Die Villa Köstlin in Tübingen
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Nun, Musikfreunde werden sich fragen, für welche Art von Musik der Name Köstlin steht.
Es geht um Josephine Köstlin, geborene Lang, die in Musikerkreisen eher unter dem Namen Josephine Lang, eine 1815 in München geborene Sängerin und Komponistin, bekannt ist.
Die bayerische Königinwitwe Karoline Auguste hatte gesehen, dass Josephine Lang, Mitglied des Hoftheaters, gesundheitlich angeschlagen war und sorgte dafür, dass die Vierundzwanzigjährige einen Kuraufenthalt in Bad Kreuth genießen konnte. Und weil in einem Kurbad nicht ganz Gesunde aufeinandertreffen, ergab es sich, dass Josephine Lang auf den ebenfalls nicht ganz gesunden Dichter und Juristen Christian Reinhold Köstlin aus Tübingen stieß.
Er dichtete, sie komponierte; innerhalb von zwei Jahren vertonte sie 23 seiner Gedichte.
Das mag zur Gesundung beigetragen haben; es war jedenfalls ein Wendepunkt im Leben der bekannten Münchner Komponistin und Sängerin Josephine Lang.
1842 heiratete das Paar und dann war für Josephine Köster die Stadt Tübingen, damals eine Stadt mit etwa knapp 9.000 Einwohnern, der Lebensmittelpunkt.
Für die frischgebackene Frau Köstlin war das schon ein Kontrastprogramm in die überschaubare Universitätsstadt zu kommen. Die Lebensumstände der Köstlins waren in jeder Hinsicht gehoben; Köstlin ließ am Rande des Botanischen Gartens - das war damals noch eine märchenhaft idyllische Gegend - für seine Familie eine Villa im spätklassizistischen Stil errichten, die mit zwei Klavieren ausgestattet war.
In diesem Hause verkehrten dann auch Geistesgrößen der Universität, deren Gedichte Frau Köstlin schon vertont hatte, als sie noch als Josephine Lang in München wirkte; einige bekannte Namen der illustren Besucher seien genannt:
Berthold Auerbach, Immanuel Feißt, Emanuel Geibel, Karl von Gerock, Konradin Kreutzer, Friedrich Rückert, Gustav Schwab, Friedrich Silcher, Ludwig Uhland, Theodor Vischer und viele andere, auch die berühmte Geigerin Teresa Milanollo soll in der Köstlin-Villa gewesen sein.
Man wundert sich schon etwas über die Größe des Hauses, denn Häuslebauer Köstlin sprach, beziehungsweise schrieb, von einem ›Häuschen‹, nachzulesen in einem Brief, den er im Dezember 1841 an Felix Mendelssohn schrieb:
»Ich habe mich als Grundbesitzer hier seßhaft gemacht; ich gedenke nächsten Frühling auf reizender Stelle ein Häuschen zu bauen, ganz so wie es für die Wohnung einer Josephine Lang es sich schickt, von Rasen und Akazien rings umgeben, frei und hoch, und innen und außen edle Formen.«
Das Haus füllte sich auch recht bald mit familiärem Leben, denn zwischen 1842 und 1849 wurden hier sechs Kinder geboren Also musizierte Frau Köster eigentlich nur noch im Familienkreis. Ihre Kinder ohne Musik aufwachsen zu lassen war für Mutter Josephine wohl nicht vorstellbar, also bildete sie aus den vier Knaben ein Streichquartett und die beiden Töchter waren für den Gesang zuständig. Dass diese Idylle so nicht erhalten blieb ist ein anderes Thema ...
Als Reinhold Köstlin im September 1856 starb, wurden die Finanzen bei der hinterlassenen Ehefrau, die sechs unmündige und zum Teil, kranke Kinder zu versorgen hatte, knapp. Also begann sie wieder zu unterrichten und hatte durch die Qualität ihres Unterrichts auch einen gewissen Zulauf. Dass sie ab 1865/66 den Prinzen Wilhelm II. von Württemberg und den Herzog Eugen von Württemberg unterrichtete, war sicher ein willkommenes Aushängeschild, aber sie musste mitunter auch die Zahl ihrer Schüler reduzieren, weil sie das nicht immer gesundheitlich verkraften konnte. Als sie sich hilfesuchend an Clara Schumann und Ferdinand Hiller wandte, konnten die ihren Einfluss bei Verlagen geltend machen, damit die Drucklegung weiterer Liedkompositionen von Lang, etwas Geld nach Tübingen brachte.
Als Josephine Lang im Jahr 1800 stirbt, hat sie nicht nur ihren Mann, sondern auch drei ihrer sechs Kinder überlebt.
Von einer Idylle bezüglich der Villa kann heute keine Rede mehr sein und es ist glücklichen Umständen zu verdanken, dass das Haus überhaupt noch steht, da gab es nämlich bereits - das war in den 1960er und 1970er Jahren - Abrisspläne fortschrittlich denkender Stadtplaner.
Das Haus steht also noch, wurde jedoch unvorteilhaft verändert und dient seit 1881 der Universitätsverwaltung. Ein Teil des Gartens wurde überbaut, um Parkmöglichkeiten zu gewinnen. Im Gebäude ist aktuell das ›College of Fellows‹ untergebracht, wobei es darum geht, ›den internationalen und interdisziplinären Austausch innerhalb der Universität und mit der Öffentlichkeit aktiv mitzugestalten‹.
Zu seinen Lebzeiten war Christian Reinhold Köstlin als vielseitiger ›Dichterjurist‹ bekannt und veröffentlichte unter dem Pseudonym ›Christian Reinhold‹ und seine Gattin komponierte mehr als 300 Lieder, auf die in jüngster Zeit wieder verstärkt aufmerksam gemacht wird.
An den etwa 180 Jahre alten kulturellen Tübinger ›Brennpunkt‹ erinnert seit 2016 eine Gedenktafel. Der rührige Oberbürgermeister der Stadt hat bereits eine Idee entwickelt, dass der Standort des Hauses durch mehr Grün wesentlich aufgewertet werden könnte.
Der Standort des Hauses ist Rümelinstraße 27; rüber zum interessanten Alten Friedhof sind es nur fünf Gehminuten, wo man das renovierungsbedürftige Grab der beiden findet.
Neben diese Gedenktafel am Haus, wurde der Name Josephine Lang auch noch durch eine Straßenbenennung geehrt.

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Ein historisches Foto der Villa

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