Neue Streichquartette

  • Auf diese Aufnahmen warte ich schon seit geraumer Zeit. Sie sind derzeit auch beim WDR in drei kommentierten Sendungen abrufbar. Ich hoffe allerdings, dass die CD-Aufnahmen besser klingen.

    Die CD-Aufnahmen klingen ganz hervorragend. Es gibt sogar eine HiRes-Ausführung 48/24, die allerdings nur als Download zur Verfügung steht.

  • Das Royal String Quartet ist so ein Art polnische Ausgabe des Arditti Quartetts.

    Hier spielen sie zwei Streichquintette (mit Kontrabassist Tomasz Januchta) und zwei Streichquartette des jungen polnischen Komponisten Andrzej Kwiecinski (Jg. 1984), kurze (ca. 10 -13 min), kurzweilige und klanglich recht unterschiedliche avantgardistische Kompositionen. Der Komponist benennt Gerard Grisey, Helmut Lachenmann und Salvatore Sciarrino sowie die Malerei Jackson Pollocks als Einflüsse. Das kann man hörend nachvollziehen. Das Werk Luci nella notte V benötigt sogar vier Quartette und wir üblicherweise mit einen Livequartett und drei vorweg aufgenommenen Quartetten präsentiert (Different trains lässt grüßen). Die CD ist spiel- und aufnahmetechnisch gesehen 1. Sahne.


    https://onpolishmusic.com/cd-notes/othermixed-cds/•-andrzej-kwiecinski-umbrae-bolt-2016/

  • Wegen der Zusammenarbeit mit dem Quatuor Diotima und der Vollendung des vierten Satzes durch Philippe Manoury auch ein Geschöpf des 21. Jahrhunderts, das Livre pour quatuor von Pierre Boulez. In dieser Form nun zum ersten Mal eingespielt



    Die Aufnahmen entsanden im Funkhaus des WDR in Köln im Dezember 2023.

  • Owen Underhill
    String Quartet Nr. 3 - the Alynne

    Quatuor Bozzini


    Owen Underhill (Jg. 1954) ist ein kanadischer Komponist und Dirigent. Da mir gerade eine Ankündigung einer neuen CD mit Streichquartetten von ihm untergekommen ist, musste ich erst einmal hören, was das für eine Art von Musik er schreibt. Die gehörte Aufnahme stammt von 2012. Gibt es auf CD und im Strom. Nicht schlecht.

  • Das JACK Quartett, eine erstklassige Formation, die sich auf zeitgenössische Musik speziialisiert hat, veröffentlicht gerade Werke ihres Primgeigers Austin Wulliman. Er ist seit 2016 Mitglied des Ensembles.


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    Die Musik erinnert ein wenig an Scelsi, aber auch an "modernere" Geräuschmusik. Hauptwerk ist offensichltich das titelspendende Werk Escape Rites. Weitergehendes kann ich leider noch nicht ernsthaft zu den Werken sagen

  • Hübsches Cover! Scelsi-Nähe wäre mir sogar lieber als Lachenmann-Nähe. Was nicht heißt, dass ich mich Letzterer verweigere.


    Soll man die Betitelung mit englischen Briefmarken vergleichen? :P

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Rare Birds

    Owls

    Eine spezielle Form des Streichquartetts ist die New Yorker Formation Owls. Sie besteht aus Violine, Viola und zwei Celli. Ursprünglich nur für ein Konzert gebildet, hat man sich gleich so gut verstanden, das man häufiger zusammenkam und jetzt eine CD eingespielt hat. Alexi Kenney (violin), Ayane Kozasa (viola), Gabriel Cabezas (cello), Paul Wiancko (cello). Ayane und Paul sind inzwischen auch Mitglieder des Kronos Quartet. Insofern wird es wohl ein Nebenprojekt bleiben. Die Musik u.a. von Paul Wiancko, Franghiz Ali-Zadeh, Francois Couperin (!) und Terry Riley groovt und kommt entspannt rüber.


  • Eine weitere brandneue CD auf dem Kairos Label ist dem zypriotischen Komponisten Evis Sammoutis (*1979) gewidmet. Sammoutis beschreibt seine Musik auf seiner website so:


    Sammoutis' music predominantly explores the relationship between timbre and harmony, frequently using unorthodox methods of playing musical instruments to create unusual and highly virtuosic musical landscapes. Creating a context where extended instrumental and vocal techniques, as well as sounds traditionally associated as non-musical, are naturally fused with more traditional features of expression is central to his aesthetic.


    Das ist IMO eine sehr spannende zeitgenössische Musik, in der klanglich unglaublich viel passiert. Das vom Arditti Quartett gespielte Streichquartett Rhymes ist nur knapp 8 min lang, aber das eröffnende Streichsextett immerhin schon 17 min. Ein echter Soundtrip.


  • Beim NEOS Label ist dieser Tage eine CD mit den fünf Streichquartetten von Gérard Pape (*1955) erschienen (beim Werbepartner erst für Ende des Monats angekündigt, beim Label direkt (und portofrei) bestellt sofort geliefert).

    Pape ist in Brooklyn geboren und hat an der Universität von Michigan Psychology und Musik studiert. Er ist wohl auch als Psychologe tätig. Seit den 1990er Jahren lebt er in Paris. Seine Musik kann man in eine Nachfolge der Spektralisten einordnen.


    Aus einer frühen Faszination für Technik und elektronische Klänge entwickelte er, beeinflusst von Luigi Nono, Gérard Grisey und Horatiu Radulescu, eine zutiefst naturphilosophische Ästhetik: Musik als prozesshaftes Sein, geprägt von Licht- und Klangbrechungen, in stetiger Transformation, ohne je an denselben Punkt zurückzukehren. Im Zentrum steht für ihn das von Musiker: innen erzeugte Klangmaterial, vor allem das Streichinstrument mit seiner unendlichen Vielfalt spektraler Nuancen (Werbetext bei cpo).


    Seine fünf Streichquartette entstanden in regelmäßigen Abständen zwischen 1984 und 2025. Alle Werke tragen Titel und die Quartette werden auch immer länger (7:46 - 26:09). Die Quartette 3 und 4 arbeiten zudem mit pre-recorded string quartet music.


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