Die langsamsten Aufnahmen von Werken

  • Explizit wirklich nur halbes Tempo, das wird selbst bei Celibidache schwierig. Aber bei einer Stelle hat er das hinbekommen: in der Coda der Vierten von Bruckner:



    Die Wirkung ist für mich geradezu soghaft. So sehr man Celibidaches Bruckner kritisch beäugen mag, aber die Stelle hat er als einziger "richtig" dirigiert. :hail:


    Diese Aufnahme von 1993 ist sogar noch langsamer als die offizielle von EMI (von 1987, glaube ich).

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • So sehr man Celibidaches Bruckner kritisch beäugen mag, aber die Stelle hat er als einziger "richtig" dirigiert.


    Hallo Josef,
    die 5 Finalminuten habe ich mir intensiv angehört.
    Im ersten Moment wirkt das natürlich Monumental; soghaft ..na, ja; aber "richtig" - eher nicht. Die ganze Sinfonie (bzw.den 4.Satz) möchte ich mir nicht so aufgeweicht in die Länge gezogen anhören.
    Du kennst ja meine Vorlieben ...



    :no: Und die Diskussion über halbes Tempo ... :thumbdown: nicht zu fassen. :stumm:

  • Also "Richtig" kann ich es nicht finden, weil ich einfach schon hundertmal das Stück schneller gehört habe und mich einfach dran gewöhnt hab. Aber schön ist es auf alle Fälle. Mir gefällt das ausnehmend gut.

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Eine der exzentrischsten Mahlereinspielungen und sicher die mit Abstand langsamste ist die Aufnahme der 7. Symphonie durch Otto Klemperer. Er braucht sage und schreibe 100 min für das Stück, die Referenzaufnahme von MTT - auch nicht die schnellste - benötigt 78 min.


    Die Sätze im Vergleich:


    Klemperer: 27:47 - 22:08 - 10:28 - 15:42 - 24:25


    Thomas: 20:43 - 15:35 - 10:11 - 13:33 - 18:05


    Die Unterschiede sind also vor allem in den ersten beiden und dem Finalsatz zu finden.


    Viele lehnen diese Aufnahme ab, ich finde sie aber interessant, es wird allerdings quasi ein anderes Stück gespielt.


  • Für mich ist Klemperers Aufnahme die Referenzaufnahme. :pfeif:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Für mich ist Klemperers Aufnahme die Referenzaufnahme.


    War das möglicherweise die Aufnahme, durch die Du das Stück kennengelernt hast? Mir geht es bei Mahler 6 und Barbirolli so. So habe ich die Symphonie kennengelernt und seitdem gefällt mir kaum eine andere, meist wird gleich der erste Satz für mich viel zu schnell gespielt.

  • Lieber lutgra,


    nein, kennengelernt habe ich dieses Werk wohl mit Bernstein (80er). Mir gab dieses Werk lange Zeit wenig, ich fand es ziemlich verwirrend. Bis ich eines Tages Klemperer testete, bei dem m. E. besonders das Finale das gewisse Etwas hat.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ein neuer Rekord bei Bruckner 3 steht an: 89 Minuten. Alleine der Kopfsatz dauert 32:35. Dem Kritiker beim American Record Guide hat es aber gefallen.
    Wie man 89 min auf eine CD presst bleibt Geheimnis des Produzenten.

  • Wie man 89 min auf eine CD presst bleibt Geheimnis des Produzenten.


    Wie kommen 89 Minuten auf eine CD?
    Ich habe CD-Rs mit 99 Min/870MB, also müßten bei einer gepressten CD auch 89 Minuten möglich sein.
    Oder geht dann dem ein- oder anderen CD-Spieler die Puste aus?
    Der Wikipedia-Eintrag wäre verbesserungswürdig, denn noch steht dort zu lesen:
    Somit sind entsprechend Spielzeiten von 74:41 Min. bzw. 64:01 Min.,
    unter maximaler Ausnutzung aller Toleranzen 80:29 Min. möglich.


  • Fast 18 Minuten für die "Tannhäuser"-Ouvertüre dürften schwer zu toppen sein. Selbst Celibidache war ca. eine Minute flotter. Aber was für eine Wirkung der alte Roschdestwenskij erzielt, das ist sagenhaft! Ein Bekannter meinte zu mir, in der Coda habe man den Eindruck, als würden zwei Titanen miteinander kämpfen. Tatächlich habe ich den Wettstreit zwischen Lust und Moral noch nie so monumental gehört. Und das Orchestre Philharmonique de Radio France zieht überragend mit. In einer Rezension las ich, dass Roschdestwenskij lediglich ein Einspringer war. Umso erstaunlicher das Ergebnis.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Weitere Ergänzungen zur Länge von Beethovens Symphonien (verbessert):


    Nr. 4: Suttner (1983): 12:39; 10:29; 6:41; 7:06 (36:55)


    Nr. 1: Okko Kamu (1995?): 9:01; 8:29; 3:28; 5: 29 (26:27)


    Und Vermeulen "schafft" in einem Live-Mitschnitt von 1987 die 1. Symphonie in 36:10 (auf der"Prestißißimo"-CD, vmtl. initiiert von Grete Wehmeyer).


    Mit besten Grüßen

  • Vor einiger Zeit hatte ich einen Thread mit dem Titel "Die Entdeckung der Langsamkeit" gestarte, der sich allerdings zunächst auf Tzimon Barto bezog. In den Beiträgen sind auch einige Beispiele für sehr langsame Interpretationen zu finden.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Eine der langsamsten Aufnahmen des Boléro von Ravel, 1994 live mit den Münchner Philharmonikern unter Sergiu Celibidache. Besonders in der zweiten Hälfte faszinierend.


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Besonders in der zweiten Hälfte faszinierend.

    Nunja, was langsame Tempi angeht, kommen wir nie auf einen Nenner.

    "fastzinierend" würde ich hier beim Bolero eher als "fast abtörnend" bezeichnen.


    8) Ansermet (Decca) mit 14+ ist da meine saubere und packende Bolerowelt.



    =O Absolutes Negativbeispiel für megaübetrieben langsames Tempo ist auch eine CD von preiser records , die ich vor Jahren nach vielen Monaten dann endlich durch EBAY aus meinem Sichtbereich entfernen konnte (mit der Marthe-Neunten hatte ich genau so verfahren --- so etwas verbleibt nicht in meinem Bestand !!!) :


    Bruckner Sinfonie Nr.3 mit Marthe

    1. Satz 27:58 - 2. Satz 12:08 - 3.Satz 27:00 - 4.Satz 20:33 = über 87 Minuten

    7143saxFOZL._SS200_.jpg

    preiser records, 2006, DDD


    Aus heutiger Sicht = :thumbdown:Einfach nur gruselig !

  • 8) Ansermet (Decca) mit 14+ ist da meine saubere und packende Bolerowelt.

    Was natürlich völlig legitim ist, lieber Wolfgang.


    Allerdings hätte Maurice Ravel das selber wohl als zu flott empfunden. Er beschwerte sich mehrfach über zu schnelle Interpretationen seines berühmtesten Stückes und hat u. a. Toscanini gerügt. In seiner eigenen Einspielung von 1932 kommt Ravel auf 15:30. Für den besten Interpreten hielt er den heutzutage etwas in Vergessenheit geratenen portugiesischen Dirigenten Pedro de Freitas Branco, der den Boléro 1953 für EMI einspielte und auf 18:36 (!) kam - und somit sogar noch langsamer war als Celibidache. Ich halte Freitas Brancos Aufnahme mit dem Orchestre du Théâtre des Champs-Élysées tatsächlich für eine der allerbesten und idiomatischsten. Sie gilt durchaus als Geheimtipp und selbst der akzeptable Monoklang stört mich da kaum.



    Ganz ausgezeichnet gefällt mir aber auch Lorin Maazel mit den Wiener Philharmonikern (14:46). Bessere Ritardandi kenne ich bei diesem Werk eigentlich nicht.


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Für den besten Interpreten hielt er den heutzutage etwas in Vergessenheit geratenen portugiesischen Dirigenten Pedro de Freitas Branco, der den Boléro 1953 für EMI einspielte und auf 18:36 (!) kam - und somit sogar noch langsamer war als Celibidache.

    Lieber Joseph,


    die Tänzerin Ida Rubinstein hatte bei Ravel ein Stück bestellt, das exakt 18 Minuten dauern sollte. Und Celibidache spielt 18 Minuten - er hat also genau das richtige Tempo! Kein Wunder also, dass Ravel die Interpretation von Branco gefiel. ich finde, wenn man einmal Celibidache gehört hat, mag man kaum noch eine andere Aufnahme... :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Holger, ich komme gerade aus einem faszinierenden Konzert und “haemmere” demzufolge in mein iPhone. Ich kann deinen Eindruck von Celis Bolero nur bestätigen, aber nicht, weil er18 Minuten dauert, sondern weil Celi ihn dirigiert. Bei vielen anderen Dirigenten haette das moeglicherweise langweilig geklungen, nicht so bei Celi.

    Zu dem gigantischen Konzert eines Geburtstagskindes dieser Woche schreibe ich später noch. Ich bin noch ganz aufgewühlt.

    LG Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber Holger, ich komme gerade aus einem faszinierenden Konzert und “haemmere” demzufolge in mein iPhone. Ich kann deinen Eindruck von Celis Bolero nur bestätigen, aber nicht, weil er18 Minuten dauert, sondern weil Celi ihn dirigiert. Bei vielen anderen Dirigenten haette das moeglicherweise langweilig geklungen, nicht so bei Celi.

    Lieber Willi, da hast Du natürlich ganz Recht! :)

    Zu dem gigantischen Konzert eines Geburtstagskindes dieser Woche schreibe ich später noch. Ich bin noch ganz aufgewühlt.

    Da bin ich gespannt! :) Ich habe übrigens eine Karte für Martha Argerich und Misha Maisky in Essen am 16. Juli!


    Liebe Grüße

    Holger