Eye of the Tiger) ist mir nur "Stand halten" im Ohr, dem eigentlichen Motto der Story.


    Hingehen? Ja. Gott sei Dank kann man im Operettenhaus auch auf den preisgünstigsten Plätzen gut sehen.