Psychologie der Taminos

  • Heute las ich wieder einmal beeindruckt Beiträge von Tamino-Kollegen, die tausende interessant geschriebene Berichte verfasst haben. Dabei stellte sich mir die Frage, die mich auch selbst betrifft. Warum machen wir Taminos oder generell Internet User dies überhaupt? Was bringt Menschen dazu, diesen enormen Zeitaufwand, dieses Gehirnschmalz und diese Kraft in Internet-Diskussionen zu investieren? Weil ich glaube, dass die Beantwortung dieser Fragestellung für viele von uns interessant sein und eventuell Anregungen für nutzerfreundliche Verbesserungen unseres Tamino-Klassik-Forums bringen könnte, möchte ich diese Problematik als Diskussionsthema anbieten. Also nachstehend einige Fragen als Köder zum Einstieg:


    1. Was bringt die Mitglieder eines Internet Diskussionsforums dazu, dort mitzumachen?


    2. Was sind die Gründe? Wo liegen die Erwartungen? Welche Motive sind die Antriebe des Verhaltens der User bei Internet- Diskussionen?


    3. Warum entscheiden sich Menschen für den technisierten, oft anonymen Gedankenaustausch, wählen diese Form der Kommunikation und ziehen diese oft einer direkten persönlichen Diskussion face to face vor? Sind Internet User also kontaktarme Schreibtischtäter?


    4. Gibt es bei den Diskussionen unter den Klassik-Freunden im Tamino-Forum Besonderheiten gegenüber anderen Internet-Foren?


    5. Wo liegt der Nutzen und die Befriedigung für die regelmäßig, viel schreibenden Tamino-Freunde, die eine enorme Zeitinvestition für ihre Beiträge aufwenden?


    Dies waren zunächst einige Schlüsselfragen, mit denen die Diskussion eingeleitet und angestoßen werden kann und soll. Wenn das Thema auf Interesse stößt und entsprechende Resonanz hat, dann werden weitere Fragen folgen, die selbstverständlich auch sofort gestellt werden können. Die Antworten werden sicherlich Anregungen und Vorschläge enthalten, mit denen die Forenleitung unser Tamino-Klassik-Forum noch attraktiver gestalten kann, um es dadurch endgültig zum „Weltmarktführer“ der Klassik-Foren zu profilieren. Also macht bitte mit, dass wir dieses Ziel erreichen, denn dann werden wir Taminos hoffentlich endlich die Klassik- und die Opernszene beeinflussen und bewegen können.


    Herzlichst Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Hallo Operus!



    Für mich ist deine Frage ganz einfach zu beantworten: Es gibt in meinem Bekanntenkreis einfach niemanden, mit dem ich mich über klassische Musik, insbesondere Opern und Sänger austauschen könnte.


    Viele Grüße


    Mme. Cortese

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Zitat

    1. Was bringt die Mitglieder eines Internet Diskussionsforums dazu, dort mitzumachen?


    Sehr unterschiedlich -
    Im Falle eines Klassikforums ist es wohl oft die Problematik, dass man in einer Kleinstadt oder einem Ort mit wenigen Einwohnern keine Gesprächspartner zu diesem Thema findet, ähnliches gilt für deutschsprachige Klassikfreunde, die im Ausland leben.


    Zitat

    2. Was sind die Gründe? Wo liegen die Erwartungen? Welche Motive sind die Antriebe des Verhaltens der User bei Internet- Diskussionen?


    Man hat idealerweise einen Pool von Experten zur Verfügung mit dem man diskutieren kann.
    Man hofft auf Empfehlungen und Informationen einerseits.
    Man möchte sein Wissen einsetzen und weitergeben, gelegentlich auch bestätigt werden.


    Zitat

    3. Warum entscheiden sich Menschen für den technisierten, oft anonymen Gedankenaustausch, wählen diese Form der Kommunikation und ziehen diese oft einer direkten persönlichen Diskussion face to face vor? Sind Internet User also kontaktarme Schreibtischtäter?


    Zum Teil "der Not gehorchend - nicht dem eignen Triebe" zum Teil aber weil man an intellektuellem Gedankenaustausch interessiert ist - an zu engen sozialen Kontakten indes nicht.


    Zitat

    4. Gibt es bei den Diskussionen unter den Klassik-Freunden im Tamino-Forum Besonderheiten gegenüber anderen Internet-Foren?


    Gegenüber "allgemeinen Foren" besteht der Unterschied in der vorgegebenen Thematik, gegenüber anderen Fachbereichen in der Begrenztheit der Interessenten. Der Pool an Klassikfreunden ist - euphemistisch gesprochen - begrenzt.
    Es wird hier nach einer "Verifizierung" verlangt, der Nutzer ist gegenüber der Forenleitung nicht anonym- zudem hat er gewisse Pflichten, wie beispielsweise das Verfassen von Beiträgen, was das Züchten von "Karteileichen" minimieren soll.
    Ferner ist die Forenleitung bemüht stets das Bleiben am Thema zu forcieren - damit das Forum für Mitleser interessant bleibt und einige dazu animiert mitzumachen. Zudem ist es für im Streit ausgeschiedene fast unmöglich sich wieder neu zu registrieren - was in anderen Foren Gang und gäbe ist. Die dahinterstehende Strategie ist, daß sich der Benutzer stets bewusst ist, daß das Dabeisein bei Tamino keine Selbstverständlichkeit bedeutet, sondern daß hier schon - wenn auch nicht allzu streng - selektiert wird. In manchen anderen Foren melden sich User, welche mit anderen Mitgliedern gestritten haben, jede Woche 2 mal neu an....



    Zitat

    5. Wo liegt der Nutzen und die Befriedigung für die regelmäßig, viel schreibenden Tamino-Freunde, die eine enorme Zeitinvestition für ihre Beiträge aufwenden?


    Man bekommt Beiträge von gleichwertigen Interessenten geboten - zudem ein gewisses Maß an Akzeptanz und "Berühmtheit., so wie immer wieder neue Anregungen zu Hörerlebnissen. Man sollte das allerdings nicht allzu idealisiert sehen. Auch ich habe meine Stunden, wo mir das Forum regelrecht zuwider ist. Aber alles in allem ist es doch eine Bereicherung meines Lebens auf die ich nicht verzichten möchte....
    Egal auf welchem Level man sich befindet - man lern immer was dazu.


    mfg aus Wien
    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Ich will mal zunächst auf die fünfte Frage antworten, weil sie am konkretesten das abfragt, was mich bewegt.


    Zunächst ist das Forum ein Ort, wo ich jederzeit, das, was mich musikalisch bewegt, mitteilen kann, mit anderen Taminos diskutieren kann, egal, ob kontrovers oder in Übereinstimmung. Alle Taminos haben im Großen und Ganzen die gleichen Interessen, und dennoch trägt die beinahe grenzenlose Klassische Musik der Individualität jedes Einzelnen Rechnung. Die meisten Taminos bewegen sich in den Diskussionen innerhalb der Regeln des Anstandes.


    Dann habe ich für mich persönlich eine Form gefunden, in der ich neu erworbene Aufnahmen höre und meine Gedanken darüber zu Papier bringe. Meiner Sammlung entsprechend bewege ich mich dabei am häufigsten in den Beethoven-Symphonien-Threads, was mir auch deshalb entgegenkommt, weil ich mich in meinem Leben am meisten mit Beethovens Symphonien beschäftigt habe. Ich habe auch angefangen, mich in ähnlicher Form in den Brahms-, Bruckner- und Mahler-Symphonien-Threads einzubringen, aber das hat gleichzeitig auch zu der Erkenntnis geführt, dass dieser Beschäftigung auch zeitliche Grenzen gesetzt sind. Also muss ich einen Schritt nach dem anderen machen.
    Wie gerne würde ich auch mehr im Kunstlied-Bereich und in den Opern-Threads mit den Werken Mozarts, Wagners und Verdis mitmachen, aber da muss ich erst meine anderen Vorhaben abarbeiten.
    Was Frage 4 betrifft, ist natürlich auch positiv anzumerken, dass in der Tat eine solch intensive Beschäftigung mit der Klassischen Musik im privaten Bereich gar nicht möglich ist, speziell in meinem eigenen.


    So viel für heute.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die oben gestellten Fragen habe ich mir selbst auch schon oft in ähnlicher Form gestellt.
    Ein Grund, warum ich hier mitmache, ist der von Alfred angesprochene Qualitätsanspruch. Wenn man sich im Internet auf anderen Plattformen (Facebook, Leserkommentare bei Online-Zeitungen oder TV-Sendern) zu allen möglichen Themen -auch zur klassischen Musik- die Diskussionskultur anschaut, dann fragt man sich, ob es denn tatsächlich ein Fortschritt ist, dass durch das Internet nun jeder seinen Senf zu allem und jedem hinzugeben kann. Als z.B. die Wulff-Affaire noch Verkaufsthema Nr. 1 der Presse war, bin ich über die Abgründe, die sich bei den Leserkommentaren auf Online-Zeitungen auftaten, entsetzt gewesen.


    Hier ist das anders - und hier trifft man Leute, mit denen man über ein Thema reden kann, was für einen selbst zentral ist, doch in der Gesellschaft ein Nischenthema darstellt. Selbst wenn man Leute kennt, die auch so ein bisschen diese Musik hören, dann erlebt man, wenn sie schon froh sind, irgendeine Aufnahme des Werkes - sie wissen nicht, wer das da spielt- billig bekommen zu haben.


    Andere Interpretation anhören? "Wieso?"
    30 Beethovenzyklen oder gar 50 Winterreisen? Fehlanzeige!


    Ich sage nicht, dass man so viele verschiedene Interpretationen haben muss, aber wenn man sich soviel davon ins Regal stellt, dann drückt das ja nicht nur Sammelleidenschaft aus, sondern auch ein enormes Interesse am Werk. Dieses erlebt man als eine Art grossen dunklen Berg, der durch die verschiedenen Interpretationen immer wieder neu aus einem anderen Einfallswinkel heraus, und auf eine andere Art und Weise beleuchtet wird, wodurch neue Schönheiten und Wahrheiten zutagetreten können. Das ist ja das Schöne an echten Kunstwerken.


    Zudem liest man auch erhellende und bis in die Tiefe hinein mit Qualität durchzogene Beiträge zu den Werken selbst. Ich muss an der Stelle einfach einmal Helmut nennen, dessen Gedanken zu bestimmten Schubertliedern mir unlängst bei Diskussionen sowohl im Fach Musikgeschichte an der Hochschule, als auch für die zukünftige Arbeit mit einem Barition (in 4 Jahren wollen wir vielleicht die Winterreise wagen) wichtig geworden sind.


    Über das mir aus Musikgründen sehr wichtige Thema Hifi kann man hier auch reden, sogar philosophieren (mit Holger als Fachmann..), selbst wenn das alles nicht immer einfach ist und Ansprüche an die Art der Diskussion stellt.


    Eine strenge Moderation begrüsse ich ebenfalls. Die im Internet sonst so verbreitet auftretenden Spammer und Shitstormer kommen da nicht zum Zug.


    Hierin liegt u.a. also der Nutzen und die Motivation. Eigentlich geht es ja darum, die Begeisterung zu teilen. Ich werde zu oft zu irgendwelchen Feiern einer grossen Verwandschaft geschleppt. Mit denen kannst Du nicht ein Wort über Vorzüge der karajanschen Klangästhetik oder über den deutschen Orchesterklang sprechen, geschweige denn, die Begeisterung für die Dinge der Klassik teilen. Unter der Fülle der flachen Gesprächen leidend und bin dann immer froh, am nächsten Tag wieder http://www.tamino-klassikforum.at aufrufen zu können... ;)


    Gruss
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Ja nun, warum mache ich hier was? Um Operus' Eingangsfragen mal ein wenig unzuverlässig zu verkürzen...


    Ich kann für mich wohl sagen, daß mich gleichsam die Suche nach einer geistigen 'Heimat' hierhin geführt hat. Noch nicht lang in der Welt der Klassik unterwegs, stellte ich schnell fest, daß sich die Austauschmöglichkeiten über klassische Musik in meinem Freundeskreis im echten Leben - beschönigend ausgedrückt - in einem sehr engen Rahmen bewegen.


    Fast genauso schnell musste ich ebenso zur Kenntnis nehmen, daß die virtuellen Alternativen zumeist völlig indiskutabel sind. Der von Glockenton schon geschilderte verheerende Eindruck, den weiteste Teile der schönen neuen Online-Welt hinterlassen, was das Verhältnis Kenntnis <---> Meinung und (Diskussions-)Kultur angeht, sei hier ausdrücklich nochmal unterstrichen.


    Nun ist es mir, wie wohl auch den meisten anderen, aber durchaus ein Bedürfnis, mich mit anderen über meine Leidenschaften auszutauschen. Und nachdem ich bei diversen Online-Recherchen immer wieder auf das Tamino-Forum gestossen war, wie nach einigen Monaten des stillen Mitlesens bin ich zu dem Entschluß gekommen, gern ein Teil dieser Gemeinschaft sein zu wollen.


    Dazu hat mich zum einen bewogen, von dem schier ungeheuren Fachwissen profitieren zu können, das hier nicht selten feststellbar ist - sei es zu Kompositionen, Einspielungen, Interpreten oder auch geschichtlichen und kulturellen Einordnungen. Manchmal scheint es mir, als gäbe es kaum etwas, das bei Tamino nicht schon abgehandelt worden wäre. Zum anderen aber natürlich auch, meine eigenen Ansichten, Vorlieben und Kategorisierungen einzubringen und einer Beurteilung durch die anwesende Userschaft auszusetzten - ob es nun Bestätigung oder Ablehnung ist. Und zum guten Schluß seien auch noch die fast durchgehend sehr angenehmen Umgangsformen genannt, die dieses Forum - trotz zuweilen auftauchender hart ausgetragener Konflikte - meiner bescheidenen Meinung nach fast schon zu einem Leuchtturm in der Welt virtueller Kommunikation machen. Das soll mitnichten überidealisierend sein, sondern entspricht so durchaus meiner Wahrnehmung.


    Damit sollten die 5 Fragestellungen wenigstens in Grundzügen abgehandelt sein. Als online-spezifischer Wermutstropfen bliebe für mich nur festzuhalten, daß mir leider allzuoft schlicht die Zeit fehlt, mich hier in der Form einzubringen, die ich mir selbst wünsche. Wo ich z. B. einem eventuellen menschlichen Gegenüber meine Gedanken zu einer bestimmten Aufnahme einfach verbal an den Kopf werfen könnte, ist hier schon einiges an geistiger Vorarbeit notwendig, die eigenen Ansichten und Empfindungen zu sammeln, zu strukturieren und zu 'Papier' zu bringen (nicht daß wir uns missverstehen: das ist auch gut so). So stelle ich mit Bedauern immer wieder fest, daß mir einiges an Gedanken, die ich gern geäußert oder festgehalten hätte, wieder verloren geht. Allen die hier regelmäßig seitenlang fundiert über eine bestimmte Einspielung oder einen Musiker referieren gilt umsomehr mein Respekt und Dank!

  • Nur 2 Gründe gebe ich an.


    1. wie Mme. Cortese mangelt es mir in meinem Bekanntenkreis an Interessenten für klassische Musik


    2. ich profitiere von dem Insider- und Fachwissen der Taminos und kann damit meinen Horizont erweitern, neue Interessen erschließen. Und manchmal kann ich mich auch am Klatsch und Tratsch erfreuen.


    La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage ;) ! Man sucht nach Gleichgesinnten, man möchte neue Anregungen bekommen, etwas Dazulernen, das eigene "Wissen" weitergeben und sucht nach neunen Bekanntschaften, welche die Leidenschaft für Musik verbindet. Und das alles ist in einem solchen Forum viel "weltoffener" als im engen privaten Zirkel. Nur nett bleiben sollte es bitte! :hello:


    Schöne Grüße
    Holger

  • Die Diskussion um die Psychologie der Taminos mit den Fragen nach den Beweggründen und Erwartungen hat sich m. E. schon mit den bis jetzt eingegangenen Antworten gelohnt, beweisen diese doch, wie wertvoll unser Tamino-Klassik-Forum für uns alle ist und welchen persönlichen Nutzen wir daraus ziehen können. Erstaunlich für mich ist, dass es für einige von uns offensichtlich schwierig ist, adäquate Gesprächspartner für inhaltsreiche Gespräche über Klassikfragen zu finden und hier das Tamino-Forum eine wichtige "Ersatz"-Funktion einnimmt. Ich bin durch meine musikalischen Ehrenämter ständig so stark ins Musik- und Operngeschehen eingebunden und habe in meiner Frau eine so verständnisvolle Gesprächspartnerin, dass ich wenig Defizite empfinde. Allerdings wenn ich angeregt durch Eure Äußerungen intensiver nachdenke und überlege, dann sind es doch meistens eher oberflächliche Gespräche über organisatorische Probleme und Tagesthemen, die ich führe. Also schöpfe auch ich die Sahne aus dem Forum.
    Beeindruckend für mich ist auch, wie nahe man Menschen selbst in unseren Internet-Diskussionen kommen kann. Z. B hat mir der vorstehende Beitrag von Glockenton (Nr 5) spontan den Menschen, der hinter diesen Äußerungen steht, näher gebracht. Danke.
    Aber es hat gewiss seit der Mensch schreiben und lesen kann bereichernde Brieffreundschaften gegeben. Nimmt das Forum eine ähnliche Funktion wahr?
    Wenn es in diesem Stil weitergeht, dann bekommt Alfred so viel positives Feedback zu seinem Tamino-Forum, dass dies die schönste und sicherlich verdiente Bestätigung seiner Arbeit ist, die ihn dazu animieren und motivieren sollte, das Forum "lebenslang" mit dieser Intensität zu führen, zu steuern und ständig neu zu beleben.
    Dennoch sollte diese Diskussion um die Beweggründe und Erwartungen der User Anregungen bringen, wie auch dieses glänzende "Produkt" noch weiter verbessert werden kann. Auf den von mir etwas überspitzt und pointiert formulierten Anspruch auf die "Weltmarktführerschaft" in Qualität, Niveau und Umfang von Tamino unter allen Diskussionsforen, die sich der Klassik gewidmet haben, ist bis jetzt noch niemand eingegangen. Ich meine jedoch, die Spitzenstellung zu erreichen, zu halten und auszubauen sollte erklärtes Ziel von uns allen sein.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich kann alles nur unterstreichen. Ich würde noch hinzufügen, dass ich mit einigen Taminos auch privaten Kontakt habe, der sich sehr lohnt, auch wenn Zeus Alfred nicht so dafür ist.
    Es gibt aber für mich auch Nachteile: ich muss Lucia di Lammermoor schön finden, ich darf den 4. Satz von Beethovens Neunter nicht verschmähen und ich muss dicke Sänger wie Johan Botha und Luciano Pavarotti als ideale Vertreter ihrer Rolle wertschätzen. Sonst setzt es was!
    Aber sonst ist alles in Ordnung.

    In keiner Gegenwart kann gewusst werden, wie sie hätte anders werden können, als sie geworden ist (Jörg Maurer).

  • Ich kann alles nur unterstreichen


    Hallo,


    ich ergänze den Satz für mich mit "weitgehend".


    Außerdem füge ich hinzu:
    Den "Frust" über die mangelnden Reaktionen in den Threads "Französiche Orgelmusik" eliminiere ich damit, dass ich mir ins Gedächtnis rufe, warum ich diese Threads gestartet habe: "Um mich selber weiter zu bringen" (durch die intensive Beschäftigung mit dieser Musik) und Leser u. U. im günstigsten Fall auf ein Musikrandgebiet aufmerksam machen kann.


    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Lieber zweiter bass: französische Orgelmusik ist was sehr Spezielles. Für mich gibt es zwei Traditionen der Orgelmusik, das ist die deutsche Schule, vor allem Bach, aber auch Buxtehude und die anderen Meister. Diese Musik liebe ich über alle Maßen. Daneben die französische Orgelmusik, die ich rundweg verabscheue; ja, ich muss es so hart sagen. Aber du weißt, dass von mir damit keine Kritik an deinen Vorlieben verbunden ist.

    In keiner Gegenwart kann gewusst werden, wie sie hätte anders werden können, als sie geworden ist (Jörg Maurer).

  • Lieber dr.pingel,


    kannst Du vielleicht den Versuch unternehmen, andeutungsweise mitzuteilen, was Du so "rundweg verabscheust", die "Heilige Musik" bei franz. Orgelmusik kann's ja nicht sein. Ich will Dich ja nicht missionieren (auweia, das Dir!) , aber u. U. gibt's ein beseitigungswürdiges Mißverständnis?


    LG
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Bei einer Recherche stieß in schon 2006 auf "Tamino" - angemeldet habe ich mich allerdings erst 2010, und der am Telefon stets freundlich-liebenswürdige Alfred schaltete mich tatsächlich frei.


    Was mich von Anfang an gefangen genommen hat (damit meine ich auch jene Zeit vor der Freischaltung), waren die Threads "Was hört ihr gerade" und "Neuerscheinungen" (angekündigte und tatsächlich dann angeschaffte). Da gab es jahrelang viele Anregungen. Und dann: Haralds Gedenk- und Erinnerungsthreads - für mich ein unerschöpfliches Gebiet, das mir viel genutzt hat und noch nutzt.


    Ansonsten hat mich jahrelanges Mitlesen vieler Themen eher eingeschüchtert, als aufgebaut, weil ich feststellen mußte, daß das Wissen unterwegs ist, an das ich nie heranreichen würde: Die Stimmen-Kenner, die Komponisten-Kenner usw.
    Ich bin da eher der "tumbe Hörer mit Freude an klassischer Musik", dem das Schürfen in den unergründlichen Tiefen der Musik, aber auch der Komponisten, nicht lag.


    Trotzdem gibt es bestimmte persönliche Einsichten, die ohne Tamino sicher nicht gekommen wären oder sich noch gefestigt haben:
    Hier sind abseits der großen Kennerschaft vieler Einzelner eben auch Freunde der Klassik unterwegs, die im privaten Bereich fehlen (na ja, bis auf zwei, die nur per Telefon erreichbar sind) -
    Moderne Musik? Nein, der Terminus Musik ist für mich nicht nachvollziehbar, der Ausdruck Geräuschkulisse eher, also weiterhin abgelehnt -
    Besuche bei Opernaufführungen? Nein danke, mir war lange genug schlecht (um nicht das berühmte Wort von Max Liebermann zitieren zu müssen und vielleich das Copyright zu verletzen) -
    Forentypische Erfahrungen gemacht zu haben, was z. B. auch dr. pingel hier beschrieben hat, die man zwar nicht für das Leben braucht, aber wohl hinnehmen muß.


    Insgesamt eine Bereicherung für mich - und ich schaue auf die Uhr und sage "Gurts Nächtle"!


    :hello:

  • Lieber dr.pingel,


    kannst Du vielleicht den Versuch unternehmen, andeutungsweise mitzuteilen, was Du so "rundweg verabscheust", die "Heilige Musik" bei franz. Orgelmusik kann's ja nicht sein. Ich will Dich ja nicht missionieren (auweia, das Dir!) , aber u. U. gibt's ein beseitigungswürdiges Mißverständnis?


    LG
    zweiterbass


    Ach, ich weiß es nicht so richtig. Vielleicht das zu Symphonische oder der (vermeintliche?) Bombast, der Vorrang des Virtuosen vor der Substanz. Vielleicht ist es das Janacek - Phänomen: wer Janacek liebt, der steht vielen beliebten Opern sehr kritisch gegenüber. So ist meine Orgel - Bach - Sozialisation. Ich bedaure immer die Organisten, die die obligatorische Kombination von Präludium und Fuge von Bach nicht an den Schluss stellen. Nach Bach kann eigentlich nichts mehr kommen. Deine Einsamkeit in Bezug auf diese Themen, die kennen wir alle. Wenn ich hier über Machaut, Dufay, Ockeghem, Josquin schreiben würde (was aber noch kommt), dann erwarte ich auch nicht so viel Resonanz. Ja, ich finde es sogar schön, einen eigenen thread zu haben, wie ihn seicento hat und ich mit meinen Vocal - Consorts. Ein neuer kommt bald hinzu, der wird heißen: Doctor Pingel´s hertzergetzliche musicalische Brosamen. Mehr verrate ich noch nicht.
    Sieh es mal so! Ich finde es auch erfrischend, mal einen ruhigen thread für mich zu haben statt das dauernde Wagner-Gezänk. Komisch, dass dort die Auseinandersetzungen und Anfeindungen am stärksten sind.

    In keiner Gegenwart kann gewusst werden, wie sie hätte anders werden können, als sie geworden ist (Jörg Maurer).

  • Sieh es mal so! Ich finde es auch erfrischend, mal einen ruhigen thread für mich zu haben


    Das finde ich ebenso; mich hat nur interessiert, was Dich stört. Mich stört bei Bach der z. T. ziemlich einheitliche, wenig abwechslungsreiche Orgelklang (ob das nur an den Organisten liegt - oder ob diese sich den Gewohnheiten der Bachhörer anpassen - oder Bachs Orgelmusik keine Klangfarbenentfaltung verträgt?)


    LG
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Was du an Bach kritisierst, liebe ich an ihm. Die französische Musik ist zwar äußerlich lebendiger, aber doch mehr Effekthascherei. Und das ist das, was ich an aller Musik gänzlich verabscheue. Extremstes Beispiel: Liszt. Wobei mir bewusst ist, dass ich Klaviermusik nicht viel verstehe, ein Pianist aber das sehr wohl anders sehen kann!
    Vielleicht ist Bach wie eine große gotische Kathedrale und französische Orgelmusik wie eine Barockkirche, etwa Zwiefalten.

    In keiner Gegenwart kann gewusst werden, wie sie hätte anders werden können, als sie geworden ist (Jörg Maurer).

  • Bei der geringen Anzahl von Klassikfreunden insgesamt ist es schon beinahe beachtlich, dass es dort wo CD´s angeboten werden ünberhaupt noch Klassik-CD-Regale gibt. Zum Glück wird dieser kleine Markt noch einigermassen aufrecht erhalten.


    Wie die Beiträge bisher zeigen, ist es auch im Bekanntenkreis bei den meisten so --- es gibt dort zu wenig Gleichgesinnte, die sich auch für Klassische Musik (im weitesten Sinne) interessieren.


    Von daher ist das TAMINO-Forum ein hervorragender Platz für den Austausch.
    :thumbup: Zum Glück ist es mir durch private Kontakte zu Taminos gelungen, meinen Bekanntenkreis in Bezug auf Klassikliebhaber zu erweitern:


    Inzwischen werden im Wechsel seit mehreren Jahren regelmässig Klassiknachmittage durchgeführt, bei denen man sich auch direkt persönlich über das Gehörte und Interpretationsfragen austauschen kann. Dabei habe ich schon so manche musikalische Neuentdeckung gemacht - aber auch umgekehrt bereits so manches musikalische Neuland für das Gegenüber verbreitet.
    :hello: Dieser direkte Kontakt macht jedenfalls unheimlich Spass und ist als Ergänzung zum Tamino-Forum, bei dem ich " :D Euch Eierköppe :D " nie sehe, für mich sehr wichtig.

  • Die französische Musik ist zwar äußerlich lebendiger, aber doch mehr Effekthascherei.

    Lieber dr.pingel,


    ich sehe - besser höre - Klangfarben nicht als Effekthascherei - Klangfarben in der Musik sind einer ihrer ganz wesentlichen Bestandteile, besonders deswegen, weil dieser Teil der Musik sofort vom "schnellen Denken" aufgenommen wird, während Struktur, Form usw. mehr eine Sache des "langsamen Denkens" ist - und dies ist keine Wertung, sondern Ausfluß wissenhaftlicher Forschung, was natürlich dem individuellen Hörempfinden keine Grenzen setzen kann.

    Ich habe übrigens im Ulmer Münster, was keine gotische Kirche in Bezug auf den Bauzeitraum ist, aber von der Akustik - und auf die kommt es beim gehörten Eindruck an - mit gotischen Kirchen gewiß vergleichbar ist, franz. Orgelmusik mit großer Freude gehört.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler