MAX LORENZ - WAGNER wahrhaftig

  • Lieber Willi, das Letzte, was mein kurzer Einschub bewirken sollte, ist Kritik an Deiner Arbeit, die ich sehr achte. Ich verstehe meine Bemerkungen nur als Ergänzung und hatte auch einige Zeit überlegt, ob ich sie überhaupt anbringen soll, um nicht missverstanden zu werden.


    Dir wünsche ich eine besinnliche Zeit in Deinem Café.


    Mit Gruß und Dank Rüdiger

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Alles ist gut, lieber Rüdiger, ich bin inzwischen auch längst wieder zu Hause. Ich habe deinen Beitrag in keinster Weise als Kritik angesehen. Manchmal gibt es Situationen, wo man nicht mehr weiter weiß. So wollte ich einem meiner Lieblingspianisten, Alfredo Perl, zum 50. Geburtstag gratulieren und kann es nicht, weil überall, wo von ihm die Rede ist, nur sein Geburtstsjahr 1965 angegeben ist. Und so weiß ich nicht, ober der Geburtstag schon vorbei ist oder noch kommt. So habe ich dann in seinem Thread nur bekannt gegeben, dass er in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. Mehr konnte ich nicht tun.
    Eines ist jedoch ziemlich wahrscheinlich, jedenfalls nach unserem Wetterbericht, nämlich dass die morgen beginnenden Eisheiligen - sie beginnen ja bekanntlich mit dem hl. Mamertus - kalendarisch gesehen dieses Jahr wohl ausfallen. Jedenfalls soll es diese Woche keine Nachtfröste geben, zumindest nicht bei uns im Westen. :D


    Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Die stimmlich ganz große Zeit des Heldentenors Max Lorenz fällt ausgerechnet mit den "tausend Jahren" zwischen 1933 und 1945 zusammen. Es gibt (leider viel zu kurze) Ausschnitte seines Siegfrieds aus der Bayreuther "Götterdämmerung" von 1934 an der Seite von Frida Leider (sie starben zufälligerweise im selben Jahr, 1975). Beim ersten Hören derselben dachte ich mir vor Jahren: das ist Siegfried!


    Obwohl alles andere als ein Nazi (als Homosexueller in Ehe mit einer jüdischen Frau), hing Lorenz' Karriere doch mit dem "Dritten Reich" zusammen. Es scheint fast so, als beginne sein stimmlicher Niedergang tatsächlich bereits kurz nach 1945. Das ist schade für den Sammler, gibt es Gesamtaufnahmen seines Siegmund und seines Siegfried doch erst aus der Nachkriegszeit. Berühmt ist der Scala-"Ring" unter Furtwängler 1950, wo er schon nicht mehr voll auf der Höhe war.


    Im "Neu-Bayreuth" Wieland Wagners wirkte Max Lorenz wie ein Dinosaurier. Bezeichnend, dass man ihn überhaupt nur noch zweimal, 1952 als "Götterdämmerungs"-Siegfried und 1954 als Siegmund, auf den Grünen Hügel bat. Beide Male dirigierte Joseph Keilberth. Aus der sonstigen Besetzung fällt Lorenz mit seinem bereits damals archaisch wirkendem Stil heraus. Die perfekte Stimmführung eines Lauritz Melchior besaß er nie; gleichwohl berührt mich Melchiors Gesang trotz allem viel weniger. In den 50er Jahren traten die Schwächen, die Lorenz auf dem Zenit noch überspielen konnte, deutlicher hervor. Im berühmten Duett im Vorspiel der "Götterdämmerung" an der Seite der damals auf ihrem absoluten Gipfel stehenden Astrid Varnay muss Lorenz schon alles aufbieten. Und doch gelingen ihm ungemein berührende Momente. Selten hat mich Siegfrieds Todeskampf so unmittelbar getroffen wie bei Max Lorenz 1952. Darstellerisch gewann seine Interpretation sogar noch hinzu, auch wenn man rein stimmlich nicht an 18 Jahre zuvor denken darf.


    Der 1954er Siegmund ist dann leider größtenteils nur mehr ein Dokument des Scheiterns. Stellenweise recht mitleiderregend. Es sollte dann auch sein letztes Bayreuth-Engagement sein. Danach ist mir keine auf Tonträger festgehaltene Wagner-Rolle von Max Lorenz mehr geläufig. 1956 sang er nochmal den Tannhäuser in Wien und 1960 das letzte Mal den Tristan in Dresden, 1962 verabschiedete er sich als Herodes in Wien von der Opernbühne. Hatte er seine Stimme doch über Gebühr strapaziert? Ein solcher stimmlicher Verfall mit Anfang 50 ist erstaunlich, mit Anfang 60 war es dann vorbei.


    Trotz allem: Max Lorenz wird mir immer als einer der größten Wagner-Sänger in Erinnerung bleiben. Gott sei Dank gibt es auch Aufnahmen aus seinen besten Zeiten.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Schön, dass Du diesen Thread aus der Versenkung geholt hast, lieber Joseph II.


    Es gab mal eine CD von Teldec, zuvor auch als LP erschienen, mit Szenen des Siegfried und dem Orchester der Bayreuther Festspiele 1936 unter Heint Tietjen. Hier ist sie:



    Die drei Ausschnitte - im Festspielhaus aufgenommen - lassen ahnen, wie hinreißend Lorenz die Rolle in seiner Glanzzeit gestaltete. Live - Du hast den berühmten kleinen Ausschnitt aus der "Götterdämmerung" mit Frida Leider einst selbst verlinkt - muss der Eindruck noch stärker gewesen sein. Vor Mikrophonen wirkt Lorenz etwas gehemmt. Nur in den verinnerlichten lyrischen Passagen - auf der CD ist "Dass der mein Vater nicht ist" enthalten - geht er ganz aus sich heraus. Was nun die Rückkehr ins Nachkriegs-Bayreuth anbelangt, hast Du das Manko genau beschrieben. Allerdings möchte ich nochmals darauf verweisen, dass Lorenz damals schon wesentlich älter gewesen sein dürfte, als zugegeben. Sein Kollege Hans Beirer behauptete gar, er habe zehn Jahre unterschlagen.


    Besonders krass fällt sein Zusammentreffen mit Martha Mödl aus. Als Zwillingspaar Sieglinde und Siegmund in der Walküre 1954 blieben sie sich total fremd. Ja, sie singen in dem überlieferten Mitschnitt aneinander vorbei. Für Lorenz, diesen legendären Siegmund, kam das Comeback hörbar zu spät, die Mödl blieb der Rolle, die sie viel zu eruptiv und mächtig angeht, die innige und mädchenhafte Seite schuldig. Vielleicht hätte ihr ein anderer Partner besser getan als der alternde Lorenz, der es einfach noch einmal wissen wollte – und praktisch scheiterte. Ein Schatten seiner selbst. Er hätte sich das nicht antun sollen. Fiel er seiner Eitelkeit zum Opfer? Die Aufnahme gleicht einem Museumsstück, das sich allenfalls hartgesottene Fans beider Sänger ins Regal stellen. Und warum kamen nun Lorenz und die Mödl nicht zusammen? Stimmliche Gründe allein dürften nicht den Ausschlag gegeben haben. Beide Ausnahmeerscheinungen waren nicht kompatibel, weil Lorenz mit seinem Stil in Bayreuth die Vergangenheit verkörperte, die Mödl aber die Zukunft.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent


  • Diesen Mitschnitt von 1947 umrankte immer eine gewisse Rätselhaftigkeit. Nun ist er wirklich greifbar. Für seine Jahre ist der Klang akzeptabel. Max Lorenz liefert eine unglaubliche Leistung ab. Es gibt keine Striche. Gesungen wird Wort für Wort. Die Emphase, die er vorlegt, dieses sich aufzehren in der Figur, dieses eins werden mit dem Leiden von Tristan, sucht für mein Empfinden seinesgleichen. Kurz: Ein bedeutendes Wagner-Dokument.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber Wolfgang, das kommt nun wirklich sehr auf die Erwartungen und Ansprüche an. Es tut mir leid, aber diesem Tristan würde ich jetzt immer auszuweichen versuchen. Ich habe die Aufnahme einmal gehört. Öfter muss nicht sein!
    Warum? Nun, das habe ich ja schon oft genug detailliert zu erklären versucht. und ständig widerholen mag ich meine Einwände gegen Lorenz Singen auch nicht! Mir fehlt einfach zu viel von dem, was Wagner selbst in seinen Schriften und Briefen wieder und wieder als wichtig herausgestellt hat.

    Lieber "Caruso41",


    ich lese gerade erstmals diesen älteren Beitrag von dir (aus dem Jahre 2011, da war ich noch nicht Mitglied dieses Forums) und bin mit diesem deinem Beitrag sehr glücklich, da es mir (noch im Teenageralter) beim damaligen Anhören dieser speziellen Aufnahme ganz ähnlich ging (sie hat mir das Werk viel stärker entfremdet als näher gebracht) - und auch mit meinen generellen Einwänden gegen die Art und Weise des Singens von Max Lorenz fühle ich mich nicht mehr ganz so allein. Insofern: ein spätes großes Danke von mir für diesen Beitrag! :hello:


    (Bei meinem Beitrag von 2017 in dieser Rubrik hatte ich wohl nicht weit genug zurückgeblättert.)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Walter-Hermann+Max-Lorenz.jpg


    Ein Büchlein sollte in diesem Thread unbedingt Erwähnung finden. Es ist nurmehr antiquarisch zu finden, hier mit Bild bei Booklooker, wo ich oft und gern kaufe. Der Autor Walter Herrmann umreißt kurz und knapp die Karriere dieses Heldentenors. Es kommen Weggefährten und Dirigentenb mit teils ausführlichen Widmungen zu Wort, darunter Hans Hotter, Hilde Konetzni, Astrid Varnay, Birgit Nilsson, Winifred Wagner, Eberhard Wächter und Gottfried von Einem, dessen Oper "Der Prozess" nach Kafka Lorenz mit aus der Taufe hob. Auch Maria Callas ist dabei. Sie rühmen Lorenz als großen Gestalter. Umfangreich ist der Bildteil. Und es gibt ein Rollenverzeichnis und eine Diskographie.


    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Kurz: Ein bedeutendes Wagner-Dokument.

    Nur schade, daß Knappertsbusch am Pult ist. Es ist, gerade wenn Lorenz nicht singt, furchtbar ziellos und oft gleichgültig. Aber trotzdem, auf meine Anregung hin (ich verschweige es nicht), ist dieses Dokument nun zugänglich. Ich habe es auch hier vor Monaten vorgestellt.

    Es gibt noch einige unbekannte Lorenz-Aufnahmen, allerdings aus den frühen 50er Jahren und deshalb für viele nicht wirklich von Interesse, darunter Tristan und Tannhäuser.


    M_P

  • Nur schade, daß Knappertsbusch am Pult ist.

    So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein. Ich habe in eingestellte Aufnahme bisher zwar nur auszugsweise hineingehört, doch entfaltete sich die Magie des Dirigats für meine Begriffe sofort, denke ich an die Orchesterbegleitung im Liebestod, wo Kna beim Höhepunkt die Posaunen strahlen lässt wie kein anderer, ähnlich wie in der bekannteren Gesamtaufnahme aus München 1950 (Orfeo). (Das habe ich so nur noch bei einer konzertanten Aufführung des Boston Symphony Orchestra mit Bernstein vernommen, der aber nur Vorspiel und Liebestod instrumental spielen ließ.) Solche Details machen für mich große Dirigenten aus.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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  • Nur schade, daß Knappertsbusch am Pult ist. Es ist, gerade wenn Lorenz nicht singt, furchtbar ziellos und oft gleichgültig. Aber trotzdem, auf meine Anregung hin (ich verschweige es nicht), ist dieses Dokument nun zugänglich. Ich habe es auch hier vor Monaten vorgestellt.

    Guten Morgen, habe ich übersehen, wann und wo Du diese CD vor Monaten vorgestellt hast? Ich kann mich jetzt nicht erinnern. Sei so lieb und hilf mir auf die Sprünge. Diese CD könnte ja in einigen Threads eine Rolle gespielt haben. Was nun Knappertsbusch am Pult anbelangt, bin ich ganz entschieden beim Urteil von Joseph II., den ich für einen durchaus kritischen Kenner dieses Dirigenten halte. Seine Beobachtung deckt sich mit der meinen. Man muss Knappertsbusch nicht mögen. Was nicht nur hier gegen ihn vorgebracht wird, ist es nicht genau das, was seinen Stil ausmacht? Etwas anderes zu verlangen, hießt doch, dass er künstlerisch nicht mehr er selbst sein solle - und dürfe. Gewiss, an ihm scheiden sich die Geister. Wie an vielen bedeutenden Erscheinungen, die polarisieren. Das gehört für mich zum Genie dazu. Ich schätze und verehre ihn, seit ich erstmal etwas mit ihm hörte. Persönlich konnte ich ihn nicht erleben. Meine Wahrnehmungen beziehen sich ausschließlich auf seine vielen - wie ich finde - faszinierenden - Tondokumente.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Guten Morgen, habe ich übersehen, wann und wo Du diese CD vor Monaten vorgestellt hast? Ich kann mich jetzt nicht erinnern. Sei so lieb und hilf mir auf die Sprünge.

    Guten Morgen, am 7. Nov. habe ich im Thread 'Was hört ihr gerade jetzt' geschrieben:


    Eine interessante Neu-Erscheinung: Tristan 3. Akt aus Zürich mit Max Lorenz, Kirsten Flagstad und Knappertsbusch am Pult, aufgenommen 1947.

    Am 13. Nov. hast Du geschrieben:


    Hallo MP, ist die CD in Deinem Besitz? Was ist tatsächlich darauf zu hören? Wirklich der gesamte dritte Aufzug? Für nähere Informationen wäre ich sehr dankbar.

    Daraufhin habe ich geantwortet (ich kann meine Antwort nicht zitieren wie sonst):


    Hallo Rheingold, jawohl die CD ist in meinem Besitz. Genau so ist es. Klanglich auch in Ordnung (Rundfunk-Direktschnitt auf Platte). Ich stehe gerne zur Verfügung für weitere Fragen! Grüße, M_P


    Danach war Stille.


    M_P

  • Herzlichen Dank für die Aufklärung. Dumm gelaufen für mich, zumal ich selbst auf Deinen Hinweis auch noch geantwortet hatte. :( Aber an diesen knappen Dialog kann ich mich erst jetzt wieder erinnern, da Du mir auf die Sprünge hilfst. Im Was-hört-ihr-gerade-jetzt-Thread bin ich nur ganz selten unterwegs, weil mir dort die Abläufe zu schnell sind. Dabei soll er neben Willis Erinnerungen der beliebteste und am meisten frequentierte des Forum sein. Leser schätzen wohl die Kürze und die Präzision, die dort vorbildlich gepflegt wird. Es tut mir also leid, nicht noch einmal auf Dein freundliches Angebot zurückgekommen zu sein.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Um das Geburtsjahr von Max Lorenz ranken sich gewisse Legenden. Insofern ist es fraglich, ob er heute tatsächlich seinen 114. Geburtstag hat. Als Lorenz 1932 an der Met auftrat, besuchte ihn sein ältester Bruder Albert, der nach Amerika ausgewandert war, als Max, noch ein "kleiner Bub gewesen ist". Er habe Albert nach "dreißig Jahren" sofort wiedererkannt. Das lässt auf ein Geburtsjahr jenseits 1900 schließen. Der Tenor Hans Beirer behauptete, dass Lorenz "mindestens zehn Jahre älter gewesen ist" als von ihm selbst angegeben. Der Musikjournalist und SFB-Moderator Einhard Luther, der Lorenz gut kannte und auch ein sehr persönliches Buch über ihn schrieb, konnte Lorenz nichts Verbindliches zu seinem Geburtstag entlocken. Lorenz soll ihm aber versprochen haben, "sein Geheimnis" eines Tages zu lüften". Der Tod kam ihm zuvor. Sieht man sich die Fotos aus den späten Jahren genau an, tritt einem eher ein gut Achtzigjähriger entgegen denn einer, der mal gerade siebzig ist. Aber das ist nun mal kein Beweis.

    Diese Spekulation über das tatsächliche Geburtsjahr von Max Lorenz finde ich sehr interessant zu lesen, könnte nämlich ein Schlüssel sein zur Erklärung meiner Probleme, die ich mit Max Lorenz habe: mir geht es nämlich nicht nur mit den Fotos, sondern auch mit den Aufnhamen so: seine Stimme klingt in den Aufnahmen der 1940er und 1950er Jahre irgendwie ältlich, "ältlicher" als erwartbar, was nun den Gesamteindruck nicht gerade fördert. Aber das könnte eine Erklärung dafür sein. Demnach hätte er dann freilich noch mit 70 den Tristan gesungen, was unabhängig vom klanglichen Ergebnis sehr respektabel wäre.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Meine anfängliche Skepsis an dieser Theorie, Lorenz seit wohl mindestens zehn Jahre älter als angegeben, ist weitestgehend verflogen. Nähme man ein Geburtstag um 1890 an, wäre einiges deutlich runder und würde besser hinkommen. Mich wundert, dass sich keinerlei Quellenmaterial dazu findet. Was tat Lorenz zur Zeit des Ersten Weltkrieges? Man findet dazu praktisch nichts. 1901 geboren, wäre er dem Kriegsdienst entgangen, zehn Jahre älter definitiv nicht.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Lieber 'Maestro_Peter',


    etwas ausführlicher über die von Dir am 7. 11. 2019* vorgestellte neue CD mit dem dritten Akt von "Tristan und Isolde" dürftest Du schon sein.


    Handelt es sich um dieselbe Aufführung vom 5. 6. 1947 aus dem Stadttheater in Zürich, aus der es bereits Ausschnitte aus dem ersten Akt auf einer LP der Firma 'A.N.N.A.' gab? Dort sangen Elsa Cavelti die Brangäne und der so tragisch durch einen Bühnenunfall um's Leben gekommene Andreas Boehm den Kurwenal. (Als 'Steuermann' nennt 'A.N.N.A.' den Bassisten Lubomir Vischegonov von der New Yorker 'Met', der ja wohl den 'König Marke' singt.) Wer ist denn der 'Hirt', der 'Steuermann' und der 'Melot'? (In der erstaunlich ausführlichen Discographie in dem obengenannten Buch aus dem Jahre 1976 - siehe Beitrag Nr. 68 - wird diese Aufnahme nicht genannt.)


    Vielen Dank im voraus für die Antwort!


    P. S.

    * Genau wie 'Rheingold1876' (Rüdiger) schaue ich nur selten in den Thread "Was hört ihr gerade jetzt?", der für mich ein unübersichtliches 'Sammelsurium' ist. (6058 Beiträge auf 202 Seiten im Jahre 2019!) Was soll das bringen? Hätte man nicht von Anfang an Unterteilungen in verschiedene Musikgruppen vornehmen können, etwa Sinfonik, Instrumentalmusik, Kammermusik, Liedgesang, Oper, Operette, Sänger-Recitals? (Kammermusik interessiert mich z. B. überhaupt nicht.) So geht so manche dort vorgestellte interessante Aufnahme verloren, wie man an dieser "Tristan"-CD exemplarisch sehen kann.


    Überhaupt finde ich die Unart einiger 'Taminos', lediglich das Cover einer LP oder CD - das häufig sehr wenig aussagekräftig ist - oft ohne weitere Angaben zu posten, nicht sehr benutzerfreundlich. (Für mich ist das "Tamino-Klassikforum" in erster Linie ein unschätzbares Archiv und Nachschlagewerk.) Ein paar Worte wird man sich doch wohl abringen können? Das musste ich mal los werden!


    Carlo

  • etwas ausführlicher über die von Dir am 7. 11. 2019* vorgestellte neue CD mit dem dritten Akt von "Tristan und Isolde" dürftest Du schon sein.

    Ich hatte am Anfang gar nicht vor, ausführlicher zu schreiben: das Bild habe ich damals beigefügt, da standen vier Namen darauf, auch das Orchester und das Jahr und ich habe sie noch einmal erwähnt, falls man das Bild nicht anschauen wollte/konnte. Über die Qualität habe ich auch geschrieben und noch dazu, daß ich für weitere Fragen gerne zur Verfügung stehe. Also wirklich!


    M_P

  • Ob man sich selten oder viel in den Thread schaut hat aber nichts damit zu tun, daß man sich trotzdem für beantwortete Fragen bedanken kann.


    M_P

  • Walter-Hermann+Max-Lorenz.jpg


    Ein Büchlein sollte in diesem Thread unbedingt Erwähnung finden. Es ist nurmehr antiquarisch zu finden, hier mit Bild bei Booklooker, wo ich oft und gern kaufe. Der Autor Walter Herrmann umreißt kurz und knapp die Karriere dieses Heldentenors. Es kommen Weggefährten und Dirigentenb mit teils ausführlichen Widmungen zu Wort, darunter Hans Hotter, Hilde Konetzni, Astrid Varnay, Birgit Nilsson, Winifred Wagner, Eberhard Wächter und Gottfried von Einem, dessen Oper "Der Prozess" nach Kafka Lorenz mit aus der Taufe hob. Auch Maria Callas ist dabei. Sie rühmen Lorenz als großen Gestalter. Umfangreich ist der Bildteil. Und es gibt ein Rollenverzeichnis und eine Diskographie.


    Lieber Rüdiger, besonders interessant finde ich den in dem Buch abgedruckten Brief von Maria Callas, in dem sie Lorenz um eine Kopie des Mitschnitts ihres gemeinsamen "Tristans" bittet. Leider wird man wohl nicht herausbekommen, ob er wirklich ein Band davon besaß.

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  • Beitrag vom 7. 11. 2019 (Nr. 5154 / Seite 172) im Thread "Was hört ihr gerade jetzt? 2019":

    Eine interessante Neu-Erscheinung: Tristan 3. Akt aus Zürich mit Max Lorenz, Kirsten Flagstad und Knappertsbusch am Pult, aufgenommen 1947.


    s-l640.jpg


    Ob man sich selten oder viel in den Thread schaut hat aber nichts damit zu tun, daß man sich trotzdem für beantwortete Fragen bedanken kann.


    M_P

    Das habe ich getan!


    Vielen Dank im voraus für die Antwort!

    Auf die Antwort auf meine Fragen warte ich aber noch!


    Carlo

  • Lieber Rüdiger, besonders interessant finde ich den in dem Buch abgedruckten Brief von Maria Callas, in dem sie Lorenz um eine Kopie des Mitschnitts ihres gemeinsamen "Tristans" bittet. Leider wird man wohl nicht herausbekommen, ob er wirklich ein Band davon besaß.

    Lieber Calatrava, ich gehe zu nahezu hundert Prozent davon aus, dass es diesen Mitschnitt nicht gibt. Mein schon erwähnter väterlicher Freund Einhard Luther, der einen guten Draht zu Max Lorenz hatte und für Wagner brannte, war einem Mitschnitt hinterher. Vergeblich. :( Auch er war sich absolut sicher, dass er nicht existiert. Verzehren wir uns also weiterhin danach. Das hat bekanntlich auch was.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Hallo,


    hier der Wortlaut des Briefes von Maria Callas an Max Lorenz vom 14. 11. 1968:


    "Dear Max - I hope you remember me since the old days we sang together. I will never forget our performances together. I hope you are well and content with life, Max. I keep on with mine as best as I can. I wonder if it is true that you have a tape of our 'Tristan' together. I was told that you have one and I would be so happy if I could have a copy for my personal pleasure. Could you write to me if so and anyway I would so like to hear from you. Much affection and hoping to hear from you I remain yours - Maria Callas"


    Maria Callas und Max Lorenz sangen in drei Vorstellungen von "Tristan und Isolde" gemeinsam am Teatro Grattacielo in Genua (mit Elena Nicolai als 'Brangäne', Raimundo Torres als 'Kurwenal' und Nicola Rossi-Lemeni als 'König Marke' - Dirigent: Tullio Serafin): am 12., 14. und 16. Mai 1948.


    Carlo

  • Zitat von Carlo

    P. S.

    * Genau wie 'Rheingold1876' (Rüdiger) schaue ich nur selten in den Thread "Was hört ihr gerade jetzt?", der für mich ein unübersichtliches 'Sammelsurium' ist. (6058 Beiträge auf 202 Seiten im Jahre 2019!) Was soll das bringen? Hätte man nicht von Anfang an Unterteilungen in verschiedene Musikgruppen vornehmen können, etwa Sinfonik, Instrumentalmusik, Kammermusik, Liedgesang, Oper, Operette, Sänger-Recitals? (Kammermusik interessiert mich z. B. überhaupt nicht.) So geht so manche dort vorgestellte interessante Aufnahme verloren, wie man an dieser "Tristan"-CD exemplarisch sehen kann.


    Überhaupt finde ich die Unart einiger 'Taminos', lediglich das Cover einer LP oder CD - das häufig sehr wenig aussagekräftig ist - oft ohne weitere Angaben zu posten, nicht sehr benutzerfreundlich. (Für mich ist das "Tamino-Klassikforum" in erster Linie ein unschätzbares Archiv und Nachschlagewerk.) Ein paar Worte wird man sich doch wohl abringen können? Das musste ich mal los werden!

    Wenn du mit dem Thread nichts anfangen kannst (ich finde er gibt einem viele Anregungen, und wenn mich was interressiert Frage ich entweder nach, oder schaue weiter im Netz), musst du ihn ja nicht lesen, ich lese deine Beiträge auch nicht, weil sie mich nicht interressieren, also, wo ist der Unterschied!? Und BITTE jedem das seine, dafür gibt es doch hier genügend Ausweichmöglichkeiten!


    Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Hallo, Fiesco!


    Exakt diese Antwort habe ich von Dir erwartet! Allerdings lese ich Deine Beiträge, weil sie mich schon interessieren - nur vermeide ich, darauf zu reagieren, weil Du mich schon zwei Mal grundlos heftig angegriffen hast.


    Carlo

  • Lieber Calatrava, ich gehe zu nahezu hundert Prozent davon aus, dass es diesen Mitschnitt nicht gibt. Mein schon erwähnter väterlicher Freund Einhard Luther, der einen guten Draht zu Max Lorenz hatte und für Wagner brannte, war einem Mitschnitt hinterher. Vergeblich. :( Auch er war sich absolut sicher, dass er nicht existiert. Verzehren wir uns also weiterhin danach. Das hat bekanntlich auch was.

    Lieber Rüdiger, danke für diese Information, was natürlich sehr schade ist. Mit Einhard Luther habe ich vor vielen Jahren einmal telefoniert, um die Quelle eines Zitates zu erfahren, das er in einem CD-Booklet gebracht hat. Leider ohne Erfolg. (Aber er plauderte nett.) Die fehlenden Quellen verleideen mir auch ein wenig seine Heldentenor-Bücher, die ohne Fußnoten doch erheblich an Wert verlieren - zumindest für den wissenschaftlich interessierten.

  • Auch wenn man Max Lorenz' letzte Aufnahme des Götterdämmungs-Siegfrieds (Bayreuth 1952 unter Keilberth) nicht mehr uneingeschränkt empfehlen kann, so habe ich doch Siegfrieds Tod nirgendwo so anrührend vernommen. Ein würdiger Abgang für einen der größten Heldentenöre. Da wird der Wagner-Gesangsstil der 1930er und 40er Jahre zu Grabe getragen.


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Auch wenn man Max Lorenz' letzte Aufnahme des Götterdämmungs-Siegfrieds (Bayreuth 1952 unter Keilberth) nicht mehr uneingeschränkt empfehlen kann, so habe ich doch Siegfrieds Tod nirgendwo so anrührend vernommen. Ein würdiger Abgang für einen der größten Heldentenöre. Da wird der Wagner-Gesangsstil der 1930er und 40er Jahre zu Grabe getragen.

    Treffender lässt es sich - wie ich finde - nicht formulieren! Im Nachkriegs-Bayreuth war ja die Karriere von Lorenz noch nicht beendet. Doch alles, was danach kam, ist ehr aus historischen Gründen der Rede wert, nicht stimmlich, legt man den Maßstab an seine besten Leistungen. Dazu gehört auch der Erste Kaufmann in der "Irischen Legende" von Werner Egk, die am 17. August 1955 bei den Salzburger Festspielen in sehr prominenter Besetzung uraufgeführt wurde. Ein Mitschnitt ist bei Orfeo erschienen.



    In der selben Salzburger Saison dann noch drei Vorstellungen einer neuen Inszenierung von Pfitzners "Palestrina". Was für eine Anstrengung. Lorenz wollte es wohl noch einmal wissen. Das paste zu ihm. Stimmlich kann er im Vergleich mit seinen berühmten Kollegen in der Titelrolle dieses Werkes nicht bestehen. Aber die Gebrochenheit der Figur vermittelt er sehr anrührend. Und wie es sich gehört für diese musikalische Legende sind fast alle Rollen mit Sängern besetzt, die in ihrer Zeit in der obersten Liga spielten. Leider lässt die technischen Qualität des Mitschnitts zu wünschen übrig. Er hätte ein gutes Remastering verdient.


    Es grüßt Rheingold1876


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  • Gegen Ende seiner sehr erfolgreichen Karriere ist Max Lorenz 1961 in einer Uraufführung anzutreffen, der kein Erfolg beschieden war.


    Rudolf Wagner-Régeny

    DAS BERGWERK ZU FALUN


    Elis Fröbom

    HERMANN UHDE

    Persohn Dahlsjö

    LUDWIG WELTER

    Anna

    ELISABETH SCHWARZENBERG

    Großmutter

    RES FISCHER

    Bergkönigin

    SONA CERVENA

    Der alte Torbern

    MAX LORENZ

    Frau Jensen, Wirtin

    SIEGLINDE WAGNER

    Ilsebill

    SIEGLINDE KAHMANN

    Regine

    MARY RICHARDS

    Kathrine

    LAURENZE DUTOIT

    Peter

    SIEGFRIED RUDOLF FRESE

    Klaus

    LJUBOMIR PANTSCHEFF

    Portugieser

    JOSEF KNAPP

    Fischer

    MINO YAHIA

    Seine Frau

    HILDE KONETZNI

    Sein Sohn

    KURT EQUILUZ

    Kind

    KARIN HAGER


    Wiener Philharmoniker

    HEINZ WALLBERG


    Mitschnitt der Uraufführung

    16. August 1961

    Altes Festspielhaus Salzburg


    Musikwanderer hatte das Werk im Opernführer ausführlich behandelt und auch schon die Mitwirkenden der Salzburger Uraufführung genannt. Ich kenne nur den akustischen Mitschnitt. Er klingt nicht übel, und langweilig finde ich diese Oper nun auch wieder nicht. Es wäre wünschenswert, brächte sie Orfeo in seiner Festspielreihe offiziell heraus. Lorenz mit seinem unverwechselbare metallischen Timbre ist natürlich sofort herauszuhören. Es fehlt ihm zwar etwas an Luft, aber er bringt immer noch sehr eindringliche dramatische Momente zustande.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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