Florence Price (1887 - 1953)


  • Heute vor 60 Jahren gestorben:


    Florence Beatrice Smith Price (* 9. April 1887 in Little Rock, Arkansas; † 3. Juni 1953 in Chicago (Illinois) war die erste Afroamerikanerin, die in den USA als Komponistin klassischer Musik bekannt wurde.


    Als "Wunderkind" trat sie im Alter von vier Jahren erstmals als Pianistin auf; von 1903 bis 1906 studierte sie am New England Conservatory Musiktheorie und Orgel.
    Nach Rassenunruhen übersiedelte sie 1927 oder 1928 nach Chicago. Hier entstanden Kompositionen wie die Fantasie Nègre für Violine und Klavier (1929) und die Sinfonie e-Moll, mit der sie 1932 den Wanamaker Prize gewann und die zur Weltausstellung 1933 vom Chicago Symphony Orchestra unter Leitung von Frederick Stock aufgeführt wurde.


    Später lebte sie von ihren Einkünften als Klavierlehrerin und der Komposition von populären Songs, die sie unter dem Pseudonym Vee Jay veröffentlichte. Außerdem betätigte sie sich als Stummfilmorganistin und orchestrierte Stücke für den Rundfunk. Am 3. Juni 1953 , heute vor 60 Jahren, erlag sie in Chicago einem Schlaganfall.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zu schade, dass das Werk dieser begnadete Frau trotz Hypes nach wie vor ein Schattendasein führt.
    Die ersten beiden Sätze ihrer ersten Sinfonie, ihr zweites Violinkonzert und ihr zweites Streichquartett genügten bereits um den Bann zu brechen.

    „Puccini ist der Verdi des kleinen Mannes, und Lehár ist dem kleinen Mann sein Puccini.“

  • Als ich letztes Jahr die 3. Sinfonie im Kulturradio hörte, war ich nicht so überzeugt. Zumindest hat es nicht gelangt um mich noch mehr mit ihrem Werk zu beschäftigen.

    Aber irgendwann geh ich da nochmal ran...

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Yannick Nézet-Séguin setzt sich für Florence Price ein und hat zwei CDs mit Werken von ihr herausgebracht:


    Florence Price (1887-1953)

    Symphonien Nr.1 & 3

    Philadelphia Orchestra, Yannick Nézet-Séguin

    DGG, DDD, 2021


    Florence Price (1887-1953)

    Violinkonzerte Nr.1 & 2

    +Adoration (arrangiert für Streicher)

    +Max Bruch (1838-1920)

    Violinkonzert

    Randall Goosby, Philadelphia Orchestra, Yannick Nézet-Séguin

    Decca, DDD, 2022

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Die Alben haben sich nur anscheinend nicht gut genug verkauft, denn eine dritte Aufnahme von Nézet-Séguin und dem Philadelphia Orchestra mit der noch fehlenden 4. Sinfonie von Price (die 2. ist verschollen) sowie der "Negro Folk Symphony" von William Dawson ist am 15. September 2023 leider ausschließlich digital bei der DGG erschienen. Da mittlerweile schon über ein Jahr seit der Veröffentlichung vergangen ist, glaube ich leider nicht mehr an eine CD-Veröffentlichung, auf die ich mich sehr gefreut hatte :(

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  • Ich habe es nun nocheinmal mit der 1. Sinfonie in e-Moll probiert und bin etwas mehr angetan. Die Musik ist auf jeden Fall interessant! Man kann festhalten, dass Price die Themenfindung und die melodischen Elemente liegen. Das klingt sehr abwechslungsreich und interessant. Pentatonisch-amerikanisch - man denkt unwillkürlich an Dvorak. Attraktiv sind z.B. das Hauptthema im Kopfsatz, das von Trommeln begleitete choralartige Lied als Thema des Variationssatzes und der Juba-Tanz, ein ursprünglich karibischer Sklaventanz, der in vielen ihrer Werke vorkommt.

    Allerdings muss man Price auch gewisse kompositorische Schwächen bescheinigen, denn sie macht aus diesem tollen Themenmaterial finde ich viel zu wenig. Die Musik entwickelt sich kaum bzw. nicht bezwingend. Damit ist sie nun wirklich nicht die einzige und auf Grund ihrer interessanten, genuin amerikanischen Musik, werde ich doch nochmal ein bisschen mehr von ihr hören.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Danke Amdir und Tristan! Bevor die CD - ich hatte bei JPC reingehört und sie hat mich neugierig gemacht - vergriffen ist und auch nur noch über Streaming zugänglich, werde ich sie mir holen! :):hello:

  • "Etikettenschwindel beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker?"

    https://backstageclassical.com…orence-price-nur-benutzt/


    In den USA ist es schon seit längerem Thema, nun erreicht es zunehmend auch uns: Der beim heurigen Wiener Neujahrskonzert unter Yannick Nézet-Séguin gespielte "Rainbow Waltz" in der Orchestrierung von Wolfgang Dörner hat offenbar wenig mit dem originalen Klavierwerk von Florence Price zu tun, wie Fachleute mokieren.


    "Die Partitur und das Manuskript von Price sind ein vollkommen anderes Werk", so auch der Komponist Alexander Strauch gegenüber "BackstageClassical". Der ORF verweist auf Anfrage an die Wiener Philharmoniker, die nun bejahen, dass das Original und die Orchestrierung nicht identisch seien. Der Arrangeur Dörner schweigt bislang dazu, genauso Sony Classical. Jenseits des Atlantiks preschte das Philadelphia Orchestra, das seit 2012 von Nézet-Séguin geleitet wird, nun vor und kündigte an, 2027 eine neue, diesmal werkgetreue Orchesterfassung präsentieren zu wollen.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões